Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie scheiße ist Deutschland? Konferenz zum Stand der Kritik

Die Dokumentationen dieser kleinen Konferenz mit dem etwas flapsig-ironischen Titel ist aus verschiedenen Gründen hörenswert. Zum einen handelt es sich um eine Selbstreflexion der längst im Distinktionsgerangel linker Gruppen und Publikationen zersplitterten »antideutschen Bewegung«. Zum anderen wird in den Vorträgen und Diskussionen natürlich auch Kritik gegen die übrige radikale Linke scharf gemacht, vor allem gegen den Antinationalismus des Ums-Ganze-Bündnisses, meist in Bezug auf die viel diskutierte Frage, ob und wieweit die deutsche Nation heute »normalisiert« sei.

Die Konferenz wurde am 6. November 2010 in Bremen von der Antinationalen Gruppe Bremen und kittkritik veranstaltet, unterstützt von der Zeitschrift »ExtrablattAus Gründen gegen fast Alles«.

Im Folgenden sind kleinere, qualitativ gute und ansonsten durch uns nicht weiter bearbeitete Fassungen der Dateien verlinkt, die von der ANG via Rapidshare zur Verfügung gestellt wurden. Eine Aufnahme des Referats von Clemens Nachtmann zum »Altern der antideutschen Kritik« existiert nicht. [Siehe Kommentar unten.] Alle Aufzeichnungen können auch als Zip-Archiv geladen werden (119 MB, 5:47 h): via Audioarchiv, via MF.

1. Den Anfang machten die Veranstalter_innen von der Antinationalen Gruppe Bremen. Ihr kurzes Eröffnungsstatement erläutert den Anspruch der Konferenz.

    Download: via Audioarchiv, via MF (0:13 h, 4 MB)

2. Joachim Bruhn, Echtzeit des Kapitals, Panik des Souveräns. Über die Zukunft der Krise.
Bruhn lehnt zunächst den Begriff des deutschen Sonderwegs ab, ebenso wie die falsche Entgegensetzung von deutscher Besonderheit und allgemeiner Logik der politischen Ökonomie. Anschließend stellt er anhand vieler Zitate aus der bgl. Presse Ideologie als Oszillieren zwischen den unvereinbaren Momenten der Antinomie des Geldes dar und polemisiert in gewohnter Weise gegen alle möglichen Leute und Positionen (wie bei jeder Gelegenheit auch hier wieder gegen Ingo Elbe).

Daß das Geld des Staates nichts taugt gegen die Krise des Kapitals, ist unmittelbar einsichtig: Wie sollte denn auch jenes Geld,das der Staat allein zu spendieren vermag, das Geld als Zahlungs- und Zirkulationsmittel, die Krise der Geldform des Kapitals zu therapieren vermögen? Was der Staat im Zuge des famosen „deficit spending“ in diesem sog. „keynesianischen Moment“ schöpft, d.h.: was seine Bundesbank aus dem Nichts erst erfindet und dann druckt, ist ja keineswegs Kapital, das zu einer irgend qualifizierten Profitrate zu akkumulieren vermöchte, sondern hat einzig die Qualität einer Anweisung, eines Rationierungs- oder auch Zuteilungsbescheids auf eine warenförmigen Gebrauchswert. Nicht nur jedoch, daß der Staat systematisch unter dem Niveau der Krise des Kapitals agiert; wenn er denn kommt und interveniert, kann er immer nur zu spät kommen. Die Echtzeit der kapitalen Vergesellschaftung ist der Aktion des Souveräns, zumindest des parlamentarisch verfassten, notwendig voraus. Das Kapital agiert in der Zukunft, der Staat noch nicht einmal in der Gegenwart. Der Staat kann das Kapital nicht einholen; er kann es nur überholen, indem er den Ausnahmezustand verkündet, d.h. wenn er die Unmittelbarkeit der Geltung des Geldes als Kapital mit souveräner Gewalt zu verfügen sucht. So folgt aus der Zusammenbruchskrise notwendig der Ausnahmezustand: im Interesse des sog. „Gemeinwohls“ emanzipiert sich der Souverän und setzt sich als autoritäres Kommando. In letzter Instanz erfolgt die „Deckung“ der Währung durch das Gewaltmonopol auf Leben und Tod.

