Archiv für Juli 2013

Differenz und Distinktion

Über ästhetische, sensualistische und soziologische Aspekte des Geschmacksbegriffs

1.) Vor ca. zwei Jahren hat Bersarin im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst, Spektakel, Revolution“ einen Vortrag über „Kunst und Geschmack“ gehalten. Die verschriftlichte Version des Vortrags ist zwischenzeitlich in der 3. KSR-Broschüre erschienen und inzwischen auch online nachlesbar. Wir dokumentieren an dieser Stelle den Mitschnitt des zugrundeliegenden Vortrags. Bersarin handelt darin drei ideengeschichtliche Stationen ab: Geschmack als Begriff in der Frühaufklärung, Geschmack in der Ästhetik Adornos und Geschmack in einem Essay von Detlev Claussen.

Der Begriff „Geschmack“ lässt sich in mehrfacher Wortbedeutung verstehen: einmal als Geschmack, welcher auf der unmittelbar sinnlichen Ebene funktioniert – also innerhalb unserer fünf Sinne in der Weise des Schmeckens als passives Vermögen – und als Geschmack in der Bedeutung der stil- und empfindungssicheren Beurteilung bzw. der distinktiven Wertung von aisthetischen und lebensweltlich begegnenden Gegenständen. Hier fungiert Geschmack als aktives Vermögen. Dabei fallen Kunstwerke als spezielle Objekte unter die zweite Bedeutung von Geschmack. Philosophie, Soziologie und die Ästhetik beschäftigen sich in der Regel mit diesem zweiten Aspekt, der dem Geschmack zugrunde liegt. Die Felder reichen vom Kantischen Geschmacksurteil, der Analyse subjektiver Empfindungen bzw. der Idiosynkrasien über den Dandy- und Bohème-Begriff des 19. Jahrhunderts, der Ästhetik Adornos, deren Fokus auf dem Kunstwerk selbst liegt, bis hin zur Konzeption Bourdieus, in welcher der Geschmack als Phänomen der sozialen Ab- und Ausgrenzung interpretiert wird.

Zunächst soll im historischen Rückgriff die Bedeutung aufgezeigt und ein skizzenhafter Überblick zum Geschmack sowie dem ihm innewohnenden emanzipatorischen Potential gegeben werden, das diesem Begriff in der sich entfaltenden bürgerlichen Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts zugrunde liegt. Geschmack konzipierte sich im 18./19. Jahrhundert als eine Möglichkeit von (bürgerlicher) Autonomie jenseits feudaler Fesseln und Reglementierungen und ist als Form der bürgerlichen Selbstvergewisserung auch parallel zum ästhetischen Moment zentrale Kategorie. Es kam diesem Begriff ein objektiver Gehalt zu, der sich unter spätmodernen bzw. -kapitalistischen Bedingungen kaum noch revitalisieren lässt und dort lediglich subjektiv konnotiert ist: Jenes „De gustibus non est disputandum“ gibt mittlerweile die (auch ästhetische) Ideologie des herabgesunkenen Bürgertums ab. Dieser verschüttete objektive Gehalt soll in seinen Grundzügen dargestellt werden, um von dort zur Gesellschaftstheorie sowie zur Ästhetik Adornos überzuleiten. In seiner Ästhetik erfährt der Geschmacksbegriff eine grundsätzliche Kritik, welche einerseits geschichtsphilosophisch, andererseits aber immanent ästhetisch motiviert ist.

Nachdem diese Kritik Adornos kurz dargestellt wurde, soll anhand seiner Ästhetik sowie der Gesellschaftskritik zur sinnlichen Komponente des Geschmacks als Schmecken übergeleitet werden. Dass diese erste Bedeutung des Geschmacksbegriffs genauso ein Feld für die Philosophie und Ästhetik abgeben kann – und dies jenseits der Restaurantkritik oder einer schlechten Unmittelbarkeit –, zeigt etwa Prousts „Recherche“: Im Moment des Schmeckens, nachdem der Protagonist jene legendäre Madeleine in den Lindenblütentee tauchte und das Gebäck verspeiste, geschieht jener Vorgang, welcher mit dem Begriff der memoire involontaire verbunden ist. Im Schmecken, im Moment unmittelbarer Sinnlichkeit evoziert sich ein Anderes. In diesem Zusammenhang möchte ich Aspekte aus Detlev Claussens Aufsatz „Kleine Frankfurter Schule des Essens und Trinkens“ aufgreifen und die darin entfalteten Ansätze von Geschmack und Kritischer Theorie in den Zusammenhang mit Adornos „Meditationen zur Metaphysik“ bringen. Denn auch in jenem letzten Teil der „Negativen Dialektik“ geht es um ein sinnliches Moment der Philosophie. Diesem kann zwar innerhalb einer Theorie kein Prius eingeräumt werden, da dialektisches Denken sich nicht auf eine Seite der Opposition schlägt, doch ist es im Rahmen von Kritischer Theorie auch nicht auszuscheiden. „Nur im ungeschminkt materialistischen Motiv überlebt Moral“, so schreibt Adorno in den „Meditationen“. Dieser Satz lässt sich zugleich im Hinblick auf die Philosophie insgesamt ergänzen, ohne dabei jedoch eine Philosophie der reinen Sinnlichkeit zu kultivieren. Es soll aufgezeigt werden, dass Adornos Philosophie jenes vielfach aus dem Kanon der Philosophie abgesonderte Moment der Sinnlichkeit durchaus aufnimmt. Dies zeigt sich neben den „Meditationen“ auch in seinen „Minima Moralia“ , sowie über die Begriffe des Impulses oder des Somatischen, um dadurch eine Passage hin zu einer Theorie unreglementierter Erfahrung zu öffnen.

