Archiv für Februar 2015

Sex als Lohnarbeit

Kaum eine Debatte ist so moralisch aufgeladen wie die um Prostitution. Die Frage, ob Prostitution per se als Unterdrückung von Frauen verurteilt werden soll oder ob nicht vielmehr die Selbstorganisierung von SexarbeiterInnen ein sinnvoller Ansatz ist, zieht einen Graben auch durch feministische Zusammenhänge. Wir dokumentieren im Folgenden mehrere Beiträge, die für letztere Position argumentieren und die eine Kritik an der moralischen Verurteilung von Prostitution formulieren.

1.) 17 Grad – Prostitution ist …

In einer Themensendung von 17 Grad wurde im letzten Jahr die Prostitution behandelt. Vor allem werden Argumente von Prostitutionsgegnern unter die Lupe genommen und kritisiert. Davon ausgehend wird eine ökonomische und klassen-analytische Betrachtung der Sexarbeit entwickelt. Immer wieder wird dabei auf den Text „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“ von Friedrich Engels zurückgegriffen. Die Sendung basiert auf Texten von Nichtidentisches und von Helen Ward.

„Prostitution ist nur ein besonderer Ausdruck der allgemeinen Prostitution des Arbeiters”. Dieses Zitat von Marx könnte suggerieren, dass Prostitution für unsere Hörerinnen und Hörer eine recht klare Sache ist. Stattdessen hat sie sich als wahre Herausforderung erwiesen – und die Positionen Linker erstrecken sich von der Befürwortung von Repression und Abschaffung auf der einen Seite zur Entkriminalisierung und gewerkschaftlichen Organisierung auf der anderen Seite. [via]

    Download: via Mediafire (mp3; 92.3 MB; 59:59 min)

2.) Melissa Grant – Hure spielen

Im Rahmen der Reihe „Die Untüchtigen“ war im letzten Jahr die Autorin Melissa Grant im Hamburger Golem zu Gast. Im Gespräch mit der Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal hat sie ihr Buch „Hure Spielen“ vorgestellt, das im letzten Jahr bei Edition Nautilus erschienen ist. Es geht Melissa Grant in diesem Buch darum, die Perspektive umzudrehen: nicht über SexarbeiterInnen und deren Schicksal zu reden, sondern über jene, die sich anmaßen, für Prostituierte zu sprechen. So lässt sich herausfinden, dass es in diesen Debatten meist nicht in erster Linie um die SexarbeiterInnen selbst geht, sondern um eine moralische Legitimation einer Reihe von Berufen: Polizei, Journalismus, Sozialarbeit, etc. – von Melissa Grant zusammengefasst als „Mitleidsindustrie“. Auf der Veranstaltung wurde zunächst Melissa Grant vorgestellt und ein Auszug aus ihrem Buch vorgelesen. Dann beantwortet sie einige Fragen, wobei es viel um einen Vergleich der amerikanischen und europäischen Verhältnisse geht.

Buchvorstellung, Gespräch »HURE SPIELEN – DIE ARBEIT DER SEXARBEIT« mit: Melissa Grant & Mithu M. Sanyal

Während die Bundesregierung an Änderungen zum Prostitutionsgesetz arbeitet, die bis Jahresende vorgenommen werden sollen, ist es in der öffentlichen Debatte zur Prostitution stiller geworden. Doch nun meldet sich in Deutschland eine junge amerikanische Stimme zu Wort: Melissa Gira Grant – ehemals Sexarbeiterin, heute Journalistin – stellt mit ihrem Buch »Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit« die Debatte vom Kopf auf die Füße und attackiert all jene, die Prostitution zum Wohle der Frauen verbieten wollen. Sie lässt Sexarbeiterinnen (und Sexarbeiter) selbst zu Wort kommen und zeigt auf, dass nicht die Arbeit der Sexarbeit eine Zumutung ist, sondern deren Kriminalisierung: entwürdigende Polizeieinsätze, Illegalität, gewalttätige Übergriffe und Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Außerdem stellt Grant eine Verknüpfung her zwischen dem Umgang mit dem Thema Sexarbeit zu einer Reproduktion klassischer Geschlechterrollen und entlarvt die Position von Alice Schwarzer & Co. als paternalistischen Willen zur Kontrolle. Grants kluge Analyse liefert eine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung mit einem hochaufgeladenen Thema. Im Gespräch mit der Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Mithu M. Sanyal stellt Grant ihr Buch vor und diskutiert über die Situation von Sexarbeitern in Deutschland. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 229.3 MB; 1:40:08 h)

