Beiträge von MoshMosh

Asja Lācis: Regisseurin, revolutionär im Beruf

Jolande Fleck veröffentlicht auf RabanRadio Features, Radio-Beiträge und Sendungen – oft entstanden im Kontext von Radio Corax. Seit Kurzem ist dort eine zwei-stündige Radiosendung über Asja Lācis zu finden, die wir im Folgenden dokumentieren.

Asja Lacis (1891-1979) war eine linke Theaterfrau aus Lettland, die, neben politischen Theater- und Kinoprojekten, vor allem netzwerkte und so Kulturschaffende und Künstler aus der Sowjetunion und Deutschland miteinander bekannt machte. Mit einigen Protagonisten im Kunst- und Kulturbetrieb ihrer Zeit war sie freundschaftlich verbunden und arbeitete zeitweise eng zusammen (die prominentesten unter ihnen wohl Brecht, Benjamin, Feuchtwanger, Piscator, Meyerhold, Kracauer, Toller u.v.m.). Auch beteiligte sie sich rege am zeitgenössischen Diskurs über Form, Inhalt und Potential polititsch-ästhetischer Interventionen, spannenderweise vor allem durch praktisches Eingreifen. [via]

In der Sendung werden einige Abschnitte aus dem Leben von Asja Lācis geschildert – u.a. Erfahrungsberichte ihrer Theaterarbeit, Erinnerungen an ihre Berliner Zeit, ihre Freundschaft mit Walter Benjamin. Im Zentrum der Radiosendung steht das proletarische Kindertheater, das Asja Lācis in Orjol gegründet hat und für das Walter Benjamin später das Programm des proletarischen Kindertheaters geschrieben hat. Dabei sind (erstmals im Original) einige Erinnerungen von Asja Lācis zu hören. Zu Wort kommen außerdem Karin Burk (siehe das Interview hier), Beata Paškevica (siehe das Interview hier) und Andris Brinkmanis.

    Download: via AArchiv (mp3; 110 MB; 2 h)
Tags: , , , , , , , , ,

Midnight Notes: Zwei Sendungen über 1968

Anlässlich der 30. Jährung des Pariser Mai 1968 hat das politische Magazin „Midnight Notes“ beim FSK im Jahr 1998 eine zweiteilige Sendung produziert. Die Sendungen geben nicht nur einen Einblick in die Mai-Ereignisse in Frankreich, sondern gleichzeitig einen guten Eindruck einer gewissen Ästhetik in der Szene der Freien Radios in den 90er Jahren…

1.) Die erste Sendung konzentriert sich vor allem auf eine Schilderung des Pariser Mai 1968: Der Aufstand der Studenten, die Dynamik des danach folgenden Generalstreiks und das Ende der traditionellen Linken. Material sind dabei vor allem die Schilderungen des libertären Trotzkisten Maurice Brinton, der im Mai 1968 in Paris zugegen war. Zu Wort kommen auch Lutz Schulenburg und Hanna Mittelstädt (Edition Nautilus).

    Download: via AArchiv (mp3; 84.2 MB; 1 h)

2.) In der zweiten Sendung geht es vor allem um dissident-marxistische Gruppen, die um 1968 herum Stichworte für ein autonomes Agieren jenseits der traditionellen Linken gaben: Socialisme ou barbarie, die Operaisten und die Situationistische Internationale. Der Fokus liegt dann vor allem auf der Theorie und Praxis der Situationisten.

    Download: via AArchiv (mp3; 83 MB; 1 h)
Tags: , , , , , , , , , ,

Thematisches zum Welthurentag

Anlässlich des Welthurentags am 02. Juni hat Radio-Corax ein thematisches Mittagsmagazin gesendet, in dem es um eine feministische Auseinandersetzung mit Sexarbeit ging. Interviewt wurden dabei Vertreterinnen der Vereine Madonna e.V. und Doña Carmen, die die Arbeit des jeweiligen Vereins vorgestellt und über die Auswirkungen des Prostituiertenschutzgesetzes gesprochen haben. Weiterhin wurde das Sexarbeitsfrühstück – ein Vernetzungstreffen in Leipzig – vorgestellt (weitere Infos hier). Im Interview war außerdem Theodora Becker, die einen analytischen, kritisch-theoretischen Blick auf Sexarbeit geworfen hat. Zwischendurch war immer wieder die Vertonung einer Kolumne von Christian Schmacht (Missy Magazine) zu hören, in der verschiedene AutorInnen über ihre Erfahrungen mit Sexarbeit berichten. Ihr könnt hier das ganze Mittagsmagazin nachhören – untenstehend findet ihr dann drei der Interviews, die Radio Corax separat veröffentlicht hat:

    Download: via AArchiv (mp3; 207.3 MB; 2:09:23)

Sexarbeit und Verdinglichung

Das Interview mit Theodora Becker beginnt mit der Geschichte des Internationalen Hurentags: Dem Huren-Streik am 02. Juni 1975 in Lyon, bei dem SexarbeiterInnen auch eine Kirche besetzten. Dann geht es um eine begriffliche Analyse der Sexarbeit und um verschiedene feministische Positionen zur Sexarbeit. Im Bezug auf ältere Beiträge von Theodora Becker ging es auch um die Fragen, inwiefern der Sexarbeit etwas Utopisches innewohnt, inwiefern sie Ausdruck patriarchaler Verhältnisse ist. Im Interview wird auch Bezug auf den Text genommen, den Theodora Becker in dem Sammelband „Grenzsteine – Beiträge zur Kritik der Gewalt“ veröffentlicht hat (zu diesem Sammelband siehe auch dieses Interview).

    Download: via FRN (mp3; 24 MB; 26:24 min)

Stopp dem Prostituiertenschutzgesetz!

Doña Carmen e.V. engagiert sich seit 1998 als Prostituiertenselbsthilfeorganisation für soziale und politische Anliegen von Prostituierten in Frankfurt am Main. Radio Corax sprach mit Juanita Henning über die Arbeit des Vereins, die Schwierigkeiten der Selbstorganisation von SexarbeiterInnen und über Auswirkungen des Prostituiertenschutzgesetzes. Im Interview kritisiert Juanita Henning auch eine Nähe zum Staat, die sie vielen SexarbeiterInnen-Vereinen vorwirft.

    Download: via FRN (mp3; 15 MB; 16:49 min)

Selbstorganisiertes Frühstück von Sexarbeiter*innen

Seit Anfang diesen Jahres findet in Leipzig in den Räumlichkeiten der RosaLinde e.V. ein selbstorganisiertes Frühstück von Sexarbeiter*innen statt. Das „Sexarbeitsfrühstück“ ist ein Format wo Sexarbeiter*innen der Gegend sich vernetzten und austauschen können, da es in Leipzig kaum Angebote für Austausch von Sexarbeiter*innen gibt. Violett, Mitinitiatorin des „Sexarbeitsfrühstück“, erklärt wie es dazu kam.

    Download: via FRN (mp3; 7 MB; 7:09 min)

Da hier größtenteils sex-positiv-feministische Positionen zu hören waren, sei – um die Debatte abzubilden – auch auf zwei Texte verwiesen, die Sexarbeit aus feministischer Perspektive kritisieren: Die Kritische Perspektive rezensiert das Buch „Being and being bought“ der schwedischen Feministin und Marxistin Kajsa Ekis Ekman, die darin eine materialistishe Kritik der Sexarbeit und der Sex-Industrie formuliert – hier. Huschke Mau kritisiert die linke Freude an der Prostitution – ein offener Brief zur Kritik an einem Antrag der Linksjugend Solid.

