Tag-Archiv für 'j„ľrgen-m„ľmken'

Die Anarchistische Bewegung und der Antisemitismus

J√ľrgen M√ľmken und Siegbert Wolf sind Herausgeber eines zweib√§ndigen Werkes, welches sich mit anarchistischen Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel besch√§ftigt. Im ersten Band stellen sie die Positionen der anarchistischen Antisemiten Pierre-Joseph Proudhon und Michael Bakunin dar, f√ľhren in die Literatur bedeutender Libert√§rer, wie etwa Gustav Landauer, Erich M√ľhsam, Martin Buber oder Rudolf Rocker ein und schlagen einen Bogen von den antij√ľdischen Pogromen in Russland, der Shoa bis zum anarchistischen Zionismus in der Kibbuz-Bewegung. Im zweiten Band beleuchten M√ľmken und Wolf den Zeitraum von der Staatsgr√ľndung Israels im Jahre 1948 bis heute. W√§hrend einer Veranstaltung in Hamburg stellte M√ľmken das Buch vor.

Eine freiheitliche, sozial gerechte Gesellschaft kann nur dann erreicht werden, wenn zuvor auch eine der √§ltesten Gruppenfeindschaften der Menschheitsgeschichte, der Antisemitismus, der im letzten Jahrhundert durch den deutschen Nationalsozialismus zum schlimmsten Menschenverbrechen der Geschichte gef√ľhrt hat, in den K√∂pfen und Herzen aller Menschen dauerhaft beseitigt wird.
In dem Vortrag wird ein Ritt durch die Geschichte anarchistischer Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel gemacht: von anarchistischen Antisemiten und den Kampf gegen Antisemitismus, von der Dreyfus-Aff√§re, √ľber die antij√ľdischen Pogrome in Russland zur Shoah, von einem anarchistischen Zionismus √ľber die Kibbuz-Bewegung zum Staat Israel, von Bubers Bi-Nationalismus √ľber eine anarchistische Pro-Israel-Haltung zu Anarchist against the war. Es gab und gibt nicht die anarchistische Position zu Zionismus und Israel. J√ľrgen M√ľmken stellt in seinem Vortrag die verschiedenen Positionen in ihrem jeweiligen Zeitkontext dar. J√ľrgen M√ľmken ist Herausgeber von ‚ÄúAntisemit, das geht nicht unter Menschen!‚ÄĚ Anarchistische Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel Band 1 & 2, Edition AV 2013/2014

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Olaf Kistenmacher hat das Buch f√ľr die Rote Ruhr Uni hier besprochen und selbst im Oktober 2014 in Hamburg einen Vortrag √ľber anarchistische Positionen zum Antisemitismus unter dem Zitatmotto: ¬ĽAntisemit, das geht nicht unter Menschen¬ę (Gustav Landauer) gehalten.

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Make anarchism a threat again

[This article includes one lecture in english language Рlook at the third caption.] РWir dokumentieren mehrere Vorträge, die sich mit dem Anarchismus auseinandergesetzt haben:

1.) Schwarze Flamme РRevolutionäre Klassenpolitik im Anarchismus/Syndikalismus

Im letzten Jahr ist bei Edition Nautilus die deutsche √úbersetzung des Buches „Schwarze Flamme. Revolution√§re Klassenpolitik im Anarchismus/Syndikalismus“ der s√ľdafrikanischen Autoren Lucien van der Walt und Michael Schmidt erschienen. Das Buch hat den Anspruch, eine historische und systematische Rekonstruktion der weltweiten anarchistischen Bewegung zu liefern. Eine Leseprobe des Buches gibt es hier.

Radio Lora hat einen Beitrag zusammengestellt, in dem ein Interview und ein Vortrag von Andreas F√∂rster, einem der √úbersetzer des Buches, zu h√∂ren ist. Im Vortrag, den er auf Einladung der FAU M√ľnchen gehalten hat, gibt er eine Definition des Anarchismus, erl√§utert die Differenzierungen des Anarchismus und gibt einen √úberblick √ľber anarchistische Taktiken und darum gef√ľhrte Debatten. Am Ende des Vortrags geht er relativ ausf√ľhrlich auf Fragen des Betriebs- und Arbeitskampfes ein. Mit van der Waldt und Schmidt beharrt F√∂rster nachdr√ľcklich auf der notwendig sozialistischen Grundlage des Anarchismus.

