Tag-Archiv für 'aufstand'

Dokumente gescheiterter Aufstände

1.) Der Kronstadt-Aufstand

In der Sendung Shalom Libertad auf FSK wurde kürzlich der Text Die Kronstadt Rebellion von Alexander Berkman verlesen. Berkman stellt darin ausführlich die Vorgeschichte und den Verlauf des Matrosen-Aufstandes von 1921 dar und wertet dessen Niederschlagung durch die Bolschewiki aus: „Kronstadt war der erste volksmäßige und ganz unabhängige Versuch einer Befreiung vom Joch des Staatssozialismus – ein direkt vom Volk, von den Arbeitern, Soldaten und Matrosen selbst gemachter Versuch.“ Die Kronstadt-Broschüre kann hier nachgelesen werden.

    Download:
    Mit Musik (via MF; zip; pw: Anarchul) | Ohne Musik (via AArchiv)

2.) Aus dem Leben von Jules Vallès

In seiner Broschüre hat Alexander Berkman die Niederschlagung des Kronstädter Matrosenaufstandes mit jener der Pariser Kommune verglichen. Eines der eindrucksvollsten Dokumente über die Pariser Kommune von 1871 hat der unabhängige Sozialist und Schriftsteller Jules Vallès in seiner Autobiografie Jacques Vingtras – Das Kind / Die Bildung / Die Revolte hinterlassen. Die erste Veranstaltung der Hamburger Reihe Die Untüchtigen im Golem hatte Vallès Biografie zum Thema – es wurden Auszüge daraus vorgelesen und mit musikalischen Darbietungen ergänzt. Eine Veranstaltung vom Politbüro, Thomas Ebermann & co.

Jules Valles (1832-1885) wer kennt den denn noch? Eben, da liegt das Problem. Valles ist so etwas wie der „Urvater“ der gesellschaftskritischen Boheme, also des Flügels dieser Spezies, der sich nicht bescheiden wollte mit der These, in der Jugend dürfe man sich ruhig austoben, um nach einer Zeit wilden Lebens um so gesättigter ein reifes, etabliertes Leben zu führen. Jules Valles war: Bohemien, Literat, hungernder Gelegenheitsarbeiter, Aktivist der Pariser Commune, Herausgeber diverser Zeitschriften, gestrenger Feind jeglicher Disziplin, Phantasieuniform-Träger, zum Tode verurteilter, Begnadigter.

Seine Literatur, meint unser Lexikon zutreffend, sei „ein von wildem Hass und bitterem Humor erfülltes, scharfsinniges Werk in bisweilen krass realistischem Stil.“ Was von Valles an diesem Abend gelesen wird, ist also kompatibel mit Arbeiten von Ebermann, Kamerun, Spilker, Schamoni…

Und Valles ist fast logischer Auftakt einer Reihe, die DIE UNTÜCHTIGEN und ihr leben zwar nicht romantisieren, aber doch in notwendige Erinnerung rufen möchte. Eine Lanze brechen für jene, die nicht mit beiden Beinen im Leben stehen, keine Realisten sind, die nach landläufigen Maßstäben weder gefördert noch gefordert werden wollen. Die – ob als literarische Figuren oder reale Autoren – den Anforderungen des (kulturindustriellen) Betriebes nicht gewachsen waren. Die gegenüber der Welt – „so, wie sie nun einmal ist“ – fremdeln. Die Vergrübeltheit für keine Schande halten; die umstürzlerisches denken und, sollte sich die Gelegenheit ergeben, sogar praktizieren.

„Untüchtige“ Autoren wie Erich Mühsam und Gisela Elsner, grobe Spötter das Kulturgetriebe wie Thomas Bernhard, Albert Camus und Georg Kreisler werden also in den nächsten Monaten im „Uebel & Gefährlich“ präsentiert von alteingesessenen Schnapsnörglern und jungen aufstrebenden Versagern auf dem Weg ins kulturelle Nirvana. Die Fragestellung lautet: wie kann ich mir selbst möglichst erfolgreich Steine in den Weg legen. [via]