Tags: , , , , , , , , , , , ,

»Vorwärts und nicht vergessen!«

Sendereihe zur Geschichte der Oktoberrevolution

Vor einem halben Jahr sprachen alle über die Reformation und die Oktoberrevolution. Das Jubiläumsgedächtnis ist kurz – inzwischen wird mit 1968 die nächste Sau durchs mediale Dorf gejagt. Wir halten an dieser Stelle noch einmal inne und dokumentieren untenstehend eine Sendereihe, die Radio Corax im letzten Jahr gesendet hat. Die Sendereihe begleitete eine Veranstaltungsreihe über „100 Jahre Oktoberrevolution“, die von verschiedenen linksradikalen Gruppen in Leipzig organisiert wurde.

Im Rahmen von acht Sendungen wurden 24 Interviews zum Thema geführt. Im Folgenden dokumentieren wir sowohl die einzelnen Interviews, als auch die ganzen Radiosendungen. Das Hören der ganzen Sendungen lohnt sich insofern, als dass die SendungsmacherInnen die Beiträge und Interviews jeweils selbst noch einmal kommentieren und diskutieren – und natürlich sind die Sendungen mit thematisch passenden Musikstücken versehen. Auf die Mitschnitte der Vorträge der Veranstaltungsreihe – insofern vorhanden – verweisen wir in den jeweiligen Beschreibungen.

Sendung 1

Einführung in die Geschichte der Oktoberrevolution

Der Historiker Christoph Jünke gibt im Gespräch einen einführenden Überblick über Ursachen, Akteure, Verlauf und Entwicklung der Oktoberrevolution. Eine wichtige Fragestellung ist dabei, wie und mit welcher Notwendigkeit sich der Stalinismus durchgesetzt hat. Zu Beginn des Interviews kommt Bini Adamczak zu Wort. Im Jahr 2016 hat Radio Corax mit Christoph Jünke ein Interview über den „Großen Terror“ des Stalinismus geführt, das hier nachgehört werden kann. Jünke ist Herausgeber der Anthologie „Marxistische Stalinismuskritik im 20. Jahrhundert“ im Neuen ISP-Verlag.

    Download (via FRN; 49 MB; 36 min)

Revolution und Erlösung – Zur Ideengeschichte des Kommunismus

Um entgegen des materialistischen Selbstverständnis‘ des Kommunismus eine Ideengeschichte des Kommunismus zu skizzieren, muss Christian Schmidt (Uni Leipzig) ihm einen geheimen religiösen Gehalt unterstellen – dies war das Thema seines Vortrags im Rahmen der Leipziger Veranstaltungsreihe. Radio Corax hat vorab mit ihm über sein Vortragsthema gesprochen – der Mitschnitt des Vortrags findet sich hier (via AArchiv; 1:57:38; 188.5 MB).

    Download (via FRN; 19:23 min; 27 MB)

»Der Neue Mensch«

Rainer Rother und Alexander Schwarz haben bei „Absolut Medien“ eine Doppel-DVD unter dem Titel „Der Neue Mensch. Aufbruch und Alltag im revolutionären Russland“ herausgebracht. Darauf sind sowjetische Spiel-, Dokumentar‑ und Trickfilme aus den Jahren 1924 bis 1932 gesammelt. Roger Behrens, der die DVD in Konkret 10/2017 rezensiert hat, bespricht sie im Interview mit Radio Corax.

    Download (via FRN; 24 MB; 17:20 min)

■ Ganze Sendung

Im Gesamtmitschnitt der Sendung ist zusätzlich zu den oben dokumentierten Interviews auch eine Diskussion der Sendungsmacher über Sinn oder Unsinn von Geschichtspolitik enthalten.

    Download (via AArchiv; 160 MB; ca 2 h)

(mehr…)

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Zwischenbemerkung

Zugegebenermaßen ist es etwas ruhig geworden um das Audioarchiv. Sammelbeiträge erscheinen hier nur noch in spärlichen Abständen und – was die Klickzahlen angeht – scheint TheNokturnalTimes inzwischen die größere Relevanz zu haben. Der Grund dafür ist zum einen – es lässt sich leicht denken – die Lohnarbeit, die den Redaktionsmitgliedern auch die Zeit zum archivieren raubt. Zum anderen hat ein Teil der Audioarchiv-Redaktion seine Aktivitäten vermehrt ins Feld der freien Radios verlagert – radio kills the blogsport-star… Die Praxis des Audioarchivs wird sich dementsprechend ändern. Es kann nicht mehr darum gehen mit Anspruch auf annähernde Vollständigkeit linksradikale Theorie-Vorträge zu dokumentieren und zu archivieren. Dazu besteht – im Gegensatz zu den Anfangstagen das Audioarchivs – vielleicht auch nicht mehr die Notwendigkeit: Das Material findet seinen Weg an die digitale Öffentlichkeit. Vielmehr wollen wir diesen Blog nutzen, um auf Audio-Material hinzuweisen, das unseres Erachtens aus den übrigen Veröffentlichungen besonders hervorsticht. Teilweise wird es auch einfach Material sein, an dessen Entstehung wir selbst mitgewirkt haben. Vielleicht gibt es dann im Laufe der Zeit auch wieder Veröffentlichungen in kürzeren Abständen. Bis dahin bleibt das Audioarchiv als ein umfangreiches Archiv bestehen.

No Tags

Der 17. Juni 1953

Arbeiteraufstand oder Volksaufstand?

Kürzlich hat sich wieder der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR gejährt. Die Geschichte der mit diesem Datum verbundenen Ereignisse ist seit jeher Gegenstand einer Deutungsschlacht: Volksaufstand zur Wiedervereinigung Deutschlands, antikommunistischer Putschversuch, sozialdemokratisch orientierte Streikbewegung oder post-nationalsozialistische Zusammenrottung – so lauten verschiedene Deutungen. Als Teil der Geschichte des Staatssozialismus und der Geschichte von Klassenkämpfen ist dieses Datum aber auch Teil der linken Geschichte – und so lohnt es sich, jenseits der verschiedenen Eingemeindungen, sich der widersprüchlichen Wahrheit dieses Ereignisses zu nähern. In diesem Sinne dokumentieren wir hier einige Audiobeiträge zur Geschichte des 17. Juni 1953.

Anmerkung zum Verständnis: In den meisten Beiträgen ist vom RIAS die Rede – gemeint ist damit der „Rundfunk im Amerikanischen Sektor“.

1.) Legende und Wirklichkeit eines Volksaufstandes

Wir beginnen zunächst mit einem Beitrag aus dem Öffentlich-Rechtlichen – schon der Titel des Features zeigt den eher bürgerlichen Charakter des Beitrags an. Zu Wort kommt u.a. der Historiker Ilko Sascha-Kowalczuk. Interessant ist das Feature vor allem aufgrund der zahlreichen O-Töne.

    Download: via BR2 | via MF (mp3; 21 MB; 22:56 min)

2.) Zur Geschichte des 17. Juni 1953

Ein kurzer, etwas älterer Beitrag von Radio Corax gleicht einige Leerstellen des obigen Features aus: So wird hier auf die Multipolarität des Aufstands hingewiesen, dessen Ausrichtung von Ort zu Ort höchst unterschiedlich gewesen ist. Das kurze Feature sammelt auch Stimmen aus der Halle’schen Bevölkerung zum 17. Juni. Zuletzt wird der 17. Juni eingeordnet in die damals wachsende Spannung zwischen den beiden Blöcken. Wer genau hier spricht konnten wir nicht ermitteln. Wer sich für die lokalen Ereignisse des 17. Juni in Halle interessiert, dem sei dieses Interview über den Waggonbau Ammendorf empfohlen.