Die S√ľdafrikaner Lucien van der Walt und Michael Schmidt haben mit dem nun auch auf Deutsch erschienenen Buch ‚ÄěSchwarze Flamme‚ÄĚ (Edition Nautilus, Hamburg 2013) eine umfassende Untersuchung und internationale Geschichte des Anarchismus vorgelegt. In dieser Studie kreist die Auseinandersetzung vor allem um Kernfragen wie Organisierung, Strategie und Taktik der anarchistischen Bewegungen. Anarchismus definieren sie dabei als libert√§re Form des Sozialismus, der eine revolution√§re Klassenpolitik vertritt. Hier zu Lande sorgte das Buch deshalb bereits vor dem Erscheinen f√ľr Furore und Emp√∂rung in anarchistischen Kreisen. Nichtsdestotrotz gilt ‚ÄěSchwarze Flamme‚ÄĚ schon heute als ein Standardwerk zur Theorie und Praxis des Anarchismus/Syndikalismus. [via]

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2.) Rudolf Rocker und der Anarchosyndikalismus

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dissidenten der Arbeiterbewegung“ fand vom 09.-11.05.2014 in Weimar ein Wochenendseminar zur Geschichte des Anarchismus statt. Auf diesem Seminar hat Thomas M√∂ller (FAU Erfurt/Jena) einen einf√ľhrenden Vortrag √ľber Leben und Werk Rudolf Rockers sowie die Grundprinzipien des Anarchosyndikalismus gehalten. Spannender Vortrag – gute Einf√ľhrung!

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3.) Anarchie & Kunst РVon der Pa­ri­ser Kom­mu­ne bis zum Fall der Ber­li­ner Mauer / Anarchy & Art from Paris Commune to the Fall of the Berlin Wall

[English description further down.] Ebenfalls in Weimar sprach der anarchistische Kunstprofessor Allan Antliff aus Canada √ľber das Verh√§ltnis von Anarchie und Kunst. K√ľrzlich hat er gemeinsam mit der √úbersetzerin Katja Cronauer eine Lesereihe durch Deutschland unternommen, auf der er sein Buch „Anarchie und Kunst. Von der Pariser Kommune bis zum Fall der Berliner Mauer“ vorgestellt hat, das bei Edition AV erschienen ist. Im Vortrag gibt er einen Einblick in sein Buch und stellt einige anarchistische K√ľnstlerInnen vor: FrantiŇ°ek Kupka, Gustave Courbet, Alexander Michailowitsch Rodtschenko, Robert Duncan, Jess Collins, Susan Simensky Bietila, Gee Vaucher und Richard Mock. Die Pr√§sentation zum Vortrag findet sich hier.

