Zur »Frauenfrage« in der Linken

Ein Vortrag von Andrea Trumann (Autorin von »Feministische Theorie«) vom März 2009 zur sog. Frauenfrage in der Linken seit ’68. Der Mitschnitt weist leider Lücken bzw. kleine Sprünge auf, die das Hören etwas anstrengend machen.

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5 Antworten auf “Zur »Frauenfrage« in der Linken”


  1. 1 eine treue hörerin 19. August 2009 um 21:42 Uhr

    hallo!
    es gibt doch keine frauenfrage – keine soziale frage, keine judenfrage, ausländerfrage, … solche fragen stellen sich nur die herrschenden bzw. die sozialdemokratie!
    eine treue hörerin der super zusammengestellten seite

  2. 2 Ernst 20. August 2009 um 0:27 Uhr

    Danke für diesen Kommentar! Ich stelle seine Richtigkeit jedoch ein Stück weit in Frage.

    Solang es soziale Ungleichheit großen Ausmaßes gibt, wird diese als »soziale Frage« (oder sonstwie) reflektiert.
    Und solang die Gesellschaft strukturell androzentrisch und patriarchal ist, stellt sich auch »die Frauenfrage«, denke ich. Besonders in einer emanzipatorischen, radikal gesellschaftskritischen Bewegung, vor allem dann, wenn sie männlich dominiert ist, muss die »Frauenfrage« diskutiert werden, um den meist selbst im Androzentrismus befangenen Ausgangspunkt um die Problematik des Geschlechterverhältnisses und der abgespaltenen Lebensmomente (bspw. häusliche Reproduktionstätigkeiten) zu erweitern. Mit dem Ergebnis freilich, dass es diese Frage nicht geben sollte bzw. in einer vernünftigen, herrschaftslosen Gesellschaft auch nicht mehr geben wird. Es sind jedoch die Verhältnisse selbst, die diese »Fragen« aufwerfen und jene insofern nicht apriorisch zu verwerfen.
    (Was die »Juden-« und »Ausländerfrage« betrifft, so sind diese noch auf einer etwas anderen Ebene zu verorten. Aber auch hier sind die Verhältnisse zu kritisieren, die Antisemitismus, Rassismus und Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit als (Basis-)Ideologien immer wieder hervortreiben.)
    War Marx Sozialdemokrat oder zählte er gar zu »den Herrschenden«, weil er »Zur Judenfrage« Stellung genommen hat?

    Ich habe Titel & Text des Betrags relativiert, da das Thema der sogenannten Frauenfrage zwar wichtig, aber die Bezeichnung fragwürdig ist.

  3. 3 eine treue hörerin 23. August 2009 um 14:48 Uhr

    hallo!

    ist ja nett, eine antwort zu bekommen. wie immer zeigt sich, dass die dinge doch nicht so klar sind ‚in der szene‘.

    also, ich meine, es waren sogar marx und engels, die den begriff „soziale frage“ kritisierten. eben als kritik, dass die sozialdemokratie keine revolution machen will, sondern etatistisch die dinge lösen – eben als alternativ-leviathan oder wie robert kurz es im hier letzterschienenen vortrag nannte. es geht dabei auch um eine art ‚identitäts‘problem: die arbeiter müssen die revolution machen, um weniger ihre soziale lage, als vielmehr deren ursachen zu bekämpfen. wenn der staat oder eine (soz.dem) regierung ‚das‘ an ihrer stelle macht, also einige soziale probleme löst, ist das paternalistisch etc. bzw. aus sicht der arbeiter keine emanzipation. mit dem begriff „soziale frage“ geht auch eine verschiebung zum humanismus einher.

