»Antisemit!« Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument

Gerhard Hanloser im Gespräch mit Moshe Zuckermann vor allem über den Antisemitismusvorwurf und antimuslimischen Rassismus in Deutschland und Israel. Zuckermanns Einschätzungen zu Israel sind m.E. beachtenswert, seine Neigung, Antisemitismus in islamischen Gesellschaften und migrantischen Communities einzig und allein auf den sog. Nahostkonflikt zurückzuführen, erscheinen mir allerdings problematisch.

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19 Antworten auf “»Antisemit!« Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument”


  1. 1 Mondoprinte 28. Dezember 2010 um 13:28 Uhr

    Danke für das Posting. Du schreibst: „seine Nei­gung, An­ti­se­mi­tis­mus in is­la­mi­schen Ge­sell­schaf­ten und mi­gran­ti­schen Com­mu­nities ein­zig und al­lein auf den sog. Nah­ost­kon­flikt zu­rück­zu­füh­ren, er­schei­nen mir al­ler­dings pro­ble­ma­tisch.“
    Was genau hälst Du daran für problematisch?

  2. 2 olga 28. Dezember 2010 um 14:27 Uhr

    Hallo Mondoprinte,

    hör dir doch mal den Vortrag „Israel und die Linke“ von Robert Kurz an, der ebenfalls hier im Archiv ist,

    http://audioarchiv.blogsport.de/2010/10/24/robert-kurz-israel/

    Kurz gibt eine genauere Analyse und Kritik des Antisemitismus in islamischen Ländern und in islamisch-migrantischen Communities.

  3. 3 LW 28. Dezember 2010 um 15:04 Uhr

    Geht bitte beide sterben.

  4. 4 Ernst 28. Dezember 2010 um 15:18 Uhr

    Was ich auf jeden Fall nicht sagen möchte, ist, dass die Menschen in oder aus der „islamischen Welt“ ihren möglicherweise vorhandenen Antisemitismus aus ihrer Religion oder „Kultur“ beziehen und er nichts mit Israels Politik zu tun habe. Das wäre tatsächlich, wie Zuckermann wiederholt sagt, lächerlich – oder vielmehr tief rassistisch und brandgefährlich. Aber Zuckermanns Entgegnungen klingen stellenweise so, als ob es sich beim ressentimentgeladenen Hass auf Israel überhaupt nicht um Antisemitismus handelte. Deshalb fühlt sich Hanloser auch genötigt, auf die Verselbständigung und Eigenqualität dieser Ideologie hinzuweisen. Und Zuckermann stimmt ihm zu, geht aber auch nicht so richtig darauf ein. Es wären z.B. Gedanken anzustellen, inwiefern „Anti-Israelismus“ „die Matrix eines neuen Antisemitismus“ bildet (vgl. Robert Kurz in der EXIT! 6) und ebenso wie der antimuslimische/antiarabische Rassismus in Israel und anderswo eine Krisenideologie darstellt, die sich womöglich auch unabhängig vom tatsächlichen Handeln des israelischen Staates verschärft.

    Ich sehe jedenfalls die Gefahr, dass Israelis wie Zuckermann, die die Instruemtalisierung des Antisemitismusvorwurfes zurecht zurückweisen, wiederum von (anti-israelischen) Antisemiten instrumentalisiert werden, die ihren Antisemitismus als im Grunde ganz legitime Israelkritik darzustellen versuchen. Angesichts der Komplexitiät dieser ideologischen und politischen Gemengelage und ihrer historischen Genesis, sollte Zuckermann (der sich dieser Komplexität zweifellos bewusst ist) vorsichtig argumentieren, wenn ihm eben das nicht widerfahren soll.

  5. 5 Mondoprinte 28. Dezember 2010 um 16:09 Uhr

    Ernst @ Danke, lieber Ernst. Ich sehe die von Dir beschriebene Gefahr der Instrumentalisierung Zuckermanns durch Antisemiten auch, bin aber durchaus sicher, dass sich zuckermann zu wehren weiß.

    LW @ Wie soll ich mir das vorstellen?

  6. 6 Mondoprinte 28. Dezember 2010 um 16:15 Uhr

    Danke auch an Dich, Olga :-)!

  7. 7 LW 28. Dezember 2010 um 19:02 Uhr

    @Mondo: Nicht vorstellen, machen!

  8. 8 cannon fodder 28. Dezember 2010 um 20:31 Uhr

    Ich habe mir den Vortrag von Kurz angehört und muss leider sagen, dass das genau der Scheiß ist, von dem Zuckermann gesprochen hat.
    Israel kommt in dem Vortrag gar nicht vor! Die Besatzung natürlich erst recht nicht. Für Kurz ist Israel ein abstrakter „Schutzraum der Juden“ und das war’s. Der Rest der fast eineinhalb Stunden ist Kurzsche Ideologieproduktion.
    Am lustigsten ist der Schluss. Er will noch etwas zur Situation der Palästinenser sagen und das einzige was ihm einfällt ist, dass ein unabhängiger Palästinenserstaat keine so gute Idee sei. Na dann ist ja alles ok!