    Download: via AArchiv (mp3; 11 MB; 6:54 min)

3.) Arbeiteraufstand oder Volksaufstand?

Im Interview mit Radio Corax arbeitet Bernd Gehrke heraus, dass der 17. Juni 1953 vor allem ein Arbeiteraufstand gewesen ist. Er begreift diesen Aufstand vor allem als eine Selbstermächtigung von unten. Im Interview werden die Ursachen und der Charakter des Aufstands recht ausführlich besprochen. Bernd Gehrke gehörte in der Endphase der DDR zur Vereinigten Linken – heute ist er u.a. aktiv im AK Geschichte Sozialer Bewegungen Ost West.

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 60.7 MB; 53:06 min)

4.) 17. Juni 1953 – Deutungen im Widerstreit

Abschließend folgt ein Vortrag, den Jürgen Hofmann (Mitglied im Historischen Beirat der Partei Die Linke) im Juni 2013 in Dresden gehalten hat. Er gibt zunächst einen Überblick über nützliche Quellen und schildert dann anekdotisch die Verläufe des Aufstands, wobei er jeweils den Fokus auf die Besonderheiten verschiedener Städte legt. Im Publikum sitzen einige Zeitzeugen, die dann in der Diskussion einige Eindrücke zusammentragen.

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 56.3 MB; 1:58:59 h)

Labournet stellt eine ausführliche Textsammlung zum 17. Juni 1953 zur Verfügung – darunter auch ein zweiteiliger Text von Bernd Gehrke. Der positiven Deutung Gehrkes setzt Philipp Graf (Roter Salon / Simon-Dubnow-Institut) einige Ausführungen entgegen, die den Aufstand nicht ungebrochen als emanzipatorischen Vorgang deutbar machen.

Tags: , , , , , , , , , ,

Der 2. Juni 1967 und die Folgen

Vor wenigen Tagen jährte sich der Todestag von Benno Ohnesorg zum 50. mal. In den Erzählungen über die Ursachen jener Bewegung, die später mit der Chiffre 1968 bezeichnet wurde, spielt der 2. Juni 1967 eine zentrale Rolle. Am 2. Juni 2017 wurde viel über dieses Datum gesprochen – wir dokumentieren hier einige Beiträge, die unseres Erachtens über eine unpolitische Jahrestagserinnerung hinausgehen.

1.) Benno Ohnesorg – Chronik einer Hinrichtung

Kürzlich hat Margot Overath (die u.a. ein sehr hörenswertes Feature über den Mord an Oury Jalloh produziert hat) ein Feature über die Ermordung von Benno Ohnesorg veröffentlicht. Dafür sprach sie mit Zeitzeugen und am Einsatz beteiligten Polizeibeamten über die Tat, den Tag und die Folgen bis heute. Ergänzend dazu siehe dieses Interview mit Uwe Soukup, der ebenfalls im Feature von Overath zu Wort kommt.

    Download: via SWR2 | via MF (mp3; 74.8; 54:30 min)

2.) Die studentische Linke, der Tod Benno Ohnesorgs und der 6-Tage-Krieg Israels

Ein Feature von Peter Leusch rekonstruiert die Ereignisse jener Jahre unter einem anderen Blickwinkel: Die Ermordung Benno Ohnesorgs geschah kurz vor dem 6-Tagekrieg, in dessen Folge sich die Beziehung der westdeutschen Linken zu Israel grundlegend veränderte. Leusch rekonstruiert diese Diskursverschiebung und geht dabei u.a. auf den Faschismusbegriff der Neuen Linken und ihr Verhältnis zur kritischen Theorie ein.

    Download: via ARD | via MF (mp3; 13.6 MB; 14:54 min)

3.) Das proletatrische 1968

Im Tagesaktuellen Programm von Radio Corax war der 2. Juni ein Anlass, um über 1968 zu sprechen. Ein oft ausgeblendeter Umstand ist, dass 1968 auch mit erheblichen ökonomischen Verschiebungen und mit Klassenauseinandersetzungen verbunden war. Bernd Gehrke und Gerd-Rainer Horn haben hierzu ein Buch mit dem Titel „1968 und die Arbeiter : Studien zum ‚proletarischen Mai‘ in Europa“ veröffentlicht. Radio Corax sprach mit Bernd Gehrke über dieses Buch. (Zum Thema außerdem interessant und materialreich: „Das proletarische 1968″ von Nelke.)

    Download: via FRN (mp3; 32 MB; 27:42 min)

4.) Rekonstruktion einer Niederlage

Der 2. Juni 1967 und der bewaffnete Kampf sind unweigerlich miteinander verbunden – die Bewegung 2. Juni hat das Ereignis zu ihrem Namen gemacht. Der 2. Juni 1967 war eines von mehreren Ereignissen, das zu einer Entwicklung führte, in der die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen dem Staat und linken Gruppen unausweichlich schien. Darüber sprach Radio Corax mit Karl-Heinz Dellwo. Der ist ehemaliges Mitglied der RAF und heute Mitbetreiber des Laika-Verlags. (Das Gespräch enthält in der ersten Hälfte zahlreiche Störgeräusche – das ändert sich ab der zweiten Hälfte.)

    Download: via FRN (mp3; 40 MB; 35:04 min)

5.) Anmerkungen zum Jahr 1968

In den Nachrichten aus dem beschädigten Leben vom 25. Januar 2016 kam Jan Gerber über 1968 zu Wort. Er rekonstruiert 1968 als Teil einer Modernisierungsbewegung des Kapitalismus – die 1968er haben dem Kapital zu einer Neuausrichtung verholfen:

    Download: via FRN (mp3; 13 MB; 7:50 min)

Dieser Kommentar wurde wiederum kritisch von einem Moderatoren von Radio Corax kommentiert:

    Download: via FRN (mp3; 0.7 MB; 4:16 min)

Auf dem Blog der interventionistischen Linken wurde übrigens ein lesenswertes Interview mit einem ehemaligen Mitglied der Bewegung 2. Juni veröffentlicht – die Interventionistische Linke ruft angesichts einiger Jahrestage zu einer Debatte über Geschichtspolitik auf. Zum Thema sei außerdem empfohlen: Johannes Agnoli – 1968 und die Folgen (da dieses Buch über den ça ira Verlag leider nicht mehr lieferbar ist, muss man im Internet findig sein).

Tags: , , , , , , , , , ,

Theater — Realität — Realismus

Im letzten Jahr fand in Berlin unter dem Titel Theater — Realität — Realismus eine Tagung statt, auf der eine Kritik des Gegenwartstheaters diskutiert wurde. Bezugspunkt der Diskussion waren dabei Dramatiker wie Bertolt Brecht, Peter Hacks und Heiner Müller. Mittlerweile liegt die Dokumentation dieser Tagung als sechste Ausgabe der Zeitschrift Kunst, Spektakel & Revolution vor. Aus diesem Anlass dokumentieren wir hier die Audioaufnahmen von der Tagung und Radiosendungen und Interviews im selben Zusammenhang.

A.) Wutpilger-Streiftzüge: Theater — Realität — Realismus

In der Mai-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge (Radio Corax) wurde ein umfangreiches Feature gesendet, in dem bestimmte Diskussionsstränge der Berliner Tagung eingefangen wurden. Zu Wort kommen dabei Tina Turnheim (u.a. EGfKA), Sebastian Tränkle (u.a. Phase 2) und Jakob Hayner (u.a. KSR & Theater der Zeit).