    Hören / Download: via Soundcloud

Mit gescheiterten Aufständen beschäftigt sich derzeit gerade eine Veranstaltungsreihe in Erfurt und Weimar, auf die wir hiermit hinweisen wollen: Dissidenten der Arbeiterbewegung. Material aus der Reihe wird beizeiten an dieser Stelle auftauchen. Außerdem wollen wir auf einen thematisch passenden Redebeitrag hinweisen, der kürzlich auf der 1.Mai-Demo in Erfurt verlesen wurde – die Gruppe Club Communism hat darin den 1. Mai, entgegen seiner üblichen symbolischen Aufladung, als einen Tag der Niederlagen gedeutet – um gerade in dieser Reflexion der revolutionären ArbeiterInnenklasse die Treue zu halten: zum Redebeitrag.

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Hegel und Haiti

Da wir doch gerade bei einer aufklärungskritischen Deutung Hegels waren…

1. Auf FRN erschien gerade erst vorgestern eine Hörbuchfassung des Essays »Hegel und Haiti«. Dieser stammt aus der Feder von Susan Buck-Morss und entfaltet die These, dass es der Sklavenaufstand 1791 im damaligen französischen Kolonialgebiet Saint-Domingue und die schließlich in die Unabhängigkeitserklärung Haitis 1804 mündende Revolution waren, die Hegel zu seiner berühmten Herr-Knecht-Dialektik inspirierten. Aufklärungskritisch ist der Essay, insofern er zum einen recht detailliert darlegt, wie sich die bürgerlichen Freiheits- und Gleichheitsforderungen von Anfang an auf den weißen Mann beschränkten, während die zu ihnen in krassem Widerspruch stehende Institution der Sklaverei überwiegend stillschweigend oder offen apologetisch gebilligt wurde. So richtete sich die Anklage der »Knechtschaft«, vorgetragen von Philosophen wie Rousseau oder Locke, allein gegen den europäischen Absolutismus. Zum anderen bringt er die noch heute allzu oft anzutreffende Geschichtsfälschung zur Sprache, die darin besteht, die im Sinne des Mythos der Aufklärung verdrängte Gewalt- und Kolonialgeschichte Europas großzügig zu beschweigen und auszublenden, wenn es um die Universalität der mit ihr inaugurierten Vernunft und den Aufstieg des durch sie ermöglichten kapitalistischen Reichtums geht.

Klappentext:

1791 revoltierten die Sklaven von Saint Domingue, dem heutigen Haiti, unter Absingen der Marseillaise gegen die französischen Kolonialherren. Die »schwarzen Jakobiner« bewiesen so die Unteilbarkeit der Aufklärung. Diese im Okzident verdrängte Geschichte Haitis wird derzeit angesichts zunehmender weltweiter Ungleichheit wiederentdeckt. Anknüpfungspunkte dafür finden sich ausgerechnet bei Hegel, der die Ereignisse in der Karibik verfolgte. Seine Überlegungen zum Verhältnis von Herrschaft und Knechtschaft lesen sich wie ein Kommentar zum Geschehen – ohne daß Haiti mit einem Wort erwähnt würde. Susan Buck-Morss konfrontiert Hegels Interesse mit seiner Philosophie und skizziert die Grundlinien einer neuen Universalgeschichte.

Das Hörbuch basiert auf der 2011 in der Edition Suhrkamp erschienenen deutschen Übersetzung. Das erstmals im Jahr 2000 veröffentlichte englischsprachige Original inklusive der Bilder kann man hier als PDF beziehen. Sowohl die deutschsprachige Suhrkamp- als auch die englische Buchausgabe enthalten als zweiten Teil noch den hier nicht vertonten Aufsatz »Universal History«.

2. Eine positive Besprechung des Buches liegt in einer Sendung von »Lorettas Leselampe« (FSK) vor. Dort erfährt man noch einiges über Geschichte und Gegenwart Haitis, die Sklaverei und die Revolution sowie über Susan Buck-Morss. Download via FRN (0:52 h, 37 MB).

3. Ein englischsprachiges Interview mit Susan Buck-Morss aus derselben Reihe wie jenes mit Moishe Postone ist hier zu finden. Darin gibt sie u.a. Auskunft über ihren intellektuellen Werdegang und ihre Studienzeit in Deutschland.

