Beiträge von LizaGrünbaum

Der Erste Weltkrieg im Spiegel seiner Debatten

Bei einer Veranstaltung, die von der Phase 2 und der Buchhandlung drift in Leipzig organisiert wurde, gab Volker Weiß eine gelungene Übersicht und Kritik der derzeitigen Debatten zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des 1. Weltkrieges.

Im August 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. In diesem Jubiläumsjahr erscheinen – und erschienen bereits – eine unüberschaubare Vielzahl wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Bücher zu dem Thema. Nicht ein großer deutscher Verlag, der nicht mindestens einen 500-seitigen Wälzer im Programm hätte. Sehr viel tatsächlich Neues fördern diese Publikationen nicht zu Tage. Und doch können sie immer wieder Debatten entfachen – durch die Gewichtung der „Fakten“, ihre Neubewertung und Interpretation.
Dr. Volker Weiß, Historiker und Publizist aus Hamburg, meint folgerichtig, dass die Debatten, die die entsprechenden Bücher auslösen, in aller Regel sehr viel interessanter seien als die Bücher selber.
Dies trifft auf Fritz Fischers Buch „Griff nach der Weltmacht“ (ein inzwischen kanonisierter Klassiker zum Thema) aus dem Jahr 1961 in der Tat zu. Langatmige, detaillierte Dokumentenauswertung bestimmen den Löwenanteil seines Buches – die gewissenhafte aber unspektakuläre Methode eines seriösen Historikers. Und trotzdem war es in den 1960er Jahren diese Publikation, die eine spektakuläre, dazu hoch interessante, gleichzeitig hitzig und idiosynkratisch geführte Debatte vor allem unter westdeutschen Historiker_Innen und Publizist_Innen auslöste. Die Deutschen tragen einen wesentlichen Teil der Kriegsschuld und verfolgten eine dezidierte, mittelfristig entwickelte Kriegszielpolitik, so Fischers These. Sie reichte aus, um vor allem in (konservativen) Historikerkreisen – in der Tat fast ausschließlich männliche Protagonisten – heftigsten Widerspruch hervorzurufen.
Jetzt, zum hunderten Jahrestages des Ausbruchs des ersten Weltkrieges, ist es ein australischer Historiker, der die Deutschen wieder freispricht von dieser Systematik des Krieges: alle Großmächte seien gleichermaßen in die „Urkatastrophe“ hineingeschlittert. Christopher Clarks Thesen widersprechen nur wenige Historiker_innen entschieden. John C.G. Röhls Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 5.3.2014, der Clarks Interpretationen eine deutlich Abfuhr erteilt, ist hier eine der wenigen Ausnahmen. Hinzu kommt – und auch dies ist symptomatisch – dass Clark in der deutschen Rezeption mehr Entlastendes in den Mund gelegt wird, als in seinem Buch tatsächlich zu finden ist.
Natürlich ist Clark nicht der Erste, der Fischer an prominenter Stelle widerspricht und viel dankbares Gehör findet. Schon in der frühen Debatte um sein Buch konnte Fischer nicht als eindeutiger „Sieger“ gelten – für ein Spektrum, das von konservativ-nationalen Kreisen bis in die bürgerlich-liberale Mitte hinein reichte, hatten Fischers Thesen nie den Status historischer Wahrheit. Diese Sichtweise aber, den Ersten Weltkrieg als „(Nat)Urkatastrophe“ zu verstehen, in den alle gleichermaßen hineingeschlittert waren, ihn gleichermaßen als unabwendbares Schicksal akzeptierten, ihn also gar nicht hätten verhindern können, scheint sich gegenwärtig (wieder) als hegemoniale Interpretation der Vorgänge zu etablieren.
Die wesentlichen Gründe für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges in der konkreten Interessenpolitik des Deutschen Reiches zu erkennen, scheint das kollektive Gedächtnis zu sehr an die Verantwortung an millionenfachem Tod, Leid, Elend und Gewalt zu erinnern. Dem nationalen Mythos dient das Bild, man sei ungewollt hinein geraten in die sowieso unvermeidliche, da naturwüchsige, „Urkatastrophe“. Dieses Bild verhindert aber auch die Einsicht in die Verantwortung und die Anerkennung wesentlicher Mitschuld für den Krieg.
Weiß zeigt die Vielschichtigkeit der vermeintlichen historischen Fakten am Beispiel der Debatten um die Ursachen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. Beginnend mit der Debatte um Christopher Clarks Buch „Die Schlafwandler“ verfolgt er die Rezeptionsgeschichte des Ersten Weltkrieges sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse und Interessen, die sie mitbestimmten, bis zu der Debatte um Fritz Fischers Untersuchung zurück.

Referat (mit einleitenden Worten des Historikers Christoph Carmesin):

    Download: via AArchiv (mp3)

Diskussion:

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , ,

Wendefokus. Gespräche zum Scheitern des real existierenden Sozialismus

Nachdem wir bereits auf die Sendungen von Radio Glasnost verwiesen haben; ein weiterer Beitrag, der die Frage aufwirft, warum und wie ein Gesellschaftsprojekt, das sich die menschliche Emanzipation von allen Verhältnissen, in denen „der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtetes Wesen ist“ (Marx), auf die Fahnen geschrieben hatte am Ende für den einzelnen Menschen selbst ein so hohes Maß an Erniedrigung, Knechtschaft, Verachtung und in einigen Fällen gar Vernichtung bedeuten konnte. Radio Corax führte in den letzten Monaten knapp 100 Gespräche, die interessante Einblicke in die Vorstellungen einer notwendigen Veränderung der Verhältnisse in der DDR geben. Dokumentiert wird dies unter dem Namen „Wendefokus“. Einige Interviews daraus sind auch für das Audioarchiv von Interesse und sollen hier dokumentiert werden.

Thomas Kupfer

…war Wegbereiter von Radio Corax, der weit vor 1989 Kritiker der DDR-Staatsdoktrin und im Herbst 1989 Mitbegründer der »Initiative für eine Vereinigte Linke« war. Vor 1989 hat er die Geschichte des Kommunismus und der linken Intellektuellen für sich aufgearbeitet und beschreibt die Zeit um das Jahr als eine „grandiose“. „Die Erfahrung eines – auch noch weitgehend gewaltfrei hervorgerufenen – Umbruchs kann ich nur jedem wünschen. Das ist ein grandioses Erlebnis und sollte viel häufiger passieren.“ Im August 2009 verstarb Kupfer vollkommen überraschend. Wenige Wochen zuvor sprach Ralf Wendt mit ihm.

    Download: via AArchiv (mp3)

Alexander Pehlemann

…war bei der Armee, auf einer Offiziersschule in der tiefsten Provinz, und erlebte als 21-jähriger „kaserniert“ die sogenannte Wende. Stark beeinflusst von (sub)kulturellen Bewegungen, erlebte Pehlemann die Ereignisse um das Jahr 1989 persönlich als „Zusammenbruch und Implosion“. Gesellschaftspolitisch nennt er es eine „demokratische Konterrevolution“ – auch weil die Idee des Kommunismus von den Machthabern der real existierenden sozialistischen Staaten de facto kaum verfolgt wurden sei.

    Download: via AArchiv (mp3)

Friedemann Rösel

…arbeitete, als studierter Ingenieur, ab 1972 in Leuna und wohnte in Halle-Neustadt. Bereits im zweiten Lehrjahr gab es erste Konfrontationen mit den Parteioberen. Rösel begreift sich selbst – auch heute – als kritischer Marxist, der bereits früh die DDR kritisierte: Rösel „war für den Marxismus“, aber gegen die SED-Bürokratie: Die DDR sei ein „vom Kapitalismus befreiter Staatsmonopolismus“ gewesen.
Rösel war philosophisch interessiert und agierte in einem Literaturzirkel, der sich – mehr oder wenig offen – kritisch mit den bestehenden Verhältnissen auseinander setzte. Zusammen mit Lothar Rochau (und drei weiteren Personen, wovon einer IM der Staatssicherheit war), stellte Rösel die DDR Realität offen in Frage und betrieb politische Studien zu alternativen Sozialismuskonzepten. Es ging der Gruppe darum „freie Kommunikationsrunden“ einzurichten. 1981 wurde Rösel, der sich an den Schriften Rudolf Bahros orientierte und abarbeitete, verhaftet und zu 2 1/2 Jahren Haft verurteilt. Rösel beschreibt seine Erfahrungen: im Widerstand, um den politischen Prozess gegen die Gruppe, das Verweigern einer offenen Auseinandersetzung in der DDR, Rösels heutiges Festhalten an der marxistischen Theorie, sowie die Aktivitäten und Deutungen der Ereignisse um das Jahr 1989.

    Download: via AArchiv (mp3)

Torsten Hahnel

… war 1989 20 Jahre alt und Punk. Über die Subkultur formierte sich bei Hahnel eine stark distanzierte Haltung zum Staat, die durch das restriktive Auftreten der Repräsentanten noch radikalisiert wurde. Hahnel, dessen Kritik an der real existierenden DDR gravierende persönliche Folgen hatte, beteiligte sich früh an den Demonstrationen in Leipzig, die er allerdings schon bald aus Gründen nicht mehr aufsuchte. Hahnel verweist darauf, dass der Begriff „Wende“ von Helmut Kohl bereits 1982 geprägt worden sei und eine Hinwendung zu konservativen Werten bezeichnete, was wiederum beim Blick auf die Ergebnisse der Ereignissen um 1989 passend sei. Heute engagiert sich Hahnel, wie bereits um das Jahr 1989, aktiv gegen nationalistisches Denken und Handeln in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus.

