Das Kurz-Jacob-Wertmüller Podium (2000)

Zur Nachzeichnung einiger gegenwärtiger Fragen, deren Schnittstellen die historischen Tiefpunkte einer Linken bezeichnen, wollen wir auf eine zwölf Jahre alte Aufnahme verweisen, die auf eine in der Zeitschrift konkret geführte Debatte Bezug nimmt. Marit Hofmann leitete auf dem konkret Sommergelage 2000 das Podium, welches mit Robert Kurz, Günther Jacob und Justus Wertmüller eine – vor allem aus heutiger Sicht – bemerkenswerte Besetzung fand.

Ist der Holocaust letztlich eine Folge der allgemeinen kapitalistischen Katastrophe und/oder war er Konsequenz des spezifisch deutschen Antisemitismus? Was verbindet, was unterscheidet Kapitalismus- und Deutschlandkritik? Es ist zu diskutieren: „Auschwitz – der besondere Fall in der allgemeinen Katastrophe?“ Ein Streitgespräch zwischen Robert Kurz, Justus Wertmüller und Günter Jacob.

Kurzreferate

    Download: via AArchiv (mp3; 75 min; 103 MB)

Diskussion (die mit einem Beitrag von Lars Quadfasel beginnt)

    Download: via AArchiv (mp3; 55 min; 75 MB)

Drei für das Verständnis förderliche Texte aus der Konkret aus dem Jahr 2000 befinden sich hier.

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13 Antworten auf “Das Kurz-Jacob-Wertmüller Podium (2000)”


  1. 1 schütten 18. November 2012 um 18:50 Uhr

    danke. tipp: müsst mal die ausführungszeichen beim diskussionslink löschen [ist korrigiert. danke]

  2. 2 Thomas 18. November 2012 um 21:59 Uhr

    Existiert von dem angesprochenen anderen Podium ebenfalls ein Mitschnitt?

  3. 3 Heinrich 19. November 2012 um 3:55 Uhr

    „Zur Nach­zeich­nung ei­ni­ger ge­gen­wär­ti­ger Fra­gen, deren Schnitt­stel­len die his­to­ri­schen Tief­punk­te einer Lin­ken be­zeich­nen…“

    Was ist damit gemeint?

  4. 4 roger.kint 19. November 2012 um 10:06 Uhr

    Sehe ich das richtig: Justus Wertmüller war in Vertretung für den angekündigten Jürgen Elsässer da?

    Wenn ja, dann wäre die richtige (und zeigemäße) Reaktion wohl „LOL“.

  5. 5 micky 19. November 2012 um 17:53 Uhr

    Schon 2000 zeigt sich (bei aller Distanz auch zu Kurz u.a.) der theoretische Bankrott Wertmüllers und der Bahamas. Ohne den 11.September und die damit verbundenen identitären Mechanismen bei den hauptsächlich label- und aktionsorientierten Fans der Zeitschrift hätte es schon sehr viel früher ein Ende dieses Zeitschriftenprojekts gegeben, das die zweite Seite einer Medaille namens „historischer (insb. theoretischer) Tiefpunkt der deutschen Linken“ darstellt. Die andere Seite – der Antiimperialismus.

  6. 6 Bob 20. November 2012 um 15:29 Uhr

    @Micky: kommt das Argument noch, oder war’s das schon?

  7. 7 LizaGrünbaum 20. November 2012 um 21:04 Uhr

    @Heinrich: Die einführenden Worte bezogen sich auf eine Linke, die den vergangenen Brüchen keine Bedeutung beimisst, in diesen
    verharrt, sie vergessen machen möchte – keine Geschichte, oder nur die Eigene kennt.

  8. 8 LizaGrünbaum 20. November 2012 um 21:13 Uhr

    @Thomas: Wir versuchen an den Mitschnitt zu kommen. Falls dies zum Erfolg führt, werden wir die Aufnahme veröffentlichen.

  9. 9 Nikola 27. November 2012 um 3:12 Uhr

    Das Niveau dieser Diskussion ist bemerkenswert und auch der Ton ist erstaunlich sachlich. Das ist überraschend, denn zuvor hatte Kurz noch extrem unsachlich auf Kritik reagiert. Eine Schilderung findet sich auf den ISF-Seiten:

    Robert Kurz „hat eine Geschichte der Moderne geschrieben, die den NS auf eine Etappe der Durchsetzungsgeschichte des Werts reduziert. Nicht nur Ideologiekritiker sehen darin eine Relativierung von Auschwitz. Als dieser Vorwurf u.a. von Günther Jacob in Konkret (4/2000) erhoben wurde, sahen sich die Autoren der Krisis-Gruppe genötigt, in die Offensive zu gehen. Die Vehemenz, mit der Robert Kurz auf den Vergleich seiner linken Historisierung von Auschwitz mit der reaktionären von Ernst Nolte reagiert, zeigt, daß ein wunder Punkt getroffen wurde.“ (http://www.isf-freiburg.org/isf/beitraege/isf-wertkritik.lohoff.html) .
    (Hat jemand diesen Text aus Konkret 4/00?)

