Archiv für Januar 2013

Zum 90. Geburtstag von »Geschichte und Klassenbewusstsein«

Georg Lukács und seine Rezeption für Einsteiger, Freunde und Kenner

1923 erschien mit der Aufsatzsammlung Geschichte und Klassenbewusstsein eine Art Gründungsdokument des späterhin so genannten »Westlichen Marxismus«. Für die Junge Panke/Helle Panke Berlin Anlass, ihr und ihrem Autor Georg Lukács einen Abend »in gepflegter salonbolschewistischer Atmosphäre« zu widmen. Nach »Zwanziger-Jahre-Arbeiterbewegungs-Chanson am E-Piano« referierten Patrick Eiden-Offe und Frank Engster im Kreuzberger Monarch über Biographie, Werk und Rezeption von Georg Lukács. Im Mittelpunkt stand neben dem berühmten Verdinglichungsaufsatz auch Lukács‘ zwiespältiges Verhältnis zur Partei- und Organisationsfrage, sein historisch bedingtes Schwanken zwischen eher linkskommunistisch-spontaneistischen Vorstellungen vom subjektiven Faktor und leninistischen Avantgarde-Konzepten.

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Kapitalistische Krisenzeiten.

Entgegen dem Bekenntnis der parlamentarischen Linken zu Markt, Staat und Kapital, aber auch entgegen der naiven und gefährlichen Legende, eine gesunde Realwirtschaft sei der Habgier von Bankern zum Opfer gefallen, fanden in den letzten Monaten wiederholt Veranstaltungen statt, die daran erinnerten, dass die Ursachen für die viel zitierte Krise nicht in der Gier oder in ungenügenden Reglementierungen liegen, sondern auf eine strukturelle Analyse zu pochen sei. Eine Analyse, die darauf beharrt, dass Kapitalismuskritik eine Kritik der Normalität des Kapitalismus bedeutet – und auf der Erkenntnis, dass zu dieser Normalität auch die Krise gehört.
In Halle organisierten die kritischen Interventionen eine Veranstaltungsreihe zur Krisenhaftigkeit des Kapitalismus (mit Ernst Lohoff (Krisis), Daniel Späth (Exit!), Anton Landgraf und Hannes Bode als Referenten) und deren Folgen. In Bremen sprach Thomas Ebermann zum Verhältnis von Krise und Nationalismus. Beides wollen wir an dieser Stelle dokumentieren.

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Rosa & Karl

Bayern 2 RadioWissen hat kleine biographische Features über Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gesendet.

Download: Rosa via BR via RS (19 min, 18 MB) || Karl via BR | via RS (23 min, 21 MB)

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Die Schreckensmänner

Ein Radio-Essay von Arno Schmidt

Gestern, am 18. Januar, wäre Arno Schmidt 99 Jahre alt geworden. Der Alterszyniker und Meister des inneren Monologs (denen zu empfehlen, die etwa auch einen Zugang zu Thomas Bernhard oder James Joyce finden können) hat in der Nachkriegszeit neben zahlreichen Erzählungen und seinem Hauptwerk Zettels Traum auch einige Radio-Essays produziert – eine Hörform, die heute fast gänzlich ausgestorben ist. Gerade in seinen Radio-Essays wird die umfassende Kenntnis deutlich, die Schmidt von der gesamten deutschen Literatur gehabt hat, wobei er sich mit Vorliebe vergessenen und nicht wieder aufgelegten Literaten gewidmet hat. In seinem Radio-Essay Die Schreckensmänner von 1958 erzählt Schmidt die düstere Lebensgeschichte des Schriftstellers und Freimaurers Karl Philipp Moritz und bespricht dessen Hauptwerk, den (zum Teil autobiografischen) Roman Anton Reiser. Dabei stellt Schmidt die beengten deutschen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts mit ihrem Hang zu Quietismus, verbohrter Innerlichkeit und Leibesfeindlichkeit äußerst plastisch dar.