    Download: via AArchiv (mp3)

Lothar Rochau

…wurde als evangelischer Diakon in eine „fast atheistische Stadt“ (Halle-Neustadt) berufen. Dort sammelte sich um Rochau schnell ein junges, intellektuelles Umfeld, welches offene Diskussionen (unter anderem Bücher wurden Bücher von Erich Fromm und George Orwell gelesen) führte und so schnell ins Blickfeld der Staatsmacht kam. Auch der Kirche waren die alternativen Lebensentwürfe für einen anderen, besseren Sozialismus „mit menschlichen Antlitz“ ohne autoritäre Vorschriften zunehmend suspekt. Rochau selbst wurde kriminalisiert, vor dem obersten Gericht der DDR angeklagt, verurteilt, ins Zuchthaus verfrachtet und 1983 gegen seinen Willen aus der DDR Zwangsabgeschoben: „Mir war zum heulen, ich fühlte mich beschissen.“ Rochau musste in die BRD, wo er weiter aktiv war, um zum schnellstmöglichen Zeitpunkt wieder in die sich auflösende DDR („Eine Sternstunde der Menschheit“) zurückzukehren. Denn: „Man konnte nicht alles der CDU überlassen“.

    Download: via AArchiv (mp3)

Jan Weien

… studierte bis 1989 wissenschaftlichen Kommunismus in Moskau, im August 89 trat er eine Stellung am Lehrstuhl für Geschichte sozialistischer Utopien an der Uni Leipzig an und verliess nach der sogenannten Wende den “Elfenbeinturm Universität”, um für unterschiedliche Firmen in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Weiterbildung tätig zu werden.

    Download: via AArchiv (mp3)

Ralf Wendt

…war 1989 – nachdem er den von oben bestimmten Ausbildungsweg verweigerte- in einem Antiquriat tätig und nutzte dies unter anderem um die verkauften Bücher in Flugblättern zu verpacken. In Oppositionskreisen war Wendt als „rot verschrien“ und erlebte immer wieder das die DDR zwar ein statisches System war, aber in diesem immer wieder Diskussionen möglich waren, die ihm Hoffnung auf eine emanzipatorische Gesellschaft machten. Wendt nennt die Ereignisse schlicht „89″: Der Zusammenbruch der sozialisitischen Idee sei tragisch. Zum hier und da bemühten Wort des Umbruchs, fügt Wendt an; das sei etwas, was immer wieder passieren müsse. Analog zur Landwirtschaft; Einmal im Jahr gelte es die bestehenden Verhältnisse umzupflügen. Wendt koordiniert heute das Programm des freien Radios Corax in Halle und führte selbst einige Interview im Wendefokus.

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , , , ,

Ein Bericht von der Akademie

Als Ergänzung zu diesem Feature sei auf ein Referat von Bettina Fellmann aus dem Berliner Laidak über Philosophieren im Stande allgemeiner Unmündigkeit verwiesen.

Tags: , ,

„Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt“. Über Mihail Sebastian

Wie in allen großen Werken der Literatur erzeugt Sebastians Tagebuch eine eigene Aktualität. Es heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung, zu entdecken und zu lesen, ist ein erschütterndes und überwältigendes Erlebnis.“ (Claude Lanzmann)

Nach einigen Sammelbeiträgen veröffentlicht das Audioarchiv mal wieder eine einzelne Radiosendung. Es handelt sich um eine ältere Aufzeichung vom FSK aus Hamburg, die das Leben und Werk vom rumänischen Victor Klemperer, Mihail Sebastian, thematisiert. Melanie Baer (Redaktion „Bühnenworte“), Jorinde Reznikoff and Klaus-Peter Flügel (neopostdadasurrealpunkshow) sprachen aus Anlass einer szenischen Lesung im Jahr 2010 im Politbüro mit Berthold Brunner und Thomas Ebermann. Auszüge der Lesung sind in der Sendung zu hören.

Aus der Ankündigung der Lesung mit Ebermann und Robert Stadlober:

Die erst vor wenigen Jahren veröffentlichten Tagebücher von Mihail Sebastian erhielten begeisterte Kritiken u.a. von Philip Roth, Arthur Miller und Claude Lanzmann. Robert Stadlober, Thomas Ebermann und Berthold Brunner haben eine szenische Lesung aus den Tagebüchern erstellt. Sebastian schildert eindrucksvoll die politischen Verhältnisse der 30er und 40er Jahre in Rumänien. Als Literaturkritiker, Autor und Übersetzer in der KünstlerInnenszene von Bukarest erlebt er die Zuspitzung der antisemitischen Propaganda und den Terror der faschistischen »Eisernen Garde«. Einige seiner engen FreundInnen werden zu überzeugten AnhängerInnen des Faschismus.

Mihail Sebastian beschreibt die sich steigernden antisemitischen Maßnahmen der Regierung des Marschalls Antonescu minutiös, von der Erhöhung der Mieten für Jüdinnen und Juden und der Beschlagnahme seiner geliebten Ski und des Radiogeräts, bis zu den Razzien und Deportationen. Die Tagebücher bieten einen Blick in den Alltag aus Diskriminierung und Furcht, aber auch in Momente der Hoffnung und literarischer Leidenschaft.

»Mihail Sebastian war ein junger Mann im Aufstieg, ein 28-jähriger rumänischer Jude, dessen Talent ihm von der Provinz in die besten Künstlerkreise Bukarests getragen hatte. Er schrieb Romane und Essays. Er schriebt Stücke. Er trank Champagner in Cafés und kostete jeden fiebernden Moment seiner Liebesaffairen voll aus. Er füllte umfangreiche Tagebücher mit ungestümen Urteilen und genauen Beobachtungen. (…). Er ist beides, idealistisch und ehrgeizig. Er versucht manchmal den Zyniker zu spielen, doch seine intellektuellen Skrupel hindern ihn daran. Die besten Tagebücher verbergen nicht die Risse und Abbrüche in unseren Leben. Sie verstecken nicht unsere Beteiligung an dem, das nach dem Urteil der Geschichte Engstirnigkeit und Egoismus genannt wird. Sebastian macht sich Sorgen: Was ist mit meiner Karriere? Meiner abflauenden Liebesaffaire? Ist es richtig, das Schicksals meines Theaterstücks zu betrauern, während Europa beinahe zusammenbricht?

Sebastian zeigt uns, wie das Unbedeutende und das Gewichtige sich mischen. Die Politik kappt nicht so schnell die alten Verbindungen. Der Krieg löscht den Egoismus nicht aus. Seine Ehrlichkeit gehört zu den stärksten Aspekten, die am meisten berühren. Wieder und wieder weigert er sich, seine Reaktionen vereinfacht abzubilden: So edle Motive vorzuschieben, wo er ehrgeizig ist, oder edlen Zorn, wo er sicher ist, all dem Verrat und den entsetzlichen Behandlungen wirklich entgegentreten zu können.« (New York Times)

    Download: via AArchiv (mp3; 87.2 MB; 54:25 min)
Tags: , , , , , , , , , , , ,

“Jeder stirbt für sich allein.” Von der Notwendigkeit und Unmöglichkeit über den Tod zu sprechen.

Nachdem es in letzter Zeit häufiger (etwa hier) den Versuch einer materialistischen Auseinandersetzung mit dem Tod gegeben hat, organisierte die „Kritische Intervention“ in Halle eine Vortragsreihe über die „Notwendigkeit und Unmöglichkeit über den Tod zu sprechen.“

Oliver Decker sprach dabei über den Körper als Heils- und Handelsgut, Guido Sprügel unternahm eine gesellschaftskritische Betrachtung der Sterbehilfe, Kirsten Achtelik referierte über die Widersprüche der Pränataldiagnostik und zwei Protagonisten der K.I – Malina Schwarz und Morten Lund – erklärten zum Auftakt die Motivation der Veranstaltungsreihe und erinnerten an Auseinandersetzungen mit der Ideologie (und den Ideologen) des Todes (mit Verweisen auf Adorno, Bloch, Sartre, Canetti, Heidegger, Horkheimer, Marcuse,..).