Allan Ant¬≠liff ‚Äď An¬≠ar¬≠chist, Kunst¬≠his¬≠to¬≠ri¬≠ker, -‚Äčkri¬≠ti¬≠ker und Pro¬≠fes¬≠sor f√ľr Mo¬≠der¬≠ne und Zeit¬≠ge¬≠n√∂s¬≠si¬≠sche Kunst in Ka¬≠na¬≠da ‚Äď und Katja Cro¬≠nau¬≠er ‚Äď √úber¬≠set¬≠ze¬≠rin ‚Äď tra¬≠fen sich vor Kur¬≠zem zum ers¬≠ten Mal in Per¬≠so¬≠na und be¬≠schlos¬≠sen spon¬≠tan eine Le¬≠se¬≠r¬≠ei¬≠se zu star¬≠ten. Allan Ant¬≠liff stellt sein bei Edi¬≠ti¬≠on AV er¬≠schie¬≠ne¬≠nes Buch An¬≠ar¬≠chie und Kunst ‚Äď Von der Pa¬≠ri¬≠ser Kom¬≠mu¬≠ne bis zum Fall der Ber¬≠li¬≠ner Mauer vor. Es be¬≠ginnt mit Cour¬≠bet, Proud¬≠hon und der Pa¬≠ri¬≠ser Kom¬≠mu¬≠ne und han¬≠delt von an¬≠ar¬≠chis¬≠ti¬≠scher Kunst seit dem 19. Jahr¬≠hun¬≠dert und ihrer Wech¬≠sel¬≠wir¬≠kung auf ge¬≠sell¬≠schaft¬≠li¬≠chen Wan¬≠del an¬≠hand be¬≠deu¬≠ten¬≠der ge¬≠schicht¬≠li¬≠cher Er¬≠eig¬≠nis¬≠se, vor allem in Eu¬≠ro¬≠pa, Russ¬≠land und den USA. Unter Be¬≠zug¬≠nah¬≠me auf die phi¬≠lo¬≠so¬≠phi¬≠schen und po¬≠li¬≠ti¬≠schen Dis¬≠kur¬≠se der je¬≠wei¬≠li¬≠gen Epo¬≠che, wird un¬≠ter¬≠sucht, wie sich an¬≠ar¬≠chis¬≠ti¬≠sche K√ľnst¬≠ler*innen (Maler*innen, Dich¬≠ter*innen, Gra¬≠fi¬≠ker*innen, Mu¬≠si¬≠ker*innen, Kunst¬≠his¬≠to¬≠ri¬≠ker*innen, u.a.) mit einer Reihe von The¬≠men wie √Ąs¬≠the¬≠tik, Mi¬≠li¬≠ta¬≠ris¬≠mus, der √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Krise, Staats¬≠au¬≠to¬≠ri¬≠ta¬≠ris¬≠mus, Armut, An¬≠ti¬≠im¬≠pe¬≠ria¬≠lis¬≠mus und Fe¬≠mi¬≠nis¬≠mus be¬≠sch√§f¬≠tigt haben. Der Vor¬≠trag wird auf Eng¬≠lisch und Deutsch ge¬≠hal¬≠ten. [via]

On 17.06.2014 Allan Antliff (Anarchist, Art Professor, Canada) spoke about the connection between anarchy and art in Weimar. Recently he did a reading tour through Germany together with the translator Katja Cronauer and presented his book „Anarchy & Art from Paris Commune to the Fall of the Berlin Wall“. In the lecture he gave an insight in his book and portraited some anarchistic artists: FrantiŇ°ek Kupka, Gustave Courbet, Alexander Michailowitsch Rodtschenko, Robert Duncan, Jess Collins, Susan Simensky Bietila, Gee Vaucher and Richard Mock. The presentation that was shown at the lecture you can find here.

    Download: via AArchiv (mp3; 41,6 MB; 45:24 min)

4.) Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus

Die Frankfurter Sektion der Gruppe Platypus hat Anfang dieses Jahres eine Podiumsdiskussion √ľber das Verh√§ltnis von Marxismus und Anarchismus mit Peter Bierl, Henning M√§cherle (DKP) und J√ľrgen M√ľmken organisiert. Sie traten auf in folgenden Rollen: M√ľmken: der postmoderne Anarchist, M√§cherle: der orthodoxe Partei-Marxist, Bierl: der kritische Gelehrte zwischen den St√ľhlen. Streitpunkte waren u.a.: Theoretische St√§rken und Schw√§chen sowie historisches Scheitern von Anarchismus und Marxismus bzw. Leninismus, Organisationsfrage und Frage der √úbergangsgesellschaft, Oktoberrevolution. Man hat sich ein bissel gestritten, aber war doch insgesamt ganz lieb zueinander.

Es scheint als g√§be es gegenw√§rtig nur noch zwei radikale Str√∂mungen: Anarchismus und Marxismus. Beide entstammen demselben historischen Schmelztiegel ‚Äď der industriellen Revolution, den gescheiterten Erhebungen von 1848 und 1871, einem schwachen Liberalismus, der Zentralisierung der Staatsgewalt, dem Aufstieg der Arbeiterbewegung und dem Versprechen des Sozialismus. Sie sind unser revolution√§res Erbe. Alle ma√ügeblichen radikalen Bewegungen der letzten 150 Jahren waren darum bem√ľht die Bedeutung des Anarchismus und des Marxismus f√ľr die jeweilige Situation nutzbar zu machen. Davon scheint sich unser historischer Moment nicht zu unterscheiden.

