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„Das Leben ändern, die Welt verändern“

Kunst, Spektakel & Revolution #7

Wir veröffentlichen einen weiteren Sammelbeitrag im Anschluss an die Beitragsreihe Talkin‘ bout a revolution und dokumentieren den siebten Teil der Weimarer Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution (Teaser zur Reihe hier). „Das Leben ändern, die Welt verändern“ ist eine Reminiszenz an ein Zitat von André Breton: »›Die Welt verändern‹, hat Marx gesagt; ›das Leben ändern‹, hat Rimbaud gesagt. Diese beiden Losungen sind für uns eine einzige.« Gleichzeitig ist es Titel eines Sammelbandes von Edition Nautilus, in dem Dokumente und Berichte der 68er-Revolte zusammengestellt sind. Die Veranstaltungsreihe dreht sich um 1968, verweigert jedoch die Blickverengung auf ein einziges Jahr und bildet stattdessen einen Zyklus der Revolte von den 50er-Jahren bis in die 80er-Jahre ab.

Den Vortragsmitschnitten sind jeweils Interviews von Radio Corax mit den ReferentInnen vorangestellt, die im Vorfeld der Veranstaltungen entstanden sind. Die Interviews behandeln zum Teil bereits den Gegenstand des jeweiligen Vortrags, enthalten zum Teil aber auch Wissenswertes jenseits des engeren Veranstaltungsprogramms.

1.) »Geht doch arbeiten!« – Nicht-Arbeit und soziale Diskriminierung vom ›Halbstarken‹ bis zum ›Gammler‹

Interview mit Bodo Mrozek über Gammler und andere Sozialtypen in den 50er- und 60er-Jahren:

Ansammlungen von sogenannten Gammlern erregten in den ’60er Jahren großes Aufsehen und sorgten mitunter für äußerst aggressive Reaktionen. Anhand der Figur des Gammlers wurde verhandelt, wie die Öffentlichkeit, die Rollen der Geschlechter und das Verhältnis von Arbeit und Freizeit ausgerichtet sein sollen. Der Historiker Bodo Mrozek hat sich mit der Figur des Gammlers auseinandergesetzt. Da die Forschungen von Bodo Mrozek oft einen popgeschichtlichen Zugang haben, haben wir ihn zunächst gefragt, aus welcher Perspektive und mit welchen Fragestellungen er auf die Bewegung der Gammler blickt. (via)

    Download: via FRN (mp3; 31 MB; 19:10 min)

Im Vortrag schildert Bodo Mrozek (Zentrum für zeithistorische Forschung Potzdam) wie bereits in den 50er-Jahren Subkulturen entstehen, die sich der vorgesehenen Lebensplanung verweigern, in der die Lohnarbeit im Zentrum steht: Eckensteher, Halbstarke, Langhaarige, Gammler… Er geht insbesondere darauf ein, wie die Gesellschaft auf diese Art von Delinquenz reagiert hat und blickt sowohl in die BRD als auch in die DDR.

Ab den 50er Jahren treten in der BRD verschiedene Sozialtypen ins Zentrum von gesellschaftlichen Debatten – etwa Eckensteher, Halbstarke, Langhaarige oder Gammler. An diesen Figuren verdichteten sich auf je unterschiedliche Weise Diskurse über jugendliches Verhalten, Männlichkeit und Weiblichkeit, die Nutzung des öffentlichen Raumes und die Zuständigkeit des Staats. Zentral war dabei auch die tatsächliche oder unterstellte Verweigerung der (Lohn-)Arbeit. Die gegen Abweichler*innen in Stellung gebrachte Nützlichkeitsideologie wurde von Denormalisierungsängsten grundiert und mobilisierte neue Regierungstechnologien, führte aber langfristig zu veränderten Rollenbildern. Bodo Mrozek (Historiker am Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam) geht auf diese Debatten und auf Selbstbeschreibung und Fremdzuschreibung dieser Jugendlichen ein. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 108.1 MB; 1:07:26 h)

Bodo Mrozek spielt im Vortrag zwei Lieder, die in der Aufnahme nicht enthalten sind: Antoine »Les élucubrations« (bei h 1:04), Freddy Quinn »Wir« (bei h 1:06).

