Archiv für August 2011

Thinking Marx

Zwei Stunden von, mit und über Moishe Postone

Beim FSK Hamburg wurde eine sehr interessante zweistündige Sendung über Moishe Postone produziert. Sie führt in Werk und Biographie Postones ein, enthält seinen Vortrag »Marx’s Critical Theory of Capitalist Modernity« (siehe FRN) vom Kongress Re-Thinking Marx (Berlin Mai 2011) und befasst sich ausführlicher mit seinem Antisemitismus-Ansatz. Ein Highlight ist zweifellos das Interview, dass die Sendungsmacher_innen am Rande der Konferenz mit Postone geführt haben und das in der zweiten Hälfte der Sendung zu hören ist. Es ist teilweise auf Deutsch, aber großenteils auf Englisch.

Download: Mono via AArchiv, Mono via MF | HQ/Stereo via Rapidshare

Wie nur Wenige vor ihm, hat es Moishe Postone geschafft, mit Hilfe der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie, die abstrakten gesellschaftlichen Beziehungen und Denkformen der kapitalistischen Produktionsweise zu analysieren und zu kritisieren.
Darauf aufbauend liefert er sowohl eine bemerkenswerte Kritik des traditionellen Marxismus, welcher immer wieder versucht, die Gründe für das Elend in der Gesellschaft in der Sphäre der Distribution zu finden, als auch eine herausragende Kritik des modernen Antisemitismus als einer besonders gefährlichen Form des Fetischs.
Grund genug Moishe Postone 2 Stunden zu widmen, in denen sowohl sein Vortrag vom Re-Thinking Marx Kongress als auch ein Interview mit ihm zu hören sein werden.

Am Rande sei noch auf das Interview mit Petra Haarmann hingewiesen, das Radio F.R.E.I. 2004 zur Übersetzung von Postones Hauptwerk Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft geführt hat: mp3 via FRN (9 Minuten)

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Buße & Strafe

1. Eine weitere sehr hörenswerte Sendung von 17Grad beschäftigt sich mit der Todesstrafe. Die Hörer_innen erhalten einige statistische Informationen und erfahren Hintergründe über die Geschichte der Todesstrafe in Deutschland (hierbei interessant, dass einerseits bereits 1947 Todesurteile wieder durch deutsche Richter verhängt und durch Scharfrichter vollstreckt wurden, die schon vor ’45 diese Ämter innehatten und dass andererseits ein wichtiger Grund für die Abschaffung der Todesstrafe in Deutschland, die Abwendung von Todesurteilen gegen NS-Verbrecher war). Außerdem behandelt die Sendung das Vorkommen von Todesstrafen in deutschen Volksmärchen und ihre rechtshistorischen Parallelen und die Geschichte der Zunft der Scharfrichter. Musikalisch wird die Sendung von Johnny Cash begleitet.

    Download: via Mediafire (mp3; 82 MB; 59:41 min)

2. Nicht erst die Abschaffung der Todesstrafe, sondern bereits die Verlagerung ihrer Vollstreckung in nicht-öffentliche Räume, steht nach Michel Foucault für eine Tendenz der Strafe weg von einer Gerichtetheit auf den Körper, hin zu einem »körperlosen« Strafsystem. Eine Eigentümlichkeit der vormodernen Strafe als Marter des Körpers, ist die Sanftmütigkeit, das Mitleid und das Verständnis, welches die geistlichen Begleiter der Zeremonie gegenüber den Gemarterten an den Tag legten: so küsst etwa der Pfarrherr von Marsilly den gemarterten Damien auf die Stirn, dessen Hinrichtung Foucault auf den ersten Seiten von »Überwachen und Strafen« beschreibt. Auch der Rabbi Aser Abarbanel, der in der Geschichte »Die Marter der Hoffnung« von Comte de Villiers de L‘Isle-Adam gefangen in einem Folterkeller sitzt, erfährt diese seltsame Sanftmut: als man ihn über sein Todesurteil informiert, wird er sowohl vom Großinquisitor, als auch vom zuständigen Foltermeister und seiner Begleitung umarmt und geküsst. Die Geschichte steht hier in einer Hörspielversion von Radebass zur Verfügung.