Um als Linke in der aktuellen historischen Situation zu handeln, wollen wir Bilanz ziehen aus den Auseinandersetzungen zwischen Anarchismus und Marxismus w√§hrend der letzten 150 Jahre. Die historischen Erfahrungen, welche die Ideen des Marxismus und des Anarchismus ma√ügeblich gepr√§gt haben, m√ľssen aufgearbeitet und entfaltet werden, sollen sie uns heute als Orientierungspunkte dienen. Inwiefern repr√§sentiert der R√ľckbezug auf Anarchismus und Marxismus ein authentisches Engagement ‚Äď und inwiefern die Wiederkehr eines Gespenstes? Wo stehen wir heute nach den vergangenen K√§mpfen? Welche Formen stehen uns ‚Äď theoretisch wie praktisch ‚Äď zur Verf√ľgung, um den gegenw√§rtigen Problemen zu begegnen? [via]

    Download: via AArchiv | via archive.org (mp3; 172 MB; 2:04:57 h)

5.) Make anarchism a threat again? Eine kritische Auseinandersetzung mit aktuellen anarchistischen Debatten

Auf Einladung der Associazione Delle Talpe hat Peter Bierl einen sehr h√∂renswerten Vortrag gehalten. Aus Sympathie mit dem Anarchismus formuliert Bierl eine marxistisch und ideologiekritisch geschulte Kritik an ihm. Dabei geht er aus vom globalen Triumpfzug des Kapitalismus und dem Scheitern aller Fraktionen der Linken und konstatiert die Notwendigkeit eines Neubeginns der radikalen Linken. F√ľr diesen Neubeginn k√∂nne der Anarchismus ein Gegengewicht gegen√ľber leninistischen und anderen staatsfixierten Ans√§tzen bieten, was jedoch eine gr√ľndliche Kritik reaktion√§rer Teile der anarchistischen Bewegung selbst voraussetze, die viel zu selten aus dem Anarchismus selbst heraus formuliert werde. Er selbts formuliert eine Kritik an Positionen von Proudhon, Stirner und Bakunin und in deren Tradition stehende gegenw√§rtige Str√∂mungen des Anarchismus. Ankn√ľpfungspunkte sieht Bierl vor allem im kommunistischen Anarchismus. Er bezieht sich mehrfach auf das Black-Flame-Buch, wobei er auch in diesem einige Aspekte zu kritisieren hat. Ein wichtiger Bezugspunkt ist au√üerdem immer wieder Murray Bookchin. Eine Kritik an aktuellen Str√∂mungen des Anarchismus hat Bierl auch im Jungle-World-Dossier vom 21.11.2013 formuliert.

Nachdem Anarchismus jahrzehntelang nur auf Punker-Lederjacken stattgefunden hat, ist er heute im Feuilleton angekommen. Vor Allem die Brosch√ľre Der kommende Aufstand des unsichtbaren Komitees und David Graebers Buch Schulden wurden wohlwollend diskutiert. In linken Bewegungen bildet der Anarchismus bereits seit dem zapatistischen Aufstand in Mexiko 1994 ein zunehmend pr√§senteres Gegengewicht zu sozialdemokratischen und leninistischen Str√∂mungen. Dieses anarchistische Revival fand seinen letzten H√∂hepunkt in den Occupy-Protesten.

F√ľr eine radikale Linke im 21. Jahrhundert bietet der Anarchismus in der Tat einige Ankn√ľpfungspunkte wie bspw. eine generelle Staats- und Parlamentarismuskritik oder die Ablehnung autorit√§rer Organisationsmodelle. Zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den √∂konomischen Verh√§ltnissen kann der Anarchismus allerdings wenig beitragen. Anstelle einer systematischen Analyse favorisieren viele Anarchist_innen antisemitische ‚ÄěZinstheorien‚Äú und Stammtischparolen gegen ‚Äědie 1 Prozent‚Äú. Ebenfalls bedenklich sind der Militanz- und Aufstandsfetischismus, der von Bakunin bis CrimethInc reicht.

Peter Bierl wird sich in seinem Vortrag mit einigen aktuellen anarchistischen Debatten kritisch auseinandersetzen. Neben David Graeber und dem Unsichtbaren Komitee wird er sich dabei auch mit dem vor Kurzem erschienenen Buch Schwarze Flamme von Lucien van der Walt und Michael Schmidt beschäftigen. In diesem legen die beiden Autoren einen Schwerpunkt auf sozialistischen Anarchismus und Anarchosyndikalismus.