Bersarin, Jahrgang 1964, hat Philosophie, Soziologie, Germanistik und nebenher Kunstgeschichte studiert, er betreibt den Blog AISTHESIS und macht Fotos: Proteus Image. [via]

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2.) Auch in der klassischen Soziologie hat man sich über die Kultivierung des Geschmacks und die Sitte der Mahlzeit Gedanken gemacht. So erforschte Norbert Elias, wie im Prozess der Zivilisation auch das Speisen der Affekt- und Triebkontrolle unterworfen wird, Georg Simmel untersuchte die Mikrosoziologie der bürgerlichen Kleinfamilie bei Tisch und für Pierre Bourdieu ist Geschmack immer Klassengeschmack und seine Ausbildung dient der Distinktion. Ihre Äußerungen zu diesen Themen könnt ihr hier nachhören:

    Download: via RS (zip; pw: Skorbut)
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»Behandelt uns wie Menschen!«

„Ich habe aufgehört, überhaupt zu versuchen ein Leben zu führen. Ich habe es einfach verlernt. Du wirst zum Schatten deiner selbst.“

„Für die Politik ist dies ein sehr radikaler Protest. Wir antworten so auf eine Brutalität, die uns von dem System selbst angetan wird.“

Als vor einem Monat das Flüchtlings-Protestcamp auf dem Rindermarkt in München geräumt wurde, wo sich 44 Flüchtlinge im Hungerstreik befunden hatten, waren die Verhältnisse, in denen Flüchtlinge hierzulande leben müssen, für eine kurze Zeit in der Öffentlichkeit präsent. Inzwischen interessiert sich kaum noch jemand dafür, was aus den Flüchtlingen in München geworden ist. Nicht so der Zündfunk – in der Zündfunk-Langstrecke sind drei Flüchtlinge, die sich derzeit in München befinden, zu Wort gekommen und haben über ihr Leben, ihre Flucht, ihre Situation in Deutschland und ihre Kritik am Asylsystem gesprochen. Pass it on!

50 Asylbewerber treten in München in den Hungerstreik – und plötzlich interessiert sich für kurze Zeit ganz Deutschland für die Lebensbedingungen von Flüchtlingen hier. Der Zündfunk lässt drei von ihnen ihre Geschichte erzählen. Einen Monat nach dem Hungerstreik lassen wir drei Flüchtlinge erzählen, warum sie nach Bayern kamen und wie es ihnen hier ergangen ist. Da ist Cliff, der als Kindersoldat in Uganda zusehen musste, wie seine Mutter bei lebendigem Leibe verbrannte. Seit zehn Jahren verbringt er seine Tage in einer beengten Asylbewerberunterkunft, wo er zur Behandlung seines Traumas statt einer Therapie nur Psychopharmaka bekommt. Da ist Houmer, der im Iran an der Grünen Revolution beteiligt war und nach seiner Flucht vor dem Regime hier in Deutschland für die Rechte von Flüchtlingen kämpft. Auch am Hungerstreik war er beteiligt. Da ist aber auch Lina, die als Minderjährige allein aus Afghanistan kam und dank gezielter Förderung nun gerade ihre Ausbildung als Zahnarzthelferin abgeschlossen hat. [via]

    Download: via BR2 // via RS [46,7 MB; 50:58 min]

Edit: Auf der Homepage des frankfurter GSP-Ablegers gibt es eine durchaus hörenswerte Besprechung der Ereignisse am Münchner Rindermarkt:

    Download (via Farberot)

Edit 2: Leider ist die Audiodatei prompt von der Farberot-Homepage verschwunden. Hat jemand eine Kopie gemacht?

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Die »klassische deutsche Philosophie« und die kritische Theorie der Gesellschaft

Aspekte der materialistischen Auseinandersetzung mit Kant und Hegel

Die Systemphilosophie Hegels stellt als Abschluss der durch Kant eingeleiteten transzendental-idealistischen Bewegung zweifellos einen Wendepunkt der europäischen Philosophie dar. Aus dem Zusammenbruch der Hegel-Schule traten Materialisten mit Anspruch hervor, mit der so genannten klassischen deutschen Philosophie die Philosophie überhaupt zu beerben, sie revolutionär zu verwirklichen und in gesellschaftsverändernde Praxis aufzuheben.