3. Sonja Witte, Von der Gretchenfrage zurück zur Michelskala. Sonja Witte unterzieht in ihrem Vortrag die Frage, ob Deutschland normal geworden sei oder nicht, einer Prüfung und legt dar, wieso es sich hier um eine verkehrte Fragestellung handelt. Sie stellt hierzu anhand der Studien Wolfgang Pohrts aus den neunziger Jahren einige methodische Überlegungen an und unterstellt sowohl den antideutschen als auch den antinationalen Teilnehmer_innen an der Debatte der letzten zwei Jahre einen verkehrten gemeinsamen Ausgangspunkt: Die Frage, ob es sich beim gegenwärtigen deutschen Nationalismus um irrationale Ideologie oder rationales ökonomisches Kalkül handelt, sei falsch gestellt, da der nationalsozialistische Wahn gerade eine Aufhebung des Gegensatzes von Rationalität und Irrationalität darstellt.

4. Lars Quadfasel, Epitaph auf die antideutsche Bewegung.
Lars Quadfasel kritisiert hier auf sympathische Weise den theoretischen Verfall der verbliebenen Antideutschen, die sich von einer Offenheit des Denkens und einem Denkens gegen sich selbst (im Sinne Adornos) verabschiedet haben – unmissverständlich in einem Modus der Trauer und der rettenden Kritik. Der Vortrag läuft auf ein Motiv hinaus, welches Quadfasel schon seit Längerem in seinen Vorträgen stark macht: dass im Zerfall des bürgerlichen Subjekts ein Moment von Hoffnung liegt.

Die Antideutschen, werden die Prodeutschen zu warnen nicht müde, seien rassistische und sexistische Erzteufel, augesandt, die Linke zu zerschlagen, die Moslems zu vernichten und die Dritte Welt für den Imperialismus sturmreif zu schießen. In Wirklichkeit aber, so steht zu befürchten, ist alles noch viel schlimmer. So schmeichelhaft nämlich das Bild von den Männern und Frauen mit dem Masterplan zur Weltherrschaft ausfallen mag, so wenig wird ihm, was von den Antideutschen geblieben ist, auch nur annähernd gerecht. »Sie wollen«, stellte Wolfgang Pohrt hellsichtig fest, »nicht retten, sondern gerettet werden.« Was einmal mit dem Versprechen einer Kritik der politischen Ökonomie auf der Höhe der Zeit angetreten war, zieht sich, statt auf den Feldherrenhügeln zu thronen, inzwischen viel lieber die Bettdecke über den Kopf. Am wohlsten fühlt sich die Bewegung ganz bei sich selber. Und so lauscht man im gemütlichen Kreise den Greatest Hits vergangener Tage, sticht gemeinsam auf jene zärtlich gehegte Voodoopuppe namens ‚die Linke‘ ein und widmet sich ansonsten (wie jüngst anlässlich der Hamburger Demonstration gegen antisemitische Schläger) dem, womit sich jeder anständige Verein nun einmal am liebsten beschäftigt: wer dazugehören darf und wer nicht.
Dass die Antideutschen es geschafft haben, so langweilig, verbiestert, kurz: greisenhaft zu werden wie der Rest der Landsleute auch, daran haben sicherlich theoretische Fehler ebenso wie charakterliche Deformationen ihren Anteil. Wäre das jedoch alles, wäre die Diagnose nicht so niederschmetternd: Man müsste das ganze Unternehmen nur noch einmal, weiser und besser gewappnet, von vorne beginnen. Nur übersieht das, dass jede Wahrheit ihren Zeitkern hat, der nicht ewig tickt. Die Frage, materialistisch gestellt, müsste vielmehr lauten, was an der Theorie selber sie hat vergreisen lassen; und das geht nicht auf deren Subjekte, sondern deren Objekt. Es muss, mit anderen Worten, etwas an den deutschen Zuständen sein, das ihre Kritikerinnen und Kritiker so merkwürdig weltlos werden lässt; eine Weltlosigkeit, in welcher selbst die Reflexion auf Auschwitz nicht mehr vermag, durch Hass den Blick zu schärfen, sondern vielmehr zur Beschäftigungstherapie ausartet (welche sich wiederum mit anderen Hobbys, Islamstudien beispielsweise, auf das hervorragendste verbinden lässt). Gegen eine Gesellschaft ohne Zukunft taugt auch die Vergangenheit kaum mehr als Waffe: So lässt die seltsame Starre und Leblosigkeit der hiesigen Verhältnisse keinen ihrer Gegner unberührt. Gegen die kontemplative Rolle aber, zu der die Kritikerin sich verurteilt sieht, helfen weder weltpolitisches Fernfuchteln noch der Rückzug auf sichere Bastionen – ob auf die Klasse, das bürgerliche Individuum oder gleich den Liberalismus. Die narzisstische Kränkung, die es bedeutet, nicht mehr im Brennpunkt des politischen Weltgeschehens zu stehen, wäre vielmehr als negativer Vorschein derjenigen Hoffnung zu begreifen und zu entfalten, von der antideutsche Kritik einmal zehrte: dass dieses Land selber, in langsamem aber unaufhaltsamem Zerfall, aus dem Weltgeschehen fallen könnte.