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kathelbaum
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CrimethInc. – Message in a bottle

[English description further down.] Ende des Jahres 2012 haben einige Aktivisten des anarchistischen Kollektivs CrimethInc eine Vortragsreise durch Europa unternommen, bei der sie zum einen über die Aktivitäten und theoretischen Grundlagen von CrimethInc, zum anderen über gegenwärtige Kämpfe und Konflikte in den USA berichtet haben. In Deutschland haben sie unter anderem im Berliner Laidak Station gemacht – die Ex-Magazin-Redaktion stellt einen Mitschnitt des CrimethInc-Vortrags zur Verfügung. Der Vortrag erzählt zum einen eine ‚kleine Geschichte‘ der sozialen Bewegungen in den USA, ausgehend von der klassischen Arbeiterbewegung, über die Epoche des sozialen Kompromisses, bis hin zur neuen Prekarität – um festzustellen, dass sowohl Forderungen, die von der Produktionssphäre ausgehen, als auch Forderung die von der Konsumsphäre ausgehen, heute keine darüber hinausgehende Perspektive eröffnen können. Zum anderen geben die beiden einen Bericht über aktuelle soziale Bewegungen in den USA (u.a. das Scheitern von Occupy oder der Streik in Oakland) und stellen einige Überlegungen dazu an, welche Anforderung eine antikapitalistische Bewegung sich heute stellen muss. Trotz der zum Teil etwas hemdsärmlig-pathetischen Art der beiden, so ist hier doch vielleicht eine interessante Stimme aus den Staaten zu hören. Ein Interview mit zwei „Agenten“ von CrimethInc gibt es hier zu lesen – deutsche Texte von CrimethInc sind hier zu finden.

In the end of 2012 activists of the anarchist collective CrimethInc did a ‚lecture‘-journey through europe, to talk about theoretical aspects of their activity and to report on actual conflicts and fights in the USA. In Germany they visited the Laidak-Bar in Berlin – the Ex-Magazin-Redaktion is presenting a recording of this evening. The presentation draws a ‚little history‘ of social movements in the USA (the traditional workers-movement – the epoch of social compromise – the new forms of precarity) and detects, that neither demands that start from production, nor demands that start from consumption can open a perspective to overthrow capitalism today. On the other hand the two guys give a report about actual social movements in the USA (for example the failure of Occupy or the strike in Oakland) and make some considerations about those tactics, a contemporary anticapitalist movement has to develope. More stuff by CrimethInc you can find here.

Download (via AArchiv): Presentation (mp3; 1:05:43 h; 62,1 MB) | Discussion (mp3; 0:44:25 h; 42,7 MB)

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Gerhard Stapelfeldt: Kritik der Soziologie

Die kritische Theorie der Gesellschaft in Soziologie zu verwandeln, ist überhaupt ein problematisches Unterfangen. (Max Horkheimer)

Gerhard Stapelfeldt, der 30 Jahre am Institut für Soziologie der Universität Hamburg lehrte, bestimmt den Begriff der Soziologie in Differenz zur Gesellschaftstheorie: Die Theorie der Gesellschaft ist Aufklärung über die Bewusstlosigkeit der Gesellschaftsgeschichte und des gesellschaftlichen Verhältnisses. Die Soziologie, so Stapelfeldt, geht von dieser Bewusstlosigkeit aus, ohne sie zu Bewusstsein zu bringen: sie erfährt dadurch Gesellschaft als einen Kosmos unveränderlicher Gesetze und Tatsachen. Einen Beitrag zur Kritik der Soziologie leistete Stapelfeld auf Einladung der ag antifa in Halle, in dem er unter anderem die Entstehungsgeschichte von Soziologie und Gesellschaftstheorie aufzeigt.

Die Soziologie, die Wissenschaft vom logos der societas, verhält sich paradox zu ihrem Gegenstand: sie untersucht gesellschaftliche Phänomene und Strukturen, indem sie gesellschaftliche Verhältnisse voraussetzt. Daher ist ihr nicht der Geist des Widerspruchs, sondern der Geist der Anpassung und des Autoritarismus immanent.
Um im allgemeinen zu bestimmen, was Soziologie sei, ist ihre Entstehung als Fachwissenschaft im frühen 19. Jahrhundert nachzuzeichnen. Daraus ergeben sich nicht nur die Differenzen von Sozialphilosophie und Gesellschaftstheorie einerseits, Soziologie andererseits, sondern auch die beiden grundsätzlich unterschiedenen Richtungen der Soziologie als Naturwissenschaft (»soziale Physik«) einerseits und als Geisteswissenschaft andererseits. Max Weber hat um 1900/1920 versucht, diese beiden Richtungen zusammenzuführen: in einer sinnverstehenden Soziologie, die geschichtstheoretisch die Genese der politischen Gesellschaft als »Gehäuse der Hörigkeit« vorführt.