    Download: via Mediafire (mp3; 96.1 MB; 1 h)

B.) Interview mit Jakob Hayner zur Tagung

Im Nachgang der Tagung wurde Jakob Hayner für Radio Corax interviewt. Es geht dabei um eine Bestandsaufnahme des Gegenwartstheaters, den Begriff des Realismus, die Linie Brecht-Hacks-Müller und das Theater in der DDR. Das Interview kann in Textform hier nachgelesen werden. Das Interview wurde auszugsweise auch im obigen Feature verwendet – die ursprüngliche Version ist jedoch noch umfassender.

    Download: via FRN (mp3; 53 MB; 23:13 min)

C.) Interview mit Jakob Hayner zu KSR N°6

Im Vorfeld der Release-Veranstaltung zu KSR N°6 an der Oper in Halle hat Radio Corax erneut ein Interview mit Jakob Hayner geführt. Dabei ging es um das Verhältnis von Avantgarde und Realismus – aber auch um eigene Theatererfahrungen und Debatten um die Oper in Halle.

    Download: via FRN (mp3; 24 MB; 17:46 min)

Im Folgenden nun die Dokumentation der Tagung:

1.) Einleitung zur Tagung

In der Einleitung hat Jakob Hayner noch einmal begründet, warum der Begriff des Realismus sich besonders für eine politische Diskussion über das Theater eignet. Er stellt die Themen der Tagung vor und integriert die einzelnen Vorträge in einen Gesamtzusammenhang.

    Download: via AArchiv (mp3; 32 MB; 23:22 min)

2.) Realismus als ästhetischer Kampfbegriff in Exil- und DDR-Literaturdebatten

Bernadette Grubner (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie, FU Berlin) verortet den Begriff des Realismus historisch und analysiert den Charakter der um diesen Begriff geführten Debatten.

    Download: via AArchiv (mp3; 65 MB; 47:23 min)

3.) Die Explosion der Utopie. Heiner Müller und die Frage der Gewalt

Frank M. Raddatz (Publizist, Dramaturg und Theaterregisseur) zeichnet eine Entwicklung innerhalb des Werks von Heiner Müller nach: Dessen Beschreibung und Bezugnahme auf (revolutionäre, gegenrevolutionäre) Gewalt.

    Download: via AArchiv (mp3; 104 MB; 1:15:54 h)

4.) The world is a stage, but the play is badly cast.

Sebastian Tränkle hat in seinem Vortrag Thesen über Theater und Wirklichkeit vorgetragen. Dabei beschreibt er Tendenzen des Gegenwartstheaters und formuliert eine Kritik dieser Tendenzen, wobei er diese mit Tendenzen der gesellschaftlichen Wirklichkeit abgleicht. Der Vortrag bricht leider ungefähr nach der Hälfte des Vortrags ab – die Batterie des Aufnahmegeräts war erschöpft. Ausführlicher ist Sebastian Tränkle dafür in oben verlinktem Feature zu hören.

    Download: via AArchiv (mp3; 27 MB; 19:44 min)

5.) Against facts?

Der Vortrag von Tina Turnheim trug den Untertitel: Brechts »Realismus der Möglichkeit« als Waffe gegen vermeintliche Sachzwänge, Fatalismus und mangelnde Vorstellungskraft im »kapitalistischen Realismus«. Sie stellt dabei Bertolt Brecht als einen Realisten dar, der Kältestrom und Wärmestrom (Bloch) gleichermaßen integrieren konnte. In ihrem Textbeitrag in KSR N°6 formuliert sie auch eine Kritik an Bernd Stegemann (s.u.). In der Ausgabe 626 der ak hat Tina Turnheim einen Artikel über die Notwendigkeit einer antifaschistischen Offensive am Theater geschrieben. Jakob Hayner hat in der ak 627 darauf geantwortet.

    Download: via AArchiv (mp3; 84,8 MB; 1:01:45 h)

6.) Brechts »eingreifendes Denken« und die Chancen eines Linkspopulismus

Am Abend des ersten Konferenztages referierte Bernd Stegemann (Dramaturg, Autor und Professor für Theatergeschichte an der Ernst-Busch-Schauspielschule), der in Theaterkreisen durch seine Bücher „Kritik des Theaters“ und „Lob des Realismus“ aufmerksam auf sich gemacht hat. In seinem Vortrag geht er jedoch eher weniger auf die Theater-Debatten ein – er spricht über den Begriff des Populismus, auch die Möglichkeit eines Linkspopulismus und zieht hierfür u.a. Bertolt Brecht heran. Der Vortrag war eine Vorarbeit zu seinem inzwischen erschienenen Buch „Das Gespenst des Populismus“. Der Vortrag ist auf der Konferenz kontrovers diskutiert worden.

    Download: via AArchiv (mp3; 117 MB; 1:25:28 h)

7. Das poetische Element ist natürlich nichts Unrealistisches!

Am nächsten Tag referierte zuerst Doris Neumann-Rieser (Mitarbeiterin am Institut für Germanistik der Uni Wien) über Realität und Realismus im Verständnis des Dramatikers Brecht. Dabei ordnet sie mehrere Phasen der Werkentwicklung von Brecht und geht auf einige Stücke ein.

    Download: via AArchiv (mp3; 65.7 MB; 47:52 min)

8.) Drama und Theater

Jens Mehrle (Regisseur und Miterhausgeber der Berlinischen Dramaturgie) referierte zu einem Aspekt des Realismus in Peter Hacks‘ »Berlinischer Dramaturgie«. In seinem Vortrag verteidigt er das Drama gegenüber dem nichtdramatischen Diskurstheater.

    Download: via AArchiv (mp3; 106 MB; 1:17:20 h)

9.) Adorno: Realismus in der verwalteten Welt

Anja Nowak (Researcherin an der University of British Columbia) referierte über Adornos Position zum Realismus. Dabei hat Adorno selbst keine ausgearbeitete Theorie oder Kritik des Realismus vorgelegt, sich aber immer wieder im Zusammenhang von Realismus-Debatten geäußert.

    Download: via AArchiv (mp3; 59.6 MB; 43:27 h)

10.) Realismus und Dramenform

Kai Köhler (Literaturwissenschaftler, u.a. Autor von Literaturkritik) beschreibt Realismus und Dramenform als notwendig aufeinander bezogen und zieht hierfür ebenfalls vor allem Peter Hacks heran.

    Download: via AArchiv (mp3; 55.5 MB; 40:29 min)

11.) Neuer Realismus? – Abschließende Podiumsdiskussion

Auf dem Abschlusspodium waren mehrere der Mitorganisatoren vertreten: Thomas Zimmermann, Max Köhler und Jakob HaynerLukas Holfeld moderierte das Podium. Aspekte der Diskussion waren: Grundlegende Tendenzen der Realität, von der wir sprechen / Zusammenhang von Realismus und Krise / Philosophie und Realismus / Avantgarde und Realismus.

    Download: via AArchiv (mp3; 155 MB; 1:53:21 h)
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Where is an alternative?

Im November des letzten Jahres hat die Leipziger Gruppe The Future is unwritten (assoziiert im Ums-Ganze-Bündnis) eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Where is an Alternative“ durchgeführt. Es ging dabei darum, Modelle einer bedürfnisorientierten Produktionsweise zur Diskussion zu stellen. Wir dokumentieren im Folgenden die Mitschnitte der Vortragsreihe. Zusätzlich stellen wir die Interviews zur Verfügung, mit denen Radio Corax die Veranstaltungsreihe begleitet hat.