    Download: via Mediafire (zip; 24,2 MB)

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Hoppmart
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Who killed Bambi – Peter Singer und der Antispeziesismus

Seit Jahren ist Jan Gerber mit demselben Vortrag unter selbem Titel unterwegs (siehe auch hier), da bringen die NeocommunistInnen mit einem Vortrag in Frankfurt mal frischen Wind in die Debatte zur Kritik des Antispeziesismus: Peter Bierl formuliert in diesem äußerst hörenswerten Vortrag, der anlässlich der Verleihung eines Tierrechts-Preises an Peter Singer durch die Giordano-Bruno-Stiftung in Frankfurt organisiert wurde, eine Kritik an der Ideologie der Tierrechte. Dazu gibt er zunächst einen Überblick über die Geschichte der eugenischen Ideologie (u.a. Darwin und Nietzsche bekommen dabei ihr Fett weg) und zeigt dann, immer mit Verweis auf Peter Singer, wie das Konzept der Tierrechte mit Vorstellungen von Rassenhygiene verbunden ist. Es gelingt ihm dabei zu zeigen, wie sozialdarwinistische und eugenische Idiologeme nicht nur in großen Teilen der Gesellschaft (u.a. Thilo Sarrazin), sondern auch in Teilen der Linken verbreitet sind (gegen Ende kritisiert er u.a. auch den Zusammenhang um Susann Witt-Stahl und die Tierrechtsgruppe Nord). Als gemeinsame ideologische Klammer zeigt Bierl dabei den evolutionären Humanismus auf. Quintessenz des Vortrag ist für mich zum einen, dass, wer einen Begriff der Menschheit als Gattung aufgibt, welcher sich nicht in der empirischen (etwa biologischen) Existenz von Menschen erschöpft und als Gattungs-Sein immer ein Sollen (im besten Sinne: die Verwirklichung des Communismus) impliziert, notwendig bei einer Selektion in lebenswertes und lebensunwertes Leben ankommt. Wer zum anderen im Sinne des Utilitarismus „erwartbares Glück“ ökonomisch zusammenrechnet und damit die gesellschaftlichen Ursachen für Leid (das als negativer Maßstab aufgegeben wird) außer Acht lässt, kann dann zielsicher bei der Tötung von Einzelnen landen. Der Vortragsmitschnitt enthält leider ein permanentes, störendes Klappern am Mikrofon.

Download: via freakshare (mp3; 102,7 MB; 1:52:09 h) | via AArchiv: Vortrag (mp3; 47,8 MB; 1:23:34 h) und Diskussion (mp3; 16,5 MB; 28:50 min)

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Gehen

Wer sich für bitteren Zynismus erwärmen kann, dem/der sei das Hörspiel ‚Gehen‘ (zip) nach dem gleichnamigen Text von Thomas Bernhard empfohlen.
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going

(via RS)

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»Sex ist nur ein Konstrukt«

Weiter mit dem Themenkomplex Postmoderne, Sexualität, Körper: Martin Dornis referiert in einem von der Gruppe Association Antiallemande Berlin am 28.07.2011 organisierten Vortrag »eine Kritik an der „Überwindung“ von Geschlecht, Subjekt und Geschichte in Poststrukturalismus und Gender Studies«. Der Vortrag will einen Überblick über das Werk von Michel Foucault geben (v.a. „Wahnsinn und Gesellschaft“, „Die Ordnung der Dinge“, „Sexualität und Wahrheit“), fasst die Geistesgeschichte in Deutschland bis zum zweiten Weltkrieg (Weber, Ditlhey, Heidegger), v.a. in dessen Suche nach dem Konkreten zusammen, referiert dann über Friedrich Nietzsche und dessen unterschiedliche Rezeption im Poststrukturalismus und der Kritischen Theorie, um sich schließlich dem Denken von Judith Butler zu widmen. Abgesehen davon, dass mir ein solches Vorhaben in diesem Umfang im Rahmen eines Abendvortrages überhaupt nicht möglich scheint, finde ich die Ausführungen insgesamt wenig konsistent und eher konfus. M.E. schafft es Dornis nicht, in das Denken von Foucault und Butler wirklich einzudringen, was sich letztlich in der Diskussion bestätigt, in der er wenig über das Verhältnis von Gesellschaft und Natur zu sagen hat. Die HörerInnen sollen selbst urteilen.