Malina Schwarz/Morten Lund: Nachruf. Über den Tod im Bestehenden

Die Thematisierung des Todes, um den die materialistische Kritik „nie ein großes Gewese“ (Magnus Klaue) gemacht hat, erweckt häufig den Eindruck eines rein intellektuellen Spiels. Im Gegensatz zum Sterben, diesem körperlichen und oftmals schmerzhaften Prozess, scheint es unmöglich den Tod sinnvoll zu fassen: den Tod denkend zu bestimmen, überschreitet die Grenzen des Bestimmbaren. So haben aktuelle Versuche sich dem Thema aus einer kritisch-materialistischen Perspektive zu nähern, nicht zufällig zumeist eine thesenhafte Form.
Doch jede Beschäftigung mit dem Tod einzustellen, Tod und Sterben voneinander getrennt zu betrachten, greift zu kurz. Nicht ohne Grund sprach Adorno von der Abschaffung des Todes als wesentlichem Bestandteil utopischen Denkens, das versucht über das Bestehende hinauszukommen. Notwendig ist zudem eine Kritik am Umgang mit dem Tod, der „bloß noch die absolute Irrelevanz des natürlichen Lebewesens gegenüber dem gesellschaftlich Absoluten“ bestätigt. Den Tod als „Gegebenes“ (Jean-Paul Sartre) darzustellen und zu akzeptieren, bedeutet der „Ideologie der Unparteilichkeit des Todes“ (Max Horkheimer) zuzureden und die materialistische Kritik daran zu vernachlässigen, wohl wissend, dass in der falschen Gesellschaft “selbst die Utopie von der Abschaffung des Todes falsch wird” (Lars Quadfasel).
Im Rahmen der Vortragsreihe „Jeder stirbt für sich allein. Von der Notwendigkeit und Unmöglichkeit über den Tod zu sprechen“ werden Malina Schwarz und Morten Lund referieren und dabei an Auseinandersetzungen mit der Ideologie (und den Ideologen) des Todes erinnern. Sie zeigen unterschiedlichste Formen der Verherrlichung des Todes, die mit Martin Heidegger als deutschen Philosophen nicht rein zufällig den einflussreichsten Apologeten des Todes in der Moderne fand, und deren philosophische Kritik. Darüber hinaus zeigen sie aktuelle Entwicklungen im Umgang mit dem Tod, der “Nichtung aller Möglichkeiten” (Jean-Paul Sartre) auf, die zum einen in einer Ökonomisierung des Sterbens und des Todes zu sehen sind; zum anderen in einer Todessehnsucht. In „einer Welt in der es längst Schlimmeres zu fürchten gibt als den Tod“ (Theodor W. Adorno) bleiben Fragen: Wie ist es in diesen Zuständen um die Hoffnung bestellt, das Leben nicht vom Tod diktieren zu lassen? Wenn die gewalttätige Abkürzung des Lebens, die gerade in den verschiedenen Formen der Todessehnsucht ihren Ausdruck findet, nichts anderes ist, als die Dementierung des Glücksversprechens: Ist die Aufforderung das Ende seines Lebens selbst zu bestimmen, kaum mehr als eine voreilige Versöhnung mit Naturkräften?

    Download: via AArchiv (ogg)

Oliver Decker: Ware:Körper. Zur Sozialpsychologie von Markt und Medizin

In der Gesellschaft der Warenproduzenten, geht es auch bei der Gesundheit als Ware um Kapitalbildung. Ein Produkt wird nicht produziert, um sinnliche Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um den Kapitalstock zu vermehren. Mit einem Rückgriff auf die Schutzpatrone vieler medizinischer Fakultäten (Cosmas und Damian), zeigt Oliver Decker wie der menschliche Körper direkt in diese ökonomische Logik einbezogen wird. Vorab führte Radio Corax ein Interview mit Decker, der sich unter anderem in seiner Veröffentlichung „Der Warenkörper“ mit dem Verhältnis von kapitalistischer Akkumulation und dem menschlichen Körper beschäftigt.

Die Ökonomisierung erfasst den menschlichen Körper, er wird zur Ware. Am deutlichsten ist das in der modernen Medizin. Sie braucht den Körper als Ressource, ob in der Stammzellforschung oder der Organtransplantation. So wird der menschliche Körper und werden seine Teile zum Handelsgut. Erstaunlicherweise war der Körper im historischen Umbruch zur Moderne schon einmal ein solches: Der ganz Europa erfassende Reliquienhandel machte menschliche Körperteile zum begehrtesten Handelsgut – und zum Heilsgut. Mit dieser Vorgeschichte wird auf einen Schlag sichtbar, dass der Griff nach dem menschlichen Körper keine ökonomische Landnahme ist: Waren-Gesellschaft und moderne Medizin verbindet mehr, als sie an ihrer Oberfläche zu erkennen geben. So wird eine noch weiter zurückreichende „untergründige Geschichte des Körpers“ (Horkheimer/Adorno) frei gelegt. Es ist die Geschichte des Opfers, das zuallerst das Menschenopfer war. Schon dieses war geprägt von der Ersetzungslogik und wie das Menschenopfer sind Markt und Medizin Versöhnungsversuche – die dann wiederholen, was sie abwehren sollen. Von diesem Wiederholungszwang sind weder Markt noch Medizin bis heute frei. Im Rahmen der Vortragsreihe „Jeder stirbt für sich allein. Von der Notwendigkeit und Unmöglichkeit über den Tod zu sprechen“ wird Oliver Decker zur Warenförmigkeit des Körpers und den damit zusammenhängenden Problemen der Organspende und des Organhandels referieren. Dabei kommt dem Thema Tod eine mehrfache Bedeutung zu: Zunächst benötigt die Organtransplantation die Feststellung des Todes, bei der sich vor allem der Hirntod als das Ende des Lebens aus wissenschaftlicher Sicht durchgesetzt hat. Zudem ermöglicht die Verlängerung des Lebens nicht nur eine erweiterte Verwertbarkeit des menschlichen Körpers, sondern verkürzt auf der anderen Seite das Leben anderer, weniger profitabler Körper; Menschen, die auf den Verkauf ihrer Organe angewiesen sind.

    Download: via AArchiv (ogg)

Guido Sprügel: Die Einsamkeit der letzten Dinge. Eine gesellschaftskritische Betrachtung der Sterbehilfe

Was es über eine Gesellschaft aussagt, wenn der Tod als Erlösung erscheint, wenn die Zahl der in Anspruch genommenen Sterbehilfe zunimmt, fragt der Journalist Guido Sprügel (Jungle World) und zeichnet mit Hilfe viel empirischen Materials das Bild einer legalisierten Sterbehilfe als bürokratisches Monstrum, dem die Idee des Hospiz gegenübergestellt wird. Auch hier sprach Radio Corax zuvor mit dem Referenten.

„Die Signatur des Zeitalters ist es“, so Adorno „daß kein Mensch, ohne alle Ausnahme […] sein Leben mehr selbst bestimmen kann.“ So scheint die Sehnsucht, wenigstens das Ende seines Lebens selbst frei wählen zu dürfen, ein letztes Residuum menschlicher Autonomie zu sein. Nicht verwunderlich ist es somit, dass über 70% der deutschen Bevölkerung, so legen es die immer wiederkehrenden Umfragen durch Meinungsforschungsinstitute nahe, eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe begrüßen würden. Dass sich in einer kapitalistischen Vergesellschaftung bei einer bestehenden Nachfrage entsprechende marktförmige Angebote finden lassen, scheint ebenso wenig verwunderlich. Wieso aber ist es problematisch, Organisationen wie Dignitas, die gewerbliche Sterbehilfe anbieten, zu legalisieren? Der Vortrag wird das problematische Verhältnis von Freitod und organisierter Sterbehilfe thematisieren und dabei auch die Frage nach Möglichkeiten eines selbstbestimmten Todes „in einer Welt in der es längst Schlimmeres zu fürchten gibt als den Tod“ (Adorno) aufwerfen.
Im Rahmen der Vortragsreihe „Jeder stirbt für sich allein. Von der Notwendigkeit und Unmöglichkeit über den Tod zu sprechen“ berichtet Guido Sprügel, der als freier Journalist unter anderem für die Jungle World schreibt, über die letzte Lebensstation vieler Menschen. Welche Gründe gibt es für den Wunsch nach Sterbehilfe? Und was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn die “Lösung Tod” immer einfacher zu bekommen ist? Dabei sollen auch der gesellschaftliche Umgang mit organisierter Sterbehilfe im europäischen Ausland und dortige gesetzliche Bestimmungen in den Blick genommen werden.

    Download: via AArchiv (ogg)

Kirsten Achtelik: Auslese, Perfektionierung und die Last der Entscheidung

Kirsten Achtelik, die zum Thema ein Buch im Verbrecher-Verlag veröffentlichen wird, zeigt die diskriminierenden Implikationen der pränatalen Dignostik auf, die bei Verdacht auf genetisch bedingte Behinderungen an Embryonen in den ersten Tagen ihrer Entwicklung durchgeführt werden. Achtelik problematisiert im Vortrag das Selbstbestimmungskonzepts der Frauenbewegung („Mein Bauch gehört mir“), verweist auf technische und gesetzliche Entwicklungen der Pränataldiagnistik, um dann – mit Hilfe eines geschichtlichen Abrisses zur Eugenik – zu fragen, inwieweit sich hier Kontinuitäten aufzeigen lassen. Einige Einwände finden sich in einem ebenfalls vorab geführten Gespräch.