Ein Interview mit Melissa Grant im Spiegel findet sich hier.

3.) Carolin Küppers – Diskurs über Sexarbeit und Menschenhandel während der WM in Südafrika

Interessanterweise gibt es immer wieder dann Wellen von moral panic über Prostitution, wenn internationale Sport-Events stattfinden – oft werden dabei Sexarbeit und Menschenhandel unzulässigerweise miteinander vermengt und nicht selten wird dabei rassistisch argumentiert. Im Rückblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika hat die Wüste Welle Tübingen ein Interview mit der Soziologin Carolin Küppers geführt, die über den Diskurs über Prostitution und Menschenhandel geforscht und dabei auch mit südafrikanischen SexarbeiterInnen gesprochen hat. Im Interview geht es dabei auch sehr grundlegend um den Charakter und die gesellschaftliche Bewertung von Sexarbeit sowie um unterschiedliche feministische Positionen zu diesem Thema. [Teil 1 | Teil 2]

Teil 1

    Download: via FRN (mp3; ; 15:27 min)

Teil 2

    Download: via FRN (mp3; 10 MB; 13:29 min)

Radio Dreieckland hat anlässlich ähnlicher Debatten im Vorfeld der WM in Brasilien ein hörenswertes Interview mit Friedrike Strack geführt, die lange Zeit bei Davida, einer brasilianischen Prosituiertenorganisation, gearbeitet hat. Dieses Interview kann hier gehört werden.

4.) Welche Prostitution wollen wir? Prostitutionsverbot – Problemlöser oder Populismus?

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Welt am Donnerstag“ (ein Projekt der WOZ und der Autonomen Schule Zürich) fand am 05.02.2015 eine Gesprächsrunde mit Rebecca Angelini (Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration) und Brigitte Obrist (ehemalige Prostituierte und ehemalige Projektleiterin bei der Aidshilfe Schweiz) statt. Anlass der Diskussion sind zunehmende rechtliche Reglementierungen für SexarbeiterInnen in der Schweiz und zunehmende Stimmen, die eine Bestrafung von Freiern fordern. Beide berichten aus den Erfahrungen von SexarbeiterInnen, plädieren für eine klare Trennung zwischen Sexarbeit und Menschenhandel, fordern eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse von SexarbeiterInnen und kritisieren jegliche Verbotsforderungen und z.B. das Schwedische Modell. Rebecca Angelini macht in der Diskussion eine Sache klar, die m.E. sehr wichtig ist: Wer es für problematisch hält, dass Frauen mehr oder weniger unfreiwillig im Bereich der Sexarbeit ihr Geld verdienen, der sollte anstatt ein Verbot der Sexarbeit zu fordern, vor allem die Ursachen dafür bekämpfen, dass zahlreiche Frauen eine äußerst beschränkte Berufswahl haben – nämlich die europäische Flüchtlingspolitik.

WELCHE PROSTITUTION WOLLEN WIR? Prostitutionsverbot – Problemlöser oder Populismus?