2.) Beat und Gammler, Konsum und Verweigerung – Jugend in Westdeutschland

Interview mit Wolfgang Seidel über die „Long Sixties“ in Westdeutschland:

„Alle reden von 1968 – Wir auch.“ Das ist in der aktuellen Programmzeitung von Radio Corax zu lesen. Es ist zugleich hinzugefügt, dass wir einen Unterschied machen wollen: wenn wir das Jubiläum „50 Jahre 1968″ thematisieren, dann mit einer gehöriger Portion Misstrauen gegenüber dem offiziellen Gedenk-Kanon. Die Fokussierung auf das Jahr 1968 ist verkehrt – es geht um eine langfristigere Entwicklung. Und diese Entwicklung war am wenigsten von der Studentenbewegung geprägt, wenngleich sich aus ihren Reihen diejenigen erhoben haben, die für Hartz IV und die Agenda 2010 verantwortlich sind. Das sagt Wolfgang Seidel – Drummer in der Gründungskonstellation der Ton-Steine-Scherben, Musiker und Autor. Wir sprachen mit ihm über seine Perspektive auf 1968 und fragten ihn zunächst, wie er den Jubiläums-Hype um 1968 wahrnimmt. (via)

    Download: via FRN (mp3; 28 MB; 17:36 min)

Im Vortrag formuliert Wolfgang Seidel (u.a. „Wir müssen hier raus! Krautrock, Freebeat, Reeducation“ – Interview zum Buch hier) eine Kritik der sogenannten 68er-Bewegung – er rekonstruiert, wie der studentische Teil der Bewegung in der Selbsthistorisierung den proletarischen Teil der Bewegung verdrängt hat. Er kritisiert in essayistischer Weise außerdem einige regressive Gehalte der 68er-Bewegung.

Kaum ist das Luther-Jahr vorbei, wird dieses Jahr 1968 als historische Wegmarke gefeiert. Dabei kommt 68 oder „die 68er“ untrennbar angekettet daher an die Begriffe Studentenbewegung oder Studentenrevolte. Die sollen, so der Tenor des Jubiläumsjahres, zwar nicht ihre sozialistischen Träume verwirklicht haben. Aber sie hätten eine Kulturrevolution vollbracht, die gescheiterte bürgerliche Revolution von 1848 vollendet, das Land demokratisiert und entnazifiert – also das moderne Deutschland geschaffen, das mit moralischem Überlegenheitsanspruch in der Welt auftreten darf.

Dazu eine Binsenweisheit: Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Aus den Studenten von damals sind die Professoren, Journalisten, Autoren von heute geworden, die die Geschichtsschreibung bestimmen. Tatsächlich war die Zahl der Studenten gering. In den 1960ern machten nicht einmal 10% eines Jahrgangs Abitur. Davon waren nur wenige Teil des linken Spektrums, das heute als „die 68er“ erscheint. Dementsprechend begrenzt war ihre politische Wirkmacht. In Frankreich wurden die Studentenproteste erst dann für die Regierung De Gaulles bedenklich, als die Arbeiter von Renault die Fabriken besetzten. Der nicht studentische Teil des Protestes gegen die alten, autoritären Strukturen wie die Lehrlingsbewegung ist heute aber weitgehend vergessen.

Im Medien-Zeitalter hängt die Diskurshoheit ganz wesentlich davon ab, wer die einprägsamsten Bilder produziert. Im Jubiläumsjahr werden wir durch alle Medien hindurch eine Wiederholungsschleife erleben mit Bildern von untergehakt unter roten Fahnen voranstürmenden Demonstranten, der von einem Polizisten erschossene Benno Ohnesorg, oder den nackt posierenden Mitgliedern der Kommune und Uschi Obermaier mit dem Joint in der Hand. Bei dieser doppelt gefilterten Geschichtsschreibung fällt sehr viel unter den Tisch wie die Rolle junger Arbeiter und Lehrlinge oder die Rolle der Frauen.

Auch die Fixierung auf die Jahreszahl 68 ist fraglich. Die meisten Veränderungen, die das Land in dem Jahrzehnt von 1960 bis 1970 erfuhr, waren nicht das Ergebnis singulärer Ereignisse oder der Taten heldenhafter Revolutionäre sondern Prozesse, die sich auch ohne die Studentenbewegung auf Grund ökonomischer Entwicklungen und des Generationenwechsels vollzogen hätten. Das fing lange vor 68 an mit den Halbstarkenkrawallen, den Ostermärschen, der Beat-Musik oder den Gammlern, zumeist proletarischen Aussteigern, die die Gemüter der Spießer Mitte der 60er erregten. Man könnte die Frage stellen, ob nicht die von den Gewerkschaften durchgesetzte 5-Tage-Woche mehr für die kulturelle Veränderung getan hat, als die gesamte Textproduktion des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes.