Sympathisch übrigens: Auf dem Kongress wurde hörbar geraucht.

Ankündigungstext:

Erst zwanzig Jahre Mauerfall, nun zwanzig Jahre ‚Wiedervereinigung’ – die Bundesrepublik feiert sich selbst als Siegermacht der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und die Linke, zumal die antinationale und antideutsche, protestiert dagegen – und das ebenfalls seit zwanzig Jahren.
Dies nehmen wir zum Anlass, mit dieser Konferenz nach dem gegenwärtigen Stand kommunistischer Kritik an Deutschland und nach dem Verhältnis zur Geschichte als Geschichte des Gegenstandes Deutschlands und der seiner Kritik zu fragen. Angesichts der aktuellen Lage der deutschen Nation – den Entwicklungen der vergangenen Jahre in Innen- und Außenpolitik, der Kulturindustrie und Gedenkpolitik, Militäreinsätzen, Sozialreformen, Event- Multikulti-Nationalismus der letzten zwei Fußballweltmeisterschaften – stellt sich der Linksradikalen eine alte Frage neu: Haben wir es hier mit Aspekten nationalsozialistischer Kontinuitäten im Postnazismus oder mit der allgemeinen Logik von Staat, Nation und Kapital, mithin keiner ‚deutschen Besonderheit‘, zu tun? Alt – und damit, wie wir meinen, keineswegs notwendig falsch – erscheint das Festhalten an der These des ‚deutschen Sonderwegs‘, neuer die Verbreitung der Überzeugung, über Deutschland im Besonderen gar nicht mehr sprechen zu müssen und zwar vor dem Hintergrund einer realen ‚Normalisierung‘ der deutschen Nation. Was heißt es für materialistische Kritik, wenn die reale historische Situation letzterem Argument Recht zu geben scheint?

Nach 1989 wurde allerlei gegründet (Gruppen, Zeitschriften, Bündnisse etc.), noch mehr wurde zuvor allerdings zerdeppert. So dass die meisten derer, die seinerzeit dafür, dass Deutschland sein Maul halten solle, gemeinsam auf die Straße gegangen sind, heute die Straßenseite wechseln werden, wenn sie einander begegnen. In die Brüche gegangen sind seither, zumindest in bestimmten Zusammenhängen, eine Reihe damals noch linker ‚Essentials’ (so nannte man das mal): der Staat in den richtigen Händen als Mittel zum guten Zweck, das Selbstbestimmungsrecht der Völker und damit zusammenhängend die Lehre vom antiimperialistischen Befreiungskampf, die bezogen auf Israel stolz Antizionismus genannt wird. Derlei Grundüberzeugungen teilte die Linke, und sie teilt sie zum Teil bis heute mit dem damaligen Parteikommunismus des Ostblocks. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass dessen Zusammenbruch und die Liquidation der DDR auch für die sich ‚undogmatisch’ dünkende Linke einen Schock bedeutete.
Die weiteren Etappen sind bekannt: Während des Irakkriegs 1991 verabschiedete sich u.a. die Zeitschrift „konkret“ angesichts der Bedrohung Israels durch deutsches Giftgas vom Antizionismus, nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center kam dann in der radikalen Linken als Reaktion auf grassierende Verschwörungstheorien und mehr oder minder offene Schadenfreude nicht weniger Linker – es habe eben schon die Richtigen getroffen – die Kritik an Antiamerikanismus und islamischem Antisemitismus hinzu. Seit 2001 hat es in kaum einem linken Zusammenhang keinen Streit um Antisemitismus und Antiamerikanismus gegeben. Folge seither ist, dass das Palituch unter Autonomen gravierend an Popularität eingebüßt hat, sie bevorzugen heute Israel-Buttons. Das paradoxe Ergebnis ist, dass sich sogenannte antideutsche Positionen innerhalb und außerhalb der Linken verbreitetet haben, chic wurden (siehe Egotronic), zugleich jedoch die Frage „Was deutsch ist“ (Joachim Bruhn) in den Hintergrund getreten ist.
Offenbar ist es schwieriger geworden, besagte Frage zu beantworten. Das mag daher rühren, dass seit den Tagen der „Nie-wieder-Deutschland“-Kampagne immer die Annahme einer Faschisierung, der Errichtung eines Vierten Reichs mitschwang, was seinerzeit sowohl ein Ausläufer der Faschismus-Theorien der Siebzigerjahre war, als auch gut zur Atomkriegs-Apokalyptik der Achtzigerjahre passte. Eine Antwort jedenfalls, die allein eine Identität von Nationalsozialismus und postnationalsozialistischer Demokratie beweisen will, gerät in Erklärungsnöte, wenn sich keine faschistische Massenbewegung und auch kein Staat, der diese konsequent mobilisiert, ausmachen lassen. Unter anderem darauf zielten die vielgescholtenen Einlassungen von Wolfgang Pohrt anlässlich der Einheits-Feierlichkeiten 2003.

