Audioarchiv http://audioarchiv.blogsport.de Emanzipatorische Inhalte zum Hören. Fri, 24 May 2019 17:03:46 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Material zu Johannes Agnoli http://audioarchiv.blogsport.de/2019/05/24/material-zu-johannes-agnoli/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/05/24/material-zu-johannes-agnoli/#comments Fri, 24 May 2019 16:54:00 +0000 MoshMosh AudioClemens NachtmannContext XXIDebatte und DiskussionDemokratieEinfuehrendesFelix KlopotekJoachim BruhnJohannes AgnoliMichael HeinrichRechtspopulismusStaatskritikStephan GrigatTheoriegeschichteThomas Ebermann http://audioarchiv.blogsport.de/2019/05/24/material-zu-johannes-agnoli/ Wir dokumentieren hier – anschließend an den letzten Teil der 68er-Reihe – die Aufnahme einer Diskussionsveranstaltung über Johannes Agnoli, sowie eine ältere Radiosendung über Agnoli.

1.) 50 Jahre Johannes Agnoli – Transformation der Demokratie

Im Dezember 2017 hat die Junge Panke Thomas Ebermann, Felix Klopotek und Jan Giolan von TOP B3rlin zu einer Diskussionsveranstaltung über Johannes Agnoli eingeladen. Thomas Ebermann und Felix Klopotek rekonstruieren die historischen Bedingungen, auf die Johannes Agnoli in seinem (gemeinsam mit Peter Brückner herausgegebenen) Buch Transformation der Demokratie reflektiert hat. Dabei geht es insbesondere um die Frage, inwiefern Elemente des Faschismus in den Wohlfahrtsstaat der Nachkriegszeit eingegangen sind und um den Zusammenhang mit der 68er-Bewegung. Jan Giolan geht auf die Frage ein, inwiefern Agnoli auch für eine Reflexion und Praxis im Umgang mit dem Aufstieg der AfD und des Rechtspopulismus fruchtbar gemacht werden kann. Die Diskussion dreht sich dann um Fragen der Bündnispolitik im Angesichts des Erstarkens rechter Bewegungen. In der Tageszeitung Neues Deutschland ist ein Bericht über den Abend erschienen.

Als der Politikwissenschaftler Johannes Agnoli und der Sozialpsychologe Peter Brückner im Jahr 1967 gemeinsam „Die Transformation der Demokratie“ veröffentlichten, trafen sie damit einen Nerv der beginnenden Revolte. Vor allem die Rezeption von Agnolis radikaler Kritik der parlamentarischen Demokratie innerhalb der außerparlamentarischen Bewegungen brachte der Schrift die Bezeichnung „APO-Bibel“ ein. Agnolis Auseinandersetzung mit dem Repräsentationsprinzip, das er als repressives Befriedungs- und Herrschaftsinstrument analysiert, mündet in die Kritik am konstruktiven Mitwirken in den Institutionen, das lediglich der Aufrechterhaltung der Verhältnisse sowie der Domestizierung der Opposition diene. Als „Staatsfeind auf dem Lehrstuhl“ bestand Agnoli auf Subversion, Destruktion und Aufklärung: „Es dient keinem Herrschaftssystem, wenn die Techniken des Herrschens den beherrschten zum Bewußtsein gebracht werden.“ Während Agnoli seine negationistische Staats- und Institutionenkritik am Beispiel der Grünen und der Linken Jahrzehnte später veranschaulichte und aktualisierte, scheint sie heutzutage angesichts der Angriffe auf die demokratischen Institutionen von Rechts fast anachronistisch. (via)

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2.) Johannes Agnoli – Ein Staatsfeind mit Lehrstuhl

Wir dokumentieren hier eine ältere Sendung von Context XXI. In der Sendung hat Stephan Grigat Auszüge von einer Gedenkveranstaltung für Johannes Agnoli zusammengestellt, die im Juni 2003 in Berlin stattgefunden hat und an der Michael Heinrich, Joachim Bruhn und Clemens Nachtmann beteiligt waren. Michael Heinrich führt aus, dass Agnoli keine Theorie des Staats, sondern eine Kritik des Staats als Form eines objektiven Zwangszusammenhangs formuliert hat. Joachim Bruhn schildert, auf welche Weise Agnoli sich auf den deutschen Idealismus bezogen hat. Clemens Nachtmann führt aus, was nach Agnoli eine Kritik der Politik bedeutet, geht darauf ein, inwiefern nach Agnoli Bestandteile des Nationalsozialismus in die BRD der Nachkriegszeit übergegangen sind und weist auf den Mangel hin, dass Agnoli die Differenz von Post-Faschismus und Post-Nationalsozialismus nicht ausreichend berücksichtigt habe.

    Download: via AArchiv (mp3; 26.5 MB; 57:47 min) | via YouTube

Weitere Beiträge zu Johannes Agnoli im Audioarchiv: Zur Aktualität von Johannes Agnolis ‚Transformation der Demokratie‘ | Das negative Potential – Gespräche mit Johannes Agnoli | Subversive Theorie

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Talkin‘ bout a Revolution?! #3 http://audioarchiv.blogsport.de/2019/05/04/talkin-bout-a-revolution-3/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/05/04/talkin-bout-a-revolution-3/#comments Sat, 04 May 2019 16:04:38 +0000 MoshMosh Audio19561968Arbeit Bewegung GeschichteBewegungsgeschichteCarsten PrienChristoph JünkeDavid BebnowskiFelix KlopotekFranz NeumannHans Jürgen KrahlJohannes AgnoliLeo KoflerNeue LinkePeter BrücknerRadio CoraxTalkin bout a revolutionTheoriegeschichte http://audioarchiv.blogsport.de/2019/05/04/talkin-bout-a-revolution-3/ Theorie und Kritik der ‚Neuen Linken‘

Zum dritten Teil unserer Beitragsreihe über 1968: Die Bewegung von 1968 und die Geschichte der „Neuen Linken“ sind eng miteinander verknüpft, aber sie fallen nicht in eins: Die Neue Linke hat ihre Ursprünge in den 50er-Jahren, bekommt in den Jahren um 1968 herum eine größere Aufmerksamkeit und spielt für die Reflexion des Scheiterns der 68er-Revolte eine wichtige Rolle. Es ist fraglich, ob es die Neue Linke überhaupt gibt, ihre Geschichte ist widersprüchlich: Steht sie anfangs für eine dissident-marxistische, linksradikal-undogmatische, anti-stalinistische Position, die bisherige Modelle von Partei und Gewerkschaft infrage stellt, geht sie später in (neo-)marxistisch-leninistische Theorie- und Organisationsmodelle einerseits, in postmoderne Theorieansätze und „Neue Soziale Bewegungen“ andererseits über. Die Geschichte der Neuen Linken verweist auch auf die Geschichte der Zwischenkriegszeit – sind es doch linkskommunistische oder -sozialistische Theoretiker (meist männliche) aus dieser Zeit, die ab den 50er-Jahren zum Entstehen der Neuen Linken beitragen. Anhand einzelner Personen verweisen wir hier vor allem auf die Theorie(n) der Neuen Linken, wobei stets auch deren Einfluss und Bezug auf 1968 behandelt wird. Herbert Marcuse, der sicher als wichtiger Impulsgeber einer Neuen Linken gelten kann (sowohl in Westdeutschland, als auch in den USA), wird in diesem Beitrag nicht einzeln behandelt – wir verweisen dazu auf diesen Sammelbeitrag.

1.) Ignorierte Vorläufer: Die Neue Linke der 50er Jahre

Dass 1968 nicht vom Himmel fiel – auch und gerade was eine dezidiert linksradikale theoretische Reflexion betrifft –, darauf weist Christoph Jünke (u.a. Autor des Buches „Streifzüge durch das rote 20. Jahrhundert“) hin. Er schildert im Gespräch, wie eine Neue Linke schon in den 50er-Jahren entstand. Es geht um die Bezüge der Neuen Linken auf die alte Arbeiterbewegung, die linken Debatten der Weimarer Republik und die Oktoberrevolution, die Frage des Anti-Autoritarismus und die Staatskritik, um die Aktualität der Neuen Linken.

1968 gab es nicht nur einen Bruch und Entwicklungsschub innerhalb des Kapitalismus, sondern auch das Jahr der „antiautoritären Linken“. An den 60′er Jahren lässt sich nachvollziehen, wie eine „Neue Linke“ in Deutschland entsteht, nachdem zuvor eine linke und/oder revolutionäre Bewegungstradition abgebrochen war. Über diesen Abbruch sprach Radio Corax mit dem Historiker Christoph Jünke. Jünke schreibt vor allem zur Geschichte des Realsozialismus und des Marxismus. (via)

    Download: via FRN (mp3; 43 MB; 27:07 min)

2.) Zauber der Theorie – Ideengeschichte der Neuen Linken in Westdeutschland

Mit der „Ideengeschichte“ der Neuen Linken hat sich das Heft 2018/II der Zeitschrift „Arbeit – Bewegung – Geschichte“ auseinandergesetzt. Im Gespräch schildert David Bebnowski (verantwortlicher Redakteur dieser Ausgabe – seine Einleitung zum Schwerpunkt hier) den Anlass des Themenschwerpunkts und spricht über Ursprünge der Neuen Linken (mit dem Schlüsseljahr 1956), die Rolle der Theorie, die Rolle West-Berlins als Zentrum der Neuen Linken, die Rolle der Universitäten und der Politikwissenschaft. Insbesondere geht es auch um die Rolle Franz Neumanns, zu dem Bebnowski gearbeitet hat.

Im Mai ist die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Arbeit – Bewegung – Geschichte“ erschienen, die sich mit der Geschichte der Neuen Linken auseinandersetzt. Wir sprachen mit David Bebnowski, dem inhaltlich verantwortlichen Redakteur dieser Ausgabe. Wir fragten ihn zunächst nach der Geschichte der Zeitschrift „Arbeit – Bewegung – Geschichte“, die ursprünglich als „JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung” erschienen ist. (via)

    Download: via FRN (mp3; 38 MB; 22:43 min)

3.) Leo Kofler – Ein vergessener Vordenker der Neuen Linken

Eine Zeit lang ging die Theorieentwicklung der Neuen Linken mit Impulsen einher, die vom Frankfurter Institut für Sozialforschung ausgegangen waren – später kam es (wie unten noch zu sehen sein wird) auch zum Bruch mit diesen „Vordenkern“. Es gab jedoch bereits von Anfang an Vorbilder und Einflüsse von Denkern, die der kritischen Theorie Frankfurter Provenience kritisch gegenüberstanden. Zu diesen Figuren gehört auch Leo Kofler, wie Christoph Jünke hervorkehrt, der selbst zu den Schülern Koflers gehört. Er spricht über die politisch-theoretische Herkunft Koflers, über seine Tätigkeit in der außerakademischen Bildungsarbeit und sein Verhältnis zur „Frankfurter Schule“. Siehe Jünkes Kofler-Biografie (PDF) und die Homepage der Kofler-Gesellschaft.

Als marxistischer Theoretiker ist Leo Kofler heute kaum noch bekannt. Dies mag darin liegen, dass sein Denken quer zu eindeutigen Traditionslinien lag: So verband er etwa die politischen Ansätze des Austromarxisten und Linkssozialisten Max Adler mit Motiven des marxistischen Philosophen Georg Lukács. Obwohl Leo Kofler heute kaum noch bekannt ist, kann seine Rolle als Vordenker der 68′er nicht unterschätzt werden – seit Anfang der 50er Jahre war er in der außerakademischen Bildungsarbeit aktiv. Wir sprachen mit dem Kofler-Biographen Christoph Jünke und fragten ihn zunächst nach seinem persönlichen Zugang zu Leo Kofler. (via)

    Download: via FRN (mp3; 40 MB; 24:55 min)

4.) Johannes Agnoli – Ein Staatskritiker mit Lehrstuhl

Johannes Agnoli war Stichwortgeber für die Neue Linke, nahm ihre Impulse in sein eigenes Denken auf und er reflektierte ihre Beschränkungen. Sein Buch „Transformation der Demokratie“ kann als eines der wichtigsten Werke für die Neue Linke in Westdeutschland gelten. Dennoch war er eine Einzelperson, die zu keiner der festen Gruppen der Neuen Linken gehörte. Im Gespräch mit Felix Klopotek geht es um den Lebensweg Agnolis, seine Rolle in verschiedenen Debatten und um Vorwürfe, die immer wieder gegen Agnoli lanciert worden sind. Siehe auch Klopoteks Vortrag über Agnoli.

Das Buch „Transformation der Demokratie“ von Johannes Agnoli verhalf den Aktivisten der außerparlamentarischen Opposition zu einer Kritik desjenigen Staates, dessen Polizeiknüppel sie zuvor auf den eigenen Köpfen gespürt hatten. Agnoli nahm an zahlreichen Debatten der Neuen Linken teil und versuchte den Charakter des antiautoritären Protests (sowie seine Beschränkung) auf den Begriff zu bringen. Wir sprachen mit Felix Klopotek über diesen Staatskritiker mit Lehrstuhl.

Johannes Agnoli wurde 1925 in Italien geboren – das heißt er hat den Faschismus als junger Mann miterlebt. Aber nicht nur das: über die SS meldete er sich bei der Wehrmacht, um an der Seite der Deutschen kämpfen zu können. Wir fragten Felix Klopotek wie Agnoli von einem jungen Faschisten zu einem Theoretiker der Neuen Linken wurde. (via)

    Download: via FRN (mp3; 47 MB; 29:12 min)

5.) Peter Brückner – Ein großer Bruder der ApO

Ein Kollege von Agnoli war Peter Brückner – er hatte etwa einen Essay zu Agnolis „Transformation der Demokratie“ beigesteuert. Während bei Johannes Agnoli der Faschismus Italiens den Erfahrungshintergrund prägte, war es bei Peter Brückner der deutsche Nationalsozialismus – diese Erfahrung hat das ganze Denken Brückners beeinflusst. Brückner begleitete die Debatten der radikalen Linken bis zu seinem Tod und hat dafür als Proffessor immer wieder Stress gekriegt. Christoph Jünke spricht im Interview über Brückners Verhältnis zum SDS und zur antiautoritären Protestbewegung, seine Suspendierungen und seine Reflexionen über den bewaffneten Kampf. Siehe auch: Ein Interview mit Simon Brückner, dem Sohn Peter Brückners, der einen Dokumentarfilm über seinen Vater gedreht hat – und: die Aufnahmen einer Theorie-Praxis-Lokal-Seminarreihe über Brückner.

Der kritische Sozialpsychologe und Hochschullehrer Peter Brückner war ein stetiger Begleiter und Diskussionspartner der radikalen Linken in der Nachkriegs-BRD. Er hatte Kontakt zum SDS, gehört zu den Gründern des Club Voltair in Hannover und sprach sich für das Sozialistische Patientenkollektiv Heidelberg aus. In seinen Texten versuchte er, der Protestbewegung zu einem kritischen Bewusstsein zu verhelfen und kritisierte ihre Beschränkungen. Immer wieder äußerte sich Brückner auch zum bewaffneten Kampf – was ihm eine mehrmalige Suspendierung einbrachte. Wir sprachen mit dem Historiker Christoph Jünke über diesen älteren Bruder der ApO.

Peter Brückner wurde im Jahr 1922 in Dresden geboren – den Nationalsozialismus erlebte er als Jugendlicher. Eine autobiographische Skizze über diese Zeit überschrieb er mit dem Titel „Das Abseits als sicherer Ort“. Wir fragten Jünke zunächst, wie Peter Brückner den Nationalsozialismus überlebte. (via)

    Download: via FRN (mp3; 36 MB; 22:37 min)

6.) Hans-Jürgen Krahl – Ein Theoretiker der Neuen Linken

Rudi Dutschke war nicht nur ein charismatischer Sprecher der anti-autoritären Fraktion innerhalb des SDS – (als Schüler Ernst Blochs) war er auch ein wichtiger Theoretiker der ApO. Christoph Jünke hat dies in einem Text über Dutschke herausgestellt. Während Rudi Dutschke heute nach wie vor als Ikone der 68er gilt, ist Hans-Jürgen Krahl heute nahezu unbekannt – und das, obwohl Krahl innerhalb des SDS mindestens genauso wichtig war wie Dutschke. Als Schüler Adornos hat die kritische Theorie die Perspektive von Krahls Denken maßgeblich bestimmt – und doch hat Krahl eine Kritik an Adornos Positionen erarbeitet. Im Interview rekonstruiert Carsten Prien (u.a. Krahl-Briefe) die politische Sozialisation Krahls und spricht über seine Rolle innerhalb des SDS, Aspekte seiner kritischen Theorie (als einer Theorie der Klassengesellschaft), sein Verhältnis zu Adorno und die Aktualität von Krahls Denken. Siehe auch: Aufnahmen einer TPL-Veranstaltungsreihe über Krahl – und: Krahls „Angaben zur Person“ (verfilmt von der Gruppe Slatan Dudow).

Für den SDS war er ebenso relevant wie Rudi Dutschke, ist aber heute viel weniger bekannt: Hans-Jürgen Krahl. Als Adorno-Schüler versuchte er das theoretische Bewusstsein der außerparlamentarischen Opposition voranzutreiben – seine hinterlassenen Texte zeugen von analytischer Schärfe und Weitsicht. Wir sprachen mit Carsten Prien über diesen Theoretiker der Neuen Linken.

Carsten Prien ist Mitarbeiter des Projekts „Krahl-Briefe“. Wir fragten ihn zunächst nach der Geschichte dieses Projekts. (via)

    Download: via FRN (mp3; 32 MB; 20:05 min)

Im vierten Teil der 68er-Beitragsserie wird es um die Ausläufer und Nachfolger von 1968 gehen.

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Material zu Herbert Marcuse http://audioarchiv.blogsport.de/2019/04/21/material-zu-herbert-marcuse/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/04/21/material-zu-herbert-marcuse/#comments Sun, 21 Apr 2019 16:14:23 +0000 MoshMosh AudioAlexander Neupert DopplerDetlev Claussenkritische TheorieLisa DopplerMarcuseNationalsozialismusPeter Erwin JansenRadia ObscuraRadio CoraxRoger BehrensTim B. MüllerUSA http://audioarchiv.blogsport.de/2019/04/21/material-zu-herbert-marcuse/ Wir stellen hier mehrere Beiträge zusammen, die sich mit dem Leben und Denken von Herbert Marcuse auseinandersetzen. Dies durchaus passend zur gerade Laufenden Beitragsserie über 1968 – hat doch Herbert Marcuse als engagierter Intellektueller wie kaum ein anderer eine Verbindung zwischen der Erfahrung der Novemberrevolution und den Impulsen der Bewegung der 60er Jahre hergestellt.

1.) Leben und Werk Herbert Marcuses

Aus Anlass des 118. Geburtstags von Herbert Marcuse hat Radio Corax im Juli 2016 ein Interview mit Roger Behrens geführt. Ausgehend von der Politisierung Marcuses im Zuge des 1. Weltkriegs geht das Gespräch einigen biographischen Stationen Marcuses nach, um anhand dessen immer wieder Aspekte seines Denkens zu skizzieren.

Einer, der an der Novemberrevolution teilgenommen hat, der bei Heidegger Philosophie gelernt hat, um dann Marx zu entdecken, ein wichtiger Theoretiker des Freudo-Marxismus zu werden und der dann später Stichwortgeber der amerikanischen Studentenbewegung geworden ist – der wurde am 19. Juli 1898, also heute vor 118 Jahren in Berlin geboren und er hieß Herbert Marcuse. Er zählt zu den wichtigen Vertretern der kritischen Theorie – auch wenn er nicht wie Adorno und Horkheimer nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurückgekehrt ist. Wir haben den 118. Geburtstag von Herbert Marcuse zum Anlass genommen, um über sein Leben und sein Denken zu sprechen. Dazu haben wir mit Roger Behrens telefoniert. Begonnen haben wir bei einer Station im Leben von Herbert Marcuse, die eine ganze Generation einschneidend geprägt hat – der erste Weltkrieg. Marcuse war jemand, der ziemlich nah dran war an der Novemberrevolution – das heißt bei Marcuse hat der erste Weltkrieg eine Politisierung nach links bedeutet. Wir haben Roger Behrens gefragt, wie diese Politisierung auch die Entwicklung des Denkens von Marcuse beeinflusst hat. [via]

    Download: via FRN (mp3; 54 MB; 39:40 min)

2.) Kapitalismus und Opposition – Vorlesungen zum eindimensionalen Menschen

Unter dem Titel „Kapitalismus und Opposition“ sind im Herbst 2017 eine Reihe von Vorlesungen veröffentlicht worden, die Herbert Marcuse 1974 an der Universität Vincennes gehalten hat. Die Vorlesungen aktualisieren und konkretisieren Aspekte der Überlegungen, die Marcuse im „Eindimensionalen Menschen“ angestellt hat und entfalten zentrale Motive, die sich durch das Werk Marcuses durchziehen. Herausgegeben wurden diese Vorlesungen von Peter-Erwin Jansen, Lisa Doppler und Alexander Neupert-Doppler. Peter-Erwin Jansen ist der Nachlassverwalter Marcuses. Radia Obscura hat ein Interview mit ihm über Marcuse und das neu erschienene Buch geführt.

2017 ist unter dem Titel „Kapitalismus und Opposition“ ein etwa 150-seitiger Band beim zuKlampen!-Verlag erschienen, in dem die Herausgeber*innen Lisa Doppler, Peter-Erwin Jansen und Alexander Neupert-Doppler in erster Linie eine Vorlesungsreihe abdrucken, die Herbert Marcuse 1974 an der Pariser Universität Vincennes abhielt. Marcuse nimmt darin am Beispiel der USA eine Analyse des Kapitalismus seiner Zeit vor, diagnostiziert einen Konsumkapitalismus und wägt Möglichkeiten seiner Überwindung ab. Ergänzt werden diese Vorlesungen u.a. um eine Einleitung durch Roger Behrens und ein Interview, das Le Monde mit Marcuse führte. Wir hatten die Gelegenheit, Peter-Erwin Jansen, Philosoph und Vorstand der Internationalen Marcuse Gesellschaft (IMS), zu dieser Publikation zu befragen und eine historische und theoretische Einordnung vorzunehmen bzw. vornehmen zu lassen. [via]

    Download: via FRN (mp3; 80 MB; 35:09 min)

3.) Buchvorstellung: Kapitalismus und Opposition

Am 15.03.2019 haben Lisa Doppler und Alexander Neupert-Doppler das Buch Kapitalismus und Opposition. Vorlesungen zum eindimensionalen Menschen in der „Neuen Republik Reger“ in Berlin vorgestellt. Sie geben im Vortrag einen kurzen Überblick über Leben und Werk von Marcuse, um dann folgende Aspekte zu diskutieren: Die Frage nach dem sozialen Ort der Revolution angesichts der Verschiebungen innerhalb der globalen Arbeitsteilung; die Kritik liberaler Ideologie und des autoritären Charakters; die Frage der Opposition im integrierten Kapitalismus. Dabei beschränkt sich der Vortrag nicht auf eine Wiedergabe der Vorlesungen Marcuses, sondern sie versuchen stets einen Bezug zu aktuellen Problemen der Gesellschaftskritik herzustellen.

Herbert Marcuse (1898-1979) wurde vor 50 Jahren berühmt als angeblicher Kopf der Protestwelle von 1968, der er 1969 seine Schrift ‚Versuch über die Befreiung‘ widmete. Die Revolte und deren Reflexion blieben, wie in Marcuses Titel angedeutet, leider ein Versuch. Auch heute noch leben wir im Kapitalismus, wenn auch in anderer Gestalt, auch heute noch gibt es Opposition. Erst durch dieses Fortdauern werden alte Texte interessant und aktuell.

1974 hielt Marcuse sieben Vorlesungen an der Universität Sorbonne in Paris. In erster Linie kritisierte er, als Praktiker der Theorie, bestimmte Entwicklungen im Kapitalismus. Er ging auf die Tendenz zum Monopolkapitalismus ein, die sogenannte postindustrielle Gesellschaft, auf Neoimperialismus, Konsumkapitalismus und den scheinbaren Zerfall alter Autoritäten. Aber auch die Chance der Opposition, zwischen Revolte und Integration, wird diskutiert.

2017 wurden diese Pariser Vorlesungen im zuKlampen-Verlag in deutscher Übersetzung herausgegeben von Peter-Erwin Jansen, Lisa Doppler und Alexander Neupert-Doppler. Freilich nicht aus Nostalgie, welche die größte Feindin der Utopie ist, sondern aus dem Bedürfnis die eigene Situation in ihrem Abstand zu dieser Vergangenheit einzuschätzen. Wie hat sich der Kapitalismus entwickelt? Welche Gelegenheiten findet die Opposition vor?

Lisa Doppler promoviert an der Justus-Liebig-Universität Gießen über Herbert Marcuse und Anknüpfungspunkte für heutige Proteste am Beispiel der Refugeebewegung. Alexander Neupert-Doppler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am IASS in Potsdam. 2013 erschien sein Buch über politische Widrigkeiten (Staatsfetischismus), 2015 und 2018 Bände über Möglichkeiten (Utopie), ein Buch zum Begriff Gelegenheit (Kairós) ist in Arbeit.

    Download: via AArchiv (mp3; 36.8 MB; 1:07:29 h)

4.) Herbert Marcuse und der OSS

Im US-amerikanischen Exil hat Herbert Marcuse von 1942 bis 1951 für den Office of Strategic Services (OSS), den Nachrichtendienst des Kriegsministeriums, gearbeitet. In diesem Rahmen fertigte er einerseits Studien über den Nationalsozialismus an (später erschienen als „Feindanalysen“), nach dem Krieg aber auch über die Sowjetunion und das Denken des Sowjet-Marxismus. Radio Corax hat zwei Gespräche über diese Tätigkeit Marcuses geführt. Im ersten Gespräch mit Dr. Tim B. Müller vom Hamburger Institut für Sozialforschung (der ein Buch über „Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg“ veröffentlicht hat) geht es um die Motivation Marcuses, für den OSS zu arbeiten, um den gesellschaftlich-historischen Kontext, das Verhältnis von Geheimdiensten und Regierung, sowie um die Reaktionen auf Marcuses Tätigkeit für den Geheimdienst.

Herbert Marcuse hat das Denken der Studentenbewegung und der 68er Generation in Deutschland maßgeblich bestimmt und wird sogar manchmal als deren Guru bezeichnet. Seine beiden Werke Triebstruktur und Gesellschaft (1955) und Der eindimensionale Mensch (1964) gehören zu den wichtigsten Büchern der Kritischen Theorie. Um so verblüffender ist es, dass der Held der Außerparlamentarischen Opposition und das geistige Vorbild für radikale Gegner des Kriegs in Vietnam für den US-amerikanischen Geheimdienst gearbeitet hat. Für den Geheimdienst OSS, den Vorgänger der CIA. Wir haben mit dem Historiker Dr. Tim B. Müller vom Hamburger Institut für Sozialforschung gesprochen. Er hat ein Buch geschrieben. „Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg“ heißt das. [via]

    Download: via FRN (mp3; 17 MB; 18:56 min)

Im zweiten Gespräch mit Detlev Claussen (der in der TAZ einen Artikel über die kritische Theorie im Dienst des OSS geschrieben hat) geht es um die Arbeitssituation des Insituts für Sozialforschung im Exil, das wechselseitige Interesse der Intelektuellen des IfS und des OSS, die Faschismus-Analyse(n) von Marcuse und die Vorwürfe der Neuen Linken, Marcuse habe sich als Agent des Imperialismus schuldig gemacht.

Herbert Marcuse, Franz Neumann und Otto Kirchheimer haben als Marxisten im Exil in den USA in den 1940′er Jahren für den amerikanischen Geheimdienst gearbeitet. Die Dokumente dieser Tätigkeit sind nun erstmals auf deutsch erschienen. Wir sprachen mit Detlev Claussen darüber, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam, welche Erkenntnisse die drei über den Nationalsozialismus hatten und wie der Vorwurf zu bewerten ist, Marcuse wäre ein Agent des US-Imperialismus gewesen. Zuerst beantwortet er die Frage, wie die Arbeitsbedingungen des Instituts für Sozialforschung im Exil gewesen sind. [via]

    Download: via FRN (mp3; 37 MB; 16:12 min)
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Talkin‘ bout a Revolution?! #2 http://audioarchiv.blogsport.de/2019/04/14/talkin-bout-a-revolution-2/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/04/14/talkin-bout-a-revolution-2/#comments Sun, 14 Apr 2019 12:42:18 +0000 MoshMosh Audio1968AfrikaAntikolonialismusBernd GehrkeBewegungsgeschichteBiene Baumeister Zwi NegatorChristian FringsChristian StockDDRDetroitDRUMFelix KlopotekInternationalismusItalieniz3wJapanLateinamerikaMalte MeyerMexikoNeue LinkeOperaismusParisPeter ScheiffelePolenRadio Coraxradio dreyecklandRevolutionary League of Black WorkersSituationistische InternationaleTalkin bout a revolutionThomas BremerTlaltelolcoTschechoslowakeiUSAWilliam AndrewsWutpilger StreifzügeZengakuren http://audioarchiv.blogsport.de/2019/04/14/talkin-bout-a-revolution-2/ 1968 als multipolares Weltereignis

1868 war ein multipolares, mehrdimensionales Weltereignis. Nicht nur, dass die von 68 ausgehende Bewegung in ihrem Selbstverständnis internationalistisch war – weltweit brachen in den Fabriken und Universitäten ähnliche Konflikte auf, in der sogenannten 3. Welt formierten sich anti-koloniale Befreiungsbewegungen. Es verallgemeinerte sich die Jugend als eigenständiger Lebensabschnitt, der mit einem spezifischen Warenangebot versehen und mit diversen Konflikten verbunden ist. Es formieren sich überall Gruppen, die sich dissident zum damals vorherrschenden Modell kommunistischer Parteien verhielten und eine Revision des Marxismus vornahmen (später bezeichnet als „Neue Linke“). All dies ist verbunden mit einer wechselseitigen Bezugnahme und gegenseitigen Beeinflussung. (Siehe auch diesen Text.) Im zweiten Teil unser 68er-Reihe (Teil 1 hier) beleuchten wir die internationale Dimension von 1968.

1.) Die Situationisten und der Pariser Mai 1968

Die Situationistische Internationale gehört zu den oben genannten dissidenten Gruppierungen, die bereits ab Mitte der 50er Jahre zu wirken begannen und später zu wichtigen Stichwortgebern der 68er-Revolte geworden sind – wobei es den Situationisten selbst darum ging, der radikalste und theoretisch versierteste Ausdruck der revolutionären Bewegung zu sein. Im Gespräch rekonstruieren Kazimir und Negator (BBZN) die Rolle der Situationisten im Pariser Mai 68 und gehen dabei auf die historische Situation im Frankreich der 60er Jahre ein. (Siehe auch die Buchbesprechung zu „Paris Mai 68 – Die Phantasie an die Macht“. Siehe auch „Midnight Notes: Zwei Sendungen über 1968“.)

In der Nachkriegszeit bildeten sich überall neue, linksradikale Gruppen heraus, die nach Organisierungsmodellen jenseits der kommunistischen/sozialistischen Parteien und der traditionellen Gewerkschaften suchten. Zu ihnen gehörte auch die „Situationistische Internationale“ (1957 – 1972). Die Situationisten waren auch während der Maitage 1968 in Frankreich aktiv. Wir sprachen mit Negator und Kazimir über die Situationisten und den französischen Mai ’68. [via]

    Download: via FRN (mp3; 76 MB; 55:13 min)

2.) Italien: Ein Kampfzyklus 1960-1980

Eine weitere dissidente neo-marxistische Strömung ist später mit dem Stichwort „Operaismus“ bezeichnet worden und ist eng mit den Klassenkämpfen in Italien verbunden. Das besondere an der italienischen Situation besteht darin, dass hier radikale Studentenbewegung und militante Fabrikkämpfe eine Verbindung eingegangen sind und sich die Kämpfe über beinahe zwei Jahrzehnte hinweg zogen – bis hin zu bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen in den 70er Jahren. Über diesen Kampfzyklus und den Operaismus war Christian Frings im Gespräch. (Über Italien siehe auch ein Gespräch mit Thomas Bremer.)

Die Ereignisse, die üblicherweise mit der Chiffre „1968″ bezeichnet werden, zogen sich in Italien über beinahe drei Jahrzehnte hin. Die Auseinandersetzungen waren in Italien besonders intensiv. Wir sprachen mit Christian Frings über die italienische Gesellschaft der Nachkriegszeit, die Ereignisse von 1960 und 1962, die Operaisten, den heißen Herbst 1969, die 77er-Bewegung und die Strategie der Spannung. Am Ende schlagen wir den Bogen zur Gegenwart.

Zunächst fragten wir nach der Nachkriegszeit in Italien. Italien hatte eine faschistische Vergangenheit, hier hatte es jedoch eine starke Resistenza-Bewegung gegeben. Inwiefern hat dies die Nachkriegszeit bestimmt? [via]

    Download: via FRN (mp3; 61 MB; 38:01 min)

3.) 1968 international – ein grenzenloser Aufbruch

Unter dem Titel „1968 international – ein grenzenloser Aufbruch“ hat die Zeitschrift iz3w im Januar/Februar 2018 eine Schwerpunktausgabe veröffentlicht. Die Ausgabe hat sich nicht nur mit 1968 im globalen Süden auseinandergesetzt, sondern auch mit der Geschichte der Zeitschrift selbst – denn 50 Jahre 1968 und 50 Jahre iz3w fielen zusammen (in diesem Zusammenhang hat iz3w auch einiges Audiomarterial veröffentlicht: hier). Im Gespräch mit dem iz3w-Redakteur Christian Stock gibt es einen kusorischen Überblick über 1968 im globalen Süden.

Im Rahmen unserer Sendereihe über 1968 wollen wir den Rahmen des nationalen Geschichtsbewusstseins verlassen und 1968 als ein globales Geschehen in den Blick nehmen. Dazu passend hat die Zeitschrift „iz3w“ im Januar/Februar ein Themenheft veröffentlicht. Wir sprachen mit dem Redakteur Christian Stock über diese Ausgabe und 1968 im globalen Süden. Zunächst baten wir ihn, das iz3w vorzustellen. [via]

    Download: via FRN (mp3; 21 MB; 13:17 min)

4.) 1968 in Afrika

In der im April/Mai 2018 folgenden Ausgabe von iz3w hat Bernhard Schmid einen Artikel mit dem Titel „1968: Révolution Afrique“ geschrieben. Im Gespräch mit Radio Dreyeckland skizziert er Ereignisse um das Jahr 1968 herum in Afrika.

Das magische Revoltenjahr gab es nicht nur in Europa und den USA auch in Mexiko und im frankophonen Afrika war es ein Jahr der Revolte und mehr als ein Anhängsel von Paris oder Westberlin. Der Frankreichskorrespondent von Radio Dreyeckland, Bernard Schmid vertritt sogar die These, dass es den Mai 68 in Paris ohne den Kontakt der französischen Linken jenseits der KP so garnicht gegeben hätte. Das Interview könnt Ihr hier nachhören oder den Artikel im neuen Heft der iz3w nachlesen. [via]

    Download: via RDL (mp3; 8.1 MB; 8;59 min)

5.) Das Massaker von Tlaltelolco

Im oben dokumentierten Gespräch mit Christian Stock (iz3w) wird die harte Repression des mexikanischen Staates gegen die Studentenbewegung von 1968 erwähnt. Zentral war dabei das Massaker von Tlaltelolco – ein Massenmord an 200 bis 300 friedlich demonstrierenden Studenten im Stadtteil Tlatelolco von Mexiko-Stadt. Über diesen Massenmord und seine (ungenügende) Aufarbeitung sprach Radio Dreyeckland mit dem Historiker Julián. (Siehe ein weiteres Gespräch mit Julián über Proteste und Gewalt vor dem 02.10.1968.)

Historiker Julián erzählt uns von einem menschenverachtenden Kapitel der mexikanischen Geschichte, als am 2. Oktober 1968 der Staat der Studierendenbewegung gewaltsam ein Ende setzte. Das „Bataillon Olympia“, war eigentlich für die Sicherheit der olympischen Spiele verantwortlich und verursachte heute vor 50 Jahren ein Blutbad.

Während des ganzen sogenannten „Schmutzigen Krieges“ in Mexiko verschwanden etwa 1.200 Personen; man spricht von Folter und politischen Gefangenen, sogar von einer Geheimpolizei. [via]

    Download: via RDL (mp3; 15 MB; 9:34 min)

6.) 1968 in der DDR, der Tschechoslowakei und Polen

Auch im Ostblock war 1968 ein Jahr der Bewegungen und Proteste – und die Entstehung der „Neuen Linken“ im Westen ist auch von zentralen Verschiebungen im Ostblock beeinflusst (die Geheimrede Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU, der Aufstand in Ungarn 1956, der Prager Frühling 1968). In der DDR lässt sich kaum von einer 68er-Bewegung sprechen – und doch war es auch hier ein Jahr der Proteste und Konflikte. Das ist die These von Bernd Gehrke (AK Geschichte Sozialer Bewegungen Ost West), der im Gespräch einen Überblick über Bewegungen und Ereignisse um 1968 herum in der DDR, der Tschechoslowakei und Polen gibt. (Siehe auch Bernd Gehrke über das „proletarische 1968″ hier.)

Auch wenn in der DDR 1968 keine vergleichbare Revolte stattfand wie in der BRD, war es doch auch hier ein Jahr außerordentlicher Proteste. Dabei ging es sowohl um subkulturelle Bewegungen als auch um Auseinandersetzungen um Öffentlichkeit in den Betrieben.

In der Tschechoslowakei und in Polen fanden unterdessen Ereignisse statt, die für 1968 zentral waren: In der CSSR leuteten Gewerkschaften und kritische Intelligenz den Prager Frühling ein, der schließlich niedergeschlagen wurde. Auch in Polen gab es eine Studentenbewegung, die für eine Demokratisierung des Sozialismus eintrat – sie wurde niedergeschlagen und die Partei leitete eine antisemitische Kampagne ein.

Hinter all dem steht ein längerer Entwicklungsprozess, für den das Jahr 1956 zentral ist: Anfang dieses Jahres sprach Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU über die Verbrechen Stalins – am Ende des Jahres wurde die Räte-Bewegung in Ungarn niedergeschlagen. Die Räte sind immer wieder Bezugspunkt in den nachfolgenden Ereignissen.

Über diese Ereignisse sprach Radio Corax mit Bernd Gehrke. Wir fragten ihn zunächst nach der Quellenlage und danach, woran es liegt, dass „1968 in der DDR“ in der heutigen Öffentlichkeit kaum präsent ist. [via]

    Download: via FRN (mp3; 76 MB; 55:08 MB)

7.) 1968 in Japan

Auch in Japan gab es 1968 eine starke Studentenbewegung, die dort besonders radikal und militant auftrat. Die in Japan geführten Kämpfe, in deren Zusammenhang die Zengakuren zentral waren, wurden weltweit zu einem Vorbild und diese suchten ihrerseits Kontakte zu Gruppierungen der Neuen Linken in anderen Ländern. Die Entwicklung der Bewegung, ihre Militarisierung und Sektenbildung, hat für die Japanische Linke bis heute traumatisierende Folgen. William Andrews hat eine Forschungsarbeit unter dem Titel „Japanese Radicalism and Counterculture, from 1945 to Fukushima“ veröffentlicht. Ein erweiterter Auszug aus diesem Buch über die Japanische Rote Armee ist in deutscher Übersetzung bei Bahoe Books erschienen. Andrews sprach mit Corax über 1968 in Japan. Das Interview wurde in englischer Sprache geführt.