Die folgenden Vorträge kreisen unter verschiedenen Gesichtspunkten, allerdings leider strikt androzentrisch, um die Frage, ob Hegel das letzte Wort der Philosophie gesprochen oder aber eher eine problematische Tendenz des Kantischen »Kritizismus« auf die Spitze getrieben hat, welche die materialistische Gesellschaftskritik spätestens im 20. Jahrhundert nötigte, zu Kant zurückzukehren, um über ihn und Hegel gleichermaßen hinauszugelangen.

1. Andreas Arndt, Die Hegel-Kritik des frühen Marx.

Andreas Arndt ist Professor der Philosophie an der theologischen Fakultät der Berliner Humboldtuni und ein Hegelianer vor dem Herrn. Der vorliegende Kurzvortrag stammt von der Konferenz »La réalisation de la philosophie à l’époque du Vormärz« (Paris, Februar 2012, Videodokumentation hier) und behandelt leider (fast) nur den jungen Marx. Arndt konzentriert sich auf Marxens Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie und stellt auch heraus, worin Marx selbst in seinen materialen Arbeiten Hegelianer geblieben ist. Allerdings bricht er an einer Stelle ab, an der eine materialistische Wendung Not täte: Dass Marx kategoriale Bestimmungen der Hegelschen Logik im Kapital bzw. aufs Kapital anwenden kann, ist m. E. dadurch bedingt, dass das Kapital bereits in Hegels Kategorien steckt.

    Hören:

    Download: mp3 via AArchiv (0:31 h, 18 MB) | Video bei Vimeo

2. Alfred Schmidt, Gegenwartsprobleme in der materialistischen Erkenntnistheorie. Besonders hörenswert

Auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs sprach der vor etwa einem Jahr verstorbene Horkheimerschüler, Adornoassistent und spätere Philosophieprofessor Alfred Schmidt 1970 (!) in Wien über materialistische Erkenntnistheorie. Er skizziert in seinem noch heute hörenswerten Vortrag u.a. die Auseinandersetzung Marxens mit der theoretischen Philosophie Hegels. Marx und Engels verwarfen Hegels identitätsphilosophischen Ansatz, hielten aber an seiner Kritik am Kantischen »Ding an sich« fest. Diese »prekäre« Konstellation materialistischer Erkenntnistheorie und die Frage, warum auch der Materialismus nicht (im Gefolge Hegels) völlig ohne erkenntnistheoretische Erwägungen auskommt, beleuchtet Schmidt eingehend.

3. Paul Mentz, Philosophie im Angesicht der Verzweiflung. Adornos negative Philosophie der Moral.

Moralphilosophie scheint für radikale Gesellschaftskritik kein Anliegen ersten Ranges zu sein, möchte sie doch nicht an die Einzelnen appellieren, sie mögen ihr Verhalten ändern, sondern sie anstacheln zum Umsturz jener fetischistisch objektivierten Verhältnisse, in denen sie geknechtete (usw.) Wesen sind. Und doch sah Adorno sich veranlasst, Moralphilosophie nicht allein als Gegenstand, sondern auch als Medium oder Bestandteil seiner kritischen Theorie der Gesellschaft zu behandeln. Paul Mentz (Rote Ruhr Uni) zeichnet in seinem am 3. Juli 2013 bei der ISF in Freiburg gehaltenen Vortrag Adornos Auseinandersetzung mit Kants Individualethik und Hegels Theorie der Sittlichkeit nach.

Ankündigungstext:

Eine Moralphilosophie, die den eigenen Anspruch, moralisch zu sein nicht preisgeben will, muß auf die Verstrickung von herrschender Praxis und herrschender Unfreiheit reflektieren, und dabei festhalten, daß “nur wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles.” Angesichts der fortschreitenden Geschichte der Herrschaft und des Leidens läßt sich kein positiver Standpunkt der Moralphilosophie ausmachen, denn selbst “was der Mensch an sich sein soll”, läßt sich nicht sagen, da er immer nur das ist, “was er war: er wird an den Felsen seiner Vergangenheit geschmiedet.” Wie ein freier Mensch wäre, läßt sich nicht antizipieren, so daß keine moralischen Prinzipien aus der inneren Verfaßtheit des Menschen abgeleitet werden können. Adornos negative Moralphilosophie ist keine ethische Konzeption, sondern Kritik sowohl der Moralphilosophie als auch der Herrschaft und des Leidens, die, gerade weil sie auf die Unfreiheit reflektiert, zugleich auf die Realisierung von Freiheit insistiert, ohne diese positiv zu bestimmen. – Es spricht Paul Mentz (Dortmund), Autor u.a. von „Moralphilosophie im Stande der Unfreiheit – Adornos negative Moralphilosophie“ (Berlin 2012).