Wir möchten mit der Konferenz die Frage „Was ist deutsch?“ in diesem Sinne aufgreifen. Wir haben den Eindruck, dass sich eine Art Selbstverständlichkeit eingeschliffen hat, in der der Gegenstand aus dem Blick gerät – stattdessen wird die Frage „Was ist antideutsch?“ gestellt und eine Identitätskrise1 beschworen. Die mag es geben, interessiert uns aber für sich genommen nicht, vielmehr, welche Bedeutung diese Krise in Bezug auf den Gegenstand der Kritik hat. Was heißt es, wenn in der Tat ein historischer Punkt erreicht zu sein scheint, an dem die jahrzehntelangen Bemühungen deutscher Politik, Deutschland von den ‚Folgen’ des Nationalsozialismus zu kurieren’, erfolgreich waren? Bis vor einigen Jahren gab es Skandale, Debatten, Phänomene, an denen sich der Umgang mit dem Nationalsozialismus als Konflikt darstellte und u.a. Gegenstand antideutscher Kritik war. Was aber, wenn es nichts gäbe – zumindest nicht in der gewohnten Form –, an dem sich etwas Ausdruck verschaffte: keine Wehrmachtsausstellungen, keine Walsers, keine schlechten deutschen Filme, in denen Opa Hitler seine Lieben tyrannisiert, keine Nation, die, nach seinem Untergang mit der Betonung gebeutelt aber geläutert sich gen Wiedervereinigung aufmachte, wenn niemand, der ernst genommen wird, öffentlich die Schuld am NS relativierte und Fischers ‚nicht trotz, sondern wegen Auschwitz’ sich soweit durchgesetzt hätte, dass sich niemand mehr länger darauf berufen würde.

Hier deutet sich eine Verschiebung an, die eine Reflexion verlangt. Denn die ‚Krise der antideutschen Bewegung’ spiegelt, so vermuten wir, in gewisser Weise diese Veränderung, weil in der Kritik nicht eingeholt, wider. Dies zeigt sich an einem Auseinanderklaffen von Positionen: Dem gebetsmühlenartigen Alarmismus in Teilen der Antideutschen, durch den teilweise der Eindruck entsteht, als ginge vom Urteil der weitgehenden Identität von Nationalsozialismus und postnazistischem Deutschland bzw. Islamismus eine beruhigende, nahezu befriedigende Wirkung aus. Diesem steht der Antinationalismus wie z.B. dem des „Ums-Ganze“-Bündnisses gegenüber. Verfolgt wird eine post-autonome Bewegungspolitik, in der Staat, Nation und Kapital im Allgemeinen „scheiße“ gefunden werden, hingegen Deutschland als Spezialfall der allgemeinen kapitalistischen Schweinerei zur Nebensächlichkeit und Israelsolidarität für passé erklärt wird. Beides verstehen wir als Reaktionen, die sich selbst als solche nicht bewusst sind, auf ein – gar nicht neues, mithin in der allgemeinen Logik des Kapitals angelegtes – Verschwinden der Bedeutung von Geschichte, einer zunehmenden Irrealisierung der Bedeutung von Auschwitz als handhabbarem Faktum sei es in der Kulturindustrie oder der Realpolitik.

Auf der Konferenz wird sich Lars Quadfasel mit der Geschichte und Kritik der Antideutschen befassen, während Clemens Nachtmann seine Kritik des postnazistischen Deutschlands angesichts der Veränderungen der letzten Jahre reformulieren wird. Sonja Witte wird sich mit dem Verhältnis von deutschem Nationalismus, Kulturindustrie und Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzen und Joachim Bruhn wird zeigen, inwiefern die sogenannten keynesianischen Krisenlösungsprogramme der letzten Jahre Teil der autoritären Transformation des Staates sind.

Debatten über die Frage, ob nicht die eigene ‚Bewegung’ in die Krise geraten sein könnte, werden in der „Jungle World“ seit ein, zwei Jahren geführt (obgleich die Fragestellung vermutlich so alt ist wie die radikale Linke selbst). Dabei wird nicht selten konstatiert, dass die Übernahme sogenannter antideutscher Positionen bloß ‚identifikatorisch‘ sei. Die Redaktion der Zeitschrift „Bahamas“ wiederum erklärte, dass sie – um nicht länger mit den falschen Leuten dieselbe Bezeichnung zu teilen – sich nunmehr allein ‚ideologiekritisch’ nennen wolle, nicht länger jedoch kommunistisch, antideutsch oder israelsolidarisch.