Die 5-Tage-Woche war das Ergebnis des nach dem Krieg notwendig gewordenen Kompromisses zwischen Kapital und Arbeit und des Nachkriegsbooms. Freizeit ist auch ein Vorgeschmack auf Freiheit. Durch die gestiegenen Einkommen und das Mehr an Freizeit wurde erst so etwas wie eine Jugend- oder Popkultur möglich. Die ist zwar durchaus ambivalent in ihrer Mischung aus Freiheitsversprechen und Konsumismus. Für die Ideologen der Studentenbewegung aber war sie vor allem eines: angepasst. Die bogen sich das falsch verstandene Wort von der Kulturindustrie zurecht, indem sie es mit dem bürgerlichen antimodernen und antiwestlichen Kulturchauvinismus vermählten. Der Arbeiter, der endlich mehr wollte als nur malochen, war für sie der vom Konsum verblödete „eindimensionale Mensch“, weswegen sie sich ihr „revolutionäres Subjekt“ lieber in einer romantisierten Ferne bei nationalen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt suchten. Man könnte die provokante Frage stellen, ob es eine gerade Linie gibt von der, trotz aller sozialistischer Rhetorik, Verachtung des Arbeiters hin zur Agenda 2010. Die haben die 68er ausgeheckt, die es beim Marsch durch die Institutionen an die Spitze geschafft hatten. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 150.9 MB; 1:34:13 h)

Im Interview und Vortrag werden zwei Filme angesprochen: »Das ist unser Haus« (1971), »Allein machen sie dich ein« (1973). Eine schriftliche Version des Vortrags findet sich hier. Eine Reaktion auf Seidels SDS-Kritik findet sich in einem Interview mit Peter Cardorff, das wir hier dokumentiert haben (direkt Nachhören hier).

3.) Politik und Psychedelik: Ostblock-Popkultur zwischen Nonkonformismus und “Normalisierung” 1968 – 1978

Interview mit Alexander Pehlemann über Ostblock-Popkultur 1968 – 1978:

Für die Jugendrevolten um das Jahr 1968 herum gaben Beat und Rock‘n'Roll entscheidende Impulse. Dies war nicht nur im Westen der Fall, sondern auch im damaligen Ostblock. Dort gab es zum Teil ganz ähnliche pop- und subkulturelle Entwicklungen, die sich jedoch unter anderen Bedingungen entfalteten: Repression und Auftrittsverbote ließen einen Untergrund im tatsächlichen Wortsinn entstehen. (via)

    Download: via FRN (mp3; 28 MB; 17:25 min)

Alexander Pehlemann (Zonic) erkundet in seinem Vortrag musikalisch-subkulturelle Milieus des Ostblocks im Jahrzehnt nach 1968. Er schildert kenntnis- und anekdotenreich subkulturelle Zusammenhänge und Szenen in verschiedenen Ländern des Ostblocks und befördert dabei Radikales wie Skurriles zutage. Es ist im Grunde der gleiche Vortrag, den wir bereits hier dokumentiert haben.

Das Jahr 1968 war weltweit ein Aufbruch in vehementer Ablehnung der Verhältnisse, oft getragen vom Nonkonformismus der Hippie-Bewegung, die sich schnell auch in den Ländern des Warschauer Pakts etablierte. Deren „Love, Peace & Happiness“ wurde dort wegen der transportierten radikal-demokratischen, sexuell libertären, pazifistischen oder spirituellen Ideen schnell zur Provokation, auf die repressiv reagiert wurde. Am extremsten in der ČSSR nach dem Einmarsch des Warschauer Pakts im August 1968, der den „Prager Frühling“ beendete und die sogenannte „Normalisierung“ auslöste. Aber die Saat der Subkultur konnte nicht komplett unterdrückt werden, zumal das System sich im Widerspruch bewegte, den antikapitalistischen Jugend-Bewegungen des Westens wie der Dritten Welt aufgeschlossen gegenüber wirken zu wollen. Parallel entwickelten sich so auch Tendenzen der Tolerierung und sogar Förderung, die mit Einhegung und Reglementierung einhergingen, jedoch auch zu einer einzigartigen Phase gegenseitigen kulturellen Austauschs führte. Die mehrmedial unterfütterte Präsentation von „Post ´68“ wird daher nicht nur die jugendkulturelle und künstlerische Opposition betrachten, sondern zugleich das widerspruchsreiche Einsickern ihrer Ästhetik, in dessen Vor- und oft auch Rückbewegungen. Dabei geht es quer durch den gesamten Ostblock mit den jeweiligen Landesbedingungen sowie einmal durch die Dekade 1968-1978, an deren Ende mit Punk ganz neue radikale Ansätze kamen. An dem mit der Charta 77, gegründet in Reaktion auf die Unterdrückung künstlerischen Ausdrucks, sowie in Polen mit dem Komitee zur Verteidigung der Arbeiter zudem auch zwei politische Gruppen existierten, die den Beginn des Wegs zum Systemkollaps von 1989 markierten. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 217.2 MB; 2:15:35 min)

