Nationalsozialismus und soziale Frage

Über den Antikapitalismus der alten und neuen Nazis

Im Rahmen einer kleinen Veranstaltungsreihe über den Nationalsozialismus der Falken Erfurt hat Joachim Bons (Uni Göttingen) einen Vortrag über den Antikapitalismus der Nazis gehalten. Diesen untersucht er anhand von Zitaten von Strasser, Göbbels und Hitler sowie aus dem Stürmer und dem Völkischen Beobachter (und am Rande auch aus aktuellen Nazi-Publikationen). Er plädiert dafür, den Antikapitalismus der Nazis nicht einfach als Demagogie abzutun und stellt gleichzeitig heraus, dass der NS-Antikapitalismus nicht die Überwindung des Widerspruchs von Kapital und Arbeit, sondern deren Versöhnung anstrebt.

Die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ beschwört den „nationalen Antikapitalismus“ und will den „Kapitalismus zerschlagen“ und bereits die Goebbels-Zeitung „Der Angriff“ präsentierte die Nazis als „Todfeinde des heutigen kapitalistischen Wirtschaftssystems“. Was ist von derartigen Aussagen von Parteien zu halten, die gleichzeitig das Privateigentum als naturgegeben anerkennen und dem „genial“ tätigen, wertschaffenden Unternehmer die Unentbehrlichkeit für Volk und Wirtschaft bescheinigen? Drückt sich hier ein genuin antikapitalistischer Impetus oder doch nur ein sozialdemagogisches Täuschungsmanöver aus oder wie sind derartige Aussagen sonst im Gesamtkontext (neo-) nationalsozialistischer Ideologie zu entschlüsseln? Wie war die soziale Frage eingebettet und welche Antworten wurden gegeben? Und nicht zuletzt, was können Gründe für die politische Wirksamkeit dieser Ideologie (gewesen) sein? Diese und weitere Fragen zu Ideologie und Politik des historischen und des akturellen Nazismus wollen wir gemeinsam diskutieren. Mit Joachim Bons aus Göttingen, der an der Uni Göttingen am Seminar für Politikwissenschaften zum Bereich Nationalsozialismus lehrt. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 79.4 MB; 1:26:42 h)
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4 Antworten auf “Nationalsozialismus und soziale Frage”


  1. 1 xyz 15. Oktober 2015 um 10:45 Uhr

    Ich denke, dass „Versöhnung“ hier ein ganz falscher und schlechter Begriff ist.

  2. 2 MoshMosh 15. Oktober 2015 um 12:33 Uhr

    Was ist daran verkehrt? Was würdest du stattdessen sagen?

  3. 3 xyz 27. Oktober 2015 um 9:35 Uhr

    Joachim Bons stellt sehr schön und quellenreich da, dass die Nazis von Anfang an kein Geheimnis daraus gemacht haben, dass sie zwar mit den gleichen Begriffen hantieren wie die Linke, aber sie mit einem vollkommen anderen, ihrer Meinung nach: dem einzig richtigen, Inhalt füllen. Ihr „Sozialismus“, ihr „Kapitalismus“ – insofern natürlich auch ihr „Antikapitalismus“ – sind immer nur in Relation zur „Volksgemeinschaft“ zu verstehen.

    Daher gibt es für Nazis keinen Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital – insofern es sich um „deutsche Arbeit“ und „deutsches Kapital“ handelt. Und insofern es keinen Widerspruch gibt, gibt es auch nichts zu versöhnen.

  4. 4 Benjamin Dietze 08. Dezember 2015 um 19:18 Uhr

    @XYZ: Es gibt sehr wohl auch für die Nazis etwas zu versöhnen. Nämlich das, was die bösen Juden angeblich aufeinandergehetzt hätten, was aber eigentlich zusammengehöre.

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