4 Antworten auf “Einführendes zur Kritik des Nationalismus”


  1. 1 Anarchistensmasher 17. Oktober 2015 um 0:30 Uhr

    Wulle, wulle Gänschen,
    wackelt mit dem Schwänzchen.
    Wisst ihr denn auch, wer ich bin?
    Ich bin Eure Königin,
    ihr seid meine Kinder,
    gi, ga, gack!

    Seht, da ziehn sie alle fünfe
    ohne Schuh und ohne Strümpfe.
    Hei, wie ist das Leben schön,
    wenn die Gänse barfuß gehn,
    selbst im kalten Winter,
    gi, ga, gack!
    Schniebel, Schnäbel, rupf und pflück,
    Abendbrot, Mittagessen und Frühstück:
    Was das Gänschen gerne mag
    findet es den ganzen Tag:
    grüne Blätter, frisches Gras,
    gi, ga, gack!

  2. 2 MoshMosh 17. Oktober 2015 um 15:23 Uhr

    Die Klette

    Berge bersten
    Bäume brechen
    Bäche brausen
    Bauten beben

    Alles vergeht: ob Schmerzen, Schwächen oder Flausen
    Nur die Klette – sie bleibt kleben

    © MoshMosh (2015)
  3. 3 spacepig 19. Oktober 2015 um 22:18 Uhr
  4. 4 Benjamin Dietze 25. Oktober 2015 um 18:31 Uhr

    Mense scheint nicht auf den Schirm zu kriegen, daß im Nationsbegriff primär eine Verwechslung zwischen Staat als politischem Konstrukt und Ethnie stattfindet, so daß mit der Nation eben kein geheimnisvolles drittes gemeint ist, und mit der Nation immer eins von beidem oder eine Mischung aus beidem gemeint ist, und daß der Nationalismus primär eine Form des zwanghaft-wahnhaften Kollektivdenkens ist, über das auch Adorno wesentlich mehr als nur einen Aufsatz geschrieben hat. Alles, was Adorno u. a. über Ichschwäche, autoritären Charakter, Dialektik der Aufklärung und auch die Deutsche Ideologie geschrieben hat, hat unmittelbaren Bezug zum Thema. Ebenso wie auch bereits die Schriften von Marx und Engels zur Deutschen Ideologie. Darüberhinaus bin ich mir nicht sicher, inwieweit mit Engels Völkerruinen nicht eigentlich der Nationalismus an sich gemeint war: Völkerruine ist das, was Volk im ethnischen Sinne sein will.

    Darüberhinaus fällt bei Mense an entscheidenden Punkten eine eklatante, essentialistische Anthropologisierung auf, wo er Ideologie für bare Münze nimmt. Die Bedürfnisse, die zur Nation führen, hält er als religiöse für völlig ursprünglich, rein und unverfälscht, und diese scheinbaren Naturbedürfnisse scheinen ihm in einer säkularen Welt auch nicht anders zu befriedigen zu sein als durch die dieserart alternativlose Nation. Er zitiert in diesem Zusammenhang Hannah Arendt auch falsch, nämlich als vermeintlichen Beleg für die anthropologische Alternativlosigkeit der Nation, weil vermeintlich nichts anderes die vermeintlich genetisch vorgegebenen Bedürfnisse nach einer esoterischen Heilslehre befriedigen würde, die bei Mense wiederum auf seltsam affirmative Art und Weise mit den Privilegien der Staatsbürgerschaft verschmilzt, als wenn sich Aberglaube als total tolles und natürliches Bedürfnis und das Bedürfnis nach menschenwürdiger Behandlung gegenseitig rechtfertigen würden.

    Was Arendt in Wirklichkeit geschrieben hat, ist, daß sie keine Ahnung hat, wie und durch wen die universalen Menschenrechte geschützt und durchgesetzt werden könnten. Sie konstatiert, daß die Verteidigung der Menschenrechte zur ursprünglichen Rechtfertigung des aufgeklärten neuzeitlichen Staates zählte, daß aber die Geschichte gezeigt hat, daß Staat und Nation in der Praxis gerade zur Negierung der Menschenrechte tendieren. Aus diesem Dilemma weiß sich Arendt keinen Ausweg. Mense dagegen nutzt diese Passagen ausgerechnet zur affirmativen Rechtfertigung eines vermeintlich anthropologisch-genetischen Bedürfnisses nach Aberglauben und der dieses befriedigenden Nation.

    Weitaus zielführender und relevanter als Menses so naive essentialistische Anthropologisierung des herrschenden Wahns sind Fragen der Staats- und Ideologiekritik und die Frage, welche Faktoren dafür sorgen, daß es zur Dialektik der Aufklärung kommt, wie also aus universalen Menschenrechten und den Organisationsformen zu ihrer Durchsetzung nach innen irrational repressive und nach außen irrational abgrenzende Kollektive folgen. Die Antwort liefert er sich selbst, ohne allerdings diese Fragen überhaupt zu stellen: Die Ursache liegt in der gescheiterten Emanzipation des Bürgertums, die, in West- und Mitteleuropa in unterschiedlichen Graden, in der Praxis eben eine unvollständige geblieben ist.

    Auch hat Mense nicht begriffen, daß Kapitalismus und Staat sich schon bei Marx nicht grundsätzlich gegenseitig ausschließen und das quantitative Wachstum des einen eben nicht notwendig sofort zur quantitativen Abnahme des anderen führt, sondern der Kapitalismus den Staat grundsätzlich als seinen von ihm abhängigen Handlungsgehilfen braucht, zum einen aus Gründen der rationalen Organisation, zum anderen eben zur Ablenkung sozialer Konflikte auf die Ebene nationaler und rassistischer Ideologien. Das war ja auch schon in den 80ern nichts neues; Marx hat sich intensiv mit der grundlegenden Politökonomie dafür beschäftigt, und Adorno mit den entsprechenden Auswirkungen im Sozialcharakter der Individuen.

    Das Handlungsgehilfenverhältnis zwischen Kapital und Staat ist natürlich ein letztlich begrenztes, aber Mense hat nicht begriffen, daß der der endgültige Trennungszeitpunkt, an dem sich die Nation als reines Mittel zum Zweck überlebt hat, eben noch lange nicht gekommen ist, auch wenn Konzerne mittlerweile länderübergreifend agieren und ihre Profite staatliche BIPs übertreffen.

    Auch scheint Mense total überrascht vom Phänomen des Beutedeutschen zu sein, das ihm bislang völlig unbekannt gewesen zu sein scheint. Das ist keine total innovative: „Transformation des Nationalismus“, sondern das traurige Ergebnis der Zurichtung auch der marginalisierten Minderheiten zur Identifikation mit dem Angreifer, welche bestenfalls die Übernahme ins Unterdrückerkollektiv vorbereitet. Auch nicht wenige Juden des Kaiserreichs und der Weimarer Republik dachten, daß sie sich die Deutschen dadurch wolgestimmt machen könnten, indem sie sich noch deutscher, konservativer und patriotischer als die Deutschen selbst geben würden. Dieser fatale unterwürfige Glaube an die Gutmütigkeit der übermächtigen deutschen Mehrheitsgesellschaft trotz aller Anzeichen ihres Gegenteils wurde ihnen ebenso zum Verhängnis wie auch allen Nichtjuden, die bis 1933 noch an ein: „besseres Deutschland“ glaubten.

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