4.) Der Beginn einer Epoche? Eine kurze Geschichte von Detournement und Récupération des Mai ’68

Im Rahmen der KSR-Veranstaltungsreihe fand zum einen ein Vortrag über die Situationistische Internationale, andererseits ein Wochenendseminar über 1968 in Frankreich, Italien und weltweit statt. Im Vorfeld beider Veranstaltungen hat Radio Corax ein Interview mit Negator (der den Vortrag gehalten hat) und Kazimir (der am Wochenendseminar beteiligt war) über die Situationisten und den französischen Mai 1968 geführt, das wir bereits hier dokumentiert haben (hier zum Nachhören). Im Vortrag rekonstruiert Negator (Biene Baumeister Zwi Negator) die Ereignisse des Mai 1968 in Frankreich und geht dabei insbesondere auf die Situationistische Internationale ein, deren Vorgeschichte und Revolutionstheorie er einführt.

Sie haben „Deutschland wahlweise gründlich zivilisiert“ oder „an die Wand gefahren“: DIE 68er, vor dreißig, vierzig Jahren von den Punks noch als jener kumpelige Führungsnachwuchs gehasst, der nun die Zwänge im mitbestimmbaren Gewand exekutierte; Modernisierungsadel, Minister, Avantgarde für jeden Scheiß; in der Toskana, in Rente, verarmt – oder auch schon längst tot, verzweifelt daran, dass alles so weiterging. Aber auch in Italien, England, Mexiko, Japan oder den USA, ganz besonders aber Frankreich hat sich ein spektakuläres Bild von 68 in den Gencode nationaler Modernisierungserzählungen eingefressen, das vom allgegenwärtigen rechtsnationalistischen Backlash vehement bekämpft, inzwischen mit seinen Protagonisten von der Bühne abtritt. Was bleibt? Global scheint von der mit 68 konnotierten Erinnerung kaum mehr anderes kenntlich als die Modernisierung des Antisemitismus und des Antiamerikanismus. Das Projekt des Antiimperialismus und Kulturrelativismus, um 68 so gründlich modernisiert, hat sich im Islamismus wiedergefunden oder im Staat als letztlicher Appellationsinstanz.

Wars das? Dann wären alle jene massenhaft in den 60er Jahren weltweit manifest gewordenen Sehnsüchte und Hoffnungen nichts weiter als notwendiges Vorspiel zum gegenwärtigen dystopischen Resultat gewesen, jenes spektakulären Monologs des Weltzustands, der von sich nichts anderes mehr zu sagen weiß als: Es ist.

Wie aber die Arbeit der Widersprüche in der wechselhaften Epoche um dieses zum spektakulären Bild geronnenen Jahres 68 herum vor sich ging, wie ein Bewusstsein der Möglichkeiten über die Wiederaufnahme revolutionärer Kritik sich bildete und wieder verfiel, soll an einer der damals bewusstesten Assoziationen und ihrem Vorgehen namentlich in Frankreich dargestellt werden: der Situationistischen Internationale.

Erwartet werden darf eine kurze Geschichte von Detournement und Récupération im Mai ’68 – anlässlich des Jubiläums multimedial dargeboten durch Teile des Autor_en*kollektief Biene Baumeister Zwi Negator. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 191.1 MB; 1:59:17 h)

Die Radiosendung, die Negator im Vortrag anspielt, ist vollständig zum Nachhören hier dokumentiert.

5.) Zur Geschichte eines Bruchs: 1968 in globaler Perspektive

Vom Weimarer Wochenendseminar gibt es den Mitschnitt eines Input-Referats von Bernd Gehrke (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West). Im Vortrag rekonstruiert er global-gesellschaftliche und ökonomische Bedingungen der 68er-Revolte, macht einen Durchgang durch verschiedene Länder des Ostblocks und geht dabei auch auf marxistische Debatten jener Zeit ein.

    Download: via AArchiv (mp3; 108.7 MB; 1:07:50 h)

7.) Das Unvorstellbare ist nicht das Unmögliche: Herrschaftskritik und Literatur in der Zeitschrift ‚Die Schwarze Botin‘

Interview mit Katharina Lux über die Zeitschrift „Die Schwarze Botin“:

Die Zeitschrift „Die Schwarze Botin“ erschien von 1976 bis 1987 in 31 Ausgaben. Diese Zeitschrift zeichnete sich durch einen Anspruch auf Radikalität und Negativität aus, formulierte eine feministische Kritik am Feminismus und kam äußerst stilbewusst daher.