  9. 9 Schlamassel 29. Dezember 2010 um 1:44 Uhr

    Das eine ist, was Zuckermann sagt. Und neben dem, was er nicht sagt, aber meint, gibt es noch das, was er möglich macht und widerspruchslos hinnimmt.

  10. 10 rhizom 29. Dezember 2010 um 8:06 Uhr

    Nichts gegen die Stasi-Berichte von IM „Schlamassel“. Doch seit wann können Gesprächsprotokolle, die zum puren Zweck der Denunziation angefertigt wurden, die Grundlage dafür bilden, sich ein moralische Urteil über jemand anderen zu erlauben als den Denunzianten selbst? Schon mal was von der quellenkritischen Methode gehört? Zu jeder Quelle gehört die Frage, in welchem Interesse und mit welcher Absicht sie verfasst wurde. Und da schneidet deine Quelle nicht besonders vertrauenswürdig ab!

    Zwar glaube ich dir durchaus die zum Teil von extremer Dummheit zeugenden Einzel-Zitate, die du aus dem Zuckermann-Seminar mitgenommen hast. Aber wir können uns auf dieser Grundlage kein vertrauenswürdiges Bild machen, wie sich Zuckermann, jahrelang bekannt als hellsichtiger Kritiker des deutschen Diskurses und seiner latent antisemitischen Untertöne, dazu politisch positioniert oder auch nur mimisch verhalten hat.

    Was mich deshalb mehr interessieren würde: Hast du das tatsächlich alles Wort für Wort ohne Zustimmung der Seminarteilnehmer_innen auf Tonband aufgezeichnet? Oder bist du so geschickt im Stenografieren, dass du ganze Passagen von Zuckermanns mündlicher Rede mit jener Verlässlichkeit wiedergeben kannst, welche die von dir gesetzen Anführungszeichen zumindest suggerieren?

    PS: Erinnere mich bitte daran, dass ich mit dir am Tisch niemals einen trinken gehen werde! Aber so unauffällig wie du arbeitest, hab ich das wahrscheinlich gar nicht in der Hand.

  11. 11 MoshMosh 29. Dezember 2010 um 10:55 Uhr

    Zuckermanns Ignoranz gegenüber dem tatsächlichen Antisemitismus zeugt von der gleichen Dummheit, man möchte eher sagen Böswilligkeit, wie von Rhizom und Cannon Folder, für die es keinen anti-israelischen Antisemitismus gibt, für die überhaupt „sekundärer“ Antisemitismus nur bei Antideutschen vorkommt. Diese Ignoranz ist so himmelschreiend, dass es überhaupt niemanden interessiert, dass Zuckermann das Buch in einem Verlag erscheinen lässt, in dem Bücher u.a. des Antisemiten Jöran Jermas alias Israel Shamir erscheinen (einige Auszüge hier). In diesem Kontext möge nochmal jemand behaupten, dass Zuckermanns Machwerk nicht einer Zurückweisung der Kritik des Antisemitismus dient.

  12. 12 Mondoprinte 29. Dezember 2010 um 11:01 Uhr

    @ MoshMosh
    In welchem teil von Israel lebst Du?

  13. 13 ein Genosse 29. Dezember 2010 um 16:39 Uhr

    Zuckermanns Verlagskollege Jöran Jermas alias Israel Shamir: http://www.searchlightmagazine.com/index.php?link=template&story=6

    Hier einige Zitate aus „Blumen aus Galiäa“, verlegt 2005 im Wiener Promedia Verlag:

    Rachsüchtige Juden versus barmherzige Völker und Religionen der Erde:
    „Die Briten betrachteten Rache immer als ein sehr unenglisches Gefühl und sahen sie als nicht fair an. ‚Rachsüchtig’ ist in jeder christlichen oder moslemischen Kultur ein negatives Wort. Die jüdische Kultur ist im Gegenzug vom Rachegedanken getränkt, den sie direkt aus dem Alten Testament schöpft, ohne den erlösenden Filter des Neuen Testaments oder des Koran.“ S. 142-143

    Hinterlistigkeit, Machtrausch und Verschworenheit als Kollektiveigenschaften „der Juden“:
    „Scheinbar sind ‚die Juden’ in einem gemeinsamen Willen, einem einzigen Zweck und einem Machtgefühl vereint. Der Rausch von Macht und Einigkeit hat diese vorsichtigen Menschen dazu verleitet, ihre Masken fallen zu lassen und aufzuhören, anderen etwas vorzumachen. Diese neue Offenheit gewährt uns eine nie da gewesene Einsicht in die Seele der Juden und die ihrer mammonitischen Unterstützer.“ S. 151