Die Stärke der japanischen Linken strahlte in den 1960er Jahren in die ganze Welt. Die Studierendengewerkschaft Zengakuren machte aus den japanischen Universitäten verbarrikadierte Stützpunkte und Ausbildungszentren des Klassenkrieges. Auf riesigen Demonstrationen kämpften tausende behelmte und mit Stöcken bewaffnete Studenten gegen die Polizei. Auf internationalen Konferenzen mit Gruppen wie den Students for a Democratic Society, dem Weather Underground, den Black Panthers oder dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund, wurde versucht durch intensive Vernetzung eine weltweite simultane Revolution denkbar zu machen. Hierzulande ist über 1968 in Japan jedoch relativ wenig bekannt.

William Andrews lebt in Tokyo und forscht zur Geschichte der sozialen Bewegungen in Japan. Wir sprachen mit ihm per Skype und fragten ihn zunächst, wie sein Interesse an der japanischen Geschichte zustandekam und nach den Gründen, letztlich nach Japan zu ziehen. [via]

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8.) DRUM Beats Detroit – Schwarze Fabrikrevolten 1968

1968 war Detroit ein Zentrum der Fabrikrevolten, die eng mit antirassistischen Kämpfen verbunden waren. Die Heftigkeit und Militanz der Bewegung in Detroit ist historisch verbunden mit der Rolle der Stadt im 2. Weltkrieg, den ökonomischen Verschiebungen nach 1945 und der rassistischen Segregation. Auch in Detroit enstanden Gruppierungen der Neuen Linken, die marxistische Analyse und eine Thematisierung der spezifischen Situation schwarzer FabrikarbeiterInnen miteinander verbanden. Christian Frings, Felix Klopotek, Malte Meyer und Peter Scheiffele haben einen Text darüber geschrieben. Auf Basis dieses Textes und eines Interviews mit Felix Klopotek ist im Rahmen der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge ein einstündiges Feature entstanden. (Siehe auch ein Interview in der Jungle World.)

    Download: via archive.org (mp3; 137.3 MB; 1 h)

Im nächsten Teil der Beitragsserie widmen wir uns den Theoretikern der „Neuen Linken“.

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Die Umrisse der Weltcommune und ihre Kritik http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/27/die-umrisse-der-weltcommune-und-ihre-kritik/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/27/die-umrisse-der-weltcommune-und-ihre-kritik/#comments Wed, 27 Feb 2019 08:15:47 +0000 MoshMosh AudioArbeitszeitrechnungDebatte und DiskussionFreundinnen und Freunde der klassenlosen GesellschaftHannes GiesslerHannes Giessler FurlanKommunismusProduktion und Verteilung http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/27/die-umrisse-der-weltcommune-und-ihre-kritik/ Im März 2018 haben die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft den Text „Umrisse der Weltcommune“ veröffentlicht (siehe auch die Vorstellung des Textes hier). Der Text soll dem eigenen Anspruch nach eine kommunistische Gesellschaft nicht „ausmalen“, verstößt aber dezidiert gegen ein „Bildverbot“, indem er Voraussetzungen und Anforderungen an eine kommunistische (Re)Produktion und Verteilung skizziert. Seit Erscheinen dieses Diskussionsaufschlags sind zwei Texte erschienen, die eine Kritik der „Umrisse“ formuliert haben und dabei beide insbesondere die Arbeitszeitrechnung als wichtiges Element kommunistischer Produktion und Planung gegen die „Klassenlosen“ verteidigen: „Eine kommunistische Arbeitszeitrechnung – kein Element der »Weltcommune«?“ von Jakob Koekepann und „Kritik von Hermann Lueer an den Thesen zur Weltcommune“.

Im Mai 2018 hat Hannes Giessler-Furlan ein Buch mit dem Titel „Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie“ veröffentlicht, in dem er eine Kritik des Kommunismus formuliert, „die dessen Beweggründe teilt und der Marx’schen Kritik der kapitalistischen Gesellschaft verbunden ist“ (siehe auch das Gespräch mit Giessler-Furlan über sein Buch, hier). Das Buch enthält keine explizite Kritik der Thesen der Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft, formuliert aber eine Skepsis an Vorstellungen einer freien Assoziation der ProduzentInnen, wie sie die Klassenlosen skizzieren, bzw. versucht Widersprüche und Schwierigkeiten solcher Vorstellungen aufzuzeigen. Folgerichtig hat sich Hannes Giessler-Furlan mit Christian und Felix von den „Klassenlosen“ im Conne Island in Leipzig getroffen, um gemeinsam über die „Umrisse der Weltcommune“ zu diskutieren.

Hannes Giessler-Furlan macht den Aufschlag, auf den dann Christian und Felix reagieren, anschließend wird die Diskussion zum Publikum geöffnet. Das Gespräch dreht sich vor allem um zwei Phasen des Kommunismus: Eine erste Phase, die von Mangel und Not (oder zumindest von erschwerenden Begleitumständen) geprägt ist, in der eine Arbeitszeitrechnung vorausgesetzt ist, die auch den Zugang zum Konsum reguliert. Eine zweite, höhere Phase, in der der Anspruch „Jede nach ihren Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen“ durchgesetzt ist. (Bezugspunkt hierbei: Marxens Kritik des Gothaer Programms.) Es werden für und wider, Notwendigkeit oder Obsoleszenz, Widersprüche und Fallstricke der ersten Phase diskutiert. Insgesamt geht es um das Spannungsverhältnis zwischen Selbstverwaltung und allgemeiner Vernunft, Vergesellschaftung und Freiheit des Individuums.

Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft haben jüngst mit ihrem Text Umrisse der Weltcommune eine »Verständigung über die Grundzüge der klassenlosen Gesellschaft« eingefordert bzw. einen »Streit darum, wie man die alte Welt hinter sich lassen kann«. Das Wesensmerkmal einer solchen Gesellschaft, soweit legen sich die Verfasser fest, wären die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und die Auflösung des Staates in einem Geflecht von Räten.

Hannes Giessler Furlan hat etwa gleichzeitig sein Buch Verein freier Menschen? veröffentlicht, in dem er zwar an der Einsicht festhält, dass es so, wie es ist, nicht bleiben darf, andererseits aber konstatiert, dass der Kommunismus nicht an äußeren Umständen, sondern an der eigenen Idee gescheitert ist und daher einstweilen im Stadium selbstkritischer Aufarbeitung verbleiben muss.

Beide Standpunkte sollen an dem Abend zur Diskussion gestellt werden, vor allem mit Blick auf folgende Fragen: Gibt es heute in der Realität überhaupt Tendenzen und Potentiale, die gen Weltcommune weisen? Wie wären Produktion und Verteilung zu organisieren, wird es eine Arbeitszeitrechnung und Lohn geben? Lässt sich eine globale Industriegesellschaft zugleich rätedemokratisch und planmäßig-rational gestalten? Und würden Industrie, Technik und Wissen, wie sie eine freiere Gesellschaft zunächst von der jetzigen erben würde, mehr nützen oder schaden?

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Rüdiger Mats hat in der JungleWorld einen kritisch kommentierenden Bericht zur Veranstaltung veröffentlicht. Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft haben in der Veranstaltung angekündigt, demnächst eine Kritik des Buches von Hannes Giessler-Furlan zu veröffentlichen. Hermann Lueer hat in seinem Beitrag auf den Text „Weltgesellschaft ohne Geld. Überlegungen zu einer Perspektive jenseits der Warenform“ von Norbert Trenkle verwiesen, der aus wertkritischer Perspektive auf dem gleichen Spielfeld spielt. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass es um die Grundrisse einer kommunistischen Produktionsweise geht, nicht um die Frage des Wegs dort hin. Wo wir bei kritischen Denkern sind, die den Kommunismus kritisch durchdenken – Holger Marcks von der FAU hat genau dies im Gespräch mit Radio Corax auf der Ebene der Revolutionstheorie und für die Frage der Gewalt getan.

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Mütterimagines, Mückenstiche und die selbstverschuldete Unmündigkeit der Frau http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/22/muetterimagines-mueckenstiche-und-die-selbstverschuldete-unmuendigkeit-der-frau/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/22/muetterimagines-mueckenstiche-und-die-selbstverschuldete-unmuendigkeit-der-frau/#comments Thu, 21 Feb 2019 22:24:02 +0000 MoshMosh AudioAntideutsche TheorieAntifeminismusConne IslandConstanze StutzDebatte und DiskussionFeminismusFeministische InterventionGeschlechterverhältnisseKoschka LinkerhandLeipzigMagnus Klaue http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/22/muetterimagines-mueckenstiche-und-die-selbstverschuldete-unmuendigkeit-der-frau/ Zum Zusammenhang von einseitiger Ideologiekritik und antifeministischer Regression – Ein Vortrag der Feministischen Intervention

Am 30.01.2019 fand im Conne Island eine Diskussionsveranstaltung zum antideutschen Antifeminismus statt. Dabei ging es insbesondere um die Positionen von Magnus Klaue, Thomas Maul und David Schneider, die sich u.a. in der Bahamas #78 nachlesen lassen. Die Veranstaltung war auch eine Reaktion auf Vorträge von Thomas Maul und Magnus Klaue im Conne Island. Der Vortrag hatte drei Teile: Im ersten Teil hat Sarah (es wird nur der Vorname genannt) einige Aussagen von Maul, Klaue und Schneider analyisiert. Sie geht dabei insbesondere auf die ökonomische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ein, und was diese mit dem Geschlechterverhältnis zu tun haben. Sie skizziert das Problem einer einseitigen Ideologiekritik, die sich nicht mehr auf ökonomische Verhältnisse bezieht. Im zweiten Teil führt Constanze Stutz aus, inwiefern Antifeminismus eine regressive Reaktion auf gesellschaftliche Widersprüche und Krisenerscheinungen ist und was das mit Männlichkeit zu tun hat. In diesen Zusammenhang ordnet sie auch den antideutschen Antifeminismus ein. Im dritten Teil skizziert Koschka Linkerhand ein notwendiges Spannungsverhältnis zwischen Realpolitik und grundlegender Gesellschaftskritik, das in Teilen der antideutschen Theoriebildung einseitig aufgelöst werde. Sie formuliert die Notwendigkeit einer feministischen, materialistischen Gesellschaftsanalyse. In den Referaten gibt es mehrere Bezüge auf den Text „Raus aus der Comfort Zone. Für eine feministische Position in antideutscher Gesellschaftskritik“, den der Antifaschistische Frauenblock vor etwa zehn Jahren veröffentlicht hat. Bei Minute 32:30 gibt es eine technik-bedingte Unterbrechung der Aufnahme.

Eine Befindlichkeit vorab: Die Welt geht unter und wir diskutieren den Frauenhass von Magnus Klaue und Thomas Maul. Aber da wir an der Notwendigkeit einer linken, feministischen Gesellschaftskritik festhalten und das Conne Island als zentralen Veranstaltungsort der Leipziger Linken nicht unkommentiert diesem offenen Antifeminismus überlassen wollen, diskutieren wir heute Abend über Magnus Klaue und Thomas Maul.

Innerhalb des letzten Jahres haben die beiden Bahamas-Autoren in ihren Artikeln und Vorträgen im Conne Island eindrucksvoll vorgeführt, wie weit die antifeministische Regression einiger antideutscher Theoretiker fortgeschritten ist: Kritik heißt bei ihnen mittlerweile, Feministinnen als »brutal verdummt« zu verunglimpfen. Kaum des Lesens und Schreibens mächtig und unabgelöst von ihren Müttern, seien sie so unwillens wie unfähig, »Männer, sei es sexuell oder gar intellektuell, zu befriedigen«. Dass Feministinnen sich und ihren antideutschen Kritikern diese Befriedigung versagen, beklagen ideologiekritische Pamphlete, die mit einer Analyse des kapitalistisch-patriarchalen Istzustands nicht viel zu tun haben.

Der Vortrag soll erhellen, wie sich – während Nazis, Islamisten und die Klimakatastrophe auf dem Vormarsch sind – die krisenhafte Verfasstheit des männlichen Subjekts auch in den autoritären Auswüchsen antideutscher Kritik zeigt. Wir fordern eine Ideologiekritik, die sich nicht für die Rundumschläge gekränkter Theoretikermännlichkeit eignet, sondern Ideologien in Beziehung zu den Verhältnissen setzt, die sie hervorbringen. Weder Islamkritik noch die Kritik am Queerfeminismus darf den Mäulern und Klauen antideutscher Antifeministen überlassen werden. Denn die haben immer noch nicht verstanden, dass das bürgerliche Subjekt, das sich wesentlich über kapitalistische Sphärentrennung und damit die Abspaltung von Weiblichkeit und Reproduktion konstituiert, nicht das Sehnsuchtsziel einer feministischen Gesellschaftskritik sein kann. Der Vortrag plädiert dafür, antideutschen Antifeministen zukünftig lieber den Felsenkeller oder das Haus Auensee als Vortragsort anzuempfehlen und sich einem materialistischen Feminismus als adäquater Gesellschaftsanalyse zu widmen.

Vortrag:

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Diskussion:

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Neuer Imperialismus, Demokratie und autoritärer Staat http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/14/neuer-imperialismus-demokratie-und-autoritaerer-staat/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/14/neuer-imperialismus-demokratie-und-autoritaerer-staat/#comments Thu, 14 Feb 2019 17:45:01 +0000 MoshMosh AudioAchim SzepanskiAnarchismusAufstandAutoritärer StaatChinaConne IslandCrimethIncDemokratiekritikHanna PoddigImperialismusJoshua CloverMichéle WinklerNeue PolizeigesetzePolizeiRadio CoraxRalf RuckusRichard BachmannSophie PerthusStaatskritikUSA http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/14/neuer-imperialismus-demokratie-und-autoritaerer-staat/ Wir dokumentieren hier eine Reihe von Veranstaltungen des Conne Island Infoladens, die mehr oder weniger thematisch zusammenhingen und sich mit Staat(skritik), Demokratie, Polizei, Aufstand, Imperialismus, … auseinandergesetzt haben:

1.) Zur Theorie des Riots – Anmerkungen zur Staatsfaschisierung

Im ersten Teil des Vortrags führt Richard Bachmann in die Theorie ein, die Joshua Clover in seinem Buch Riot.Strike.riot entwickelt hat. Zentrale These ist dabei, dass der Träger einer jüngeren Welle von Riots das Surplus-Proletariat sei (zum Surplusproletariat siehe auch das Interview mit / den Text von den FreundInnen der klassenlosen Gesellschaft), das sich in den Riots Mittel zur eigenen Reproduktion aneignet. Ein Artikel von Joshua Clover findet sich in deutscher Übersetzung im Buch „RIOT – Was war das los in Hamburg“ (siehe auch: Da war doch was in Hamburg). Es wird dann ausgeführt, welche Rationalität in dem Umstand besteht, dass der Riot vor allem an der Zirkulationssphäre ansetzt. Im zweiten Teil führt Achim Szepanski (u.a. NON) einige Thesen zur „Staatsfaschisierung“ aus. Staatsfaschisierung ist für Szepanski ein Behelfsbegriff, der keine allgemeine Faschisierung der Gesellschaft bedeutet, sondern eine zunehmende Dominanz exekutiver Teile des Staats. Mit Bezug auf Nicos Poulantzas (Stichwort „autoritärer Etatismus“) skizziert er die zunehmende Präventionslogik polizeilichen und staatlichen Handelns. Am Ende bezieht er diese Überlegungen auch auf die aktuellen Ausformungen des Rechtspopulismus. Drei Essays zum Thema hat Szepanski im Laika-Verlag veröffentlicht. Ein Vorabinterview zum Vortrag mit Radio Corax findet sich hier, die Diskussion im Anschluss des Vortrags hier.

Wir leben in Zeiten der Aufstände. Und sie haben ihre materialistische Grundlage. So lautet eine der Kernaussagen von Riot.Strike.Riot: The New Era of Uprisings (2016) des us-amerikanischen Professors Joshua Clover. Die gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich geändert, so dass gegenwärtige Kämpfe zumeist die Zirkulationssphäre des Kapitals betreffen und folglich andere Formen der Auseinandersetzung erfordern. Der Streik hat in seinem oftmals geregelten Ablauf die einstmalige Schärfe verloren. So ist es nicht verwunderlich, wenn es zuletzt häufiger zu Blockaden der Verkehrsströme oder der Logistikzentren kam. Um all dies zu begreifen, bedarf es daher einer dezidiert materialistischen Theoretisierung des Aufstands (Clover).

So sehr sich die Formen der Auseinandersetzung verändern, so sehr verändert sich auch staatliches Vorgehen darauf. Kontrolle, Normierung und Repression sind die Folge immer neuer Gesetze, wie es aktuell im Verfolgungseifer der G20-Repression oder den Polizeigesetzen zu sehen ist. Als Staat des Kapitals ist dieser notwendig von einer möglichst reibungslosen Entwicklung abhängig und übersetzt den objektiven Zwangscharakter der Reproduktion in seine politische Form (Szepanski).

In einem ersten Input wird Richard Bachmann auf zentrale Thesen von Joshua Clover eingehen. Im zweiten Teil wird sich dann Achim Szepanski einiger Anmerkungen zur strukturellen Staatsfaschisierung widmen.

    Download via AArchiv / via FRN (mp3; 93 MB; 1:07:47 h)

2.) Drohende Gefahr – Neue Polizeigesetze & autoritäre Zuspitzung

Der Vortrag über die Neuen Polizeigesetze hatte zwei Teile: Im ersten Teil erläutert Michèle Winkler (Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V., Sprecherin des Bündnis „Nein zum neuen Polizeigesetz in NRW“) die Veränderungen, die sich durch die jüngsten Verschärfungen der Polizeigesetze ergeben. Dabei legt sie u.a. einen Fokus auf Bayern, dessen Polizeigesetz als Vorbild für die Veränderungen in vielen anderen Bundesländern gilt. Im zweiten Teil geht Sophie Perthus aus sozialwissenschaftlicher Perspektive näher auf die strukturellen Veränderungen innerhalb der Polizei ein. Sie argumentiert für die These, dass die Polizei immer mehr ein politischer Akteur wird, der zur Bearbeitung sozialer Probleme ermächtigt ist – soziale Konflikte werden zunehmend als Sicherheitsproblem verhandelt. Am Ende formuliert sie auch eine Kritik am Conne Island. Die Diskussion im Anschluss des Vortrags findet sich hier.

Am 25. Mai wurde ein neues „Polizeiaufgabengesetz“ in Bayern verabschiedet. Es enthält eine Fülle an neuen Befugnissen für die Polizei, wie Ausspähung, Überwachung des öffentlichen Raums und optische/akustische Mustererkennung per Algorithmus. Ähnliche Gesetzesentwürfe liegen für Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen (NRW) und Sachsen auf dem Tisch. Verbindendes Element bei allen Entwürfen ist der bloße Verdacht bzw. die „drohende Gefahr“ um mit einer Vielzahl an rechtlichen Mitteln die Kontrolle jedes Einzelnen zu intensivieren und unliebsames Handeln zu bestrafen – bis hin zum präventiven Freiheitsentzug.

Doch das Gesetz in Bayern wurde nicht ohne Protest verabschiedet. Mehrere zehntausend Menschen versammelten sich zu einer zentralen Demonstration in München und nahmen an einem Schüler*innenstreik teil. Auch in NRW demonstrierten rund zwanzigtausend Menschen gegen den Gesetzesentwurf, in Niedersachsen und Sachsen sind Proteste bereits angekündigt.

Wir wollen mit Michèle Winkler (Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V., Sprecherin des Bündnis „Nein zum neuen Polizeigesetz in NRW“) über die autoritären Maßnahmen diskutieren und inwiefern zielführender Protest dagegen organisiert werden kann. Ebenso soll es dabei um eine Einbettung in den gegenwärtigen Rechtsruck gehen. In einem zweiten Input wird Sophie Perthus auf die sächsischen Zustände konkreter eingehen und aufzeigen, wie die Polizei in den letzten Jahren zunehmend ihre angedachte Funktion erweitert hat und als politischer Akteur auftritt, um gesellschaftliche Prozesse zu beeinflussen.

    Download: via AArchiv / via FRN (mp3; 76 MB; 57:47 min)

3.) From Democracy to Freedom – der Unterschied zwischen Regierung und Selbstbestimmung

Am 11.12.2018 wurde im Conne Island im Gespräch mit Hanna Poddig das Buch „From Democracy to Freedom – Der Unterschied zwischen Regierung und Selbstbestimmung“ von Crimethinc vorgestellt. Dabei ging es zunächst um die Herkunft von Crimethinc und die Positionierung dieses Netzwerkes innerhalb des Anarchismus. In Anlehnung an das Buch wurden dann Aspekte der Demokratie-Kritik vorgestellt. Im nächsten Schritt wurden dann Erfahrungsberichte aus dem jüngeren Bewegungszyklus in Spanien, Griechenland, USA und Bosnien vorgestellt. Dabei gab es einen Fokus auf eine Kritik an Formen direkter Demokratie bzw. des Konsensprinzips, wobei insbesondere ein Formenfetisch innerhalb von Organisierungsdebatten kritisiert wurde, wenn sie zu Ungunsten der Inhalte und von Entscheidungsfähigkeit gehen. Insbesondere letzteres weist eine Analogie zu dem auf, was das Unsichtbare Kommitee in „An unsere Freunde“ entwickelt hat. Die Publikumsdiskussion im Anschluss an das Gespräch findet sich hier. Zu Crimethinc siehe auch: Message in a bottle.

Demokratie wollen alle. Es ist das politische Ideal schlechthin – über alle inhaltlichen Gräben hinweg. Mehr Demokratie ist eine Forderung, die stets von sich oppositionell wähnenden Gruppen eingefordert wird. Dabei ist die konkrete Vorstellung von mehr Demokratie sehr unterschiedlich. Wo einige nach direkter Demokratie streben um sich als „Volkswille“ zu inszenieren, sehen andere Konzepte eine Vielzahl an Föderationen ohne Zentralstaat vor. Es benötigt also einmal mehr Maulswurfsarbeit, um sich dem Begriff zu nähern und Erkenntnis daraus zu ziehen.

Das anarchistische Netzwerk CrimethInc untersucht in seinem Buch den Unterschied zwischen Regierung und Selbstbestimmung. Hierzu wird Demokratie historisch beleuchtet und soziale Bewegungen der jüngeren Vergangenheit in mehreren Ländern reflektiert.

Im Rahmen eines Gesprächs mit Hanna Poddig möchten wir uns der Thematik widmen und laden herzlich zur gemeinsamen Diskussion ins Conne Island ein.

    Download: via AArchiv / via FRN (mp3; 87 MB; 49:17 min)

4.) Chinas neuer ,Imperialismus‘ und die Konfrontation mit den USA

Ralf Ruckus hat in seinem Vortrag die aktuelle polit-ökonomische Verfasstheit und die damit verbundenen außenpolitischen Bestrebungen Chinas skizziert. Dabei geht er u.a. auf die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft seit den 70er Jahren, die ökonomische Entwicklung seit der Krise 2007/08 und auf den gegenwärtigen „Handelskrieg“ mit den USA ein. Er wirft jeweils Schlaglichter auf Demographie, Preisentwicklung, Klassenkämpfe, Repression, Opposition und Linke in China. Zuletzt diskutiert er verschiedene linke Perspektiven auf China. Leider ist die Aufnahme etwas verhallt. Außerdem verweist er immer wieder auf Grafiken und Folien – zumindest eine Grafik ist in einem Artikel enthalten, den Ruckus für die WOZ geschrieben hat. Zu China siehe auch die Wildcat im Interview, „These boots were made for walking – Klassenkämpfe in China“, und das China-Dossier der Wildcat. Die Diskussion im Anschluss des Vortrags findet sich hier.

Seit 2013 verfolgt die Kommunistische Partei Chinas ein Investitionsprogramm mit Infrastrukturprojekten entlang der globalen Handelswege, die sog. Belt and Road Initiative (BRI), und nutzt in vielen beteiligten Ländern seine neue Wirtschaftsmacht zur Verfolgung eigener ökonomischer und geopolitischer Interessen. 2015 verkündete sie den Plan Made in China 2025, demzufolge das Land in den nächsten Jahren zur technologisch führenden Weltmacht werden will. Zudem hat China in den letzten Jahren militärisch stark aufgerüstet und fordert so die Hegemonialmacht USA heraus. Wie hängt der globale Expansionskurs mit die vielen sozialen Kämpfen in China zusammen? Was bedeutet Chinas Vorgehen für die Entwicklung des kapitalistischen Weltsystems? Und wie soll eine globale Linke darauf reagieren?

Ralf Ruckus hat zum Thema einen Artikel in der WOZ veröffentlicht, gibt in Kürze die deutsche Fassung des Buches “Die andere Kulturrevolution” von Wu Yiching heraus und arbeitet an dem Buchprojekt “Der kommunistische Weg zum Kapitalismus. Bruch und Permanenz in China seit 1949”.

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Talkin‘ bout a Revolution?! #1 http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/10/talkin-bout-a-revolution-1/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/10/talkin-bout-a-revolution-1/#comments Sun, 10 Feb 2019 13:26:08 +0000 MoshMosh Audio1968Antiautoritäre LinkeAußerparlamentarische OppositionBewegungsgeschichteBRDHannes HeerIlse BindseilKarl Heinz DellwoLutz TauferNorbert FreiProtestbewegungRadio CoraxTalkin bout a revolutionUlrike HeiderWolfgang Seidel http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/10/talkin-bout-a-revolution-1/ Wir dokumentieren im Folgenden in einer mehrteiligen Beitragsserie eine Sendereihe, die im letzten Jahr auf Radio Corax zu hören war: Talkin‘ bout a revolution?! Sendereihe über 1968 und die Folgen. Nach Abschluss der Beitragsserie dokumentieren wir auch eine gleichnamige Vortragsreihe und thematisch verwandte Vorträge. Die SendungsmacherInnen haben ihre eigenen Intentionen zur Sendereihe folgendermaßen beschrieben:

Wenn 2018 – 50 Jahre danach – über 1968 gesprochen wird, fixiert sich die deutsche Öffentlichkeit tendenziell auf wenige Aspekte eines komplexen historischen Prozesses: 1968 erscheint als ein Generationskonflikt deutscher Studenten, der seinen Höhepunkt und Niedergang in diesem einzigen Jahr erfuhr. Wenn wir uns in einer Corax-Sendereihe diesem Thema zuwenden, wollen wir den so gesteckten Rahmen etwas erweitern: 1968 war ein Weltereignis, das mit Entwicklungen zusammenhängt, die viel eher als „long sixties“ bestimmt werden können. Es ist Kulminationspunkt einer Reihe von Konflikten und Kämpfen, in denen weltweit die Fabriken mindestens eine genauso große Rolle spielten wie die Universitäten.

Was waren die gesellschaftlichen Bedingungen, die damals die Revolution als eine Möglichkeit erscheinen ließen? Welche Aspekte waren lediglich Teil einer Modernisierung des Kapitalismus, welche Aspekte gingen darüber hinaus? U.a. diesen Fragen wollen wir uns in unserer Sendereihe widmen. Außerdem wollen wir mit Menschen ins Gespräch kommen, die das damalige Geschehen miterlebt haben und deren Sicht kaum in den üblichen Erzählungen des Jubiläums-Spektakels vorkommt.

Diese Intention wurde in der ersten Sendereihe in einem kleinen gebauten Beitrag konkretisiert, in dem Wolfgang Seidel, Lutz Taufer und Karl-Heinz Dellwo Bilder zerstören und Narrative korrigieren (die Links in den Namen führen zum jeweils zugrundeliegenden Interview):

    Download: via FRN (mp3; 25 MB; 15:48 min)

Insgesamt zur Einführung in den Themenkomplex 1968 eignet sich ein Interview mit dem Historiker Norbert Frei, der bei dtv ein Buch mit dem Titel 1968 – Jugendrevolte und globaler Protest veröffentlicht hat. Im Gespräch geht Frei auf die epochalen Änderungen jener Zeit ein, gibt einen Überblick über zentrale Ereignisse und blickt dabei in verschiedene Länder. Er antwortet zunächst auf die Frage nach dem historischen Forschungsstand zu 1968 – im Vorwort zu einer früheren Auflage hatte er geschrieben: „Die Geschichte von 1968 ist – zumindest in Deutschland – überkommentiert und unterforscht“.

    Download: via FRN (mp3; 32 MB; 20:16 min)

Erinnerungen an 1968

Den ersten Teil unserer Beitragsserie beginnen wir mit einer Reihe von ausführlicheren Gesprächen über 1968 mit ProtagonistInnen, die sich auf verschiedene Weise an der damaligen Bewegung beteiligt haben. Auch wenn dabei persönliche Erinnerungen eine Rolle spielen, geht es in diesen Gesprächen um mehr, als nur Anekdoten zu erzählen. In den Interviews wird analysiert und auch selbstkritisch zurückgeschaut.

1.) Denken lernen mit Ilse Bindseil

Ilse Bindseil ist mit mehreren Publikationen bei ça ira, Beiträgen bei Ästhetik und Kommunikation und Artikeln in der Konkret bekannt geworden. Für sie ist das Jahr 1968 vor allem Teil einer intellektuellen Geschichte. Im Interview spricht sie über Auseinandersetzungen mit den Eltern, die Politisierung der Praxis, radikale Umbrüche und die Entdeckung der Theorie. Sie antwortet zunächst auf die Frage, wie sie heute über 1968 nachdenkt.

    Download: via FRN (mp3; 26 MB; 18:56 min)

2.) Keine Ruhe nach dem Sturm findet Ulrike Heider

Keine Ruhe nach dem Sturm“ ist der Titel eines Buches, das Ulrike Heider bei Bertz+Fischer veröffentlicht hat. Ulrike Heider hat zahlreiche Bücher, Textbeiträge und Radioproduktionen über Sexualität, Frauenbewegung und Anarchismus veröffentlicht. In ihrem Buch über 1968 beschreibt sie Höhepunkte, Kriminalisierung und Zerfallserscheinungen der antiautoritären Protestbewegung. Dabei erfährt man Einiges über die Frankfurter Sponti-Szene, in der sich Ulrike Heider selbst bewegt hat. Eine Besprechung des Buches (im Grunde eine komprimierte Version des unten dokumentierten Interviews) findet sich hier. Im Interview geht es u.a. um sexuelle Emanzipation und den Frankfurter SDS. Zunächst geht sie auf die Atmosphäre in der BRD der 50er/60er Jahre ein.

    Download: via FRN (mp3; 55 MB; 40:12 min)

3.) Mein 68 erzählt Hannes Heer

Der Historiker Hannes Heer ist bekannt geworden als wissenschaftlicher Gestalter der Wehrmachtsausstellung, die ab Mitte der 90er Jahre die Kriegsverbrechen der Wehrmacht dokumentiert und zahlreiche Kontroversen ausgelöst hat. Die Beteiligung Hannes Heers an der 68er-Bewegung führte zum Bruch mit seinem Vater, der früher NSDAP-Mitglied und nach 1945 CDU-Wähler gewesen war. Über das Verhältnis zu seinem Vater hat Hannes Heer einen Film gemacht: Mein 68 – Ein verspäteter Brief an meinen Vater (WDR, 1988, 45 Minuten). Damit sind Stichworte benannt, die auch für 1968 eine wichtige Rolle gespielt haben: Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und personeller wie kultureller Kontinuitäten des NS in der Nachkriegs-BRD. Darum drehte es sich auch im Interview mit Radio Corax, in dem es auch um die Hintergründe in Bonn geht.

    Download: via FRN (mp3; 59 MB; 42:55 min)

Im nächsten Beitrag zur 68er-Beitragsserie wird es um die internationale Dimension von 1968 gehen. Siehe auch: Der 2. Juni 1967 und die Folgen.

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Feministisch streiten! http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/22/feministisch-streiten/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/22/feministisch-streiten/#comments Tue, 22 Jan 2019 18:08:44 +0000 MoshMosh AudioBeißreflexeCaroline SosatConstanze StutzFeminismusFeministisch streiten!gekoGeschlechterverhältnisseIlse BindseilJakob HaynerKoschka LinkerhandLaury PennyMargarete StokowskyMaterialismusMona LisaOutside The BoxQueerfeminismusSabrina Zachanassian http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/22/feministisch-streiten/ Wir dokumentieren hier mehrere Beiträge, die aktuelle Diskussionen innerhalb des deutschsprachigen Feminismus abbilden. Dabei liegt ein Fokus auf einer Kritik des Queer- bzw. Popfeminismus aus materialistisch-feministischer Perspektive.

1.) Beißreflexe

Das 2017 veröffentlichte Buch Beißreflexe – Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten ist viel besprochen worden. Radio Corax hat ein Interview mit zwei Co-AutorInnen des Buches geführt – mit Caroline Sosat, die „betroffenheitsfeministische Dynamiken“ kritisiert und Jakob Hayner, der Queerfeminismus und Critical Whiteness im universitären Kontext analysiert und kritisiert.

Wir von Radio Corax versuchen immer wieder auch eine Kritik der Geschlechterverhältnisse zu thematisieren. Kritik der Geschlechterverhältnisse – das heißt zu erkennen, dass Geschlecht eine Kategorie ist, an der entlang Herrschaftsverhältnisse und Ideologie sich organisieren und ausrichten. Eine feministische Gesellschaftskritik ist notwendig – etwa wenn es darum geht, zu erkennen, dass weibliche Körper in besonderem Maß gesellschaftlichem Zugriff und Reglementierung unterliegen. Eine bestimmte Spielart des Feminismus ist heute bekannt unter der Bezeichnung „Queerfeminismus“. Queer – das meinte ursprünglich das nicht Normierte, das Abweichende, das Perverse, das sexuell Deviante. Queer ist aber Stichwort für eine bestimmte Art von Politik, die auch innerhalb feministischer Zusammenhänge kontrovers diskutiert wird. Es ließe sich etwa sagen: Queer, das ist heute eine bestimmte Art von Politik, die sich auf Identitätspolitik reduziert und dabei selbst extrem reglementierte Räume schafft. Eine solche Kritik an queer politics wird etwa formuliert in einem Buch, das kürzlich im lesbisch-schwulen Querverlag erschienen ist. „Beißreflexe“ heißt dieses Buch, das etwa 25 Beiträge versammelt und das herausgegeben wurde von Patsy l’amour lalove. Es schien uns interessant, einmal einen Blick in dieses Buch zu werfen. Deshalb sprachen wir einerseits Caroline Sosat und andererseits Jakob Hayner – welche sich jeweils mit einem Beitrag an diesem Sammelband beteiligten.

    Download (via FRN; 25 MB; 26:56 min)

2.) Feministisch streiten!

Ebenfalls im Querverlag ist das Buch Feministisch streiten – Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen erschienen, herausgegeben von Koschka Linkerhand. Noch vor Veröffentlichung des Buches haben Koschka Linkerhand und Co-Autorin Sabrina Zachanassian einen Vortrag in der Leipziger MonaLisa gehalten, in der sie ihre Kritik des Queerfeminismus und dabei auch ein Selbstverständnis des materialistischen Feminismus formuliert haben. Ihre Kritik am Queerfeminismus lautet, dass er durch seinen Fokus auf Identitäten gesellschaftliche Strukturen und Wirkweisen nicht richtig erfassen kann.

Feministin sein heißt heutzutage fast automatisch: Queerfeministin sein. Der Queerfeminismus, als dessen bekannteste Urheberin Judith Butler firmiert, dominiert seit etwa zwanzig Jahren die kultur- und geisteswissenschaftliche akademische Debatte weit über das Thema Geschlecht hinaus; queerfeministische Geschlechtervorstellungen reichen mittlerweile bis in die Politik der etablierten Parteien und in eine queere Pop- und Alltagskultur hinein, wie sie sich in vielen linken und LGBT-Szenen etabliert hat. Doch was genau bedeutet Queerfeminismus? Was unterscheidet ihn vom klassischen Feminismus, der von Frauen ohne Anführungszeichen und Sternchen, von biologischem versus sozialem Geschlecht und patriarchaler Gesellschaft spricht?

In unserer Veranstaltung wollen wir diskutieren, wie eine adäquate feministische Kritik der gegenwärtigen Gesellschaft aussehen könnte. Inwieweit kann Queerfeminismus über pure Identitätspolitik hinausreichen – taugt er zur Gesellschaftskritik oder ist er nicht mehr als ein Wegweiser zum neoliberalen Nischenglück? Was bedeutet es und welche politischen Konsequenzen hat es, das Geschlechterverhältnis als Ergebnis von Diskursen zu analysieren? Bereitet Dekonstruktion, das queere Wundermittel gegen Diskriminierung, tatsächlich den Weg zu einer freieren Gesellschaft, in der alle „ohne Angst verschieden sein können“ (Adorno)? In welchem Verhältnis stehen queerfeministische Kategorien zu einem Feminismus, der sich auf die Zweite Frauenbewegung, auf Materialismus, Universalismus und die Kritik der politischen Ökonomie beruft – und trotzdem das Wünschen noch nicht verlernt hat?

    Download (via AArchiv; mp3; 120 MB; 1:14:55 h)

Eine Aktivistin bei Radio Corax hat eine mehrteilige Interview-Reihe über das „Feministisch-Streiten“-Buch produziert, in der dieses wiederum aus queer-feministischer Perspektive kritisiert wird: Teil 1, Teil 2, Teil 3.

3.) I am a Materialist Girl – Zum materialistischen Feminismus

Am 17.09.2018 trafen sich auf Einladung der Gesellschaftskritischen Odyssee [geko] Koschka Linkerhand und Ilse Bindseil zur Diskussion über den Feminismus an der Universität in Halle (Saale). Während Koschka Linkerhand in Umrissen ihre Vorstellung eines materialistischen Feminismus referiert (der sich ihres Erachtens explizit auf das Subjekt Frau beziehen muss), bringt Ilse Bindseil eine Reflexion auf der Meta-Ebene ins Spiel. Für sie stehen Materialismus und Feminismus in einem ausschließenden Verhältnis des Widerspruchs, ebenso wie Theorie und Praxis. Diese eher philosophische Stoßrichtung bestimmt dann die Diskussion zwischen beiden, wobei es zu großen Teilen um Begriffsklärungen geht. Ein Vorabgespräch mit Radio Corax gibt es hier, die Diskussion mit dem Publikum kann hier nachgehört werden.

Wenn derzeit von „materialistischem Feminismus“ gesprochen wird, schlagen die Herzen höher, während der Kopf stehen bleibt. Kaum jemand weiß, was mit der Rede vom „Materialismus“ überhaupt gemeint ist. Weil man sich aber in der Gegnerschaft zu Patriarchat und Queerfeminismus einig ist, darf die Arbeit am Begriff ruhig liegen bleiben. So gelingt es, kaum vereinbare Positionen unter ein gemeinsames Banner zu zwingen und Streit zu vermeiden. Uns ist jedoch weniger am feministischen Frieden gelegen als daran, das Geschlechterverhältnis zu analysieren und treffend zu kritisieren.