Katharina Lux (u.a. „Outside the Box“) wird am 07.06.2018 in der ACC Galerie Weimar einen Vortrag über „Die Schwarze Botin“ halten. Im Gespräch mit Radio Corax rekonstruiert sie die Entstehung und Entwicklung der Frauenbewegung, aus der heraus „Die Schwarze Botin“ entstand. Zunächst fragten wir sie, wie sie auf die Zeitschrift gestoßen ist. (via)

    Download: via FRN (mp3; 108.7 MB; 1:07:50 h)

Im Vortrag schildert Katharina Lux (Outide the Box) die Entstehung der autonomen Frauenbewegung und deren unterschiedliche Flügel. Im Zentrum des Vortrags steht dann die Kritik, die die Schwarze Botin an der Frauenbewegung aus feministischer Perspektive entwickelt hat, wobei sie auch auf Widersprüche und Schwachstellen dieser Kritik eingeht.

In Mitten der Revolte von 1968 und des Auflösungsprozesses des SDS nahm die Frauenbewegung mit der Gründung sozialistischer Frauengruppen wie dem Aktionsrat zur Befreiung der Frau und dem Frankfurter Weiberrat ihren Anfang. Das Ziel der Linken, alle Verhältnisse umzuwälzen, in denen der Mensch ein geknechtetes Wesen ist, verfolgte die Frauenbewegung konsequent: Kein Verhältnis – auch nicht das hierarchische Geschlechterverhältnis – sollte so bleiben wie es war. Bis Mitte der 1970er Jahre gründeten sich zahlreiche Frauenzentren und Frauengesundheitszentren, Selbsterfahrungsgruppen und Zeitschriften, die autonom von den gemischtgeschlechtlichen Gruppen der Linken, den Parteien und Gewerkschaften agierten. Sie waren die Orte, an denen eine gemeinsame Sprache gesucht und Erfahrungen geteilt, Begriffe und Theorien entwickelt und diskutiert wurden. Als Organe der Selbstverständigung und Kommunikation gründeten sich 1976/77 drei der wichtigen überregionalen Zeitschriften der autonomen Frauenbewegung, wenn auch mit unterschiedlichen Zielen: Courage. Berliner Frauenzeitung, Emma und Die Schwarze Botin.

Herausgeberin der Schwarzen Botin war die Historikerin Brigitte Classen. In der Redaktion arbeiteten neben Classen in unterschiedlicher Besetzung die Journalistin und spätere Schriftstellerin Gabriele Goettle, die Juristin Branka Wehowski, die Schriftstellerin Elfriede Jelinek und die Übersetzerin Marie-Simone Rollin mit. Ab 1983 war die Architektin Marina Auder Verlegerin der Zeitschrift. Bis zur letzte Ausgabe 1987 erschien die Schwarze Botin einunddreißig Mal in einer Auflage zwischen 3000 und 5000 Exemplaren. Die Zeitschrift versammelt wissenschaftliche Aufsätze, Essays, literarische Texte und Gedichte, Collagen, Glossen und satirische Kommentare. Sie lässt sich nicht eindeutig zuordnen: Sie ist weder ein wissenschaftliches Journal im akademischen Sinne, noch eine reine Literaturzeitschrift, noch ist sie eine Szene-Zeitschrift der Frauenbewegung, in der Informationen über Frauenzentren und Frauenfeste veröffentlicht werden, wie es in anderen Zeitschriften der autonomen Frauenbewegung der Fall war. Eindeutig aber ist die Zeitschrift in ihrem Anspruch, der „kritischen Auseinandersetzung mit feministischer Theorie und Praxis einerseits und der Zerstörung patriarchalischen Selbstverständnisses andererseits“ (Die Schwarze Botin) dienen zu wollen. Feministische Ideologiekritik war für die Zeitschrift die Kritik des gesellschaftlichen Bewusstseins und damit auch die (Selbst)Kritik des feministischen Bewusstseins. Was die Zeitschrift zu einem ungewöhnlichen Zeugnis ihrer Zeit macht, ist jedoch weniger die feministische Kritik des Feminismus als vielmehr die Mittel und der Modus der Kritik: Die Ideologiekritik der Schwarzen Botin vereinte provokative Satire und das Beharren auf der Negativität der Kritik. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 100.4 MB; 1:02:39 h)

8.) Züri brännt: Über die Jugendrevolten der ’70er und ’80er Jahre in der Schweiz

Der 7. Teil der KSR-Veranstaltungsreihe endete mit einer Doppelveranstaltung: Einem Vortrag von Miklós Klaus Rózsa und einer Vorführung des Films „STAATENLOS – Klaus Rózsa, Fotograf“ von Erich Schmid. Der Film zeigt Lebenswege von Klaus Rózsa und wie er sich mit der Polizeigewalt, die er dokumentiert hat und von der er betroffen war, und mit seiner jüdischen Vergangenheit auseinandersetzt. Hier zunächst das Interview mit Erich Schmid:

Klaus Rózsa ein bekannter, politisch engagierter Fotograf, lebte jahrzehntelang staatenlos in Zürich.Der Film arbeitet chronologisch und dokumentarisch das bisherige Leben von Klaus Rózsa auf. 1956 aus Ungarn geflohen, wuchs er in der Schweiz mit einem jüdischen Vater auf, der Auschwitz überlebte. Klaus Rózsa dokumentierte über Jahrzehnte die politischen Bewegungen von unten. Rozsa wurde mit 17 Jahren bei Protesten zu der Schließung des AJZ Bunker 1972 politisiert und diese Zeit fing er auch an zu fotografieren und Protest und polizeiliche Gewalt zu dokumentieren. Fokus des Films liegt auch auf der Staatenlosigkeit von Rozsa. Jahrzentelang lebte Klaus Rozsa in Zürich, alle seine Einbürgerungsversuche, 3 an der Zahl, wurden aus politischen Gründen abgelehnt. Wir haben uns mit Erich Schmid über seinen Film unterhalten und über die Hintergründe der Entstehung, und welche Prozesse der Film bei den Mitwirkenden ausgelöst hat. (via)

    Download: via FRN (mp3; 17 MB; 18:10 min)

Interview mit Miklós Klaus Rózsa:

1968 fand – wenn auch mit etwas Verzögerung – auch in der Schweiz statt. Die Kämpfe wurden dort vor allem immer wieder um Autonome Jugendzentren geführt – so im Jahr 1968 bei den Globuskrawallen oder 1980 beim Opernhauskrawall.

Am kommenden Donnerstag wird Miklós Klaus Rózsa in der ACC Galerie Weimar über die Jugendrevolten in den 70′er und 80′er Jahren in der Schweiz sprechen. Wir sprachen mit ihm vorab am Telefon über sein Vortragsthema und fragten ihn zunächst, was die Chiffre „1968″ in der Schweiz bedeutete. Zuletzt fragten wir ihn nach seiner Erfahrung mit Antisemitismus in linken Zusammenhängen. (via)

    Download: via FRN (mp3; 32 MB; 20:09 min)

Im Vortrag schildert Miklós Klaus Rózsa Verläufe der 68er-Bewegung in der Schweiz und deren Übergang in die Schweizer Jugendrevolten der 80er-Jahre. In der Schweiz drehten sich die Konflikte immer wieder um den Kampf um autonome Jugendzentren.

Am 30. Oktober 1970 eröffnete der Zürcher Stadtrat in einem Luftschutzkeller den Lindenhof-Bunker. Es sollte ein Autonomes Jugendzentrum sein. Der Bunker wird in der Folge rege frequentiert. Bereits Ende Dezember wird die, inzwischen besetzte, Autonome Republik Bunker durch die Polizei geräumt. Wenig später entsteht dort die Tiefgarage Urania. Hätte der Stadtrat (Exekutive) geahnt, was diese Schließung bewirken wird, er hätte wohl auf die Eröffnung des Zentrums oder auf die Schließung verzichtet.

Auf jeden Fall haben die 68-er Unruhen das Leben zumindest in Zürich, wenn nicht in der ganzen Schweiz, verändert. Die Jugend war nicht mehr bereit, alles als göttlich gegebene Ordnung hinzunehmen. In den 70er Jahren war natürlich die Anti-AKW Bewegung im Brennpunkt. Neben dem Dauerbrenner um den Kampf für autonome Räume, alternative Lebensformen und gegen die totale Kommerzialisierung des Lebensraumes.

Die 8oer Jahre waren geprägt von der Radikalisierung der Jugend: Nach Jahrzehntelangem Kampf um selbstverwaltete Räume, war die Jugend nicht mehr bereit, es bei friedlichen Protesten zu belassen. Dass die Repression in der Schweiz extreme Ausmaße annahm, dürfte immer noch – oder wieder, überraschen.

Die zweite Hälfte des Jahrzehnts war geprägt von einer kulturellen Entwicklung und dem Versuch, das von der Jugendbewegung erreichte nicht wieder zu verlieren. Die Wohnungsnot wurde immer drängender, die Gentrifizierung forderte ihre Opfer: Die Drogenszene nahm gigantische Ausmaße an und Zürich wurde zum Zentrum der europäischen Hausbesetzerszene. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 123.5 MB; 1:17:03 h)

Der Titel des Vortrags ist eine Reminiszenz an den Film „Züri brännt“. Ein Interview mit Christian Koller über die im Vortrag erwähnten Opernhauskrawalle gibt es hier.