    Die Identifikation „der Juden“ mit Geld und die nazistische Spaltung des Kapitals in ein autochthon-schaffendes und ein jüdisch-raffendes:
    „Die jüdisch-mammonitische Übernahme hat die Lebenskräfte Amerikas eliminiert und sie auf Konsum umgestellt.“ S. 162

    „Jesus spart, doch Moses investiert.“ S. 160

    „Die Zunahme jüdischen Einflusses ging mit Divergenz einher: Die Reichen wurden noch reicher, die Armen wurden noch ärmer und die Mittelklasse ging dabei verloren. Dies war zu erwarten, da traditionell der Wohlstand der jüdischen Gemeinde gegen die Interessen der Normalbevölkerung arbeitet.“ S. 163

    „Die Juden“ beherrschen das willenlose Amerika und die Identifikation von „den Juden“ mit der Börse:
    „…nicht allzu viele Menschen verstehen, dass die Juden weder ein Volk noch eine Religion noch eine Rasse sind. Sie sind eine quasi-religiöse Organisation; die katholische Kirche verbunden mit dem Internationalen Währungsfonds. Man kann vielen Arten von Katholiken begegnen, doch die Entscheidungen werden in Rom gefällt. Man kann allen Arten von Juden begegnen, doch die Entscheidungen werden an der Wall Street getroffen.“ S. 158

    Opferverhöhnung und Vorwurf des kulturzersetzenden Kollektivcharakters „der Juden“:
    „Die ‚mächtigen Juden in den Medien’ verfielen in ihr übliches Gefasel:[ …] dem Gejammer über den jüdischen Holocaust und die Unterstützung jedes Ekel erregenden Falles von Massenmord im Irak bis hin zum Blockieren des Vorwärtskommens der schwarzen Bevölkerung in den USA. Unter jüdischer Vormacht wurde das amerikanische Kino in Hollywood noch gewalttätiger, moralisierender, abstoßender und kulturloser.[…] Im Bereich der Gesetzgebung machte die Ankunft der Juden Amerika nicht zu einer gerechteren, sondern zu einer prozesssüchtigeren Gesellschaft. ‚Ein jüdischer Anwalt’ diente immer als der schwarze Mann, um Kinder nachts das Fürchten zu lehren.“ S. 163

  14. 14 Frank 29. Dezember 2010 um 18:30 Uhr

    @cannon fodder
    In dem Vortrag geht es nur am Rande um Israel. Das war auch gar nicht die Intension ÜBER Israel zu sprechen. Hauptinhalt ist, wie der Titel schon sagt, das Verhältnis der Linken zu Israel.
    Eine Analyse also.

  15. 15 Wiesengrund 29. Dezember 2010 um 23:39 Uhr

    so eine unglaubliche begriffslosigkeit von dem was faschismus, und antisemitismus ausmacht, naiver geht es eigentlich kaum. nichts als Resentimenthafte Unterstellungen was „Die Antideutschen“ sein sollen indem er zum Beispiel Leuten eine Projektionsfläche unterstellt und gleichzeitig aber selbst jene Kollektive zu konstruiert ist doch ziemlich strange.
    Ein ähnliches Interview hat er übrigens auch dem Verschwörungsportal Hintergrund gegeben. Das er damit die Funtkion eines „Alibijuden“ für die antisemiten einnimmt scheint im dabei auch schon immer egal gewesen zu sein.

    Mit Kritik(oder gar kritischer Theorie) hat es jedenfalls nix zu tun…

  16. 16 Peter Pan 30. Dezember 2010 um 21:59 Uhr

    Da ist dieser Schund gerade nicht mehr in der Konkret als Werbung zu finden, nun taucht er hier auf. Muss das wirklich sein? Jeder Mensch der schonmal eine Zeile Adorno gelesen hat kann über so einen Mist doch nur lachen. Aber sonst tolle Arbeit die ihr hier macht!

  17. 17 Citrus 14. Januar 2011 um 22:58 Uhr

    Hm. Zuckermanns Ab- und Ansichten sind mir nicht bekannt, aber er liefert „Israelkritikern“ mit seinen Thesen sicherlich jede Menge Munition. Das Gejammere über die „Antisemitismuskeule“ ist ja stets das erste, was man zu „dem Thema“ von Hinz & Kunz zu hören kriegt. Nun gibt’s sogar ein Buch dazu.
    War das den Diss der – doch eher unbedeutenden – „Antideutschen“ wirklich wert?

  1. 1 Epitaph auf die antideutsche Bewegung « rhizom Pingback am 13. Januar 2011 um 12:24 Uhr
  2. 2 Interview mit Moshe Zuckermann « rhizom Pingback am 16. Januar 2011 um 11:18 Uhr

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