4. Literaturempfehlungen

1. Fragen die Erkennbarkeit der Natur betreffend, werden in Karl Heinz Haags Der Fortschritt in der Philosophie diskutiert, wobei Kant als ambivalenter Denker Gegenstand der Kritik wird ebenso wie Einspruchsinstanz gegen Hegel, den Neukantianismus, den Positivismus, ja gar gegen die materialistische Metaphysik Lenins und der marxistischen Orthodoxie. Das etwa 200 Seiten lange Plädoyer für eine negative Metaphysik, welche die Natur nicht in dem aufgehen lässt, was an ihr erkennbar ist, und die nicht von der historisch-gesellschaftlichen Vermitteltheit der Erkenntnis absieht, enthält auch ein Kapitel über Marx, in dem herausgearbeitet wird, dass dieser mit dem Begriff der immanenten Form von Naturdingen an einem Kerngedanken negativer Metaphysik festhält. Meines Erachtens überaus lesenswert, auch wenn die Auseinandersetzung mit der Philosophiegeschichte meist nur immanent-argumentativ ohne Rückbezug der behandelten Theorien auf gesellschaftliche Realität erfolgt.

2. Um Ideologiekritik an Kant und Hegel, die eine feministische Dimension nicht ausspart, bemüht sich Daniel Späth in einer Reihe von Ausgaben der EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft. Kürzlich erschien der erste Teil zu Hegel.

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Pierre-Joseph Proudhon – Vater des Anarchismus, Antifeminist und Antisemit

Einen kurzen Vortrag zur Kritik des kleinbürgerlichen Frühsozialisten Pierre-Joseph Proudhon hielt Jan Feldmann Anfang Mai 2013 im Rahmen des Offenen Antifa Treffens Dresden. Leider verfährt Feldmann in seiner Kritik wenig immanent. Statt bspw. genauer aufzuzeigen, wie Proudhons zirkulationsfixierte Gerechtigkeits- und Emanzipationsvorstellungen (»Mutualismus«) unreflektiert aus Warentausch und Vertragsform hervorgehen und in welche Widersprüche die Ablehnung des Geldes bei Beibehaltung der Warenproduktion führt, wird der falschen Kapitalismuskritik Proudhons eine richtige, offenbar wert-abspaltungskritisch inspirierte, entgegengehalten. Erfreulicherweise geht Feldmann nicht nur auf den Antisemitismus, sondern auch auf den vehementen Antifeminismus Proudhons ein. Die Diskussion habe ich als insgesamt wenig gehaltvoll empfunden.

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Die Utopie von der gesunden Welt. Zur Züchtung des »brauchbaren Menschen« im NS-Staat

Wolfgang Dreßen hat für den DLF einen guten Beitrag über die (Vor-) Geschichte und das Nachleben des NS-»Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« verfasst. Er beleuchtet u.a. die Nichtentschädigung der von Zwangssterilisierung betroffenen Menschen in der BRD und die Individualisierung der »Biopolitik« durch pränatale medizinische Techniken heute.

Download: via DLF | via RS.com (0:29 h, 26 MB)

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Über die historische Vergänglichkeit von »Geschichte und Klassenbewusstsein«

Geschichte und Klassenbewusstsein war ein zu Recht prägendes Werk des Marxismus und es gibt Grund genug, 90 Jahre nach seinem Erscheinen an dieses Buch und seinen Autor, Georg Lukács, zu erinnern. Aber es gibt keinen Grund, auf eine kritische Revision seiner Grundlagen zu verzichten oder über die Katastrophengeschichte des 20. Jahrhunderts hinwegzugehen, als ließe sich bruchlos an den jungen Lukács anknüpfen. Das dachte sich auch die Hamburger Gruppe Melange und organisierte am 4. Juli 2013 eine Art Gegenveranstaltung zur Reihe »Über das Schicksal der Revolution entscheidet das Klassenbewusstsein«. Die Reihe wurde von Kritikmaximierung organisiert und ist bei uns dokumentiert worden.

In den ersten knapp 20 Minuten des folgenden Mitschnitts formuliert ein Vertreter der Gruppe Melange eine Kritik an der Ausrichtung der Veranstaltungsreihe und stellt anschließend den Referenten Robert Fechner vor. Dieser befasst sich im ersten Teil seines Vortrags mit Lukács‘ Verdinglichungsaufsatz und kritisiert die diesem zugrunde liegende Interpretation der Kritik der politischen Ökonomie. Fechner attestiert Lukács u.a. Gebrauchswertfetischismus und ein falsches Verständnis der Kategorie »abstrakte Arbeit«. Im zweiten Teil wendet er sich Axel Honneths Verdinglichungstheorie zu und liefert eine fulminante Kritik an dessen idealistisch-ideologischem Anerkennungsgefasel.

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Nackte Gewalt – Die Übermacht der Verhältnisse und die Sprachlosigkeit der Kritik (III+IV)

Nachdem es zu einiger Verzögerung meinerseits kam, dokumentiere ich nun gleich zwei Vorträge aus der Reihe »Nackte Gewalt«.