Deshalb werden wir mit Ilse Bindseil und Koschka Linkerhand diskutieren, welche sich beide als materialistische Kritikerinnen des Geschlechterverhältnisses sehen. Gleichzeitig vertreten sie bezüglich vieler Fragen unterschiedliche Positionen. Mit ihnen wollen wir klären, was es überhaupt bedeutet das Geschlechterverhältnis materialistisch zu betrachten, wie dies mit der Kritik der Gesellschaft zusammenhängt und welche feministische Praxis sich daraus eventuell ableiten lässt.

Ilse Bindseil veröffentlichte im ca ira-Verlag unter anderem Elend der Weiblichkeit, Zukunft der Frauen und Es denkt. Sie ist Redakteurin der Zeitschrift Ästhetik und Kommunikation. Koschka Linkerhand ist Herausgeberin des Sammelbandes Feministisch Streiten. Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen und Autorin eines Beitrags in Beißreflexe.

    Download (via FRN; mp3; 87 MB; 63:38 min)

4.) Auf dem Fleischmarkt untenrum frei unterwegs

Auf dem Fleischmarkt untenrum frei unterwegs: Zur Kritik am Popfeminismus – unter diesem Titel hat Constanze Stutz von der Zeitschrift Outside the Box in Leipzig und Halle Vorträge gehalten. Leider liegt uns kein Vortragsmitschnitt vor – falls es eine Aufnahme gibt, kontaktiert uns gerne. Radio Corax hat mit Constanze Stutz im Vorfeld des Vortrags in Halle recht ausführlich gesprochen. Darin geht es um eine Begriffsbestimmung, die Potentiale und die Beschränkungen des Popfeminismus. Der Titel des Vortrags verweist auf Bücher von Laury Penny und Margarete Stokowsky, auf die auch im Gespräch eingegangen wird.

    Download (via FRN; mp3; 45 MB; 19:28 min)
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Zur Aktualität von Johannes Agnolis ‚Transformation der Demokratie‘ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/21/zur-aktualitaet-von-johannes-agnolis-transformation-der-demokratie/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/21/zur-aktualitaet-von-johannes-agnolis-transformation-der-demokratie/#comments Mon, 21 Jan 2019 13:00:48 +0000 MoshMosh AudioConne IslandDemokratieFelix KlopotekJohannes AgnoliKritik der PolitikNeue LinkeParlamentarismusStaatskritik http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/21/zur-aktualitaet-von-johannes-agnolis-transformation-der-demokratie/ Am 29.05.2018 hat Felix Klopotek im Conne Island einen Vortrag über den Politikwissenschaftler, Philosophen und sozialrevolutionären Denker Johannes Agnoli gehalten. Dabei legte er einen Fokus auf eines der wichtigsten Bücher Agnolis: Die Transformation der Demokratie (gemeinsam mit Peter Brückner, 1967). Der Vortrag geht recht ausführlich auf die Biographie Agnolis und den Vorwurf (u.a. von Wolfgang Kraushaar) ein, Agnoli habe faschistisches Gedankengut in seine Staats- und Demokratiekritik aufgenommen. Anschließend rekonstruiert er einige Aspekte der Staatskritik Agnolis und dessen Problematisierung der Demokratie als Form. Hier geht es zentral um das Problem, dass sich mit dem verallgemeinerten Staatsbürgerbewusstsein soziale Konflikte in politische auflösen. Zuletzt spricht Klopotek über den Klassencharakter des Staates, wobei er sich neben Agnoli auch auf Adam Smith und Marx bezieht. Siehe auch Klopoteks Text Das Unbehagen in der Demokratie.

Johannes Agnolis Thesen zur »Transformation der Demokratie« (erstmals im Herbst 1967 erschienen) waren nicht als ein aktivistischer oder interventionistischer Text gedacht. Aber sie trafen auf eine sich gerade formierende außerparlamentarische Opposition, der – nicht zuletzt durch die Ereignisse vom 2. Juni 1967 – ziemlich rüde mitgeteilt wurde, dass demokratische Willensbildung nur als Akt der Unterwerfung unter den bundesrepublikanischen – sprich: antikommunistischen – Konsens erlaubt ist. Und so kam es, dass Agnolis Thesen, die eigentlich »nur« der damals an Verfassungsidealen orientierten sozialistischen oder sozialdemokratischen Linken argumentativ den Boden unter den Füßen wegziehen wollten, der Wut und Verzweiflung der Studentinnen und Studenten eine angemessen intellektuelle Form gaben: Ihr Unbehagen am Parlamentarismus, an der »formierten Gesellschaft« und an der Sozialpartnerschaft waren berechtigt! Agnoli zeigte, dass noch die hehrsten Ideale und Ansprüche der parlamentarischen Demokratie einen herrschaftsaffirmativen und kapitalförmigen Gehalt haben, und er erinnerte an das revolutionäre Subjekt, das außerhalb dieser Institutionen seine Kämpfe zu führen hat.

Alles lange her. Die präzise Arbeit Agnolis an der negativen Dialektik des Parlamentarismus wich in den 70er Jahren der abstrakten Generalanalyse der »Staatsableitung«, und dann kamen ja auch schon die Grünen und die neue Lust am Mitmachen. Agnoli wurde zum akademischen Einsiedler des Linksradikalismus, seine Thesen galten als »legendär«, waren schon fast anekdotisch, wurden jedenfalls nicht mehr gelesen.

Heute kann keiner genug von Demokratie und Partizipation bekommen: Die Rechten träumen von der illiberalen Demokratie, in der qua Volksabstimmung endlich Schluss gemacht werden soll mit Schutz- und Minderheitenrechten; die Linken träumen von der verallgemeinerten Demokratie, die in allen möglichen öffentlichen und halböffentlichen Institutionen Einzug halten soll, um dort Machtverhältnisse abzubauen; die Mitte träumt von der Renaissance des Bundestages, um so die Rechten und Linken einhegen zu können. Keiner kann mit keinem, aber alle schwören auf Demokratie. Von Agnoli kann man immer noch lernen, dass genau dieser Demokratie-Hype paradoxerweise auf die Transformation der Demokratie verweist – auf ihre negative Selbstaufhebung im kapitalistischen Totalitarismus. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 156.3 MB; 1:31:20 h)
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Aktuelles zur Gelbwestenbewegung http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/20/aktuelles-zur-gelbwestenbewegung/ http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/20/aktuelles-zur-gelbwestenbewegung/#comments Sun, 20 Jan 2019 19:09:09 +0000 MoshMosh AudioDer kommende AufstandFrankreichGelbwestenGilets JaunesKlassenkampfProtestbewegungRadio CoraxUnsichtbares Komitee http://audioarchiv.blogsport.de/2019/01/20/aktuelles-zur-gelbwestenbewegung/ In sozialrevolutionären Kreisen werden die derzeitigen Riots in Frankreich vermehrt diskutiert. Die Translib Leipzig (die einige vorläufige Gedanken zu den Gelbwesten und eine deutsche Übersetzung der 42 Forderungen derselben auf ihrem Blog veröffentlicht) hat einige Debattenbeiträge in Form einer Linksammlung zusammengestellt. 2 1/2 Beiträge in hörbarer Form dokumentieren wir hier:

1.) Weihnachten wird nicht stattfinden

Weihnachten wird nicht stattfinden“ war der Titel einer Diskussionsveranstaltung, die kurz vor dem Jahreswechsel in der Translib stattgefunden hat. Marius, der an der Organisierung der Veranstaltung beteiligt war, hat im Vorfeld für Radio Corax ein paar Überlegungen angestellt:

    Download: via FRN (mp3; 42 MB; 18:32 min)

In aller Kürze ordnet das Corax-Gespräch die Gelbwesten-Bewegung in die jüngere Protestgeschichte Frankreichs ein und versucht den sozialen und politischen Charakter der Bewegung zu bestimmen. Es geht dabei auch um die Beteiligung rechter Gruppierungen. Was hier nur angeschnitten wird, wurde dann bei den Referaten in der Translib ausgeführt: Beschreibungen der Akteure und des Geschehens, Deutungsversuche der Symbole, Analysen der Forderungen und materialistische Erklärungsansätze der Bewegung. Dabei geht es auch um Debatten innerhalb der französischen radikalen Linken, unter anderem der Appelisten (Unstichtbares Komitee, der kommende Aufstand). Nachzuhören ist dies auf Youtube und hier:

    Download: via AArchiv (mp3; 104 MB; 1:21:27 h)

2.) Noch einmal zur Gelbwestenbewegung

Ein Gespräch mit ähnlich gelagerter Ausrichtung hat Radio Corax in der ersten Januarwoche gesendet. Auch hier geht es um eine historische Verortung, um die soziale Lage in Frankreich, um politische und soziale Zusammensetzung wie um die Beschränkung der Bewegung. Das Gespräch ist gegenüber den oben dokumentierten Aufnahmen in besserer Qualität.

    Download: via FRN (mp3; 52 MB; 33:16 min)
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Selbstverständnis http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/22/selbstverstaendnis/ http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/22/selbstverstaendnis/#comments Wed, 22 Aug 2018 09:26:08 +0000 MoshMosh Kürzere Beiträge & Randnotizen http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/22/selbstverstaendnis/ Nach längerer Zeit haben wir unser ursprüngliches Selbstverständnis aktualisiert. Es kann hier gelesen werden.

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Aspekte der Traurigkeit http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/17/aspekte-der-traurigkeit/ http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/17/aspekte-der-traurigkeit/#comments Fri, 17 Aug 2018 13:26:17 +0000 MoshMosh AudioAdornoBettina FellmannDepressionDer kommende AufstandEntfremdungEssayFranza RannerGewaltHörspielkritische TheoriePhilosophieRadioRadio CoraxScheiternSexarbeittheodora beckerTraurigkeitZweifel und Diskurs http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/17/aspekte-der-traurigkeit/ 1.) Zur Verteidigung der Traurigkeit

Schon 2012 hat Bettina Fellmann (AK Zweifel und Diskurs) ein Essay unter dem Titel Zur Verteidigung der Traurigkeit – über Verwertung und Erfahrung veröffentlicht. Der Text stellt einige philosophische und historische Überlegungen über (Selbst)Entfremdung, Depression, Verhärtung und Vernichtung an und bezieht sich u.a. auf Adorno, Horkheimer, Freud, Alice Miller, Ilse Bindseil und Clemens Nachtmann. Der Text ist aber immer wieder auch eine Reflexion eigener Alltagserfahrungen und versucht beide Ebenen miteinander zu vermitteln. Radio Corax hat das Essay Anfang dieses Jahres in leichter Bearbeitung vertont:

    Download: via FRN (mp3; 52 MB; 38:02 min)

2.) Wir sind nicht depressiv, wir streiken!

In ihrem Text hat Bettina Fellmann das Pamphlet Der kommende Aufstand des Unsichtbaren Komitees erwähnt. Fellmann zitiert diesen Text ablehnend – allerdings enthält er seinerseits einige Überlegungen zum gesellschaftlichen Phänomen der Depression. Entsprechende Auszüge sind enthalten in einer Weihnachts-Sondersendung von Radio Corax aus dem Jahr 2015. In der Collage-Sendung sind außerdem Auszüge aus dem Text Wir sind nicht depressiv, wir streiken von Franza Ranner enthalten (der Titel des Textes ist ebenfalls ein Zitat des Unsichtbaren Komitees). Darüber hinaus enthält die Sendung einige geschichtsphilosophische Überlegungen zum Katastrophismus. Zuletzt sind enthalten ein prosituationistisches Hörspiel und ein Gleichnis von Franz Jung. Siehe auch hier.

    Download: via AArchiv (mp3; 96.1 MB; 1 h)

3.) Scheitern

Bereits hier und hier haben wir auf das Buch Grenzsteine – Beiträge zur Kritik der Gewalt (Edition Text und Kritik) hingewiesen. Der darin enthaltene Beitrag der Mitherausgeberin Theodora Becker ist mit dem schlichten Titel Scheitern überschrieben. Der Text verbindet eine Reflexion individuellen Scheiterns mit Überlegungen zum Scheitern der Frauenbewegung – darüber hinaus denkt er über Sexualität und Sexarbeit nach. Ähnlich wie im Text von Bettina Fellmann ist hier die kritische Theorie auf konkrete, eigene Erfahrungen bezogen. Ein Auszug des Textes ist in einer Sondersendung von Radio Corax über das Zweifeln aufgenommen worden:

    Download: via AArchiv (mp3; 18 MB; 11:16 min)

Zu Depression und weiblicher Erfahrung siehe auch den Vortrag von Katharina Zimmerhackl hier.

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Aktuelles zur Theorie und Überwindung der Klassengesellschaft http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/12/aktuelles-zur-theorie-der-klassengesellschaft/ http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/12/aktuelles-zur-theorie-der-klassengesellschaft/#comments Sun, 12 Aug 2018 13:04:05 +0000 MoshMosh AudioBilderverbotCharlotte MohsDebatte und DiskussionFreundinnen und Freunde der klassenlosen GesellschaftGabriel KuhnHannes GiesslerHannes Giessler FurlanJohannes HauerKlassengesellschaftKlassenpolitikKlassentheorieKommunismusKosmoproletMarco BonavenaPhase 2Translib LeipzigUtopieWutpilger Streifzüge http://audioarchiv.blogsport.de/2018/08/12/aktuelles-zur-theorie-der-klassengesellschaft/ Wir stellen hier drei Beiträge zusammen, die sich in letzter Zeit thematisch mit einer Kritik der Klassengesellschaft auseinandergesetzt haben:

1.) Abschied von der Klassenmetaphysik

In der Ausgabe 55 der Zeitschrift Phase 2 haben Charlotte Mohs, Marco Bonavena und Johannes Hauer von der Translib Leipzig einen Text über das Verhältnis der Linken zur Klasse veröffentlicht. Insbesondere geht es dabei um den Abschied der Linken vom Proletariat (André Gorz) – die AutorInnen versuchen nachzuzeichnen, inwiefern dieser Abschied objektive Gründe in Veränderungen innerhalb des Kapitalismus hat, formulieren andererseits eine Kritik dieses Abschieds. Exemplarisch an Positionen von Joachim Bruhn wird eine Kritik an der linksradikalen Verabschiedung von der Klasse formuliert. Ein auf Grundlage dieses Artikels geführtes Interview ist in der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge gesendet worden:

    Download: via archive.org (mp3; 137.5 MB; 1 h)

2.) Fragen neuer Klassenpolitik

Didier Eribons Buch Rückkehr nach Reims (siehe Buchbesprechung hier) hat in Teilen der Linken zu einer Diskussion über „Klassenpolitik“ geführt. So wird u.a. in der Monatszeitung Analyse & Kritik über „neue Klassenpolitik“ debattiert (u.a. Sebastian Friedrich hier). Einer an der Debatte Beteiligten ist Gabriel Kuhn (mit Sebastian Friedrich hier) – im Interview mit Radio Corax hat er über Fragen neuer Klassenpolitik gesprochen. Dabei geht es auch um Grundlagen des Klassenbegriffs, die für Kuhn nicht ausschließlich marxistisch fundiert sind.

In der radikalen Linken wird zur Zeit vermehrt über Klassen diskutiert – und es scheint so, als ob es im Moment gerade eine Art Selbstverständigung darüber gibt, wie man selbst zur Klasse steht, und was das bedeuten könnte: Klassenpolitik zu machen. Der Anlass für diese Diskussion liegt aber bezeichnender Weise nicht auf der unmittelbar sozialen, ökonomischen Ebene, sondern auf der politischen Ebene. Überall in Europa haben wir es gerade mit erstarkenden rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen zu tun – und in der Öffentlichkeit stellen sich diese Parteien und Bewegungen als Vertreter des einfachen Mannes dar – und es sieht so aus, als ob die Rechten so auf ihre Weise die soziale Frage für sich zu beantworten versuchen. Die Linke ist gegenüber diesen Bewegungen in die Defensive geraten – und aus dieser Defensive heraus scheint die Linke die Klasse wieder für sich zu entdecken. Das schlägt sich in verschiedenen Debatten nieder – unter anderem in einer Debatte, die gerade in der Monatszeitung „Analyse und Kritik“ geführt wird. Eine Debatte eben über neue Klassenpolitik. Einer der sich an dieser Debatte beteiligt heißt Gabriel Kuhn – der lebt selber in Schweden, ist aber durchaus im deutschsprachigen Raum bekannt als jemand, der u.a. zum Anarchismus und zum Poststrukturalismus publiziert hat. Zusammen mit Sebastian Friedrich hat er für eine schwedisch-sprachige Internetplattform einen Text zur neuen Klassenpolitik veröffentlicht. Wir haben mit ihm gesprochen und ihn zunächst gefragt, worin er die vermehrte Zuwendung zu Klassenfragen begründet sieht. (via)

    Download: via FRN (mp3; 35 MB; 25:17 min)

3.) Umrisse der Weltcommune

Innerhalb des linkskommunistischen Spektrums sind die 28 Thesen zur Klassengesellschaft von den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft viel diskutiert worden. In der Zeitschrift Kosmoprolet haben die Freundinnen kürzlich ein Text mit dem Titel Umrisse der Weltcommune veröffentlicht. In diesem Text geht es um eine Perspektive jenseits der Klassengesellschaft – diskutiert wird, welche Angaben man machen und welche Vorstellungen man von einer kommunistischen Gesellschaft haben kann. Dabei gehen sie von gegenwärtigen Kämpfen und Produktivkraftentwicklungen aus, wobei der Text selbst eher ein Problemaufriss, denn ein klarer „Umriss“ ist. Ein Redakteur des Kosmprolet hat den Text in der Translib Leipzig vorgestellt. Dabei referiert er weniger die Thesen des Textes, als dass er über Voraussetzungen des Textes, über Diskussionen beim Schreibprozess und einige Abgrenzungen der AutorInnen spricht (etwa vom „Bilderverbot“ Frankfurter Coleur oder vom Dath’schen Kybernetik-Kommunismus):

    Download: via AArchiv (mp3; 84.3 MB; 52:35 min)

In seinem kürzlich bei ZuKlampen erschienenen Buch Verein Freier Menschen – Idee und Realität kommunistischer Ökonomie denkt Hannes Giessler Furlan über ganz ähnliche Aspekte nach, wie die Freundinnen in ihrem jüngsten Text – auch wenn Giessler Furlan zu anderen, teils entgegengesetzten Schlüssen kommt. Im Interview mit Radio Corax hat Hannes Giessler Furlan einen Einblick in die Thesen seiens Buches gegeben.

Siehe auch: Raus aus der Klasse, rein in die Klasse?

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Asja Lācis: Regisseurin, revolutionär im Beruf http://audioarchiv.blogsport.de/2018/07/01/asja-lacis-regisseurin-revolutionaer-im-beruf/ http://audioarchiv.blogsport.de/2018/07/01/asja-lacis-regisseurin-revolutionaer-im-beruf/#comments Sun, 01 Jul 2018 13:35:13 +0000 MoshMosh Audio Besonders hörenswertÄsthetik und KulturktitikAndris BrinkmanisAsja LācisBeata PaškevicaJolande FleckKarin BurkKunstgeschichteSowjetunionTheaterWalter Benjamin http://audioarchiv.blogsport.de/2018/07/01/asja-lacis-regisseurin-revolutionaer-im-beruf/ Jolande Fleck veröffentlicht auf RabanRadio Features, Radio-Beiträge und Sendungen – oft entstanden im Kontext von Radio Corax. Seit Kurzem ist dort eine zwei-stündige Radiosendung über Asja Lācis zu finden, die wir im Folgenden dokumentieren.

Asja Lacis (1891-1979) war eine linke Theaterfrau aus Lettland, die, neben politischen Theater- und Kinoprojekten, vor allem netzwerkte und so Kulturschaffende und Künstler aus der Sowjetunion und Deutschland miteinander bekannt machte. Mit einigen Protagonisten im Kunst- und Kulturbetrieb ihrer Zeit war sie freundschaftlich verbunden und arbeitete zeitweise eng zusammen (die prominentesten unter ihnen wohl Brecht, Benjamin, Feuchtwanger, Piscator, Meyerhold, Kracauer, Toller u.v.m.). Auch beteiligte sie sich rege am zeitgenössischen Diskurs über Form, Inhalt und Potential polititsch-ästhetischer Interventionen, spannenderweise vor allem durch praktisches Eingreifen. [via]

In der Sendung werden einige Abschnitte aus dem Leben von Asja Lācis geschildert – u.a. Erfahrungsberichte ihrer Theaterarbeit, Erinnerungen an ihre Berliner Zeit, ihre Freundschaft mit Walter Benjamin. Im Zentrum der Radiosendung steht das proletarische Kindertheater, das Asja Lācis in Orjol gegründet hat und für das Walter Benjamin später das Programm des proletarischen Kindertheaters geschrieben hat. Dabei sind (erstmals im Original) einige Erinnerungen von Asja Lācis zu hören. Zu Wort kommen außerdem Karin Burk (siehe das Interview hier), Beata Paškevica (siehe das Interview hier) und Andris Brinkmanis.

    Download: via AArchiv (mp3; 110 MB; 2 h)
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Midnight Notes: Zwei Sendungen über 1968 http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/27/midnight-notes-zwei-sendungen-ueber-1968/ http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/27/midnight-notes-zwei-sendungen-ueber-1968/#comments Wed, 27 Jun 2018 12:08:03 +0000 MoshMosh Audio Besonders hörenswert1968BewegungsgeschichteChris PallisFrankreichFSKHanna MittelstädtLutz SchulenburgMaurice BrintonMidnight NotesParisSituationistische Internationale http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/27/midnight-notes-zwei-sendungen-ueber-1968/ Anlässlich der 30. Jährung des Pariser Mai 1968 hat das politische Magazin „Midnight Notes“ beim FSK im Jahr 1998 eine zweiteilige Sendung produziert. Die Sendungen geben nicht nur einen Einblick in die Mai-Ereignisse in Frankreich, sondern gleichzeitig einen guten Eindruck einer gewissen Ästhetik in der Szene der Freien Radios in den 90er Jahren…

1.) Die erste Sendung konzentriert sich vor allem auf eine Schilderung des Pariser Mai 1968: Der Aufstand der Studenten, die Dynamik des danach folgenden Generalstreiks und das Ende der traditionellen Linken. Material sind dabei vor allem die Schilderungen des libertären Trotzkisten Maurice Brinton, der im Mai 1968 in Paris zugegen war. Zu Wort kommen auch Lutz Schulenburg und Hanna Mittelstädt (Edition Nautilus).

    Download: via AArchiv (mp3; 84.2 MB; 1 h)

2.) In der zweiten Sendung geht es vor allem um dissident-marxistische Gruppen, die um 1968 herum Stichworte für ein autonomes Agieren jenseits der traditionellen Linken gaben: Socialisme ou barbarie, die Operaisten und die Situationistische Internationale. Der Fokus liegt dann vor allem auf der Theorie und Praxis der Situationisten.

    Download: via AArchiv (mp3; 83 MB; 1 h)
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Thematisches zum Welthurentag http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/25/thematisches-zum-welthurentag/ http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/25/thematisches-zum-welthurentag/#comments Mon, 25 Jun 2018 12:09:08 +0000 MoshMosh AudioArbeitChristian SchmachtFeminismusGeschlechterverhältnisseJuanita HenningMissy MagazinePatriarchatProstituiertenschutzgesetzprostitutionRadio CoraxSexarbeittheodora beckerVerdinglichung http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/25/thematisches-zum-welthurentag/ Anlässlich des Welthurentags am 02. Juni hat Radio-Corax ein thematisches Mittagsmagazin gesendet, in dem es um eine feministische Auseinandersetzung mit Sexarbeit ging. Interviewt wurden dabei Vertreterinnen der Vereine Madonna e.V. und Doña Carmen, die die Arbeit des jeweiligen Vereins vorgestellt und über die Auswirkungen des Prostituiertenschutzgesetzes gesprochen haben. Weiterhin wurde das Sexarbeitsfrühstück – ein Vernetzungstreffen in Leipzig – vorgestellt (weitere Infos hier). Im Interview war außerdem Theodora Becker, die einen analytischen, kritisch-theoretischen Blick auf Sexarbeit geworfen hat. Zwischendurch war immer wieder die Vertonung einer Kolumne von Christian Schmacht (Missy Magazine) zu hören, in der verschiedene AutorInnen über ihre Erfahrungen mit Sexarbeit berichten. Ihr könnt hier das ganze Mittagsmagazin nachhören – untenstehend findet ihr dann drei der Interviews, die Radio Corax separat veröffentlicht hat:

    Download: via AArchiv (mp3; 207.3 MB; 2:09:23)

Sexarbeit und Verdinglichung

Das Interview mit Theodora Becker beginnt mit der Geschichte des Internationalen Hurentags: Dem Huren-Streik am 02. Juni 1975 in Lyon, bei dem SexarbeiterInnen auch eine Kirche besetzten. Dann geht es um eine begriffliche Analyse der Sexarbeit und um verschiedene feministische Positionen zur Sexarbeit. Im Bezug auf ältere Beiträge von Theodora Becker ging es auch um die Fragen, inwiefern der Sexarbeit etwas Utopisches innewohnt, inwiefern sie Ausdruck patriarchaler Verhältnisse ist. Im Interview wird auch Bezug auf den Text genommen, den Theodora Becker in dem Sammelband „Grenzsteine – Beiträge zur Kritik der Gewalt“ veröffentlicht hat (zu diesem Sammelband siehe auch dieses Interview).

    Download: via FRN (mp3; 24 MB; 26:24 min)

Stopp dem Prostituiertenschutzgesetz!

Doña Carmen e.V. engagiert sich seit 1998 als Prostituiertenselbsthilfeorganisation für soziale und politische Anliegen von Prostituierten in Frankfurt am Main. Radio Corax sprach mit Juanita Henning über die Arbeit des Vereins, die Schwierigkeiten der Selbstorganisation von SexarbeiterInnen und über Auswirkungen des Prostituiertenschutzgesetzes. Im Interview kritisiert Juanita Henning auch eine Nähe zum Staat, die sie vielen SexarbeiterInnen-Vereinen vorwirft.

    Download: via FRN (mp3; 15 MB; 16:49 min)

Selbstorganisiertes Frühstück von Sexarbeiter*innen

Seit Anfang diesen Jahres findet in Leipzig in den Räumlichkeiten der RosaLinde e.V. ein selbstorganisiertes Frühstück von Sexarbeiter*innen statt. Das „Sexarbeitsfrühstück“ ist ein Format wo Sexarbeiter*innen der Gegend sich vernetzten und austauschen können, da es in Leipzig kaum Angebote für Austausch von Sexarbeiter*innen gibt. Violett, Mitinitiatorin des „Sexarbeitsfrühstück“, erklärt wie es dazu kam.

    Download: via FRN (mp3; 7 MB; 7:09 min)

Da hier größtenteils sex-positiv-feministische Positionen zu hören waren, sei – um die Debatte abzubilden – auch auf zwei Texte verwiesen, die Sexarbeit aus feministischer Perspektive kritisieren: Die Kritische Perspektive rezensiert das Buch „Being and being bought“ der schwedischen Feministin und Marxistin Kajsa Ekis Ekman, die darin eine materialistishe Kritik der Sexarbeit und der Sex-Industrie formuliert – hier. Huschke Mau kritisiert die linke Freude an der Prostitution – ein offener Brief zur Kritik an einem Antrag der Linksjugend Solid.

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http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/25/thematisches-zum-welthurentag/feed/
»Vorwärts und nicht vergessen!« http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/03/vorwaerts-und-nicht-vergessen/ http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/03/vorwaerts-und-nicht-vergessen/#comments Sun, 03 Jun 2018 12:39:02 +0000 MoshMosh Audio19051917AnarchismusAntisemitismusArbeiterbewegungAvantgardeBewegungsgeschichteBini AdamczakBolschewismusCharles BettelheimChristian SchmidtChristoph JünkeChristoph TürckeEwgeniy KasakowFebruarrevolutionFelicita ReuschlingFelix KlopotekFranziska SchedewieGegenstandpunktGerd KoenenGeschlechterverhältnisseGisela NotzHannes GiesslerHannes Giessler FurlanHelmut DahmerImperialismusLeninLilli HelmboldMarcel BoisOktoberrevolutionOlaf KistenmacherPeter DeckerPhilippe KellermannProletkultRadio CoraxRevolutionRevolutionsgeschichteRoger BehrensRusslandStaatssozialismusSteffen HendelThomas RothschildThomas SeibertTilman SchumacherUte WeinmannVerena KriegerWilli Hajek http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/03/vorwaerts-und-nicht-vergessen/ Sendereihe zur Geschichte der Oktoberrevolution

Vor einem halben Jahr sprachen alle über die Reformation und die Oktoberrevolution. Das Jubiläumsgedächtnis ist kurz – inzwischen wird mit 1968 die nächste Sau durchs mediale Dorf gejagt. Wir halten an dieser Stelle noch einmal inne und dokumentieren untenstehend eine Sendereihe, die Radio Corax im letzten Jahr gesendet hat. Die Sendereihe begleitete eine Veranstaltungsreihe über „100 Jahre Oktoberrevolution“, die von verschiedenen linksradikalen Gruppen in Leipzig organisiert wurde.

Im Rahmen von acht Sendungen wurden 24 Interviews zum Thema geführt. Im Folgenden dokumentieren wir sowohl die einzelnen Interviews, als auch die ganzen Radiosendungen. Das Hören der ganzen Sendungen lohnt sich insofern, als dass die SendungsmacherInnen die Beiträge und Interviews jeweils selbst noch einmal kommentieren und diskutieren – und natürlich sind die Sendungen mit thematisch passenden Musikstücken versehen. Auf die Mitschnitte der Vorträge der Veranstaltungsreihe – insofern vorhanden – verweisen wir in den jeweiligen Beschreibungen.

Sendung 1

Einführung in die Geschichte der Oktoberrevolution

Der Historiker Christoph Jünke gibt im Gespräch einen einführenden Überblick über Ursachen, Akteure, Verlauf und Entwicklung der Oktoberrevolution. Eine wichtige Fragestellung ist dabei, wie und mit welcher Notwendigkeit sich der Stalinismus durchgesetzt hat. Zu Beginn des Interviews kommt Bini Adamczak zu Wort. Im Jahr 2016 hat Radio Corax mit Christoph Jünke ein Interview über den „Großen Terror“ des Stalinismus geführt, das hier nachgehört werden kann. Jünke ist Herausgeber der Anthologie „Marxistische Stalinismuskritik im 20. Jahrhundert“ im Neuen ISP-Verlag.

    Download (via FRN; 49 MB; 36 min)

Revolution und Erlösung – Zur Ideengeschichte des Kommunismus

Um entgegen des materialistischen Selbstverständnis‘ des Kommunismus eine Ideengeschichte des Kommunismus zu skizzieren, muss Christian Schmidt (Uni Leipzig) ihm einen geheimen religiösen Gehalt unterstellen – dies war das Thema seines Vortrags im Rahmen der Leipziger Veranstaltungsreihe. Radio Corax hat vorab mit ihm über sein Vortragsthema gesprochen – der Mitschnitt des Vortrags findet sich hier (via AArchiv; 1:57:38; 188.5 MB).

    Download (via FRN; 19:23 min; 27 MB)

»Der Neue Mensch«

Rainer Rother und Alexander Schwarz haben bei „Absolut Medien“ eine Doppel-DVD unter dem Titel „Der Neue Mensch. Aufbruch und Alltag im revolutionären Russland“ herausgebracht. Darauf sind sowjetische Spiel-, Dokumentar‑ und Trickfilme aus den Jahren 1924 bis 1932 gesammelt. Roger Behrens, der die DVD in Konkret 10/2017 rezensiert hat, bespricht sie im Interview mit Radio Corax.

    Download (via FRN; 24 MB; 17:20 min)

■ Ganze Sendung

Im Gesamtmitschnitt der Sendung ist zusätzlich zu den oben dokumentierten Interviews auch eine Diskussion der Sendungsmacher über Sinn oder Unsinn von Geschichtspolitik enthalten.

    Download (via AArchiv; 160 MB; ca 2 h)

Sendung 2

Weltweite Auswirkungen der Oktoberrevolution

Im Gespräch skizziert der Historiker Marcel Bois, inwiefern die Oktoberrevolution in einen weltweiten Zusammenhang von Streikbewegungen, Arbeitskämpfen und Protesten eingebettet war und sie solche Bewegungen wiederum inspiriert hat. Im zweiten Teil des Gesprächs geht es um die Frage des Stalinismus und seine damaligen KritikerInnen von links. Der Mitschnitt des Vortrags von Marcel Bois findet sich hier (mp3; 1:06:23; 108.1 MB).

    Download (via FRN; 31 MB; 19:28 min)

Die falsche Kapitalismuskritik der Bolschewiki

Im Interview formuliert Peter Decker von der Redaktion der Zeitschrift Gegenstandpunkt eine Kritik an der Kapitalismus-Analyse der Bolschewiki. Aus diesen falschen Vorstellungen wären auch einige Fehler im Verlauf der Oktoberrevolution entsprungen. In der Ausgabe 2-17 des GSP war ein Artikel mit dem Titel „100 Jahre Russische Revolution. Rückblick auf einen unverzeihlichen Fehler“ enthalten. In diesem Artikel wird auch auf den Sammelband „Von der Reform des ‚realen Sozialismus‘ zur Zerstörung der Sowjetunion“ verwiesen. Hier ist ein Vortrag der damaligen Marxistischen Gruppe aus dem Jahr 1987 dokumentiert.

    Download (via FRN; 47 MB; 29 min)

Klassenkämpfe in der UDSSR

In einem Feature von Lilli Helmbold wird das Werk von Charles Bettelheim vorgestellt, insbesondere dessen marxistische Analyse der ökonomischen Verhältnisse in der Sowjetunion. Dabei kommt Willi Hajek zu Wort, einer der Herausgeber des dritten und vierten Bands von Bettelheims Buch „Klassenkämpfe in der UDSSR“, die erst seit kurzem der Öffentlichkeit vorliegen.

    Download (via FRN; 65 MB; 40 min)

■ Ganze Sendung

    Download (via AArchiv; 193 MB; ca 2 h)

Sendung 3

Verlust der Dissidenz

Radio Corax führt ein Interview mit Gerd Koenen und Felix Klopotek. Gerd Koenen – Autor mehrerer Bücher, die mit dem Kommunismus abrechnen – hat pünktlich zum Jubiläumsjahr der Oktoberrevolution ein Buch bei CH Beck veröffentlicht, das den Titel „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“ trägt. Felix Klopotek hat in der Konkret 10/2017 eine Kritik an diesem Buch formuliert. Im Interview werden beide Positionen miteinander konfrontiert.

    Download (via FRN; 58 MB; 42 min)

Lenins Imperialismus-Analyse

Kürzlich ist im Verlag 8. Mai eine Neuauflage des Buches „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ erschienen, versehen mit jeweils einem Vorwort von Dietmar Dath und Christoph Türcke. Türcke spricht mit Radio Corax über Stärken, Schwächen, geschichtsphilosophische Implikationen und Aktualität dieses Buches.

    Download (via FRN; 29 MB; 18 min)

■ Ganze Sendung

In der Sendung wird neben den oben dokumentierten Interviews außerdem Einblick in den Inhalt eines Lektüreseminars zur linken Bolschewismuskritik gegeben.

    Download (via FRN; 219 MB; ca 2 h)

Sendung 4

Zur Situation der Bauern im (vor)revolutionären Russland

Die Bauern stellten zur Zeit der Oktoberrevolution den größten Teil der Bevölkerung Russlands. Nicht zuletzt ihr Handeln hat den Prozess der Oktoberrevolution in Gang gesetzt. Im Gespräch mit Radio Corax rekonstruiert die Historikerin Franziska Schedewie die Situation der Bauern während der Oktoberrevolution und im prä- und postrevolutionären Russland.

    Download (via FRN; 41 MB; 30 min)

Über den „Mythos Kronstadt“

Ewgeniy Kasakow rekonstruiert die Ereignisse um den Kronstädter Matrosenaufstand von 1921 und dessen Niederschlagung. Dabei geht es ihm auch darum, Mythen zu dekonstruieren, die jahrzehntelang in den Frontlinien der linken Fraktionen eine Rolle gespielt haben.

    Download (via FRN; 33 MB; 20 min)

■ Ganze Sendung

Im Gesamtmitschnitt wird neben den oben dokumentierten Interviews außerdem die Position Rosa Luxemburgs zur Bauernfrage diskutiert und es gibt eine Vorstellung der Autobiografie „Erinnerungen eines Revolutionärs 1901 – 1941″ von Victor Serge und des Buches „Die Sowjetmacht: Die Revolution der Bolschewiki“ von Alexander Rabinowitch.

    Download (via AArchiv; 190 MB; ca 2 h)

Sendung 5

Über die Emanzipation der Frauen in der Russischen Revolution

Mit der Oktoberrevolution gingen nicht nur politische und ökonomische Veränderungen einher. Einhergehend damit sollten auch die herrschenden Vorstellungen von Familie und Geschlechterverhältnis umgewälzt werden. Gisela Notz arbeitet zu den Themen Arbeitsmarkt-, Sozial- und Frauenpolitik und historische Frauenforschung. Zudem ist sie Herausgeberin eines Wandkalenders mit Biografien aus der emanzipatorischen Frauenbewegung. Mit Notz sprach Radio Corax unter anderem über die angestrebte (und letztlich nicht verwirklichte) Auflösung der althergebrachten bürgerlich kapitalistischen Familienstruktur. Notz setzt bei der Situation der Frauen im Revolutionsjahr an.

    Download (via FRN; 17:52 min; 33 MB)

Über die Fortsetzung kapitalistischer Geschlechterarrangements in der Sowjetunion

Wesentlich kritischer als Gisela Notz blickt Felicita Reuschling auf die Geschlechter-Politik der Sowjetunion. So hält sie fest, dass beispielsweise die Familie im sowjetischen Realsozialismus eine Institution mit großen Ähnlichkeiten zu ihrem Gegenstück in den kapitalistischen Industriegesellschaften blieb. Felicita Reuschling, Kunstpädagogin und Kuratorin, sucht im Gespräch mit Radio Corax nach Erklärungen für diesen tristen Befund. Der Mitschnitt ihres Vortrags im Rahmen der Leipziger Reihe findet sich hier (via AArchiv; 57:07 min; 60 MB).

    Download (via FRN; 24:14 min; 44 MB)

Judenfeindschaft in Russland nach der Oktoberrevolution

Der universalistische Anspruch hätte als Damm gegen eine offene Judenfeindschaft während und nach der Oktoberrevolution fungieren können. Denn: In der kommunistischen Gesellschaft sollte Antisemitismus verschwunden sein. Nach der Revolution 1917 stellten die Bolschewiki diesen unter Strafe. Trotzdem verübten nicht nur die Weißen Garden, sondern auch die Rote Armee während des Bürgerkriegs Pogrome. Daher fragte Radio Corax Olaf Kistenmacher: Welche Rolle spielte der Antisemitismus in der frühen und späten Sowjetunion?

    Download (via FRN; 18:10 min; 33 MB)

■ Ganze Sendung

Im Gesamtmitschnitt ist zusätzlich ein Interview mit einer Mitorganisatorin der Leipziger Veranstaltungsreihe und ein Interview mit Katja von der Translib Leipzig über Arbeitsbedingungen in der Pflege enthalten.