    man müsste gucken, wo der begriff „x-frage“ überhaupt herkommt. die „orientalische frage“ ist da, meine ich, so ein vorläufer: halt auch aus herrschender sicht, aus sicht europäischer, mit dem osmanischen reich konkurrierender großmächte, ein problem, das es für sie gibt. aus osmanischer sicht gab’s natürlich keine orientalische frage. bei der orientalischen frage ging es – glaube ich – hauptsächlich um die unabhängigkeit südosteuropäischer staaten, also auch um befreiung und emanzipation gewissermaßen. wieder auch um freiheit durch staatliches handeln, auch paternalistisch, indem die anderen großmächte die unterdrückten länder/nationen/völker/kollektividentitäten vom „türkischen joch“ befreien.

    allein daher haben marx und engels, die sich, meine ich, ganz im sinne der zeit zur „orientalischen frage“ verhielten, die merkwürdige denkkategorie x-frage, die eine hegemoniale sprechposition und eine problemkonstruktion aus dominanter sicht beinhaltet, ohnehin drauf.
    dann zur „judenfrage“ bei marx. ging es dabei um die emanzipation der juden durch staatliche maßnahmen (gesetzesänderungen) oder um die ‚emanzipation von den juden‘ und deren ‚macht im finanzbereich‘ etc.? ich weiß es zugegebenermaßen nicht, kenne nur die paar immer zitierten sätze aus dem berühmt-berüchtigten aufsatz, was ja eher fürs letzte spricht. daher weiß ich nicht, wie marx‘ reden einzuordnen ist, da gibt’s ja theoretisch bedingt verschiedene sichtweisen auch auf die berüchtigten stellen und den stellenwert des aufsatzes. aus jüdischer sicht, denke ich, gibt es keine „judenfrage“ in sachen emanzipation, sondern das problem der gesetzesänderungen. (dass es im sinne des phantasmas von der unterdrückung von anderen aus jüdischer sicht keine „judenfrage“ gibt, ist klar.) dass wahrscheinlich auch jüdische autorInnen von der „judenfrage“ geschrieben haben werden in bezug auf die jüdische emanzipation, zeigt nur, dass und wie sehr die dominierten innerhalb des herrschenden diskurses, der sich als neutral/universal geriert, agieren müssen. es ist ja gerade ein qualitativ eigenständiger prozess, die hegemoniale sprache und denkweise und sichtweise auf sich selbst zu überwinden.

    was der historische hintergrund der „frauenfrage“ als terminus ist, weiß ich auch nicht, vielleicht wurde er von frauen geprägt, analog zu den anderen kursierenden fragen. es gab auch mal eine „liga zur verteidigung der schwarzen rasse“ … natürlich ist die frauenfrage/das problem der emanzipation von frauen auch nicht vollkommen strukturell analog zur sozialen frage/zur emanzipation von arbeitern/zur revolution, auch nicht zur jüdischen frage/zur jüdischen emanzipation.

    als allgemeine struktur des sprechens über „fragen“ lässt sich aber wohl festhalten: ein „frage“ genanntes problem wird aus herrschender sicht definiert und zu lösen versucht, wobei ‚die herrschenden‘ natürlich nicht personalisierend zu denken ist, sondern als gesellschaftliche struktur, meistens im staat verallgemeinert, der die lagen von frauen, juden, ausländern, unterdrückten woanders, … verbessern soll, was natürlich nicht geht, da alle diese ungleichheitsverhältnisse in staat und nation aufgehoben sind. dass die „juden- und zigeunerfrage“ irgendwann gekippt sind, von der verbesserung ihrer lage zur verbesserung der lage des selbst (im ns durch ‚deren‘ vernichtung), ist richtig, und das ist nicht mit der „frauenfrage“ analogisierbar, das stimmt. die „ausländerfrage“ ist dann eine weiche form der „judenfrage“ gewissermaßen. allem gemeinsam ist aber der subjektwechsel: nicht die beherrschten stellen und haben eine frage, sondern die herrschenden/der staat. die sicht auf die jeweils gemeinten als problem geschieht vom hegemonialen blick aus, die definition einer „frage“ ist ein herrschaftlicher akt, die lösung der „frage“ soll am grundsystem nichts ändern.

    so in etwa ist mein einwand gemeint. ist leider etwas lang geworden – ich hoffe, verständlich…
    beste grüße!

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