Tag-Archiv für 'foucault'

Feministische Theorie im Frühling

Im Frühling dieses Jahres fand in Jena eine interessante Veranstaltungsreihe statt, die vom StuRa und dem Gleichstellungsreferat der Uni Jena (beide Gremien sind inzwischen neu besetzt) organisiert wurde. Es wurden in dieser Reihe verschiedene Ansätze feministischer Gesellschaftskritik vorgestellt, die derzeit in der radikalen Linken diskutiert werden.

Es geht um Materialismus, queer theory und Feminismus. Queer Theory ermöglicht es, Heteronormativität und gesellschaftliche Normierungsprozesse zu benennen und zu kritisieren. Aber die Produktionsverhältnisse und materiellen Lebensbedingungen lassen sich nicht dekonstruieren. Wie kann der Kampf gegen Patriarchat und Kapitalismus aussehen – und was ist untragbar für eine emanzipatorische Gesellschaftskritik?

1. Roswitha Scholz: Die Wert-Abspaltungskritik – ein neuer Versuch marxo-feministischer Theoriebildung

Roswitha Scholz hat in ihrem Vortrag einführend einige Grundgedanken der Wert-Abspaltungskritik vorgestellt, wie sie vor allem in „Der Wert ist der Mann“ und „Das Geschlecht des Kapitalismus“ ausformuliert ist, wie sie aber auch aus vielen anderen Vorträgen bekannt sind. Gegen Ende stellt sie einige Überlegungen zur Verwilderung des Patriarchats und der Herausbildung zwangs-flexibilisierter Identitäten im Neoliberalismus an. Im Zusammenhang mit Scholz‘ Vortrag sei auf die jüngeren Ausgaben der Exit! verwiesen, in denen das Geschlechterverhältnis auf verschiebenen Ebenen erneut diskutiert wurde. Ebenfalls sei auf die Rezension von Justin Monday anlässlich der Neuauflage von „Das Geschlecht des Kapitalismus“ im letzten Jahr verwiesen.

Seit geraumer Zeit lässt sich eine Marx-Renaissance beobachten. Nach dem „cultural turn“ der letzten Jahrzehnte treten nun wieder „materielle“ Aspekte in den Vordergrund. Und so fordert Nancy Fraser auch im feministischen Kontext „Frauen, denkt ökonomisch“. Ansonsten sind jedoch marxo-feministische Konzepte rar, die jenseits traditioneller Marxismen nach dem Zusammenbruch des Ostblocksozialismus und den neuerlichen Krisenentwicklungen im Kapitalismus Neuland betreten. Im Vortrag wird thesenhaft die Wert-Abspaltungstheorie als „Big Theory“ vorgestellt, die einer neuen Qualität des warenproduzierenden Patriarchats Rechnung tragen und dabei gleichzeitig auch die kulturell-symbolische Ebene berücksichtigen will.

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 46,2 MB; 50:25 min) | Diskussion (mp3; 48,2 MB; 52:37 min)

2. Hanna Meißner: Kritik der politischen Ökonomie queer/feministisch gelesen

Hanna Meißner (u.a. „Jenseits des autonomen Subjekts“) will in ihrem Vortrag die Grenzen der Marx’schen Analysen aufzeigen und wie an dieser Grenze poststrukturalistische bzw. queer-theoretische Analysen anknüpfen können. Dabei referiert sie einige Merkmale der Subjektivität des Warenbesitzers und weist darauf hin, dass dieser konstitutiv von Voraussetzungen abhängig ist, die nicht in seinem Wirkungsbereich liegen und die er selbst nicht einholen kann. Der Marx’schen Analyse müsse mit einer gewissen Notwendigkeit entgehen, wie genau an dieser Stelle das Geschlechterverhältnis wirkmächtig wird. Meißner verweist daher auf Subjektivitäts-Analysen von Butler, Foucault und Spivak.

Die Frage, was die Marx’’sche Kritik der politischen Ökonomie zur Analyse der Geschlechterverhältnisse beitragen kann wurde in Teilen der feministischen Debatten lange intensiv und kontrovers diskutiert. Sie ist allerdings in der jüngeren Vergangenheit etwas in den Hintergrund getreten und schien durch einen poststrukturalistisch informierten Blick auf die wirklichkeitskonstituierenden Effekte der diskursiven Ordnung überlagert. Statt allerdings von einer Unvereinbarkeit von queer/feministischen Theorien und der Marx’’schen Kapitalismusanalyse auszugehen, lohnt sich eine erneute Re-Lektüre der Marx’’schen Texte. Marx bietet für (queer/feministische) Gesellschaftskritik ein wichtiges Instrumentarium, da er mit der kapitalistischen Produktionsweise einen historischen Strukturzusammenhang erkennbar macht, der unserem In-der-Welt-Sein (auch in seiner vergeschlechtlichten Dimension) bestimmte Formen und Dynamiken vorgibt und spezifische Hierarchisierungen sowie versachlichte Herrschaftsverhältnisse hervorbringt.

Interessant ist dabei nicht so sehr das, was Marx selber zum Verhältnis von Männern und Frauen und zur geschlechtlichen Arbeitsteilung geschrieben hat. In einer Lektüre von Marx nach Judith Butler (und Michel Foucault) lässt sich argumentieren, dass auf der analytischen Abstraktionsebene, auf der Marx die Strukturen der kapitalistischen Produktionsweise rekonstruiert, gar keine Aussagen über Geschlechterverhältnisse oder Heteronormativität möglich sind. Wird dies als (notwendige) Grenze der Marx’’schen Analyse gelesen, dann lassen sich Anschlüsse zu einer queer/feministischen Perspektive eröffnen.

    Download: via AArchiv (mp3; 42,3 MB; 46:14 min)

3. Andrea Truman: Bürgerschreck: der schwule Mann

Andrea Trumann (u.a. „Feministische Theorie“, „Das bürgerliche Subjekt und sein Anderes“) hat in ihrem Vortrag zunächst an zwei Beispielen (eine Dokumentation über Homophobie im Fußball und eine Studie von Frank Lammerding) und dann mit Bezug auf Foucault und Freud einige Thesen zu den gesellschaftlichen Ursachen von Homophobie vorgestellt. Zentral ist dabei das Begriffspaar Aktivität/Passivität, wobei Aktivität männlich kodiert und mit Leistungsfähigkeit verbunden ist, während Passivität für Weiblichkeit bzw. Verweiblichung und Unfähigkeit zur Selbstbeherrschung steht.

Homosexualität scheint in der Gesellschaft angekommen zu sein. Aber unter dieser oberflächlichen Anerkennung, schwelt immer noch der Hass auf Schwule. In Kreuzberg werden Schwule nach Partys abgefangen und zusammengeschlagen; „schwul“ ist in Schulen neben „Jude“ eins der beliebtesten Schimpfwörter. Und auch die Toleranz im bürgerlichen Milieu endet in der Regel, wenn es um die eigene Kinder geht. Aber woher kommt dieser Hass auf Schwule, der sich unter der Oberfläche bürgerlicher Toleranz Bahn bricht? Dieser Hass ist nicht das Andere zur bürgerlichen Gesellschaft, sondern konstitutiv für diese. Gehasst wird an den Schwulen nicht, dass sie mit jemandem gleichgeschlechtlichen schlafen, sondern dass im schwulen Sex mindestens einer in die Rolle der Frau schlüpfen und sich „ficken“ lassen muss.