Dass Fortschritt und Regression sich in technischen Möglichkeiten verschränken, wird mit Blick auf sogenannte Reproduktionstechnologien wie Präimplantations- und Pränataldiagnostik besonders deutlich. In den achtziger Jahren galten sie vielen als Ausdruck kapitalistischer und patriarchaler Herrschaft, wobei auch eugenische Tendenzen und NS-Kontinuitäten kritisiert wurden. Die in den 1970er Jahren legalisierte (und Mitte der 1990er nur auf dem Papier abgeschaffte) embryopathische Indikation zum Schwangerschaftsabbruch erlaubte den Abbruch bei diagnostizierten oder prognostizierten ‚Schädigungen‘ oder ‚Erbkrankheiten‘ des Fötus.
Dabei ist die Entscheidung über eine solche Abtreibung nie eine bloß individuelle, sondern gesellschaftlich vermittelt und bedingt. Die abelistische Gleichsetzung von Behinderung mit Leiden und Schmerzen, die unterstellt dass das Leben der Betroffenen nicht wert sei, gelebt zu werden ist ein weiterhin wirkmächtiges Konstrukt. Diese Techniken befördern, so eine weitere Kritik, zudem die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung.
In gewissen queeren Zusammenhängen werden einige dieser Technologien heute als subversive Mittel für selbstbestimmte Fortpflanzungsentscheidungen jenseits heteronormativer Zwänge und Vorstellungen von Natürlichkeit gerühmt. Einer Kritik an der modernen Biomedizin wird schnell eine regressive Sehnsucht nach vortechnologischer Harmonie unterstellt. Die kürzlich erfolgte Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik gilt schließlich vielen als Erweiterung der Selbstbestimmung der Frau.
Kristen Achtelik wird unterschiedlichen Positionen zu Reproduktionstechnologien aufzeigen und für eine Reflektion der Bedeutung gesellschaftlicher Verhältnisse für individuelle Entscheidungen argumentieren. Die politische Förderung der wissenschaftlichen Entwicklung und persönlichen Anwendung von Reproduktionstechnologien entspringt – bereits bei einer historischen Betrachtung – nicht nur dem Wunsch das Individuum von der Schicksalhaftigkeit seiner eigenen Biologie zu befreien, sondern war und ist immer auch eine Form der Bevölkerungspolitik. Bevölkerungspolitische Maßnahmen sind dabei immer auch an die Idee eines gesunden „Volkskörpers“ gebunden, der den Tod der Anderen in der Weise impliziert, dass er zwar nicht, „meine persönliche Sicherheit erhöht; der Tod der Anderen, der Tod der bösen, der niederen (oder degenierten oder anormalen) […]wird das Leben im allgemeinen gesünder machen“ (Foucault).
Eine – auch feministisch motivierte – Kritik an Gen- und Reproduktionstechnologien kann dabei aufzeigen, warum der Gendiskurs momentan so erfolgreich ist und von staatlichen Instanzen gefördert wird und wie Frauen unter einen gesellschaftlichen Druck gesetzt sind, diesen in eine individuelle Entscheidung zu integrieren.

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , , , , , , , , , , ,

Thomas Ebermann – Widerstand gegen sich selbst

Die technische Qualität ist nicht die Beste, der Mitschnitt bricht abrupt ab und das Gesagte ist recht anekdotisch. Dennoch sind die Ausführungen von Thomas Ebermann zur Konsumkritik als kapitalistische Selbstoptimierung aus dem Conne Island eine Empfehlung.

Tags: , , , ,

Neues vom Immergleichen

Viel ist immer mal wieder zu lesen über „die Kulturindustrie“. Da geben sich spröde Akademiker, schneidige Lohnschreiber und agile Freizeitagitatoren nichts. Doch wie kommen sie alle dazu anzunehmen, sie könnten – quasi unbeteiligt – über jene Bewußtseinsindustrie schreiben, deren Teil sie alle doch nolens volens sind?
Eine Ersatzhandlung besteht darin, statt über die real existierende Kulturindustrie in philologisch-seminaristischer Tradition über „die Kulturindustriethese“ bzw. „das Kulturindustrie-Kapitel“ zu räsonieren. Man kann über die Geschichte der Kulturindustrie reden, über ihre Inhalte, über ihre Produktionsbedingungen – nur entkommen, das kann man ihr erstmal nicht. Und so kann sie nur ein, wenn nicht der vornehmste Gegenstand immanenter Kritik sein: Es bleibt die Notwendigkeit, zu untersuchen, welche – marktförmigen, also nicht bloß manipulativen – Mechanismen es bewirken, daß sich, allem vordergründigen Pluralismus zum Trotz, in den Köpfen doch wieder jene letztendliche Alternativlosigkeit breit macht, die man nur Ideologie nennen kann. Sachzwang FM verwies, eingeleitet mit diesen Worten, in der aktuellen Sendung auf zwei „eminent gute“ Vorträge (2012, Berlin, Hummelantifa), die einige Thesen zur Transformation der Kulturindustrie aufbereiten.

1. Christoph Hesse: „Kulturindustrie, das sind die anderen“

Mit dem Begriff der Kulturindustrie hat Adorno der Kritik der sogenannten Massenkultur ihren schärfsten Ausdruck gegeben. Und zudem einen, der zielstrebig missverstanden wird: Kulturindustrie, das sind die großen Musikkonzerne und Hollywood, doch ganz sicher nicht die gutgemeinte Bastelei, derer man sich und seinesgleichen rühmt. Im übrigen herrscht Einigkeit darüber, dass, was populär ist, nicht durchaus schlecht sein könne. Adornos Kritik, die heute als überspannt und gleichermaßen überholt erachtet wird, galt nicht zuerst der unverdrossen sich selbst anpreisenden Kultur, sondern einer Gesellschaft, die es samt ihrer Kultur dahin brachte, dass die Menschheit, „anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten“, wie es in der Vorrede zur „Dialektik der Aufklärung“ heißt, in eine neue Art von Barbarei versank. Die törichten Schlager, denen man inzwischen allerlei Qualitäten nachsagt, hätte auch Adorno wohl ziemlich gleichmütig ertragen, wenn er nicht erkannt hätte, was es mit der in Verwaltung übergegangenen Kultur auf sich hat. Dieser Prozess hat längst auch die einstmals autonome Kunst erfasst. Vergeblich daher das scheinbar so leicht zu bewerkstelligende Kunststück, den Geltungsbereich der Kulturindustrie historisch oder geographisch einzugrenzen, um einer erklärtermaßen authentischen Kunst oder Kultur einen Platz draußen im Freien zuzuweisen. Wenn überhaupt, so enthält die Kulturindustrie selbst „das Gegengift ihrer eigenen Lüge. Auf nichts anderes wäre zu ihrer Rettung zu verweisen“ (Adorno).“

    Download: via AArchiv (mp3)

2. Magnus Klaue: „Ohne weitere Bestimmung. Über die notwendige Vergangenheit des Glücks“

„Glück bezeichnet weder den bloßen Zufall, der einigen hold ist, während die anderen vergeblich auf ihn warten, noch ein besonderes Verdienst, sondern ein absichtloses Gelingen, das nur der ihrer selbst inne gewordenen Menschheit zufallen kann. Als Glück der Tüchtigen, das am Ende mühseliger Arbeit warten soll, wird es ebenso zur Lüge wie das zum ökonomischen Prinzip geronnene „Pursuit of Happiness“, welches das blinde Konkurrenzprinzip sanktioniert, bei dem jeder mit dem zufrieden sein soll, das für ihn übrigbleibt. Erst recht bezeichnet Glück keinen gesellschaftlichen Zustand, der als Ergebnis rationalistischer Planung entstehen möge. Vielmehr transzendiert es seinem Gehalt nach alle gesellschaftlichen Bestimmungen. Wohl deshalb west es in der totalen Gesellschaft als emotionstechnokratische Kategorie fort: Für das Glück muss man sich zurichten wie für Arbeit und Beziehung, und dabei hilft die zu ihrer eigenen Karikatur gewordene „Philosophie“ in Gestalt hauptamtlicher Reflexionssimulatoren wie Martin Seel und Wilhelm Schmid. Demgegenüber soll in Anlehnung an Adornos „Minima Moralia“ der Begriff des Glücks als Unabgegoltenes in seinem Verhältnis zur Zeit entfaltet werden. Gerade indem er das Geglückte ganz melancholisch stets als Vergangenes denkt, zielt der Begriff des Glücks negativ auf eine erfüllte Gegenwart, welche die Linearität der Zeit, in der alles entsteht, um zu verschwinden, für immer hinter sich gelassen hätte.“

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , ,

Deutsche Dörfer: Comeback der 90er?

Im Zuge der Leipziger Buchmesse lud die Jungle World ins Conne Island um über den Antirassismus im Zeichen der Nazi- und Bürgerproteste gegen Flüchtlingsheime diskutieren zu lassen. Der knapp zweistündige Mitschnitt der Veranstaltung gibt einen bemerkenswerten Einblick in den Zustand der hiesigen Linken im Jahr 2014: Christian Jakob weist zu Beginn sachlich auf die (durchaus verbesserte, aber weiterhin desaströse) Situation von Flüchtlingen in Deutschland hin, Jennifer Stange erinnert daran, dass es Proteste gegen Notunterkünfte nicht nur in der Zone gab/gibt und während Felix Fiedler in den Flüchtlingsprotesten eine neue Perspektive für die radikale Linke sieht, macht Jan (Georg) Gerber auf das instrumentelle Verhältnis dieser in Bezug auf Flüchtlinge aufmerksam.