Download:
Vortrag (1:29 h, 31 MB), Diskussion (0:42 h, 15 MB) via AArchiv | Vortrag , Diskussion via MF

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London Calling

Werner vom FSK reagiert wieder einmal ausgesprochen schnell auf aktuelle weltpolitische Ereignisse: in einer Sendung vom 13.08.2011 spricht er mit Roger Behrens, Hermann L. Gremliza, und Darcus Howe über die Auseinandersetzung auf Londons Straßen, die Anfang August für Schlagzeilen sorgten. Was versprochen wird – die sozialen Ursachen für die Straßenkämpfe und Plünderungen offenzulegen –, kann das Feature m.E. leider nicht halten; es handelt sich eher um Spekulationen, nichtsdestotrotz z.T. um interessante Hintergrundinformationen.

„Krawall und Chaoten“. Zwei der häufigsten Vokabeln der Berichterstattung der letzten Woche beim Blick auf die Ereignisse in England. Warum auch nicht? Wird doch so auf eine Analyse der sozialen Ursachen für die Riots verzichtet. Genau diese Analyse versuchen die nächsten 30 Minuten zu leisten. Wir hören: Roger Behrens, Hermann L. Gremliza, Werner Pomrehn, Darcus Howe und die Band „the clash“.[via]

Download: via FRN (mp3; 35,8 MB; 26:03 min) oder via AArchiv (14,9 MB)

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BDSM und Feminismus / BDSM and political correctness

1. BDSM und Feminismus

Mit diesem Beitrag nehmen wir noch einmal den Themenkomplex Postmoderne, Sexualität, Körper wieder auf: Anna Kow (u.a. Zeitschrift „Die Krake“) referiert in ihrem Vortrag, den sie am 11.07.2011 im Rahmen der Polyphantasiatage der Gruppe Wider die Natur gehalten hat, über die Rolle von BDSM in den feministischen Diskursen, zwischen „sex-negativem-“ und Pro-Sex-Feminismus. Sie selbst verteidigt BDSM als lustvolle und subversive Praxis. Bei ihrem Vortrag stand ein BDSM-Glossar zur Verfügung, welches hier angesehen werden kann. Die im Vortrag gezeigten Musik-Videos können hier und hier angesehen werden. In ihrem zugrundeliegenden Text „Gefährliches Vergnügen: Sex und Feminismus. Ein Abriss“ aus der Outside The Box #1 bezieht sich Anna Kow u.a. auf das Kontrasexuelle Manifest von Beatriz Preciado, welches Magnus Klaue in seinem Vortrag kritisiert hatte. Ihr Text steht unten zur Verfügung. – Die weiteren im Rahmen der Polyfantasiatage gehaltenen Vorträge sind direkt im Archiv dokumentiert.

Feminismus und Sexualität verbindet eine eher sprunghafte Beziehung voller Missverständnisse. Der radikale Feminismus der 1970er hat Sexualität vor allem als patriarchales Machtinstrument kritisiert. 30 Jahre später diskutieren Aktivist_innen die Potentiale queerer Pornographie und fordern „Schwänze für Alle“. Anna Kow stellt das widersprüchliche Verhältnis dar und plädiert für einen sex-positiven Feminismus, der sich BDSM als subversive Praxis kritisch aneignet. Dass gleichwohl der sexistische Normalzustand anzuprangern ist – und demzufolge kein queerer Freifahrtschein für Heterosexismus zu erwarten ist – sollte klar sein. [via]

Download: Radiosendung via Mediafire (mp3; 54,9 MB; 60 min); unbearbeiteter Mitschnitt via AArchiv (mp3; 21,8 MB; 31:45 min)