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London Calling

Werner vom FSK reagiert wieder einmal ausgesprochen schnell auf aktuelle weltpolitische Ereignisse: in einer Sendung vom 13.08.2011 spricht er mit Roger Behrens, Hermann L. Gremliza, und Darcus Howe über die Auseinandersetzung auf Londons Straßen, die Anfang August für Schlagzeilen sorgten. Was versprochen wird – die sozialen Ursachen für die Straßenkämpfe und Plünderungen offenzulegen –, kann das Feature m.E. leider nicht halten; es handelt sich eher um Spekulationen, nichtsdestotrotz z.T. um interessante Hintergrundinformationen.

„Krawall und Chaoten“. Zwei der häufigsten Vokabeln der Berichterstattung der letzten Woche beim Blick auf die Ereignisse in England. Warum auch nicht? Wird doch so auf eine Analyse der sozialen Ursachen für die Riots verzichtet. Genau diese Analyse versuchen die nächsten 30 Minuten zu leisten. Wir hören: Roger Behrens, Hermann L. Gremliza, Werner Pomrehn, Darcus Howe und die Band „the clash“.[via]

Download: via FRN (mp3; 35,8 MB; 26:03 min) oder via AArchiv (14,9 MB)

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Diskussion über den kommenden Aufstand

Schon vor einiger Zeit hat mir Alex von Radio Corax den Mitschnitt einer Diskussionsveranstaltung über den schon so oft besprochenen Text „Der kommende Aufstand“ zukommen lassen – angesichts des Umstandes, dass jede Fraktion aller möglichen linken Weltanschauungen ihre Position an der Stellung zu dieser Flugschrift markieren muss, schien es mir sinnvoller, sich mit anderen Texten auseinanderzusetzen und sich nicht von diesem Hype um den kommenden Aufstand blöd machen zu lassen. So blieb der Mitschnitt dieser Veranstaltung einige Zeit ungehört und unbearbeitet liegen, den ich nun den Nutzer_innen des Audioarchivs doch nicht vorenthalten will, da die Diskussion hier doch recht hörenswert ist. Hanna Mittelstädt (Edition Nautilus), Karl-Heinz Dellwo (Ex-RAF-Mitglied), Andreas Blechschmidt (Rote Flora, Jungle World, taz) und Thomas Ebermann (bekannter linker Kommunist) sind an der Diskussion beteiligt, die am 25. Mai 2011 im Golem in Hamburg stattfand.

Download:

    via FRN: Teil 1 (41,8 MB), Teil 2 (44.1 MB), Teil 3 (44,1 MB)
    via AArchiv (mp3; 71,3 MB; 2 h 4 min 31 sec)
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Klassen, Kämpfe & Revolte: Der Mai ’68 in Frankreich

Die antikapitalistische Gruppe Revolta hat am 19. April in Jena zusammen mit der Jour Fix Initiative Berlin einen Vortrag über die Ereignisse des Mai/Juni 1968 in Frankreich organisiert. Elfriede Müller referiert über Hintergründe und Bedingungen mit denen es dort zu einer Massenstreikbewegung kommen konnte, welche die Wirtschaft des ganzen Landes für einige Wochen nahezu zum Erliegen brachte. Sie gibt einen Überblick über die Abläufe, die beteiligten Gruppierungen und die Gegenreaktionen und zieht dann Schlüsse, die aus einer revolutionären Perspektive aus diesen Ereignissen zu ziehen wären. Besonders betont sie den individualistischen Charakter der Revolte und setzt die Perspektive auf das Subjekt, die in diesen Kämpfen gewonnen wurde, in Beziehung zur Gegenwart. Neben dem zum Thema erschienenen Band der Jour Fix Initiative empfehle ich die Lektüre des Buches „Wütende und Situationisten in der Bewegung der Besetzungen“, in dem der Situationist René Viénet unmittelbar nach den Ereignissen im Mai ’68 auf das Scheitern dieses revolutionären Anlaufs reflektiert und insbesondere ein Licht auf die Rolle der Situationisten wirft, die Elfriede Müller nur am Rande erwähnt. Ebenfalls sei auf die zur Zeit laufende Veranstaltungsreihe der Jour Fix Initiative verwiesen, die einige vielversprechende Programmpunkte enthält.