Die Zahl rechtsextremer Angriffe auf Flüchtlingsheime hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bürger protestieren gemeinsam mit Nazis gegen die Unterbringung von Asylsuchenden. Das erinnert an die neunziger Jahre. Gleichzeitig haben Flüchtlinge den Widerstand gegen das Migrationsregime mehr und mehr selbst in die Hand genommen und die Flüchtlingsabwehr hat sich an die europäischen Außengrenzen verlagert. Wie geht die Linke mit dieser Situation um? Muss sich antirassistische Arbeit zuerst gegen den gesellschaftlichen Rassismus wenden oder gegen die staatliche Flüchtlingspolitik? Ist wieder klassische Antifa-Arbeit gefragt? Oder geht es jetzt darum, vor allem Flüchtlinge bei ihrem Kampf zu unterstützen?
Die Wochenzeitung „Jungle World“ diskutiert dies mit Christian Jakob, Felix Fiedler, Jennifer Stange, Jan-Georg Gerber. Moderation: Ivo Bozic

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , ,

Play with Fire. Veranstaltungreihe zu Pop und Politik

Das Bildungskollektiv aus Chemnitz versuchte mit zwei Ver­an­stal­tungs­rei­hen (2012/2013) die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung in und mit Pop­kul­tur ein wenig vor­an­zu­trei­ben und stellte die Frage nach der Rolle von Pop­kul­tur in einer nach­mo­der­nen Ge­sell­schaft. In einem vorangestellten Text zur Reihe heißt es: „[…] Kul­tur­ar­beit soll so­zia­len Frie­den pro­du­zie­ren, Frus­tra­tio­nen und Un­glück sol­len ihren ge­mä­ßen künst­le­ri­schen Aus­druck fin­den. Nur wenn der Kul­tur­be­trieb tat­säch­lich die so­zia­len Kon­flik­te in Aus­ein­an­der­set­zun­gen gleich­zei­tig be­frie­det und the­ma­ti­siert, bleibt es auch im In­ter­es­se der Ver­wal­tung einen pre­kär funk­tio­nie­ren­den frei­en Sek­tor am zeh­ren­den Leben zu er­halten. Heute be­deu­tet Kul­tur­ar­beit aber we­ni­ger Ein­la­dung zu ge­pfleg­ter bür­ger­li­che Kon­ver­sa­ti­on, son­dern viel­mehr Kri­sen­ver­wal­tung in Ei­gen­re­gie.[…] We­ni­ger als vom bür­ger­li­chen Glücks-​ und Frei­heits­ver­spre­chen han­delt Pop­kul­tur heute tat­säch­lich von Krise, Ver­zweif­lung und Zer­fall.

1.) Exile on Main Street – Vom Spek­ta­kel zum De­ba­kel. Pop und Punk und Po­li­tik als Pro­blem. Roger Beh­rens (Frei­bad-​/Hal­len­ba­d­uni­ver­si­tät Ham­burg)

Roger Behrens mit his­to­rischen Ex­kur­sen über Sinn und Un­sinn von sub­ver­si­ven Stra­te­gi­en in der ver­wal­te­ten Welt.

Ein paar Fra­gen: Was macht ei­gent­lich den Pop po­li­tisch? Und wann oder warum? War Punk po­li­tisch, Pop aber nicht? Oder ist Punk ein­fach nur po­li­ti­scher als Pop? Oder po­li­tisch kor­rek­ter, oder we­nigs­tens po­li­tisch glaub­wür­di­ger? Oder wurde Punk erst po­li­tisch als Pop? Ist die Po­li­tik des Pop eine an­de­re Po­li­tik? Oder hat der Pop – zum Bei­spiel mit dem Punk – das, was heute Po­li­tik ge­nannt wird, über­haupt erst her­vor­ge­bracht? Gibt es Pop, der nicht po­li­tisch ist? Und gibt es noch Po­li­tik, die nicht auch Pop ist, ir­gend­wie? Schließ­lich: Sind das wich­ti­ge Fra­gen, wenn es um die Ent­schei­dung geht, be­stimm­te Bands gut zu fin­den, und das was sie »sagen« (also sin­gen, mit ihrer Musik the­ma­ti­sie­ren, wo sie ste­hen etc.) rich­tig? Oder sind die Fra­gen nicht ziem­lich be­lang­los, gleich­gül­tig, un­in­ter­es­sant, wo es doch ei­gent­lich um an­de­res geht? – Mög­li­che Ant­wor­ten auf diese Fra­gen stellt der Vor­trag zur Dis­kus­si­on: in his­to­risch-​kri­ti­schen Ex­kur­sen über Sinn und Un­sinn von sub­ver­si­ven Stra­te­gi­en (Sub­kul­tu­ren) in der ver­wal­te­ten Welt (Ka­pi­ta­lis­mus).

    Download: via AArchiv (ogg)

2.) “Die rich­ti­ge Ein­stel­lung”. Til­man Kal­len­bach zu den Ver­hält­nis­sen zwi­schen Pop und Po­li­tik

Til­man Kal­len­bach mit einem Ver­such ver­schie­de­ne theo­re­ti­sche Zu­gän­ge der Lin­ken zum Phä­no­men Pop zu skiz­zie­ren.

Über we­ni­ge Pop-​Phä­no­me­ne ist in letz­ter Zeit so in­brüns­tig be­rich­tet und dis­ku­tiert wor­den, wie über die Sta­di­on-​Rock-​Band Frei.​Wild, die ei­ni­gen deut­schen Feuille­to­nis­t_in­nen dann of­fen­sicht­lich doch zu rechts war. Wenn an die­ser De­bat­te ir­gend­et­was gut war, dann doch die Er­in­ne­rung, dass Pop doch auch ir­gend­wie po­li­tisch ist – und dif­fus links. Dabei ist das Ver­hält­nis der deut­schen Lin­ken zur Pop-​Kul­tur ein min­des­tens ge­spann­tes und schwankt zwi­schen der Pa­ro­le „Stellt die Gi­tar­re in die Ecke und dis­ku­tiert“ und einer aus­schließ­lich auf den “rich­ti­gen” Li­fes­tyle ori­en­tier­ten lin­ken Sub­kul­tur. Der Vor­trag un­ter­nimmt den Ver­such ver­schie­de­ne theo­re­ti­sche Zu­gän­ge der Lin­ken zum Phä­no­men Pop zu skiz­zie­ren, um von die­ser Basis aus, in einem zwei­ten Schritt ak­tu­el­le Pop-​Stra­te­gi­en zu ana­ly­sie­ren. Es wird die Frage ge­stellt: Wo und wie kann Pop Ge­sell­schafts­kri­tik oder Po­li­ti­sie­rungs­mo­ment sein?
Til­man Kal­len­bach hat in Bam­berg Päd­ago­gik stu­diert und hat zum Thema seine Di­plom­ar­beit ver­fasst. Er ist lose mit der frei­en uni bam­berg as­so­zi­iert und nicht zu­letzt er­ge­be­ner Fan.

    Download: via AArchiv (ogg)

3.) “Der Krieg kommt schnel­ler zu­rück als du denkst.” Ole Lö­ding zu Ver­gan­gen­heit und Ge­schichts­bil­dern im Pop

Zum kul­tu­rel­len Um­gang mit der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­gan­gen­heit und dem Stand der bun­des­deut­schen Ver­gan­gen­heits’be­wäl­ti­gung‘ referierte Ole Lö­ding, dessen Buch “Deutsch­land Ka­ta­stro­phen­staat. Der Natio­nal­so­zia­lis­mus im po­li­ti­schen Song der Bun­des­re­pu­blik” unlängst veröffentlicht wurde.

Die po­li­ti­sche Pop­mu­sik in der Bun­des­re­pu­blik re­agiert un­mit­tel­bar und di­rekt auf ihr ge­sell­schaft­li­ches Um­feld. Sie the­ma­ti­siert wich­ti­ge ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Er­eig­nis­se, Kon­tro­ver­sen und Per­so­na­li­en – von der 68er-​Re­vol­te, dem RAF-​Ter­ro­ris­mus der 70er Jahre, dem Fil­bin­ger-​Skan­dal, der Strauß-​Kanz­ler­kan­di­da­tur, dem Ost-​West-​Kon­flikt bis hin zur Wie­der­ver­ei­ni­gung. Gleich­zei­tig ist sie sehr stark von ihrem po­li­ti­schen Um­feld ge­prägt. Des­halb lässt sich an ihr der kul­tu­rel­le Um­gang mit der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­gan­gen­heit be­son­ders gut ab­le­sen. Diese Wech­sel­wir­kung macht den po­li­ti­schen Song von den 60er Jah­ren bis zur Ge­gen­wart zu einem prä­zi­sen Seis­mo­graph, an dem sich der Stand der bun­des­deut­schen Ver­gan­gen­heits’be­wäl­ti­gung‘ ab­le­sen lässt. In sei­nem mit zahl­rei­chen Bei­spie­len un­ter­stütz­ten Vor­trag gibt Ole Lö­ding einen Über­blick dar­über, wie die deutsch­spra­chi­ge Pop­mu­sik eine „mu­si­ka­li­sche Ver­gan­gen­heits­be­ar­bei­tung“ vor­ge­nom­men hat, wie sehr stark sich der Um­gang mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, Ge­schichts­bil­der, Ver­gan­gen­heits­dis­kur­se und Auf­ar­bei­tungs­de­bat­ten seit den 60er Jah­ren ge­wan­delt haben. Zu dis­ku­tie­ren wird u.a. sein, wel­che kri­ti­schen Per­spek­ti­ven der pop­kul­tu­rel­len Auf­ar­bei­tung in MIA´s Ber­li­ner Re­pu­blik zu hören sind.
Ole Lö­ding ist seit 2011 Mit­ar­bei­ter im Deut­schen Mu­si­k­in­for­ma­ti­ons­zen­trum Bonn. Im Tran­script Ver­lag ver­öf­fent­lich­te er das Buch: “Deutsch­land Ka­ta­stro­phen­staat. Der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus im po­li­ti­schen Song der Bun­des­re­pu­blik.”

    Download: via AArchiv (ogg)

Siehe auch Frank Apunkt Schneiders Plädoye für eine Ästhetik der Verkrampfung.

