Archiv für Dezember 2010

Weltbühne und Weltsouverän

1. Gerhard Scheit referiert einige Thesen seines 2009 erschienenen Buches „Der Wahn vom Weltsouverän. Zur Kritik des Völkerrechts“. Dabei geht er ausführlich auf das Titelkupfer der Erstausgabe des „Leviathan“ von Thomas Hobbes ein, legt dar warum die Vorstellung von einem Weltsouverän wahnhafte Züge trägt und diskutiert verschiedene (Welt-)Souveränitätskonzepte von Habermas, Kant, Kelsen und Carl Schmitt.

2.Die Realität ist in die Funktionale gerutscht“, so notierte Brecht 1931 angesichts der Tatsache, dass die Totalität der kapitalistischen Vergesellschaftung im Gegensatz zu vormodernen Gesellschaften nicht mehr bildnerisch darstellbar ist. Diesem Problem, das sich insbesondere für die bildenden und darstellenden Künste in der Moderne ergibt, wird Brecht in seinen frühen Stücken dahingehend gerecht, dass er hier die Hinfälligkeit der Moral und der Unterscheidung von „gut“ und „böse“ innerhalb der gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse geradezu brutal demonstriert – „…die Verhältnisse, die sind nicht so.“ Spätestens mit seinem skandalträchtigen Stück „Die Maßnahme“ gibt er diese Zerrüttung jedoch zugunsten einer Entscheidung für die Partei auf und produziert fortan Lehrstücke zur Agitation. Gerhard Scheit referiert im Rahmen der von der Basisigruppe Politikwissenschaft organisierten Ringvorlesung in Wien über die Kritik Adornos an den Stücken Bert Brechts. Dabei geht er vor Allem auf den Aufsatz „Engagement“ und auf Passagen aus der Ästhetischen Theorie ein, in denen Adorno Brechts Leistungen zu würdigen weiß und dennoch kein gutes Haar an ihnen lässt.

Außerdem ein lesenswertes Interview mit Gerhard Scheit (in Textform) über Kitsch, Tod und das Lachen, welches einige Aspekte des Brecht-Adorno-Vortrages aufgreift: hier.

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Detlev Claussen über Adorno

Auf youtube (vier Teile) ist ein interessantes Gespräch mit Detlev Claussen, Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Universität Hannover, über Adornos Denken zu finden. Themen sind u.a. die Studierendenbewegung der 60er und die Kulturindustrie.

Download (audio): via MF (mp3; 19 MB; 0:57 h)

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Kevin Anderson on Rosa Luxemburg

Kevin Anderson, co-editor of The Rosa Luxemburg Reader, talks about the thought of this marxist thinker and her relevance for todays problems, like her crisis theory or marxo-feminism. The interview was conducted by Suzi Weissman.

Download: via Anderson’s Website; via MF (15 MB, 0:32 h)

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Wie das »Kapital« lesen? (2)

Noch eine Fragerunde mit Michael Heinrich: Wie das Kapital lesen? (2) (siehe Update)

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»Antisemit!« Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument

Gerhard Hanloser im Gespräch mit Moshe Zuckermann vor allem über den Antisemitismusvorwurf und antimuslimischen Rassismus in Deutschland und Israel. Zuckermanns Einschätzungen zu Israel sind m.E. beachtenswert, seine Neigung, Antisemitismus in islamischen Gesellschaften und migrantischen Communities einzig und allein auf den sog. Nahostkonflikt zurückzuführen, erscheinen mir allerdings problematisch.

Download: via FRN (41 MB), via MF (15 MB)

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Antisemitismus in der KPD der Weimarer Republik

Ein sehr interessanter Vortrag von Olaf Kistenmacher, den der Arbeits- und Aktionskreis kritischer Studierender Kiel veranstaltet und dankenswerterweise aufgezeichnet hat.

Download (0:46 h): via AArchiv | via MF (16 MB, geringfügig lauter), Original via AK Kiel (43 MB)

Texte Kistenmachers bei der Roten Ruhr Uni.

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Die ursprüngliche Akkumulation

Vielleicht dachten sich Doktor Indoktrinator und die Redaktion Sachzwang FM, dass diese als »Fest der Liebe« apostrophierte Weihnachtszeit eine gute Gelegenheit bietet, die verdrängte Gewaltgeschichte des Kapitals und seiner Durchsetzung zum Thema einer Sendung zu machen. Die Textgrundlage dazu liefert kein Geringerer als Karl Marx: »Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation«, Kapitel 24 aus dem Kapital Band 1. Zwei Stunden Ausbeutung, Enteignung und Marter zum Jahresende.