2. BDSM and politcal correctness

Carl Smith talks about BDSM in a speech he held in March 26th in 2009 in Vienna, organized as a part of the series „Just Sex“ by Basisgruppe Politikwissenschaft. He talks about BDSM (as well as other forms of sexuality that diverge from the norm) and its history from the 19th century, then follows the appearance and reception of BDSM in popular culture throughout the 20th century along many examples in movies and music. He also mentions HIV and the ressentiments against homosexuals that were aroused through the disease. Sadly, the clips from movies (Lawrence From Arabia (1962), Morocco (1930)) and music videos that he shows can‘t be seen, as this is only an audio track. Among the persons he talks about are, besides of course Marquis de Sade, Leopold von Sacher-Masoch, Marlene Dietrich, Mishima Yukio, Larry Townsend and many more.

What is BDSM and what does it stand for and how does it challenge Political Correctness? How does a relationship between a Master and a Slave work? What could a BDSM-scene look like? This lecture will not only answer the above questions but will try to overcome some common stereotypes associated with BDSM. [via]

Download: via BaGru PoWi oder via AArchiv (mp3; 45,1 MB; 1:38 h)

Weiter zum Text von Anna Kow: (mehr…)

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Maske und Charakter

Bevor ich mich in den Urlaub verabschiede, möchte ich die neue Doppelfolge von Sachzwang FM bereitstellen. Es geht wie so oft um die Kritik des bürgerlichen Subjekts und als Grundlage dient dieses mal über mehr als zwei Stunden hinweg der Text »Maske und Charakter. Sprengversuche am bürgerlichen Subjekt« (aus: krisis 31/ 2007) von Franz SchandlStreifzüge«, »Krisis«).
In der zweiten Stunde der ersten Teilfolge kommt noch Christoph Menke zu Wort mit dem Hegel-Vortrag, den MoshMosh hier verfügbar gemacht und als überaus hörenswert beurteilt hat: »Zwei­te Natur: Kri­tik und Af­fir­ma­ti­on«.

Download
Teil 1 via AArchiv | via MF
Teil 2 via AArchiv | via MF (je 2 h, 41 MB)
Schandl-Aufsatz via Streifzüge (PDF)

Abstract zu Schandl: (mehr…)

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Diskussion über den kommenden Aufstand

Schon vor einiger Zeit hat mir Alex von Radio Corax den Mitschnitt einer Diskussionsveranstaltung über den schon so oft besprochenen Text „Der kommende Aufstand“ zukommen lassen – angesichts des Umstandes, dass jede Fraktion aller möglichen linken Weltanschauungen ihre Position an der Stellung zu dieser Flugschrift markieren muss, schien es mir sinnvoller, sich mit anderen Texten auseinanderzusetzen und sich nicht von diesem Hype um den kommenden Aufstand blöd machen zu lassen. So blieb der Mitschnitt dieser Veranstaltung einige Zeit ungehört und unbearbeitet liegen, den ich nun den Nutzer_innen des Audioarchivs doch nicht vorenthalten will, da die Diskussion hier doch recht hörenswert ist. Hanna Mittelstädt (Edition Nautilus), Karl-Heinz Dellwo (Ex-RAF-Mitglied), Andreas Blechschmidt (Rote Flora, Jungle World, taz) und Thomas Ebermann (bekannter linker Kommunist) sind an der Diskussion beteiligt, die am 25. Mai 2011 im Golem in Hamburg stattfand.

Download:

    via FRN: Teil 1 (41,8 MB), Teil 2 (44.1 MB), Teil 3 (44,1 MB)
    via AArchiv (mp3; 71,3 MB; 2 h 4 min 31 sec)
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Einführung in die Kritik der Religion

Im vorletzten Teil der Hamburger Intros-Reihe (Dokumentationen siehe hier) beschäftigt sich Erik Kuhlenkamp mit Religionskritik (ebenfalls von der As­so­cia­zio­ne Delle Talpe). Sein Beitrag gestaltete er eher als Diskussionsanregung denn als umfangreichen Einführungsvortrag. Ausgehend von einer allgemeinen Definition sowie einem Überblick über die Weltreligionen und ihre gemeinsame Struktur wendet er sich in einer von Erik H. Erikson1 geprägten sozialpsychologischen Perspektive der religiösen Identitätsbildung in der Adoleszenzphase zu.