4.) “An­ders als die an­dern Jungs”. Ro­bert Zwarg zum Phä­no­men Hips­ter

Mit dem Hass­ob­jekt Hips­ter beschäftigte sich Robert Zwarg bereits vor drei Jahren bei Beatpunk. Die These: Im Phä­no­men des Hips­ters und dem Res­sen­ti­ment, das ihn trifft spie­gelt sich die ge­sam­te Ge­sell­schaft: Der Hips­ter sei sowohl Sym­ptom und Pro­dukt einer ge­sell­schaft­li­chen Ent­in­di­vi­dua­li­sie­rung, wie auch Re­flex auf eine reale Auf­lö­sung von Klas­sen­gren­zen, von his­to­ri­schem Be­wusst­sein und tra­di­tio­nel­len Ge­schlech­ter­rol­len.

Kaum ein So­zi­al­ty­pus hält sich so be­harr­lich als Hass­ob­jekt wie der Hips­ter. Man ist sich un­ei­nig, wie er aus­sieht, doch alle ken­nen ihn und nie­mand möch­te einer sein. Ei­ner­seits scheint es sich um ein klas­si­sches Phä­no­men der Mode zu han­deln: man denkt an weiße, junge Er­wach­se­ne mit einem Hang zu Retro bzw. Vin­ta­ge-​Chic, Jungs mit Bart und Fla­nell­hemd und Mäd­chen im Lo­li­ta-​Look. An­der­seits ist der Hips­ter ein be­lieb­tes Ziel von Spott und Hass. Die Liste sei­ner be­mä­kel­ten Ei­gen­schaf­ten ist lang: Ge­schmäck­ler­tum, un­re­flek­tier­ter Kon­su­mis­mus, in­halts­lo­se Iro­nie, Ar­ro­ganz, Ober­fläch­lich­keit, Un­pro­duk­ti­vi­tät, Vor­hut der Gen­tri­fi­zie­rung. Im Phä­no­men des Hips­ters und dem Res­sen­ti­ment, das ihn trifft – so die These des Vor­tra­ges – spie­gelt sich die ge­sam­te Ge­sell­schaft. Die Ver­än­de­rung der Ar­beits­welt lässt sich an dem als Latte Mac­ch­ia­to schlür­fen­den ima­gi­nier­ten Krea­tiv­ar­bei­ter eben­so ab­le­sen, wie die Ent­zeit­li­chung der Mode und der Ver­fall der Sub­kul­tur. So­wohl die Chro­nis­ten als auch die Ver­äch­ter des Hips­ters ver­ken­nen al­ler­dings sei­nen ge­sell­schaft­li­chen Grund. Der Vor­trag möch­te den Hips­ter als zu­gleich Sym­ptom und Pro­dukt einer ge­sell­schaft­li­chen Ent­in­di­vi­dua­li­sie­rung deu­ten, als den So­zi­al­ty­pus ge­wor­de­nen Re­flex auf eine reale Auf­lö­sung von Klas­sen­gren­zen, von his­to­ri­schem Be­wusst­sein und tra­di­tio­nel­len Ge­schlech­ter­rol­len; kurz, als Aus­druck einer ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen Ent­dif­fe­ren­zie­rung.
Ro­bert Zwarg lebt in Leip­zig und ist Mit­glied der Re­dak­ti­on der Phase 2. Seine Texte er­schie­nen u.a. in der Jung­le World, bei beatpunk.​org und der Phase 2.

    Download: via AArchiv (ogg)

5.) “Per­so­nal Jesus”. Bär­bel Harju zur Ge­schich­te und Ak­tua­li­tät christ­li­cher Rock­mu­sik

Bär­bel Harju beobachtete, dass in vor­mals nicht­re­li­giö­sen, „agnos­ti­schen“ Sub­kul­tu­ren wie Punk und Hard­core christ­li­che Künst­ler_in­nen zu­neh­mend Fuß fassen und fasst zusammen: „Re­li­gi­on als Pop be­deu­tet keines­wegs Ver­welt­li­chung.“ Harju hat im Tran­script-​Ver­lag das Buch „Rock und Re­li­gi­on“ ver­öf­fent­licht.

Re­li­gi­on als Pop­kul­tur ist vital, nicht Re­li­gi­on „light“. Das ge­nu­in U.S.-​ame­ri­ka­ni­sche Phä­no­men Chris­ti­an Pop hat sich seit den 1960er Jah­ren zu­nächst als Sub­kul­tur in einer Art Par­al­lel­uni­ver­sum eta­bliert. Heute exis­tiert in den USA nicht nur eine mil­lio­nen­schwe­re christ­li­che Mu­sik­in­dus­trie; auch im mu­si­ka­li­schen Main­stream und in vor­mals nicht­re­li­giö­sen, „agnos­ti­schen“ Sub­kul­tu­ren wie Punk und Hard­core fas­sen christ­li­che Künst­ler_in­nen zu­neh­mend Fuß. Zu fra­gen wird sein, wel­che sub­ver­si­ven Stra­te­gi­en Bands wie P.O.D. an­wen­den und wieso, um die Stig­ma­ti­sie­rung als christ­li­che Mu­si­ker zu um­ge­hen, wel­ches Wer­te­sys­tem ver­tre­ten wird und wie die Künst­ler_in­nen mit Kom­mer­zia­li­sie­rung und dem Auf­ge­hen im Uni­ver­sum Pop um­ge­hen. Re­li­gi­on als Pop be­deu­tet kei­nes­wegs Ver­welt­li­chung. „Chris­ti­an Pop“-​Künst­ler set­zen einen mo­der­nen Evan­ge­li­sie­rungs­stil um, indem sie sub­ti­le Bot­schaf­ten in mas­sen­kom­pa­ti­blen Mu­sik­stü­cken trans­por­tie­ren. Erst durch die Wa­ren­för­mig­keit des re­li­giö­sen An­ge­bots wird die­ses im „mar­ket­place of cul­tu­re“ kon­kur­renz­fä­hig und fin­det sich auf­grund des kal­ku­lier­ba­ren Pu­bli­ku­man­sturms auf der Bühne sä­ku­la­rer AJZs.
Bär­bel Harju ist Ame­ri­ka­nis­tin an der Lud­wig-​Ma­xi­mi­li­ans-​Uni­ver­si­tät Mün­chen. Sie hat 2012 im Tran­script-​Ver­lag das Buch „Rock und Re­li­gi­on“ ver­öf­fent­licht.

    Download: via AArchiv (mp3)

Leider wurden nicht alle Vorträge der Reihe dokumentiert. Als Ergänzung daher: Ein ganz ähnlicher Vortrag von Sa­scha Pöhl­mann zu Po­li­ti­sie­run­gen des Black Metal, ein Text zum Verstandnis des Conne Island zum kul­tur­be­trieb­li­chen All­tag und – passend zum letzten Referat – ein Text zur Aktualität der Kulturindustriethesen aus dem Extrablatt.

Tags: , , , , , , , , ,

Momente einer kritischen Theorie der Naturwissenschaften

Ein weiterer Beitrag zur Kritik der historischen wie gegenwärtigen Naturverhältnisse, der auf eine Vortragsreihe in Jena verweist, die versuchte Momente einer kritischen Theorie der Naturwissenschaften herauszuarbeiten: Die Veranstalter, die sich die Frage stellten, warum die Naturwissenschaften im Kontext von Debatten, die sich auf das kritische Denken von Horkheimer und Adorno stützen, bisher tendenziell eher als randständig angesehen wurden, zur Motivation der Reihe.

    Download: via AArchiv (mp3)

1.) Martin Blumentritt – Zum Begriff der Natur und der Wissenschaft bei Marx

In Erinnerung und mit Bezug auf den 2012 verstorbenen Alfred Schmidt, referiert Martin Blumentritt über die Lehre der Natur bei Marx.

Die Überlegungen der Frankfurter Kritischen Theorie in den frühen 60er Jahren kreisten um einen Materialismus der „zweiten Natur”. Alfred Schmidts Dissertation über die Lehre der Natur bei Karl Marx suchte nicht bloß interpretierend, die Kritische Theorie weiterzuführen. Durch den erneuten Rekurs auf Marx konkretisierte er die Kritik an der auf Engels zurückgehenden Variante der Marx-Interpretation, die zu einer Trennung von historischem und dialektischem Materialismus und der Vorordnung eines naturalistisch-ontologischen Materialismus vor dem historischen führte. Die alten Materialisten hätten in der Sache, nicht in der Form, recht gehabt, die die Stärke des Idealismus war:

„Es gibt in der idealistischen Philosophie Fragestellungen, die mit der idealistischen Form, in der sie vorgetragen werden, nicht abgetan sind. Der deutsche Idealismus von Kant bis Hegel, an den Marx bewußt angeknüpft hat, zeigt, daß die uns umgebende Welt keine bloß an sich seiende, sondern ebensosehr eine für und durch uns seiende Realität ist. Freilich hat der Idealismus diese Abhängigkeit des Objektiven vom Subjektiven, indem er sie aussprach zugleich mystifiziert, und zwar deshalb, weil er die subjektive Konstitution dessen, was wir Erfahrungs- und Dingwelt nennen radikal entstofflichte und dadurch die Sache verdunkelte.”[1]

Mit dem Begriff der „gegenständlichen Tätigkeit” hielt Schmidt die Vermitteltheit des unmittelbar Vorfindlichen gegen die idealistischen Formen fest und arbeitete eine Alternative zu Engels ontologischer Naturdialektik heraus, wodurch der erkenntnistheoretischen Abhängigkeit der Objektwelt und ontologischen Unabhängigkeit gleichermaßen Rechnung getragen wird. Aus der Perspektive von Kants negativer Metaphysik und Hegels Produktionslogik diskutierte Schmidt das Verhältnis erster und zweiter Natur mittels der Interpretation der marxschen Texte in Hinsicht auf ihr Naturverhältnis. [via]

    Download: via AArchiv (mp3)

2.) Jörg Huber – Subjektive und objektive Momente physikalischer Erkenntnis

Huber spricht über den naiven Glaube an die absolute Objektivität der Naturwissenschaften. Denn: Naturwissenschaften können gar keine völlig objektive Beschreibung der Natur liefern, da ihre Erkenntnisformen historischen Ursprungs sind. Huber fragt, inwieweit Reformulierungen von gesellschaftlichen Veränderungen abhängen.