  1. Debatten über die Frage, ob nicht die eigene ‚Bewegung’ in die Krise geraten sein könnte, werden in der „Jungle World“ seit ein, zwei Jahren geführt (obgleich die Fragestellung vermutlich so alt ist wie die radikale Linke selbst). Dabei wird nicht selten konstatiert, dass die Übernahme sogenannter antideutscher Positionen bloß ‚identifikatorisch‘ sei. Die Redaktion der Zeitschrift „Bahamas“ wiederum erklärte, dass sie – um nicht länger mit den falschen Leuten dieselbe Bezeichnung zu teilen – sich nunmehr allein ‚ideologiekritisch’ nennen wolle, nicht länger jedoch kommunistisch, antideutsch oder israelsolidarisch. [zurück]
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20 Antworten auf “Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie scheiße ist Deutschland? Konferenz zum Stand der Kritik”


  1. 1 hannes 26. Januar 2011 um 21:58 Uhr

    vielen dank. ergänzend; sonja witte in der aktuellen phase 2 http://phase2.nadir.org/index.php?artikel=846&print=

  2. 2 Subprole 27. Januar 2011 um 18:28 Uhr

    Nachdem ich 2 Stunden mit Vortrag (+ Diskussion) von Bruhn verschwendet habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der „antideutsche“ Jakobiner in einem metaphysischen Wahnsystems gefangen ist, wofür seine irren Aussagen zu Wert/Geld/Kapital/Krise und v.a. Klassen das deutlichste Beispiel sind.

  3. 3 hannes 27. Januar 2011 um 20:56 Uhr

    Vielleicht auch fernab der Zuschreibung ne Begründung parat?

  4. 4 n0b0dy 28. Januar 2011 um 11:43 Uhr

    Begründungen findest du in der Marxismus-Mystizismus Debatte. Bei dem was nach Bruhn so besonders kritisch wäre, handelt es sicht schlicht um Fehlinterpretationen & metaphysischen Unsinn, was u.a. durch ein falsches Methodenverständnis entsteht. Hat Ingo Elbe in seiner Argumentation imho sehr deutlich gemacht. Gibts ja auch als Vortrag hier:
    http://audioarchiv.blogsport.de/2009/02/28/marxismus-mystizismus-oder-die-verwandlung-der-marxschen-theorie-in-deutsche-ideologie/

  5. 5 Radek 29. Januar 2011 um 16:14 Uhr

    schade dass der Halle-Vortrag von Elbe zu diesem Thema (vermutlich) nicht mitgeschnitten wurde. Er spitzt dort seine Kritik an Bruhn auf charmant-polemische Weise noch einmal zu. Nicht dass es neu wäre, Bruhn’s mystizierende Lesart des Marx’schen Kapitals als „Deutsche Ideologie“ zu bezeichnen, was Elbe getan hat. Aber es war lustig!

  6. 6 Peter Pan 29. Januar 2011 um 18:08 Uhr

    Wie kann man „hörbar“ rauchen?

  7. 7 MoshMosh 30. Januar 2011 um 13:19 Uhr

    Feuerzeug: Klick (höre: Aufnahmen).

  8. 8 Mustafa Mond 01. Februar 2011 um 1:09 Uhr

    Wieso gibt es denn keine Aufnahme von Clemens Nachtmanns Vortrag?

  9. 9 Britney Spears 05. Februar 2011 um 9:09 Uhr

    Und was ist an der Tatsache, dass dort geraucht wurde relevant oder gar „sympathisch“?

  10. 10 Abe 10. März 2011 um 2:17 Uhr

    Ja, was ist mit dem Beitrag von Clemens Nachtmann? Er ist nirgends zu finden…

  11. 11 BomberDomme 18. März 2011 um 11:23 Uhr

    Das peinliche Gestammel hier gegen Bruhn ist echt unterirdisch. Keinerlei Begründungen warum es „Fehlinterpretationen & metaphysischen Unsinn“ sein soll.
    Kaum eigene Gedanken lediglich der Verweis dadrauf das angeblich Elbe recht hätte sind keine Kritik. Ingo-elbe-Fanboytuhm. Endlich rettet jemand den wissenschaftlichen Marxismus und zwar so das es auch die letzten Hinterbänkler des Aufbauseminars „das Kapital lesen II“ der entsprechenden Gruppierungen applaudieren können. Und das ganze Erklärt ohne Zuhilfenahme von Schäfchenwolkendiagramme. Juhu der zukünftige Chefposten als intellektueller Vordenker in der marxistischen Gesellschaft ist gerettet. Danke Ingo Elbe.