Download: mp3 via AArchiv | mp3 via FRN | via MF (59 MB)

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Critique du néo-libéralisme ou critique de la société marchande ?

Those of you speaking (or at least understanding) French perhaps like to have a look at this video recording of a lecture by Anselm Jappe.

Download (audio only/mp3): via AArchiv (1:13 h, 33 MB)

Description:

Les crises financières à répétition sont-elles dues aux seules politiques néo-libérales qui favorisent le capital financier aux dépend du travail salarié ou indiquent-elles la limite historique de la société capitaliste elle-même, basée sur la valeur, le travail abstrait, l’argent, la marchandise et le fétichisme de la marchandise ?

Depuis vingt ans, la « critique de la valeur » propose une relecture de l’œuvre de Marx en ce sens et en dérive des analyses du monde actuel. C’est ainsi que les contestations que le capitalisme ne manquera de provoquer pourront s’attaquer au noyau de cette formation sociale -le travail abstrait producteur de marchandise- au lieu de se cantonner à une critique morale de ses symptômes, comme la spéculation.

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Material zu Helmuth Plessner gesucht/gefunden

Es ist Solidarität gefragt. In einem kleinen Beitrag vor zwei Jahren hatte ich auf Audiomaterial verwiesen, dass auf einem Server der TU Dresden lag. Mittlerweile ist das Zeug nicht mehr online. Ein Audioarchiv-Hörer hat nun aber großes Interesse an den Helmuth Plessner-Materialien, die ich nicht gesichert habe und die er für die Aufzeichnungen einer Plessner-Tagung hält. Wenn jemand von euch diese Dateien (oder andere zu Plessner) hat, wäre es verdammt freundlich und solidarisch, sie noch einmal hochzuladen. Also meldet euch bitte per Kommentar oder Email, wenn ihr helfen könnt!

- Siehe Kommentare unten – (mehr…)

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Anonyme Herrschaft. Zum Zusammenhang von Reichtum und Subjektivität

Ingo Elbe war Ende 2010 bei der Hamburger Gruppe Kritikmaximierung eingeladen, um mit einem Vortrag über die abstrakte Struktur kapitalistischer Herrschaft in die Marxsche Gesellschaftkritik (nach neuerer Lesart) einzuführen.
Da mir schon vor der Veröffentlichung auf FRN eine von Kritikmaximierung erstelle und mit Jingle an Anfang und Ende versehene Fassung des Mitschnitts zuspielt wurde, veröffentliche ich diese hier nachbearbeitet und zusätzlich eine Bearbeitung der Diskussion. In letzterer, an der auch Roger Behrens beteiligt ist, geht es u.a. um die Begriffe abstrakte vs. anonyme Herrschaft, den Status des Klassenbegriffs und um das Verschmelzen von Charakter und Maske.

Download
nachbearbeitet via AArchiv: Vortrag (1:19 h, 27 MB), Diskussion (0:37 h, 13 MB) | via MF: Vortrag, Diskussion (~)
Orignial via FRN: Teil 1 (0:58 h, 53 MB), Teil 2 (0:56 h, 51 MB)

Ankündigungstext & Referenteninfo: (mehr…)

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Zur Differenz von Rassismus und Antisemitismus

Wie bereits in einem früheren Beitrag erwähnt, gibt es zur Zeit einen Streit über die Vergleichbarkeit von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus. Zuspitzen lässt sich dieser Streit auf die Frage, ob bzw. inwiefern die Moslems »die Juden von heute« sind. Für die Linke ist diese Frage von Bedeutung im Zusammenhang mit einer derzeit wieder teilweise aggressiv geführten Auseinandersetzung zwischen eher israelsolidarischen und eher israelkritischen Fraktionen, die tendenziell beide dazu neigen, (anti-arabischen/-muslimischen) Rassismus und Antisemitismus (insbesondere in seiner anti-israelischen Gestalt) gegen einander auszuspielen oder (mindestens) einen von beiden zu verharmlosen. Ich möchte daher an dieser Stelle auf zwei Vorträge aufmerksam machen, die die Differenzen der beiden Ideologien betonen und zeigen, dass sie nicht subsumier- oder auf einander reduzierbar sind.