Download: Teil 1 via MF (2h, 41 MB)

UPDATE: Teil 2 via MF, enthält zu Beginn Auszüge aus dem Schwarzbuch Kapitalismus von Robert KurzEXIT!«).

UPDATE: Download via Audioarchiv: Teil 1, Teil 2

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Kritik als subversive Praxis? Gesellschaftskritik im Spannungsfeld von Kritischer Theorie und Poststrukturalismus

Vortrag von Lars Gertenbach, im Januar 2010 aufgezeichnet und dokumentiert vom Arbeits- und Aktionskreis kritischer Studierender Kiel. Es geht um unterschiedliche Typen von Gesellschaftskritik, die insbesondere hinsichtlich ihres Standpunktes und ihrer normativen Grundlage untersucht und darstellt werden.

Download (0:57 h): via MF (16 MB), Original via akkiel (26 MB)

Ankündigungstext: (mehr…)

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Das unternehmerische Selbst

Ulrich Bröckling, Soziologieprofessor in Halle, hat sich intensiv mit dem »unternehmerischen Selbst« befasst, das er als die aktuelle Form der Subjektivierung begreift. Sein von Michel Foucault begründeter Forschungs- und Theorieansatz ist derjenige der »Gouvernementalität«. Einblick in seine Thesen liefern diese drei Beträge:

1. Kreativität als Ideologie: Ulrich Bröckling im Gespräch mit Alex Körner (Radio Corax) »über Kreativität als Antwort auf Innovationszwänge des kapitalistischen Normalbetriebes.«

2. »Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform«. Gespräch über das gleichnamige Buch Bröcklings im Thomasius Club (Leipzig)

3. »Jenseits des kapitalistischen Realismus. Anders anders sein.« Vortrag über die Schwierigkeiten, unter den Bedingungen der unternehmerischen Subjektivierung noch Protest und Gesellschaftskritik zu formulieren, mit Bezug auf Anti-Prekaritätsproteste.

    Download (1:10 h mit Vorstellung): via Uni Wien

Die Klangqualität dieses aus der Ringvorlesung »Kapitalistischer Realismus« stammenden Vortrags ist sehr schlecht. Eine Nachbearbeitung folgt vielleicht noch.

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Zum Abstraktionstabu im Feminismus

(Update: Der Titel, der übrigens nicht dem unspezifischen auf FRN folgt, wurde korrigiert und die fehlerhafte mp3-Fassung durch eine ersetzt, in der tatsächlich auch etwas zu hören ist…)

Frauen, das Viele, die Differenzen, Intersektionalität und das »vergessene« warenproduzierende Patriarchat

Ausgehend von einem theoriegeschichtlichen Abriss, formuliert Roswitha Scholz, Redakteurin bei EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft, eine Kritik am im (Post-)Feminismus vorherrschenden dekonstruktivistischen Ansatz: Mit der postmodernen Ablehnung großtheoretischer Entwürfe und der Selbstbeschränkung auf deskriptive und auf einer Mesoebene verbleibende Untersuchungen von Geschlechterdisparitäten zeigt sich die gegenwärtige feministische Theorie weitgehend außerstande, asymmetrische Geschlechterverhältnisse auf ein gesellschaftliches Basisprinzip kritisch zu beziehen und bestätigt auf diese Weise gewissermaßen noch die sexistische Vorstellung, dass Frauen zu höheren Abstraktions-/Verstandesleistungen gar nicht in der Lage seien. Sie stellt diesem »Abstraktiontabu« ihre Wert-Abspaltungstheorie gegenüber und fordert, »Adornos Negative Dialektik feministisch zu reformulieren«.

Der Vortrag wurde am 03.12.2010 auf den Kritischen Tagen zum herrschenden Geschlechterverhältnis in Hannover aufgezeichnet und freundlicherweise von Coloradio Dresden via FRN zur Verfügung gestellt.

In der gerade erschienen EXIT! 7 findet sich der Text »Ohne meinen Alltours sag ich nichts. Postmodern(-männliche) Identität zwischen Differenzierungswahn und vulgärmarxistischer Theorie-Versicherung«, in dem sich Roswitha Scholz mit einigen Kritiken an ihrem Ansatz auseinandersetzt.

Download

  • OGG via FRN (43 MB) oder
  • MP3 via AArchiv (22 MB)
  • MP3 via MF (22 MB)

(0:55 h)

    Update: Das Wiener Theoriebüro stellt eine Aufzeichnung vom 20.1.2011 zur Verfügung, in der auch der Diskussionsteil enthalten ist.
    Download via AArchiv (1:18 h, 52 MB) | via Theoriebüro

Ankündigungstext: (mehr…)

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Kritische Theorie Heute

Anlässlich einer Veranstaltungsreihe der Gruppe Kritikmaximierung führte das freie Sender Kombinat Hamburg ein längeres Gespräch u.a. mit Roger Behrens zu Geschichte und Gegenwart kritischer Theorie.