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Can‘t take my eyes off you

… ein Versuch, utopisch zu denken

Unter dem Titel Can‘t take my eyes off you hat der Leipziger AK Unbehagen im Mai 2019 einen temporären Denk-, Experimentier- und Ausstellungsraum eröffnet. Im Rahmen dessen fanden auch mehrere Veranstaltungen statt, die wir im Folgenden dokumentieren. Es geht weitestgehend um die Stellung der Utopie innerhalb gesellschaftskritischen Denkens. Zur Ausstellung und zur Veranstaltungsreihe siehe auch das Interview des Transit-Magazins mit dem AK-Unbehagen.

Was wäre in der Utopie anders? Was steht der Utopie im Weg? Und wo sehen wir in der Gegenwart, in unserem Leben Utopisches?

Diese und weitere Fragen haben wir uns und Menschen, die uns nahe stehen, in den letzten Monaten gestellt. Im Mai 2019 eröffnen wir einen Denk-, Experimentier- und Ausstellungsraum, in dem wir unsere Auseinandersetzung sichtbar machen und zu utopischem Denken einladen wollen.

Im Verlauf unserer Auseinandersetzung haben wir Briefe an Menschen verschickt, deren Gedanken und Haltungen uns wichtig sind. Aus den Antworten, die wir bekommen haben, haben wir ein fiktives Gespräch geschrieben, das in Form einer Audioinstallation hörbar sein wird.

Für das Veranstaltungsprogramm haben wir Freund*innen und Genoss*innen eingeladen, ihre Überlegungen mit uns zu teilen und mit uns in den Austausch zu treten.

In dieser Reihe wollen wir Debatten darüber anstoßen, welche Formen von Arbeit, Beziehungen und Subjektivität wir uns wünschen. Wir möchten mit euch über die gegebenen Verhältnisse hinaus denken und über die Vorstellungen und Bedingungen von einem guten Leben diskutieren.

1.) …und für wen das alles? – das Subjekt und die Utopie

In einer Lesung hat der AK Unbehagen einige Überlegungen vorgestellt, die der Ausstellung und der Veranstaltungsreihe vorangegangen sind. Es geht dabei insbesondere um das Subjekt der Utopie: Ausgangspunkt ist bürgerliche Subjektivität, die ihre eigenen Voraussetzungen abspalten muss. Mit Überlegungen zur Psychanalyse, weiblicher Subjektivität, Arbeit, Alltag, Bedürfnissen, Bedürftigkeit, Körperlicheit, linke Gruppen und (Liebes)Beziehungen kreist die Lesung um die Aufhebung bürgerlicher Subjektivität, hin zu einer Gesellschaft glücklicher Subjekte, zur Vorstellung einer ganz anderen Gesellschaft. Dabei geht es auch immer wieder um Geschlechterverhältnisse. (Die Tonqualität dieser Aufnahme ist nicht sonderlich gut – die anderen Mitschnitte sind deutlich besser.)

Wenn wir versuchen utopisch zu denken, sind wir immer darauf zurückgeworfen, uns zu fragen, wer oder was da eigentlich denkt. Was für ein Subjekt ist das und welche Zurichtung erfährt es? Wo weisen unsere Vorstellungen von einer glücklichen und befreiten Gesellschaft in ihrer Negation auf gegenwärtige Verhältnisse hin, über die hinaus wir gar nicht denken können, weil uns die Sprache dafür fehlt?

Wir möchten in unserer Lesung Aspekte diskutieren, die das Subjekt mit der Utopie verbinden und unser Begehren nach dem wirklich Besseren ausdrücken. Welche Rolle spielt Mangel in der Subjektkonstitution und kann das Glück im Kleinen ein Stück Zukunft im Hier und Heute bedeuten? Wie soll sich alles zum guten Leben für alle ändern oder wie sollen sich alle ändern? Und an welchen Utopie-Entwürfen können wir uns abarbeiten?