1. Jordi Maiso: Gegenwärtige Vorgeschichte: Versuch einer Standortbestimmung

Jordi Maiso (u.a. Hrsg. der Constelaciones. Revista de Teoría Crítica) nimmt die Thematik von Arne Kellermanns Vortrag auf und führt sie fort: Was bedeutet es für kritische Theorie, dass sie wirkungslos bleibt in einem historischen Augenblick, in dem tiefgreifende Veränderung mehr denn je geboten, ja überfällig ist, aber nicht stattfindet, sondern die kapitalistisch induzierte Barbarei von der Peripherie in die Zentren zurückkehrt? Er bezieht sich u.a. auf Robert Hullot-Kentor (vgl. A New Type of Human Being and Who We Really Are) sowie auf Schriften von Robert Kurz, Detlev Claussen, Wolfgang Pohrt und Falko Schmieder.

Kritische Theorie, die vielen überholt dünkte, bleibt aktuell, weil blind wirkendes Naturgesetz und gesellschaftlich organisierter Wille ineinander übergehen. Die Vorstellung, dass mit dem Ende des Kapitalismus auch das Ende der Vorgeschichte erreicht wäre, scheint heute nicht mehr haltbar. Wenn der Kapitalismus gegenwärtig vor einem Auflösungsprozess steht, passiert dies nicht auf Grund der bewussten Handlung lebendiger Subjekte, sondern auf Grund der inneren Widersprüchen des »automatischen Subjekts« und der materiellen Widerstände einer Welt, die nicht grenzenlos ausbeutbar ist. Angesichts der Verrohung sozialer Verhältnisse, der enormen Opfer, die das immer mühseligere Weitergehen des business as usual fordert, scheint die Kritik der »Pathologien« der Moderne und der Vernunft bereits eine arge Verharmlosung. Kritische Theorie sieht sich heute genötigt, eine neue Stufe der Vorgeschichte zu begreifen, in der das Misslingen von Subjektivität und Geschichte gewaltsam zutage tritt: Was heißt das für die Theoriebildung, für die Fähigkeit zur Einsicht überhaupt? Wie wirkt das auf die subjektiven Triebkräfte der Kritik? Wie verändert sich unter diesen Bedingungen die Möglichkeit von Erfahrung? Bei aller Dringlichkeit einer gesellschaftstheoretischen Reflexion, die seinem Gegenstand gerecht wird, muss auch die Ohnmacht reiner Theorie mitreflektiert werden: »Für Kontemplation scheint es zu spät«.

2. Joachim Bruhn: Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt. Vor dem Ausnahmezustand des Kapitals

Joachim Bruhns (ISF/ça ira Freiburg) Vortrag ist vor allem eine Zitateschlacht mit ideologischem Material aus Druckerzeugnissen von der FAZ bis zur Apothekenumschau, das illustriert, welchen, teils rationalisierten, teils schlicht esoterischen, Unsinn das bürgerliche Bewusstsein hervorbringt, wenn es sich in der Krise auf den »Gegenstand« Geld richtet. Der Vortrag könnte auch den Titel eines anderen Referats tragen, das Bruhn kürzlich in Leipzig gehalten hat: „Gescheites Rindvieh“ – Über die Volkswirtschaftslehre als die Kunst, das Unbegreifliche des Kapitals zur gefälligen Ideologie zu rationalisieren.

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Gleichwohl: Die Gesellschaft der totalen Konkurrenz ist in heller Panik, sie wird sich zersetzen und zerstören. Unmöglich noch kann sie die Bedingung der Möglichkeit ihrer eigenen Existenz aus sich selbst heraus reproduzieren: der vollendet autistische Selbstbezug des Kapitals, die losgelassene Akkumulation um der Akkumulation willen, die »Plusmacherei« (Marx) rutscht ins historische Minus, zerbricht an sich und eben daran, dass die Gesellschaftlichkeit der Individuen als Subjekte bloß auf dem generalisierten Ausschluss aller durch alle gründet, der, eben in den Formen von Wert, Geld, Kapital den totalen Einschluss stiftet, d.h.: die gesellschaftliche Synthesis als vollendet negative. Das ist gewiss paradox: die unbedingte gesellschaftliche Einheit in der Form des totalisierten Atomismus; ein Paradox jedoch, das im Geld dingliche Gewalt annimmt und als »logisches Rätsel« (FAZ) erscheint. In der Panik wird sich die falsche Gesellschaft ihres eigenen Widersinns inne, allerdings in einer nur noch verrückteren Form, einer Form, die das bankrotte Kalkül der Ökonomie vermittels des Wahns der Politik zu therapieren verspricht, tatsächlich zu überbieten sucht: der Form eines paranoiden Souveräns, der den Triumph des Willens über den kapitalen Sachzwang beschwört und so gerade die »Angst vor dem Chaos« schürt, darin die Flucht nach vorn anpeitscht und so auf den autoritären Staat provoziert, auf den Ausnahmezustand, d.h. auf die ursprünglich faschistische Situation: denn nichts anderes ist der »Preis des Marktes« als das politisch, vermittels des Gewaltmonopols auf Leben und Tod erzwungene Opfer der Individuen.