Die Angst vor dem Schwulsein ist gleichzeitig eine Angst vor der Verweiblichung. Eine Angst, die auch bei einem Großteil der schwulen Szene selbst nicht Halt macht, in der ein Männlichkeitskult gepflegt wird, der Tunten oftmals ausschließt. Der Hass auf die Schwulen wird geschürt durch die Angst vor der Passivität und dem Kontrollverlust, hinter der sich der Wunsch eben danach verbirgt. Denn dem Schwulen (gleichsam wie der Frau) wird die Macht zugesprochen, die Bürger von ihrem rechten Weg (vom Arbeitszwang und der Kleinfamilie) abzubringen, und dieser Wunsch nach Ruhe und Kontrollverlust muss bei Strafe des drohenden Untergangs, die innerhalb kapitalistischer Vergesellschaft der Preis wäre für das Auslebens dieses Bedürfnis abgewehrt werden und die vermeintlichen Verführer gehasst und im schlimmsten Fall ausgelöscht werden.

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 52,7 MB; 57:35 min) | Diskussion (mp3; 34,4 MB; 37:31 min)

4. Lars Quadfasel: The Great Gender‘n'Trouble Swindle. Judith Butlers un_kritische Theorie

Lars Quadfasel rekonstruiert in seinem Vortrag kurz die feministischen Debatten und Widersprüche, aus denen heraus Judith Butlers Projekt entstand, will zeigen, dass Butler nicht so radikal ist, wie es von ihren Anhängern suggeriert wird und kritisiert einzelne Theoreme Butlers. Größeren Raum nimmt dabei das Verhältnis von Geist/Mensch/Kultur auf der einen und Körper/Natur auf der anderen Seite ein. Gegen Ende kritisiert er einige Aspekte von Butlers Moralphilosophie und zeigt auf, warum der Antizionismus mit einer gewissen Notwendigkeit aus deren Prämissen folgt. Die Diskussion, in der es u.a. um Butlers Begriff der Verletzbarkeit und noch einmal um das Verhältnis von erster und zweiter Natur geht, ist dann nochmal relativ interessant. Vgl. auch „Beiträge zur Adorno-Preisverleihung 2012“.

Quadfasel will zeigen, dass Butlers Ansatz im Grunde eine Neuauflage des alten bürgerlichen Idealismus ist und entsprechend der kapitalistischen Logik nicht die Emanzipation von den geschlechtlichen Zwangscharakteren, sondern lediglich deren Flexibilisierung betreibt.

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 51,9 MB; 56:39 min) | Diskussion (mp3; 37,4 MB; 40:49)

5. Korinna Linkerhand: Leben wir (noch) im Patriarchat? Ein Plädoyer für die Anliegen des klassischen Feminismus

Korinna Linkerhand (Meine Frauengruppe, u.a. Autorin in „Outside the Box“, z.B. „Der postmoderne Körper“: Vortrag, Text) nimmt in ihrem Vortrag eine grundlegende Bestimmung des Patriarchat-Begriffs vor und bestimmt Sexismus als ideologischen Niederschlag des Patriarchats. Einigen Raum nimmt in ihrem Vortrag die Bestimmung des Verhältnisses von Patriarchat und Kapitalismus ein, wobei sie den Kapitalismus in Bezug auf Roswitha Scholz als warenproduzierendes Patriarchat begreift, für das eine Abspaltung des Weiblichen konstitutiv ist. In diesem Zusammenhang entgegnet sie auch der Auffassung, im Kapitalismus seien patriarchale Verhältnisse bereits tendenziell überwunden. Zuletzt übt sie eine Kritik am „Postfeminismus“, dem sie einen materialistischen und universellen Feminismus entgegenstellt, der Gesellschaftskritik als Kritik eines historischen Vermittlungsverhältnisses von Mensch und Natur formuliert, anstatt Natur in Diskurse auflösen zu wollen.

Dass die Rede vom Patriarchat gegenstandslos geworden sei, ist eine gängige Diagnose von gesellschaftskritischer und auch genderbewegter Seite, die angesichts der mittlerweile umfassenden Gleichstellung der Frau in der westlichen Hemisphõre auf der Hand zu liegen scheint: Frauen seien berufstätig, selbstbestimmt und obendrein Kanzlerin, eine Vielfalt von Lebensentwürfen stünden ihnen zur Verfügung und vorm Kapital seien sowieso alle gleich. Doch nach wie vor ist Geschlecht ein nicht wegzudenkendes Strukturprinzip der Gesellschaft: Menschen werden wie eh und je in Männer und Frauen unterteilt und zu solchen sozialisiert. Das Patriarchat als Analysekategorie vor allem der Zweiten Frauenbewegung bezeichnet die Herrschaft von Männern bzw. – unter den Vorzeichen einer abstrakten Vergesellschaftung – eines männlichen Prinzips, wie sie innerster Bestandteil nicht nur der abendländischen Kultur ist. Sollte das Geschlechterverhõltnis nun plötzlich nicht mehr herrschaftlich verfasst sein? Fördert die Leugnung eines patriarchalen Gefälles in der Gesellschaft nicht letztlich das ungebrochene Fortwirken der sexistischen Ideologie – wirft es nicht vor allem Frauen mit ihrer Vielzahl an geschlechterspezifischen Problemen, die sie ihrer Sozialisation verdanken, in die Vereinzelung zurück, wenn wir aufhören, die Besonderheiten weiblicher Subjektbildung zu analysieren und zu kritisieren?

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 47,5 MB; 51:52 min) | Diskussion (mp3; 33 MB; 36:01 min)

6. Katharina Lux: Marx und der blinde Fleck des Feminismus

In ihrem Vortrag weist Katharina Lux auf einen grundlegenden Mangel in den gängigen feministischen Theoriemodellen hin — ihnen fehle ein Begriff gesellschaftlicher Totalität sowie grundlegende Bestimmungen des gesellschaftlichen Seins. So gibt sie eine allgemeine Skizze des Verhältnisses von Mensch und Natur, von Arbeit und Vergegenständlichung, sowie – für eine feministische Gesellschaftskritik entscheidend – der gesamtgesellschaftlichen Reproduktion. Hauptbezugspunkte für ihre Thesen sind dabei die Philosophisch-ökonomischen Manuskripte von Marx und „Die deutsche Ideologie“ von Marx und Engels sowie „Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins“ des späten Georg Lukács. Insgesamt ist der Vortrag ein nützlicher Crashkurs durch den historischen Materialismus, der als Anregung für eine feministische Kritik verstanden werden will. In ihrem kürzlich in der vierten Ausgabe der Zeitschrift „Outside the Box“ erschienen Text mit dem Titel „Über die Repräsentation der Differenz und die Kritik Marx’scher Begriffe“ verfolgt sie eine ähnliche Stoßrichtung.