1.) Einführung in die Veranstaltungsreihe & Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung

Im Vorfeld der Veranstaltungsreihe hat Radio Corax ein Interview mit einem Genossen von The Future is unwritten geführt. Einerseits ging es um die Veranstaltungsreihe insgesamt, andererseits wurde schon recht ausführlich auf den ersten Vortrag der Reihe eingegangen.

    Download: via FRN (mp3; 26 min; 36 MB)

Im Eröffnungsvortrag haben zwei Mitglieder der Gruppe dann zunächst einige grundlegende Gedanken referiert, was für sie im Wesentlichen eine gelungene Kapitalismuskritik ausmachen muss. Dabei begründen sie auch, warum es für sie notwendig ist, sich schon jetzt Gedanken über Alternativen zum Bestehenden zu machen. Anschließend gehen sie zum eigentlichen Thema des Abends über: Das Buch „Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung“ der Gruppe Internationaler Kommunisten Hollands (GIKH – siehe auch hier) von 1930. Dabei geht es einerseits um deren Kritik des Staatssozialismus und andererseits um ihre Vorstellung, wie Produktion und Verteilung durch eine Arbeitszeitrechnung aufeinander bezogen werden können. In der Diskussion folgen viele skeptische Nachfragen.

Grundprinzipien Kommunistischer Produktion und Verteilung – Gruppe Internationale Kommunisten Hollands

Die raetekommunistische Tradition mit ihren Anfaengen bei Rosa Luxemburg bis zu den Hollaendischen Raetekommunisten kann aus heutiger Sicht als einer der progressivsten linken Stroemungen aufgefasst werden. Vom Widerstand gegen den ersten Weltkrieg bis zur fruehen Kritik des Bolschewismus und des Stalinismus haben sie die trotz der Wirren des politischen Zeitgeschehens richtige politische Entscheidungen getroffen. Hochinteressant fuer die heutige linke Perspektive ist insbesondere, dass die Positionen der Raetekommunist*innen â wie der Name schon verraet sich aus ihren Ideen zur revolutionaeren Umorganisation der gesellschaftlichen Produktion speist, die im Gegensatz zu entsprechenden Ideen ihrer Zeitgenoss*innen standen. Solche Ideen scheinen heute vergessen, erschoepft sich heutige linke Politik doch in systemimmanenten Verbesserungen oder der blossen Ablehnung des Kapitalismus.

Um dem entgegenzuwirken, moechten wir in diesem Vortrag die Grundprinzipien Kommunistischer Produktion & Verteilung der Gruppe Internationale Kommunisten Hollands vorstellen, kritisieren und mit euch diskutieren. Mit direktem Bezug auf Marx entwerfen die Hollaendischen Raetekommunisten hier ein Bild einer beduerfnisorientierten Oekonomie, das auf der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und der Arbeitszeitrechung beruht. Durch die Bestimmung eines exakten Verhaeltnisses zwischen Produzent und Produkt soll die Autonomie der einzelnen Produzent*innen ueber die Produktion gewahrt werden, ohne dass sich ein repressiver Apparat ueber sie erhebt.

Der AK Kommunismus ist ein Arbeitskreis innerhalb der kommunistischen Gruppe the future is unwritten aus Leipzig. Ziel des AK’s ist die Erarbeitung, Diskussion, Kritik und Verbreitung der Ideen zu einer beduerfnisorientierten Ãkonomie als Teil eines linken Projekts zur progressiven Umwaelzung der Produktionsverhaeltnisse.

    Download: via AArchiv (mp3; 1:41:39 h; 35 MB)

2.) Vom Sozialismus zur Wirtschaftsdemokratie

Den zweiten Vortrag hat der Historiker Ralf Hoffrogge (u.a. Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland in der theorie.org-Reihe) gehalten. Im Vorfeld sprach Radio Corax mit ihm über die Forderung nach einer Demokratisierung der Wirtschaft und Aspekte der Arbeiterbewegung:

    Download: via FRN (mp3; 17:55 min; 29 MB)

Der Vortrag war dann im Grunde ein Überblick über bestimmte Strömungen der Arbeiterbewegung in Deutschland: Die Frühsozialisten und präkommunistische Genossenschaften; Schulze-Delitzsch, Ferdinand Lasalle, Augest Bebel, Karl Kautsky, Marx und die frühe Sozialdemokratie; der Kriegssozialismus während des 1. Weltkriegs und die Rätebewegung nach dem Krieg; und das Konzept der Wirtschaftsdemokratie in der Weimarer Republik. Am Ende versucht Hoffrogge die Vorteile und Beschränkungen des Genossenschaftsgedankens einzuholen.

Vom Sozialismus zur Wirtschaftsdemokratie? – Die ArbeiterInnenbewegung und ihre Forderung nach einer Demokratisierung der Produktion

Heute wird die Unterscheidung zwischen Sozialismus und Kapitalismus oft auf den Gegensatz zwischen »Staat« und »Markt« und das Gegensatzpaar »Planung« vs. »Freiheit« reduziert. Im Gegensatz zu dieser landlaeufigen Vorstellung spielte jedoch Demokratie in der Ideengeschichte des Sozialismus eine zentrale Rolle.

Denn seit Beginn der industriellen Revolution kaempfte die Bewegung der Arbeiterinnen und Arbeiter dafuer, die politische Demokratie auszuweiten: gefordert wurde das Frauenwahlrecht und das Ende diskriminierender Regelungen wie dem preussischen Dreiklassenwahlrecht, bei dem Waehlerstimmen nach Steueraufkommen gewichtetet wurden. Darueber hinaus ging es jedoch um die Demokratisierung der Produktion selbst: Bereits im 19ten Jahrhundert entstanden erste Kommunen und Produktivgenossenschaften, sozialistische Gewerkschaften forderten den vollen Arbeitsertrag. Im 20ten Jahrhundert folgten groessere Entwuerfe: Verstaatlichung, Sozialisierung, Raete- oder Wirtschaftsdemokratie. All diese Modelle strebten eine Demokratisierung der Produktion an, unterschieden sich jedoch stark in Reichweite und Taktik. Erdacht, umgesetzt – gescheitert, erreichten sie selten ihr wahres Ziel und veraenderten doch die Welt.

Der Vortrag von Ralf Hoffrogge stellt diese Konzepte am Beispiel der deutschen ArbeiterInnenbewegung vor. Danach ist Zeit fuer Diskussion: ist solidarische und sozialistische Oekonomie eine Utopie von Gestern, oder hat sie ihren Platz in den sozialen Kaempfen von Heute?

Ralf Hoffrogge ist Historiker und Autor der Einfuehrung „Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland“ aus der Reihe theorie.org (Stuttgart 2011). Er ist spezialisiert auf Biographien der Arbeiterbewegung, 2008 erschien sein Werk: Richard Mueller der Mann hinter der Novemberrevolution. Seine Dissertation: „Werner Scholem – eine politische Biographie (1895-1940)“ erschien 2014.

    Download: via AArchiv (mp3; 52:49 min; 18 MB)

3.) Commonismus – selbstorganisiert und bedürfnisorientiert produzieren

Innerhalb der Vortragsreihe wurde auch das Prinzip des Commons diskutiert – hierzu hat Christian Siefke referiert, der u.a. Autor der Plattform Keimform ist (einer Strömung der Commons-Bewegung, die einen wertkritischen Einschlag hat). Commons beschreibt einen Zusammenhang von Ressourcen, die gemeinschaftlich verwaltet werden. Leider liegt von diesem Vortrag kein Audiomitschnitt vor. Dafür gibt es ein Interview von Radio Corax, in dem Siefkes nach den Grundlagen der Commons-Produktion befragt wurde.

    Download: via FRN (mp3; 14:23 min; 23 MB)

4.) Commonismus statt Kommunismus?