Peter Bierl kommt aus S√ľddeutschland und arbeitet als Journalist, vor allem zu diversen Formen von Aberglaube, Esoterik und pseudowissenschaftlichem Unfug, auch in linken Diskursen. Ver√∂ffentlichungen unter anderem: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister: Die Antroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfp√§dagogik, Hamburg 2005; Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts ‚Äď Der Fall Silvio Gesell, Hamburg 2012; Gr√ľne Braune ‚Äď Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts, M√ľnster 2014. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 109,8 MB; 1:19:37 h)

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Zum Abschluss ein paar Literaturhinweise: Die Prinzipienerkl√§rung des Syndikalismus von Rudolf Rocker (heute noch eine der Grundlagen der FAU). Ans√§tze eines modernen Anarchismus finden sich in den Zeitschriften „A Corps Perdu“ und „Grenzenlos“ (Ausgabe 1 / Ausgabe 2). Texte der individualistisch-terroristischen Feuerzellen hat das √úbersetzungskollektiv „et al.“ ins Deutsche √ľbersetzt – hier (+ Rezension). Paul Pop hat vor einiger Zeit in der √∂stereichischen Zeitschrift Grundrisse unter dem Titel ¬ĽRot-Schwarze Flitterwochen: Marx und Kropotkin f√ľr das 21.Jahrhundert¬ę eine selbskritische Bestandaufnahme aus anarchistischer Perspektive geschrieben. Ebenfalls vor einiger Zeit hat Joachim Bruhn beachtenswerte Thesen zum Verh√§ltnis von anarchistischer und marxistischer Staatskritik geschrieben. Ein Buch, das sich u.a. kritisch mit Antisemitismus innerhalb des Anarchismus auseinandersetzt, liegt bisher nur auf franz√∂sisch vor: Amadeo Bertolo – Juifs et Anarchistes. Und zuletzt – vor noch l√§ngerer Zeit schrieb Maximilien Rubel √ľber Marx als Theoretiker des Anarchismus.

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Anarchismus und Postmoderne

1. Keine Macht f√ľr Niemand – Versuch einer anarchistischen Aneignung des philosophischen Projektes von Foucault

Einen Versuch, anarchistische Staatskritik und postmoderne Philosophie miteinander zu verbinden, stellt J√ľrgen M√ľmken vor, der im Mai gleich zwei mal vom Anarchistischen Lesekreis Jena eingeladen wurde. In seinem ersten Vortrag stellt er einf√ľhrend Foucaults Machtbegriff vor und vergleicht die jeweiligen Staatsverst√§ndnisse von Landauer und Foucault. Im zweiten Teil versucht M√ľmken mit Hilfe von Foucault sowie Chiapello/Boltanski den Neoliberalismus zu fassen und aus anarchistischer Perspektive zu kritisieren.

Der franz√∂sische Philosoph Michel Foucault (1926-84) geh√∂rt zu den wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. In seinen Schriften hat uns Foucault eine vielseitige Werkzeugkiste hinterlassen, die auch f√ľr eine Aktualisierung des Anarchismus und der Analyse gegenw√§rtiger gesellschaftlicher, sozialer und √∂konomischer Verh√§ltnisse geeignet sind.

In diesem Vortrag wird es um einige dieser Werkzeuge gehen: Die Analyse der Macht und Herrschaftszust√§nde, Gouvernementalit√§t und das Denken des Staates und seine Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus. Bei all diesen Punkten geht es auch immer um Subjektivit√§t und Kritik des autonomen Subjekts. Dabei kann das Denken von Foucault teilweise auch direkt am Anarchismus angeschlossen werden. So kommt der Anarcho-Sozialist Gustav Landauer mit seinem relationistischen Staatsverst√§ndnis dem Denken von Foucault schon sehr nahe. Auch gibt es √úberschneidungen zwischen Max Stirner und Foucault bei der Kritik des b√ľrgerlichen Subjekts.