Download: via FRN (zwei Teile, 77MB), via MF (1:23h; 29MB)

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Fat is a feminist issue

Quergelesen dokumentiert in der Novemberausgabe den Text »Fat is a feminist Issue« aus der zweiten Ausgabe der Outside The Box. Es geht um gestörte Körperverhältnisse und Essstörungen und deren Verdrängung aus dem feministischen Diskurs. Download via RS (1h, 56 MB)

Update: Textgrundlage bei KSR.

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Immer diese Widersprüche. Zum Begriff der Dialektik

Eine Annäherung in drei Akten

Georg Gangl und Elmar Flatschart (EXIT!) versuchten sich im Rahmen eines Workshops an einer Art »Einführung in die Dialektik«. Ihr Ziel war dabei nicht eine umfassende systematische oder historische Darstellung dialektischen Denkens sondern eine analytische Annäherung an die Grundkonstellation der Dialektik, ausgehend von der formalen Logik. Es ergab sich etwa diese Gliederung:

  1. Einleitung: Zitate zur Dialektik; logische Struktur der strikten Antinomie
  2. Totalität, interne Beziehungen, Widersprüchlichkeit, Beziehungen von Beziehungen: Die Grundbegriffe der Dialektik nach Joachim Israel
  3. Die Realdialektik des Kapitalismus, schematisch skizziert anhand des Zusammenhangs von Ware, Wert, Geld und Krise

Veranstaltet und aufgezeichnet vom Wert-Abspaltungskritischen Lese- & Diskussionskreis Berlin in Zusammenarbeit mit dem Verein für kritische Gesellschaftswissenschaften e.V. August 2010.

Download via audioarchiv: Teil 1 (0:54 h, 22 MB), Teil 2 (1:26 h, 35 MB); Zitatesammlung (pdf, 91 KB)

Alternativ-Download via MF: Teil 1, Teil 2; Zitatesammlung

Ankündigungstext: (mehr…)

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Systemkrise. Warum der Kapitalismus an sich selber scheitert

Im Rahmen der vom Jugendhaus Erlangen in Kooperation mit der örtlichen VHS durchgeführten Veranstaltungsreihe »Krise und Ideologie« referierte Claus Peter Ortlieb (EXIT!) am 25.10.2010 über die inhärente Krisentendenz des Kapitalismus und ihre aktuelle Zuspitzung. Seine Ausführungen umfassten dabei auch Entgegnungen zur Kritik Michael Heinrichs.
Als weiterführende Literatur empfiehlt sich der ausführliche Aufsatz »Ein Widerspruch von Stoff und Form«.
In der anschließenden Diskussion, die hier ebenfalls dokumentiert wird, kamen unter anderem Daniel Späth, Roswitha Scholz und Robert Kurz zu Wort. Da aber das sonstige Pu­bli­kum schein­bar zu einem nicht un­be­deu­ten­den Teil aus Pro­pa­gan­dis­ten des Be­din­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens, Zins­knechts­schafts­ideo­lo­gen u.Ä. be­stand, ist dem Re­sü­mee des letztgenannten zu­zu­stim­men: Die meisten Dis­kus­si­onbei­trä­ge be­fin­den sich nicht an­nä­hernd auf dem Ni­veau des Vor­trags (bzw. auf der Höhe des Pro­blems).

Download: Vortrag (1:10 h, 24 MB), Diskussion (0:52 h, 18 MB)

Interview zum Thema mit Ortlieb:

(Radio Z, 3 Minuten)

Ankündigungstext: (mehr…)

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Zur Aktualität des Kommunismus

In Anlehnung an den Themenschwerpunkt der vorletzten Ausgabe der Phase 2 hat sich Inkasso Hasso mit mehreren mehr oder weniger bekannten TextproduzentInnen über Möglichkeit und Schwierigkeit des Kommunismus unterhalten. In dem 38-minütigen Feature kommen zu Wort: Joachim Bruhn, Lars Quadfasel, Roger Behrens, Bini Adamczak, Hannes Gießler, Renate Hürtgen und ein Mitglied der Gruppe TOP Berlin. Ein Schwerpunkt des Features liegt auf der Auseinandersetzung mit demjenigen Teil der kommunistischen Geschichte, der in einer Brutalisierung der Herrschaft des Menschen über den Menschen endete.

Download (via frn) [52,4 MB; 38 min 8 sec; mp3; 192 kbps; stereo]

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