Die Frage, ob Prostitution verboten oder legalisiert werden soll, entzweit Europas Feminist_innen. Wenn es nach Alice Schwarzer geht, ist der Fall klar: Prostitution fördert den Menschenhandel und gehört verboten, die Freier müssen bestraft werden. In der Schweiz kommt ein Expertenbericht des Bundesrats zu einem anderen Befund: Prostituierte sollen rechtlich gestärkt werden. Politische Vorstösse von links bis rechts, die von Besserstellung bis zum Verbot des Gewerbes reichen sowie der vorliegende Expertenbericht: 2015 wird das Jahr sein, in dem in der Schweiz politisch die Weichen gestellt werden, welcher Weg eingeschlagen wird. [via]

    Download: via FRN (mp3; 54 MB; 59:28 min)

Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland werden Debatten darüber geführt, Sexarbeit zu reglementieren und wichtige Errungenschaften zurückzunehmen. Hierüber hat im letzten Jahr Sonja Dolinsek ein Interview bei Radio Corax gegeben, welches hier nachgehört werden kann.

Das Ex-Magazin hat im letzten Jahr einen offenen Antwortbrief von Sascha Bergthal an Tanja Rahm veröffentlicht, die zuvor in der Welt ihrerseits einen Offenen Brief geschrieben hatte. Beiträge zum Thema im Audioarchiv findet ihr hier: Leib ohne Trieb – Von der Prostitution zur Sexarbeit | Femen und der Feminismus.

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Einführung in den Marxismus – Teil I und II

Im „Radiokolleg“ auf FSK hat kürzlich eine Sendereihe begonnen, die sich in je einstündigen Sendungen und im Gespräch mit Georg Fülberth einer Einführung in die marxistische Theorie widmet. Für Leute, die sich einen Überblick über Aspekte marxistischer Gesellschaftskritik verschaffen möchten, seien diese hörenswerten und einfach verständlichen Sendungen empfohlen.

Sendung I

Die erste Sendung beginnt mit der Frage, wer Marx gewesen ist und zeichnet die Entwicklung des historischen Materialismus nach. Ausgehend von Hegel, über Feuerbach, bis zum Studium der Nationalökonomie werden die Etappen des theoretischen Werdegangs Marxens nachgezeichnet. Dann gibt Fülberth kurze Inhaltsangaben der drei Bände des Kapitals und geht zuletzt auf den Revolutionszyklus seit 1789 und die damit verbundenen Revolutionserwartungen ein, die auch Marx und Engels teilten und die ihre politische Betätigung prägten.

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 48.4 MB; 52:49 min)

Sendung II

In der zweiten Sendung unternimmt Fülberth noch einmal den Versuch einer Kurzdarstellung der Marx’schen Herangehensweise an die begriffliche Durchdringung der kapitalistischen Produktionsweise. Dafür wirft er einen ausführlicheren Blick in die drei Bände des „Kapitals“. Im Zentrum steht die Frage „Woher kommt der Profit?“ und gestreift werden die Kategorien der Ware, des Lohns, der Arbeitskraft und es geht um den Kampf um die Länge des Arbeitstags bzw. der Arbeitswoche. Außerdem geht es um den Begriff der Akkumulation und um die ursprüngliche Akkumulation. Zuletzt widmet sich Fülberth dem Verhältnis von Produktionsmittelsektor und Konsumgütersektor und dem damit verbundenen Krisenpotential und stellt zuletzt einige Überlegungen zu Entwicklungstendenzen des Kapitalismus an.

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 48.7 MB; 53:12 min)

In beiden Sendungen gibt Fülberth am Schluss einführende Literaturhinweise. So empfiehlt er das Einführungsbändchen von Michael Heinrich sowie seine eigene Einführung, »Das Kapital« kompakt. Als Einstieg empfiehlt er außerdem Marxens Broschüre „Lohn, Preis und Profit“.

Die Sendereihe wird nach Angabe der Sendungsmacher bis Mitte 2015 fortgesetzt. Dabei soll es dann auch um Rosa Luxemburg, Lenin und die Geschichte der Sowjetunion gehen. Wir werden diese Folgen zu gegebener Zeit an dieser Stelle dokumentieren.