    Download (via AArchiv; ca. 2 h; 219.9 MB)

Sendung 6

Über die ursprüngliche Akkumulation in der Sowjetunion

Auf Kritiknetz hat Hannes Giessler-Furlan einen Text veröffentlicht, in dem er sich an einer ökonomischen Analyse der Oktoberrevolution versucht. Er begreift die Oktoberrevolution als „ursprüngliche sozialistische Akkumulation“ und äußert Zweifel an der Richtigkeit des Begriffs „Staatskapitalismus“. Radio Corax hat mit ihm über seinen Text gesprochen. Aspekte dessen finden sich auch im Buch „Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie“, das Giessler-Furlan inzwischen bei zuKlampen veröffentlicht hat.

    Download (via FRN; 25:28 min; 41 MB)

Russische Avantgarde in (vor und nach) der Revolution

„Für den Anfang sollte uns eine wirkliche bürgerliche Kunst genügen“. Dieser Satz Lenins war ein Schlag ins Gesicht der revolutionären sowjetischen Avantgarde, die auf Seiten der Revolution kämpfte. Wenige Jahre später, 1932, löste das ZK alle bestehenden Künstlergruppen und Freie Assoziationen auf. Jede dezentrale kulturelle und künstlerische Ausbildung kam zum Erliegen. Verena Krieger ist Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit dem Forschungsschwerpunkt: Russische Avantgarde. Mit Krieger sprach Radio Corax über die Situation der russischen Avantgarde vor 1917, neue Betätigungsfelder im Zuge der Revolution, Proletkult und das Ende durch den Stalinismus.

    Download (via FRN; 28:21 min; 45 MB)

Über die sowjetische Filmavantgarde

Lenin erklärte den Film zur wichtigsten Kunst. Tatsächlich haben verschiedene filmerische Experimente die Oktoberrevolution begleitet. Radio Corax sprach mit Tilman Schumacher über das Verhältnis des jungen Mediums Film zur Revolution und über die verschiedenen filmerischen Stränge in Russland.

    Download (via FRN; 38:10 min; 61 MB)

Geschichten aus der Geschichte der Sowjetunion

Thomas Rothschild ist Literaturwissenschaftler und Slawist, arbeitet an der Universität Stuttgart und brachte bereits 1990 das Buch „Geschichten aus der Geschichte der Sowjetunion“ bei Luchterhand heraus. Der Band umfasst eine Sammlung literarischer Texte vom Beginn der Sowjetunion bis in die Tauwetter-Periode der frühen 60er. Mit Rothschild sprach Radio Corax über sowjetische Avantgarde und Literatur. Zuerst allerdings über seine Beurteilung der Oktoberrevolution.

    Download (via FRN; 28:54 min; 46 MB)

■ Ganze Sendung

Im Gesamtmitschnitt der Sendung ist außerdem ein Interview mit Steffen Hendel über den Malik-Verlag enthalten.

Sendung 7

1917 und die Folgen

Auch Helmut Dahmer hat bei Kritiknetz einen Text über die Oktoberrevolution veröffentlicht. Er geht im Text insbesondere auf den Verlauf und die verschiedenen Phasen der Oktoberrevolution ein und stellt sich u.a. die Frage, ob die Oktoberrevolution der Aufstand einer politischen Minderheit und ob sie ein Putsch gewesen ist. Radio Corax sprach mit ihm über seinen Text.

    Download (via FRN; 49:52 min; 57 MB)

Das heutige Russland und 1917

Auch in Russland wurde dem 100. Jubiläum der Oktoberrevolution gedacht – am Jahrestag der Oktoberrevolution fand auch in Moskau eine Gedenk-Demonstration statt. Diese Demonstration war allerdings nicht gegen das aktuelle Regime Putins gerichtet, sondern kam durchaus nationalistisch daher. Radio Corax sprach mit Ute Weinmann, die in Moskau lebt und das dortige Geschehen beobachtet hat.

    Download (via FRN; 12:07 min; 17 MB)

■ Ganze Sendung

Im Gesamtmitschnitt der Sendung ist außerdem ein Interview mit Thomas Seibert über das Buch „Kritik und Aktualität der Revolution“ enthalten.

    Download (via AArchiv; ca. 2 h; 164.2 MB)

Sendung 8

Kritik des Staatssozialismus als Spektakelkritik

Biene Baumeister Zwi Negator wenden die kritische Theorie der Situationisten – die Spektakel-Kritik – auf den Staatssozialismus an. Sie führen einerseits in die Theorie der Situationisten ein, sprechen darüber, warum die Oktoberrevolution falsch in einem Bild fixiert wird und gehen dann ausführlicher auf die Oktoberrevolution selbst ein, wobei es auch um den Antisemitismus innerhalb der revolutionären Geschehnisse geht. Den Mitschnitt eines Vortrags unter dem Titel „Ein Jahrhundert verlassen – Vom Mythos der russischen Kommune zum Spektakel um 1917“, den Biene Baumeister Zwi Negator in Stuttgart gehalten haben, findet sich hier (via AArchiv; 3:17:17; 316.1 MB). Ein Text von BBZN, der sich mit dem Begriff des konzentrierten Spektakels auseinandersetzt, findet sich hier.

    Download (via FRN; 46:12 min; 53 MB)

Zur Wahrnehmung der Oktoberrevolution innerhalb des Anarchismus

Auch wenn aus anarchistischen Reihen schon früh eine geradezu prophetische Kritik des Staatssozialismus formuliert wurde, war das Verhältnis der Anarchisten zur Oktoberrevolution keineswegs eindeutig. Als im Oktober 1917 die Nachricht von der Oktoberrevolution um die Welt ging, waren auch Anarchistinnen und Anarchisten begeistert. Erst in den Jahren danach entwickelte sich aus den Reihen des Anarchismus eine immer entschiedenere Kritik am Bolschewismus. Radio Corax sprach mit Philippe Kellermann über die anarchistischen Reaktionen auf die Oktoberrevolution. Philippe Kellermann hat kürzlich im Dietz-Verlag einen Sammelband mit dem Titel „Anarchismus und Russische Revolution“ herausgegeben.

    Download (via FRN; 32:33 min; 52 MB)

Anarchismus und Oktoberrevolution

Ebenfalls über das Verhältnis von Anarchismus und Oktoberrevolution sprach Radio Corax mit Ewgeniy Kasakow. Im Interview ging es u.a. um das Verhältnis der anarchistischen Bewegung zu den Bolschewiki, die Machno-Bewegung und das Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus.

    Download (via FRN; 38:15 min; 61 MB)

■ Ganze Sendung

Der Mitschnitt der letzten Sendung ist mit 2 1/2 Stunden etwas länger als die anderen Sendungen.

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http://audioarchiv.blogsport.de/2018/06/03/vorwaerts-und-nicht-vergessen/feed/
Zwischenbemerkung http://audioarchiv.blogsport.de/2017/12/18/zwischenbemerkung/ http://audioarchiv.blogsport.de/2017/12/18/zwischenbemerkung/#comments Mon, 18 Dec 2017 18:48:04 +0000 MoshMosh In eigener Sache http://audioarchiv.blogsport.de/2017/12/18/zwischenbemerkung/ Zugegebenermaßen ist es etwas ruhig geworden um das Audioarchiv. Sammelbeiträge erscheinen hier nur noch in spärlichen Abständen und – was die Klickzahlen angeht – scheint TheNokturnalTimes inzwischen die größere Relevanz zu haben. Der Grund dafür ist zum einen – es lässt sich leicht denken – die Lohnarbeit, die den Redaktionsmitgliedern auch die Zeit zum archivieren raubt. Zum anderen hat ein Teil der Audioarchiv-Redaktion seine Aktivitäten vermehrt ins Feld der freien Radios verlagert – radio kills the blogsport-star… Die Praxis des Audioarchivs wird sich dementsprechend ändern. Es kann nicht mehr darum gehen mit Anspruch auf annähernde Vollständigkeit linksradikale Theorie-Vorträge zu dokumentieren und zu archivieren. Dazu besteht – im Gegensatz zu den Anfangstagen das Audioarchivs – vielleicht auch nicht mehr die Notwendigkeit: Das Material findet seinen Weg an die digitale Öffentlichkeit. Vielmehr wollen wir diesen Blog nutzen, um auf Audio-Material hinzuweisen, das unseres Erachtens aus den übrigen Veröffentlichungen besonders hervorsticht. Teilweise wird es auch einfach Material sein, an dessen Entstehung wir selbst mitgewirkt haben. Vielleicht gibt es dann im Laufe der Zeit auch wieder Veröffentlichungen in kürzeren Abständen. Bis dahin bleibt das Audioarchiv als ein umfangreiches Archiv bestehen.

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Der 17. Juni 1953 http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/29/der-17-juni-1953/ http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/29/der-17-juni-1953/#comments Thu, 29 Jun 2017 09:08:02 +0000 MoshMosh AudioÖffentlich RechtlichesArbeiterbewegungBernd GehrkeBewegungsgeschichteDDRGeschichteJürgen HofmannKlassenkämpfeRadio CoraxStaatssozialismusStreik http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/29/der-17-juni-1953/ Arbeiteraufstand oder Volksaufstand?

Kürzlich hat sich wieder der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR gejährt. Die Geschichte der mit diesem Datum verbundenen Ereignisse ist seit jeher Gegenstand einer Deutungsschlacht: Volksaufstand zur Wiedervereinigung Deutschlands, antikommunistischer Putschversuch, sozialdemokratisch orientierte Streikbewegung oder post-nationalsozialistische Zusammenrottung – so lauten verschiedene Deutungen. Als Teil der Geschichte des Staatssozialismus und der Geschichte von Klassenkämpfen ist dieses Datum aber auch Teil der linken Geschichte – und so lohnt es sich, jenseits der verschiedenen Eingemeindungen, sich der widersprüchlichen Wahrheit dieses Ereignisses zu nähern. In diesem Sinne dokumentieren wir hier einige Audiobeiträge zur Geschichte des 17. Juni 1953.

Anmerkung zum Verständnis: In den meisten Beiträgen ist vom RIAS die Rede – gemeint ist damit der „Rundfunk im Amerikanischen Sektor“.

1.) Legende und Wirklichkeit eines Volksaufstandes

Wir beginnen zunächst mit einem Beitrag aus dem Öffentlich-Rechtlichen – schon der Titel des Features zeigt den eher bürgerlichen Charakter des Beitrags an. Zu Wort kommt u.a. der Historiker Ilko Sascha-Kowalczuk. Interessant ist das Feature vor allem aufgrund der zahlreichen O-Töne.

    Download: via BR2 | via MF (mp3; 21 MB; 22:56 min)

2.) Zur Geschichte des 17. Juni 1953

Ein kurzer, etwas älterer Beitrag von Radio Corax gleicht einige Leerstellen des obigen Features aus: So wird hier auf die Multipolarität des Aufstands hingewiesen, dessen Ausrichtung von Ort zu Ort höchst unterschiedlich gewesen ist. Das kurze Feature sammelt auch Stimmen aus der Halle’schen Bevölkerung zum 17. Juni. Zuletzt wird der 17. Juni eingeordnet in die damals wachsende Spannung zwischen den beiden Blöcken. Wer genau hier spricht konnten wir nicht ermitteln. Wer sich für die lokalen Ereignisse des 17. Juni in Halle interessiert, dem sei dieses Interview über den Waggonbau Ammendorf empfohlen.

    Download: via AArchiv (mp3; 11 MB; 6:54 min)

3.) Arbeiteraufstand oder Volksaufstand?

Im Interview mit Radio Corax arbeitet Bernd Gehrke heraus, dass der 17. Juni 1953 vor allem ein Arbeiteraufstand gewesen ist. Er begreift diesen Aufstand vor allem als eine Selbstermächtigung von unten. Im Interview werden die Ursachen und der Charakter des Aufstands recht ausführlich besprochen. Bernd Gehrke gehörte in der Endphase der DDR zur Vereinigten Linken – heute ist er u.a. aktiv im AK Geschichte Sozialer Bewegungen Ost West.

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 60.7 MB; 53:06 min)

4.) 17. Juni 1953 – Deutungen im Widerstreit

Abschließend folgt ein Vortrag, den Jürgen Hofmann (Mitglied im Historischen Beirat der Partei Die Linke) im Juni 2013 in Dresden gehalten hat. Er gibt zunächst einen Überblick über nützliche Quellen und schildert dann anekdotisch die Verläufe des Aufstands, wobei er jeweils den Fokus auf die Besonderheiten verschiedener Städte legt. Im Publikum sitzen einige Zeitzeugen, die dann in der Diskussion einige Eindrücke zusammentragen.

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 56.3 MB; 1:58:59 h)

Labournet stellt eine ausführliche Textsammlung zum 17. Juni 1953 zur Verfügung – darunter auch ein zweiteiliger Text von Bernd Gehrke. Der positiven Deutung Gehrkes setzt Philipp Graf (Roter Salon / Simon-Dubnow-Institut) einige Ausführungen entgegen, die den Aufstand nicht ungebrochen als emanzipatorischen Vorgang deutbar machen.

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http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/29/der-17-juni-1953/feed/
Der 2. Juni 1967 und die Folgen http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/07/der-2-juni-1967-und-die-folgen/ http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/07/der-2-juni-1967-und-die-folgen/#comments Wed, 07 Jun 2017 12:39:09 +0000 MoshMosh Audio1968Benno OhnesorgBernd GehrkeBewegungsgeschichteJan GerberKarl Heinz DellwoKlassenkampfMargot OverathPeter LeuschStadtguerillaStudentenbewegung http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/07/der-2-juni-1967-und-die-folgen/ Vor wenigen Tagen jährte sich der Todestag von Benno Ohnesorg zum 50. mal. In den Erzählungen über die Ursachen jener Bewegung, die später mit der Chiffre 1968 bezeichnet wurde, spielt der 2. Juni 1967 eine zentrale Rolle. Am 2. Juni 2017 wurde viel über dieses Datum gesprochen – wir dokumentieren hier einige Beiträge, die unseres Erachtens über eine unpolitische Jahrestagserinnerung hinausgehen.

1.) Benno Ohnesorg – Chronik einer Hinrichtung

Kürzlich hat Margot Overath (die u.a. ein sehr hörenswertes Feature über den Mord an Oury Jalloh produziert hat) ein Feature über die Ermordung von Benno Ohnesorg veröffentlicht. Dafür sprach sie mit Zeitzeugen und am Einsatz beteiligten Polizeibeamten über die Tat, den Tag und die Folgen bis heute. Ergänzend dazu siehe dieses Interview mit Uwe Soukup, der ebenfalls im Feature von Overath zu Wort kommt.

    Download: via SWR2 | via MF (mp3; 74.8; 54:30 min)

2.) Die studentische Linke, der Tod Benno Ohnesorgs und der 6-Tage-Krieg Israels

Ein Feature von Peter Leusch rekonstruiert die Ereignisse jener Jahre unter einem anderen Blickwinkel: Die Ermordung Benno Ohnesorgs geschah kurz vor dem 6-Tagekrieg, in dessen Folge sich die Beziehung der westdeutschen Linken zu Israel grundlegend veränderte. Leusch rekonstruiert diese Diskursverschiebung und geht dabei u.a. auf den Faschismusbegriff der Neuen Linken und ihr Verhältnis zur kritischen Theorie ein.

    Download: via ARD | via MF (mp3; 13.6 MB; 14:54 min)

3.) Das proletatrische 1968

Im Tagesaktuellen Programm von Radio Corax war der 2. Juni ein Anlass, um über 1968 zu sprechen. Ein oft ausgeblendeter Umstand ist, dass 1968 auch mit erheblichen ökonomischen Verschiebungen und mit Klassenauseinandersetzungen verbunden war. Bernd Gehrke und Gerd-Rainer Horn haben hierzu ein Buch mit dem Titel „1968 und die Arbeiter : Studien zum ‚proletarischen Mai‘ in Europa“ veröffentlicht. Radio Corax sprach mit Bernd Gehrke über dieses Buch. (Zum Thema außerdem interessant und materialreich: „Das proletarische 1968″ von Nelke.)

    Download: via FRN (mp3; 32 MB; 27:42 min)

4.) Rekonstruktion einer Niederlage

Der 2. Juni 1967 und der bewaffnete Kampf sind unweigerlich miteinander verbunden – die Bewegung 2. Juni hat das Ereignis zu ihrem Namen gemacht. Der 2. Juni 1967 war eines von mehreren Ereignissen, das zu einer Entwicklung führte, in der die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen dem Staat und linken Gruppen unausweichlich schien. Darüber sprach Radio Corax mit Karl-Heinz Dellwo. Der ist ehemaliges Mitglied der RAF und heute Mitbetreiber des Laika-Verlags. (Das Gespräch enthält in der ersten Hälfte zahlreiche Störgeräusche – das ändert sich ab der zweiten Hälfte.)

    Download: via FRN (mp3; 40 MB; 35:04 min)

5.) Anmerkungen zum Jahr 1968

In den Nachrichten aus dem beschädigten Leben vom 25. Januar 2016 kam Jan Gerber über 1968 zu Wort. Er rekonstruiert 1968 als Teil einer Modernisierungsbewegung des Kapitalismus – die 1968er haben dem Kapital zu einer Neuausrichtung verholfen:

    Download: via FRN (mp3; 13 MB; 7:50 min)

Dieser Kommentar wurde wiederum kritisch von einem Moderatoren von Radio Corax kommentiert:

    Download: via FRN (mp3; 0.7 MB; 4:16 min)

Auf dem Blog der interventionistischen Linken wurde übrigens ein lesenswertes Interview mit einem ehemaligen Mitglied der Bewegung 2. Juni veröffentlicht – die Interventionistische Linke ruft angesichts einiger Jahrestage zu einer Debatte über Geschichtspolitik auf. Zum Thema sei außerdem empfohlen: Johannes Agnoli – 1968 und die Folgen (da dieses Buch über den ça ira Verlag leider nicht mehr lieferbar ist, muss man im Internet findig sein).

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http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/07/der-2-juni-1967-und-die-folgen/feed/
Theater — Realität — Realismus http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/06/theater-realitaet-realismus/ http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/06/theater-realitaet-realismus/#comments Tue, 06 Jun 2017 13:32:32 +0000 MoshMosh AudioÄsthetik und KulturkritikAnja NowakBernadete GrubnerBernd StegemannBertolt BrechtDoris Neumann RieserDramaFrank RaddatzHeiner MüllerJakob HaynerJens MehrleKai KöhlerLukas HolfeldMax KöhlerPeter HacksPostdramatisches TheaterRadio CoraxRealismusSebastian TränkleTheaterThomas ZimmermannTina Turnheim http://audioarchiv.blogsport.de/2017/06/06/theater-realitaet-realismus/ Im letzten Jahr fand in Berlin unter dem Titel Theater — Realität — Realismus eine Tagung statt, auf der eine Kritik des Gegenwartstheaters diskutiert wurde. Bezugspunkt der Diskussion waren dabei Dramatiker wie Bertolt Brecht, Peter Hacks und Heiner Müller. Mittlerweile liegt die Dokumentation dieser Tagung als sechste Ausgabe der Zeitschrift Kunst, Spektakel & Revolution vor. Aus diesem Anlass dokumentieren wir hier die Audioaufnahmen von der Tagung und Radiosendungen und Interviews im selben Zusammenhang.

A.) Wutpilger-Streiftzüge: Theater — Realität — Realismus

In der Mai-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge (Radio Corax) wurde ein umfangreiches Feature gesendet, in dem bestimmte Diskussionsstränge der Berliner Tagung eingefangen wurden. Zu Wort kommen dabei Tina Turnheim (u.a. EGfKA), Sebastian Tränkle (u.a. Phase 2) und Jakob Hayner (u.a. KSR & Theater der Zeit).

    Download: via Mediafire (mp3; 96.1 MB; 1 h)

B.) Interview mit Jakob Hayner zur Tagung

Im Nachgang der Tagung wurde Jakob Hayner für Radio Corax interviewt. Es geht dabei um eine Bestandsaufnahme des Gegenwartstheaters, den Begriff des Realismus, die Linie Brecht-Hacks-Müller und das Theater in der DDR. Das Interview kann in Textform hier nachgelesen werden. Das Interview wurde auszugsweise auch im obigen Feature verwendet – die ursprüngliche Version ist jedoch noch umfassender.

    Download: via FRN (mp3; 53 MB; 23:13 min)

C.) Interview mit Jakob Hayner zu KSR N°6

Im Vorfeld der Release-Veranstaltung zu KSR N°6 an der Oper in Halle hat Radio Corax erneut ein Interview mit Jakob Hayner geführt. Dabei ging es um das Verhältnis von Avantgarde und Realismus – aber auch um eigene Theatererfahrungen und Debatten um die Oper in Halle.

    Download: via FRN (mp3; 24 MB; 17:46 min)

Im Folgenden nun die Dokumentation der Tagung:

1.) Einleitung zur Tagung

In der Einleitung hat Jakob Hayner noch einmal begründet, warum der Begriff des Realismus sich besonders für eine politische Diskussion über das Theater eignet. Er stellt die Themen der Tagung vor und integriert die einzelnen Vorträge in einen Gesamtzusammenhang.

    Download: via AArchiv (mp3; 32 MB; 23:22 min)

2.) Realismus als ästhetischer Kampfbegriff in Exil- und DDR-Literaturdebatten

Bernadette Grubner (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie, FU Berlin) verortet den Begriff des Realismus historisch und analysiert den Charakter der um diesen Begriff geführten Debatten.

    Download: via AArchiv (mp3; 65 MB; 47:23 min)

3.) Die Explosion der Utopie. Heiner Müller und die Frage der Gewalt

Frank M. Raddatz (Publizist, Dramaturg und Theaterregisseur) zeichnet eine Entwicklung innerhalb des Werks von Heiner Müller nach: Dessen Beschreibung und Bezugnahme auf (revolutionäre, gegenrevolutionäre) Gewalt.

    Download: via AArchiv (mp3; 104 MB; 1:15:54 h)

4.) The world is a stage, but the play is badly cast.

Sebastian Tränkle hat in seinem Vortrag Thesen über Theater und Wirklichkeit vorgetragen. Dabei beschreibt er Tendenzen des Gegenwartstheaters und formuliert eine Kritik dieser Tendenzen, wobei er diese mit Tendenzen der gesellschaftlichen Wirklichkeit abgleicht. Der Vortrag bricht leider ungefähr nach der Hälfte des Vortrags ab – die Batterie des Aufnahmegeräts war erschöpft. Ausführlicher ist Sebastian Tränkle dafür in oben verlinktem Feature zu hören.

    Download: via AArchiv (mp3; 27 MB; 19:44 min)

5.) Against facts?

Der Vortrag von Tina Turnheim trug den Untertitel: Brechts »Realismus der Möglichkeit« als Waffe gegen vermeintliche Sachzwänge, Fatalismus und mangelnde Vorstellungskraft im »kapitalistischen Realismus«. Sie stellt dabei Bertolt Brecht als einen Realisten dar, der Kältestrom und Wärmestrom (Bloch) gleichermaßen integrieren konnte. In ihrem Textbeitrag in KSR N°6 formuliert sie auch eine Kritik an Bernd Stegemann (s.u.). In der Ausgabe 626 der ak hat Tina Turnheim einen Artikel über die Notwendigkeit einer antifaschistischen Offensive am Theater geschrieben. Jakob Hayner hat in der ak 627 darauf geantwortet.

    Download: via AArchiv (mp3; 84,8 MB; 1:01:45 h)

6.) Brechts »eingreifendes Denken« und die Chancen eines Linkspopulismus

Am Abend des ersten Konferenztages referierte Bernd Stegemann (Dramaturg, Autor und Professor für Theatergeschichte an der Ernst-Busch-Schauspielschule), der in Theaterkreisen durch seine Bücher „Kritik des Theaters“ und „Lob des Realismus“ aufmerksam auf sich gemacht hat. In seinem Vortrag geht er jedoch eher weniger auf die Theater-Debatten ein – er spricht über den Begriff des Populismus, auch die Möglichkeit eines Linkspopulismus und zieht hierfür u.a. Bertolt Brecht heran. Der Vortrag war eine Vorarbeit zu seinem inzwischen erschienenen Buch „Das Gespenst des Populismus“. Der Vortrag ist auf der Konferenz kontrovers diskutiert worden.

    Download: via AArchiv (mp3; 117 MB; 1:25:28 h)

7. Das poetische Element ist natürlich nichts Unrealistisches!

Am nächsten Tag referierte zuerst Doris Neumann-Rieser (Mitarbeiterin am Institut für Germanistik der Uni Wien) über Realität und Realismus im Verständnis des Dramatikers Brecht. Dabei ordnet sie mehrere Phasen der Werkentwicklung von Brecht und geht auf einige Stücke ein.

    Download: via AArchiv (mp3; 65.7 MB; 47:52 min)

8.) Drama und Theater

Jens Mehrle (Regisseur und Miterhausgeber der Berlinischen Dramaturgie) referierte zu einem Aspekt des Realismus in Peter Hacks‘ »Berlinischer Dramaturgie«. In seinem Vortrag verteidigt er das Drama gegenüber dem nichtdramatischen Diskurstheater.

    Download: via AArchiv (mp3; 106 MB; 1:17:20 h)

9.) Adorno: Realismus in der verwalteten Welt

Anja Nowak (Researcherin an der University of British Columbia) referierte über Adornos Position zum Realismus. Dabei hat Adorno selbst keine ausgearbeitete Theorie oder Kritik des Realismus vorgelegt, sich aber immer wieder im Zusammenhang von Realismus-Debatten geäußert.

    Download: via AArchiv (mp3; 59.6 MB; 43:27 h)

10.) Realismus und Dramenform

Kai Köhler (Literaturwissenschaftler, u.a. Autor von Literaturkritik) beschreibt Realismus und Dramenform als notwendig aufeinander bezogen und zieht hierfür ebenfalls vor allem Peter Hacks heran.

    Download: via AArchiv (mp3; 55.5 MB; 40:29 min)

11.) Neuer Realismus? – Abschließende Podiumsdiskussion

Auf dem Abschlusspodium waren mehrere der Mitorganisatoren vertreten: Thomas Zimmermann, Max Köhler und Jakob HaynerLukas Holfeld moderierte das Podium. Aspekte der Diskussion waren: Grundlegende Tendenzen der Realität, von der wir sprechen / Zusammenhang von Realismus und Krise / Philosophie und Realismus / Avantgarde und Realismus.

    Download: via AArchiv (mp3; 155 MB; 1:53:21 h)
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Where is an alternative? http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/28/where-is-an-alternative/ http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/28/where-is-an-alternative/#comments Fri, 28 Apr 2017 13:57:12 +0000 MoshMosh AudioArbeiterbewegungBewegungsgeschichteChristoph SiefkesCommonsKommunismusProduktion und VerteilungRätekommunismusRüdiger MatsRalf HoffroggeThe Future is unwritten http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/28/where-is-an-alternative/ Im November des letzten Jahres hat die Leipziger Gruppe The Future is unwritten (assoziiert im Ums-Ganze-Bündnis) eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Where is an Alternative“ durchgeführt. Es ging dabei darum, Modelle einer bedürfnisorientierten Produktionsweise zur Diskussion zu stellen. Wir dokumentieren im Folgenden die Mitschnitte der Vortragsreihe. Zusätzlich stellen wir die Interviews zur Verfügung, mit denen Radio Corax die Veranstaltungsreihe begleitet hat.

1.) Einführung in die Veranstaltungsreihe & Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung

Im Vorfeld der Veranstaltungsreihe hat Radio Corax ein Interview mit einem Genossen von The Future is unwritten geführt. Einerseits ging es um die Veranstaltungsreihe insgesamt, andererseits wurde schon recht ausführlich auf den ersten Vortrag der Reihe eingegangen.

    Download: via FRN (mp3; 26 min; 36 MB)

Im Eröffnungsvortrag haben zwei Mitglieder der Gruppe dann zunächst einige grundlegende Gedanken referiert, was für sie im Wesentlichen eine gelungene Kapitalismuskritik ausmachen muss. Dabei begründen sie auch, warum es für sie notwendig ist, sich schon jetzt Gedanken über Alternativen zum Bestehenden zu machen. Anschließend gehen sie zum eigentlichen Thema des Abends über: Das Buch „Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung“ der Gruppe Internationaler Kommunisten Hollands (GIKH – siehe auch hier) von 1930. Dabei geht es einerseits um deren Kritik des Staatssozialismus und andererseits um ihre Vorstellung, wie Produktion und Verteilung durch eine Arbeitszeitrechnung aufeinander bezogen werden können. In der Diskussion folgen viele skeptische Nachfragen.

Grundprinzipien Kommunistischer Produktion und Verteilung – Gruppe Internationale Kommunisten Hollands

Die raetekommunistische Tradition mit ihren Anfaengen bei Rosa Luxemburg bis zu den Hollaendischen Raetekommunisten kann aus heutiger Sicht als einer der progressivsten linken Stroemungen aufgefasst werden. Vom Widerstand gegen den ersten Weltkrieg bis zur fruehen Kritik des Bolschewismus und des Stalinismus haben sie die trotz der Wirren des politischen Zeitgeschehens richtige politische Entscheidungen getroffen. Hochinteressant fuer die heutige linke Perspektive ist insbesondere, dass die Positionen der Raetekommunist*innen â wie der Name schon verraet sich aus ihren Ideen zur revolutionaeren Umorganisation der gesellschaftlichen Produktion speist, die im Gegensatz zu entsprechenden Ideen ihrer Zeitgenoss*innen standen. Solche Ideen scheinen heute vergessen, erschoepft sich heutige linke Politik doch in systemimmanenten Verbesserungen oder der blossen Ablehnung des Kapitalismus.

Um dem entgegenzuwirken, moechten wir in diesem Vortrag die Grundprinzipien Kommunistischer Produktion & Verteilung der Gruppe Internationale Kommunisten Hollands vorstellen, kritisieren und mit euch diskutieren. Mit direktem Bezug auf Marx entwerfen die Hollaendischen Raetekommunisten hier ein Bild einer beduerfnisorientierten Oekonomie, das auf der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und der Arbeitszeitrechung beruht. Durch die Bestimmung eines exakten Verhaeltnisses zwischen Produzent und Produkt soll die Autonomie der einzelnen Produzent*innen ueber die Produktion gewahrt werden, ohne dass sich ein repressiver Apparat ueber sie erhebt.

Der AK Kommunismus ist ein Arbeitskreis innerhalb der kommunistischen Gruppe the future is unwritten aus Leipzig. Ziel des AK’s ist die Erarbeitung, Diskussion, Kritik und Verbreitung der Ideen zu einer beduerfnisorientierten Ãkonomie als Teil eines linken Projekts zur progressiven Umwaelzung der Produktionsverhaeltnisse.

    Download: via AArchiv (mp3; 1:41:39 h; 35 MB)

2.) Vom Sozialismus zur Wirtschaftsdemokratie

Den zweiten Vortrag hat der Historiker Ralf Hoffrogge (u.a. Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland in der theorie.org-Reihe) gehalten. Im Vorfeld sprach Radio Corax mit ihm über die Forderung nach einer Demokratisierung der Wirtschaft und Aspekte der Arbeiterbewegung:

    Download: via FRN (mp3; 17:55 min; 29 MB)

Der Vortrag war dann im Grunde ein Überblick über bestimmte Strömungen der Arbeiterbewegung in Deutschland: Die Frühsozialisten und präkommunistische Genossenschaften; Schulze-Delitzsch, Ferdinand Lasalle, Augest Bebel, Karl Kautsky, Marx und die frühe Sozialdemokratie; der Kriegssozialismus während des 1. Weltkriegs und die Rätebewegung nach dem Krieg; und das Konzept der Wirtschaftsdemokratie in der Weimarer Republik. Am Ende versucht Hoffrogge die Vorteile und Beschränkungen des Genossenschaftsgedankens einzuholen.

Vom Sozialismus zur Wirtschaftsdemokratie? – Die ArbeiterInnenbewegung und ihre Forderung nach einer Demokratisierung der Produktion

Heute wird die Unterscheidung zwischen Sozialismus und Kapitalismus oft auf den Gegensatz zwischen »Staat« und »Markt« und das Gegensatzpaar »Planung« vs. »Freiheit« reduziert. Im Gegensatz zu dieser landlaeufigen Vorstellung spielte jedoch Demokratie in der Ideengeschichte des Sozialismus eine zentrale Rolle.

Denn seit Beginn der industriellen Revolution kaempfte die Bewegung der Arbeiterinnen und Arbeiter dafuer, die politische Demokratie auszuweiten: gefordert wurde das Frauenwahlrecht und das Ende diskriminierender Regelungen wie dem preussischen Dreiklassenwahlrecht, bei dem Waehlerstimmen nach Steueraufkommen gewichtetet wurden. Darueber hinaus ging es jedoch um die Demokratisierung der Produktion selbst: Bereits im 19ten Jahrhundert entstanden erste Kommunen und Produktivgenossenschaften, sozialistische Gewerkschaften forderten den vollen Arbeitsertrag. Im 20ten Jahrhundert folgten groessere Entwuerfe: Verstaatlichung, Sozialisierung, Raete- oder Wirtschaftsdemokratie. All diese Modelle strebten eine Demokratisierung der Produktion an, unterschieden sich jedoch stark in Reichweite und Taktik. Erdacht, umgesetzt – gescheitert, erreichten sie selten ihr wahres Ziel und veraenderten doch die Welt.

Der Vortrag von Ralf Hoffrogge stellt diese Konzepte am Beispiel der deutschen ArbeiterInnenbewegung vor. Danach ist Zeit fuer Diskussion: ist solidarische und sozialistische Oekonomie eine Utopie von Gestern, oder hat sie ihren Platz in den sozialen Kaempfen von Heute?

Ralf Hoffrogge ist Historiker und Autor der Einfuehrung „Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland“ aus der Reihe theorie.org (Stuttgart 2011). Er ist spezialisiert auf Biographien der Arbeiterbewegung, 2008 erschien sein Werk: Richard Mueller der Mann hinter der Novemberrevolution. Seine Dissertation: „Werner Scholem – eine politische Biographie (1895-1940)“ erschien 2014.

    Download: via AArchiv (mp3; 52:49 min; 18 MB)

3.) Commonismus – selbstorganisiert und bedürfnisorientiert produzieren

Innerhalb der Vortragsreihe wurde auch das Prinzip des Commons diskutiert – hierzu hat Christian Siefke referiert, der u.a. Autor der Plattform Keimform ist (einer Strömung der Commons-Bewegung, die einen wertkritischen Einschlag hat). Commons beschreibt einen Zusammenhang von Ressourcen, die gemeinschaftlich verwaltet werden. Leider liegt von diesem Vortrag kein Audiomitschnitt vor. Dafür gibt es ein Interview von Radio Corax, in dem Siefkes nach den Grundlagen der Commons-Produktion befragt wurde.

    Download: via FRN (mp3; 14:23 min; 23 MB)

4.) Commonismus statt Kommunismus?

Eine Kritik des Commons-Gedankens hat im Rahmen der Reihe Rüdiger Mats (Ex-Mitglied der Gruppe The Future is unwritten, Autor der Phase 2) formuliert. Einige Aspekte dieser Kritik hat er bereits im Vorab-Interview formuliert (dem Interview ist ein Einspieler vorangestellt, in dem Siefkes eine Definition von Commons gibt):

    Download: via FRN (mp3; 12:08 min; 28 MB)

Rüdiger Mats kritisiert in seinem Vortrag, dass die Commons-Idee keine politische Vermittlung denken kann, dass sie gesellschaftliche Konflikte und Interessensgegensätze ausblendet, dass sie letztlich nicht der Komplexität der modernen Gesellschaften entspricht. Dennoch kehrt er am Ende positive Aspekte von Commons hervor. Zuletzt kommt er auch nochmal auf den Eröffnungsvortrag zurück und skizziert eine Kritik der Rätekommunisten und deren Vorstellung von Arbeitszeitrechnung.

Commonismus statt Kommunismus? – Ueber ein Konzept libertaerer Oekonomie ohne Ausbeutung und Herrschaft – Vorstellung und Kritik

In den letzten Jahren werden vermehrt Konzepte von commons- oder peer-basierter Oekonomie diskutiert: Darin nutzen Menschen so genannte Commons, Gemeingueter, die niemandem gehoeren, sondern nur zur Nutzung vergeben werden. Es existiert kein Markt, es gibt keine Planbehoerde, die alles bestimmen darf immer wechselnde Kollektive tun auf Zuruf alles das, was getan werden muss. Ist das zu schoen, um wahr werden zu koennen? Das werden wir diskutieren.

Ruediger Mats promovierte zur Oekonomie des Realsozialismus und veroeffentlicht regelmaessig zu linken Politikkonzepten und zur Idee, Organisierung und historischen Defensive des Kommunismus. Er war bis 2016 Mitglied der kommunistischen Gruppe the future is unwritten aus Leipzig.

    Download: via AArchiv (mp3; 1:45:01; 36 MB)
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Die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/19/die-mitteldeutschen-maerzkaempfe-von-1921/ http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/19/die-mitteldeutschen-maerzkaempfe-von-1921/#comments Wed, 19 Apr 2017 09:39:20 +0000 MoshMosh AudioArbeiterbewegungBewegunsgeschichteKAPDKarsten RudolphKPDLinkskommunismusMax HoelzNorbert MarohnRätekommunismusSeb BronskyStefan WeberWutpilger Streifzüge http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/19/die-mitteldeutschen-maerzkaempfe-von-1921/ 1.) Die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921

Ende März 1921 riefen KPD und KAPD zu einem Generalstreik im Industriezentrum Halle/Merseburg und Leuna auf. Von Mitteldeutschland aus sollte diese Streikaktion an Masse gewinnen und Initialzündung für weitergehende revolutionäre Bestrebungen sein. Doch vergeblich – die besetzten Betriebe wurden von Schutzpolizei und Reichswehr niedergeschossen und tausende radikale Arbeiter wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Diese Ereignisse sind nicht nur wegen ihrer Folgen interessant – um die Gefangenen der Märzaktion freizukriegen, wurde erst die Rote Hilfe gegründet – sondern auch wegen ihres Vorlaufes: Die Neuordnung der linken Parteienlandschaft, das Verhältnis zur KomIntern und die Debatten um einen offensiven oder einen gemäßigten Kurs. Nicht zuletzt sind die mitteldeutschen Märzkämpfe interessant wegen der beteiligten Gruppierungen und Personen – etwa der rätekommunistischen KAPD und dem berühmten Max Hoelz.

Auf Radio Corax ist im März 2017 ein ausführliches Feature erschienen, das die Ereignisse der mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 rekonstruiert. Zu Wort kommen hier Karsten Rudolph (Historiker, Institut für Soziale Bewegungen an der Ruhr Uni), Stefan Weber (Historiker), Norbert Marohn (Autor) und Seb Bronsky (Kommunist).

    Download: via Mediafire (mp3; 1:26:33 h; 138 MB)

2.) Zum Leben und Wirken des Max Hoelz

Ergänzend zum Feature ist in der April-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge ein ausführliches Interview mit Norbert Marohn über Max Hoelz gesendet worden. Norbert Marohn hat eine Hoelz-Biographie geschrieben: Hoelz. Biographie einer Zukunft, erschienen im Lychatz-Verlag. Das Interview behandelt die Kindheit von Max Hoelz, dessen Politisierung durch den Ersten Weltkrieg, seine revolutionären Betätigungen und schließlich seinen Aufenthalt in der Sowjetunion, der mit dem Tod in der Oka endete. Zu hören sind außerdem O-Töne aus den Filmen Max Hölz, der Revolutionär und Wolz. Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten.