    Download: via AArchiv | via RS.com (mp3; 82 min; 113 MB)

Siehe auch Stapelfeldts Veröffentlichungen Zur deutschen Ideologie, Soziologische Theorie und gesellschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland, Lit-Verlag Münster, 2005. Hier besprochen von JustIn Monday und Theorie der Gesellschaft und empirische Sozialforschung. Zur Logik der Aufklärung des Unbewußten, ça ira Freiburg, 2004.

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Zinskritik als Allheilmittel? Widersprüche und Gefahren der Kapitalismuskritik.

Bei einer Sendung des freien Radios Helsinki (aus Graz) kommen Heribert Schiedel und Peter Bierl ausführlich zu Wort. Ihre Beiträge analysieren die Verschleierung der Kritik des Kapitalismus durch die sogenannte Zinskritik. Download: via AA (mp3; 0:59 h; 81 MB)

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Der vergessene »Kommunistenrabbi«

Zum 200. Geburtstag von Moses Hess

Exit!-Redakteur Udo Winkel hat im Dezember einen Vortrag über den weithin vergessenen Philosophen Moses Hess gehalten. Der Wegbereiter und -gefährte von Marx und Engels, 1812-1875, war einer der ersten (sozialistischen) Zionisten. Winkel liefert einen kurzen, kenntnisreichen Überblick über die Marxrezeption, die er dafür verantwortlich macht, dass Hess mittlerweile wieder vergessen worden ist. Danach geht er u.a. auf Hess‘ Religions-, Staats- und Geldkritik ein. Er bedient sich dazu ausführlicher Zitate.

Eine Kurzfassung des Referats ist erschienen in EXIT! Nr. 10.

10.12.2012 (19:00)
Vortrag: Der vergessene „Kommunistenrabbi“ – Zum 200. Geburtstag von Moses Hess

Referent: Udo Winkel
Beginn: 19 Uhr
Ort: Jugendhaus Erlangen

Um Moses Hess ist es still geworden, seine Werke sind vergriffen und bestenfalls noch antiquarisch zu erwerben. Das sah vor dreißig Jahren noch etwas anders aus. Im Zuge der Beschäftigung mit Marx und seinen theoretischen Voraussetzungen seit der Studentenbewegung war der Linkshegelianismus und frühe Kommunismus und damit auch Moses Hess wiederentdeckt worden. Seine Schriften wurden neu aufgelegt, Arbeiten über ihn verfasst und er wurde in Kompendien gewürdigt. Dass er erneut in Vergessenheit geraten ist, sagt viel über die heutige Marxrezeption aus. Hess war nicht nur der erste deutsche Kommunist, der wesentlich dazu beitrug, dass Marx sich vom Linkshegelianismus loslöste, sondern auch der Vorläufer eines sozialistischen Zionismus. Das Referat will an den „Kommunistenrabbi“ erinnern und ihn würdigen.

Udo Winkel lebt in Nürnberg und ist Redakteur der Theoriezeitschrift EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft.

veranstaltet von:
BAK Shalom Erlangen
Exit! – Krise und Kritik der Warengesellschaft
Haskala Bayern

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Was bleibt vom Individuum?

Von der Entfremdung des Menschen zum Untergang des Individuums

Die Initiative Sozialistisches Forum Freiburg dokumentiert einen Vortrag zum Begriff des Individuums in der bürgerlichen Gesellschaft, den Lea Bendemann im Rahmen des ISF-Jour Fixe im Juli 2012 gehalten hat. Im ersten Teil setzt sich Bendemann mit den Marxschen Frühschriften und der Spaltung des Individuums in Bourgeois und Citoyen auseinander. Im zweiten Teil befasst sie sich mit Adornos Reflexionen über das Individuum im Zeitalter von (und nach) Auschwitz. Im Dritten bemüht sie sich um den Nachweis, dass Adorno an die Marxschen Frühschriften anknüpft.

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Das Problem des Kommunismus

Bei der Basisgruppe Antifaschismus habe ich einen ganz informativen Vortrag Frank Engsters über die Revolutions- und Kommunismusvorstellungen des traditionellen Marxismus sowie bei Lenin, Lukács, in der Kritischen Theorie und im Postmarxismus (Negri, Badiou, Das Unsichtbare Komitee) gefunden. Ein großer Teil seiner Ausführungen gegen Ende kreisen um die Problematik und die (postmoderne) Kritik der Repräsentation.

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