Fukushima und das atomare Zeitalter

Die Reaktorunfälle im Kernkraftwerk Fukushima liegen knapp zwei Monate zurück. Auch wenn es nach wie vor bundesweite Demonstrationen für den sofortigen Atomausstieg gibt, scheint das Thema inzwischen aus den Tagesordnungsdebatten, auch der Linken, verschwunden zu sein – ohne dass sich etwas grundlegend an der Situation in Fukushima verändert hätte. Wir stellen im Folgenden eine Auswahl von Radiobeiträgen zur Verfügung, die deutlich machen, dass eine Kritik der militärischen und zivilen „Nutzung“ der Kernenergie Bestandteil linksradikaler Gesellschaftskritik sein muss. In den meisten Beiträge liefern die Texte von Günther Anders Stichworte zur Auseinandersetzung mit den möglichen Folgen der Kernenergie. Dabei sei angemerkt, dass Günther Anders der Verdinglichung der gesellschaftlichen Verhältnisse dahingehend Rechnung trägt, indem er darauf hinweist, dass wir von „Geräten“ beherrscht werden, uns ihre Logik aufzwingen lassen. Gleichzeitig sitzt er dieser Verdinglichung selbst auf, da er das Problem nur im Charakter der Dinge erkennen kann – welche aber demgegenüber als gesellschaftliche Objektivationen, auch in ihrer konkret-dinglichen Beschaffenheit, nur als gesellschaftlich vermittelt (konkret: durch die kapitalistischen Verhältnisse) begriffen werden können.

1. Be trusted – be sad

6 Tage nach dem Bekanntwerden der Ereignisse in Japan sendete das Freie Senderkombinat (FSK) ein ausführliches Gespräch mit Günther Jacob über Atomkraft als gesellschaftlichen Zusammenhang und über die Lehren, die aus Fukushima zu ziehen wären. Themen sind u.a. die Geschichte der Anti-Atombewegung und Muster der Rechtfertigung der Nutzung von Atomkraft.

Vor sechs Tagen sind in Japan mehr als 10.000 Menschen durch einen Tsunamie getötet worden. Eine überlebende Frau sagte, daß sie nicht wisse, ob es überhaupt o.k. sei, daß sie noch lebe. Die Sorge, die umtreibt lautet: Strahlung. Die Ereignisse und die Politik, die sich um sie herum entwickelt, sind nicht kommentierbar hinsichtlich eines Auswegs. Die Sorge aber um die Handlungsfähigkeit gewinnt die Überhand. Ein Motiv darin: Bestätigung. Ein Lehrstück über das Denken 2011 während der Reaktorkatastrophe in Fukushima.[via]

    Download: via FRN (mp3; 53,4 MB; 58:22 min)

2. Wutpilger-Streifzüge März 2011

Die Märzausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ (Radio Lotte / Radio Corax) hat ebenfalls die Ereignisse in Fukushima zum Themenschwerpunkt – verlesen wird der Text „Steinzeit? Nein Danke!“ von Roger Behrens, der anschließend in einem Interview selbst zum Thema zu Wort kommt. Das Interview ist leicht gekürzt inzwischen in schriftlicher Form im Programmheft von Radio Corax erschienen (als PDF oder als html via aergernis).

  • Sendung komplett: via MF (mp3; 55,2 MB; 1 h)
  • Roger Behrens: „Steinzeit? Nein Danke!“: via AArchiv (mp3; 6,4 MB; 11:13 min)
  • Roger Behrens im Interview: via AArchiv (mp3; 21,9 MB; 23:53 min)

3. Wutpilger-Streifzüge April 2011

Auch die April-Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ hat die Ereignisse in Japan noch einmal zum Thema – diesmal werden die „Gebote des atomaren Zeitalters“ von Günther Anders vollständig vorgelesen.

  • Sendung komplett: via MF (mp3; 54,9 MB; 1 h)
  • Günther Anders: „Gebote des Atomzeitalters“: via AArchiv (mp3; 14,2 MB; 24:52 min)

4. Das Philosophische Radio März 2011

Vielleicht eher als Hintergrundwissen denn als gesellschaftskritischer (geschweige denn kapitalismuskritischer) Beitrag: Beim Philosophischen Radio (WDR5) ging es im März um Günther Anders. Studiogast war Konrad Paul Liessmann, durch den man einige interessante Aspekte über Günther Anders erfahren kann. Natürlich wird auch über die Ereignisse in Fukushima diskutiert.

    Download: via WDR oder via MF (mp3; 23,6 MB; 51:28 min)
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2 Antworten auf “Fukushima und das atomare Zeitalter”


  1. 1 Ernst 03. Juni 2011 um 11:30 Uhr

    DLF Studiozeit

    Kann Blockieren Sünde sein – Geschichte der Anti-AKW-Bewegung

    Bei allem, was über den politischen Widerstand gegen Kernkraftwerke geschrieben wurde, ist bemerkenswert, dass es erst seit kurzem sozialwissenschaftliche und zeithistorische Forschungen über die Geschichte der Anti-AKW-Bewegung gibt.

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/studiozeit-ks/1462244/
    http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/05/19/dlf_20110519_2043_c1890004.mp3

  1. 1 Dass es ›so weiter‹ geht, ist die Katastrophe. « ärgernis Pingback am 15. Mai 2011 um 15:03 Uhr

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