    Download: via Mediafire (mp3; 1:05 h; 104 MB)
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Kunst, Spektakel & Revolution N°5 http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/04/kunst-spektakel-revolution-n5/ http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/04/kunst-spektakel-revolution-n5/#comments Tue, 04 Apr 2017 16:13:29 +0000 MoshMosh AudioÄsthetik und KulturkritikFSKGewaltHerrschaftJakob Haynerjulian kuppeKunst Spektakel RevolutionLukas HolfeldNachrichten aus dem beschädigten LebenOlga MontsenyPolizeiPsychoanalyseRadio CoraxRoger BehrensSituationistische InternationaleStaatskritikSubjektkonstitutionSusann OffenmüllerWutpilger Streifzüge http://audioarchiv.blogsport.de/2017/04/04/kunst-spektakel-revolution-n5/ Beiträge zur Kritik der Gewalt

Wir haben immer wieder die Vortragsmitschnitte aus der Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution dokumentiert. Seit einiger Zeit haben im Rahmen dieses Formats keine Vorträge stattgefunden – trotzdem ist im letzten Jahr eine weitere Ausgabe des gleichnamigen Magazins erschienen, die sich schwerpunktmäßig um einen kritischen Begriff von Gewalt bemüht hat. Um diese Ausgabe herum sind einige Radiobeiträge entstanden, die wir im Folgenden dokumentieren.

1.) Nachrichten aus dem beschädigten Leben

Das Sendungsformat „Nachrichten aus dem beschädigten Leben“ bei Radio Corax hat die fünfte Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution vorgestellt, wobei einer der Mitherausgeber zu Wort kommt. Es wird allgemein über das Thema Gewalt gesprochen.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:24 min; 21,4 MB)

2.) Missverständnisse über Kulturindustrie

Im Rahmen einer Gemeinschaftssendung von FSK und Radio Corax hat Jakob Hayner ein Interview über seinen Beitrag gegeben. Er hat in der KSR N°5 über „Missverständnisse über Kulturindustrie“ geschrieben. Er kontextualisiert den Begriff der Kulturindustrie innerhalb der „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer und grenzt ihn von anderen Begriffen ab, etwa von dem der Massenkultur.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:05 min; 17,9 MB)

3.) Wutpilger-Streifzüge: Zur Kritik der Gewalt

In einer Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge im Dezember 2016 wurde ein längeres Feature gesendet, das auf der fünften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution basiert. Es kommen darin Roger Behrens, Jakob Hayner, Susann Offenmüller und Lukas Holfeld zu Wort. Unter anderem enthält es Auszüge aus einem Mitschnitt einer Heftvorstellung in Hamburg. Das zugrundeliegende Interview mit Jakob Hayner bezog sich auf eine weitere Publikation zu einem ähnlichen Thema: „Grenzsteine – Beiträge zur Kritik der Gewalt“ (Edition Text und Kritik). Es enthält außerdem Passagen aus der Ausgabe 63/2015 der wertkritischen Zeitschrift „Streifzüge“, die sich ebenfalls dem Thema Gewalt gewidmet hat.

    Download: via Mediafire (mp3; 1 h; 96,1 MB)

4.) Wutpilger-Streifzüge: Destruction of RSG-6

Die Novemberuar/2016-Ausgabe von Wutpilger-Streifzüge hat sich ebenfalls der fünften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution gewidmet. Sie enthält einen Vortrag von Lukas Holfeld über die Ausstellung „Destruction of RSG-6″, die im Jahr 1963 von der Situationistischen Internationale in Odense (DK) organisiert wurde. Der Vortrag ist eine Einführung in die Theorie der Situationisten (mit einem Fokus auf deren Verhältnis zur Kunst), schildert Aspekte des kalten Krieges und beschreibt die genannte Ausstellung.

Destruction of the RSG-6

Oder: Wie man die Kunst mit den Mitteln der Kunst zerstört

Im April 1963 veröffentlichte die britische Aktivisten-Gruppe „Spies for Peace“ die Existenz eines geheimen Atomschutzbunker-Systems, das ausschließlich für Mitglieder der britischen Regierung reserviert war: Die „Regional Seats of Government“ (RSG). Mitglieder der Gruppe selbst waren in den RSG-6 in Reading eingebrochen und hatten dort die Pläne der übrigen Bunker gefunden. Die Gruppe veröffentlichte ihre Funde in einer Broschüre, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgte und einen enormen Mobilisierungsschub für die außer-parlamentarische Abrüstungs-Bewegung nach sich zog. Im Juni 1963 eröffnete die Situationistische Internationale eine Ausstellung, die mit dem Titel „Destruction of RSG-6″ überschrieben war. Offensichtlich nahm die marxistische, post-surrealistische Gruppe Bezug auf die Funde in Reading. Aber nicht nur das: Die Galerie zeigte den Stand einer Kritik der Kunst, die die S.I. in den Jahren zuvor erarbeitet hatte.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die fünfte Ausgabe der Zeitschrift „Kunst, Spektakel & Revolution“ und erzählt die Geschichte der Ausstellung „Destruction of RSG-6″. Dabei werden Fotos von der Ausstellung gezeigt. Zugleich sollen Ansätze der kritischen Theorie der Situationistischen Internationale eingeführt werden. Die Ausgaben 3-5 von KSR können beim Vortrag erworben werden. [via]

    Download: via Mediafire (mp3; 1:30 h; 144 MB)

6.) KSR-Heftvorstellung in Berlin

Am 24.07.2016 wurde die fünfte Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution in Berlin im Laidak vorgestellt. Im Vortrag sprechen Julian Kuppe und ein Redaktionsmitglied, das den im Heft enthaltenen Beitrag von Olga Montseny vorstellt. Julian Kuppe umkreist in seinem Vortrag, wie im Spätkapitalismus bzw. in der Postmoderne Identität und Subjektivität prekär werden und was dies für Gesellschaftskritik und Psychoanalyse für Folgen hat. Der andere Vortrag geht ausgehend von den Hamburger Gefahrengebieten darauf ein, wie der Ausnahmezustand zunehmend ein normaler Bestandteil von Ordnungspolitik wird.

Es gibt keine Herrschaft ohne Gewalt. Die Gewalt sachlich vermittelter Herrschaft ist in den Institutionen verborgen und vollzieht sich als stummer Zwang der Verhältnisse. Offen zutage tritt sie in der Peripherie, an den Grenzen, gegenüber „beschwerdearmen Bevölkerungsgruppen“ und im Ausnahmezustand. Sichtbar wird sie auch in der Deformierung der (post)modernen Subjekte. Herrschaft zwingt ihren Gegnern die Frage der Gewalt auf – ist sie einmal in der Welt, muss mit ihr umgegangen werden. Die äußeren Bedingungen und die Wahl der Mittel entscheiden darüber, ob die Revolution ihr (im doppelten Sinne) erliegt. Die im Juli erscheinende fünfte Ausgabe der Broschüren-Reihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ beschäftigt sich auf verschiedenen Ebenen mit der Gewalt der Verhältnisse. Wir wollen im Laidak gemeinsam mit mehreren Autoren einen Einblick in das Heft geben. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 1:04:47 h; 88,9 MB)

Wer darüber hinaus weiter hören möchte – die Homepage von Kunst, Spektakel & Revolution enthält auch ein ausführliches Archiv mit Audiodateien, die im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe und dem Magazin stehen.

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Heimat Europa verraten http://audioarchiv.blogsport.de/2016/12/26/heimat-europa-verraten/ http://audioarchiv.blogsport.de/2016/12/26/heimat-europa-verraten/#comments Mon, 26 Dec 2016 10:58:13 +0000 MoshMosh AudioAndreas PehamBrexitEUEuropaFlüchtlingspolitikGeorg SeeßlenJörg KronauerNationPeter SchadtRainer TrampertRassismusRechtsruckTomas KoniczUli SchusterUsama Taraben http://audioarchiv.blogsport.de/2016/12/26/heimat-europa-verraten/ Ein Rückblick auf die EU im Jahr 2016

Wir dokumentieren im Folgenden ein Feature aus dem Hause Radio Corax, das sich mit den Verschiebungen auseinandersetzt, die sich im zurückliegenden Jahr innerhalb der EU ergeben haben. Es geht dabei um die Geschichte und die Bewertung der EU als supranationales Projekt, die Rolle der Staaten, die im Zuge der Osterweiterung 2004 beigetreten sind, die Debatte um die europäische Flüchtlingspolitik, den Brexit, den recht(sextrem)en Bezug auf Europa und eine linke Kritik der EU. Als Sprecher sind dabei zu hören: Uli Schuster (Simon-Dubnow-Institut Leipzig, Roter Salon), Rainer Trampert („Europa – Zwischen Weltmacht und Zerfall“), Thomas Konicz (Konkret, Streifzüge, „Aufstieg und Zerfall des Deutschen Europa“), Peter Schadt (keinort.de), Usama Taraben (Gegenstandpunkt), Georg Seeßlen (zusammen mit Markus Metz: „Hass und Hoffnung – Deutschland, Europa und die Flüchtlinge“), Jörg Kronauer (German Foreign Policy) und Andreas Peham (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands).

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Die 53. Ausgabe der Zeitschrift „Phase 2“ (Sommer 2016) setzt sich ebenfalls mit einer linken Perspektive auf Europa auseinander.

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Twitter und Newsfeed http://audioarchiv.blogsport.de/2016/11/17/twitter-und-newfeed/ http://audioarchiv.blogsport.de/2016/11/17/twitter-und-newfeed/#comments Thu, 17 Nov 2016 16:45:35 +0000 Ernst Audio In eigener Sache http://audioarchiv.blogsport.de/2016/11/17/twitter-und-newfeed/ Seit Jahren plaziere ich Beiträge, zumeist aus dem Öffentlich-Rechtlichen und aus den freien Radios, auf Twitter. Seit einiger Zeit weise ich dort auch auf Vortragsaufzeichnungen hin, da das „Bloggen“ hier stark nachgelassen hat. Zwischenzeitlich nutzte auch delicious.com als social bookmarking-Dienst, weil dort noch News-/RSS-Feeds zu haben waren, nachdem Twitter sie bei sich abschaffte (Scheißverein). Nun sind Newsfeeds sicherlich die bessere und offenere Lösung, verglichen mit einem kommerziellen Kurzmitteilungsdienst. Ich habe mich daher gerade wieder nach einem RSS-Parser für Twitter umgesehen und folgende Lösung gefunden, die hoffentlich eine Weile hält:

  • Das Twitter-Widget ist aktualisiert worden: unten in der rechten Spalte unter (bzw. anstelle von) „Zuletzt geschrieben“. Es wird allerdings von Browserplugins aus guten Gründen gerne blockiert. Ich habe deshalb noch den Link auf das Twitterkonto an derselben Stelle hinterlegt
  • Diesen Link könnt ihr in euren Feed-Reader einspeisen: https://twitrss.me/twitter_user_to_rss/?user=aarchiv.
  • Delicious hat einige Umstrukturierungen erlebt und scheint wenig funktional.
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Arnold Paucker im Gespräch http://audioarchiv.blogsport.de/2016/05/09/arnold-paucker-im-gespraech/ http://audioarchiv.blogsport.de/2016/05/09/arnold-paucker-im-gespraech/#comments Mon, 09 May 2016 07:01:38 +0000 LizaGrünbaum AudioAntisemitismusArnold PauckerDeutschlandj�dische geschichte http://audioarchiv.blogsport.de/2016/05/09/arnold-paucker-im-gespraech/ Arnold Paucker war langjähriger Direktor des Londoner Leo-Baeck-Institutes, welches die Erforschung und Bewahrung der Erinnerung des deutsch-sprachigen Judentums zur Aufgabe hat. Hanno Plass (u.a Beatpunk) hat für den FSK Hamburg 2010 mehrere Interviews mit Paucker geführt, deren Zusammenschnitt nun als zweistündige Sendung vorliegt. Beweggrund für die Sendung war auch, diejenigen, die mit Bewußtsein das 20. Jahrhundert und auch dessen für die Gegenwart prägenden Zäsuren miterlebt haben, zu diesen und sich zu Wort kommen zu lassen.

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Gesellschaftskritik – Subjekt – Psychoanalyse http://audioarchiv.blogsport.de/2015/12/20/exitseminar-2015/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/12/20/exitseminar-2015/#comments Sun, 20 Dec 2015 12:52:53 +0000 Ernst AudioAnselm JappeDaniel SpäthExit! Krise und Kritik der WarengesellschaftNarzissmusPsychoanalysesubjektSubjektivitätSubjektkonstitutionSubjektkritikWertabspaltungskritik http://audioarchiv.blogsport.de/2015/12/20/exitseminar-2015/ EXIT!-Seminar 2015

Nachdem von verschiedenen Seiten bereits großes Interesse an den Mitschnitten des diesjährigen Seminars der Gruppe EXIT! bekundet worden ist, möchte ich die Beträge von Anselm Jappe und Daniel Späth an dieser Stelle dokumentieren. Mit dem Rahmenthema »Psychoanalyse« hat sich die Gruppe einem Dimension von Gesellschaftskritik zugewandt, dessen weitgehende Abwesenheit in der Wertkritik von Seiten anderer Strömungen oft bemängelt worden ist. Im Zentrum stand der Begriff des Narzissmus als Sozialcharakter der Gegenwart und als Struktmerkmal des bürgerlichen Subjekts überhaupt.

Die Aufzeichnungen sind im mp3- und ogg vorbis-Format auch auf archive.org zu finden.

1. Johanna Schmidt: Gesellschaftskritik und Psychoanalyse. Eine kritische Einführung in die Psychoanalyse – der Einstiegsvortrag ist bereits hier dokumentiert.

2. Anselm Jappe: War alles Descartes‘ Schuld? – Einige Betrachtungen zum Verhältnis von Narzissmus und Warenfetischismus

Der Narzissmus gehört zum postmodernen, neoliberalen Kapitalismus wie die klassische Neurose zum Kapitalismus der Aufstiegsphase: diese Ansicht ist mittlerweile recht verbreitet. Aber meistens wird »Narzissmus« nur als übertriebenes Selbstwertgefühl verstanden. Eine weitergehende, sich z. T. auf Christopher Lasch stützende Interpretation sieht darin eine Regression auf archaische, frühkindliche Stadien. Lasch selbst bringt diese Regression in Zusammenhang mit dem postfordistischen, konsumorientierten Kapitalismus, so wie auch neuere Autoren (Götz Eisenberg, Neo-Lacanianer in Frankreich). Das reicht aber nicht. Der Narzissmus, im Sinne der Abwesenheit echter Objektbeziehungen, ist eng mit der abstraktifizierenden Wertlogik verknüpft, die von jedem Inhalt absieht . Dieser Zusammenhang besteht bereits seit Descartes‘ »Cogito ergo sum« und seiner »Weltlosigkeit«, aber zeigt sich erst heute in seinem ganzen Destruktionspotential.

3. Daniel Späth: »Kritik durch Deutung« – Wert-Abspaltungs-Kritik, Psychoanalyse und die Irrationalität des narzisstischen Zerfallssubjekts

Fünfundzwanzig Jahre ist es mittlerweile her, dass die radikale Krisentheorie mit dem »Kollaps der Modernisierung« (Robert Kurz) sich innerhalb der linken Publizistik und ihrer Reaktionen auf den Zusammenbruch der Sowjetunion positionierte. Dass der ökonomische Ruin des Staatssozialismus der Vorschein einer tiefer liegenden Krise des gesamten Weltkapitals sein könne, diese These stand quer zur krisentheoretischen Abrüstung des Linksradikalismus. Verblasste, bedingt durch die postmoderne Wende, auch bei den orthodox-marxistischen Teilen jedweder Bezug auf akkumulationstheoretische Begründungen, um die objektivierte Fetischkonstitution in bloße politische Kräfteverhältnisse und Wechsellagen aufzulösen, musste die Reformulierung der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie auf der Höhe der Zeit von Anfang an verdächtig erscheinen.

Wurde die radikale Krisentheorie zunächst auch und gerade von linksradikaler Seite totgeschwiegen, konnte sie doch über ihren krisentheoretischen Kern hinaus Einfluss in der Linken gewinnen, sodass die Ignoranz von der Denunziation abgelöst wurde: Kapitalismus und objektive »innere Schranke« (Marx)? Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Zu allem Unglück erfasste die objektive »innere Schranke« des Weltkapitals spätestens seit 2008 in vollem Umfang, sodass selbst die in konkretistischer Manier immerzu angeführte Empirie nur noch schwer gegen die radikale Krisentheorie ins Feld geführt werden kann. Seitdem sind Ignoranz und Denunziation gegen die radikale Krisentheorie von ihrer eklektizistischen Aneignung abgelöst werden, wodurch Versatzstücke der radikalen Krisentheorie in dem zur Szene verkommenen Linksradikalismus herumgeistern, ohne dass auch nur einer kategorialen Krise des Kapitals oder die daraus erwachsenden Implikationen in Bezug auf die Verwahrlosung des postmodernen Zerfallssubjekts in irgendeiner Form ernsthaft in Betracht gezogen würden.

Die aus Sicht der Wert-Abspaltungs-Kritik paradoxe Gegenläufigkeit, dass einerseits die Theorie einer fundamentalen Krise des Kapitals durch die europäische Krisenverwaltung ungemein an Brisanz gewinnt, andererseits die Linke aber noch nie so weit wie heute davon entfernt war, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit ihr auch nur im Ansatz zu versuchen, drängt geradezu zu einer psychoanalytischen Kritik dieser grunsätzlichen Krisenaversion. Der postmoderne Eklektizismus, dem sich auch die Linke leidenschaftlich verschrieben hat, wirft sich auf jede noch so konträre Auffassung, um ihr durch Einverleibung den Stachel der Kritik zu ziehen. Diese irrationale Aversion gegen die Krisentheorie, die wie kein anderer Affekt für die gedankliche Selbstauslieferung des Linksradikalismus an die fetischistischen Systemgesetzte steht, bedarf einer kritischen Aufarbeitung; und das umso mehr, da der Versuch des Unschädlich-Machens radikaler Krisentheorie nur der zugespitzte Ausdruck einer Erosion des Linksradikalismus ist, die wesentlich auch sozialpsychologisch konstituiert ist.

Allerdings ist diese psychosoziale Irrationalität des narzisstischen Sozialcharakters der Postmoderne nicht mehr mit den Kriterien der Marxschen »Kritik durch Darstellung« zu fassen. Mit dem Aufbrechen der objektivistischen Wertkritik und der Entstehung der Wert-Abspaltungs-Kritik konnte auch die psychoanalytische Ebene für die Kritik des postmodernen Zerfallssubjekts fruchtbar gemacht werden. Da die Psychoanalyse als eigener theoretischer Gegenstand einer wert-abspaltungs-kritischen Ausarbeitung bis heute harrt, muss sich die – in sich widersprüchliche – Integration der psychoanalytischen Ebene in die Wert-Abspaltungs-Kritik am inhaltlichen Begründungsanspruch messen lassen. In diesem Sinne wird der Vortrag versuchen, eine wert-abspaltungs-kritische »Kritik durch Deutung« von der Marxschen »Kritik durch Darstellung« abzugrenzen, um insbesondere in Bezug auf die Freudsche Theorie darzulegen, wie ihr als Konstitutionstheorie der psychischen Form sowohl kritische, als auch affirmative Momente eignen. Ein zweiter Teil wird auf dieser Basis die psychodynamischen Implikationen des narzisstischen Sozialcharakters ausleuchten, um so letztlich auch auf die sozialpsychologischen Schranken aufmerksam zu machen, die sich der radikalen Krisentheorie gegenüber auftun.

Ankündigungstext:

Einladung zum EXIT!-Seminar 2015

vom 16. – 18. Oktober in Mainz

Gesellschaftskritik – Subjekt – Psychoanalyse

Im Exit-Seminar 2015 soll es um den Themenkreis Gesellschaftskritik – Subjekt – Psychoanalyse gehen. Es reicht heute nicht aus, Zerfallsprozesse des kapitalistischen Patriarchats und eine entsprechende »Krise des Subjekts«, die sich immer mehr zuspitzen, vor allem ökonomisch und politisch zu analysieren – die gebrochene Totalität der Spätpostmoderne ist komplizierter. Das Problem des Verhältnisses von Wert-Abspaltungs-Kritik und Psychoanalyse ist dabei nach wie vor ungelöst und es kann wohl auch nicht im Sinne einer systemischen Eintracht zur Deckung gebracht werden; dazu sind die gesellschaftlichen Verhältnisse zu widersprüchlich. Mit Adorno sollte hier also keine Zwangsvereinheitlichung angestrebt werden. Den Schwerpunkt des Seminars bildet der Zusammenhang von (Spät)Postmoderne und narzisstischem Sozialcharakter, der schon seit Jahrzehnten einschlägige Teile der Linken umtreibt, ja mittlerweile geradezu zur Plattitüde geworden ist.

Mit dem psychanalytischen Blick auf die spezifische Verfassung des Subjekts in der Krise heute ergibt sich jedoch auch das Problem, in welches Verhältnis die von Marx vorgelegte »Kritik durch Darstellung« zur völlig anders verfahrenden freudschen »Kritik durch Deutung« aus Sicht der Wert-Abspaltungs-Kritik zu setzen ist. Ausgangspunkt für die Behandlung dieser Fragestellung ist, dass man/frau die fundamentale Krise und ein Zu-ende-gehen des Kapitalismus in der Linken immer noch häufig abwehrt, obwohl jede/r im Grunde genommen weiß (durch die Verlaufsformen der gnadenlosen Krisenverwaltung es zunehmend unleugbar wird), dass es so nicht weitergehen kann.

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Den leeren Himmel anrufen http://audioarchiv.blogsport.de/2015/12/15/den-leeren-himmel-anrufen/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/12/15/den-leeren-himmel-anrufen/#comments Tue, 15 Dec 2015 08:38:44 +0000 LizaGrünbaum Audio Kürzere Beiträge & RandnotizenFeatureHalleIdeologiekritikMedientheorie http://audioarchiv.blogsport.de/2015/12/15/den-leeren-himmel-anrufen/ Adrian Lauchengrund hat nach diesem – über den Verlust der Utopie – ein weiteres Feature produziert. Darin geht es um „den medialen Raum als ideologische Form einer erst herzustellenden Öffentlichkeit, in der es tatsächlich um die Menschen und ihre Angelegenheiten ginge, entlang der Begriffe der Zerstückelung und der Zerissenheit“. Hier das Feature

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Der Widerspruch der Kunst http://audioarchiv.blogsport.de/2015/11/01/der-widerspruch-der-kunst/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/11/01/der-widerspruch-der-kunst/#comments Sun, 01 Nov 2015 08:50:32 +0000 LizaGrünbaum Audio Kürzere Beiträge & RandnotizenChristoph Hessekritische TheorieKunstRadio CoraxRoger Behrens http://audioarchiv.blogsport.de/2015/11/01/der-widerspruch-der-kunst/ Die aktuelle Ausgabe der Nachrichten aus dem beschädigten Leben (Corax) informiert über eine Buchveröffentlichung – unter dem Titel „Der Widerspruch der Kunst“ (u.a mit Beiträgen von Christoph Hesse, Roger Behrens,…) – über das Verhältnis von Kunst und Gesellschaftskritik in der Kulturindustrie.

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Einführendes zur Kritik des Nationalismus http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/16/einfuehrendes-zur-kritik-des-nationalismus/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/16/einfuehrendes-zur-kritik-des-nationalismus/#comments Fri, 16 Oct 2015 06:59:23 +0000 MoshMosh Audio[a²] hhAntinationalismusARABBefreiungsnationalismusEinfuehrendesGeschichteGruppen gegen Kapital und NationIntrosJunge LinkeKritikmaximierungNationRoger BehrensThorsten Mense http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/16/einfuehrendes-zur-kritik-des-nationalismus/ Es gibt Deutsche, die protestieren vor dem Flüchtlingsheim, wünschen die Ausweisung der Geflohenen und drohen unter Berufung auf die Parole »Wir sind das Volk«, für ihre Nation selbst Hand anzulegen. Und es gibt Deutsche, die empfangen Flüchtlinge am Bahnhof mit Applaus und Sachspenden und sind dann stolz auf Deutschland, weil Deutschland so barmherzig hilft. In den aktuellen politischen Wirrungen wird auf seltsame Weise besonders deutlich, wie unhinterfragt der Bezug auf die Nation in den meisten politischen Lagern ist. Grund genug, einige Vorträge zur Einführung in die Kritik des Nationalismus zusammenzustellen.

1.) Vortrag von Thorsten Mense

Einen sehr kompetenten und gut verständlichen Vortrag zur Einführung in die Kritik des Nationalismus hat Thorsten Mense (u.a. Autor bei Konkret, Jungle World) im Juni 2014 auf Einladung der Linken Liste Siegen gehalten. Er schildert die Geschichte des Begriffs der Nation und des Nationalismus (wobei er eine idealtypische Unterscheidung zwischen französisch-republikanischem und deutsch-kulturellem Nationalismus einführt), geht auf die Spezifik des Befreiungsnationalismus ein und gibt einen Überblick über die kritische Nationalismusforschung (hier hebt er Eric Hobsbawms Buch Nationen und Nationalismus hervor). Dann referiert er über Nationalismus als Ideologie, formuliert eine Kritik des Nationalismus und trägt noch einmal einige Aspekte des Nationalismus zusammen. Die »Linke Liste Siegen« hat im Nachgang des Vortrags eine Literaturliste zum Thema zusammengestellt. Auf der Homepage der Linken Liste gibt es zudem noch weitere interessante Vortragsmitschnitte.

Obwohl die Möglichkeiten grenzüberschreitender Kommunikation und transnationaler sozialer Beziehungen noch nie so groß waren wie heute, ging diese Zunahme globaler Gleichzeitigkeit keineswegs mit einem Abbau national begrenzter Wahrnehmung einher. Die Vorstellung einer Welt aus Völkern und Nationen bestimmt auch weiterhin das Denken und die Politik. Dabei sind Nationen keineswegs naturgegebene Einheiten, sondern von den Menschen selber geschaffene soziale Konstruktionen, die gerade mal 200 Jahre alt sind. In seiner jungen Geschichte führte Nationalismus sowohl zur Befreiung als auch zu Massenmord, zur kollektiven Einforderung gleicher Rechte als auch zur Verweigerung derselben Rechte gegenüber anderen Kollektiven. Vor allem aber dient er als ideologische Grundlage für die Legitimation des Ausschlusses und der Gewalt gegenüber den „Anderen“; als Zwangskollektiv lässt die Nation dabei auch die „Eigenen“ nicht in Ruhe. Wie kommt es aber, dass die Menschen bis heute massenhaft bereit sind, für diese „kümmerlichen Einbildungen der jüngeren Geschichte“ (Benedict Anderson) zu töten, zu sterben oder sich sonstwie aufzuopfern?

In dem Vortrag wird die Entstehung und Entwicklung des Nationalismus nachgezeichnet und aufgezeigt, welche Funktionen er in der widersprüchlichen Moderne erfüllt. Darauf aufbauend soll eine Kritik entwickelt werden, die seinen vielfältigen Erscheinungsformen gerecht wird. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 68 MB; 1:14:17 h) | via archive.org (verschiedene Formate)

2.) Vortrag von Junge Linke gegen Kapital und Nation

Vor einigen Jahren hat die ARAB einen »Erkenntnistag« organisiert, um mal ein bisschen Theorie unter die Gefolgschaft zu bringen. Dafür haben sie sich u.a. einen Vertreter von Jimmy Boyle Berlin / Junge Linke gegen Kapital und Nation eingeladen, der einige Grundlagen zur Kritik des Nationalismus vorgetragen hat. Er fragt danach, wie die nationale Gemeinschaft vorgestellt wird, wie stimmig diese Vorstellung ist und was sie zusammenhält. Dann geht es um das reale Verhältnis der Menschen zum Staat und warum man sich nicht positiv darauf beziehen sollte. So werden verschiedene Formen des Patriotismus/Nationalismus durchgegangen. In der Diskussion geht es dann recht grundlegend darum, was man denn eigentlich tun soll. Texte der Gruppen gegen Kapital und Nation zum Thema Nation und Nationalismus gibt es hier.

    Download: Vortrag (via AArchiv; mp3; 38.1 MB; 41:36 min) | Diskussion (via AArchiv; mp3; 49.6 MB; 54:12 min) | via archive.org (verschiedene Formate)

3.) Vortrag von Roger Behrens

Im Rahmen der Intros (einer Einführungs-Veranstaltungsreihe der Gruppen [a²]-Hamburg, Kritikmaximierung und dem FSK) hat Roger Behrens am 08.12.2011 einen einführenden Vortrag zum Begriff der Nation und zur Kritik des Nationalismus gehalten. Er skizziert vor allem, wie die Idee der Nation aus der Aufklärung und aus dem sich emanzipierenden Bürgertum heraus entstand und wie sich parallel dazu die Ideen von Volk, Gemeinschaft, Gesellschaft und Politik entwickelten. Er fasst Nationalismus als Ideologie der Herrschaftslegitimation und geht am Ende auf neue Formen des Nationalismus ein, die er vor allem als Subjektivierung der Nation fasst.

In diesem Intro geht es um die Kritik des Nationalismus, aber auch die grundsätzliche Frage, was überhaupt Nation und warum sie ein Problem ist. Die Einführung versteht sich historisch und systematisch: Einerseits versucht sie zu klären, warum eine Kritik des Nationalismus immer auch eine Kritik der Nation ist; andererseits soll diese Kritik anhand der Geschichte des Nationalismus bzw. der Geschichte der Nation (des modernen Nationalstaats) formuliert werden. Kritik des Nationalismus ist, auch in Bezug auf seine gegenwärtige Realität und Ideologie, immer Kritik der konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse; dafür sollen weitere, für die Moderne fundamentale Begriffe wie Volk, Kultur oder Tradition in den Blick genommen werden, aber auch Aspekte der Massenpsychologie, der so genannten Biopolitik und der Kritik der politischen Ökonomie. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 56.6 MB; 2:21:16 h) | via freie-radios.net
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Nationalsozialismus und soziale Frage http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/14/nationalsozialismus-und-soziale-frage/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/14/nationalsozialismus-und-soziale-frage/#comments Wed, 14 Oct 2015 06:58:17 +0000 MoshMosh AudioAntikapitalismusAntisemitismusFalken ErfurtJoachim BonsNationalsozialismusNSDAPStrasser http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/14/nationalsozialismus-und-soziale-frage/ Über den Antikapitalismus der alten und neuen Nazis

Im Rahmen einer kleinen Veranstaltungsreihe über den Nationalsozialismus der Falken Erfurt hat Joachim Bons (Uni Göttingen) einen Vortrag über den Antikapitalismus der Nazis gehalten. Diesen untersucht er anhand von Zitaten von Strasser, Göbbels und Hitler sowie aus dem Stürmer und dem Völkischen Beobachter (und am Rande auch aus aktuellen Nazi-Publikationen). Er plädiert dafür, den Antikapitalismus der Nazis nicht einfach als Demagogie abzutun und stellt gleichzeitig heraus, dass der NS-Antikapitalismus nicht die Überwindung des Widerspruchs von Kapital und Arbeit, sondern deren Versöhnung anstrebt.

Die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ beschwört den „nationalen Antikapitalismus“ und will den „Kapitalismus zerschlagen“ und bereits die Goebbels-Zeitung „Der Angriff“ präsentierte die Nazis als „Todfeinde des heutigen kapitalistischen Wirtschaftssystems“. Was ist von derartigen Aussagen von Parteien zu halten, die gleichzeitig das Privateigentum als naturgegeben anerkennen und dem „genial“ tätigen, wertschaffenden Unternehmer die Unentbehrlichkeit für Volk und Wirtschaft bescheinigen? Drückt sich hier ein genuin antikapitalistischer Impetus oder doch nur ein sozialdemagogisches Täuschungsmanöver aus oder wie sind derartige Aussagen sonst im Gesamtkontext (neo-) nationalsozialistischer Ideologie zu entschlüsseln? Wie war die soziale Frage eingebettet und welche Antworten wurden gegeben? Und nicht zuletzt, was können Gründe für die politische Wirksamkeit dieser Ideologie (gewesen) sein? Diese und weitere Fragen zu Ideologie und Politik des historischen und des akturellen Nazismus wollen wir gemeinsam diskutieren. Mit Joachim Bons aus Göttingen, der an der Uni Göttingen am Seminar für Politikwissenschaften zum Bereich Nationalsozialismus lehrt. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 79.4 MB; 1:26:42 h)
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Futuristische Hörspiele http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/12/futuristische-ton-kunst/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/12/futuristische-ton-kunst/#comments Mon, 12 Oct 2015 06:22:53 +0000 MoshMosh Audioakustische KunstFreispielFuturismusHörkunstHörspielJohn CageKlaus SchöningKunstKurt SchwittersMarinettiRadioRadio CoraxRadiokunstRalf WendtRaoul HausmannRussoloSoundStudio Akustische KunstWalter RuttmannWDR http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/12/futuristische-ton-kunst/ Freispiel ist eine Sendung auf Radio Corax, ein Podium für Ungewöhnliches im Radio, das sich früher möglicherweise Hörspiel nannte. In der Freispiel-Sendung vom 20.09.2015 ging es um die Ursprünge der akustischen Kunst – als sich das Geräusch von der literarischen Vorgabe löste und zum eigenständigen Bestandteil der Komposition wurde. Ralf Wendt (Radio Corax) leitete die Hör-Beispiele ein und Klaus Schöning (Studio Akustische Kunst, WDR) nahm eine historisch-wissenschaftliche Einordnung vor. Zu hören waren u.a. Marinetti, Russolo, Walter Ruttmann, Kurt Schwitters und Raoul Hausmann. Zuletzt wurden aktuelle Beispiele der Hörkunst vorgestellt. Eine hörens-werte Sendung. Der in der Sendung angekündigte Ausschnitt aus John Cages Roaratorio von 1979 ist in dem uns vorliegenden Mitschnitt der Sendung leider nicht enthalten. Roaratorio kann aber vollständig hier oder untenstehend angehört werden. Wer diesen Klängen etwas abgewinnen kann, dem sei die Schallplatten-Serie „An Anthology of Noise & Electronic Music“ empfohlen – schön gestaltet und mit kurzen, informativen Instruktionen zu den sorgsam ausgewählten Stücken.

    Download: via AArchiv (mp3; 75.7 MB; 47:14 min)

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Kritik der Knastgesellschaft http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/09/kritik-der-knastgesellschaft/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/09/kritik-der-knastgesellschaft/#comments Fri, 09 Oct 2015 10:22:18 +0000 MoshMosh AudioAbolitionismusAnarchismusAnarchist Black CrossAnarchistisches RadioAnti Knast TageAntiautoritarismusArbeitskampfBewegungsgeschichteEKHGefängnisGefangenengewerkschaftGerd RockmannGewerkschaftKlassenkampfKnastKnastkritikNanni BalestriniOliver RastProjekt BaulückenRepressionWienWutpilger Streifzüge http://audioarchiv.blogsport.de/2015/10/09/kritik-der-knastgesellschaft/ Die Diskussion über Knastkritik und die gemeinsame Organisierung von Leuten drinnen und draußen ist weitestgehend aus den linksradikalen Zusammenhängen verschwunden – sie hatte (ähnlich wie die Psychiatrie-Kritik) in den 60′er und 70′er Jahren ihren letzten Höhepunkt. Wir dokumentieren hier einige aktuelle Beiträge zum Thema und freuen uns über Ergänzungen in der Kommentarspalte.

1.) Ein Jahr Gefangenengewerkschaft GG/BO

Am 01.10.2015 hat Oliver Rast von der Gefangenengewerkschaft GG/BO einen Vortrag im Berliner Café Kralle gehalten. Er hat im Vortrag über die Hintergründe der Gründung der GG/BO, über die Entwicklungen im Organisierungsprozess und über die Organisationsbedingungen der Gewerkschaft berichtet. Das Anarchist Radio Berlin hat den Vortrag dokumentiert.

Lohnarbeit im Gefängnis wird bewusst entrechtet und inhaftierte Beschäftige nicht als Arbeitnehmer*innen anerkannt. Trotzdem wird hinter Gittern ein exzessives Sozial- und Lohndumping betrieben um Auftraggeber*innen den Produktionsstandort Knast als attraktive Alternative oder sogar Sonderwirtschaftszone anzubieten.

Eine basisorganisatorische Gefangenen-Gewerkschaft macht bereits von Außen und Innen darauf aufmerksam und will mehr erkämpfen. Dabei wird der bisher sehr erfolgreiche Organisierungsprozess in den Knästen auf politischer und juristischer Ebene attackiert. Einblicke in die Arbeit der Gefangenen Gewerkschaft / Bundesweite Organisation – GG/BO sowie aktuelle Entwicklungen erfahrt ihr beim Tresen. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 63.3 MB; 1:10:15 h) | via archive.org (verschiedene Formate)

Beachtet auch, passend zum Thema, den Text „Ein Jahr Gefangenengewerkschaft – Eine Zwischenbilanz“ von Oliver Rast. Radio Corax hat mehrere Interviews mit Mitgliedern der Gefangenengewerkschaft geführt. So z.B ein Interview mit Oliver Rast, in dem es allgemein um die Gefangenengewerkschaft geht und ein Interview mit Gerd Rockmann über die Aktivitäten der Gefangenengewerkschaft in Sachsen-Anhalt.

2.) abrisse. Innen- und Außenansichten einsperrender Institutionen

2011 hat die Gruppe baul_ucken ein Buch unter dem Titel „abrisse. Innen- und Außenansichten einsperrender Institutionen“ bei Edition Assemblage herausgegeben. Das Buch wurde in engem Kontakt mit mehreren Gefangenen konzipiert, enthält Umfragen über das Thema Knast, einige theoretische Texte, sowie verschiedenen Sichtweisen von Gefangenen, Aktivist_innen aus verschiedenen Ländern und Antwält_innen, die über eine isolierte Betrachtung der Institution Gefängnis hinaus weisen. Am 12.10.2011 waren im Rahmen der Gegenbuchmesse zwei MitherausgeberInnen in der Klapperfeldstraße in Frankfurt zu Gast und haben das Buch dort vorgestellt. Zu Beginn werden O-Töne aus den Umfragen vorgespielt, dann geht es um die Entstehunsgeschichte des Buches und zuletzt wird ein Brief einer Gefangenen vorgelesen, der in dem Buch enthalten ist. In der Diskussion geht es eher grundlegend um Knastkritik und Alternativen zum Gefängnis.

    Download: via AArchiv (mp3; 76 MB; 1:46:49 h)

Eine Rezension des Buches gibt es hier. Im Vorfeld einer Buchlesung in Dresden hat Radio Corax ein Interview mit einem Mitherausgeber geführt, das hier nachgehört werden kann. Auf dem Blog der Gruppe baul_ucken findet sich auch ein Text von Albert Destinazero mit dem Titel „Warum Knastkritik? Selbstverständlichkeiten und Einsprüche. Zur Entstehungsgeschichte und Rechtfertigung des Gefängnisses“.

