Fußball: Alle Deutschen werden Brüder

Die neueste Sendung Sachzwang FM beinhaltet einen am 08.06.2010 in Berlin gehaltenen Vortrag von Freek Huisken (GSP) über den aktuellen Deutschlandwahn und die Funktionen der Weltmeisterschaft des Männerfußballs und ähnlicher Veranstaltungen für die Staatenkonkurrenzen.

Download: Sendung via Mediafire; Sendung via AArchiv (41 MB), Rohmitschnitt via KK-Gruppe

Beschreibung:

Freerk Huisken spricht über Sinn und Unsinn des nationalen, insbesondere schwarz-rot-goldenen Taumels, der die Fußballbegeisterung zum Anlaß hat. Dummheit und Stolz wachsen am selben Holz.

Immer wie­der tre­ten Na­tio­nen mit ihren Mann­schaf­ten bei Fuss­ball­welt­meis­ter­schaf­ten oder Olym­pi­schen Spie­len zum „fried­li­chen Wett­kampf“ ge­gen­ein­an­der an. Warum ei­gent­lich? Nor­ma­ler­wei­se spie­len die Na­tio­nen der Welt nicht mit­ein­an­der, son­dern kon­kur­rie­ren ge­gen­ein­an­der. Nor­ma­ler­wei­se be­strei­ten sie sich wech­sel­sei­tig den Zu­griff auf den welt­wei­ten Reich­tum und ar­bei­ten so – eben­falls wech­sel­sei­tig – an der Un­ter­gra­bung der Grund­la­gen ihrer mehr oder we­ni­ger glo­ba­len Macht. Das reißt nach außen Ge­gen­sät­ze auf, was dazu führt, dass in der Kon­kur­renz mit den Waf­fen der na­tio­na­len Öko­no­mie die wirk­li­chen Waf­fen immer eine prä­sen­te Op­ti­on sind. Grün sind sich die Staa­ten alle nicht. Was sol­len da die Wett­kämp­fe im Be­reich des Sports, in denen wirk­lich nichts in Sa­chen Welt­gel­tung und öko­no­mi­schem Er­folg ent­schie­den wird und von­den­en­der Ta­bel­len­platz in der Liga der Staa­ten, die sich auf dem Welt­markt an­ein­an­der ab­ar­bei­ten, auch nicht ab­hängt?

Wie kommt es, dass ihre füh­ren­den Ver­tre­ter vier Wo­chen lang Völ­ker­freund­schaft pre­di­gen, wo sie sonst den ei­ge­nen und ziem­lich viel frem­den Völ­kern nichts als le­bens­lan­ge Lohnar­beit und Ar­beits­lo­sig­keit, Elend und Ver­trei­bung, Seu­chen und Krie­ge be­sche­ren? Wieso leis­ten sie sich dafür einen so enor­men Auf­wand? Und zwar nicht nur die Ver­an­stal­ter wie Süd­afri­ka, die für ihre Ghet­tos und Home­lands kein Geld haben, sich aber für den Bau von Sta­di­en, In­fra­struk­tur und Ho­tel­an­la­gen hef­tig ver­schul­den; auch die Teil­neh­mer­na­tio­nen ma­chen mit der Auf­be­rei­tung des Spek­ta­kels durch Pres­se, Funk und TV mobil. Alles nur um – we­nigs­tens in Frie­dens­zei­ten; Welt­krie­ge sor­gen schon mal kurz­zei­tig für eine Un­ter­bre­chung – zur Un­ter­hal­tung ihrer Völ­ker bei­zu­tra­gen? Er­füllt die Ze­le­brie­rung die­ses Un­fugs nicht den Tat­be­stand no­to­ri­scher Heu­che­lei?