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Klassenkampf im Dunkeln

Dietmar Dath im Gespräch mit Thomas Ebermann

Dath und Ebermann haben sich offensichtlich seit längerer Zeit einmal vorgenommen, miteinander öffentlich zu diskutieren – kürzlich wurde der Mitschnitt dieser Diskussionsveranstaltung, die am 14.12.14 im Hamburger Golem stattfand, bei Soundcloud veröffentlicht. Dietmar Dath nimmt die Behauptung von Wolfgang Pohrt, die Verwissenschaftlichung der Revolution sei ein großer Quatsch (siehe auch hier), zum Ausgangspunkt, um zu begründen, warum er und Barbara Kirchner (u.a. in „Implex“ und „Klassenkampf im Dunkeln“) am Anspruch wissenschaftlichen Denkens festhalten und sich dabei explizit auf Wissen und Denkmodelle aus den Naturwissenschaften bedienen. Ebermann kritisiert dann einige Sachen, die er an Dath schon immer mal kritisieren wollte und dann kommen sie ins Gespräch über das Verhältnis von Kritik und Spekulation, die Stellung zum Staat, Produktivkraftentwicklung und Fortschritt.

Talkin’ bout a Revolution

Der Sozialismus ist kein schwer verständliches und lückenhaftes Traumgebilde. Er ist die erreichbare Konsequenz geschichtlicher Erfahrungen – die praktische Aufhebung des bestehenden Unrechts. Das Ziel mag weit entfernt, und die Kräfte zur Erzwingung eines besseren gesellschaftlichen Zustands mögen schwach sein. Dennoch gilt es zu kämpfen, zu streiten, zu organisieren, zu propagieren, zu erfinden und auszuprobieren und es kommt darauf an, sich nicht dumm machen zu lassen von dem ganzen Mitmachgewürge, das mit der bestehenden Scheiße einverstanden ist.

Dietmar Dath stellte an diesem Abend sein Buch Klassenkampf im Dunkeln. Zehn zeitgemäße sozialistische Übungen vor, erklärt wie all das gehen könnte und was auf dem Weg zu einem neuen Sozialismus zu tun wäre. Mit ihm diskutiert Thomas Ebermann. Gemeinsam werden sie einige sozialistische Übungen probieren und dem Publikum kein revolutionäres Geheimnis vorenthalten. Es wird gefachsimpelt, debattiert und gestritten, bis das Stuhlbein regiert. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 124.9 MB; 2:15:44 h)
    Hören: bei Soundcloud
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Dschihad

Letztes Jahr wurde viel über den ersten Weltkrieg geredet. Dieses Jahr wird aufgrund der jüngsten Ereignisse heftig über den Dschihad diskutiert. Dass letzterer historisch in einer Verbindung mit dem Deutschen Kaiserreich und dem ersten Weltkrieg steht ist hingegen kaum bekannt. Die GenossInnen von 17 Grad haben diesen Zusammenhang in einer Doppelsendung herausgearbeitet, die wir hier dokumentieren. Zunächst beleuchten Sie, wie der Terminus des „heiligen Krieges“ in der Tradition deutscher Außenpolitik verwendet wurde. Dann rekonstruieren sie, wie die außenpolitischen Beziehungen des Deutschen Reiches zu einer Neubewertung des Islams führten und wie das Deutsche Reich versuchte, dschihadistische Aufstände in britischen und französischen Kolonien zu entfachen. Es werden einzelne Protagonisten der „Operation Dschihad“ vorgestellt, insbesondere Max von Oppenheim. Während in der ersten Sendung die Beziehungen des Deutschen Reiches zur Türkei im Vordergrund stehen, werden in der zweiten Sendung die Beziehungen zu Marokko, Algerien, Lybien und anderen arabischen Staaten beleuchtet.

Sendung 1

    Download: via Mediafire (mp3; 110.5 MB; 1h)

Sendung 2

    Download: via Mediafire (mp3; 39.9 MB; 1h)
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Regieren im Namen Gottes?