3.) Anti-Knast-Tage 2014 in Wien / Anarchistische Texte zur Knastkritik

Das Anarchistische Radio Wien hat in einer Sendung die Anti-Knast-Tage dokumentiert, die 2014 im Wiener EKH stattfanden. Gesendet wurden Ausschnitte aus den Vorträgen und Diskussionen, die auf den Anti-Knast-Tagen stattgefunden haben.

Von 7. bis 9. November 2014 fanden in Wien die Anti-Knast-Tage statt. An drei Tagen tauschten sich Interessierte zu diversen Kämpfen gegen Knast und Repression aus, es gab Diskussionen, Vorträge und Workshops, die sich sehr unterschiedlichen Themen widmeten. Einige Höhepunkte waren beispielsweise die Veranstaltung zur neu gegründeten Gefangenengewerkschaft in Deutschland oder ein Vortrag zur aktuellen Situation in den griechischen Knästen.

Diese Sendung fasst unvollständig und bruchstückhaft das Wochenende in Wien zusammen und gibt einen kleinen Einblick für alle, die nicht dabei sein konnten bzw. will mit den Audiomitschnitten allen Teilnehmer_innen die spannenden Vorträge in Erinnerung rufen. (via)

    Download: via Anarchistisches Radio (mp3; 76 MB; 56:57 min)

Das Anarchistische Radio hat außerdem in einer weiteren Sendung mehrere Texte zur anarchistischen Knastkritik eingelesen: Die Einleitung des Buches „Stein für Stein – Kämpfen gegen das Gefängnis und seine Welt“ von einer belgischen Gruppe und den Text „An wen richten wir uns?“ aus der italienischen Zeitschrift „Machete“.

4.) Die Unsichtbaren

Nanni Balestrini hat die Erfahrung der Knastkämpfe in Italien während und nach dem Bürgerkrieg in den 70′er Jahren in seinem Roman „Die Unsichtbaren“ literarisch verarbeitet. Auszüge aus diesem Roman wurden in der Juni-Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ vorgelesen (nach einer Besprechung des Buches „Den Himmel stürmen“).

    Download: via Mediafire (mp3; 140.8 MB; 1:42:31 h)

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Texte zur Kritik am Gefängnis (aus einer eher liberalen Warte) finden sich auf knastkritik.org. Ein grundlegendes Buch zum Thema ist „Sozialstruktur und Strafvollzug“ von Otto Kirchheimer und Georg Rusche. Grundlegend für die Anti-Knast-Bewegung war außerdem das Buch „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“ von Michel Foucault. Eine Tradition der Knastikritik hat sich vor allem im anarchistischen Milieu gehalten – die Download-Seite auf der Internet-Präsenz des Anarchist Black Cross Berlin stellt einige Zeitschriften der anarchistischen Knastkritik zur Verfügung. Die Broschüre „Die vernebelte Spur von Os Cangaceiros durch die soziale Pampa“ versammelt einige deutschsprachige Übersetzungen von Texten der „Totengräber“, einem in den 70′er und 80′er Jahren in Frankreich umherreisenden Kollektiv, das sich auch dem Kampf gegen die Knäste widmete. Weitere Literatur-Tips und Links zu Audio-Beiträgen zum Thema (ob historisch-materialistisch oder kritisch-genealogisch) können in der Kommentarspalte hinterlassen werden.

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Interview mit Eike Geisel über drei Berliner Ausstellungen http://audioarchiv.blogsport.de/2015/09/25/interview-mit-eike-geisel-ueber-drei-berliner-ausstellungen/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/09/25/interview-mit-eike-geisel-ueber-drei-berliner-ausstellungen/#comments Fri, 25 Sep 2015 19:16:22 +0000 MoshMosh AudioAntisemitismusdeutsche IdeologieEike GeiselGeert LovinkGeschichtspolitikIdeologiekritikInterviewJüdische LebensweltenJüdischer KulturbundNationalsozialismus http://audioarchiv.blogsport.de/2015/09/25/interview-mit-eike-geisel-ueber-drei-berliner-ausstellungen/

»Die Dummköpfe haben sich verdoppelt in dieser Stadt durch die Wiedervereinigung.«
(Eike Geisel über Berlin)

Der Journalist und Essayist Eike Geisel (1945-1997) war ein herausragender Kritiker der deutschen Ideologie. Er war ein Kritiker deutscher Geschichtspolitik, auch in ihrer beredsamen Variante, und deutsch-jüdischen Verbrüderungskitsches und denunzierte früh den Antisemitismus in der politischen Linken (auch in seiner philosemitischen Variante). Seine treffsicheren Polemiken sind auch dann heute noch lesenswert, wenn sie als Eingriffe in tagespolitische Debatten geschrieben waren. Auf archive.org findet sich ein Interview mit Eike Geisel, das Geert Lovink geführt hat. Darin spricht Geisel zum einen über die Ausstellung „Jüdische Lebenswelten“, die 1991 im Berliner Gropius-Bau eröffnet worden war und deren Ausrichtung er scharf kritisiert hatte. Zum anderen spricht er über sein eigenes Buch „Im Scheunenviertel“ über das Berliner Scheunenviertel, das zwischen den beiden Weltkriegen ein Zuwanderungsort für osteuropäische Juden gewesen war, und über Geisels Ausstellung über den Jüdischen Kulturbund, auf dessen Geschichte er relativ ausführlich eingeht. Zuletzt spricht er über die damals eröffnete Gedenkstätte im Haus der Wannsee-Konferenz. Das Interview muss 1991 oder ’92 geführt worden sein – weitere Informationen über den Hintergrund des Gesprächs liegen mir leider nicht vor.

Bei Edition Tiamat ist in diesem Jahr unter dem Titel Die Wiedergutwerdung der Deutschen ein Buch erschienen, in dem zahlreiche Texte von Eike Geisel gesammelt sind. Darin ist auch der Text von 1992 in der konkret enthalten, in dem Geisel die Ausstellung „Jüdische Lebenswelten“ kritisiert hat.

Im Dezember erscheint ein Film über Geisel. Ein Ausschnitt bzw. Teaser ist hier zu sehen. Der Macher des Films hat uns freundlicherweise eine besser klingende Fassung des Interviews bereitgestellt. Der AArchiv-Link und die Hörfassung unten sind aktualisiert worden (13.10.2015).

    Download: via AArchiv (mp3; 56 MB; 1:01 h, HQ) | via AArchiv (zip/mp3, einzelne tracks, 140 MB, Super Qualität) | via archive.org (verschiedene Formate, schlechte Klangqualität)
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Die Verwirklichung der Poesie http://audioarchiv.blogsport.de/2015/09/18/die-verwirklichung-der-poesie/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/09/18/die-verwirklichung-der-poesie/#comments Fri, 18 Sep 2015 11:39:04 +0000 MoshMosh AudioÄsthetik und KulturkritikACC WeimarAdornoAisthesisBaudelaireBlanquiGeorg BüchnerGeorg LukácsGolemHelmut DahmerInstitut für ZukunftJan SieberJoris Karl HuismanKlaus BrieglebKunst Spektakel RevolutionLautréamontLukas HolfeldMarcus QuentNegative PädagogikNikolai BersarinPädagogikPariser CommunePoesieradio dreyecklandRevolutionSebastian TränkleStefan HackländerWalter BenjaminWutpilger Streifzüge http://audioarchiv.blogsport.de/2015/09/18/die-verwirklichung-der-poesie/ Kunst, Spektakel & Revolution N°4

Ende 2014 ist die vierte Ausgabe der Zeitschrift Kunst, Spektakel & Revolution erschienen (herausgegeben vom Bildungskollektiv im Katzenberg Verlag). Das Heft dokumentiert und ergänzt den vierten Teil der gleichnamigen Veranstaltungsreihe in Weimar. Thema des Heftes ist die Poesie des 19. Jahrhunderts und ihr Verhältnis zu den revolutionären Bewegungen jener Epoche. Wir dokumentieren hier zum einen Vorträge, die bei Heft-Vorstellungen gehalten wurden und zum anderen die der Veranstaltungsreihe zugrundeliegenden Vorträge.

Die vierte Ausgabe dokumentiert den Veranstaltungsblock, der im Sommer 2012 unter dem Titel »Die Verwirklichung der Poesie« stattgefunden hat. Thema ist das Verhältnis von Poesie und Revolution – revolutionäre Poesie, Poetik der Revolution – im Laufe des 19. Jahrhunderts. Die beiden Wegmarken bilden dabei die Französische Revolution von 1789ff und den Aufstand der Pariser Commune von 1871. Jene Revolution und dieser Revolutionsversuch haben bestimmt, was in dieser Epoche möglich war, haben eröffnet, was künftig möglich sein würde und hinterlassen ein Erbe, das noch zu rächen sein wird – auch im Bereich der künstlerischen Produktion. Besprochen werden im Heft u.a.: Friedrich Hölderlin, Heinrich Heine, Rahel Varnhagen, Comte de Lautréamont, Arthur Rimbaud, Baudelaire und Blanqui, Richard Wagner, Louise Michel und die Frauen der Pariser Commune. (via)

Zur vierten Ausgabe von KSR

Interview mit Radio Dreyeckland

Einen kurzen Einblick in das Heft hat der Mitherausgeber Lukas Holfeld in einem Interview bei Radio Dreyeckland in Freiburg gegeben (via):

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 21 MB; 9:03 min)

Lukas Holfeld im Gespräch mit Marcus Quent

Einen etwas ausführlicheren Einblick in das Heft hat Lukas Holfeld am 11.02.2014 im Leipziger Institut für Zukunft im Gespräch mit Marcus Quent (Engagierte Wissenschaft) gegeben. Sie sprechen über den Hintergrund der Veranstaltungsreihe und das Thema der Broschüre.

    Download: via AArchiv (mp3; 26.5 MB; 28:54 min)

Despotismus der Freiheit

Im Anschluss an das Gespräch hat Sebastian Tränkle einen Vortrag über Georg Büchner gehalten, ein Dichter, der gut in die vierte KSR-Ausgabe gepasst hätte, es aber nicht hineingeschafft hat. Tränkle arbeitet anhand Georg Büchners Dantons Tod den Widerspruch zwischen revolutionärer Moral und individuellem Glücksstreben heraus – um anschließend mit Bezug auf Oscar Wilde der Moral eine materialistische Absage zu erteilen. Dem Vortrag liegt ein Beitrag zugrunde, den Tränkle für das Buch Gewalt und Moral. Eine Diskussion über die Dialektik der Befreiung (Hendrik Wallat, Hg.) verfasst hat.

In Georg Büchners Dantons Tod (1835) wird ein zentrales Problem aller revolutionären Politik dramatisiert: Der Konflikt zwischen der ihr zugrunde liegenden Moral und dem Glücksstreben der einzelnen Individuen. Büchners Drama – in der Sprache so unerhört modern, dass man bisweilen meinen möchte, es nehme Brecht vorweg – seziert in geradezu ideologiekritischer Manier die jakobinischen Moralvorstellungen und ihren blutigen Konsequenzen. Aus der historischen Rückschau lässt das zur terroristischen Endzeit der Französischen Revolution situierte Stück gar Fluchtlinien hin zum Großen Terror des Stalinismus erkennen. Vor dem Hintergrund der beiden historischen Erfahrungen wird die Fragwürdigkeit eines jeden Ansatzes zu einer politischen Ethik deutlich. Mit einem Seitenblick auf Oscar Wilde soll ihr schließlich eine materialistische Absage erteilt werden: Dort wo nur für »die Sache« gekämpft wird, statt für das eigene Glück ist die Revolution schon an den Revolutionären gescheitert – oder zeitgemäßer formuliert: führt sich jeder Versuch zur Befreiung selbst ad absurdum.

Von Sebastian Tränkle ist jüngst ein Aufsatz zum Thema erschienen: »Polizeisoldat des Himmels. Über revolutionäre Moral und die Negation des individuellen Glücksanspruchs«, in: Hendrik Wallt (Hg.), Gewalt und Moral. Eine Diskussion der Dialektik der Befreiung, Münster: Unrast 2014. Der Vortrag möchte mit dem Essay auch das Buch vorstellen. Sebastian Tränkle ist als freier Autor tätig und lebt in Berlin. [via]

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Auguste Langlois schäumt nicht im Tuileriengarten

Bei der Release-Veranstaltung zu KSR#4 in der ACC Galerie Weimar hat Clemens Bach seinen in der Broschüre enthaltenen Artikel vorgestellt: es geht um den Begriff einer negativen Pädagogik in den Werken von Joris-Karl Huysmans und Comte de Lautréamont. Zuvor liest Lukas Holfeld einen Auszug aus der Einleitung des Heftes vor.

Am 30.10.2014 wird das Heft in der ACC Galerie vorgestellt und wird erstmals erhältlich sein. Außerdem stellt Clemens Bach die Thesen seines Textbeitrags über die Romane von Joris-Karl Huysman und Comte de Lautréamont vor. In Huysmans‘ Roman »Gegen den Strich« und Lautréamonts »Gesängen des Maldoror« spürt er einen negativen Kern pädagogischer Prozesse auf und stößt dabei auf die Grenzen, die der Leib dem pädagogischen Zugriff setzt und dabei ein fiebriges Erschaudern vor dem gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft hervorruft. Passagen aus beiden Romanen werden leserisch vorgetragen. (via)

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Die Verwirklichung der Poesie

Untenstehend folgen die Vorträge, die im vierten Teil der Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution von Juni bis August 2012 gehalten worden sind:

1.) Nikolai Bersarin: Friedrich Hölderlin und das Werden im Vergehen

Friedrich Hölderlin – der Dichter der Deutschen. Diese Lesart mögen etwa sein Gedicht »Der Ister«, welches den Unterlauf der Donau besingt, oder die Hymne »Der Rhein« auf einen ersten Blick nahelegen: Hölderlin, der Dichter der Heimat und zugleich des Griechentums. Solche Sicht zeigt sich etwa in Heideggers Hölderlinlektüren. Hölderlin transformiert sich unter diesem Blick in die Innerlichkeit und die lyrische Gestimmtheit. So wird Hölderlin zum Dichter des Seins umfunktionalisiert – und das ist nicht sehr weit entfernt von des Deutschen Michels Schlafmütze. Was bei einer solch reduzierten Sicht jedoch unter den Tisch fällt, ist der Aspekt des Politischen in der Dichtung Hölderlins, denn es gibt auch jenen anderen Hölderlin, und das wird gerne verschwiegen: den Hölderlin, welcher sich für die Französische Revolution und deren Forderungen nach Gleichheit und Freiheit begeisterte. Das Verrätselte seiner Sprache, etwa in den oben genannten Gedichten, mag über den Aspekt des Politischen in seiner Dichtung hinwegtäuschen. Insbesondere während seiner Zeit im Tübinger Stift entstanden jedoch Gedichte, die sich ganz explizit auf diese Revolution bezogen und den Sturz der Tyrannen besangen. Es brach mit der Französischen Revolution, aber auch mit den Umstürzen in der Philosophie – paradigmatisch dafür: die drei Kantischen Kritiken, sowie die Philosophie Fichtes – eine neue Zeit heran. Dieses Neue registrierte Hölderlin hellsichtig und brachte es vermittels der Dichtung in eine sprachliche Gestalt.

Gegen solche reduzierte und entschärfende Lesart Hölderlins, wie sie etwa die hermeneutische Schule oder Heidegger betrieben, soll zunächst Georg Lukács‘ Aufsatz »Hölderlins Hyperion« in die Lektüre gebracht werden, in welchem gezeigt wird, daß Hölderlins Dichtung und insbesondere sein Roman »Hyperion« diese Revolution mit den Mitteln poetischen Schreibens in eine Form der Darstellung bringen, in welcher der Gehalt von Begriffen wie Gleichheit und Freiheit entfaltet wird. Im Zuge dessen entwickelt sich die Utopie einer freiheitlich organisierten Gesellschaft in Hölderlins Text jedoch aporetisch, weil das, was ihm in Anlehnung an das Griechentum und die Feste Griechenlands vorschwebt, in Deutschland bzw. dem Flickenteppich der Fürstentümer und Königreiche, nicht einzulösen ist. Erst spätere Dichter wie Shelley konnten, so Lukács, die Sphären von gesellschaftlichem Sein und kritischem Bewußtsein, das praktisch zu werden vermag, vermitteln – etwa in der Figur seines Prometheus. Hölderlins Sprache sucht deshalb die Zuflucht beim Mythos und teils auch im Mystischen, denn ihm stehen nicht die Mittel und Möglichkeiten bereit, den Prozeß der Überwindung bzw. der Aufhebung der feudalen und weiterhin dann der bürgerlichen Gesellschaft in die poetische Reflexion zu bringen. Diese Aporie der Hölderlinschen Dichtung und zugleich ihre Tragweite macht Lukács einsichtig. Die Stoßrichtung von Lukács‘ Lektüre ist eine geschichtsphilosophische Interpretation Hölderlins.

Vor dem Hintergrund dieser geschichtsphilosophischen Perspektivierung möchte ich zu Adornos Hölderlin-Essay »Parataxis« überleiten (und möglicherweise, sofern die Zeit es zuläßt, auch Peter Szondis Hölderlinstudien streifen), um gleichsam einen Gegenpol zum Text von Lukács zu schaffen. Bedingt ist dieser Bruch und die Verschiebung der Akzente in der Interpretation Hölderlins vor allem durch die geschichtlichen Veränderungen: Konnte Lukács in den 30er Jahren auf ein Proletariat als historisches Subjekt rekurrieren, das Geschichte zu ändern vermag, so ist dies in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nicht mehr umstandslos möglich. Im Zeichen von Faschismus, Stalinismus und einem entfesselten Kapitalismus wird das kritische Bewußtsein aufgerieben.

Was Lukács bei Hölderlin geschichtsphilosophisch an die Realität von Gesellschaft bindet, das wird bei Adorno zu einer Reflexion auf die Sprache selbst. Diese Verschiebung in der Hölderlin-Interpretation hin zur Sprache als kritischer Instanz sowie das Verhältnis von Subjekt und Natur gilt es als Prozeß nachzuzeichnen.

Die Aporien und die Ausweichbewegungen Hölderlins hin zu einer schwarz verhängten Utopie sind in der Tat einem materialen und gesellschaftlichen Moment geschuldet, welches sich als Misere in der Geschichte potenzierte, und von der Gegenwart und der Ästhetik Adornos her gedacht, nurmehr im Diskurs des Ästhetischen und in der Reflexion kritischer Philosophie erfahrbar zu machen ist – nicht anders eigentlich als zu Hölderlins Zeit. Allerdings: Im Schatten von Auschwitz und der Möglichkeit der universalen Vernichtung der Menschheit durch den Menschen selbst, wirft sich die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Utopie und von verändernder, eingreifender Praxis überhaupt auf. Im Zusammenhang mit Adorno und insbesondere seinem Satz, dass nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, barbarisch sei, wie er dies in seinem Aufsatz »Kulturkritik und Gesellschaft« formulierte und später dann in seiner »Negativen Dialektik« revidierte, möchte ich kurz die Dichtung Paul Celans streifen. Celan selbst bezog sich dabei vielfach auf Hölderlin, insbesondere über jene Form von Sprache, welche an die Grenze ihres Ausdrucks, an die Grenze des Verstummens gerät und zugleich in die Musik übergleitet. Aus dieser Konstellation heraus soll eine Möglichkeit poetischen Sprechens nach Auschwitz bzw. im Zeichen von Katastrophenerfahrungen entfaltet werden.

Bersarin, Jahrgang 1964, studierte Philosophie, Soziologie, Germanistik und nebenher Kunstgeschichte. Er lebt und arbeitet in Berlin, ist tätig im Verlagswesen und beschäftigt sich mit der Philosophie und Ästhetik der Moderne sowie der Postmoderne. Insbesondere die Philosophie Kants, Hegels, Adornos und Benjamins wie auch Positionen des Französischen Poststrukturalismus gehören zu seinem Arbeitsfeld. Er betreibt den Blog »Aisthesis« (bersarin.wordpress.com) und macht Fotos, die er zuweilen hier zeigt: proteusphotographie.wordpress.com. (via)

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2.) Klaus Briegleb: Heinrich Heine und der Präcommunismus

»Wie kein anderer deutscher Schriftsteller war Heinrich Heine dazu prädestiniert, ein Grenzgänger zu werden, wurde er doch auf der Grenze zweier Jahrhunderte und zweier Welten geboren und wuchs zwischen zwei Kulturen und Religionen auf. Wie kein anderer fühlte er sich gezwungen, Grenzen zu passieren, zu verletzen und einzureißen. Blieb sein Leben durch Überqueren geographischer, politischer und religiöser Grenzen geprägt, so sein Werk durch Versetzen ästhetischer, intellektueller und schließlich existentieller Marksteine.« [Gerhard Höhn]

»Der ›zynische Materialismus‹ Heines leistet dies: Er spaltet in der Erinnerung die falschen Vereinheitlichungen im revolutionären Denken wieder auf und stellt die gespannten Beziehungen des Intellektuellen zur Geschichte genauer auf die wirkliche Wirklichkeit menschlicher Alltagserfahrung ein. Heine zudem spricht als Künstler, als das Genie eines ästhetischen Materialismus, der die Tröstungen der Schönheit für das wirkliche Leben der Menschen auch dann noch bereit hält, wenn sie von der Schwelle des Grabes herüber sprechen muß, das ihr in der modernen Menschheit geschaufelt wird. Hier wird nun die politische Dimension von Schönheit und Trost erkennbar. Marx weiß, daß Heine einer der frühen großen deutschen Kritiker der Entfremdung des Menschen von sich selbst unter den Bedingungen einer kapitalistischen Gesellschaft ist. Welchen Preis der Dichter für seine Kritik zu zahlen hatte, weiß Marx auch. Er kannte inzwischen selber die, wie Heine das nennt, ›schreckliche Krankheit des Exils, die Armut‹.« [Klaus Briegleb]

»Unbestritten ist Heines Literatur ›die eines Aufbegehrens gegen Überkommenes‹ ist kritischer Widerspruch gegen ›die bestehende Ordnung.‹ Insofern dieser Widerspruch der universal-revolutionären Ordnung Vollendung des mit 1789 begonnenen Umsturzes gewidmet ist und Heines Schriften daher unter dem Titel ›Revolutionsliteratur‹ subsumiert werden können, lassen sie sich in mancher Hinsicht als ›Wörterbuch der Revolution‹ untersuchen.« [Jutta Nickel]

»Nach dem zerstörungsbedingten Rückzug Gottes aus der Welt liegt sie dem Dichter Heine als zertrümmerte, geistlose, konsonantische Buchstabenfolge vor Augen; sie ist allegorisches Stückwerk, in dem durch die Arbeit des philosophisch geschulten Dichters der Gottesname in das ›Jetzt‹ seiner Erkennbarkeit ein- und so Gott aus seinem anfänglich abstrakten Sein heraustritt und in menschlicher Geschichte ›zum Bewußtsein seiner selbst [kommt]‹.« [Jutta Nickel]

»In seiner Aversion gegen revolutionäre Reinheit und Strenge meldet sich Mißtrauen gegen das Muffige und Asketische an, dessen Spur bereits manchen frühen sozialistischen Dokumenten nicht fehlt und weit später verhängnisvollen Entwicklungen zugute kam. Heine der Individualist, der es so sehr war, daß er sogar aus Hegel nur Individualismus heraushörte, hat doch dem individualistischen Begriff der Innerlichkeit nicht sich gebeugt. Seine Idee sinnlicher Erfüllung begreift die Erfüllung im Auswendigen mit ein, eine Gesellschaft ohne Zwang und Versagung. […] Heines Gedichte waren prompte Mittler zwischen der Kunst und der sinnverlassenen Alltäglichkeit. […] Die sich selbst widerspiegelnde und damit wiederum sich selbst kritisierende Willfährigkeit seiner Gedichte demonstriert, daß die Befreiung des Geistes keine Befreiung der Menschen war und darum auch keine des Geistes. […] Sein Wort steht stellvertretend ein für ihr Wort: es gibt keine Heimat mehr als eine Welt, in der keiner mehr ausgestoßen wäre, die der real befreiten Menschheit. Die Wunde Heine wird sich schließen erst in einer Gesellschaft, welche die Versöhnung vollbrachte.« [Theodor W. Adorno]

Im Gespräch mit Klaus Briegleb (Literaturhistoriker, Heine-Forscher und Herausgeber der sämtlichen Schriften Heines im Deutschen Taschenbuch Verlag) wollen wir uns einige Aspekte des Werks und Lebens von Heinrich Heine erschließen und über die Aktualität seiner Schriften diskutieren. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 86.2 MB; 1:34:09 h)

3.) Stefan Hackländer: Lautréamont und das Program einer neuen Dichtung

»In einer verdrängenden Sozialordnung, die die Gleichsetzung von normal, gesellschaftlich nützlich und gut fordert, müssen die Manifestationen der Lust um ihrer selbst willen als ›Blumen des Bösen‹ erscheinen. In Herausforderung einer Gesellschaftsordnung, der die Sexualität als Mittel zu einem nützlichen Zweck dient, verteidigen die Perversionen die Sexualität als Zweck an sich; sie stellen sich damit außerhalb des Herrschaftgebietes des Leistungsprinzips und bedrohen es in seinen Grundfesten. Sie stiften libidinöse Beziehungen, die die Gesellschaft verdammen muß, da sie eben den Zivilisationsprozeß bedrohen, der den Organismus zu einem Arbeitsinstrument umgebildet hat. Sie sind das Symbol dessen, was unterdrückt werden mußte, damit die Verdrängung siegen und die immer wirksamere Beherrschung von Mensch und Natur durchsetzen konnte – ein Symbol der zerstörerischen Identität von Freiheit und Glück.« [Herbert Marcuse]

»Die Gesänge des Maldoror« des geheimnisvollen Autoren Lautréamont (1846 – 1870) gehören zu den schönsten, gleichwohl schrecklichsten und verstörendsten ›Romanen‹ der literarischen Moderne – eine Blume des Bösen, die hier in ungestümer, in ihrer Bestialität dennoch sublimer Weise aus der Verdrängung hervorbricht. Den Gesängen folgen die Poésies, die das Vorwort der »Gesänge des Guten« werden sollen – sie sind mit Hilfe der Entwendung anderer Gedichte und Werke geschrieben und loben das Gute des Menschen. Diese Dialektik wiederholt sich wenig später in der wirklichen Geschichte in umgekehrter Reihenfolge: als Aneignungsbewegung der Pariser Commune und deren blutiger Niederschlagung im Jahr 1871. Stefan Hackländer (Student der Germanistik und Philosophie sowie Gitarrist in einer Blackmetal-Band) spricht über Aspekte der Schriften von Lautréamont und wie dieser – in Entsprechung zu Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire – das Programm einer neuen Dichtung begründete. (via)

Der Mitschnitt des Vortrags von Stefan Hackländer ist leider während der Veranstaltung abgebrochen. Dafür gibt es zwei Ausgaben der Sendereihe Wutpilger Streifzüge: Die erste Sendung enthält Auszüge aus dem Roman Die Gesänge des Maldoror und Auszüge eines Vortrags über Lautréamont, den Christopher Zwi und R.G. Dupuis 2010 im Rahmen der KSR-Reihe gehalten haben. Die zweite Sendung enthält Auszüge aus dem Vortrag von Stefan Hackländer, weitere Auszüge aus den Gesängen und ein Gespräch mit Clemens Bach.

    Sendung 1: via Mediafire (mp3; 55 MB; 1h)
    Sendung 2: via Mediafire (mp3; 55 MB; 1h)

4.) Helmut Dahmer: Arthur Rimbaud, die Niederschlagung der Commune und das Verstummen der Poesie

»Rimbaud war Rebell. Einer, der seine eher sanftmütige Natur gegen Erniedrigung und Depravation panzerte. Der auf Veränderung für sich und andere aus war und nach dem Geheimnis suchte, ›das Leben ändern‹. Der wußte, als er es für sich gefunden hatte, daß er damit zu einer ›ernsten Gefahr in der Gesellschaft‹ werden konnte. Sie hat ihm seine Anmaßung bis heute nicht verziehen, diese Gesellschaft der Bourgeoisie. […] Rimbaud kann indes nicht anders denn als Zeitgenosse der Pariser Commune die ein ›neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit‹ (Marx) war, gelesen werden. Der Aufstand der Pariser Communarden und ihre Niederlage sind die geschichtliche Grunderfahrung, deren Spuren das gesamte Werk auf eine nicht auf der flachen Hand liegende Weise durchziehen. Dieses Werk des frühreifen Dichters, Musterschüler seiner Klasse und brillanter Kenner der klassischen Rhetorik, ist in nur fünf Jahren zwischen 1870 und 1875 entstanden. Im Alter von fünfzehn bis neunzehn Jahren erarbeitete Rimbaud seine Dichtungen, die nicht nur der französischen Poesie ganz neue Möglichkeiten erschließen sollten, sondern die ›eine kopernikanische Wende der modernen Dichtung‹ (Werner Krauss) überhaupt einleiten.« [Karlheinz Barck]

»Arthur Rimbaud und zwei seiner Zeitgenossen – der zehn Jahre ältere Nietzsche und der anderthalb Jahre jüngere Freud – haben zur Entzauberung (oder Depossedierung) des Ichs in besonderer Weise beigetragen, indem sie in seinem Inneren selbst ein Anderes, ein Nicht-Ich kenntlich machten.« [Helmut Dahmer]

Nachdem Arthur Rimbaud eine »objektive« Dichtung begründet und einige der unkonventionellsten Gedichte und Prosa-Stücke der Moderne geschrieben hatte, brach er abrupt mit der Dichtung und begann, als Abenteurer und scharfsichtiger Beobachter durch die Welt zu reisen, bevor er als (Waffen-)Händler und Geograph von Aden und Harar aus in (damals) unerforschtes Gebiet (Ogaden) vordrang. Helmut Dahmer (Soziologe und Herausgeber einer Sammlung von Trotzki-Schriften) beschäftigt sich mit Psychoanalyse und Kritischer Theorie und spricht über einige Aspekte des Lebens und Werks von Arthur Rimbaud. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 60.9 MB; 1:28:39 h)

5.) Zur Geschichte der Pariser Commune

»Freilich hat die revolutionäre Partei in Frankreich, bei ihrem Erwachen angegriffen, unorganisiert, durch verschiedene Elemente gehemmt, zu einem militärischen Kampf gezwungen, weder ihre Ideen noch ihre Legionen entfalten vermocht, und die Revolutionäre sind nicht so thöricht, in dieser Episode, wie gigantisch sie auch sei, die ganze Revolution zu sehen. Dieser Kampf ist nur ein Vorspiel, ein ›Vorpostengefecht‹, wie Bebel sagte. Aber die revolutionäre Partei in Frankreich hat ein unvergeßliches Beispiel der Initiative, der Kühnheit und des Muthes hinterlassen. Wenn sie nicht gesiegt hat, so hat sie doch wenigstens den Weg gezeigt. Mehr noch; sie tritt die chauvinistischen Traditionen, die sich in den Sozialismus eingeschlichen hatten, mit Füßen, sie setzt nicht einen thörichten Stolz darein, ihre Fehler zu leugnen. Sie enthüllt sie vielmehr, damit sie der Zukunft der Lehre dienen, damit der Sohn nicht den Weg des Vaters aufs Neue zu machen habe.« [Prosper-Olivier Lissagaray]

»Die Kommune von 1871 konnte nichts anderes sein als ein erster schwacher Versuch… Wenn wir uns ausschließlich an die wirklichen und greifbaren Taten der Kommune halten würden, dann müssten wir sagen, daß dieser Gedanke nicht umfassend genug war… Wenn wir uns dagegen an den revolutionären Geist halten, an die Tendenzen, welche sich zur Geltung zu bringen strebten und keine Zeit hatten Tatsachen zu werden, weil sie schon in der Knospe unter Bergen von Leichen erstickt wurde – dann werden wir die ganze Tragweite jener Erhebung und die Sympathien verstehen, welche sie den Arbeiterklassen … einflößt.« [Pjetr Kropotkin]

»Das bloße Bestehn der Kommune führte, als etwas Selbstverständliches, die lokale Selbstregierung mit sich, aber nun nicht mehr als Gegengewicht gegen die, jetzt überflüssig gemachte, Staatsmacht. […] Die Kommune machte das Stichwort aller Bourgeoisrevolutionen – wohlfeile Regierung – zur Wahrheit, indem sie die beiden größten Ausgabequellen, die Armee und das Beamtentum, aufhob. Ihr bloßes Bestehn setzte das Nichtbestehn der Monarchie voraus, die, wenigstens in Europa, der regelrechte Ballast und der unentbehrliche Deckmantel der Klassenherrschaft ist. Sie verschaffte der Republik die Grundlage wirklich demokratischer Einrichtungen. Aber weder „wohlfeile Regierung“ noch die „wahre Republik“ war ihr Endziel; beide ergaben sich nebenbei und von selbst.« [Karl Marx]

Nicht einem vermeintlichen Fortschritt in die Zukunft anzuhängen, sondern die Vergangenheit zu rächen – dies ist, was Walter Benjamin als Imperativ revolutionären Geschichtsbewusstseins formuliert. Aus diesem Grund lohnt es, sich mit der Pariser Commune von 1871 zu beschäftigen und in ihr nach Unabgegoltenem zu suchen. In dieser ersten großen proletarischen Erhebung kulminierten auch zahlreiche Momente der Moderne. Gegen die Heroisierung der Commune durch die KP-Ideologen und Staatssozialisten wollen wir in einem Wochenendseminar die Ereignisse der Pariser Commune rekonstruieren und uns mit ihrer Behandlung in den Texten von Marx, den Anarchisten und Rätekommunisten, sowie den Situationisten auseinandersetzen – nicht im Sinne einer problemlosen Anknüpfung und Fortführung jener Tendenz, sondern als kritische Aneignung einer selbst problematisch gewordenen Revolutionsgeschichte. Weitere Informationen über Inhalt und Ablauf des Seminars folgen in Kürze. (via)

Vom ursprünglichen Wochenendseminar zur Pariser Commune existieren keine Mitschnitte. Dafür gibt es den Mitschnitt eines Vortrags, den Lukas Holfeld zu diesem Thema am 02.03.2014 im Hamburger Golem gehalten hat.

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6.) Jan Sieber: Allegorie und Revolte bei Baudelaire und Blanqui

»Man befand sich gleichsam in einer Kapelle, die dem orthodoxen Ritus der Konspiration gewidmet war. Die Türen standen jedermann offen, aber man kam nur wieder, wenn man Adept war. Nach dem verdrießlichen Defilee der Unterdrückten erhob sich der Priester dieser Stätte. Sein Vorwand war, die Beschwerden seines Klienten zu resümieren, des Volks, das von dem halbend Dutzend anmaßender und gereizter Dummköpfe, die man eben gehört hatte, repräsentiert wurde. In Wirklichkeit setzte er die Lage auseinander. Sein Äußeres war distinguiert, seine Kleidung tadellos; sein Kopf war feingebildet; sein Ausdruck still; nur ein unheilverkündender, wilder Blitz fuhr manchmal durch seine Augen.« [J.-J. Weiss über Blanqui]

»Der bedeutendste der Pariser Barrikadenchefs, Blanqui, saß damals [zur Zeit der Pariser Commune] in seinem letzten Gefängnis, dem Fort du Taureau. In ihm und seinen Genossen sah Marx in seinem Rückblick auf die Junirevolution ›die wirklichen Führer der proletarischen Partei‹. Man kann sich von dem revolutionären Prestige, das Blanqui damals besessen und bis zu seinem Tode bewahrt hat schwerlich einen zu hohen Begriff machen. Vor Lenin gab es keinen, der im Proletariat deutlichere Züge gehabt hätte. Sie haben sich auch Baudelaire eingeprägt. Es gibt ein Blatt von ihm, das neben andern improvisierten Zeichnungen den Kopf von Blanqui aufweist.« [Walter Benjamin]

Charles Baudelaire holt das Alltägliche, den Lärm der Straße, die permanente Anwesenheit der Masse in den Großstädten, das Triviale, das Geschäft der Lohnarbeit und den Schock in die Dichtung hinein. In der warenproduzierenden Moderne – die mit der Abschaffung der Erzählung und der Einführung der Information als Stückware die Möglichkeit von Erfahrung untergräbt – widmet sich Baudelaire einem melancholischen Realismus, der die permanente Anspannung der in ihr lebenden Subjekte mimetisch reproduziert und damit gleichzeitig bricht. Indem er das Schock-Erlebnis, dem die Großstadtbewohner ständig ausgesetzt sind, künstlich überhöht und als dichterisches Fragment eine Form gibt, ringt er ihm die Möglichkeit von Erfahrung ab. Er setzt nicht das Authentische gegen die Blasiertheit, sondern pariert Entfremdung mit Entfremdung. Walter Benjamin hat Charles Baudelaire mit dem Barrikadenkämpfer Louis-Auguste Blanqui verglichen: Beide rechnet er dem Milieu der Bohème zu. Das Blitzen, das während seiner Reden in den Augen Blanquis erscheint, findet Benjamin in den Gedichten Baudelaires wieder.

Für Walter Benjamin sind August Blanqui und Charles Baudelaire, Zeugen – ersterer, als »der bedeutendste der Pariser Barrikadenchefs« der französischen Junirevolution von 1848, Zeuge jener untergründigen und eigentlichen Geschichte, die die Geschichte der Verlierer, der Unterdrückten, der Sklaven und – in ihrer modernen Erscheinung – des Proletariats ist; letzterer, als größter französischer Dichter der Moderne, Zeuge des Verfalls der Erfahrung im Zeitalter des Hochkapitalismus. Nicht nur ihre Zeitgenossenschaft, Baudelaires Beteilung an der von Blanqui gegründeten Gruppe Société républicaine centrale oder ihr beider Kampf auf den Pariser Barrikaden verbindet sie. Für Benjamin ist ihre tiefere Verwandtschaft eine charakterliche Haltung gegenüber der modernen Welt: »der Rätselkram der Allegorie beim einen, die Geheimniskrämerei des Verschwörers beim anderen.« Blanqui und Baudelaire verkörpern jeweils eine Seite desselben: Allegorie und Verschwörung, geschichtliche Erfahrung und revolutionäre Praxis. »Blanquis Tat ist die Schwester von Baudelaires Traum gewesen. Beide sind ineinander verschlungen. Es sind die ineinander verschlungenen Hände auf einem Stein, unter dem Napoleon III. die Hoffnungen der Junikämpfer begraben hatte.« Wenn für Benjamin Geschichtsschreibung heißt, die Geschichte gegen den Strich zu bürsten, dann bedeutet dies, die Geschichte der Moderne, verdichtet in der von Paris, der Hauptstadt des 19. Jahrhunderts, und der Kultur des französischen Second Empire von den Barrikaden des Pariser Proletariats her, der Niederlage der Pariser Kommune und der Repression der Arbeiterbewegung in den darauf folgenden Jahrzehnten zu lesen. Der Vortrag wird die Konstallation zwischen Blanqui und Baudelaire in Benjamins Passagen-Werk sowie ihren Einfluss auf Benjamins Geschichtsbegriff verfolgen.