Was Georg Lukács schon in den 60er Jahren für die kommunistische Theoriebildung allgemein feststellte, gilt heute immer noch und ebenfalls für das Bewusstsein der feministischen Linken: Der Mangel der theoretischen Entwicklung grundlegender Kategorien des gesellschaftlichen Seins. Heute drückt sich dieser Mangel sowohl darin aus, dass keine Reflektion der implizit in den vertretenen feminstischen Theorien enthaltenen Vorstellungen von Natur, Gesellschaft und Menschsein geleistet wird, oder aber – wie zur Zeit überall in Mode – die grundlegenden Kategorien des gesellschaftlichen Seins als angeblich nicht notwendige oder sogar dogmatische zum Schein verworfen werden. Das Resultat ist – so ist zu befürchten – die Wiederholung der beklagten Fehler der zweiten Frauenbewegung. Die zweite Frauenbewegung war spätestens seit den 80er Jahren größtenteils rekuperiert, ihre Forderungen beschränkten sich auf die gesellschaftliche Akzeptanz der Interessen der Frauen und ihre Teilhabe in der bestehenden Gesellschaft. Plötzlich passte sie hervorragend zu den neuen Anforderungen an die Subjekte in der kapitalistischen Gesellschaft. Nach dieser historischen Erfahrung stellt sich heute für die theoretische Arbeit des Feminismus die Aufgabe, das Verhältnis des Feminismus zur Totalität der Gesellschaft zu bestimmen, will er der Partikularisierung und Einhegung seines Begehrens auf ein für die kapitalistische Gesellschaft verträgliches Maß entgehen. Andernfalls wird der Feminismus zum zufälligen Produkt der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die er selbst nicht versteht oder verstehen will und der er so ausgeliefert bleibt.

Ein erster Schritt diesem selbstverschuldeten „Schicksal“ zu entgehen, wäre die Sichtung der grundlegenden Kategorien des gesellschaftlichen Seins wie Menschsein, Natur, Arbeit und Gesellschaft, die im Werk von Karl Marx und Friedrich Engels vorliegen, das von FeministInnen oft verworfen wurde. Was die Analyse und Kritik des Geschlechterverhältnisses angeht – so eine gängige Meinung bis heute – sei dieses Werk von „blinden Flecken“ durchzogen und ökonomistisch, weshalb dort nicht viel zu holen sei. Das ist ein unverzeihlicher Irrtum. Denn im Denken von Marx und Engels liegt der methodische Schlüssel, mit dem das Geschlechterverhältnis als gesellschaftlicher Komplex in seiner Eigendynamik und zugleich seiner Determiniertheit durch die kapitalistische Gesellschaft begriffen werden kann. Ebenso finden sich in den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten, der Deutschen Ideologie bis hin zur Kritik der Politischen Ökonomie die Grundlagen einer Subjekttheorie, die eine umfassende, nicht-partikulare Befreiung des Individuums von Herrschaft zu ihrem Ziel hat. Will die feministische Linke ihren „blinden Fleck“ überwinden, so muss sie sich dem Fundament, den grundlegenden Kategorien einer Subjekttheorie wie sie im historischen Materialismus entwickelt sind, zuwenden. Genau dieser Aufgabe ist der Vortrag gewidmet, in dem versucht werden soll, die grundlegenden Kategorien des gesellschaftlichen Seins wie sie von Marx, Engels und Lukács entwickelt wurden, darzulegen.

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 45,1 MB; 49:13 min) | Diskussion (mp3; 25,8 MB; 28:12 min)
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Michel Foucault – Was macht Macht?

Michael Reitz hat für RadioWissen ein hörenswertes Feature über Foucault gestaltet.

Der französische Philosoph Michel Foucault ist einer der einflussreichsten kritischen Denker der Moderne. Ihn interessierte, wie Macht entsteht, wozu sie benutzt wird und was sie aus Menschen machen kann.

Download: via BR | via RS.com (0:22 h, 20 MB)

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Anarchismus und Postmoderne

1. Keine Macht für Niemand – Versuch einer anarchistischen Aneignung des philosophischen Projektes von Foucault

Einen Versuch, anarchistische Staatskritik und postmoderne Philosophie miteinander zu verbinden, stellt Jürgen Mümken vor, der im Mai gleich zwei mal vom Anarchistischen Lesekreis Jena eingeladen wurde. In seinem ersten Vortrag stellt er einführend Foucaults Machtbegriff vor und vergleicht die jeweiligen Staatsverständnisse von Landauer und Foucault. Im zweiten Teil versucht Mümken mit Hilfe von Foucault sowie Chiapello/Boltanski den Neoliberalismus zu fassen und aus anarchistischer Perspektive zu kritisieren.

Der französische Philosoph Michel Foucault (1926-84) gehört zu den wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. In seinen Schriften hat uns Foucault eine vielseitige Werkzeugkiste hinterlassen, die auch für eine Aktualisierung des Anarchismus und der Analyse gegenwärtiger gesellschaftlicher, sozialer und ökonomischer Verhältnisse geeignet sind.

In diesem Vortrag wird es um einige dieser Werkzeuge gehen: Die Analyse der Macht und Herrschaftszustände, Gouvernementalität und das Denken des Staates und seine Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus. Bei all diesen Punkten geht es auch immer um Subjektivität und Kritik des autonomen Subjekts. Dabei kann das Denken von Foucault teilweise auch direkt am Anarchismus angeschlossen werden. So kommt der Anarcho-Sozialist Gustav Landauer mit seinem relationistischen Staatsverständnis dem Denken von Foucault schon sehr nahe. Auch gibt es Überschneidungen zwischen Max Stirner und Foucault bei der Kritik des bürgerlichen Subjekts.

Der Vortrag möchte Denkanstöße für eine anarchistische Auseinandersetzung mit bestehenden Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnissen geben. Es geht nicht um eine Gesamtdarstellung des philosophischen Werkes von Foucault, sondern um den Versuch einer anarchistischen Aneignung. [via Flyer]

    Download: via AArchiv (29,8 MB; 1:26:46 h)

2. Anarchismus in der Postmoderne oder die Utopie der Anarchie in Zeiten des Neoliberalismus

In seinem zweiten Vortrag stellt Mümken etwas allgemeinere Überlegungen zum Verhältnis von Anarchismus und Philosophie der Postmoderne vor und versucht die Postmoderne als einen Ausdruck anarchistischer Tendenzen in der Gegenwart zu fassen. Im zweiten Teil widmet sich Mümken etwas ausführlicher den Problemen, vor die der Neoliberalismus eine anarchistische Staatskritik stellt.

Postmoderne, Globalisierung und Neloiberalismus haben die gesellschaftlichen Realitäten und Wahrnehmung verändert. Die subversive Ordnung in der Moderne hat anscheinend in der Postmoderne die Seite gewechselt: „Begriffe wie Autonomie, Selbstorganisation, Dissidenz oder auch Befreiung haben die Fronten gewechselt, und es ist unklar, wo überhaupt die Fronten verlaufen. Fanden der liberale wie der anarchistische Einsproch gegen ‚Regierbarmachung der Gesellschaft und der Individuen‘ ihren gemeinsamen Nenner darin, das passive Regiertwerden durch ein aktives Sich-selbst-Regieren ersetzen zu wollen, so verliert dieses Programm in dem Maße seinen Stachel, in dem Freiheit nicht die Antithese von Herrschaft darstellt, sondern den avancierten Modus ihrer Ausübung“ (Ulrich Bröckling). Selbstverwaltung, Selbstbestimmung, und Sich-selbst-Regieren stehen anscheinend nicht mehr im Widerspruch zur neoliberalen Herrschaft, velmehr scheinen sie zu Technologien des Neoliberalismus geworden zu sein.