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»Sehr, sehr unviktorianisch«

Beiträge über Virginia Woolf

Wer sich mit feministischer Theorie und der Geschichte des Feminismus auseinandersetzt, wird um eine Autorin nicht herumkommen: Virginia Woolf. In einem ihrer bekanntesten Texte, dem Essay »A Room of one’s own«, fordert sie – so sehr ihr Horizont ein bürgerlicher bleibt – auf bezwingend materialistische Weise, dass Frauen, wenn sie literarisch produktiv sein wollen, zum einen ein eigenes Zimmer haben müssen, in dem sie von allen reproduktiven Ansprüchen unbehelligt bleiben können und zum anderen über eigenes Geld verfügen können müssen. Gleichwohl ist ihr Wirken nicht auf den politischen oder literarischen Feminismus zu reduzieren – ihre Romane und Erzählungen haben stilbildend den inneren Monolog in der modernen englischen Literatur zur Anerkennung gebracht und stehen in Erzählkunst und Wagnis einem Marcel Proust oder James Joyce in nichts nach. Wir machen im Folgenden auf vier Beiträge zu Werk und Leben von Virginia Woolf aufmerksam:

1. »Sehr, sehr unviktorianisch« – Virginia Woolf – Pionierin der literarischen Moderne

Erst kürzlich ist im Hörspiel-Pool des Bayrischen Rundfunks ein biographisches Feature über Virginia Woolf erschienen. Der Erzählung ihres Lebensweges sind, neben Zeugnissen ihrer Zeitgenossen, zahlreiche Ausschnitte aus ihren Werken beigegeben. [Call: Die Datei auf dem Server von BR2 ist über weite Strecken hin beschädigt – wenn jemand im Besitz einer nichtbeschädigten Version ist – her damit!]

Bereits mit ihrem ersten Roman „Die Fahrt hinaus“ (The Voyage Out, 1915) setzte sich Virginia Woolf über die literarischen Konventionen ihrer Zeit hinweg und veranlasste ihren Freund, den Schriftsteller Lytton Strachey, zu dem Ausruf: „Oh, es ist sehr, sehr unviktorianisch!“ Das könnte als Motto über dem Leben von Virginia Woolf stehen, aber nur als eines von vielen, denn ihr Werk als Schriftstellerin und Biographin, als Essayistin, Literaturkritikerin und Verlegerin war vielschichtig und facettenreich. Virginia Woolf wurde 1882 als Tochter eines angesehenen Intellektuellen und einer viktorianischen Dame der gehobenen Mittelklasse geboren. Schulbildung für Mädchen lehnte ihre Mutter ebenso ab wie Studium, Beruf und Wahlrecht für Frauen. Sich von dieser viktorianischen Knebelung zu befreien, war eines der Ziele von Virginia Woolfs Schreiben. Sie begann ihre Laufbahn mit literarischen Rezensionen, dann folgten Prosawerke und zahlreiche Essays. Sie machte sich auf, den Roman zu revolutionieren, und die Gattung der Biographie gleich mit. Keine klar strukturierten Handlungsverläufe, keine deutliche Personencharakterisierung, keine allwissende Erzählstimme. Stattdessen tauchte sie ein in die Innenwelten ihrer Figuren, erzählte fragmentarisch von ganz normalen Ereignissen an ganz normalen Tagen. In wunderschön komponierter rhythmischer Sprache, in poetischen Bildern und Metaphern, mit Witz, Ironie und mit Wut auf den Militarismus und den Krieg, das patriarchale System und die Unterdrückung von Frauen. Zwischen 1922 und 1931, der produktivsten Zeit in ihrem Leben, veröffentlichte Woolf fünf experimentelle Werke: die Romane Jacobs Zimmer (Jacob’s Room), Mrs. Dalloway (Mrs. Dalloway), Zum Leuchtturm (To the Lighthouse), Die Wellen (The Waves), die fiktive Biographie Orlando. Daneben zahlreiche Essays, darunter den wegweisenden Ein Zimmer für sich allein (A Room of One’s One). Mit diesen Werken wurde sie zur angesehenen Schriftstellerin und zur bedeutendsten englischen Autorin der Moderne. Virginia Woolf erlebte in jungen Jahren den sexuellen Missbrauch durch ihre Halbbrüder und den Tod ihrer engsten Familienangehörigen. Zu diesen belastenden Erfahrungen kam der Ausbruch einer psychischen Krankheit, unter der sie ein Leben lang litt. Als sie 1941 befürchten musste, wahnsinnig zu werden, nahm sie sich am 28. März 1941 das Leben. / Realisation: Mira Alexandra Schnoor / BR 2013

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2. »Ein eigenes Zimmer«

In der BR2-Mediathek steht außerdem ein weiteres, etwas kürzeres, aber ebenfalls hörenswertes biografisches Feature zur Verfügung, in dem einige literarische Motivie Woolfs beleuchtet werden.