Jan Sieber, studierte in Bremen, Lüneburg und London Kunst- und Kulturwissenschaften sowie Philosophie; momentan wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promovent an der UdK Berlin; Mitglied der Gruppe und Mitherausgeber der gleichnamigen Zeitschrift Anthropology+Materialism; Mitglied von Berlin Group for Radical Thinking. (via)

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Beiträge zum Rätekommunismus http://audioarchiv.blogsport.de/2015/08/16/beitraege-zum-raetekommunismus/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/08/16/beitraege-zum-raetekommunismus/#comments Sun, 16 Aug 2015 08:37:45 +0000 MoshMosh AudioAAUAAU Eantiautoritärer KommunismusAnton PannekoekArbeiterbewegungBürgerkriegBewegungsgeschichteBolschewismusChristoph PlutteDissidenten der ArbeiterbewegungErster WeltkriegFranz PfemfertGeschichteHermann GorterKAPDKapp PutschKAUKlassenkämpfeKommunismusKonterrevolutionKPDKrisentheorieLeninLinkskommunismusLinksradikalismusMitteldeutsche MärzkämpfeNovemberrevolutionOtto RühlePaul MattickProletariatRätebewegungRätekommunismusRevolutionRevolutionsgeschichteSeb BronskySozialdemokratieSpartakusSPDUSPD http://audioarchiv.blogsport.de/2015/08/16/beitraege-zum-raetekommunismus/ Wir dokumentieren hier zwei Vorträge, die die Geschichte des Rätekommunismus bzw. Linkskommunismus (vor allem im deutschsprachigen Raum) zum Gegenstand hatten.

1.) Ein Bürgerkrieg in Deutschland – Zu Theorie und Praxis des antiautoritären Kommunismus 1914 – 1923

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dissidenten der Arbeiterbewegung“ hat Seb Bronsky am 19.06.2014 in Erfurt einen Vortrag über den Rätekommunismus in Deutschland gehalten. Anhand einer kenntnisreichen Schilderung der Klassenkämpfe zwischen 1914 und 1923 (Novemberrevolution, Spartakusaufstand, Ruhrkämpfe, mitteldeutsche Märzkämpfe) entwickelt er die Geschichte, Debatten und Spaltungen des linken Kommunismus: Spartakusbund und KPD, KAPD, AAU, AAU-E, Rote Kämpfer und KAU. Neben den Organisations- und Strategiedebatten, die sich u.a. um die Stellung zum Parlament und zu den Gewerkschaften drehten, schildert er skizzenartig auch das Verhältnis der Linkskommunisten zu Lenin und dem Bolschewismus. Er schließt mit einigen zusammenfassenden Thesen, die auch auf Fehler und Schwachstellen der Linkskommunisten hinweisen.

Texte, auf die Bronsky im Vortrag u.a. hingewiesen hat: Hans Martin Bock – Syndikalismus und Linkskommunismus 1918-1923 | Bernhard Reichenbach – Zur Geschichte der K(ommunistischen) A(rbeiter)-P(artei) D(eutschlands) | Otto Rühle – Von der bürgerlichen zur proletarischen Revolution (PDF) — Der Mitschnitt eines weitestgehend identischen Vortrags, den Seb Bronsky in der Translib gehalten hat, kann (jedoch in etwas schlechterer Tonqualität) bei Youtube angehört werden.

»Andere mögen ihr: ›Nur nicht zu viel! Nur nicht zu früh!‹ plärren. Wir werden bei unserem: ›Nur nicht zu wenig! Nur nicht zu spät!‹ beharren.« [Karl Liebknecht, Die Frage des Tages, geschrieben im Knast 1918]

Die russische Oktober-Revolution, die Bolschewiki, allen voran Lenin wurden von den deutschen Kommunisten bewundert, begeistert waren auch die antiautoritären Kommunisten von dem Maximalismus, der nicht nur den 1. Weltkrieg beenden, sondern ihn in einen Bürgerkrieg umwandeln wollte; es schien, mit der sozialistischen Weltrevolution würde endlich ernst gemacht. Zwei, spätestens drei Jahre später war von dieser Bewunderung nicht mehr viel übrig, Bolschewiki und deutsch-holländischer Rätekommunismus waren auseinandergegangen. Lenin warf den Antiautoritären unter den Kommunisten vor, sie wären eine utopistische Kinderkrankheit des Kommunismus, die Antiautoritären sahen in Sowjetrußland nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die staatskapitalistische Despotie der bolschewistischen Partei.

Der Vortrag möchte auf drei Ebenen vorgehen: Erstens soll an die wirkliche Bewegung in Deutschland erinnert werden, das heißt nicht nur an die proletarischen Kämpfe gegen den Weltkrieg und die November-Revolution, sondern mehr noch an den heute weitgehend vergessenen, anschließenden Bürgerkrieg. Zweitens an die revolutionären Organisationen: vom Spartakusbund und den Internationalen Kommunisten Deutschlands zur Kommunisten Partei und deren erster Spaltung; von der Kommunistischen Arbeiter-Partei und der Allgemeinen Arbeiter Union, die erst nach tausenden zählten und von denen 1923 nur noch heillos zerstrittene Grüppchen übrig waren. Drittens soll die aus diesen Kämpfen und Auseinandersetzungen hervorgegangene Gesellschaftskritik, das was man heute Links- oder Rätekommunismus nennt, vorgestellt werden, ihre historischen Verdienste wie auch ihre Schwächen und Fehler. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 102 MB; 1:52:10 h)

2.) Die Revolution war für mich ein großes Abenteuer

2013 ist im Unrast-Verlag ein Buch über den Rätekommunisten Paul Mattick erschienen. Den Hauptteil des Buches bildet ein Interview, das der Politologe Michael Buckmiller 1976 in Vermont mit Mattick geführt hat. Im Anhang befinden sich zwei literarische Texte Matticks, eine kommentierte Bibliografie zum Stichwort Rätekommunismus und ein ausführliches Nachwort Michael Buckmillers, der die Figur des Arbeiterintellektuellen anhand von bis dato noch nie publizierten Briefen Matticks darstellt. Im März dieses Jahres war einer der Mitherausgeber des Buches, Christoph Plutte, in Bremen zu Gast und hat das Buch vorgestellt. Plutte liest einige Passagen aus dem Gespräch mit Paul Mattick vor (es sind auch einige O-Töne aus dem Interview zu hören) und führt diese jeweils kommentierend ein. Es geht um diverse Aktionen in der Jugend Matticks, um Rätekommunismus, KAPD und AAU-E, literarische Aktivitäten Matticks, einen Streik in Köln, das Exil in den USA, die Arbeitslosenbewegung in Chicago, die Krisentheorie Matticks und um Matticks Umgang mit Marx.

Paul Mattick (1904-1981) ist vielleicht der exemplarische Arbeiterrevolutionär und Intellektuelle: Seine furiose Abrechnung mit John Maynard Keynes, seine Kritik an Herbert Marcuse, die dieser übrigens als einzig taugliche Kritik von links akzeptierte, seine sprichwörtliche Marx-Orthodoxie, mit der er den tendenziellen Fall der Profitrate gegen allerlei »Modernisierer« verteidigte, machten den Deutsch-Amerikaner in den 60er und 70er Jahre zu einer Art kommunistischem Gewissen und Stichwortgeber der antiautoritären Revolte.

Fundiert war sein sympathisch halsstarriges radikales Denken in einer aufregenden Lebensgeschichte, von der man sich damals wie von einer Legende erzählte: Der Schulabbrecher und Autodiktat aus prekären proletarischen Verhältnissen war in der Weimarer Republik in der anti-parlamentarischen marxistischen KAPD organisiert, schlug sich als Schlosser, Tagelöhner und Wanderagitator durch, war durchdrungen von der revolutionären Stimmung jener Tage. 1926 wanderte er aus Abenteuerlust in die USA aus, re-organisierte in Chicago die Wobblies, engagierte sich in der Arbeitslosenbewegung der Grossen Depression, tauchte später in die New Yorker Boheme ein und verfocht in selbstverlegten Kleinstpublikationen einen antiautoritären Kommunismus.

Mattick hat um diese Biographie kein Aufheben gemacht, Heldengeschichten waren ihm zuwider. Aber er gab trotzdem Auskunft: 1976 führte der Hannoveraner Politologe Michael Buckmiller ein langes autobiographisches Interview mit ihm. Das Interview wurde bis dato nie publiziert, nur einzelne Informationen daraus kursierten, Jahrzehnte war es unter Verschluss, erst vor kurzem haben es die Berliner Herausgeber ausgegraben – und das Recht auf eine Veröffentlichung durchsetzen können. Das Interview übertrifft tatsächlich die Erwartungen: Es ist ein lebenssatter Bericht, in dem uns Mattick als ebenso lakonischer wie unabhängiger Kommunist, dem alle Parteischablonen und alles friedfertig sich beschränkende Denken zuwider waren, begegnet.

Der Herausgeber wird kurz in Leben und Werk von Paul Mattick einführen und Passagen aus diesem Lebensbericht lesen – kombiniert mit literarischen Texten Matticks, in denen er etwa die Klassenkriege, die in den 20er Jahren in den USA tobten, verarbeitete. [via]

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Die Freiburger Gruppe La Banda Vaga hat einen Text veröffentlicht, in dem sie einige Aspekte des Rätekommunismus und einige Kritikpunkte an ihm zusammengefasst hat.

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Sich fügen, heißt Lügen.. http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/30/sich-fuegen-heisst-luegen/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/30/sich-fuegen-heisst-luegen/#comments Tue, 30 Jun 2015 19:09:45 +0000 LizaGrünbaum Audio Kürzere Beiträge & RandnotizenAnarchismusErich MühsamFSKLiteraturRäterepublik http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/30/sich-fuegen-heisst-luegen/ Unserer mehrteiligen Reihe über den Anarchisten, Schriftsteller, Bohemien, Revolutionär, Initiator und Mitglied der Münchner Räterepublik Erich Mühsam kann eine weitere Sendung hinzugefügt werden: Das Hamburger Duo „Sokugayu“ hat Mühsam vertont und wurde (2007) von Sylvia Necker (FSK Hamburg) interviewt. Hier der Link zur Sendung.

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„Marxistische“ Rechtskritik – Eine Einführung http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/27/marxistische-rechtskritik-eine-einfuehrung/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/27/marxistische-rechtskritik-eine-einfuehrung/#comments Sat, 27 Jun 2015 07:30:53 +0000 LizaGrünbaum AudioAG RechtskritikAnne Kathrin KrugBürgerliches RechtHamburgs Aktive JurastudierendenJakob GrafKarl MarxKritik des RechtsRechtRechtskritikRechtsphilosophie http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/27/marxistische-rechtskritik-eine-einfuehrung/ Als Ergänzung zu unserem Beitrag zur Rechtskritik bei Marx und Paschukanis: Anne-Kathrin Krug (Rechtsanwältin in Berlin und Mitglied im Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein e.V.) und Jakob Graf (Mitglied der Redaktion der Zeitschrift PROKLA) finden bei einer Veranstaltung der HAJ (Hamburgs Aktive Jurastudierenden) einige Einsichten zur Frage, was Recht im Kapitalismus eigentlich ist bei einer Denkrichtung die unter dem Namen marxistische Rechtsphilosophie bzw. -theorie gefasst wird.

In unseren modernen Gesellschaften scheint ein Leben ohne Recht nicht mehr denkbar zu sein. Fast alle Lebensbereiche und Institutionen – von der Mietwohnung bis zur Ausländerbehörde – sind juristisch konstituiert. Die Frage, was Recht im Kapitalismus eigentlich ist, wird in den täglichen Auseinandersetzungen und sozialen Kämpfen oft gar nicht mehr gestellt. Sah es nach dem Niedergang der realsozialistischen Staaten für eine Weile so aus, als würde von der marxistischen Rechtsphilosophie bzw. -theorie nicht mehr viel übrig bleiben, so hat es in den letzten Jahren wieder eine intensivere Auseinandersetzung mit ihr gegeben. In dem Vortrag diskutieren wir, wie marxistische Rechtsphilosophie bzw. -theorie verstanden werden kann. Welche Bezugspunkte hat die marxsche Beschäftigung mit Recht hervorgebracht? Welche wurden wiederholt und auch bis heute aufgegriffen?

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Witjastiefe 3 – reloaded http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/18/witjastiefe-3-reloaded/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/18/witjastiefe-3-reloaded/#comments Thu, 18 Jun 2015 12:34:52 +0000 LizaGrünbaum Audio Kürzere Beiträge & RandnotizenFreie RadiosFSKRadio Corax http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/18/witjastiefe-3-reloaded/ Die bereits hier erwähnte Zusammenarbeit unter dem Namen Witjastiefe 3 zwischen dem FSK und Corax, wird nach dreijähriger Pause fortgesetzt und hier dokumentiert.

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Über Marx und die Judenfrage und den Zusammenhang von deutschem Arbeitswahn und Antisemitismus http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/11/ueber-marx-und-die-judenfrage-und-den-zusammenhang-von-deutschem-arbeitswahn-und-antisemitismus/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/11/ueber-marx-und-die-judenfrage-und-den-zusammenhang-von-deutschem-arbeitswahn-und-antisemitismus/#comments Thu, 11 Jun 2015 11:56:58 +0000 LizaGrünbaum AudioAntisemitismusArbeitskritikArbeitszwangHeribert SchiederKlaus ThörnerLutherMarxismus http://audioarchiv.blogsport.de/2015/06/11/ueber-marx-und-die-judenfrage-und-den-zusammenhang-von-deutschem-arbeitswahn-und-antisemitismus/ Nach sieben Wochen Abstinenz meldet sich das Audioarchiv mit zwei aktuellen Vorträgen der Bremer Associazione delle talpe zurück: Während Heribert Schiedel den Antisemitismus mit Hilfe der Marxschen Theorie zu fassen versucht, stellt Klaus Thörner den von Martin Luther geprägten deutschen Arbeitsbegriff und die gewaltsam durchgesetzte deutsche Arbeitsmoral dar und geht deren Auswirkungen bis in die Gegenwart nach.

Heribert Schiedel: Marx und die „Judenfrage“ – Chancen und Grenzen der Kritik der politischen Ökonomie zur Erklärung des Antisemitismus

Dass der moderne Antisemitismus als bürgerliche Basisideologie mit undurchschauter abstrakter Herrschaft in Zusammenhang steht, zeigt schon das Beispiel Karl Marx, der zunächst – in seiner „Judenfrage“ – es noch nicht vermochte, „hinter den Schein der bürgerlichen Gesellschaft, die Zirkulation, zu schauen“ (Detlev Claussen). Erst mit der Entdeckung der Gesetzmäßigkeiten der Wert verwertenden Produktionsweise und hier vor allem des Fetischcharakters der Ware war es möglich, das Wesen hinter der Erscheinung und den Antisemitismus als wahnhafte oder extremste Form fetischistischen Bewusstseins zu kritisieren. Der ,Marxismus’ fiel jedoch rasch hinter diesen Erkenntnisstand zurück: Der Antisemitismus verkam ihm zur Ideologie der Herrschenden, die soziale Wut auf die wieder mit der Zirkulation identifizierten Jüdinnen und Juden umlenken wollten. Oder er wurde als „Sozialismus der dummen Kerls“ (August Bebel), als Übergangstadium zur revolutionären Erkenntnis missverstanden. Genauso verbreitet und nicht minder falsch war der Glaube, dass der Antisemitismus als Kennzeichen vorkapitalistischer Gesellschaften mit diesen von alleine verschwinden werde und die Linke ihn nicht zu bekämpfen brauche.

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Klaus Thörner: „Arbeit macht frei“ – Über den Zusammenhang von deutschem Arbeitswahn und Antisemitismus

Nicht der Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkrieges, der 8. Mai, ist gesetzlicher Feiertag in Deutschland, sondern, seit seiner Einführung durch Adolf Hitler, der Tag der Arbeit am 1. Mai. Auch für die deutsche Linke hat dieser Tag als “Kampftag der Arbeiter” bis heute eine größere Bedeutung als der 8. Mai. Dabei negiert sie den verhängnisvollen Zusammenhang des deutschen Arbeitsverständnisses mit dem Antisemitismus, der sich für die Opfer der Shoah in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern bereits an den Eingangstoren in der Parole “Arbeit macht frei” manifestierte […].

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Rechtskritik bei Marx und Paschukanis http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/27/rechtskritik-bei-marx-und-paschukanis/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/27/rechtskritik-bei-marx-und-paschukanis/#comments Mon, 27 Apr 2015 09:36:33 +0000 MoshMosh AudioAG RechtskritikAndrea MaihoferAndreas ArndtAndreas FisahnAndreas HarmsBürgerliches RechtEugen PaschukanisFormanalyseHeide GerstenbergerHelle PankeIngo ElbeKarl MarxKritik des RechtsMarx FrühjahrsschuleOzren PupovacRechtRechtskritikRechtsphilosophieRosa Luxemburg StiftungSimon BirnbaumStaatStaatskritikSubjektformTOP Berlin http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/27/rechtskritik-bei-marx-und-paschukanis/ Inhaltlich anschließend an den letzten Beitrag zur Staatskritik dokumentieren wir hier die Mitschnitte der Marx-Frühjahrsschule 2013 (organisiert von AG Rechtskritik, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Helle Panke und TOP-Berlin), welche die Rechtskritik bei Marx und Paschukanis zum Thema hatte:

In unserer modernen Gesellschaft scheint ein Leben ohne Recht nicht denkbar zu sein. Alle Lebensbereiche von der Mietwohnung bis zur Ausländerbehörde sind juristisch konstituiert. Die Frage, was Recht eigentlich ist – sowohl dem Inhalt als auch der Form nach –, und welche gesellschaftlichen Ursachen es hat, wird in täglichen Auseinandersetzungen und sozialen Kämpfen oft gar nicht mehr gestellt. Woher kommt die Vorstellung, alle Menschen seien frei und gleich? Was steckt hinter der formellen Gleichheit? Wieso nehmen bestimmte gesellschaftliche Beziehungen Rechtsform an? Wie kommt es zur Herausbildung des bürgerlichen Rechts und des modernen Staates?

Die Marxsche Kritik der Politischen Ökonomie erschöpft sich keineswegs in einer Wirtschaftstheorie, sondern versteht sich vielmehr als Versuch einer allgemeinen Analyse der bürgerlichen Gesellschaft. So finden sich bei Marx Ansätze einer Rechts- und Staatsphilosophie, an die der sowjetische Rechtssoziologe Eugen Paschukanis (1891-1937) anknüpft. Er entwickelt den durch Rechtsverhältnisse vermittelten gesellschaftlichen Zusammenhang aus dem Warentausch heraus. Danach sind kapitalistische Tauschbeziehungen unlösbar mit Rechtsverhältnissen verbunden: Warenbesitzer treten sich als freie und gleiche Rechtssubjekte gegenüber, denn die „Waren können nicht selbst zu Markte gehen und sich nicht selbst austauschen“ (Marx).

Das Buch „Allgemeine Rechtslehre und Marxismus“ von Eugen Paschukanis, das in der theoretisch fruchtbaren Phase der 1920er Jahre entstand, erscheint uns zur Analyse der bürgerlichen Gesellschaft und ihrem Recht auch heute noch relevant. Die Marx-Frühjahrsschule lädt Euch zur Lektüre und Diskussion des Werkes ein. [via]

1.) Recht bei Marx und Paschukanis – Eine Einführung

Nach einer kurzen Einleitung zur Tagung gibt Andreas Harms eine kurze und knappe Einführung in das Leben und Werk von Eugen Paschukanis. Es geht u.a. um die Stellung von Paschukanis in der Sowjetunion und um dessen wichtigstes Buch, „Allgemeine Rechtslehre und Marxismus. Versuch einer Kritik der rechtlichen Grundbegriffe“, in dem zum ersten mal der Ansatz einer systematischen marxistisch-materialistischen Analyse des Rechts entwickelt wurde, die vor allem auf eine Kritik der Rechtsform zielte. Dann macht Andreas Arndt zunächst einige Anmerkungen zum Rechtsverständnis von Marx, wobei er dahingehend ein Einverständnis zwischen Hegel und Marx konstatiert, dass beide am (bürgerlichen) Recht die Schaffung individueller Freiräume als fortschrittlich anerkannt hätten. Dies ist auch der wichtigste Ansatzpunkt zu Arndts Kritik an Paschukanis. Einerseits habe dieser einen reduktionistischen Rechtsbegriff, da er ihn auf verkehrte Weise mit dem Warentausch analogisiert, andererseits blende er individuelle Freiheitsrechte vollkommen aus seiner Analyse aus. Dies führe mit einer gewissen Konsequenz zu einer Vorstellung der Abschaffung des Rechts, in der das Individuum keine Existenz jenseits seiner Klasse hätte und auf seine Arbeitsleistung reduziert werde. Das angekündigte Referat von Andrea Maihofer hat aufgrund von Krankheit der Referentin nicht stattgefunden.

Am Freitagabend findet ein einführendes Podium statt, auf dem über Leben, Werk und Rezeptionsgeschichte von Paschukanis (Andreas Harms) und sein methodisches Vorgehen (Andreas Arndt) gesprochen wird. Mit einer generellen Einführung zu Marx und Recht (Andrea Maihofer) werden außerdem die Fragen im Marx’schen Werk thematisiert, an die Paschukanis anknüpft. Wer war Eugen Paschukanis und wo positionierte er sich in den Debatten seiner Zeit? Wie geht Paschukanis methodisch vor? Inwiefern lassen sich schon bei Marx Ansätze einer Rechtskritik finden? [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 87.8 MB; 1:35:55 h) | Anhören: bei Soundcloud

2.) Woher kommt der Staat?

Zuerst referiert Ingo Elbe (Rote Ruhr Uni, Mitherausgeber des Buches „Anonyme Herrschaft“) über den Zusammenhang von Warenform, Rechtsform und Staatsform (Powerpointpräsentation: hier) – wobei sein Referat eine Kurzversion des hier dokumentierten Vortrags darstellt. Besonders hörenswert ist dann aber das Referat von Heide Gerstenberger (Autorin des Buches „Die Subjektlose Gewalt“). Darin kritisiert sie Paschukanis‘ Methode der Formanalyse als fundamentalen Strukturfunktionalismus, den sie mit der real-historischen Entwicklung des Kapitalismus und der damit verbundenen Herausbildung moderner Staatlichkeit konfrontiert. Diese Konfrontation zeige, dass es keine den ökonomischen Strukturen innewohnende Dynamik gebe, die jene neutralen Formen hervorbringt, die Paschukanis und andere Formanalytiker als charakteristische Merkale des entwickelten Kapitalismus angesehen haben. Diese würden dementgegen aus politischen Kämpfen entspringen (bürgerliche Revolutionen) und würden nur für einen begrenzten Ausschnitt politischer Herrschaft im globalisierten Kapitalismus (bürgerliche Nationalstaaten der kapitalistischen Zentren) gelten. Zur Untermauerung ihrer Argumentation skizziert sie zum Schluss kurz die Charekteristika kolonialer Herrschaft.

Am Abend setzen wir uns im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion in der Humboldt-Universität mit den Zusammenhängen von Waren-, Rechts- und Staatsform (Ingo Elbe) sowie der historischen Herausbildung des bürgerlichen Staates (Heide Gerstenberger) auseinander. Ist die Gleichheit aller Menschen ein oberflächlicher Schein oder die Geschäftsgrundlage kapitalistischer Herrschaftsverhältnisse? Was sind die historischen Entstehungsbedingungen moderner Staatlichkeit? [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 57.5 MB; 1:02:45 h) | Hören: bei Soundcloud

3.) Kritik der Kritik – Kontroversen um Paschukanis

Im Abschluss-Podium kritisiert zunächst Andreas Fisahn (u.a. Autor von „Herrschaft im Wandel“) an Paschukanis, dass dieser die Frage, warum in den kapitalistischen Gesellschaften Politik und Recht abgetrennt von der Ökonomie existieren, nicht beantworten würde. Er selbst versucht eine eigene Beantwortung dieser Frage, indem er auf die kapitalistische Akkumulationslogik, das Aufkommen von Überproduktionskrisen, das im Vergleich höhere Maß an Arbeitsteilung und funktioneller Differenzierung sowie historisch auf das Zöllibat als Ursprung staatlich-bürokratischer Verwaltung verweist. Simon Birnbaum (Jurist und Autor aus Berlin) verteidigt dann Paschukanis‘ These vom Absterben des Rechts im Kommunismus und vertritt die These, dass es kein Recht ohne Herrschaft gebe. Hierzu diskutiert er verschiedene Begriffe von Herrschaft, bleibt dabei m.E. insgesamt aber etwas diffus. Zuletzt referiert Ozren Pupovac (u.a. Versus Laboratory) auf englisch über die These, dass die Form des Rechts notwendigerweise Herrschaft und Ausbeutung im Kapitalismus reproduziert und daher eine revolutionäre Überwindung des Kapitalismus eine Zerstörung des Staates beinhalten muss. Außerdem ist sein Anliegen, Paschukanis mit Althusser zu radikalisieren und den Staat auch als Denkform zu begreifen. In der Diskussion geht es dann u.a. um die Frage, inwiefern auch im Kommunismus möglicherweise vorhandene Konflikte eine andere Form des Rechts erforderlich machen.

Zum Abschluss der Tagung am Sonntag laden wir zu einer Debatte (Andreas Fisahn, Ozren Pupovac und Simon Birnbaum) ein, die sich gängigen Kritikpunkten an Paschukanis Thesen widmet. Sind sie Ausdruck einer formalistischen Zirkulationsfixiertheit oder Grundlage einer fundierten materialistischen Rechtstheorie? Verkennt Paschukanis das emanzipatorische Potential des Rechts in sozialen Auseinandersetzungen? Was sind die blinden Flecken seiner Theorie? Welche ideologiekritischen Anschlüsse eröffnet sein Ansatz? [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 71.3 MB; 1:17:55 h) | Hören: bei Soundcloud
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70 Jahre Befreiung – Zur Nutzbarmachung der deutschen Geschichte http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/23/70-jahre-befreiung-zur-nutzbarmachung-der-deutschen-geschichte/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/23/70-jahre-befreiung-zur-nutzbarmachung-der-deutschen-geschichte/#comments Thu, 23 Apr 2015 12:43:54 +0000 LizaGrünbaum Audio8.Maideutsche IdeologieDeutschlandDie FalkenHalle http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/23/70-jahre-befreiung-zur-nutzbarmachung-der-deutschen-geschichte/ Wo einst Theodor W. Adorno (er sprach vom „leerem kalten Vergessen“) und Alexander Mitscherlich („Die Unfähigkeit zu trauern“) das Verdrängen der Taten des nationalsozialistischen Deutschlands anprangerten, ist heute die Erinnerung allgegenwärtig. Nur solange die alten Partei- und Volksgenossen in ihren Richtersesseln, Lehrstühlen und zuhause am Mittagstisch saßen, galt der 8. Mai als Tag der Niederlage. Hermann L. Gremliza bemerkte vor einigen Jahren, dass Auschwitz überall sei: „keine Zeitung, kein Verlagsprospekt, kein Vorlesungsverzeichnis, kein Symposion, kein Kirchentag ohne das Sühnezeichen“ und verwies auf die „Idee aus Auschwitz ein Instrument [zu machen]; mit der die Deutschen auf ihre Umwelt losgehen konnten […] aus dem Bekenntnis zur eigenen Scham sollte den Deutschen das Recht erwachsen, an anderen moralisch Maß zu nehmen.“ Darauf, dass das Gedenken an, ja sogar die Bekenntnis zur deutschen Schuld mittlerweile zum Standardrepertoire hiesiger Politiker (und Politikerinnen) gehört, verwies ein Genosse der (Falken Erfurt) in Halle auf Einladung der Gruppe „Geko“ (Gesellschaftskritische Odyssee). Er beginnt mit der Situation nach 1945, verweist auf Adornos Vortrag („Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit?“), legt den Fokus auf die Veränderung der bundesdeutschen Erinnerungspolitik, spricht über die heutige Nutzbarmachung der Geschichte zur Bewahrung bestehender Verhältnisse, um abschließend Fehleinschätzungen der Linken klar hervorzuheben.

Noch vor 50 Jahren schienen die Fronten klar: die Erinnerung an den Nationalsozialismus richtete sich nicht nur gegen das Schweigen der eigenen Väter und Onkel, sondern auch das er gesamten deutschen Öffentlichkeit. Diese wollte lieber auf eine große Zukunft Deutschlands hinarbeiten und dazu einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen, anstatt sich mit der Erinnerung an die abzugeben, die im Namen Deutschlands und seiner Zukunft ermordet wurden. Vor diesem Hintergrund schien jedes Erinnern ein Angriff auf den emsigen Wiederaufbau und Ruhe und Ordnung zu sein – kurz es war praktische Subversion.

Heute hat die offizielle Politik hingegen eine umfassende Erinnerungskultur etabliert. Bei Gedenkveranstaltungen zur Befreiung von Auschwitz oder zum Ende des Nationalsozialismus in Bundestag und -rat zitiert man sogar einen Theodor W. Adorno. Dabei hatte dieser seinen Vortag von 1959 zur Aufarbeitung der Vergangenheit damit geschlossen, dass diese erst aufgearbeitet war, wenn die „Ursachen des Vergangenen beseitigt wären“ und dachte dabei an die praktische Beseitigung des Kapitalismus.

Der Vortrag vergegenwärtigt zunächst die Überlegungen aus Adornos Vortrag „Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit“ (1960), um in Anschluss an diese die Veränderungen des öffentlichen Gedenkens in den letzten 35 Jahren zum umreißen und die Frage aufzuwerfen vor welcher Aufgabe das Erinnern an den Nationalsozialismus heute steht.

    Download: via AArchiv (mp3; 122.6 MB; 1:16:30 h)
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Beiträge zur Staatskritik http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/21/beitraege-zur-staatskritik/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/21/beitraege-zur-staatskritik/#comments Tue, 21 Apr 2015 10:49:30 +0000 MoshMosh AudioAlexander NeupertAntonio GramsciArgudissAssociation CritiqueEinfuehrendesEugen PaschukanisFormanalyseGegenstandpunktIngo ElbeIntrosISF FreiburgJoachim HirschJohn HollowayKarl HeldKarl MarxKritik der PolitikKritikmaximierungLeninLouis AlthusserMarxistische GruppeMoritz ZeilerNicos PoulantzasRobert KurzStaatStaatsableitungsdebatteStaatsfetischismusStaatskritikWarenformwestlicher Marxismus http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/21/beitraege-zur-staatskritik/ Wir dokumentieren hier mehrere Beiträge zur Staatskritik, die mehr oder weniger einen einführenden Charakter haben:

1.) Intros: Kritik des Staates

Im Rahmen der Reihe von Einführungsveranstaltungen unter dem Titel „Intros“, die von Kritikmaximierung, [a²] und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg organisiert wird, hat Moritz Zeiler am 12.07.2011 einen Vortrag über verschiedene Theorien des Staates gehalten. Er stellt darin Lenins Vorstellung vom Staat, die Staatskritik von Eugen Paschukanis und verschiedene Staatsbegriffe des „westlichen Marxismus“ (hier vor allem Gramsci, Althusser, Poulantzas) vor. Auf die sogenannte „Staatsableitungsdebatte“ geht er nur kurz ein. In der Diskussion dreht es sich u.a. noch einmal um den Nationalismus und um Mängel der von Zeiler vorgestellten Staatstheorien. Zur Ergänzung und zur Kritik an Gramsci, Althusser, Poulantzas – siehe Elmar Flatschart über Defizite linker Staatskritik.

Über den Staat gehen in der Linken die Interpretationen weit auseinander: für die einen ist er der Garant des Allgemeinwohls, anderen gilt er als das Instrument der kapitalistischen Klassenherrschaft und wieder andere sehen in ihm das Terrain sozialer Kämpfe.

Mit der Veranstaltung wird eine Einführung in die verschiedenen Tendenzen marxistischer Staatstheorie geboten. Dabei werden in drei Themenkomplexen die zentralen Thesen marxistischer Theorie zum Begriff des Staates präsentiert. Themen sind die instrumentelle Staatstheorie bei Lenin (Staat als Instrument der herrschenden Klasse), die relationale Staatstheorie bei Antonio Gramsci, Louis Althusser und Nicos Poulantzas (Staat als materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen) sowie die Reflexionen von Eugen Paschukanis über den Staat als Rechtsform und die daran anknüpfende Staatsableitungsdebatte.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und ist Mitglied im Vorstand der Rosa Luxemburg Initiative Bremen (RLI) und Mitherausgeber von Staatsfragen. Einführungen in materialistische Staatskritik, rls papers, Berlin 2009. [via]

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 58.9 MB; 1:42:58 h)

2.) Was ist eigentlich der Staat?

Auf Einladung der Gruppe „Association Critique“ hat Ingo Elbe am 01.12.2010 in Bielefeld einen Vortrag über die begriffliche Bestimmung des Staates gehalten. Im Wesentlichen stellt er drei verschiedene Vorstellungen vom Staat vor: Staat im Kapitalismus (vertreten von Teilen der historischen Arbeiterbewegung, u.a. Ferdinand Lasalle), Staat der Kapitalisten (zentral vertreten von Lenin, den Elbe noch einmal genauer darstellt als Zeiler) und Staat des Kapitals. Die letzte Vorstellung vertritt Elbe selbst und nimmt daher auch den größten Raum ein. Mit Bezug auf Eugen Paschukanis skizziert er eine Formanalyse des Staates, die eng auf die Analyse der Warenform bezogen ist.

Der politische Verstand ist eben politischer Verstand, weil er innerhalb der Schranken der Politik denkt. Je geschärfter, je lebendiger, desto unfähiger ist er zur Auffassung sozialer Gebrechen.“ (Karl Marx)

Appelle an den ‚Vater Staat’, die Wirtschaft doch an die Kandare zu nehmen und damit ‚soziale Gerechtigkeit’ walten zu lassen, erfreuen sich gerade in der Linken nicht erst in neoliberalen Zeiten großer Beliebtheit. Die unbedingte Loyalität, die noch die Aufgeklärtesten den Formen Staat und Recht entgegenbringen, verblüfft dabei stets aufs neue. Hier bekommt radikale Staatskritik den Zorn des gesunden politischen Menschenverstands zu spüren: wo Menschen zusammenleben, da muss die Zwangsgewalt von Staaten herrschen, wer Gegenteiliges behauptet, gilt als unzurechnungsfähig.

Die Form Staat, in deren Apologie sich Nazis und SozialdemokratInnen, evangelische GlobalisierungsgegnerInnen und Altstalinisten einig sind, darf allerdings ebenso wenig in bloß moralischer Manier als Exponent des ‚Schweinesystems’ abqualifiziert werden.

Entgegen einer solchen „Kritik, welche die Gegenwart zu be- und verurteilen, aber nicht zu begreifen weiß“ (Marx) und wie sie noch das ebenso sympathische wie hilflose Grundrepertoire jeder AnarchistIn ausmacht, sollte es zuerst darauf ankommen, zu erklären, was der (bürgerliche) Staat überhaupt ist, warum kapitalistische Vergesellschaftung, die in der Regel nicht mehr durch direkt gewaltvermittelte, sondern wesentlich sachlich-tauschvermittelte Aneignungsprozesse gekennzeichnet ist, ein solches nunmehr als ‚politische Sphäre’ ausdifferenziertes Zwangsverhältnis noch benötigt, bzw. es permanent reproduziert, wo die Grenzen staatlicher Eingriffskompetenzen in die Ökonomie liegen, warum das Gewaltmonopol den BürgerInnen stets noch als legitimes erscheint usw.

Praktische Relevanz erlangt die Erörterung solch ‚abstrakter Fragen’ u.a. durch die daraus folgende Kritik der Auffassungen, gesellschaftliche Emanzipation sei von einem ‚Politikwechsel’ zu erwarten, der Staat sei im Grunde neutrales Instrument sozialer Gruppen oder könne gar beliebig die Ökonomie gestalten – es sei also alles eine Frage des ‚politischen Willens’.

Der Vortrag stellt Aspekte einer marxistischen Staatskritik anhand von Positionen aus der sog. Staatsableitungsdebatte dar. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 67.3 MB; 1:13:30 h) | Hören: bei Soundcloud

3.) Theorien des Staatsfetischismus

Alexander Neupert (u.a. Autor des Utopie-Bändchens in der Theorie.org-Reihe sowie des Buches „Staatsfetischismus – Zur Rekonstruktion eines umstrittenen Begriffs“) hat im Rahmen des Jour-Fixe der ISF einen Vortrag über Theorien des Staatsfetischismus gehalten. Er unterzieht dabei die Theorien von John Holloway (Rissesucher), Robert Kurz (Wandkritiker) und Joachim Hirsch (Möbelrücker) einer Kritik. Gemeinsam sei allen dreien, dass sie sich entweder auf eine als gegeben angenommene (kämpferische, revolutionäre) Praxis beziehen oder diese motiveren wollen – die Vorstellung von der jeweiligen Praxis bestimme dann folgerichtig die Architektur der Kritik und nicht deren Gegenstand. Demgegenüber habe eine Kritik des Staatsfetischismus sich einzugestehen, dass in der gegenwärtigen Lage eine Lücke zwischen Theorie und Praxis klaffe, dass Kritik nie den Moment ihres Umschlagens in Praxis bestimmen könne und sich deshalb eines Bezugs auf Praxis zu enthalten habe. Warum Neupert seine Reflexionen am Begriff des Staatsfetischismus aufmacht, der im Vortrag eigentlich keine große Rolle spielt, ist mir unklar geblieben.

Bedienen sich Theoretiker eines Begriffs, so wird damit nie nur eine Sache auf den Begriff gebracht, sondern stets auch in ein theoretisches System eingepasst. Im Vortrag wird darüber anhand der Verwendung des ‚Staatsfetischbegriffs‘ in der wertabspaltungskritischen Krisentheorie von Robert Kurz, der rebellischen Befreiungstheorie von John Holloway und der materialistischen Staatstheorie von Joachim Hirsch aufgeklärt. “Im Fetischismus des Staates verschwindet die Gewalt, die diesem doch zugrunde liegt” (Stephan Grigat) – so lautet die ideologiekritische Pointe. In den genannten Theorien wird darüber hinaus versucht, ausgehend von unterschiedlichen Betrachtungen über den Fetischcharakter des modernen Staates, Theorien der Praxis zu begründen. Welche emanzipatorischen oder politischen oder rebellischen Praxisvorstellungen Kurz bzw. Holloway bzw. Hirsch aus ihren Staatsfetischtheorien ableiten, wie dies überhaupt möglich sein soll und wie diese einzuschätzen sind – darüber kann an diesem Abend diskutiert und beraten werden – Es spricht Alexander Neupert-Doppler. Er lehrte Politische Theorie in Osnabrück, veröffentlichte 2013 das Buch Staatsfetischismus. Zur Rekonstruktion eines umstrittenen Begriffs und arbeitet für die Sozialistische Jugend in Trier. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 65.1 MB; 1:11:07 h)

4.) Der bürgerliche Staat

Moritz Zeiler hat in seinem Vortrag den Resultate-Band (1979) der marxistischen Gruppe erwähnt, der seinem Anspruch nach die Staatsableitungsdebatte beendet hat, weil er selbst die Staatsableitung sei. Im Audioarchiv von Argudiss findet sich ein Vortrag von Karl Held (Marxistische Gruppe, später GegenStandpunkt), den dieser am 02.02.1979 in Bremen gehalten hat. Auf Grundlage des Resultate-Bandes gibt Held mehrere Bestimmungen des Staates, wobei er weniger begrifflich geordnet, sondern anhand von zahlreichen Beispielen und Anekdoten vorgeht. Themen sind u.a.: Der abstrakt freie Wille; Freiheit und Gleichheit; Souverenität und Staatsvolk; Rechtsstaat; Moral; Sozialstaat; Klassenstaat; Steuern; Haushalt; Staatsidealismus; bürgerliche Öffentlichkeit. Der Vortrag ist gespickt mit Spitzen gegen den Spartacusbund. Die Aufnahme ist leider etwas verrauscht.