Ihre naturwissenschaftliche Grundlagenforschung stellen Wissenschaftler gerne als Selbstzweck dar, den sie aus reiner Neugierde verfolgen würden. Sie möchten Gesetze finden, denen die Natur folgt, und damit zur Akkumulation menschlichen Wissens beitragen. Ihr gemeinsames höchstes Ziel ist die lückenlose Erklärung der ganzen Welt durch solche Gesetze. Die Gesellschaft soll die Mittel für diese Forschung bereitstellen, die Wissenschaftler fühlen sich aber im Zweifelsfall nicht dafür verantwortlich, wie ihre Erkenntnisse genutzt werden. Die Gesellschaft soll also auch die Verantwortung für den Gebrauch ihrer Resultate übernehmen. Wie aber können dann diese Resultate ganz unabhängig von der Gesellschaft sein und die Natur einfach so erklären, wie sie an sich ist? Der naive Glaube an die absolute Objektivität der Naturwissenschaften liefert eine bequeme Rechtfertigung für wissenschaftliche Verantwortungslosigkeit, die scientific community erteilt ihrem insgesamt blinden Treiben damit selbst die Absolution. Demgegenüber skeptische Positionen erschöpfen sich häufig darin, inhumane technische Anwendungen naturwissenschaftlichen Wissens auf ethische Mängel zurückzuführen.

Der eigentümliche Status des Wissens, das die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung liefert, lässt sich aber nur ernsthaft kritisieren, wenn der unüberbrückbare epistemologische Spalt zwischen der Natur und unserer Vorstellungen von ihr nicht unterschlagen wird. Die Naturwissenschaften können gar keine völlig objektive Beschreibung der Natur liefern, da ihre Erkenntnisformen historischen Ursprungs sind. Naturwissenschaftliche Theorien als Funktionsweise oder gar als Schöpfungscode der Natur auszugeben, erweist sich als ideologischer Abdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Um dieser Erscheinung von Ideologie auf die Spur zu kommen, wird sich der Vortrag anhand bekannter Beispiele erkenntniskritisch mit dem Verhältnis naturwissenschaftlicher Theorie zu ihrem spezifischen Gegenstand befassen. Die theoretische Entwicklung der Himmelsmechanik zeigt die enormen Wandlungen auf dem Weg zur ersten allgemeingültigen physikalischen Theorie, deren Gegenstand, die Ordnung der Himmelskörper, dabei gegenüber irdischen Maßstäben starr geblieben ist. Aus der Himmelsmechanik entstand dann die heutige theoretische Mechanik, die noch mehrfach reformuliert wurde, obwohl keine grundsätzlichen Probleme bei ihren bekannten mechanischen Experimenten aufgetreten waren. Daher liegt die Frage nahe, inwieweit solche Reformulierungen von gesellschaftlichen Veränderungen abhängen. Der enorme Erfolg der Relativitätstheorie degradierte die klassische Mechanik dann zum wichtigsten Spezialfall allgemeingültigerer Gesetze. Und die Kantische Vorstellung, dass Raum und Zeit bloße Formen unserer Anschauung seien, geriet ins Wanken. [via]

    Download: via AArchiv (mp3)

Da der Mitschnitt leider abrupt abbricht, hat Jörg Huber für das Audioarchiv die nicht aufgezeichneten Momente des Vortrags und Teile der Diskussion nachträglich eingesprochen.

    Download: via AArchiv (mp3)

3.) Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt – Der Begriff der Natur in der Epoche des Liberalismus

Stapelfeldt untersucht den Begriff – die Begriffe – der Natur in der Epoche des Liberalismus (um 1765-1870), der bürgerlichen Aufklärung, der bürgerlichen Revolutionen.

Der Vortrag untersucht den Begriff – die Begriffe – der Natur in der Epoche des Liberalismus (um 1765-1870), der bürgerlichen Aufklärung, der bürgerlichen Revolutionen.
‚Natur’ scheint ein ganz einfacher Begriff, der einen selbstverständlichen Gegenstand bestimmt. Man denkt an Gesteine, an Pflanzen, an Tiere, an die körperlicher Natur des Menschen, an Naturgesetze, an Naturwissenschaften, an Naturschutz. Aber dann wird es doch schwierig: Gibt es eine ‚Natur der Sache’, eine Natur des Menschen, eine Natur der Gesellschaft? Was ist ‚natürlich’? Schon der antike Naturbegriff ist heute kaum nachvollziehbar: Natur als göttliche, subjektive, mit moralischen Qualitäten ausgestattete Natur. In der Neuzeit hat Galilei, nach seinem Selbstverständnis, im „Buch der Natur“ gelesen. Im Liberalismus wird es mit dem Begriff – den Begriffen – der Natur in der Philosophie, der Sozial- und Naturwissenschaft ganz kompliziert: Vico unterscheidet die „Welt der Natur“ von der „gesellschaftlichen Welt“; Kant spricht von einer „sinnlichen“ und von einer unbewußten „übersinnlichen (zweiten) Natur“, Smith von der „Natur des Reichtums der Nationen“, Darwin von einer Naturgeschichte; Comte stellt der Wissenschaft der Biologie die Wissenschaft von der Gesellschaft (Soziologie) zur Seite und bezeichnet beide als „Physik“ – als Naturwissenschaften. Diese Begriffe, ihr Zusammenhang, ihre gesellschaftsgeschichtliche Grundlage sind zu klären.

    Download: via AArchiv (mp3)

Fussnoten:

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , , , , , ,

Die alternativlose Universität

Ein Feature, welches auf einem Text des Leipziger AK Gesellschaftskritik basiert, von Radio Corax über den Zustand an den hiesigen Universitäten und der Kritik des Studierens, ist hier zu hören.

Tags: , , , ,

Der deutsche Schicksalskomponist. Beiträge gegen (200 Jahre) Richard Wagner

Mit vier Beiträgen über einen Begründer des modernen Antisemitismus - Richard Wagner – meldet sich das Audioarchiv zurück.

1.) Lars Quadfasel – Pathische Projektion, auskomponiert. Richard Wagners antisemitisches Gesamtkunstwerk

Lars Quadfasel zeigte in Dresden, wie ideologisch gerade im Falle Wagners die so beliebte Trennung von Werk und Weltanschauung ist und diagnostiziert in Wagners Kompositionen einen Schulfall der Dialektik der Aufklärung. Quadfasel hatte bereits in der „Versorgerin“ über Wagner geschrieben.

Dass Richard Wagner zu den Begründern des modernen Antisemitismus zählt, mögen heute, zweihundert Jahre nach seiner Geburt, nicht einmal die überzeugtesten Wagnerianer mehr leugnen. Stattdessen verlegt man sich auf die Formel ›Genie und Wahn‹: Politisch, so stand anlässlich des Jubeljahres in nahezu jedem Feuilleton zu lesen, mag Wagner ja ›strittig‹ gewesen seien, aber als Komponist war er darum nur um so grandioser.
Zu zeigen wird demgegenüber sein, wie ideologisch gerade im Falle Wagners die so beliebte Trennung von Werk und Weltanschauung ist. In dessen Opern geht das Ressentiment konstitutiv ein. Das beschränkt sich nicht allein auf die »Judenkarikaturen« (Adorno), die im Ring und in den Meistersingern ihr Unwesen treiben. Vielmehr ist es die Konzeption des Musikdramas selbst, in der die Abgrenzung gegen alles ›Undeutsche‹, gegen welschen Tand und Flitter sich verwirklicht. Wagners Kompositionen sind ein Schulfall der Dialektik der Aufklärung: Gerade ihre modernste musikalische Innovationen – der Verzicht auf überkommene Formen, die Aufweichung der Tonalität, die Emanzipation der Klangfarbe – stehen immer schon zugleich im Dienste der Regression, der Mythologie aus zweiter Hand. Indem jedoch Wagners Musik die pathische Projektion, die Verschränkung von Antisemitismus, Misogynie und Kulturindustrie auskomponiert, macht sie sie zugleich auch analysierbar; und genau das soll, auch anhand von ausgewählten Musikbeispiele, in Referat und Diskussion geleistet werden.