Zu Ende des 19. Jahrhunderts in die Ober-und Bildungsschicht des spätviktorianischen Londons hineingeboren, begann sie früh, sich schreibend mit der Innen- und Außenwelt zu befassen. Traditionelle Erzähltechniken aufbrechend, wurde Woolf zur wichtigsten Vertreterin der literarischen Moderne. Die „Bloomsbury Group“, ein Kreis Kreativer, gilt als Inbegriff kreativer Lebens- und Arbeitsform. Trotz ihrer körperlichen und psychischen Labilität arbeitete Virginia Woolf mit großer Intensität an ihrem Werk. Die Abwendung von patriarchalen Werten, die Selbstreflexion und Betonung der weiblichen Sicht, machten sie zur Gallionsfigur der Frauenbewegung und zum Vorbild weiblicher Selbstentfaltung unter erschwerten Bedingungen.

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3. Jacobs Zimmer

Beim Bayrischen Rundfunk werden meines Erachtens zur Zeit einige der besten zeitgenössischen Hörspiele produziert – im letzten Jahr wurde dort der Roman Jacobs Zimmer von Virginia Woolf als Hörspiel in vier Teilen gesendet. Der Roman ist eine Charakterstudie an dem Protagonisten Jacob Flanders, wobei dessen innere Vorgänge permanent mit den Eindrücken kontrastiert werden, die andere Personen um ihn herum von ihm haben. Thema ist die Sinnlosigkeit und das Scheitern eines Lebens kurz vor und im Zuge des ersten Weltkriegs.

Eine Schriftstellerin um die Vierzig im Prozess, ihren scharfen Blick auf die Welt, deren Politik und innere Mechanik in erfahrungsnaher Literatur darzustellen. Eine untergehende Gesellschaftsform im England der (Vor-)Kriegszeit und ein junger Mann, der im Ersten Weltkrieg stirbt, noch bevor er seine Persönlichkeit voll entfalten konnte. Virginia Woolf, ihr Gegenstand und der Wunsch nach einem neuen, unmittelbaren Ausdruck: Das sind die äußeren Koordinaten des Romans Jacobs Zimmer, der 1922 erschien und ein wenig bekanntes Meisterwerk der Moderne ist.

Aus der inneren Logik des Romans entsteht eine faszinierende literarische Erfahrung, eine multisensorische Folge von atmosphärischen Ausschnitten, kurzen Einblicken, vielstimmigen Einschätzungen, die lose chronologisch aneinandergereiht sind. Wir begegnen Jacob als Kleinkind am Strand, erhaschen Eindrücke aus seiner Schulzeit, seinem Studentenleben in Cambridge, sehen ihn durchs nächtliche London zu einer Geliebten gehen oder nach Griechenland reisen. Das Unerhörte daran: Jacob selbst spricht nie und genau das war Virginia Woolfs Schlag gegen die viktorianische Erzählkonvention, in der sie sozialisiert wurde, und deren autoritäre Vorgaben sie zeitlebens angriff. Ihre gelungene Romanerfindung arbeitet erstmals mit einer Art fotografischer Schnitttechnik und zeigt, dass Jacob durchaus da ist: heraufbeschworen, nicht aus der Aufzählung von charakterbestimmenden Fakten und gedrechselten Sätzen eines allwissenden Erzählers, sondern auf geisterhafte Weise in Facetten gespiegelt: in den Blicken, Gedanken- und Gesprächsfetzen seiner Umgebung. Es ist, als blättere man mit angehaltenem Atem durch das Fotoalbum eines Fremden.

So stehen wir heutzutage im Leben, meinte Woolf, so erfahren wir die Welt: Wir gleiten durch eine Abfolge von symbolischen Räumen, durch sprechende Atmosphären, angerissene Szenen und Gesprächsfetzen, und wenn wir sie lesen lernen, verstehen wir vielleicht ein bisschen besser, wer wir sind.

Virginia Woolf ist bekannt für ihre schonungslose Selbstkritik, doch mit Jacobs Zimmer, das die Reihe ihrer berühmten Romanexperimente einleitete, war sie durchaus zufrieden: „Ich habe keinen Zweifel mehr, dass ich (mit 40!) herausgefunden habe, wie ich die Dinge in meiner eigenen Stimme ausdrücken kann“, notierte sie beim Erscheinen des Romans in ihr Tagebuch.

    Hören: via BR2 | Download: Teil 1; Teil 2; Teil 3; Teil 4 (via BR2)

4. Orlando

Orlando ist meines Erachtens einer der lesenswertesten Romane Woolfs, der vielleicht auch leichter zugänglicher ist, als viele andere ihrer Romane. Der Roman erzählt die Lebensgeschichte eines adeligen Jünglings, die sich über vier Jahrhunderte erstreckt und innerhalb derer sich auf rätselhafte Weise eine Geschlechtsumwandlung des Protagonisten vollzieht. Das Hörspiel wird auf Bayern 2 ab dem 14.07.2013 um 15:00 Uhr in insgesamt sechs Teilen ausgestrahlt.

