»Nichts gelernt und nichts vergessen«: ein Schema zur Geschichte des Antizionismus in Deutschland

Das Freie Sender Kombinat Hamburg dokumentiert einen Vortrag Joachim Bruhns (ISF) zur Geschichte und Kritik des deutschen Antizionismus als politischer Erscheinungsform des Judenhasses, dessen ökonomische Ausdrucksform der Antisemitismus ist. Bruhn polemisiert in gewohnter Weise etwa 50 Minuten lang.

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via FRN (46 MB), via Audioarchiv (17 MB), via MF (17 MB)

Ankündignugstext:

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn, Initiative Sozialistisches Forum, Freiburg
Freitag, 26. Februar 2010, 19.30 Uhr
im Bistro des Golden Pudel Club, St. Pauli Fischmarkt

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpressten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein »Politisches Testament« vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem »internationalen Judentum und seinen Helfern« den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, dass »die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden«.

1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die HaShoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümée jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: »Nichts gelernt und nichts vergessen.«
Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.

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2 Antworten auf “»Nichts gelernt und nichts vergessen«: ein Schema zur Geschichte des Antizionismus in Deutschland”


  1. 1 polemos 04. März 2010 um 18:34 Uhr

    weshalb sollte bruhn denn nicht „polemisieren“?

  1. 1 Verteidigt Israel! - 26.02.10 19:30, Hamburg, „Nichts gelernt und nichts vergessen“ Pingback am 05. April 2010 um 13:47 Uhr

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