Was bedeutet diese Umwertung für die Utopie der Anarchie in Zeiten des Neoliberalismus? Die Frage soll beantwortet werden mit Bezug auf Foucault und seine Analyse des Neoliberalismus. Was nützt die Macht-Analyse von Foucault und die postmoderne Kritik des bürgerlichen Subjekts für die Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft? Diesen Fragen geht Jürgen Mümken nach. [via Flyer]

    Download: via AArchiv (17,1 MB; 0:49:55 h)

Beide Vorträge enthalten nützliche Einführungen in einige Aspekte der Theorien Foucaults und sind dahingehend interessant, als dass sie zeigen, wie anarchistische Theoretiker_innen mit Postmoderne und Neoliberalismus umgehen (können). Ob Mümken die Verbindung von postmoderner Philosophie und Anarchismus glückt oder ob der Anarchismus nicht vielmehr dort zu tradieren wäre, wo er sich tatsächlich der Aufklärung verpflichtet, bleiben m.E. offene Fragen.

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Elemente des Poststrukturalismus und seiner Kritik

Das sicherste Erkennungsmerkmal von Poststrukturalist_innen ist ihr Insistieren darauf, dass es den Poststrukturalismus gar nicht gebe. Mit ihrer redundanten Betonung des Vielfältigen, Kontingenten, Differenten und Flüchtigen verbinden sie den Anspruch, ein vereinheitlichendes Denken zu überwinden, das im Vollzug seines Universalitäts- und Objektivitätsanspruchs dem Einzelnen Gewalt antue. Diese Stoßrichtung lässt es plausibel erscheinen, den Poststrukturalismus in die Nähe kritischer Gesellschaftstheorie zu rücken, welche ebenfalls Identitätszwang und Rationalität als Resultate wie auch als Triebfedern einer historischen Entwicklung problematisiert, die in Gestalt der Shoah die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte ermöglicht hat. Grund genug, einen weiteren1 Blick auf dieses Denken zu werfen und auf seine Eigenarten, die es trotz scheinbarer oder tatsächlicher Übereinstimmungen von kritisch-dialektischer Theorie trennen.

1. Poststrukturalismusmen: Einführung von Gesa Mayer und Christian Schütze

Die Weigerung, poststrukturalistische Theoretiker_innen als Vertreter_innen des vermeintlich homogenen Poststrukturalismus zu präsentieren, bildet auch den Ausgangspunkt von Gesa Mayer und Christian Schütze, die als Kenner_innen und Sympathisant_innen der französischen Philosophie in Hamburg eingeladen waren, die Intros-Reihe mit einer Einführung zu dieser Strömung fortzusetzen. Sie widmeten sich jeweils überblicksweise poststrukturalistischen Denkern und den jeweils möglichen politischen Anschlüsse an deren Theorien (siehe Ankündigungstext unten). Auf die stinklangweiligen Thesen zu »post-autonomen Politiken«, mit denen der Vortrag endete, folgte eine wenig zielführende Diskussion, die wie üblich ebenfalls dokumentiert ist. Wie es sich gehört, waren Adorniten anwesend, die teils lediglich identitär motiviert, teils aber auch mit durchaus treffenden Einwänden (unter ihnen Roger Behrens), Kritik am Vorgetragenen äußerten. Zu einer richtigen Auseinandersetzung z.B. über das Verhältnis von Diskursanalyse und Ideologiekritik kam es ebenso wenig wie zu einer Diskussion über die Differenz von Dialektik und Dekonstruktion. Interessant fand ich allerdings eine Wortmeldung, in der der »antideutschen« PoMo-Kritik über regelrecht peinliche Unkenntnis ihres Kritikgegenstands hinaus eine unbemerkte inhaltliche Übereinstimmung mit Habermas vorgeworfen wurde (Ausschnitt siehe unten). Was den Vortrag betrifft, ist der in ihm gegebene Überblick recht brauchbar. Zumindest bin ich mir jetzt sicher, dass eine Beschäftigung mit Deleuze/Guattari sich weit weniger lohnt als eine mit Foucault.

DEN Poststrukturalismus gibt es nicht – wohl aber diverse, z.T. sehr unterschiedliche Theorieperspektiven, die als „poststrukturalistisch“ bezeichnet werden. Bei all ihrer Heterogenität ist den meisten Poststrukturalismen gemeinsam, dass sie die wirklichkeitserschaffende Kraft der Sprache betonen und sich besonders für Brüche und Diskontinuitäten (z.B. in Geschichte, Diskursen und Subjekten) interessieren.
In unserem Vortrag möchten wir die Ansätze der einflussreichen Poststrukturalisten* Michel Foucault, Jacques Derrida und Gilles Deleuze/Félix Guattari vorstellen und aufzeigen, welche Anknüpfungspunkte und Potenziale sie für linke Politiken bieten:

  • Welche Perspektiven eröffnet Foucaults kritische Analytik der Produktivität von Macht-Wissen im Vergleich zu Ideologiekritik und Repressionshypothesen? Wozu dient eine Lokalisierung von Techniken der (Selbst-)Regierung auch jenseits von staatlicher Herrschaft?
  • Wie lässt sich eine Subversion hierarchischer Gegensätze wie Männlich-Weiblich, Hetero-Homo, Gesund-Krank mit Derridas Konzept der Dekonstruktion betreiben? Welchen Beitrag leistet sein Begriff der Iterabilität zur Bestimmung der Möglichkeiten von (Un-)Doing Gender und aneignender Resignifizierung diskriminierender Sprache?
  • Wie kommt Deleuzes und Guattaris Theorie der De- und Re-Territorialisierung in post-operaistischen Konzepten wie denen der Multitude und des Empire zum Tragen? Welche Rolle spielt ihr Begriff des Begehrens für die Erfindung neuer Formen der Vernetzung und der Dissidenz?
  • Und: Was sind post-autonome Politiken?

Gesa Mayer promoviert in Soziologie an der Universität Hamburg zur Wirkungsmächtigkeit und Dekonstruktion der Monogamie-Norm.
Christian Schütze promoviert in Philosophie an der Freien Universität Berlin zur aneignenden Resignifizierung diskriminierender Sprache.

Hamburg, 7. Februar 2013.

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2. Roger Behrens mit einigen Bemerkungen zur poststrukturalistischen Theoriemode am Beispiel von Gilles Deleuze

In der Ausgabe der Freibaduniversität vom August 2007 geht Roger Behrens u.a. dem Umstand nach, dass Deleuze und andere Poststrukturalisten, bei denen der Begriff des Subjekts (und sei es als dekonstruierter) ja durchaus zentral ist, hinter die klassischen Subjekt-Philosophien von Kant, Hegel, Marx auf die rationalistisch-mechanistische Philosophie der Barockzeit (Spinoza, Leibniz) zurückgehen. Nach einigen Exkursen u.a. in die Musik diagnostiziert er Deleuze Idealismus, Geschichtslosigkeit und eine Ontologie der Differenz.

Hören:

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3. La douce France? Birte Hewera über Jean Amérys zweite geistige Heimat zwischen Revolution und ewigem Stillstand

Birte Hewera geht in ihrem, der Thematik nach keineswegs neuen2, Vortrag der Strukturalismuskritik Jean Amérys nach, in ein paar Punkten aber auch über diese hinaus, indem sie Zitate anderer Kritiker des (Post-)Strukturalismus einarbeitet (z. B. François Dosse, Manfred Frank, Alfred Schmidt). Im Mittelpunkt steht, neben Lévi-Strauss, Foucault, der, Améry folgend, dem Strukturalismus zugeschlagen wird. Die von Améry geltend gemachte Gegenposition, der Sartresche Existentialsmus, mag als konterfaktische Restitution des bürgerlichen Humanismus, zumal nach der Liquidation des Individuums, fragwürdig sein. Einige seiner Aspekte, etwa der Anspruch, die – in letzter Instanz auch immer leibliche – (Leidens-)Erfahrung der Einzelnen in die Gesellschaftskritik vermittelnd aufzunehmen, erscheinen mir jedoch kompatibel mit einer kritischen Theorie im Anschluss an Adorno. Darüber hinaus formuliert Hewera eine interessante, wenn auch knappe, Kritik an Foucaults Diskursanlyse, welche zwar als Historisierung von Wissensformen auftritt, aber keinen Begriff von Geschichte mitbringt, der eine Ableitung und damit eine Erklärung der verschiedenen »Episteme« und ihres Übergangs ineinander ermöglichen würde.