„Ich will die Biographie über Nacht revolutionieren!“ notierte sich Virginia Woolf spät im Jahr 1927 euphorisch ins Tagebuch und der Funke war gezündet. Begeistert stürzte sie sich in das „Projekt Orlando“, das zum „Rückgrad ihres Herbstes“ wurde, ein Buch, das sie leichthändig „vor dem Abendessen schreiben“ konnte. Es machte ihr unendlich viel Spaß! Den Lesern übrigens auch, wie die Verkaufszahlen der ersten drei Wochen zeigten, die selbst die kühnsten Erwartungen übertrafen. Orlando war von Anfang an Legende. Was die energetische Dynamik anging, war dieses Buch ein Glücksfall für Woolf. Zwar floss bei dieser Autorin immer Privates mit Beruflichem zusammen, doch jetzt war sie angefeuert von der engen Beziehung, Begeisterung und Liebe zu einer schillernden Abenteurerin, der adeligen Vita Sackville-West. Als schönsten Liebesbrief der Literaturgeschichte hat man Orlando bezeichnet. Und sicher: Sackville-West stand ihrer Freundin in vielem Modell für diese Fantasie. Fakten wurden mit Fiktivem vermischt, zu symbolischen Szenen verdichtet, mit Goldstaub überzogen.

Trotzdem greift die Beschreibung vom Liebesbrief zu kurz. Denn vor allem gelang es Woolf hier unaufgeregt und verspielt, gesellschaftspolitisch und kulturhistorisch relevante Themen aufzugreifen. Die Stellung der Frau, die Aggression des Empire, die rückwirkende Deutung von Geschichte aus machtpolitischen Gründen. Alles, was Virginia Woolf als Denkerin ausmacht, finden wir hier. Scheinbar Unverrückbares wird funkelnd und satirisch zugleich demontiert: Stand, Status, Geschlecht und Geschichtsschreibung, Macht, Posen und Konventionen. Besonders viel Sorgfalt verwendet Woolf auf die Darstellung der Relativität von Zeit und Begebenheit.

Neben ihrer Begeisterung für Sackville-Wests Person, behandelt Orlando eine weitere Leidenschaft Woolfs: ihre Liebe zur Biographie als Genre. Als Leserin verschlang sie diese Bücher und reflektierte in ihren Notizen über die Form. Woher kam der oft anmaßende, allwissende Ton der Autoren? Woher der Glaube, die Figur so gut fassen zu können? Wieso erfahren wir oft mehr über Zeit und Moral des Biographen, als über die Person, die zur Debatte steht? Wieso erstickte oft eine buchhalterische Sprache jedes Gefühl für einen Menschen, der vor langer Zeit sehr lebendig war. Und, ganz zentral: wer legt eigentlich fest, dass Phantasie und Dichtung in einer Biographie nichts zu suchen haben. Woolf selbst gibt in Orlando vielen Positionen eine Stimme.

    Alle Sendetermine finden sich im Überblick hier. Die Audiodateien werden zu gegebener Zeit hier verlinkt.

    Teil 1: via BR2

Empfohlen sei abschließend der Film The Hours, in dem das Leben Virginia Woolfs (gespielt von Nicole Kidman) mit den Handlungen ihres Romans Mrs Dalloway verquickt wird – auch wenn mir das unvermeidliche Ende auf fragwürdige Weise aufgeladen scheint.

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»Schicksal ist kein blindes Verhängnis«

In DLF Essay und Diskurs erinnert Kurt Lenk an die »unzeitgemäße Aktualität Max Horkheimers« anlässlich seines 40. Todestages. Download via DLF | via RS.com (0:29 h, 26 MB)

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Nordseekrabben

Eine Kurzgeschichte von Bertolt Brecht

Bertolt Brecht hat 1927 in den Münchner Neuesten Nachrichten eine eigenwillige Kritik des Bauhaus veröffentlicht — dies in Form einer Kurzgeschichte mit dem Titel »Nordseekrabben oder Die moderne Bauhauswohnung«. Die Figur Müller, die in mehreren Geschichten Brechts auftritt, gestaltet darin die modern ausgestattete Wohnung seines ehemaligen Gefährten und Kriegsveteranen Kampert nach seinem eigenen Geschmack um. In einem lesenswerten Text haben Magdalena Gerwien und Peter Schulz diese Geschichte in der dritten Ausgabe der Broschüre »Kunst, Spektakel, Revolution« interpretiert, mit der Freundschaft zwischen Brecht und Benjamin enggeführt und auf die spezifische Situation der Zwischenkriegszeit in den 1920′er Jahren bezogen. Der Text ist seit kurzem online verfügbar. Aus diesem Anlass habe ich einmal die genannte Kurzgeschichte eingesprochen und übergebe sie der hörenden Aufmerksamkeit der Audioarchiv-Nutzer_innen:

    Download: via AArchiv (mp3; 19:46 min; 19 MB)
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