1. Rosa Fava zur Kritik des Rassismus. Einführender Vortrag aus der Reihe Intros (Hamburg, 12.04.2011)

Dieser recht umfangreiche Einführungsvortrag befasst sich mit unterschiedlichen rassismustheoretischen Ansätzen sowie Begriff und Geschichte der »Migrantin«/des »Migranten« in Deutschland. Gegen Ende skizziert Rosa Fava auch sehr kenntnisreich wesentliche Unterschiede des Rassismus zum Antisemitismus. Besonders interessant sind auch ihre Ausführungen zum Verhältnis von Kultur- und Natur-Konstruktionen im rassistischen Denken.

Unter Rassismus können vollkommen unterschiedliche Phänomene gefasst werden: Ungleiche Rechte von Eingewanderten, Apartheid, das Sterben lassen vor den Grenzen Europas und exterritoriale Gebiete am Frankfurter Flughafen, völkischer Nationalismus, die überproportionale Zuweisung von „Migrantenkindern“ auf Haupt- und Förderschulen, das Weißsein deutscher linker Zusammenhänge, Sklaverei, abwertende Begrifflichkeiten für Personen und deren Lebenswelten, der Multikulturalismus als Staatsmodell, die Entstehung einer breiten deutschen Mittelschicht über den Gastarbeitern, physische Gewalt von Neonazis, …

Antisemitismus gilt mal als spezielle Form von Rassismus, mal als Oberkategorie für unterschiedliche Formen von Aus- und Einschluss zur Schaffung eines homogenen Kollektivs. Antiziganismus wird zunehmend nicht als ‚normaler‘ Rassismus verstanden, Rassismus gegen Muslime soll es nicht geben.

In Deutschland entwickelte sich eine Kritik des Rassismus erst sehr spät und gegen große Widerstände in den 1990er Jahren, meist in Orientierung an der englischsprachigen und französischen Theoriebildung und/oder in Anlehnung an die Kritik des Antisemitismus. Vorherrschend ist aber immer noch, auch in linken Publikationen, das Konzept der Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit sowie der Vorurteilsforschung. In dem Vortrag geht es darum, verschiedene Begriffe und Zugänge vorzustellen.

Rosa Fava lebt in Hamburg, ist im Arbeitskreis Distomo für die Entschädigung von NS-Opfern aktiv.

2. Juliane Wagner zu Antisemitismus und Islamophobie. Vortrag aus der Reihe Zwischen Vorurteil und Ressentiment. Zum Verhältnis von Antisemitismus, Rassismus und ‚Islamophobie‘ (Gießen, 20.04.2011)

Die Leipziger Politikwissenschaftlerin und Outside the Box-Redakteurin Juliane Wagner nahm sich auf Einladung des Arbeitskreises Kritische Theorie Gießen explizit der Debatte um die Vergleichbarkeit von Muslim- und Judenfeindschaft an. Sie setzt sich mit dem Antisemitismusbegriff des ZfA auseinander und weist nach, wie wenig dieser die Spezifik insbesondere des eliminatorischen Antisemitismus zu fassen vermag.

Der Vortrag wird der Frage nachgehen, welche theoretischen Annahmen den Begriffen Antisemitismus und Islamophobie am Zentrum für Antisemitismusforschung zugrunde liegen. Es soll überprüft werden, ob es im Rahmen der Vorurteilsforschung des ZfA möglich ist, die wesentlichen Inhalte, Strukturmerkmale und Spezifika der beiden Phänomene zu erfassen. Im Ergebnis soll deutlich werden, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Parallelen der beiden Ressentiments auf ein unzureichendes Begriffsverständnis zurückzuführen ist.

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