1966 prognostiziert Michel Foucault, „daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“. Dass dieser Satz keine Empörung erregt, sondern von einer breiten Anhängerschaft geteilt wird, zeigt, dass sich die von Améry befürchtete Tendenzwende in Frankreich – und nicht nur dort – vollzogen hat: nämlich die Ablösung Sartres, der seit der Nachkriegszeit die intellektuelle Szene Frankreichs geprägt hatte, durch den Strukturalismus. Diese historische Entwicklung, sowie die inhaltliche Bestimmung des Strukturalismus gilt es nachzuvollziehen. Die Bedeutung Jean Amérys ist in diesem Kontext kaum zu überschätzen: Améry ist einer der ersten, die sich in deutscher Sprache einer Kritik am Strukturalismus widmen, lange bevor dieser in Deutschland überhaupt zu großer Bedeutung gelangt. Seine Kritik holt zurück, was der Strukturalismus verleugnet, nämlich die prekäre Leiblichkeit des Menschen. Nicht zuletzt gilt es zu fragen, warum gerade die Linke den Strukturalismus, der doch dem Individuum keinen nennenswerten Platz mehr beimisst, aufgreift und vorantreibt.

Mitschnitt vom 29. Januar 2013 in der Reihe „Philosophische Gespräche“.
Eine Veranstaltung des Helle Panke e. V. in Kooperation mit dem Institut für Sozialtheorie Bochum e. V.

Birte Hewera ist Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle Kommunikationsgeschichte/Medienkulturen an der FU Berlin und arbeitet an einem Promotionsprojekt zu Jean Améry. [via]

Hören:

Download: mp3 via AArchiv (0:40 h, 23 MB) | mp3/wma/ogg via Archive.org

  1. Siehe z. B. die Beiträge zur feministischen Kritik am Poststrukturalismus, zum The­men­kom­plex Post­mo­der­ne, Se­xua­li­tät, Kör­per sowie Roswitha Scholz‘ These vom Abstraktionstabu im poststrukturalistisch dominierten Feminismus heute. »Antideutsche« Kritiken postmodernen Denkens finden sich in Beiträgen von Manfred Dahlmann und Alex Gruber.
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  2. Vgl. ihre Vortragsmitschnitte aus Halle und Berlin. [zurück]
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Was Tun?

Zum Verhältnis von Theorie und Praxis

Unter diesem Titel hat die Gruppe Kritische Intervention aus Halle im letzten Jahr eine sehr interessante Veranstaltungsreihe (siehe auch Text zur Reihe) organisiert, deren Vorträge wir im Folgenden als Audio-Dateien dokumentieren:

1. Birte Hewera, Engagement und Desengagement. Jean-Paul Sartre – Michel Foucault – Jean Améry

Birte Hewera (Berlin) zeichnet Jean Amerys Weg zu dessen Kritik des Strukturalismus nach und legt hierbei einen Fokus auf seine spezifische Auseinandersetzung mit dem Existenzialismus, die von Amerys Erfahrung der Verfolgung und Folterung durch die Nazis geprägt ist. Dabei erhält man einen Überblick über Leben und Werk Amerys und dessen Auseinandersetzung mit dem intellektuellen Leben in Frankreich und dem politischen Geschehen im Nachkriegsdeutschland. Zuletzt spricht sie über Amerys Begriffe von Gewalt und Gegengewalt, sowie seine Position zum Staat Israel und seine Kritik des Antizionismus (siehe seinen Text »Der ehrbare Antisemitismus«).

Jean Améry wurde im April 1945 von den Engländern aus Bergen-Belsen befreit. Nach zwei Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, stieß der Anhänger des Wiener Neopositivismus nun auf die Philosophie Jean-Paul Sartres. In Auschwitz hatte Amérys Bezug zum Neopositivismus einen Bruch erfahren, da sich in diesem Denken die erlittene Wirklichkeit von Folter und KZ nicht wiederfinden ließ. Erst der Sartre’sche Existentialismus gab Améry die Möglichkeit, dieses Erlittene zu arti­kulieren, sein eigenes Handeln als moralisch zu bekräftigen, die Täter zu verurteilen und für sich selbst eine Zukunft jenseits des von den Nazis über ihn verhäng­ten Urteils überhaupt zu denken. Die „Tendenzwende“ – das Aufkommen des französischen Strukturalismus – stellte diese Errungenschaft jedoch wieder in Frage. Améry kritisierte den Strukturalismus, dem er Michel Foucault entgegen dessen Selbstbeschreibung ausdrücklich zuordnete, bereits sehr früh, lange schon, bevor dieser in Deutschland populär wurde. Er bezeichnete den Strukturalismus als „Philosophie jenseits des Menschen“, da der leibliche und leidende Mensch hier keinen Platz hatte, das Handeln als Akt freier Wahl negiert, sowie überhaupt von jeglicher Erfahrung abstrahiert wurde. Schließlich ist es konstitutiv für das Denken Amérys, dass die gelebte Erfahrung – das „vécu“, den unhintergeh­baren Referenzpunkt jeglicher Reflexion bildet. So polemisierte Améry auch gegen alle diejenigen, die die existenzielle Bedeutung des Staates Israels nicht sehen wollten. Denn das Bestehen dieses Staates, so Améry, sei nur vor dem Hintergrund der Katastrophe Auschwitz und der darin enthaltenen Möglichkeit eines zweiten Auschwitz zu sehen. Améry hatte sich selbst immer als der Linken zugehörig betrachtet. Die Ignoranz gegenüber der andauernden Bedrohung Israels und der zunehmende und nur schlecht als „Antizionismus“ verhüllte Antisemitismus ausgerechnet innerhalb der Linken ließen ihn jedoch schließlich an dieser Linken verzweifeln. Die Bezeichnung der arabischen Gewaltregime als progressiv, Israels hingegen als reaktionär, verweise auf eine „totale Verwirrung der Begriffe“, auf den „definitiven Verlust moralisch-politischer Maßstäbe“. Am Israel-Palästina-Konflikt schließlich habe die Linke sich neu zu definieren, insofern sie sich nicht selbst aufgeben und die Maßstäbe der Gerechtigkeit für den „Fetisch Revolution“ opfern will. [via]

    Download via AArchiv: Vortrag (0:48h, 16 MB), Diskussion (0:31 h, 11 MB) | via MF: Vortrag, Diskussion | via FRN

2. Lars Quadfasel, Die Abgründe der Autonomie. Zur Kritik von Freiheit und Subjektivität

Wenn man Freiheit materialistisch nicht als den schroffen Gegensatz zur Notwendigkeit definiert und folglich der Entwurf einer zukünftig freien Menschheit seine materielle Bedingung in der Gegenwart finden muss, die im kritischen Sinne jedoch als unfrei zu diffamieren ist, findet man sich begrifflich in einer Aporie, die nur durch Praxis aufzulösen ist. Über einen materialistischen Begriff von Freiheit, der keine wirkliche Freiheit gegen eine vermeintlich falsche ins Feld führen kann, referiert Lars Quadfasel (Hamburger Studienbibliothek).