Vor wenigen Tagen hat sich die iranische Revolution von 1979 zum 36. mal gejährt. Ein guter Grund, sich mit der jüngeren Geschichte des Irans und seiner gegenwärtigen Gesellschaftsstruktur auseinanderzusetzen. Wir dokumentieren drei Vorträge, die Solale Schirasi bereits 2012 in Konstanz gehalten hat (Teil 1, Teil 2, Teil 3). Die jüngsten Entwicklungen unter Präsident Hassan Rohani konnten dementsprechend noch nicht thematisiert werden – ansonsten haben die Vorträge kaum an Aktualität verloren.

Ein Beispiel für einen Gottesstaat in der heutigen Zeit ist die 1979 gegründete Islamische Republik Iran, die den Anspruch erhebt, eine Theokratie zu sein. Seit der islamischen Revolution von 1979 und der Ablösung der Monarchie geht nach der herrschenden iranischen Staatsdoktrin die Staatsgewalt nicht vom Volk aus, sondern wird allein religiös legitimiert. Solale Schirasi informiert anhand verschiedener Themenkomplexe über das Modell einer islamischen Regierung, die Geschichte und das Leben

Von Februar bis Mai findet in Konstanz die Vortragsreihe mit Solale Schirasi zum Themenkomplex „Regieren im Namen Gottes? 33 Jahre islamische Herrschaft im Iran“ statt.

Solale Schirasi, die 1951 in Teheran geboren wurde und dort selber dem massiven Druck der Mullahs floh 1987 mit ihrem Mann nach Deutschland. Seitdem lebt und arbeitet sie in Konstanz. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Frauenrechte und soziale Bewegungen im Iran.

Zusammen mit ihrem Mann, Ali Schirasi betreibt sie ein deutschsprachiges Blog, http://alischirasi.blogsport.de/, das zu den wichtigsten exiliranischen Blogs im deutschsprachigen Raum gehört. [via]

1. Im ersten Vortrag geht Schirasi erst auf die allgemeinere Geschichte des Iran und dann auf die Vorgeschichte und den Verlauf der Iranischen Revolution von 1979 ein. Sie thematisiert die Islamisierung der iranischen Revolution, beschreibt dann die ideologische und militärische Machtsicherung Chomenis und geht zuletzt auf den Iranisch-Irakischen Krieg ein.

    Download: via FRN (mp3; 41 MB; 44:44 min)

2. Im zweiten Vortrag analysiert Schirasi den inneren Aufbau des iranischen Regimes: Sie beschreibt das Rechtssystem und den Vorgang der Gesetzgebung, skizziert die iranische Wirtschaftsstruktur und geht auf die Rolle der Pasdaran in der Wirtschaft ein.

    Download: via FRN (mp3; 50 MB; 55:03 min)

3. Im dritten Vortrag beschreibt Schirasi das Bildungssystem des Irans. Schirasi, die im Iran selbst als Lehrerin gearbeitet hat, beschreibt den Aufbau der Schulbildung und gibt Beispiele aus der Gestaltung von Schulbüchern. Sie geht auch auf das Leben an der Universität ein und thematisiert die Rolle von Neuen Medien und Internet.

    Download: via FRN (mp3; 53 MB; 57:32 min)

Im ersten Vortrag erwähnt Schirasi, dass die Vortragsreihe ursprünglich auf sechs Termine angelegt war. Ob die letzten drei Vorträge aufgenommen wurden oder ob sie überhaupt stattgefunden haben, konnten wir nicht herausfinden – über Hinweise sind wir dankbar.

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Sonnenblumenhaus

Während in diesen Tagen die Kinos mit dem furchtbaren „Wir sind stark. Wir sind jung“ werben, ein kleines Gegengift über die Ereignisse 1992 in Rostock-Lichtenhagen: Ein Hörspiel des FSK (von Dan Thy Nguyen und Iraklis Panagiotopoulos) dokumentiert die Ausschreitungen und verarbeitet die Sicht der belagerten Menschen.