    Download: via Argudiss (mp3; 33.5 MB; 2:26:24 h) | Einzeldateien: bei Argudiss
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Die Grenze der Aufklärung und die Krise der Gesellschaft http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/09/die-grenze-der-aufklaerung-und-die-krise-der-gesellschaft/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/09/die-grenze-der-aufklaerung-und-die-krise-der-gesellschaft/#comments Thu, 09 Apr 2015 15:07:34 +0000 Ernst AudioAntisemitismusIdeologiekritikJustin MondayKriseKritik der politischen OekonomieMoishe Postone http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/09/die-grenze-der-aufklaerung-und-die-krise-der-gesellschaft/ Ein Zusammenhang von Antisemitismus und ökonomischer Krise besteht zwar offenkundig, ist aber doch schwer zu bestimmen. Schließlich folgt Judenhass so wenig automatisch aus der Krise, wie er in Prosperitätszeiten abwesend wäre. JustIn Monday, dessen im März 2015 in Berlin gehaltenen Vortrag wir im folgenden dokumentieren, befasst sich mit dem Verhältnis von Latenz und Manifestation des Antisemitismus und bezieht dessen Wandlungen auf die Geschichte von Krisen und Krisenlösungen (in) der kapitalistischen Gesellschaft.

Eine der ersten Versionen von Moishe Postones bekanntem Aufsatz „Antisemitismus und Nationalsozialismus“ wurde 1982 in der Zeitschrift Merkur veröffentlicht und trug dort den Titel „Die Logik des Antisemitismus“. Der Grund für die Titelwahl dürfte gewesen sein, dass im Mittelpunkt von Postones Argumentation die Dialektik und somit die Logik der Wertform steht.

Allerdings steht die einseitige Betonung der Logik, die dem Aufsatz insgesamt nicht gerecht wird, in dessen Rezeption aber tatsächlich eine zentrale Rolle gespielt hat, in einem eigentümlichen Verhältnis zur Geschichte des Antisemitismus innerhalb derjenigen Gesellschaft, in der der Wert die Form der Herrschaft darstellt. Denn diese ist zwar seit ihrem Beginn von Antisemitismus durchzogen, nur wirkt der keineswegs so kontinuierlich, wie es eine Herleitung aus den elementaren Formen vermuten lässt.

Das antisemitische Denken unterliegt wie kein anderes Ressentiment der bürgerlichen Gesellschaft assoziativen Sprüngen und irrationalen Fixierungen, weshalb die Rede davon, dass er eine Logik hat, mindestens fragwürdig ist. Aber nicht nur der Inhalt der Ressentiments ist inkonsistent. Die in der Antisemitismusforschung übliche Unterscheidung zwischen latentem und manifestem Antisemitismus ist eine Reaktion darauf, dass die gesellschaftlichen Subjekte sich schubweise und relativ plötzlich in jene verfolgende Unschuld verwandeln, die sie als AntisemitInnen sind.

Diese Seite des Antisemitismus – und darum soll es in dem Vortrag gehen – verweist auf die Bedeutung der Krise bei der Entstehung des Antisemitismus. Es ist kaum zu übersehen, dass die Assoziationsketten, die die antisemitische Agitation tragen, mit antiliberalen Schuldzuweisungen an vermeintliche Krisenverursacher ansetzen, um in ihrem Fortgang zu einer Vorstellung von der Welt als Ganzem zu kommen, in dem „jüdisches Handeln“ im Mittelpunkt allen Geschehens stehen soll. Erst in der Reflexion auf die Denkformen, die den kapitalistischen Subjekten zur Verfügung stehen, um die Krisentendenz ihrer Gesellschaft zu begreifen, lassen sich sowohl die stereotype politökonomische Systematik des Antisemitismus erkennen als auch die scheinbar vermittlungslos unsystematischen, hasserfüllten Affekte des antijüdischen Unbewussten wahrnehmen und zurückweisen. Ein Zusammenhang, der im Vortrag anhand einer Übersicht über die Geschichte des Antisemitismus entfaltet werden soll. [via Gebrochene Totalität]

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Einführung in den Marxismus – Teil III http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/06/einfuehrung-in-den-marxismus-teil-iii/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/06/einfuehrung-in-den-marxismus-teil-iii/#comments Mon, 06 Apr 2015 11:32:21 +0000 MoshMosh AudioAnarchismusArbeiterbewegungAugust BebelBewegungsgeschichteBiographischesEduard BernsteinEinführung in den MarxismusEinfuehrendesEugen DühringFerdinand LasalleFriedrich EngelsGeorg FülberthGeschichteInternationaleKarl KautskyKarl MarxKommunismusMarxismusRevolutionsgeschichteSozialdemokratieTheoriegeschichteWilhelm Liebknecht http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/06/einfuehrung-in-den-marxismus-teil-iii/ Der dritte Teil der „Einführung in den Marxismus“, die derzeitig monatlich in der „Vorlese“ auf FSK gesendet wird, setzt sich mit der politisch-revolutionären Betätigung von Marx und Engels auseinander. Georg Fülberth berichtet von den europäischen Revolutionen im 19. Jahrhundert, an denen Marx und Engels mehr oder weniger beteiligt waren, vom Bund der Gerechten (später Bund der Kommunisten), der Internationale und ihrer Spaltung sowie der deutschen Sozialdemokratie und ihren personellen Verstrickungen.

    Download: via FRN (mp3; 46 MB; 50:38 min)

In dieser Sendung hat Fülberth aus dem Gedächtnis den „Bürgerkrieg in Frankreich“ zitiert und lag dabei zielsicher daneben. Der Behauptung Fülberths, Marx habe zwar gesehen, dass die Kommune die vorherigen Staatsformen abgeschafft habe, wäre aber der Auffassung gewesen, dass sie dennoch als revolutionärer Staat aufgetreten sei, sei dieses Zitat aus dem ersten Entwurf zum „Bürgerkrieg in Frankreich“ entgegengestellt:

Daher war die Kommune nicht eine Revolution gegen diese oder jene – legitimistische, konstitutionelle, republikanische oder kaiserliche – Form der Staatsmacht. Die Kommune war eine Revolution gegen den Staat selbst, gegen diese übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft; sie war eine Rücknahme des eignen gesellschaftlichen Lebens des Volkes durch das Volk und für das Volk. Sie war nicht eine Revolution, um die Staatsmacht von einer Fraktion der herrschenden Klassen an die andre zu übertragen, sondern eine Revolution, um diese abscheuliche Maschine der Klassenherrschaft selbst zu zerbrechen.

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Gesellschaftskritik und kommunistische Programmatik http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/02/gesellschaftskritik-und-kommunistische-programmatik/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/02/gesellschaftskritik-und-kommunistische-programmatik/#comments Thu, 02 Apr 2015 13:07:04 +0000 MoshMosh AudioArbeitskritikArbeitsverhältnisseBochumer ProgrammDebatte und DiskussionGesellschaftskritikKlassenverhältnisseKommunismusLeipzigNAOOrganisierungPolitikReformismusRevolutionRobert SchlosserTranslib http://audioarchiv.blogsport.de/2015/04/02/gesellschaftskritik-und-kommunistische-programmatik/ Im Zuge des öffentlichen Selbstverständigungs- und Organisierungsprozesses, den ursprünglich die Sozialistische Initiative Berlin-Schöneberg (SIB) angestoßen hat und der dann in den Aufbauprozess der Neuen Antikapitalistischen Organisation mündete, veröffentlichten im Marx-Forum mehrere Leute aus Bochum das „Bochumer Programm“. Die Leipziger Translib hat am 27.03.2015 einen Mitunterzeichner dieses Programms, Robert Schlosser, eingeladen, um mit ihm anhand des Bochumer Programms über Perspektiven von Gesellschaftskritik und kommunistischer Programmatik zu diskutieren. Damit sollte der Diskussionsprozess fortgesetzt werden, den die Translib mit der Diskussion ihres Koalitionspapiers, der Scherbentheorie und der Degrowth-Konferenz begonnen hat. Einerseits sei hier der Mitschnitt der Veranstaltung mit Robert Schlosser dokumentiert, andererseits habe ich das Bochumer Programm und einen Kommentar Schlossers zu diesem Programm eingesprochen.

1.) Das Bochumer Programm

Das Bochumer Programm wurde 2011 veröffentlicht und stellt einige Forderungen vor, die nach Auffassung der AutorInnen derzeit einen hohen Stellenwert haben. Es geht darin vor Allem um eine Verbesserung der Bedingungen, unter denen sich Lohnabhängige zur Überwindung der Lohnarbeit organisieren können.

    Download: via AArchiv (mp3; 3.4 MB; 3:44 min)

2.) Revolutionäres Minimalprogramm

Robert Schlosser hat eine Kommentierung des Bochumer Programms geschrieben, in dem er einige der Punkte des Programms näher erläutert und auf Kritiken am Programm reagiert hat. Er stellt darin fest, dass die einzelnen Punkte des Programms „ausnahmslos als Reformen verwirklicht werden [könnten], ohne dass die kapitalistischen Produktionsverhältnisse verschwinden würden. In ihrer Summe würden sie allerdings in einem Umfang ‚Selbstverwaltung‘ (…) durchsetzen und dem Kapital Schranken auferlegen (…), dass sie ohne revolutionäre Massenbewegung niemals durchzusetzen wären.“

    Download: via AArchiv (mp3; 12.8 MB; 13:56 min)

3.) Diskussion mit Robert Schlosser in der Translib

Auf Facebook hat die Translib die Diskussion mit Robert Schlosser folgendermaßen zusammengefasst:

Hier kommt die Aufzeichnung der Diskussion mit Robert Schlosser über Gesellschaftskritik und kommunistische Programmatik. Nach etwa 10 minütiger Einführung durch einen Translibier folgt der etwa 45 minütige Beitrag unseres Gasts. In ihm geht es unter anderem um das Verhältnis von Arbeitserfahrung und Theoriebildung, und jenes von Reformen und soziale Revolution, sowie um den Stand der politischen Diskussion(skultur) im linksradikalen Spektrum. Etwas näher wird dann auf die Entstehung des „Bochumer Programm“ und die Debatte um dasselbe eingegangen. Auf den Vortrag folgen 80 Minuten Diskussion über diese und andere von Schlosser aufgeworfene Fragen.[via]

Vortrag

    Download: via AArchiv (mp3; 53.2 MB; 58:05 min)

Diskussion

    Download: via AArchiv (mp3; 74.1 MB; 1:20:56 h)

Ein Verzeichnis der auf trend.infopartisan dokumentierten Diskussionsbeiträge zum NAO-Prozess findet sich hier. Weitere Texte von Robert Schlosser sind auf dessen Homepage zu finden – so u.a. eine Kritik an der Marx-Auslegung von Robert Kurz und eine kritische Anmerkung zu den 28 Thesen zur Klassengesellschaft.

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Der Maulwurf und die Nelken http://audioarchiv.blogsport.de/2015/03/29/der-maulwurf-und-die-nelken/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/03/29/der-maulwurf-und-die-nelken/#comments Sun, 29 Mar 2015 15:52:11 +0000 MoshMosh Audio Besonders hörenswert EnglishArbeiterautonomieArbeiterInnenbewegungCharles ReeveFeminismusGeschichteGeschlechterverhältnisseKlassenkämpfeNelkenrevolutionPeter Christoph ZwiPortugalPRECproletarische RevolutionRätebewegungRevolutionRevolutionsgeschichteRicardo NoronhaSexismusSituationistische InternationaleTranslib http://audioarchiv.blogsport.de/2015/03/29/der-maulwurf-und-die-nelken/ Krise & Revolution in Portugal

A toupeira e os cravos – Crise e Revolucão em Portugal – O rizoma … 1974 – 2014 / The mole and the carnations – crisis and revolution in Portugal – the rhizome … 1974 – 2014

This article includes one lecture in english language – please have a look at the third capture.

Im letzten Jahr hat die Leipziger Translib eine Veranstaltungsreihe anlässlich der vierzigsten Jährung der portugiesischen Revolution von 1974/75 organisiert. Nach dem Putsch vom 25.04.1974 gegen das faschistische Regime Salazars explodierten in Portugal die Klassenkämpfe und das Proletariat begann sich in großen Teilen in Räten und Komitees selbst zu organisieren. Gegen diese Selbstorganisierungsansätze setzte sich in Portugal nach erheblichen Auseinandersetzungen schließlich die bürgerliche Demokratie durch – die radikalen Tendenzen der »letzten sozialistisch orientierten Revolutionsbewegung der Arbeiter_innen und der Landarmut im alten Europa« sind heute nahezu vergessen. Die Translib hat es sich im Zuge der Veranstaltungsreihe zur Aufgabe gemacht, diesem Vergessen entgegenzuwirken und zahlreiches Material zutage befördert. Dabei ging es nicht um eine rückblickende Glorifizierung dieser Bewegung, sondern um eine Aufarbeitung – so wurde etwa im Rahmen der Reihe immer wieder der Sexismus der Arbeiterbewegung Portugals jener Zeit problematisiert und die Rolle der Frauen herausgearbeitet. Wir dokumentieren im Folgenden die Mitschnitte der Veranstaltungsreihe. Wir hatten damals bereits schon ein Interview zur Veranstaltungsreihe dokumentiert, das gut zur Einführung und Einstimmung gehört werden kann.

Die Veranstaltungsreihe „Der Maulwurf & die Nelken“ / „Topeira e Cravos“ hat zum Gegenstand die revolutionäre communistische Tendenz in der bürgerlichen Gesellschaft, die in den Ereignissen um die „Nelkenrevolution“ in Portugal vor allem in den Jahren 1974 und 1975 als wirkender Faktor in Erscheinung trat. Dieser Teil der Geschichte, als eine von Klassenkämpfen, ist heute weitgehend vergessen oder überhaupt unbekannt, und an seiner Stelle steht das spektakuläre Bild der Aktionen von Militärs und Politikern. Dabei war der Putsch vom 25.4.1974 gegen das faschistische Regime der Anlass zu einer regelrechten Explosion der Klassenkämpfe, die sich schon durch die vielen Streiks und Demonstrationen der Arbeiter_innen Ende 1973 angekündigt hatte, zu einem Zeitpunkt, an dem sich die portugiesische Gesellschaft in einer tiefen Krise befand. Der proletarische Maulwurf wühlte eben schon, bevor die Nelken zu blühen begannen, die dann zum Symbol des friedlichen Umsturzes des faschistischen Salazar/Caetano-Regimes geworden sind. Diese Periode des Klassenkampfes, die in Portugal als „Processo Revolucionário Em Curso” (anhaltender revolutionärer Prozess; abgekürzt: PREC) bezeichnet wird, begann mit einer großen Welle von Streiks und Demonstrationen. Sofort strömten die Menschenmassen spontan auf die Straße, feierten das Ende des alten Regimes und nahmen den Kampf gegen die faschistischen Überreste in der Gesellschaft (zunächst die Geheimpolizei sowie Faschisten in der Leitung verschiedener Unternehmen) selbsttätig auf. Am 1.Mai 1974 war der Aufbruch von Millionen Menschen auf den Straßen der deutlichste Ausdruck des allgemeinen Willens zur Emanzipation von den alten Mächten. Am Vorabend, dem 30. April („Walpurgisnacht“!) hat sich die organisierte Frauenbewegung in Portugal gegründet – die MLM. Wie schwer sie es hatte, machte aber auch zugleich die fatale Rückständigkeit des proletarischen „Maulwurfs“, seine Blindheit deutlich ! Immerhin: überall gab es nun Streiks und Fabrikbesetzungen, und die Arbeiter_innen organisierten sich selbst, unabhängig von den gewerkschaftlichen Apparaten, um ihre Interessen durchzusetzen und teilweise sogar die Produktion in die eigenen Hände zu nehmen. Auch wurden schliesslich viele Ländereien besetzt, und die Landarbeiter_innen schlossen sich zu Kooperativbetrieben zusammen, begannen sich so aus der Armut und Ohnmacht zu befreien. Nachdem im März 1975 noch einmal ein rechter Putschversuch von Arbeiter_innen und Soldaten abgewehrt werden konnte, wurden zunehmend Fragen der Selbstbewaffnung und der Bildung revolutionärer Räte aufgeworfen. Dieser Macht-Klärungsprozess spitzte sich bis Ende 1975 immer weiter zu und konnte erst durch eine große polizeiliche Aktion der unter dem Schutz der „sozialistischen“ Militärdiktatur neuentstehenden bürgerlichen Demokratie unterbunden werden.

Im offiziellen Gedächtnis ist wenig Wahres von dieser abgebrochenen Revolution übrig geblieben. Die Rolle des Proletariats als Maulwurf und Unterminierer der alten feudalen, kolonialen und ebenso der modernen bürgerlichen Gesellschaft und seine Wühlarbeit als revolutionäre Subversion in den Klassenkämpfen wird kaum begriffen, ist aber darum noch lange nicht aus der Welt geschafft. Das Rhizom bleibt! Denn der gesellschaftliche Gegensatz von gesellschaftlicher Arbeit und privatem Klasseneigentum, der immer wieder zur Krise und zum Klassenkampf treibt, wie die Ereignisse der letzten 6 Jahre auf der ganzen Welt mal wieder gezeigt haben, besteht weiterhin und zwingt uns bei Strafe des Untergangs, ihn auf eine neue Weise aufzuheben. Um den schon begonnenen, aber bisher immer wieder gescheiterten Übergang zu einer communistischen Produktions- und Verteilungsweise erneut anzugehen, müssen wir die revolutionären Versuche der Vergangenheit genau studieren, um nicht dem geschichtlichen Wiederholungszwang zu verfallen, ihre alten Fehler erneut zu begehen. An der „portugiesischen Erfahrung“ können wir vor allem lernen, wie und um welchen Preis das Proletariat die politische Macht an das Militär oder an staatstragende Parteien – trotz ihrer vorübergehenden „sozialistischen“ Programme stets die Hüter der bürgerlichen Eigentumsordnung – abgeben kann und wie es passiert, dass wir im Schatten unserer Repräsentation alle unsere Möglichkeiten aufgeben können, endlich zur geschichtlichen Macht, zum selbstbewussten Subjekt zu werden, das heisst für unsere eigene Aufhebung als Proletariat, als Objekt der Lohnsklaverei. Die Zahlungsbilanz der sozialen Kämpfe an Europas Peripherie wirft nach 40 Jahren im Zentrum der neuen Krise unweigerlich, auf allen Ebenen die Frage der Abrechnung auf. [via]

1.) „Nelkenrevolution“ – 40 Jahre PRECärer Aufbruch in Portugal

Die Veranstaltungsreihe wurde mit einer kommentierten Lesung eröffnet. Nach einer Einleitung zum Titel und zur Intention der Reihe begann die Lesung mit einem Auszug des Textes „Wer hat die Macht in Portugal?“ von Maren Sell aus dem Sommer 1974, worin die Vorgeschichte der Revolution und die Ereignisse und Stimmungen unmittelbar nach ihrem Ausbruch beschrieben werden. Im Text „Portugal vor der Entscheidung“ von Tony Cliff aus dem Herbst 1975 wird dann die Dynamik und Entfaltung der Klassenkämpfe beschrieben. Der Text „Der soziale Krieg in Portugal“ des Situationisten Jaime Semprun charakterisiert die Klassenauseinandersetzungen im Zuge der portugiesischen Revolution und bezieht sich dabei vor allem auf die Ereignisse des Jahres 1975. Der Text des Trotzkisten Peter Robinson, „Arbeiterräte in Portugal 1974/75″, aus dem Jahr 2010 enthält Beschreibungen der rätemäßigen Organisierung der Arbeiter, wobei er die Auseinandersetzung um die Selbstverwaltung mehrer Zeitungen fokussiert, und beschreibt das Auslaufen des revolutionären Prozesses. Der Text „Die portugiesische Erfahrung“ des Zeitzeugen Charles Reeve versucht eine Auswertung der gescheiterten Revolution und eine Bestimmung ihrer inneren Schranke, die er vor allem in der Fixierung auf das Militär sieht. Der zweite Teil widmet sich der Erfahrung von Frauen, die an der Revolution teilgenommen, sich in ihrem Zuge ebenfalls selbst organisiert haben und die dabei auf erheblichen Widerstand der Männer gestoßen sind. So werden Auszüge aus den „Neuen Portugiesischen Briefen“ von Maria Isabel Barreno, Maria Teresa Horta und Maria Velho da Costa verlesen. Außerdem wurden einige Stellungnahmen und Flugblätter der Movimente de Libertação das Mulheres (MLM, Bewegung zur Befreiung der Frauen) verlesen. Eine Literaturliste der verlesenen Texte gibt es hier (PDF). Ein Video von dem in der Lesung erwähnten Angriff auf eine feministische Demonstration in Lissabon kann hier gesehen werden, ein Flugblatt der MLM, das auf dieses Ereignis reagiert, gibt es hier.

“A Revolucâo dos Cravos“ – 40 anos de partida PRECária – „Nelkenrevolution“ –40 Jahre PRECärer Aufbruch in Portugal

Wir wollen diese „vergessene Revolution“ am Rande Europas ins Zentrum der Gegenwart, unserer Wahrnehmung bringen – in eine heute noch weiter verschärft krisenhafte Aktualität, deren Alltag ähnlich prekär ist für lohnabhängige Menschen überall, wie sie es bei dem Aufbruch in Portugal vor 40 Jahren war. Und diese – wie jede – Revolution war selbst äusserst brüchig, ja gebrochen, eben prekär: so in ihrer Klassenzusammensetzung, ihren widerspruchsvollen sozialen Interessen-Triebkräften, was in ihrem politischen Durchbruch, Aufbruch und Abbruch als Tumult und „Chaotisierung“, als „Ordnung“ und „Demokratisierung“ erschien. So im Geschlechterverhältnis, im Aufbruch der Frauen aus dem klerikal-faschistischen und unterentwickelt-kapitalistischen Muff patriarchalischer Ausbeutung … Und auch der feministische Emanzipationsanlauf brach sich zunächst noch während jener Revolution an dem Machismo und Sexismus, der in Portugal – natürlich nicht nur dort — bis heute fast ungebrochen dominant geblieben ist.

Aus Anlass der Gründung der portugiesischen Frauenselbstbefreiungsorganisation MLM (Movimento de Libertaçâo das Mulheres) am 30.April 1974 — wenige Tage nach dem Miltärputsch der antifaschistischen Offiziere & Hauptmänner und am Vorabend des 1.Mai, an dem „die Arbeiterklasse und das Volk“ in Portugals Zentren massenhaft als revolutionäres Subjekt, aber auch als bloße Repräsentation auf die Bildfläche trat – in dieser „Walpurgisnacht“ ist die translib ein Ort der Zugänge und des Zusammentreffens: von Bildern und Dokus, Analysen und Stimmen aus jenen Tagen sowie kritischen Blicken der Jetztzeit … Eine Fete ohne Folklore und Tanz in den Mai. Ein Büffet mit Portwein soll es aber geben. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 153 MB; 2:47:09 h)
    Hören bei Youtube: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

2.) Die Abrechnung steht noch aus – 40 Jahre Klassenkämpfe in Portugal

Am 20. Juni 2014 waren im Rahmen der Portugal-Reihe Charles Reeve und Ricardo Noronha zu Gast. Charles Reeve war selbst an der portugiesischen Revolution beteiligt und hat seit dem mehrere Texte über die revolutionären Prozesse aus linkskommunistischer Sicht veröffentlicht. Nach einer Einleitung durch die Translib referiert Reeve auf portugiesisch und wird von Cornelia Döll ins Deutsche übersetzt. Charles Reeve geht es in seinem Vortrag vor allem darum, mehrere Mythen zu zerstören: Ein demokratischer Teil der Armeeführung habe die Revolution gemacht und das faschistische Regime gestürzt; die Portugiesische Revolution sei eine Revolution gewesen, die das heutige bürgerlich-demokratische System erreichen wollte; die Portugiesische Revolution sei ein staatssozialistischer Putsch gewesen. Außerdem skizziert er die Schwierigkeiten der ökonomischen Organisierung des Landes im Zuge der revolutionären Prozesse und sucht nach Ursachen für das Scheitern der Revolution. Immer wieder setzt er sich dabei mit Äußerungen Guy Debords zur Portugiesischen Revolution auseinander.

Ajustar contas ainda abertas – 40 anos de luta de classes em Portugal. Debate acerca da “Revolução dos Cravos/PREC”, com um participante e um activista de Portugal (colaboradores da revista “Tranvía” e do Vol. 15 da “Biblioteca da Resistência”)

Die Abrechnung steht noch aus – 40 Jahre Klassenkämpfe in Portugal. Diskussionsveranstaltung zur „Nelkenrevolution / PREC“ mit Charles Reeve und Ricardo Noronha

Es gibt Orte und Jahreszahlen, die in linken Ohren sofort vertraut klingen und bei Vielen eine Flut von Assoziationen, Bildern und Namen hervorrufen. St. Petersburg 1917, Barcelona 1936 oder Paris 1968 sind längst zu mythischen Chiffren für die Siege und Niederlagen der sozialen Revolution geworden. „Lissabon 1974“ bringt dagegen nichts zum Klingen, ruft keine Namen, Bilder und Parolen hervor. Lissabon 1974 steht in keiner lebendigen Beziehung mehr zu uns, und das wofür die Chiffre einsteht, ist nahezu völlig aus dem historischen Bewusstsein einer sich revolutionär verstehenden Linken gelöscht. Und das obwohl – oder vielleicht: gerade weil – das, was am 25. April 1974 in Lissabon mit einem linken Militärputsch in Gang kam, sich rasant zu der radikalsten und umfassendsten sozialen Revolution ausweitete, die Westeuropa nach dem 2. Weltkrieg erschüttert hat. Denn auf die Absetzung eines faschistischen und kolonialistischen Regimes folgte in Portugal eine riesige Bewegung der Besetzungen, die sich innerhalb weniger Monate zehntausende Wohnhäuser, Betriebe und Landgüter aneignete und sie unter die räteförmige Selbstverwaltung der ausgebeuteten Klassen stellte. Seither gab es wohl keinen praktischen Angriff auf die bestehenden Eigentumsverhältnisse mehr, der den herrschenden Klassen so gefährlich geworden wäre!

Wir möchten an diesem Abend über jene Ereignisse diskutieren. Dafür konnten wir mit Charles Reeve und Ricardo Noronha zwei ganz besondere internationale Gäste gewinnen.

Charles Reeve (*1945) desertierte 1967 aus der portugiesischen Kolonialarmee und lebt seitdem im Pariser Exil. Er war in den Jahren 1974/75 aktiver Teilnehmer des revolutionären Prozesses in Portugal. Bereits im Frühjahr 1976 legte er eine kritische Analyse des Scheiterns der „Nelkenrevolution“ in seiner Broschüre Die portugiesische Erfahrung vor. Die hierin enthaltenen Einsichten sind bis heute maßgebend und wurden von Reeve in mehreren über die letzten 40 Jahre verfassten Artikeln und Essays zum Thema kontinuierlich vertieft, zuletzt in seinem neusten Text Das Unvorhersehbare – unser Territorium. Reeve schreibt unter anderem für die Zeitschrift Wildcat und berichtet seit den 1970ern aus verschiedenen Kontinenten über die Kämpfe und Lebensbedingungen eines in permanenter Umwälzung begriffenen Weltproletariats. Zuletzt erschien 2001 von ihm Die Hölle auf Erden. Bürokratie, Zwangsarbeit und Business in China in deutscher Übersetzung bei Edition Nautilus.

Ricardo Noronha arbeitet als Sozial- und Wirtschaftshistoriker am Institut für Zeitgeschichte der Universität Lissabon. Er forscht vor allem zur Einbindung des semi-peripheren Portugal in die europäische und weltkapitalistische Ökonomie und zur Nationalisierung des Bankwesens im Rahmen der „Nelkenrevolution“ (siehe seinen Aufsatz “Die Banken im Dienste des Volkes” in dem Buch “Portugal 25. April 1974 – Die Nelkenrevolution” vom Laika-Verlag). Unlängst veröffentlichte er unter dem Titel Never has a winter been so long ein Thesenpapier auf der Homepage der Gruppe Affect (New York), in dem er seine Einschätzung der komplizierten Konflikte und Alternativen 1974-75 prägnant verdichtet. In der Vergangenheit hat Noronha sich auch mit dem Spanischen Bürgerkrieg 1936-39, dem italienischen Operaismus und der Situationistischen Internationale auseinandergesetzt.

Gemeinsam wollen wir danach fragen, wie und warum die damals durch die Aktion der Ausgebeuteten kurzfristig eroberten ungeheuren Möglichkeiten zur Emanzipation wieder zerschlagen werden konnten? Welche Rolle spielten Staat und Kapital, aber auch die linken Organisationen, also Sozialdemokraten und Gewerkschaften, Parteikommunisten und linksradikale Grüppchen in dieser Auseinandersetzung? Worin bestanden die entscheidenden Schwächen der Bewegung, die eine teils gewaltsame, teils „samtene“ Konterrevolution möglich machten? Und nicht zuletzt: wo stehen Portugal und die portugiesische Bewegung heute, nach 40 Jahren bürgerlicher Konterrevolution und 5 Jahren Schuldenkrise? [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 66.1 MB; 1:12:09 h)
    Hören bei Youtube: Einleitung | Referat Charles Reeve

3.) Revenge is still outstanding – 40 years of class struggles in Portugal

After a progressive military coup against the fascist Salazar-regime in april 1974 the class struggles exploded in Portugal. What happened then is known as the PREC (permanent revolutionary process): the working class started to organize itself in councils and neighborhood-comittees, workers started to takeover factories and poor farmers began to collectivize the acres. The PREC was ended by a social-democratic counter-coup in november 1975. On 20.06.2014 the historian Ricardo Noronha (Lissabon) was guest of the Translib (a self-organized, far-left-communist library in Leipzig) and talked about the PREC. He held a well-informed lecture about the economic, political, military and psychological reasons of the revolution, described it’s course and how it was possible, that the proletariat first started to organize autonomous in a radical way but then the state was able to takeover the organization of the workers. In his opinion the revolution is still current and it is present in the mind of many people in Portugal. Also in the recording of the discussion you get many interesting informations about the PREC – in the discussion you can also hear Charles Reeve, a left-communist who participated in the PREC. Sorry for any mistakes in this english description.

Download: Lecture (mp3; 30.4 MB; 33:10 min) | Discussion (mp3; 62.3 MB; 1:07:59 h)

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Familienverhältnisse http://audioarchiv.blogsport.de/2015/03/18/familienverhaeltnisse/ http://audioarchiv.blogsport.de/2015/03/18/familienverhaeltnisse/#comments Wed, 18 Mar 2015 15:05:51 +0000 MoshMosh AudioAkademischesArbeitsteilungBRDCareworkDie UntüchtigenDoris LiebscherFamilieFeline NowakFeminismusGeschlechterverhältnisseGolemKlassenverhältnisseLiebePaarbeziehungPhase 2QueerReproduktionSarah SpeckSorgearbeitSoziologieTranslib http://audioarchiv.blogsport.de/2015/03/18/familienverhaeltnisse/ 1.) Liebe, Autonomie und Arbeitsteilung – Zur politischen Ökonomie der Paarbeziehung

Am 04. März 2015 hat Sarah Speck (u.a. Hg. von Kitchen Politics) in der Translib Leipzig einen Vortrag über geschlechtliche Arbeitsteilung in heterosexuellen Paarbeziehungen gehalten. Grundlage ihres Vortrags war eine Studie, die sie gemeinsam mit Cornelia Koppetsch und Alice Jockel an der TU Darmstadt durchgeführt hat. In dieser Studie wurden Paare befragt, in denen der Mann einer atypischen Beschäftigung nachgeht oder erwerbslos ist und die Frau das Haupteinkommen bezieht. In der Befragung wurde dann ein Fokus auf die gemeinsame Ökonomie und auf Fragen der Reproduktion gelegt. Im Vortrag stellt sie drei Fallbeispiele aus drei verschiedenen Milieus vor: dem klassischen Arbeitermilieu, dem wertkonservativen Milieu und dem akademisch/urbanenen Kreativ-Milieu. Dabei wird deutlich, dass individualisierte Paare aus dem „großstädtischen Selbstverwirklichungsmilieu“ den ökonomischen Charakter gemeinsamen Haushaltens wesentlich mehr verschleiern und dadurch klassische Rollenverteilungen reproduzieren, als dies bspw. im wertkonservativen Milieu der Fall ist. Diese Verschleierung findet paradoxer Weise mit Hilfe einer Vorstellung von Geschlechtergleichheit statt.

Möchte man die Stabilität der Geschlechterverhältnisse verstehen, so genügt es nicht, auf Ehegattensplitting und Gender Pay Gap zu fokussieren. Ein detaillierter Blick ins ‚Private‘ und den Alltag heterosexueller Paare offenbart, dass zentrale Gründe für die Aufrechterhaltung der Geschlechterordnung woanders liegen – in latenten Männlichkeits- und Weiblichkeitsnormen, aber auch in gegenwärtigen Idealen, etwa der Vorstellung von Geschlechteregalität selbst und in der Reproduktion von Klassenverhältnissen. Der Vortrag möchte den Zusammenhang von Ökonomie und Geschlecht, der derzeit vielerorts erneut diskutiert wird, durch eine spezifische Perspektive auf die Ökonomien und Aushandlungsprozesse des Alltags lenken und stellt die altbekannte Frage neu: Was ist aus feministischer Perspektive zu tun? [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 43.2 MB; 47:14 min)
    Hören: bei Youtube

2.) Über Familie, Kinder und die radikale Linke

Im Rahmen der Reihe „Die Untüchtigen“ haben Feline Nowak und Doris Liebscher (Phase 2) am 12.10.2014 im Hamburger Golem einen Vortrag über historische, rechtliche und geschlechterspezifische Aspekte der Familie gehalten. Zu Beginn hat Doris Liebscher eine historische Bestimmung der Familie als Norm gegeben, wobei sie einen Fokus auf rechtliche Bestimmungen und damit verbundene Probleme gelegt hat. Ausgehend von der Feststellung, dass die Familie als Norm gegenwärtig bröckelt, ist Feline Nowak dann der Frage nachgegangen, wieso dennoch eine Rekonstituierung der traditionelen Familiennorm festgestellt werden kann. Insbesondere legt sie einen Fokus auf das Kinderkriegen, das die Beziehung der Eltern zum Staat in der Regel intensiviert, und problematisiert den Umgang mit Elternschaft und damit verbundenen Rollenmustern innerhalb linker Zusammenhänge. Liebscher geht dann auf Familienmodelle ein, die nicht der Norm entsprechen und zeigt auf, welche rechtlichen Probleme solche Familien haben. Zum Schluss ziehen sie ein Fazit und stellen einige Forderungen auf, die m.E. recht reformistisch bleiben. Dies ist dann auch Gegenstand der Diskussion: in mehreren Redebeiträgen wird die Fixierung auf rechtliche Regelungen kritisiert.

Familie gilt als der kleinste Zusammenschluss, in dem sich Gesellschaft reproduziert und die jeden und jede nachhaltig formt. Diese Einheit hat sich historisch enorm verändert. Bürgerliche Familienstrukturen haben die letzte Generation womöglich mehr geprägt, als die gegenwärtige. Doch die vorsichtige Liberalisierung des Konzeptes Familie kann nur schwer darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor zutiefst ideologisch durchtränkt ist.

Die Familie, im Sinne einer auf Blutsverwandtschaft beruhenden Verbindung mehrerer Generationen, ist in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert durch zwei Momente charakterisiert: Als Mini-Enklave stellt sie einerseits einen Raum dar, in dem zwischenmenschliche Beziehungen anders realisiert sind, als die übrigen, durch kapitalistische Denkweisen geordneten Verbindungen. Als solche kann sie den Einzelnen als Schutzraum dienen, in dem – zumindest dem Ideal nach – Beziehungen mehr als irgendwo sonst von Liebe und Verbindlichkeit geprägt sind. Andererseits war die Familie immer auch eine, wenn nicht autoritär, so zumindest hierarchisch strukturierte Gemeinschaft im Kleinen, die die Voraussetzungen dafür schuf, eben das zu reproduzieren, wovor sie zu schützen vorgab. Es ist eine zentrale Aufgabe der Familie, die Reproduktion der Individuen nach den Erfordernissen gesellschaftlicher Bedingungen zu garantieren. Aus dieser Perspektive erfüllt die traditionell verstandene Familie eine zutiefst ambivalente Funktion.

Wer die traditionelle geschlechtliche Ordnung, die die Familie vorzugeben vermag, nicht annehmen möchte, wer als Eltern Betreuung und Fürsorge eines Kindes wie auch individuelle Freiheit zu gleichen Teilen wahrnehmen oder auch nur sein Kind jenseits von geschlechtlichen Stereotypen großziehen möchte, der/die wird sich unangenehm mit dem Einbruch der gesellschaftlichen Realität in der ehemals als von dieser relativ unabhängig betrachteten Privatsphäre konfrontiert sehen.

In einem ersten Teil der Veranstaltung wird Feline Nowak darstellen, warum mit der Geburt das private Leben noch offensichtlicher zum Feld politischer Auseinandersetzungen wird und sich politische Prämissen wie die Gleichheit zwischen den Geschlechtern und die Selbstbestimmungsfreiheit des Individuums nun noch schwerer umsetzen lassen. Das heißt aber auch, dass neben aller notwendigen Gesellschaftskritik eine Beschäftigung mit Familie gleichfalls eine individuelle Perspektive und die dort vorhandenen Handlungsspielräume erfassen sollte. Im zweiten Teil der Veranstaltung wird Doris Liebscher sich mit dem Familienkonzept im bürgerlichen Recht auseinandersetzen und aufzeigen, wie vor allem Mehrelternschaft, Transelternschaft und soziale Wahlverwandtschaft sowohl das traditionelle Familienverständnis wie auch das Recht gleichermaßen herausfordern. In Bezug auf die Übernahme von Sorgeverantwortung, die Weitergabe von Kapital oder die Inanspruchnahme staatlicher Unterstützung sind die Familienpolitik und Familienrechtssprechung weiterhin am traditionellen Familienkonzept orientiert, denn das deutsche Familienrecht stellt unmissverständlich die Abstammung über alles andere. Um die sozialen, politischen und rechtlichen Einschränkungen, die mit dem aktuellen Familienmodell einhergehen, zu überwinden, werden an diesem Abend von den Referentinnen auch emanzipative Familienmodelle wie die Freundschaftsfamilien und soziale Elternschaften diskutiert. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 104.9 MB; 1:54:14 h)
    Hören: bei Soundcloud

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