Freiheit, Selbstbestimmung, Autonomie sind Parolen, ohne die bislang noch keine widerständige Bewegung ausgekommen wäre. Sie sind aber zugleich die Parolen, unter denen der Sozialstaat demontiert und die Individuen in die »Eigenverantwortung« entlassen werden, selbst dafür zu sorgen, wie sie mit Krankheit, Alter und Armut fertig werden. Die Freiheitsemphase der bürgerlichen Gesellschaft wusste schon Marx mit dem Verweis auf die ›doppelt freien Lohnarbeiter‹ zurechtzurücken: »Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der Geldbesitzer also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei im Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Ware verfügt, daß er andererseits andere Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.«

Unter manch hartgesottenen Marxisten gilt es daher als Ausweis besonderer Radikalität, den Begriff der Freiheit als bloße Herrschaftsideologie zu denunzieren. Dagegen spricht freilich, dass er auch unter den Bürgern kaum mehr den besten Klang genießt. Dass Selbstbestimmung und Autonomie Illusionen seien, die vor den Sachzwängen des Marktes nicht bestehen können und auf die man angesichts der neuesten Ergebnisse der Gehirnforschung ohnehin besser verzichtet, gehört in den gebildeten Kreisen längst zum common sense, und eher peinlich berührt wird der Anachronismus zur Kenntnis genommen, der iranische Aufständische für die Freiheit ihr Leben aufs Spiel setzen lässt.

Das widersprüchliche Verhältnis ist kein Zufall, sondern gehört zur Sache selbst. Jede positive Behauptung über die Freiheit oder Unfreiheit der Menschen schlägt schnurstracks in ihr Gegenteil um. Die, welche die Determiniertheit aller menschlichen Handlungen, ob durch eherne geschichtliche Gesetze oder durch Synapsenverschaltungen im Gehirn, propagieren, wollen dadurch ja andere dazu bewegen, dieser Einsicht zu folgen – während wiederum ihre Kontrahenten, die auf der Autonomie des Einzelnen beharren, Freiheit auf eine Art mystischen Indeterminismus reduzieren, auf eine Willkür also, die von Zufall, Inbegriff des Heteronomen, nicht mehr zu unterscheiden ist. Freiheit als Propagandaformel war noch stets für jede repressive Konsequenz, die Legitimation göttlichen oder staatlichen Strafens gut, und bringt selbst im besten Fall kaum mehr hervor als die beruhigende Gewissheit, dass, egal wie zwanghaft die Verhältnisse auch sein mögen, es etwas Unantastbares im Inneren der Menschen gäbe. Und doch beruht auch und gerade der Materialismus, der die Praxis der Einzelnen auf den gesellschaftlich vermittelten Naturzwang zurückführt, auf der – nicht anders als metaphysisch zu nennenden – Überzeugung, dass die Menschen auch anders handeln könnten, als sie es hier und jetzt tun.

Was der Materialismus als menschliches Potential voraussetzt, muss ihn jedoch zugleich verzweifeln lassen: warum die Menschheit, wenn sie es doch besser könnte, nichts besseres zustande gebracht hat als diese unendlich blutige, unendlich barbarische, unendlich deprimierende Geschichte. Die zentrale Aporie jeder Revolutionstheorie ist, dass alles, was an Möglichkeiten für die Menschheit spricht, sie zugleich, als bislang ungenutzte, verdammt. Um diese Aporie, die nur umso drückender wird, desto fortgeschrittener die Produktivkräfte entwickelt sind und desto unentschuldbarer also die ausgeschlagenen Chancen auf der Menschheit – und damit auch auf jedem Einzelnen – lasten, soll es auf dieser Veranstaltung gehen. [via]

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3. Axel Berger, Marxistisches Terrain? Die Linke nach der kapitalistischen »Lösung« der Agrarfrage

Axel Berger (u.a. Kosmoprolet) diskutiert in seinem Vortrag ein für die gegenwärtigen linken Theorie-Debatten m.E. eher ungewöhnliches Thema: inwiefern die Agrarrevolution eine wesentliche Bedingung für die Herausbildung der sozialistischen Bewegung gewesen ist. Anhand der Agrarfrage rekonstruiert er (eher implizit) einige Aspekte der Selbstkritik der ArbeiterInnenbewegung in der Theorie des Rätekommunismus, spricht aber auch darüber, was Agrarfrage, grüne Revolution und Land-Grabbing für die gegenwärtige Entwicklung des Kapitalismus bedeuten.

Walden Bello, Träger des Alternativen Nobelpreises und einer der wichtigsten Theoretiker der globalisierungskritischen Bewegung, hat zuletzt deprimiert eingestanden, das gegenwärtig überall, insbesondere in der sogenannten Dritten Welt zu beobachtende „land grabbing“ der großen Konzerne und Staatsfonds stelle „die letzte Etappe der Verdrängung der bäuerlichen durch die kapitalistische Landwirtschaft“ dar. Die Folgen sind barbarisch, wie in allen anderen Phasen dieses über Jahrhunderte währenden Prozesses, und sie haben Methode. Denn die Agrarrevolution bildet, zumindest nach Marx, die Grundlage des Kapitalismus. Seit den Zeiten der ursprünglichen Akkumulationen und seitdem in jedem Zyklus immer aufs Neue proletarisierte die Dynamik des Kapitals Millionen ehemaliger Bauern.Marx und viele historisch-materialistische Denker betonten bei der Betrachtung dieser „reellen Subsumtion“ der Arbeit unter das Kapital stets die Dialektik von Barbarei und Emanzipation. Der „Verwüstung und Versiechung der Arbeitskraft“ durch die kapitalistischen Agrarrevolutionen setzte vor allem Marx die Hoffnung entgegen, dass der Kapitalismus damit sowohl in materieller Hinsicht als auch revolutionstheoretisch durch die Bildung des Proletariats als Klasse an und für sich die Voraussetzungen einer klassenlosen Gesellschaft überhaupt erst schaffen würde. Der Stand der Revolutionierung der Verhältnisse auf dem Land stellt dementsprechend nicht nur einen Gradmesser für die Durchsetzung des Kapitalismus dar, sondern gab auch das Terrain vor, auf dem sich die revolutionäre Linke seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu bewegen hatte.Die Tragik bestand darin, dass sich schließlich die Sozialisten selbst des Themas anzunehmen hatten, dessen Lösung man eigentlich von der Entwicklung des Kapitalismus „naturwüchsig“ erwartet hatte: Der Transformation agrarischer Gesellschaften in moderne industriell-kapitalistische Klassengesellschaften mit den Polen von Bourgeoisie und Proletariat. Im Ergebnis fielen revolutionäre Strategie und kommunistische Kritik in den Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts stets auseinander, da die bürgerliche Umwälzung integraler Bestandteil der historischen Arbeiterbewegungen und des Marxismus wurde und – wenn die Revolution auf die Tagesordnung gesetzt werden sollte – auch werden musste. Im Zentrum aller Überlegungen stand dementsprechend die revolutionäre Bemächtigung des staatlichen Regimes zur Durchsetzung der Agrarrevolution, während ihr Ausgangspunkt oftmals die Revolte der Bauern darstellte.Ist in der sogenannten Dritten Welt die „Agrarfrage“ nun endgültig gelöst? Welchen Einfluss hat der weitgehende Abschluss der Agrarrevolution – weniger im Sinne einer Proletarisierung denn als permanente Ausdehnung einer „Überschussbevölkerung“? Wird etwa der Kommunismus als „wirkliche Bewegung“ (Marx) zur Aufhebung des Staates und der Klassengesellschaft nun von seinem etatistischen Erbe befreit? Diese Fragen sollen auf der Veranstaltung erörtert und diskutiert werden. [via]