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Positionen zur Kritik des Mensch-Tier-Verhältnisses

1. Animal Riots. Zur kritischen Theorie des Mensch-Tier-Verhältnisses

Im Frühling des letzten Jahres fand in Jena eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel »Veganismus – mehr als nur Lifestyle?« statt. Im Rahmen dieser Reihe hat Thomas Krüger aus Jena einen Vortrag gehalten, in dem er einige Aspekte des Mensch-Thier-Verhältnisses aus kritisch-theoretischer Perspektive dargestellt hat. Er kritisiert dabei naturalistische Fehlschlüsse sowohl von Verfechtern als auch von Kritikern des Veganismus. Im Zentrum seiner Überlegungen steht dann eine Kritik der Forderung nach Tierrechten, basierend auf einer Kritik des Rechts-Begriffes. Dem Recht stellt er eine Moral-Konzeption gegenüber, in deren Zentrum Leid, Mitleid und Empathie stehen (wobei er sich u.a. auf Adornos Vorlesungen über Probleme der Moralphilosophie bezieht). Am Schluss kritisiert er das postmoderne Denken (und insbesondere das Konzept der Intersektionalität), das er in Hinblick auf eine Kritik des Mensch-Tier-Verhältnisses für nicht tauglich hält.

Der Vortrag „Animal Riots. Zur kritischen Theorie des Mensch-Tier-Verhältnisses“ stellt die moralischen Implikatonen der Idee der Tierbefreiung in den Kontext gesellschaftlicher Vermittlung und politökonomischer Bedingtheit. Inspiriert durch die kritische Gesellschaftstheorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer soll gezeigt werden, dass eine materialistische Kritik des Mensch-Tier-Verhältnisses weder rechtlich („Animal Rights“) noch dekonstruktivistisch (Poststrukturalismus/Intersektionalismus) sondern vielmehr moralisch und kategorial ist.

Der Ausgangspunkt, wonach das Wohl dem Leiden, die Freiheit der Gefangenschaft und das Leben dem Tod vorzuziehen ist, soll sich anhand negativer Bestimmungen einer befreiten Gesellschaft nähern, die ihren Horizont nicht auf den Menschen begrenzt, sondern die Leidensfähigkeit der Tiere einschließt.

In diesem Sinne soll auch der populäre „Antispeziesismus“-Begriff problematisiert werden, der die Dimension der Leidensfähigkeit der Tiere (als Bedingung des Glücks) per se ausblendet. Fazit: In der besten aller möglichen Welten werden weder Menschen noch Tiere geschlachtet, geopfert oder ausgebeutet. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 87.8 MB; 1:35:53 h)

Der Referent hat darum gebeten, die Aufnahme der Diskussion (die sehr kontrovers war) nicht zu veröffentlichen. Dafür gibt es eine transkribierte Version der Diskussion, der der Referent einige Kommentare beigefügt hat. Ergänzend und zum Teil korrigierend sei hier auf einen Text von Roger Behrens verwiesen, der einige kluge Gedanken zum Mensch-Tier-Verhältnis enthält. Behrens zitiert darin einen lesenswerten Aufsatz von Hendrik Wallat: »Die Tiere als Hüter der Menschlichkeit«, enthalten in der Ausgabe 32-33/2011 der Zeitschrift für kritische Theorie.