  12. 12 SP 29. Mai 2011 um 18:06 Uhr

    Scheiss auf Bruhn und Elbe

  13. 13 Ernst 18. März 2014 um 22:25 Uhr

    Nachtmanns Vortrag kann nun in einer Fassung vom Fe­bru­ar 2013 nachgehört werden. Danke an [a:ka] für Aufnahme und Hinweis!

    Po­li­ti­sche Be­we­gun­gen kom­men und gehen, seit sie zu „neuen so­zia­len Be­we­gun­gen“ ge­wor­den sind. Ver­schwin­den sie, ver­schwin­den in aller Regel auch ihre Ka­te­go­ri­en, die nicht sel­ten oh­ne­hin in ers­ter Linie dem Ver­such dien­ten, sich ihrer selbst zu ver­si­chern.
    Nach dem Nie­der­gang sagen sich ehe­ma­li­ge Prot­ago­nis­ten dann gerne nach, man habe sich zu Tode ge­siegt, die Geg­ner seien einem ab­han­den ge­kom­men oder es sei schlicht lang­wei­lig ge­wor­den. Un­gnä­di­ge­re Kom­men­ta­to­ren be­to­nen, die Be­we­gung habe sich an­ge­passt, der Ges­tus sei un­glaub­wür­dig ge­wor­den – oder es gebe ein­fach nie­man­den mehr, der das ganze Ge­ha­be noch er­tra­gen könne.
    Auch bei den An­ti­deut­schen fin­den sich, wo sie als Be­we­gung auf­tre­ten, ent­spre­chen­de Ab­nut­zungs­er­schei­nun­gen schon seit län­ge­rem. Auch das [a:ka] kann sich da nicht ganz aus­neh­men. Nur ist damit wenig ge­sagt über den Ge­gen­stand, den die als an­ti­deutsch Be­zeich­ne­ten sich dem Namen nach vor­neh­men.

    Was deutsch bleibt

    Die alte Frage nach dem, „was deutsch ist“, bleibt ge­kenn­zeich­net durch die Un­mög­lich­keit, sie sinn­haft zu be­ant­wor­ten – aber auch durch die Zwangs­läu­fig­keit, mit der sie sich zu stel­len scheint. Un­ab­hän­gig davon ob, sie in kri­ti­scher oder in af­fir­ma­ti­ver Ab­sicht ge­stellt wird.
    Das [a:ka] hat die Frage nach Deutsch­land immer in kri­ti­scher Ab­sicht ge­stellt, und Kri­tik ist, wenn sie ihrem Be­griff ge­recht wer­den soll, gegen ihren Ge­gen­stand be­kannt­lich alles an­de­re als gleich­gül­tig. Sie darf also auch sei­nen Ver­än­de­run­gen ge­gen­über nicht gleich­gül­tig sein, son­dern hat sie stets zu re­flek­tie­ren. Nur ist Ver­än­de­rung, als zeit­li­cher Pro­zess, etwas, das der lei­dig immer wie­der auf­kom­men­den Frage ge­ra­de ab­geht: Wäh­rend die deut­sche Ge­sell­schaft sich ent­wi­ckelt, haf­tet der Frage nach Deutsch­land der An­schein von Zeit­lo­sig­keit an – und das ver­langt nach einer Selbst­kri­tik der Kri­ti­ker, wol­len sie nicht hin­ter Ihrem Ge­gen­stand zu­rück­blei­ben.
    Warum das zwangs­läu­fig auch den Wunsch nach einer ge­sell­schaft­li­chen Be­we­gung hin zur De­struk­ti­on die­ses Ge­gen­stands be­inhal­tet; und warum die po­li­ti­schen Be­we­gun­gen der letz­ten Jahr­zehn­te den um­ge­kehr­ten Weg be­schrit­ten – dar­über re­fe­riert Cle­mens Nacht­mann auf Ein­la­dung des [a:ka].