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4. Hannes Bode, Negation und Utopie. Überlegungen zur Realgeschichte der Aufklärung und der Ideologie der Menschenrechte

Hannes Bode (u.a. Jungle World) rekonstruiert in seinem Vortrag, wie die Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft und der Aufklärung an die Sklaverei in den Kolonien gekoppelt war (vgl. Hegel und Haiti) und dechiffriert davon ausgehend die aufklärerischen Ideale »Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte« als Verschleierung realer Ungleichheit und Unfreiheit. In seiner skizzenartigen Aufklärungskritik berührt er zahlreiche Aspekte bürgerlicher Inbezugnahme, u.a. die Bedingungen bürgerlicher Öffentlichkeit und politischen Interessenausgleichs. Neben mehreren literarischen Beispielen (Franz Fühmann, Christa Wolf, Günter Kunert, Heiner Müller) bezieht er sich auch auf die beiden Kant-Texte von Daniel Späth in den Ausgaben 8 und 9 der Zeitschrift Exit!. Bodes Handout mit Zitaten könnt hier beziehen.

Aufklärung erscheint in den heutigen Debatten entweder als europäisches Erbe, als Ursprung der nun endlich umgesetzten bürgerlichen Demokratie, oder als überholtes eurozentrisches Modell, das in Zeiten postmoderner Pluralität ausgedient hat. Vertreter der ersten Darstellungsweise dozieren idealistisch die Ideengeschichte der großen Aufklärer, insbesondere die Geschichte der Idee der Menschenrechte, und ignorieren die Realgeschichte der Aufklärung, die Freiheit als Unfreiheit, den Wohlstand der Bürger aus Sklaverei und Ausbeutung erschuf. Das negative Potential, die „Dialektik der Aufklärung“, den Zivilisationsbruch der Moderne verstecken sie in belesenen Fußnoten, um nicht radikal reflektieren zu müssen.

Auch die an zweiter Stelle Genannten fordern keine Reflektion, sie diffamieren vielmehr nicht nur alle Ideen der Aufklärung, sondern auch Idee und Wahrheitsanspruch. Die Berücksichtigung der schlechten Realgeschichte der Aufklärung ermöglicht aber einen emanzipatorischen Bezug auf Ideen der Aufklärung, etwa auf die Idee der Menschenrechte, die als noch nie verwirklichte eben Basis aller Kritik der gegenwärtigen Verhältnisse sein könnten.

Ein materialistischer Blick zeigt den unmittelbaren Zusammenhang von Sklaverei, Kolonisation, Akkumulation und bürgerlicher Aufklärung. Die Formulierung der Menschenrechte fällt zusammen mit dem Beginn des kapitalistischen Zusammenwachsens und Auseinandertretens der Kontinente. Bürgerliche Ideologie spricht von den Menschenrechten, während nur der besitzende Bürger auf der Welt Mensch ist. Der Versuch, diese Verhältnisse zu verstehen und zu kritisieren, kann auch auf die in Fragen nach Theorie und Praxis oft vernachlässigte Literatur zurückgreifen. Sie soll im Vortrag zu Wort kommen. In den Werken von Heiner Müller, Franz Fühmann, Christa Wolf und anderen wird die Frage nach Befreiung und damit nach Freiheit und Menschenrecht immer wieder gestellt – negativ beantwortet vor dem Hintergrund nie aufgegebener Utopie, der Hoffnung auf Erlösung, wie sie Walter Benjamin in seinen Geschichtsthesen formulierte. Sie verweisen uns auf die zentrale Bedeutung von Empathie – ohne sie versagen Kritik und Praxis. [via]

    Download via AArchiv | via MF | via FRN; Handout mit Zitaten (PDF)
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Schönheit ist die Wahrheit selbst

Geschlecherbilder in der Kunst des Nationalsozialismus

Müsli-Mann hat uns schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, dass der Asta der Uni Trier zahlreiche Audio-Vorträge zur Verfügung stellt. Passend zum Beitrag über die nationalsozialistische Kunstpolitik und zum letzten Posting, findet sich dort ein Vortrag von Elke Frietsch über Geschlechterbilder in der Kunst des Nationalsozialismus, den sie am 10.02.2010 in Trier im Rahmen einer Reihe über Kunst und Faschismus (Programm) gehalten hat. Sie diskutiert hier zwei Thesen: zum einen, dass die Kunst im Zentrum nationalsozialistischer Propaganda stand, zum anderen, dass Geschlechterbilder im NS sowohl im Alltag, als auch in der Propaganda und in der Kunst einen großen Stellenwert hatten. Sie stellt dann sehr ausführlich dar, welche Funktion die Kunst im NS hatte und wie sie in Verbindung mit Geschlechterbildern stand – hier ist für Frietsch vor allem der Vergleich von männlichen und weiblichen Körperdarstellungen zentral, die sie auch mit Körperdarstellungen in der sowietischen Kunst vergleicht. Zur Erklärung nationalsozialistischer Körperverhältnisse bezieht sie sich auf Michel Foucaults Thesen zu Körpertechniken und Biomacht. Als Beispiel wird u.a. der nationalsozialistische Skulptur-Künstler Arno Breker herangezogen. Bemerkenswert scheinen mir im Vortrag vor allem drei Aspekte zu sein, die nur scheinbar widersprüchlich sind und in der NS-Ideologie zusammen gehen: ein antifeministischer Kampf gegen »Frauenemanzipation«, die Funktion der Frau als reine Repräsentation und Reproduktion der Rasse und das Postulat der Gleichberechtigung der Frau am Arbeitsplatz und an der Front.
Zur besseren Hörbarkeit habe ich in der nachbearbeiteten Version die längere Einleitung, in der es vor allem um den Anlass und die Vorstellung der Reihe geht, herausgeschnitten. Wer daran interessiert ist (es geht u.a. über die Diskussion um Johannes Scherl), sollte auf die Version der Uni Trier zurückgreifen:

    Download: via Uni Trier (mp3; 58,6 MB; 1 h 3:57 min) oder kürzer via AArchiv (mp3; 26 MB; 45:28 min)

Zum Ankündigungstext der Reihe: (mehr…)

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Zur Kritik der Gender-Ideologie

Die Redaktion Sachzwang FM fand die Ausführungen von Martin Dornis zur Kritik postmoderner Gendertheorie offenbar nachvollziehbarer und zutreffender als MoshMosh und hat sie zur Grundlage ihrer letzten Sendung gemacht.