Der Vortrag m√∂chte Denkanst√∂√üe f√ľr eine anarchistische Auseinandersetzung mit bestehenden Herrschafts- und Ausbeutungsverh√§ltnissen geben. Es geht nicht um eine Gesamtdarstellung des philosophischen Werkes von Foucault, sondern um den Versuch einer anarchistischen Aneignung. [via Flyer]

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2. Anarchismus in der Postmoderne oder die Utopie der Anarchie in Zeiten des Neoliberalismus

In seinem zweiten Vortrag stellt M√ľmken etwas allgemeinere √úberlegungen zum Verh√§ltnis von Anarchismus und Philosophie der Postmoderne vor und versucht die Postmoderne als einen Ausdruck anarchistischer Tendenzen in der Gegenwart zu fassen. Im zweiten Teil widmet sich M√ľmken etwas ausf√ľhrlicher den Problemen, vor die der Neoliberalismus eine anarchistische Staatskritik stellt.

Postmoderne, Globalisierung und Neloiberalismus haben die gesellschaftlichen Realit√§ten und Wahrnehmung ver√§ndert. Die subversive Ordnung in der Moderne hat anscheinend in der Postmoderne die Seite gewechselt: „Begriffe wie Autonomie, Selbstorganisation, Dissidenz oder auch Befreiung haben die Fronten gewechselt, und es ist unklar, wo √ľberhaupt die Fronten verlaufen. Fanden der liberale wie der anarchistische Einsproch gegen ‚Regierbarmachung der Gesellschaft und der Individuen‘ ihren gemeinsamen Nenner darin, das passive Regiertwerden durch ein aktives Sich-selbst-Regieren ersetzen zu wollen, so verliert dieses Programm in dem Ma√üe seinen Stachel, in dem Freiheit nicht die Antithese von Herrschaft darstellt, sondern den avancierten Modus ihrer Aus√ľbung“ (Ulrich Br√∂ckling). Selbstverwaltung, Selbstbestimmung, und Sich-selbst-Regieren stehen anscheinend nicht mehr im Widerspruch zur neoliberalen Herrschaft, velmehr scheinen sie zu Technologien des Neoliberalismus geworden zu sein.

Was bedeutet diese Umwertung f√ľr die Utopie der Anarchie in Zeiten des Neoliberalismus? Die Frage soll beantwortet werden mit Bezug auf Foucault und seine Analyse des Neoliberalismus. Was n√ľtzt die Macht-Analyse von Foucault und die postmoderne Kritik des b√ľrgerlichen Subjekts f√ľr die Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft? Diesen Fragen geht J√ľrgen M√ľmken nach. [via Flyer]

    Download: via AArchiv (17,1 MB; 0:49:55 h)

Beide Vortr√§ge enthalten n√ľtzliche Einf√ľhrungen in einige Aspekte der Theorien Foucaults und sind dahingehend interessant, als dass sie zeigen, wie anarchistische Theoretiker_innen mit Postmoderne und Neoliberalismus umgehen (k√∂nnen). Ob M√ľmken die Verbindung von postmoderner Philosophie und Anarchismus gl√ľckt oder ob der Anarchismus nicht vielmehr dort zu tradieren w√§re, wo er sich tats√§chlich der Aufkl√§rung verpflichtet, bleiben m.E. offene Fragen.

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Anarchismus & Marxismus in der Postmoderne

¬ĽDa wei√ü ich nicht recht, ist das jetzt ernst gemeint? Oder ironisch? Oder post-ironisch?¬ę – ¬ĽOder post-post-ironisch…¬ę

(Marc-Uwe Kling)

Die Aufnahme ¬Ľpostmoderner¬ę Theorien in bestehende Theorietraditionen f√ľhrte zu Wortkonstruktionen wie ¬ĽPostfeminismus¬ę oder ¬ĽPoststrukturalismus¬ę. Auch Marxismus und Anarchismus blieben davon nicht verschont. Und so gibt es heute…

  1. Postmarxismus
    Oliver Marchart gab 2008 in einer Reihe ¬ĽZur Aktualit√§t Marxscher Theorie¬ę (Uni Jena) eine Einf√ľhrung in den Postmarxismus, besonders in die Theorie Laclaus. (53 Minuten)
    Download: via AArchiv (19 MB)
  2. und

  3. Postanarchismus
    Einen √úberblick √ľber das Projekt des und die Debatten um den Postanarchismus gab J√ľrgen M√ľmken auf den Anarchietagen 2008 in Winterthur.
    Download: Bei der LAW: Vortrag (1:21 h, 36 MB), Diskussion (1:05 h, 26 MB); via MF: Vortrag (28 MB)

Ank√ľndigungstext zu Oliver Marchart: Post-Marxismus (mehr…)

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