Download: via AArchiv (mp3; 19 MB; 0:56 h)

Ankündigungstext: (mehr…)

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Revolution im Nahen Osten? Sozialismus, Demokratie, Islamismus – was wird aus Ägypten?

Auch wenn die politischen Umwälzungen im arabischen Raum z.Z. von der Katastrophe in Japan überschattet und aus den Medien verdrängt werden (oder vielmehr gerade deshalb), sei hier auf die Aufzeichnung des Vortrages von Malte Gebert hingewiesen, den die Gruppe OLAfA eingeladen hat, um über die ägyptische Revolte, ihren Verlauf, ihre Vorgeschichte und ihre Perspektiven zu sprechen. Der Vortrag wurde am 02.03.2011 gehalten.

Download: via Audioarchiv (nachbearbeitet, 1 h, 17 MB), via OLAfA (56 MB, ziemlich leise)

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»Der kommende Aufstand«, besprochen in sieben Kreisen der Kritik

Auf FRN gibt es eine weitere FSK-Sendung zum »Kommenden Aufstand«. Zwei Stunden mit Musik.

Download: Teil 1, Teil 2

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Zwei Revolten. Tunesien und Ägypten 2010/11

Quergelesen über die Revolten in Ägypten und Tunesien. Die Texte stammen vom Blog In The Absence Of Truth.

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Daniel Kulla zum »Kommenden Aufstand«

Daniel Kulla im Gespräch mir Radio Corax über das Manifest »Der Kommende Aufstand« und seine Rezeption – via FRN (15 Minuten).

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Die Rolle der Frauen in der neuen demokratischen Bewegung im Iran

Vortrag der in Konstanz lebenden Schriftstellerin Solale Schirasi zur Situation der Frauen im Iran, gehalten im Oktober 2010. (via FRN)

Download (nachbearbeitet, 15 MB, 0:44 h): via audioarchiv, via MF

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Der kommende Aufstand

»Der kommende Aufstand«, ein viel diskutiertes und umstrittenes Pamphlet aus Frankreich, wurde in einer deutschen Übersetzung vertont und kann via FRN gehört/geladen werden. Eine Auseinandersetzung mit dem Text folgt hier später auch noch findet sich hier.

EDIT: Eine kleinere Fassung des Hörbuchs kann jetzt von uns bezogen werden:

  1. 1. Teil: Vorwort, Aus welcher Sicht, 1. bis 3. Kreis
  2. 2. Teil: 4. bis 7. Kreis
  3. 3. Teil: Auf gehts, Sich finden, Sich organisieren, Aufstand

(Je ~20 MB, ~1 h)

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Der Aufstand in den Sinnscheißebergwerken

Der ganze Planet besteht aus Sinnscheiße. Warum muss man dann so tief in die Sinnscheiße-Bergwerke hinabsteigen, um unter entsetzlichen Qualen und unzähligen Opfern ein Material heraufzubefördern, das an der Oberfläche des Planeten in rauen Mengen herumliegt, wo man sich nur bücken müsste um es aufzuheben? Aber nur dadurch, dass wir die Sinnscheiße unter solchen entsetzlichen Qualen zu Tage fördern, erhält sie das wichtigste: Wert!

In dem Hörspiel „Aufstand in den Sinnbergwerken“ von Matthias Schamp wird auf amüsante Art und Weise, bereichert mit phantastischen musikalischen Zwischenspielen, die Sinnlosigkeit der kapitalistischen Arbeit geschildert. Und doch gibt es Aussicht: Den Hauptfiguren wird die Sinnlosigkeit der ganzen Schufterei bewusst und sie fangen an, sich anderen Dingen zu widmen. Damit bekommt die Geschichte aber leider einen idealistischen Charakter: Dadurch, dass sie sich der ganzen Scheiße einfach bewusst werden und mit Hilfe der Metaphysik, gelingt es ihnen die Sinnscheiß-Gesellschaft aufzulösen. Wenn der Feind nicht eine Rückenkratzbürste in die Hände bekommen hätte…

    Download: via Mediafire (zip-Paket)

pw:

sinnshit
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