Eine Kritik des Commons-Gedankens hat im Rahmen der Reihe Rüdiger Mats (Ex-Mitglied der Gruppe The Future is unwritten, Autor der Phase 2) formuliert. Einige Aspekte dieser Kritik hat er bereits im Vorab-Interview formuliert (dem Interview ist ein Einspieler vorangestellt, in dem Siefkes eine Definition von Commons gibt):

    Download: via FRN (mp3; 12:08 min; 28 MB)

Rüdiger Mats kritisiert in seinem Vortrag, dass die Commons-Idee keine politische Vermittlung denken kann, dass sie gesellschaftliche Konflikte und Interessensgegensätze ausblendet, dass sie letztlich nicht der Komplexität der modernen Gesellschaften entspricht. Dennoch kehrt er am Ende positive Aspekte von Commons hervor. Zuletzt kommt er auch nochmal auf den Eröffnungsvortrag zurück und skizziert eine Kritik der Rätekommunisten und deren Vorstellung von Arbeitszeitrechnung.

Commonismus statt Kommunismus? – Ueber ein Konzept libertaerer Oekonomie ohne Ausbeutung und Herrschaft – Vorstellung und Kritik

In den letzten Jahren werden vermehrt Konzepte von commons- oder peer-basierter Oekonomie diskutiert: Darin nutzen Menschen so genannte Commons, Gemeingueter, die niemandem gehoeren, sondern nur zur Nutzung vergeben werden. Es existiert kein Markt, es gibt keine Planbehoerde, die alles bestimmen darf immer wechselnde Kollektive tun auf Zuruf alles das, was getan werden muss. Ist das zu schoen, um wahr werden zu koennen? Das werden wir diskutieren.

Ruediger Mats promovierte zur Oekonomie des Realsozialismus und veroeffentlicht regelmaessig zu linken Politikkonzepten und zur Idee, Organisierung und historischen Defensive des Kommunismus. Er war bis 2016 Mitglied der kommunistischen Gruppe the future is unwritten aus Leipzig.

    Download: via AArchiv (mp3; 1:45:01; 36 MB)
Tags: , , , , , , , , ,

Die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921

1.) Die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921

Ende März 1921 riefen KPD und KAPD zu einem Generalstreik im Industriezentrum Halle/Merseburg und Leuna auf. Von Mitteldeutschland aus sollte diese Streikaktion an Masse gewinnen und Initialzündung für weitergehende revolutionäre Bestrebungen sein. Doch vergeblich – die besetzten Betriebe wurden von Schutzpolizei und Reichswehr niedergeschossen und tausende radikale Arbeiter wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Diese Ereignisse sind nicht nur wegen ihrer Folgen interessant – um die Gefangenen der Märzaktion freizukriegen, wurde erst die Rote Hilfe gegründet – sondern auch wegen ihres Vorlaufes: Die Neuordnung der linken Parteienlandschaft, das Verhältnis zur KomIntern und die Debatten um einen offensiven oder einen gemäßigten Kurs. Nicht zuletzt sind die mitteldeutschen Märzkämpfe interessant wegen der beteiligten Gruppierungen und Personen – etwa der rätekommunistischen KAPD und dem berühmten Max Hoelz.

Auf Radio Corax ist im März 2017 ein ausführliches Feature erschienen, das die Ereignisse der mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 rekonstruiert. Zu Wort kommen hier Karsten Rudolph (Historiker, Institut für Soziale Bewegungen an der Ruhr Uni), Stefan Weber (Historiker), Norbert Marohn (Autor) und Seb Bronsky (Kommunist).

    Download: via Mediafire (mp3; 1:26:33 h; 138 MB)

2.) Zum Leben und Wirken des Max Hoelz

Ergänzend zum Feature ist in der April-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge ein ausführliches Interview mit Norbert Marohn über Max Hoelz gesendet worden. Norbert Marohn hat eine Hoelz-Biographie geschrieben: Hoelz. Biographie einer Zukunft, erschienen im Lychatz-Verlag. Das Interview behandelt die Kindheit von Max Hoelz, dessen Politisierung durch den Ersten Weltkrieg, seine revolutionären Betätigungen und schließlich seinen Aufenthalt in der Sowjetunion, der mit dem Tod in der Oka endete. Zu hören sind außerdem O-Töne aus den Filmen Max Hölz, der Revolutionär und Wolz. Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten.

    Download: via Mediafire (mp3; 1:05 h; 104 MB)
Tags: , , , , , , , , , , ,

Kunst, Spektakel & Revolution N°5

Beiträge zur Kritik der Gewalt

Wir haben immer wieder die Vortragsmitschnitte aus der Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution dokumentiert. Seit einiger Zeit haben im Rahmen dieses Formats keine Vorträge stattgefunden – trotzdem ist im letzten Jahr eine weitere Ausgabe des gleichnamigen Magazins erschienen, die sich schwerpunktmäßig um einen kritischen Begriff von Gewalt bemüht hat. Um diese Ausgabe herum sind einige Radiobeiträge entstanden, die wir im Folgenden dokumentieren.

1.) Nachrichten aus dem beschädigten Leben

Das Sendungsformat „Nachrichten aus dem beschädigten Leben“ bei Radio Corax hat die fünfte Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution vorgestellt, wobei einer der Mitherausgeber zu Wort kommt. Es wird allgemein über das Thema Gewalt gesprochen.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:24 min; 21,4 MB)

2.) Missverständnisse über Kulturindustrie

Im Rahmen einer Gemeinschaftssendung von FSK und Radio Corax hat Jakob Hayner ein Interview über seinen Beitrag gegeben. Er hat in der KSR N°5 über „Missverständnisse über Kulturindustrie“ geschrieben. Er kontextualisiert den Begriff der Kulturindustrie innerhalb der „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer und grenzt ihn von anderen Begriffen ab, etwa von dem der Massenkultur.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:05 min; 17,9 MB)

3.) Wutpilger-Streifzüge: Zur Kritik der Gewalt

In einer Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge im Dezember 2016 wurde ein längeres Feature gesendet, das auf der fünften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution basiert. Es kommen darin Roger Behrens, Jakob Hayner, Susann Offenmüller und Lukas Holfeld zu Wort. Unter anderem enthält es Auszüge aus einem Mitschnitt einer Heftvorstellung in Hamburg. Das zugrundeliegende Interview mit Jakob Hayner bezog sich auf eine weitere Publikation zu einem ähnlichen Thema: „Grenzsteine – Beiträge zur Kritik der Gewalt“ (Edition Text und Kritik). Es enthält außerdem Passagen aus der Ausgabe 63/2015 der wertkritischen Zeitschrift „Streifzüge“, die sich ebenfalls dem Thema Gewalt gewidmet hat.

    Download: via Mediafire (mp3; 1 h; 96,1 MB)

4.) Wutpilger-Streifzüge: Destruction of RSG-6

Die Novemberuar/2016-Ausgabe von Wutpilger-Streifzüge hat sich ebenfalls der fünften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution gewidmet. Sie enthält einen Vortrag von Lukas Holfeld über die Ausstellung „Destruction of RSG-6″, die im Jahr 1963 von der Situationistischen Internationale in Odense (DK) organisiert wurde. Der Vortrag ist eine Einführung in die Theorie der Situationisten (mit einem Fokus auf deren Verhältnis zur Kunst), schildert Aspekte des kalten Krieges und beschreibt die genannte Ausstellung.