    Erstaunlich ist, dass diese Debatte heute so aktuell wirkt. Eine Jahr nach dem „Konkret-Sommergelage“ war der 11. September. In der Folge dieses Ereignisses hat sich die damals beteiligte Linke noch mal völlig verändert. Leute wie Elsässer wurden zu rechten Verschwörungstheoretikern, Robert Kurz schrieb ein Buch gegen die Antideutschen und Werthmüller, der hier noch den Antisemitismus der Jungen Welt kleinredet, machte aus der Bahamas ein unberechenbares Kulturjournal. Heute, vor dem Hintergrund der Finanzkrise, produziert Konkret „14 Versuche, die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise zu verstehen“, in denen das was im Sommer 2000 diskutiert wurde, keine Rolle mehr spielt.

    Insofern geht es hier tatsächlich um eine „Nachzeichnung einiger gegenwärtiger Fragen,“ oder anders gesagt: Diese Debatte von 2000 kann so etwas wie ein Ankerpunkt für aktuelle Orientierungsversuche sein.

  10. 10 LizaGrünbaum 27. November 2012 um 23:19 Uhr

    Nikola, sehr treffende Zusammenfassung. Hier der Jacob-Text.

  11. 11 jügen 02. Dezember 2012 um 13:16 Uhr

    Sehr treffend?

    viel eher zeigt diese Debatte vor dem 11. September, dass Herr Wertmüller bezüglich der Linken viel zu optimistisch war und die kruden Thesen, die später von Elsässer und co. vertreten wurden, machen es umso nötiger, die Kritik des Antisemitismus der Linken zu radikalisieren, wie es eben isf oder Bahamas versucht haben.

    Und ein Ankerpunkt für Orientierungsversuche können diese nutzlosen Turnübungen an der Frage, ob wir es beim NS und bei Auschwitz mit deutscher ODER kapitalistischer Katastrophe zu tun haben, lange nicht mehr bieten, da bereits die Frage, vgl. Joachim Bruhn et al., einen vollkommen falschen Gegensatz aufmacht.

  12. 12 Helen 03. Dezember 2012 um 4:04 Uhr

    Was verbirgt sich hinter dem forschen Ton dieses Jügen?

    Zuerst bagatellisiert er Jügen Elsässers durchaus praktischen und tatkräftigen Antisemitismus zu „kruden Thesen“, gerade so als sei z.B. dessen Besuch bei Mahmud Ahmadinedschad eine „Meinung“. Und nach dieser Bagatellisierung will er „die“ Antisemitismuskritik, die er offenbar für einen Ideenstreit hält und bei der der spezifische deutsche Vernichtungs-Antisemitismus keine besondere Rolle spielen soll, auch noch „radikalisieren“!

    (Am Rande: Steigerungen wie „radikale“ Wertkritik statt Wertkritik oder „radikale Antisemitismuskritik“ statt Antisemitismuskritik sind eine ebenso begriffslose Überbietungsrhetorik wie die beliebte Forderung nach „radikaler Demokratie“).

    Wer die Tatsache, dass die JÜDISCHE Katastrophe – der Holocaust – eine DEUTSCHE TAT war, umdeutet zu der „Frage“, ob „wir“ es „beim NS und (!) bei Auschwitz“ mit „deutscher ODER kapitalistischer Katastrophe“ (Jügen bezeichnet den Holocaust tatsächlich als „deutsche Katastrophe“) zu tun haben und diese „Frage“, die er zu einem „vollkommen falschen Gegensatz“ erklärt dann als „nutzlose Turnübungen“ bezeichnet, hat seine Vorstellung von „radikaler Antisemitismuskritik“ schon kenntlich gemacht: Er will die deutschen Täter in „der Kapitalismuskritik“ (ohne Staat und bürgerliche Gesellschaft; man kennt diese Sorte) verschwinden lassen. Es ist eine Erfindung von Jügen, dass „Joachim Bruhn et al“ das auch so sehen wie er.

  13. 13 Lars 01. Juni 2015 um 5:25 Uhr

    Eine wirklich sehr gute Debatte (Vorträge wie auch die Diskussion). Da hat man viel zu verarbeiten, und ich glaube dass die aufgeworfenen Fragen (Wertkritik und unbewusste Formen der Abwehr seit dem Holocaust) weiterhin im Raum stehen (und wahrscheinlich“unabgegolten“ im Raum stehen bleiben werden).

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