Download: via AArchiv, via MF (2h, 43 MB)

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»Sex ist nur ein Konstrukt«

Weiter mit dem Themenkomplex Postmoderne, Sexualität, Körper: Martin Dornis referiert in einem von der Gruppe Association Antiallemande Berlin am 28.07.2011 organisierten Vortrag »eine Kritik an der „Überwindung“ von Geschlecht, Subjekt und Geschichte in Poststrukturalismus und Gender Studies«. Der Vortrag will einen Überblick über das Werk von Michel Foucault geben (v.a. „Wahnsinn und Gesellschaft“, „Die Ordnung der Dinge“, „Sexualität und Wahrheit“), fasst die Geistesgeschichte in Deutschland bis zum zweiten Weltkrieg (Weber, Ditlhey, Heidegger), v.a. in dessen Suche nach dem Konkreten zusammen, referiert dann über Friedrich Nietzsche und dessen unterschiedliche Rezeption im Poststrukturalismus und der Kritischen Theorie, um sich schließlich dem Denken von Judith Butler zu widmen. Abgesehen davon, dass mir ein solches Vorhaben in diesem Umfang im Rahmen eines Abendvortrages überhaupt nicht möglich scheint, finde ich die Ausführungen insgesamt wenig konsistent und eher konfus. M.E. schafft es Dornis nicht, in das Denken von Foucault und Butler wirklich einzudringen, was sich letztlich in der Diskussion bestätigt, in der er wenig über das Verhältnis von Gesellschaft und Natur zu sagen hat. Die HörerInnen sollen selbst urteilen.

Download:
Vortrag (1:29 h, 31 MB), Diskussion (0:42 h, 15 MB) via AArchiv | Vortrag , Diskussion via MF

Ankündigungstext: (mehr…)

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Das unternehmerische Selbst

Ulrich Bröckling, Soziologieprofessor in Halle, hat sich intensiv mit dem »unternehmerischen Selbst« befasst, das er als die aktuelle Form der Subjektivierung begreift. Sein von Michel Foucault begründeter Forschungs- und Theorieansatz ist derjenige der »Gouvernementalität«. Einblick in seine Thesen liefern diese drei Beträge:

1. Kreativität als Ideologie: Ulrich Bröckling im Gespräch mit Alex Körner (Radio Corax) »über Kreativität als Antwort auf Innovationszwänge des kapitalistischen Normalbetriebes.«

2. »Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform«. Gespräch über das gleichnamige Buch Bröcklings im Thomasius Club (Leipzig)

3. »Jenseits des kapitalistischen Realismus. Anders anders sein.« Vortrag über die Schwierigkeiten, unter den Bedingungen der unternehmerischen Subjektivierung noch Protest und Gesellschaftskritik zu formulieren, mit Bezug auf Anti-Prekaritätsproteste.

    Download (1:10 h mit Vorstellung): via Uni Wien

Die Klangqualität dieses aus der Ringvorlesung »Kapitalistischer Realismus« stammenden Vortrags ist sehr schlecht. Eine Nachbearbeitung folgt vielleicht noch.

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Kritische Theorie & Postmoderne. Zur Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik

MoshMosh wies vor etwa einem Monat auf die Mitschnitte der Wiener Ringvorlesung »Quer zur Wirklichkeit« hin; der Betrag wurde mittlerweile komplett überarbeitet. Es stehen jetzt sämtliche dokumentierten Vorlesungseinheiten auch nachbearbeitet zur Verfügung. Kürzlich erschien auch noch der letzte Vortrag von Florian Ruttner und Alex Gruber, die über das oft falsch darstellte Verhältnis von kritischer Theorie (nicht nur) Frankfurter Provenienz und Dekonstruktivismus/postmodernem Diskurs aufklärten.

Download: (nachbearbeitete Fassung): via AArchiv | via MF (mono, 48 kBit/s; 1:32 h, 31,6 MB)

Beachte auch den Vortrag derselben Referenten zum selben Thema: Postmoderne Seinslehre.

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»Quer zur Wirklichkeit« – Kritische Theorie Ringvorlesung

Von der Ringvorlesung »Quer zur Wirklichkeit« – Kritische Theorie und Gesellschaftskritik des Sommersemesters 2009 an der Uni in Wien sind folgende Vorträge dokumentiert:

Ljiljana Radonic: Kritische Theorie und Psychoanalyse. Nachbearbeitet hier.

Irina Djassemy: Studien zum autoritären Charakter. Nachbearbeitung hier.

Stephan Grigat: Kritik des Antisemitismus / Kritische Theorie des Zionismus. Nachbearbeitung hier.

Irina Djassemy: Karl Kraus und die Kritische Theorie. Nachbearbeitung hier.

Johann Dvořák: Walter Benjamins Materialismus und das „geistige Österreich“. Nachbearbeitung hier.

Gerhard Scheit: »Behemoth« und die »Dialektik der Aufklärung«. Nachbearbeitung hier.

Alex Gruber/Florian Ruttner: Kritische Theorie und Postmoderne. Auch nachbearbeitet verfügbar.

Die Nachbearbeitungen sind vor allem lauter als die Originale und z.T. von Störgeräuschen bereinigt. Den Vorlesungsplan der Ringvorlesung mit Literaturlisten zu den jeweiligen Vorträgen gibt es hier. Alle Vorträge via AArchiv hier.

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Poststrukturalismus. Was ist jenseits der Matrix?

Kurzbeschreibung: Ein Podcast vom Chaos Computer Club zur Annäherung an das Thema Postmoderne.

Download und Infos beim CCC

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Das Rätsel der Macht

Kurzbeschreibung: Vortrag von Manfred Dahlmann (ISF) über Michel Foucault: »Das Rätsel der Macht. Über Michel Foucaults unfreiwillige Anthropologie« (2002)

Sendereihe: Café Critique

Links zum Beitrag: Zugrunde liegender Text (1998)

Audiocharakteristika: mp3, stereo, 56 kbit/s

Download: via Café Critique | via AArchiv (1h, 23 MB)

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Michel Foucault

Kurzbeschreibung: Vorlesung von Dominik Schrage (TU Dresden) über Michel Foucault – Leben & Werk aus soziologischer Sicht.

Links zum Beitrag: Beschreibung auf FRN

Gesamtlänge: ~1:22h

Audiocharakteristika: mp3, mono, 80 kbit/s

Download: Teil 1, Teil 2 via RS.com (Gesamtgröße: 46,7 MB)

Update: Die Vorlesung stammt aus der Reihe „Soziologische Theorien“ und ist auch in einem Stück verfügbar.

Gliederung und Literatur: (mehr…)

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Dialektik im 20. Jh. Folge 3: Foucault & Adorno

Kurzbeschreibung: Letzte von drei Folgen, die sich mit marxistischer Dialektik ebenso wie mit antimarxistischer Antidialektik im 20. Jahrhundert beschäftigen.
In dieser Folge geht es um Michel Foucault als beispielhaften Antidialektiker im ersten Teil. Der zweite Teil „verteidigt Adorno gegen seine Liebhaber“.

Sendereihe: Sachzwang FM

Mitwirkende:
Moderation & Sprecher: Dr. Indoktrinator
Autor: Michael Koltan

Links zum Beitrag: Beschreibung auf FRN, Vortragskripte von Micheal Koltan auf seiner Website, diesem Beitrag zugrunde liegende Skripte (PDF): Foucault, Adorno

Audiocharakteristika: 2 Stunden; mp3, mono, 48 kbit/s

Download:: In einem Stück via AArchiv oder via Mediafire oder in zwei Teilen via Mediafire: Teil 1, Teil 2 (Gesamtgröße: 41,1 MB)

Rezension von lysis (zum ersten Teil): (mehr…)

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