Destruction of the RSG-6

Oder: Wie man die Kunst mit den Mitteln der Kunst zerstört

Im April 1963 veröffentlichte die britische Aktivisten-Gruppe „Spies for Peace“ die Existenz eines geheimen Atomschutzbunker-Systems, das ausschließlich für Mitglieder der britischen Regierung reserviert war: Die „Regional Seats of Government“ (RSG). Mitglieder der Gruppe selbst waren in den RSG-6 in Reading eingebrochen und hatten dort die Pläne der übrigen Bunker gefunden. Die Gruppe veröffentlichte ihre Funde in einer Broschüre, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgte und einen enormen Mobilisierungsschub für die außer-parlamentarische Abrüstungs-Bewegung nach sich zog. Im Juni 1963 eröffnete die Situationistische Internationale eine Ausstellung, die mit dem Titel „Destruction of RSG-6″ überschrieben war. Offensichtlich nahm die marxistische, post-surrealistische Gruppe Bezug auf die Funde in Reading. Aber nicht nur das: Die Galerie zeigte den Stand einer Kritik der Kunst, die die S.I. in den Jahren zuvor erarbeitet hatte.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die fünfte Ausgabe der Zeitschrift „Kunst, Spektakel & Revolution“ und erzählt die Geschichte der Ausstellung „Destruction of RSG-6″. Dabei werden Fotos von der Ausstellung gezeigt. Zugleich sollen Ansätze der kritischen Theorie der Situationistischen Internationale eingeführt werden. Die Ausgaben 3-5 von KSR können beim Vortrag erworben werden. [via]

    Download: via Mediafire (mp3; 1:30 h; 144 MB)

6.) KSR-Heftvorstellung in Berlin

Am 24.07.2016 wurde die fünfte Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution in Berlin im Laidak vorgestellt. Im Vortrag sprechen Julian Kuppe und ein Redaktionsmitglied, das den im Heft enthaltenen Beitrag von Olga Montseny vorstellt. Julian Kuppe umkreist in seinem Vortrag, wie im Spätkapitalismus bzw. in der Postmoderne Identität und Subjektivität prekär werden und was dies für Gesellschaftskritik und Psychoanalyse für Folgen hat. Der andere Vortrag geht ausgehend von den Hamburger Gefahrengebieten darauf ein, wie der Ausnahmezustand zunehmend ein normaler Bestandteil von Ordnungspolitik wird.

Es gibt keine Herrschaft ohne Gewalt. Die Gewalt sachlich vermittelter Herrschaft ist in den Institutionen verborgen und vollzieht sich als stummer Zwang der Verhältnisse. Offen zutage tritt sie in der Peripherie, an den Grenzen, gegenüber „beschwerdearmen Bevölkerungsgruppen“ und im Ausnahmezustand. Sichtbar wird sie auch in der Deformierung der (post)modernen Subjekte. Herrschaft zwingt ihren Gegnern die Frage der Gewalt auf – ist sie einmal in der Welt, muss mit ihr umgegangen werden. Die äußeren Bedingungen und die Wahl der Mittel entscheiden darüber, ob die Revolution ihr (im doppelten Sinne) erliegt. Die im Juli erscheinende fünfte Ausgabe der Broschüren-Reihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ beschäftigt sich auf verschiedenen Ebenen mit der Gewalt der Verhältnisse. Wir wollen im Laidak gemeinsam mit mehreren Autoren einen Einblick in das Heft geben. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 1:04:47 h; 88,9 MB)

Wer darüber hinaus weiter hören möchte – die Homepage von Kunst, Spektakel & Revolution enthält auch ein ausführliches Archiv mit Audiodateien, die im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe und dem Magazin stehen.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Heimat Europa verraten

Ein Rückblick auf die EU im Jahr 2016

Wir dokumentieren im Folgenden ein Feature aus dem Hause Radio Corax, das sich mit den Verschiebungen auseinandersetzt, die sich im zurückliegenden Jahr innerhalb der EU ergeben haben. Es geht dabei um die Geschichte und die Bewertung der EU als supranationales Projekt, die Rolle der Staaten, die im Zuge der Osterweiterung 2004 beigetreten sind, die Debatte um die europäische Flüchtlingspolitik, den Brexit, den recht(sextrem)en Bezug auf Europa und eine linke Kritik der EU. Als Sprecher sind dabei zu hören: Uli Schuster (Simon-Dubnow-Institut Leipzig, Roter Salon), Rainer Trampert („Europa – Zwischen Weltmacht und Zerfall“), Thomas Konicz (Konkret, Streifzüge, „Aufstieg und Zerfall des Deutschen Europa“), Peter Schadt (keinort.de), Usama Taraben (Gegenstandpunkt), Georg Seeßlen (zusammen mit Markus Metz: „Hass und Hoffnung – Deutschland, Europa und die Flüchtlinge“), Jörg Kronauer (German Foreign Policy) und Andreas Peham (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands).

    Download: via AArchiv | via Mediafire (mp3; 172,95 MB; 1 h 48 min)

Die 53. Ausgabe der Zeitschrift „Phase 2“ (Sommer 2016) setzt sich ebenfalls mit einer linken Perspektive auf Europa auseinander.

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

Einführendes zur Kritik des Nationalismus

Es gibt Deutsche, die protestieren vor dem Flüchtlingsheim, wünschen die Ausweisung der Geflohenen und drohen unter Berufung auf die Parole »Wir sind das Volk«, für ihre Nation selbst Hand anzulegen. Und es gibt Deutsche, die empfangen Flüchtlinge am Bahnhof mit Applaus und Sachspenden und sind dann stolz auf Deutschland, weil Deutschland so barmherzig hilft. In den aktuellen politischen Wirrungen wird auf seltsame Weise besonders deutlich, wie unhinterfragt der Bezug auf die Nation in den meisten politischen Lagern ist. Grund genug, einige Vorträge zur Einführung in die Kritik des Nationalismus zusammenzustellen.

1.) Vortrag von Thorsten Mense

Einen sehr kompetenten und gut verständlichen Vortrag zur Einführung in die Kritik des Nationalismus hat Thorsten Mense (u.a. Autor bei Konkret, Jungle World) im Juni 2014 auf Einladung der Linken Liste Siegen gehalten. Er schildert die Geschichte des Begriffs der Nation und des Nationalismus (wobei er eine idealtypische Unterscheidung zwischen französisch-republikanischem und deutsch-kulturellem Nationalismus einführt), geht auf die Spezifik des Befreiungsnationalismus ein und gibt einen Überblick über die kritische Nationalismusforschung (hier hebt er Eric Hobsbawms Buch Nationen und Nationalismus hervor). Dann referiert er über Nationalismus als Ideologie, formuliert eine Kritik des Nationalismus und trägt noch einmal einige Aspekte des Nationalismus zusammen. Die »Linke Liste Siegen« hat im Nachgang des Vortrags eine Literaturliste zum Thema zusammengestellt. Auf der Homepage der Linken Liste gibt es zudem noch weitere interessante Vortragsmitschnitte.

Obwohl die Möglichkeiten grenzüberschreitender Kommunikation und transnationaler sozialer Beziehungen noch nie so groß waren wie heute, ging diese Zunahme globaler Gleichzeitigkeit keineswegs mit einem Abbau national begrenzter Wahrnehmung einher. Die Vorstellung einer Welt aus Völkern und Nationen bestimmt auch weiterhin das Denken und die Politik. Dabei sind Nationen keineswegs naturgegebene Einheiten, sondern von den Menschen selber geschaffene soziale Konstruktionen, die gerade mal 200 Jahre alt sind. In seiner jungen Geschichte führte Nationalismus sowohl zur Befreiung als auch zu Massenmord, zur kollektiven Einforderung gleicher Rechte als auch zur Verweigerung derselben Rechte gegenüber anderen Kollektiven. Vor allem aber dient er als ideologische Grundlage für die Legitimation des Ausschlusses und der Gewalt gegenüber den „Anderen“; als Zwangskollektiv lässt die Nation dabei auch die „Eigenen“ nicht in Ruhe. Wie kommt es aber, dass die Menschen bis heute massenhaft bereit sind, für diese „kümmerlichen Einbildungen der jüngeren Geschichte“ (Benedict Anderson) zu töten, zu sterben oder sich sonstwie aufzuopfern?