Um die „schöns­te Ne­ben­sa­che der Welt“ soll es sich bei die­sem Event der bes­ten Ki­cker der Welt han­deln. Wieso wird diese „Ne­ben­sa­che“ dann mit einem Rie­sen­auf­ge­bot von Po­li­zei-​ und Streit­kräf­ten be­wacht? Warum be­rei­tet man sich auf Stra­ßen­schlach­ten und Ran­da­le in den Sta­di­en vor? Und warum un­ter­neh­men die Ver­an­stal­ter alles um zu ver­hin­dern, dass Freun­de des Ball­tre­tens, aus­ge­rüs­tet mit ver­schie­den­far­bi­gen Fah­nen auf­ein­an­der sto­ßen? Vie­len soll gar die Ein­rei­se ins Land des Ver­an­stal­ters ver­bo­ten wer­den. Geht so die Pfle­ge der Völ­ker­freund­schaft, die bei die­sem Er­eig­nis so hoch ge­hal­ten wird? Wie kommt es, dass aus dem Spaß am trick­rei­chen Kick von Pro­fis, bei dem eine „beste Mann­schaft“ er­mit­telt wer­den soll, so häu­fig der „schöns­te“ Kra­wall wird?

Fans hei­ßen die An­hän­ger die­ser Sport­art auf dem grü­nen Rasen. Nicht etwa weil sie den Fuß­ball so lie­ben. Sie sind viel­mehr Fans „ihrer Mann­schaft“ und zu der hal­ten sie. Aber wieso ist die Na­tio­nal­mann­schaft über­haupt „ihre Mann­schaft“? Wel­chem Ver­ein sind sie dafür ei­gent­lich bei­ge­tre­ten? Wie hoch sind bei dem die Mit­glieds­bei­trä­ge? Und mit wel­chen Leis­tun­gen wer­den diese Bei­trä­ge ent­gol­ten? Der „Ver­ein“ sel­ber ist dabei gar nicht auf alle seine Fans gut zu spre­chen: Wieso kann er aus­ge­rech­net die gar nicht lei­den, die sich am ve­he­men­tes­ten für ihn ein­set­zen und vol­ler In­brunst dafür ein­ste­hen, dass nur ihrem Ver­ein der Sieg ge­hört? Warum schimpft er aus­ge­rech­net die Treu­es­ten der Treu­en „Rauf­bol­de“ – Hoo­li­gans – und geht mit sei­nen uni­for­mier­ten Rauf­bol­den gegen sie vor?

Tags: , , , , ,
  • Twitter
  • Facebook
  • del.icio.us

6 Antworten auf “Fußball: Alle Deutschen werden Brüder”


  1. 1 neger 29. Juni 2010 um 19:22 Uhr

    neger…neger…

  2. 2 titten 29. Juni 2010 um 19:55 Uhr

    titten…titten…

  3. 3 Ernst 19. Dezember 2010 um 14:28 Uhr

    Ärgernis kommentierte übrigens treffend:

    In dem Vortrag sind einige gute Gedanken formuliert, das Hören macht trotzdem keinen Spaß – „Das war der erste Punkt, jetzt komme ich zum zweiten Punkt.“ – „Wieso das ganze?“ – „Wozu die ganze Veranstaltung?“ – „Was haben die jetzt davon?“ – „Zu welchem Zweck machen die das jetzt?“ usw. – anstatt mal eine Argumentationsfolge stringent auszuführen, scheint der Referent die Hörer_innen hier an die Hand des gesunden Menschenverstands nehmen zu wollen, was extrem nervt.

  1. 1 WM-Partynationalismus – Verblödung des Journalismus – Dekadenz der Politik « The Nokturnal Times – Das kritische Videoblogportal Pingback am 03. Juli 2010 um 14:08 Uhr
  2. 2 Deutschland – Fußball – Männer – Kotzen « ärgernis Pingback am 08. Juli 2010 um 18:49 Uhr
  3. 3 8-Bit – Huisken « zu viel ärger – zu wenig wut Pingback am 30. Juli 2010 um 3:34 Uhr

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


zwei × = vierzehn