Lars Quadfasel ist assoziiert in der Hamburger Studienbibliothek und der Gruppe Les Madeleines. Seine Texte zu Wagner sind in konkret 5/2013 und der Versorgerin Nr. 99 erschienen. [via]

    Download: via AArchiv (mp3)

2.) A.C. Faschon – Wagner – kein bloßer Betriebsunfall

Die These, dass der Antisemitismus Wagners nach wie vor nicht mit der notwendigen Offenheit behandelt wird, vertrat „A.C. Faschon“ in Leipzig. Wie auch Quadfasel zeigt Faschon mit Hilfe von Musikbeispielen Wagners schwärmerische Visionen eines völkischen Antikapitalismus.

Der Antisemitismus Richard Wagners wird nach wie vor nicht mit der notwendigen Offenheit behandelt. Während das Gros der bürgerlichen Wagner-Apologie auf einer strikten Trennung von Künstler und Kunstwerk insistiert, gibt es im härtesten Kern der Wagnerianer sogar Bestrebungen, den Komponisten überhaupt von sämtlichen Vorwürfen freizusprechen, so als wären Wagners zahlreiche privaten antisemitischen und rassistischen Äußerungen misszuverstehen. Das Gerücht von der „Erlösung der Juden“ ist dabei nur ein besonders makaberer von vielen Versuchen, den aggressiven Antisemitismus Wagners bewusst fehlzudeuten.
Auch wo sich Stimmen gegen den Wagner-Kult erheben, wie in der jüngsten Buchpublikation des Wagner-Urenkels Gottfried Wagner, greift die Kritik doch zu kurz: In Widerstand gegen die unsäglichen Rechtfertigungs- und Reinwaschungsbemühungen stilisiert jener den Komponisten zu einem Anti-Heros par excellence , zu einer Verkörperung des Bösen überhaupt. Vielmehr aber sind die rassistischen und antisemitischen Ressentiments wie auch der politische Opportunismus nicht in Wagners individueller psychologischer Konstitution zu suchen, sondern in den objektiven gesellschaftlichen Verhältnissen, denen solche Tendenzen immanent sind.
Die Symbolik in Richard Wagners Werk, allem voran dem monströsen „Ring des Nibelungen“, ist unmissverständlich und doch nicht explizit formuliert. Es ist der einzige mögliche Schlupfwinkel für die Wagner-Verfechter, zu sagen, all das sei ja nur Fiktion, zusammengeklaubt aus den verschiedensten Mythenwelten, bar jeden Anspruchs, Realität zu sein.
Doch was Wagner mit seinen Traumwelten eigentlich geschaffen hat, das sind schwärmerische Visionen eines völkischen Antikapitalismus, dessen Utopie der nationale Sozialismus ist, und letztendlich ist sein Werk nicht nur äußerlich der Kulturpolitik des Dritten Reichs adäquat. [via]

    Download: via AArchiv (mp3)

3.) Hannes Heer – Von Richard Wagner zu Adolf Hitler. Antisemitische Ideologie und Praxis bei den Bayreuther Festspielen

Leider nicht in bester Aufnahmequalität ist ein Mitschnitt aus dem Hamburger Golem. Dort sprach der Historiker Hannes Heer über die antisemitische Ideologie und Praxis bei den Bayreuther Festspielen von 1876 bis 1944.

„Das Kunstwerk der Zukunft“, dem Richard Wagner in seinen Musik-Dramen im abgelegenen Bayreuth eine spektakuläre Bühne erschuf, wollte eine neue Ästhetik und war zugleich eine Kriegserklärung an die durch die politische und industrielle Revolution im 18. und 19. Jahrhundert entstandene Welt der Moderne. Als deren Verkörperung galt Wagner „der Jude“, den er als den „geborenen Feind der reinen Menschheit und alles Edlen in ihr“ ansah. Diese angeblich vom „Juden“ geschaffene Welt der Politik, der Unfähigkeit zur Liebe, der Kulturlosigkeit, der Tücke, des Geldes, des Nihilismus ließ er in Figuren wie Beckmesser, Mime, Alberich, Hagen, Kundry und Klingsor Bühnenwirklichkeit werden – alles „Judenkarikaturen“ (Theodor W. Adorno), denen die „deutschen“ Helden Sachs, Siegfried, Brünnhilde und Parsifal entgegengestellt wurden. In seinen antisemitischen Pamphleten attackierte er das Judentum als „den Dämon des Verfalls der Menschheit“ und propagierte dessen „gewaltsame Auswerfung“, das heißt – die „Ausweisung“.
Nach dem Tod des „Meisters“ erbte Cosima Wagner mit den Festspielen auch dessen antagonistische Bühnenwelt. Sie machte aus dem Erbe kein Mausoleum, sondern ein politisches Instrument: Die Inszenierung der Meistersinger 1888 war die erste geplante „judenfreie“ Aufführung in der deutschen Theatergeschichte. In der Folge wurden „jüdische“ Künstler nur eingeladen, wenn keine „deutschen“ zur Verfügung standen und dann nur für die kleinen Rollen oder für die „Judenkarikaturen“.
Ihr Sohn und Nachfolger Siegfried Wagner hat diese antisemitische Besetzungspolitik ab 1908 übernommen. Und er hat unter Anleitung seines Schwagers Houston Stewart Chamberlain, dem Begründer des modernen Rassenantisemitismus, das Feld der antisemitisch-deutschnationalen Tagespolitik betreten: 1916 wurden er und Chamberlain Mitglieder des „Alldeutschen Verbandes“, der rechtsextremen Denkfabrik des Kaiserreichs. 1917 wurde die ganze Familie Mitglied der für den Endsieg eintretenden „Vaterlandspartei“. Und 1923 traten die Angehörigen des Wagner-Clans, nach dem ersten Besuch Hitlers in Wahnfried, in die NSDAP ein. Siegfried duzte von da an den „Führer“ und Winifred verliebte sich in ihn. Dass die Festspiele ab 1933 endgültig zu „Hitlers Hoftheater“ (Thomas Mann) wurden, war also kein Zufall.

Hannes Heer:
Geboren 1941. 1980 bis 1985 Dramaturg und Regisseur am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. 1993 bis 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Leiter des Ausstellungsprojektes „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“. Zahlreiche Publikationen zur Geschichte von Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegserinnerung. Lebt als Historiker, Publizist und Ausstellungsmacher in Hamburg. [via]

    Download: via AArchiv (mp3)

4.) Gerhard Scheit – “Staatsmusikant” und Staatskritiker, Wagner und Marx

Gerhard Scheit, derzeit als Mitherausgeber der Zeitschrift sans phrase aktiv, fragte in Freiburg, ob der Staatsmusikant Wagner Staatskritiker wider Willen sei. Scheit hatte bereits in der Jungle World über Wagner geschrieben.

Marx beginnt mit dem Gegensatz. Die Elementarform des Reichtums, die Ware, ist nur in der Entgegensetzung von Tauschwert und Gebrauchswert zu begreifen. Jeder Versuch, sie zu leugnen, endet in Regression. Und der Staat ist letztlich der Begriff dafür, dass die Einheit nicht nur durch Recht und Ordnung existiert, sondern in der Krise, wenn alle ihre Teilprozesse auseinanderfliegen, mit einer von aller Fessel befreiten Gewalt wiederhergestellt wird. Die Marxsche Kritik im Kapital aber kann dieser Gewalt wie jener Regression nur widersprechen, indem sie in jeder Konstellation moderner Herrschaft auf dem Gegensatz beharrt und nur durch ihn hindurch deren Einheit bestimmt. – Wagner beginnt mit der Einheit. Der Es-Dur-Akkord, der im berühmten Vorspiel des Ring auf die Natur projiziert wird, fungiert als Ausdruck vollständiger widerspruchsloser Identität, ist tönende Regression. Alle Bewegung darin, die es doch gibt, damit der Klang zum Tragen kommt, soll erscheinen, als wären Gegensätze immer nur die bloße Expression ursprünglicher Einheit. Diese “Phantasmagorie” (Adorno) braucht aber dann als pathische Projektion einerseits den totalen Feind, um loszuwerden, was immer sich in ihrem Reich doch als Nichtidentisches hervorwagt, andererseits wirkt gerade durch diese Projektion hindurch eine Art List der Komposition, die etwas der Kritik fast Vergleichbares leistet. Ist der Staatsmusikant also Staatskritiker wider Willen? Die Antwort soll durch Hörbeispiele erleichtert werden. – Es spricht Gerhard Scheit (Wien), Autor u.a. von Verborgener Staat, lebendiges Geld. Zur Dramaturgie des Antisemitismus und Mitherausgeber der Zeitschrift für Ideologiekritik sans phrase. [via]

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , , , ,

Ágnes Heller im Gespräch mit Gerhard Scheit.

Agnes Heller sprach vor zwei Wochen mit Gerhard Scheit im Republikanischen Club in Wien. Es geht unter anderem um den neuen und alten Antisemitismus im Westen und in Ungarn, den „Bonapartismus“ der Regierung Viktor Orbáns und die aktuelle Situation in Ungarn.

Tags: , , ,

Die Widersprüche zuspitzen – Über Thomas Brasch

Ein Feature von Radio Corax erzählt von einem Dichter, Schriftsteller, Film- und Theatermacher, dem es Vergnügen bereitete, Gedanken schärfer zu denken, weiterzugehen: Thomas Brasch. Hier der Direktlink.

Tags: , , , , ,

„Die Hand voller Stunden, so kamst du zu mir“ – Über Paul Celan

Eine unlängst beim dlf ausgestrahlte – knapp dreistündige – Sendung über Paul Celan ist hier dokumentiert.

Tags: , ,