2. Zur Kritik einiger veganer Argumente

Peter Schadt (Gegen_Kultur, Falken Stuttgart) hat im Rahmen der Jenaer Tierbefreiungs-Reihe einen Vortrag zur Kritik des politischen Veganismus gehalten. Da uns diese Aufnahme nicht auffindbar war, dokumentieren wir stattdessen einen Vortrag, den Schadt unter dem Titel »Zur Kritik einiger veganer Argumente« bereits im Februar 2013 bei den Erfurter Falken gehalten hat. Folgende Thesen unterzieht er einer kritischen Prüfung: 1. Vegan essen / Fleisch essen ist natürlich. 2. Vegane Ernährung kann die Welternährungslage verbessern. 3. Vegane Ernährung löst das Problem der Überbevölkerung. 4. Es ist gesünder vegan/vegetarisch zu leben. 5. Menschen sind auch nur Tiere – der Mensch-Tier-Dualismus muss aufgebrochen werden (Kritik des Speziesismus). 6. Tiere werden diskriminiert – stattdessen sollten sie Rechte haben (geht über zur Frage, ob Konsumverhalten innerhalb des Kapitalismus Leid vermindern kann). 7. Direkte Tierbefreiungs-Aktionen und Propaganda der Tat zeigen auf, dass die Verhältnisse veränderbar sind (ALF).

Wenn Menschen sich vegan ernähren, kann dies aus den verschiedenen Gründen passieren. Für die einen ist es die einzig natürliche Ernährungsform; für andere das Wundermittel gegen den Welthunger. Nicht wenige fordern die Gleichheit von Mensch und Tier und sehen den sogenannten „Speziezismus“ in einer Reihe mit gesellschaftlichen Herschaftsverhältnissen wie Rassismus und Sexismus.

Entsprechend ist der Veganismus meist nicht nur eine Art sich zu ernähren, sondern tritt als politisches Programm auf: Gefordert werden Tierrechte, die eine andre Behandlung von Tieren staatlich garantieren sollen. Keine tierischen Produkte zu kaufen wird oft als Hebel gesehen die Produktion von Fleisch und anderer tierischer Produkte und die damit verbundene Verwertung der Tiere für menschliche Zwecke zu beenden.

Der Vortrag wirft einen genaueren Blick auf einige Argumente für den Veganismus und thematisiert die hinter ihnen stehenden Vorstellungen von Recht, Staat, Moral und Ökonomie. Zur Diskussion stellen wollen wir unsere Kritik an einiger politischen Forderungen, moralischen Argumenten und der politischen Praxis der Tierrechtsbewegung. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 106.8 MB; 1:56:37 h)

Edit: Der Referent hat uns gebeten, die Erfurter Aufnahme des Vortrags durch eine aktuellere Version zu ersetzen. Diesen Vortrag hat Schadt 2014 in Tübingen gehalten. Eine kurze Inhaltsangabe des Vortrags folgt die Tage.

Der po­li­ti­sche Vega­nis­mus er­lebt eine Blü­te­zeit. Egal ob Welt­hun­ger, öko­lo­gi­sche Zer­stö­rung oder mo­ra­li­sche Ver­ro­hung: Im Fleisch­kon­sum er­kennt der po­li­ti­sche Vega­nis­mus je nach Spiel­art den oder zu­min­dest einen ge­wich­ti­gen Grund. Im Workshop wer­den wir uns ver­schie­de­nen The­sen des po­li­ti­schen Vega­nis­mus stel­len und diese einer Prü­fung un­ter­zie­hen. Im Mittelpunkt steht dabei die Leidfähigkeit der Tiere. Ebenfalls geklärt wird, ob

- wirk­lich we­ni­ger Men­schen hungern würden, wenn kein Fleisch mehr pro­du­ziert wer­den würde?
- und vor allem was die Entscheidung des Konsumenten bewirkt, kein Fleisch mehr zu essen
- sowie die Frage nach dem Unterschied zwischen Mensch und Tier [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 90.2 MB; 1:38:33 h)

Peter Schadt hat auf seinem Blog ein Diskussionspapier zur Kritik des politischen Veganismus veröffentlicht. Gleichzeitig gibt es ein Call for Papers für eine Ausgabe der Zeitschrift „GEGEN_KULTUR“, die sich mit dem politischen Veganismus auseinandersetzen wird.

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