    Vor­trag & Dis­kus­si­on mit
    Cle­mens Nacht­mann (Ba­ha­mas)
    am Don­ners­tag | 14. Fe­bru­ar
    19 Uhr | ZHG 003
    Eine Ver­an­stal­tung des [a:ka]
    mit freund­li­cher Un­ter­stüt­zung
    des Fach­schafts­ra­tes SoWi

    Download/Hören: via Soundcloud | via AArchiv (1,5 h, 54 MB)

  14. 14 Benjaim Dietze 24. September 2015 um 6:47 Uhr

    Zum abschließenden Vortrag von Nachtmann ist wirklich nur festzustellen: Wirklich sehr, sehr schwach. Ein Vortrag, der in geschriebener Form, trotz des gelegentlichen affirmativen Verweises auf völlig falsch, nämlich positivistisch staatstragend bis das deutsche Kollektiv der als Eigenen Vereinzelten als geläutertes oder eh schon immer herzensgute feiernd verstandene Marx- und Adornozitate, genausogut in der FAZ, WELT oder auch der JUNGEN FREIHEIT hätte erscheinen können, wie das bei der BAHAMAS üblich ist, seitdem es sie gibt. Da wird in einer Art und Weise, mit Argumenten, Ausdrücken und Sichtweisen gegen alles argumentiert, was man auch nur im entferntestens als irgendwie links halluziniert (wobei dann auch noch gleich mit einer für dieses jungkonservative Milieu typischen Art jeglicher Unterschied zwischen Antifa, Antideutschen, Antiimps, Anarchisten, Grünen usw. negiert und das ganze dann noch mit einer sehr bürgerlichen Form der Totalitarismusdoktrin links = rechts verrührt wird), daß im Grunde die ganze Zeit der Begriff der: „linksgrün versifften Gutmenschen“ aus nahezu jedem Wort rausquillt.

    Der ganze hämisch-gehässige Vortrag von Nachtmann schnurrt im Grunde auf die Aussage samt ihrer Verteidigung zusammen, daß die Deutschen nie und erst recht nicht ab 1990 irgendwas böses gewollt haben, sondern es wird im Grunde mit sehr großer Offenheit und Kompatibilität ans Milieu von JUNGE FREIHEIT, BLAUE NARZISSE usw. dekretiert, daß das einzige Problem der Deutschen im Grunde die böse Rassismus- und Chauvinismuskeule gewesen sei, die vom äußeren und inneren Feind, dem bösen Ausland und den mindestens noch viel böseren vaterlandslosen Gesellen mit deutschem Paß, andauernd seit der Steinzeit geschwungen würde. Weil sich die Deutschen daher nie in ihrem so völlig gesunden Patriotismus hätten ausleben können, seien sie am 30. Januar 1933 urplötzlich neurotisch, kollektivistisch und somit faschistisch geworden. Um sich aber nicht vollends unmöglich zu machen, schwankt der Vortrag zwischen einer solchen essentialistischen These (Deutsche schon immer gut, aber von Linken und Ausland unterdrückt) und ein paar nebenbei eingestreuten oberflächlichen Lippenbekenntnissen zur angeblichen Läuterung der Deutschen nach 1945.

    Sehr durchsichtig auch ein Großteil der Argumente sowie der Zeitpunkt, auf welcher Konferenz der Vortrag von Nachtmann 2010 ursprünglich gehalten wurde. Die damalige Konferenz lief von den eigentlichen Intiatoren, den wirklichen Antideutschen, her im Grunde in Form einer äußerst höflich-taktvollen Therapiestunde ab, wo dem Patienten BAHAMAS entgegengekommen wurde, indem diese als vermeintliche Selbstkritik an sämtlichen Antideutschen ausgegeben wurde, damit es für die eigentlich gemeinte BAHAMAS, der man therapeutisch-gentlemanhaft zum Schein zusicherte, sie sei doch auch irgendwie links und an humanistisch-emanzipatorischer Aufklärung interessiert, nicht ganz so peinlich wurde, wenn im Grunde, zumeist ohne direkte Namensnennung, aufgezeigt wurde, wie die BAHAMAS mit ihrem positivistisch-staatstragenden, nationalistisch-rassistischen Etikettenschwindel, der sich (wie oben erwähnt) auf eine handvoll gewaltsam bürgerlich-positivistisch uminterpretierte Marx- und Adornozitate und, als einzige greifbare Übereinstimmung mit den richtigen Antideutschen, eine (von Seiten der BAHAMAS lediglich instrumentell vorgetäuschte) Antisemitismuskritik als Rechtfertigung zur Aneignung des Labels antideutsch stützte, über die Jahre den richtigen Antideutschen einen enormen Imageschaden verpaßt, ihre Tätigkeit untergraben und auf diese Weise nahezu wirkungslos gemacht hatte.

