Die Politisierung der Lust. Sexualität im Nationalsozialismus

Die Basisgruppe Politikwissenschaft dokumentiert einen interessanten Vortrag von Ljiljana Radonic zur Sexualität im Nationalsozialismus. Es wird vor allem der Mythos von der Sexualfeindlichkeit der Nazis destruiert. Radonic bedient sich zur Ergründung der widersprüchlichen nazistischen Einstellung zur Lust vor allem der psychoanalytischen Ansätze Freuds und der kritischen Theorie.

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6 Antworten auf “Die Politisierung der Lust. Sexualität im Nationalsozialismus”


  1. 1 Thiel Schweiger 09. Januar 2010 um 7:31 Uhr

    Ohne den Vortrag gehört zu haben, muss man sich da ja nur mal den Film „Münchhausen“ als eine sicherlich repräsentative NS-Produktion anschauen, um sich vom Wahrheitsgehalt dieser These zu überzeugen. Also so schlüpfrig wie da gehts bei uns heute im Kino nicht zu. Die andauernden Zoten wirken fast schon penetrant.

    Die Konstruktion eines sexualfeindlichen NS dient wohl dazu, der eigenen sexuellen Praxis einen ideologischen Mehrwert zu verschaffen, den sie ohne diese Abgrenzungsbewegung nicht hätte.
    Andererseits würde ich sogar behaupten, dass weitaus wirkungsmächtiger das umgekehrte Konstrukt ist, den NS mit einer irgendwie abnormen Sexualität zu identifizieren, etwa mit Sadomasochismus, Homosexualität, Pädophilie oder einfach einer besonders hemmungslosen, lieblosen Sexualität. Die Abwesenheit von Sexualität wiederum wird selbst als sexuelle Perversion gefasst. Ich denke dabei z.B. an die Figur des „Judenjägers“ in „Inglorious bastards“, der am Ende die Frau erwürgt, anstatt sie, was man eigtl erwarten würde, zu vergewaltigen (ich hoffe, diese Lesart hat nichts Projektives an sich).
    Andere aktuelle Filme rücken die NS-Sexualität mE in ein ähnliches Licht (insbesondere die mannigfaltigen Porträts von Nazi-Größen).
    Klar, das in ethischer Hinsicht abnorme muss es natürlich auch in sexueller Hinsicht sein. Das Publikum wird so erst ermächtigt, die charakterliche Insuffizienz der Nazis adäquat zu erfassen und kann daraus (ob von den Produzenten intendiert oder nicht) Konsequenzen für die eigene Praxis ziehen. Der gute, normale, nicht-perverse Sex erhält somit den Segen des per se antifaschistischen.

    Umgekehrt schätze ich, dass dadurch gleichzeitig eine sexuelle Aufladung von Nazi-Symbolik in „perversen“ Kontexten Vorschub geleistet wird.

  2. 2 Thiel Schweiger 10. Januar 2010 um 9:09 Uhr

    Hm, der deskriptive Kern des Vortrags ist ja ganz interessant, aber die theoretische Erklärung der dargelegten Phänomene ist durch ihren Rückgriff auf psychoanalytische Schemate mE viel zu voraussetzungsreich (damit meine ich: von fragwürdigen, schwer überprüfbaren Prämissen ausgehend). Schade.

  3. 3 Nicole 08. April 2011 um 21:44 Uhr

    Ich finde den Vortrag interessant aber es wäre leichter ihm zu folgen wenn ich eine Abschrifft davon vor Augen hätte. Gibt es eine solche?

  4. 4 A.Morgenthau 22. Oktober 2012 um 12:15 Uhr
  5. 5 Bea 06. Dezember 2013 um 0:46 Uhr

    Könntet ihr die Nachbearbeitung nochmals hochladen? Danke!

  6. 6 Ernst 06. Dezember 2013 um 12:31 Uhr

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