In dem Vortrag wird die Entstehung und Entwicklung des Nationalismus nachgezeichnet und aufgezeigt, welche Funktionen er in der widersprüchlichen Moderne erfüllt. Darauf aufbauend soll eine Kritik entwickelt werden, die seinen vielfältigen Erscheinungsformen gerecht wird. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 68 MB; 1:14:17 h) | via archive.org (verschiedene Formate)

2.) Vortrag von Junge Linke gegen Kapital und Nation

Vor einigen Jahren hat die ARAB einen »Erkenntnistag« organisiert, um mal ein bisschen Theorie unter die Gefolgschaft zu bringen. Dafür haben sie sich u.a. einen Vertreter von Jimmy Boyle Berlin / Junge Linke gegen Kapital und Nation eingeladen, der einige Grundlagen zur Kritik des Nationalismus vorgetragen hat. Er fragt danach, wie die nationale Gemeinschaft vorgestellt wird, wie stimmig diese Vorstellung ist und was sie zusammenhält. Dann geht es um das reale Verhältnis der Menschen zum Staat und warum man sich nicht positiv darauf beziehen sollte. So werden verschiedene Formen des Patriotismus/Nationalismus durchgegangen. In der Diskussion geht es dann recht grundlegend darum, was man denn eigentlich tun soll. Texte der Gruppen gegen Kapital und Nation zum Thema Nation und Nationalismus gibt es hier.

    Download: Vortrag (via AArchiv; mp3; 38.1 MB; 41:36 min) | Diskussion (via AArchiv; mp3; 49.6 MB; 54:12 min) | via archive.org (verschiedene Formate)

3.) Vortrag von Roger Behrens

Im Rahmen der Intros (einer Einführungs-Veranstaltungsreihe der Gruppen [a²]-Hamburg, Kritikmaximierung und dem FSK) hat Roger Behrens am 08.12.2011 einen einführenden Vortrag zum Begriff der Nation und zur Kritik des Nationalismus gehalten. Er skizziert vor allem, wie die Idee der Nation aus der Aufklärung und aus dem sich emanzipierenden Bürgertum heraus entstand und wie sich parallel dazu die Ideen von Volk, Gemeinschaft, Gesellschaft und Politik entwickelten. Er fasst Nationalismus als Ideologie der Herrschaftslegitimation und geht am Ende auf neue Formen des Nationalismus ein, die er vor allem als Subjektivierung der Nation fasst.

In diesem Intro geht es um die Kritik des Nationalismus, aber auch die grundsätzliche Frage, was überhaupt Nation und warum sie ein Problem ist. Die Einführung versteht sich historisch und systematisch: Einerseits versucht sie zu klären, warum eine Kritik des Nationalismus immer auch eine Kritik der Nation ist; andererseits soll diese Kritik anhand der Geschichte des Nationalismus bzw. der Geschichte der Nation (des modernen Nationalstaats) formuliert werden. Kritik des Nationalismus ist, auch in Bezug auf seine gegenwärtige Realität und Ideologie, immer Kritik der konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse; dafür sollen weitere, für die Moderne fundamentale Begriffe wie Volk, Kultur oder Tradition in den Blick genommen werden, aber auch Aspekte der Massenpsychologie, der so genannten Biopolitik und der Kritik der politischen Ökonomie. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 56.6 MB; 2:21:16 h) | via freie-radios.net
Tags: , , , , , , , , , , , ,

Nationalsozialismus und soziale Frage

Über den Antikapitalismus der alten und neuen Nazis

Im Rahmen einer kleinen Veranstaltungsreihe über den Nationalsozialismus der Falken Erfurt hat Joachim Bons (Uni Göttingen) einen Vortrag über den Antikapitalismus der Nazis gehalten. Diesen untersucht er anhand von Zitaten von Strasser, Göbbels und Hitler sowie aus dem Stürmer und dem Völkischen Beobachter (und am Rande auch aus aktuellen Nazi-Publikationen). Er plädiert dafür, den Antikapitalismus der Nazis nicht einfach als Demagogie abzutun und stellt gleichzeitig heraus, dass der NS-Antikapitalismus nicht die Überwindung des Widerspruchs von Kapital und Arbeit, sondern deren Versöhnung anstrebt.

Die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ beschwört den „nationalen Antikapitalismus“ und will den „Kapitalismus zerschlagen“ und bereits die Goebbels-Zeitung „Der Angriff“ präsentierte die Nazis als „Todfeinde des heutigen kapitalistischen Wirtschaftssystems“. Was ist von derartigen Aussagen von Parteien zu halten, die gleichzeitig das Privateigentum als naturgegeben anerkennen und dem „genial“ tätigen, wertschaffenden Unternehmer die Unentbehrlichkeit für Volk und Wirtschaft bescheinigen? Drückt sich hier ein genuin antikapitalistischer Impetus oder doch nur ein sozialdemagogisches Täuschungsmanöver aus oder wie sind derartige Aussagen sonst im Gesamtkontext (neo-) nationalsozialistischer Ideologie zu entschlüsseln? Wie war die soziale Frage eingebettet und welche Antworten wurden gegeben? Und nicht zuletzt, was können Gründe für die politische Wirksamkeit dieser Ideologie (gewesen) sein? Diese und weitere Fragen zu Ideologie und Politik des historischen und des akturellen Nazismus wollen wir gemeinsam diskutieren. Mit Joachim Bons aus Göttingen, der an der Uni Göttingen am Seminar für Politikwissenschaften zum Bereich Nationalsozialismus lehrt. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 79.4 MB; 1:26:42 h)
Tags: , , , , , ,

Futuristische Hörspiele

Freispiel ist eine Sendung auf Radio Corax, ein Podium für Ungewöhnliches im Radio, das sich früher möglicherweise Hörspiel nannte. In der Freispiel-Sendung vom 20.09.2015 ging es um die Ursprünge der akustischen Kunst – als sich das Geräusch von der literarischen Vorgabe löste und zum eigenständigen Bestandteil der Komposition wurde. Ralf Wendt (Radio Corax) leitete die Hör-Beispiele ein und Klaus Schöning (Studio Akustische Kunst, WDR) nahm eine historisch-wissenschaftliche Einordnung vor. Zu hören waren u.a. Marinetti, Russolo, Walter Ruttmann, Kurt Schwitters und Raoul Hausmann. Zuletzt wurden aktuelle Beispiele der Hörkunst vorgestellt. Eine hörens-werte Sendung. Der in der Sendung angekündigte Ausschnitt aus John Cages Roaratorio von 1979 ist in dem uns vorliegenden Mitschnitt der Sendung leider nicht enthalten. Roaratorio kann aber vollständig hier oder untenstehend angehört werden. Wer diesen Klängen etwas abgewinnen kann, dem sei die Schallplatten-Serie „An Anthology of Noise & Electronic Music“ empfohlen – schön gestaltet und mit kurzen, informativen Instruktionen zu den sorgsam ausgewählten Stücken.

    Download: via AArchiv (mp3; 75.7 MB; 47:14 min)

(mehr…)

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,