    Die Antwort auf diese eigentliche Kritik der richtigen Antideutschen an der etikettenschwindlerischen BAHAMAS bestand dann also aus diesem Vortrag von Nachtmann als pikiertem Scheidungspapier der dieserart aufgeflogenen BAHAMAS an die Antideutschen. Hierzu dienlich war einerseits die taktvolle Vortragsweise der Kritik der richtigen Antideutschen an der BAHAMAS, diese nicht beim Namen zu nennen, sondern zumeist nur von einer vagen Selbstkritik aller Antideutschen zu sprechen, was Nachtmann als Vertreter der BAHAMAS ermöglichte, die eigenen Mängel als angebliche Schwachpunkte der Antideutschen überhaupt hinzustellen, von denen man sich deshalb nun als BAHAMAS loszusagen wünsche. Des weiteren half hier die auch beim Milieu von WELT, FAZ und JUNGE FREIHEIT beliebte Strategie, jegliche Unterschiede zwischen Antifa, Antideutschen, Antiimps, Anarchisten, Grünen usw. einzuebnen und nach dem Bilde von den: „linksgrün versifften Gutmenschen“ alles an verzerrt dargestellten weltfremden Weltverbesserungsplänen einem solchen vermeintlichen Schmelztiegel an Antideutschen zuzuschreiben, mit denen man als typischer Vertreter des Milieus der Jungkonservativen (bzw. Nachfolger dieses Weimarer Milieus der Zwischenkriegszeit z. B. um Spengler, Moeller van den Bruck und Heidegger) sowieso nichts zu tun haben will, sowie die bereits oben genannte Form der bürgerlichen Totalitarismusdoktrin.

    Als drittes flossen dann in dieses ostentative Scheidungspapier der zu Recht, wenn auch äußerst taktvoll bloßgestellten BAHAMAS einige so oberflächlich wie extrem eigennützig umgedeutete Aussagen der richtigen Antideutschen auf der Konferenz zu ihrer eigenen Geschichte seit den späten 80ern, die auch ohne Namensnennung nichts mit der BAHAMAS zu tun hatten (außer daß sie an einigen Stellen wohl auch ein scheinbares freundliches Eingehen auf einige notorische Aussagen des Patienten BAHAMAS darstellten), und eine von der BAHAMAS weiters vorgenommene Verzerrung dieser Geschichte ein, indem Argumente und empirische Befunde zu den deutschen Zuständen zwischen 1990 und 2010, die von den wirklich antideutschen Vorrednern auf der Konferenz angeführt wurden (wie u. a. die empirischen Untersuchungen zur Michelskala) von Nachtmann rundheraus ignoriert werden, um die Antideutschen nach Art des FAZ-WELT-JUNGE-FREIHEIT-Millieus dahingehend lächerlichzumachen, daß doch in der deutschen Samariternation seit dem Mauerfall angeblich rein garnichts vom vorhergesagten neuen deutschen Rassismus, Nationalismus und ausländischen deutschen Militäreinsätzen eingetroffen sei. Wie fanatisch blind man als BAHAMAS sein muß, um allein schon diese drei Dinge notorisch zu verleugnen, hätte man schon 2010 angesichts der Lektüre von einfach nur zwei, drei Tagen Hörerposts auf der Facebookseite nicht zufällig des DLFs sehen können, die schon damals in ihrem Inhalt (nämlich dem einer dem Buchstaben des Grundgesetzes nach rechtsextremen Mitte), ihrer obszönen Radikalität und ihrer erdrückenden Zahl wie übergroßen Mehrheit sämtliche Grundthesen der BAHAMAS von den angeblich geläuterten bzw. sowieso nie bösartig gewesenen Deutschen widerlegten.

    Daß die neoliberal-individualistischen, plumpen Das-Boot-ist-voll-Überfremdungs-Rassisten der BAHAMAS, die von der heutigen wie eigentlich ewigen Gutartigkeit der Deutschen nach Art des rot-grünen Sommermärchen-Kuschelnationalismus ganz besoffen werden können, auch nach der offiziellen Scheidung von 2010 noch genauso weitermachen, wie es ihnen auf der Konferenz von 2010 zu Recht vorgeworfen wurde, konnte man 2013 bei dieser Podiumsdiskussion: http://audioarchiv.blogsport.de/2014/04/08/deutsche-doerfer-comeback-der-90er/ sehen, wo zwar aus unerfindlichen Gründen wieder ein Vertreter der BAHAMAS eingeladen wurde, wo dann aber die anwesenden richtigen Antideutschen mit ihrer überbordenden Fremdscham über die inhaltlich wie in der linken Theorie äußerst schwach und entlarvend dastehenden Äußerungen des BAHAMAS-Mitarbeiters Jan Gerber keineswegs hinterm Berg halten, der typischerweise eben mit sowenig Sachkenntnis und dafür weitaus mehr plump verhöhendem ideologischem Ressentiment des eigenen jungkonservativen Milieus über linke Begriffe, Theorien und Zusammenhängen daherschwafelt wie der durchschnittliche Praktikant von WELT, JUNGE FREIHEIT oder KOPP-VERLAG.

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