    Download: via AArchiv (mp3; 66.8 MB; 48:39 min)

2.) Über das Utopische in der Erfahrung

In einer Lesung haben zwei Redaktionsmitglieder der Zeitschrift Outside the Box Texte aus der 7. Ausgabe der Zeitschrift zum Thema Erfahrung vorgestellt (zur Ausgabe siehe auch: Interview von Radio Corax; Interview des Konkret-Magazins). Die Redakteurinnen lesen zu folgenden Themen: Ein Erfahrungsbericht von gegenwärtigen feministischen Kämpfen in Buenos Aires; ein Gespräch über gewerkschaftliche Frauengruppen in der BRD der 70er-Jahre; ein Gespräch mit Frigga Haugg u.a. über deren (4 in 1)-Perspektive (siehe auch das Interview mit Haugg zum Thema hier); ein Text über Verena Stefan und deren Roman „Häutungen“; ein Text über die Zeitschrift „Die Schwarze Botin“ (siehe auch das Interview zum Thema hier, siehe auch den Kurztext hier); das Editorial zum Verhältnis von Erkenntnis und Erfahrung; ein Gedicht (Überraschung). Die Aufnahme setzte kurz nach Beginn der Lesung ein.

»Wir erfahren den Gegensatz zwischen dem, was sein könnte, und dem, was ist.«

--- Preview-Lesung über das Utopische in der ERFAHRUNG (Ausgabe #7) der Outside the Box. Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik

Erfahrung – ist das, als unmittelbar Gegenwärtiges und Alltägliches, nicht das Gegenteil von Utopie? Zwei Redakteurinnen der outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik hoffen, bei ihrer allerersten Lesung aus der Ausgabe #7, die jeden Moment erscheinen wird, Antworten auf diese und alle darin enthaltenen Fragen zu finden – ob Erfahrung so unmittelbar überhaupt ist, zum Beispiel – oder, falls das nicht gelingen sollte, zumindest ein paar neue Fragen aufzuwerfen. Eine (utopische?) ERFAHRUNG, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

    Download: via AArchiv (mp3; 138 MB; 1:00:22 h)

3.) „Rufen, was nicht ist“

Zur Utopie und ihrer Rolle für die Emanzipation. In ihrem Vortrag gehen Max und Jakob von der Translib Leipzig näher auf eine begriffliche Bestimmung des Verhältnisses von Utopie und Gesellschaftskritik ein. Zunächst charakterisiert Max das utopische Denken seit Thomas Morus, geht auf die Kritik des Utopismus von Friedrich Engels ein, verharrt kurz bei Ernst Bloch, um dann die Argumentation für ein Bilderverbot mit Adorno und Horkheimer zusammenzufassen. Er geht dann mit Hans-Jürgen Krahl auf das Verhältnis von objektiven und subjektiven Bedingungen einer kommunistischen Befreiung ein, das für den Stellenwert der Utopie entscheidend ist. Daran knüpft Jakob im zweiten Vortragsteil an. Er untersucht das Verhältnis von bestimmter Negation und positivem Gegenentwurf; rekonstruiert, wie durch die Tendenzen des Ökonimusmus und Determinismus im marxistischen Denken die Differenz von Bestehendem und zu erreichendem Zustand verwischt wurde und benennt Kriterien für eine befreite Gesellschaft. Insbesondere der zweite Teil des Vortrags knüpft an die Diskussionen der Klassenlossen und Hannes Giessler-Furlan sowie an die Reihe Where is an alternative? an. (Edit: Aus dem Vortrag ist ein Text entstanden, der mittlerweile hier nachgelesen werden kann.)

Emanzipatorische Bewegung zeichnet sich durch den Willen der Veränderung des herrschenden Zustandes aus. Die Kritik am Bestehenden, von der sie ausgeht, enthält immer schon ihre logische Gegenseite – so abstrakt sie auch sein mag – der Gedanke eines Anderen, Besseren. Die Diskussion darum, ob und – wenn ja – wie dieses bestimmt werden kann, ist daher in der Linken immer geführt worden: von der Kritik des »wissenschaftlichen Sozialismus« am »utopischen« Frühsozialismus zum sozialdemokratischen »Zukunftsstaat«, vom Rätekommunismus bis zu gegenwärtigen Ideen eines »Marktsozialismus« – die Bedeutung der Utopie als der Gestalt, in der das Bessere als Ganzes auftritt, für das Denken und die Praxis der Emanzipation spiegelt sich in der Bedeutung, die ihr in verschiedenen, mitunter verfeindeten linken Strömungen zugesprochen wird. Gemeinhin sind jedoch eine fundamentale Umwälzung der Produktionsverhältnisse beinhaltende Utopien heute weitestgehend diskreditiert.

Die Reflexion auf das bisherige Scheitern der revolutionären Linken zeigt aber auch, dass diese entweder alles in Schutt legen wollte, in der Behauptung des Besseren dem Schlechteren womöglich näher kam, oder dem Besseren unter Verweis auf die Unmöglichkeit es zu denken entsagte, um sich doch noch im Bestehenden einzurichten. Allen geht das Denken konkreter kommunistischer Forderungen ab. Dass es mit dem Verweis auf die Vergesellschaftung der Produktionsmittel nicht getan ist, weil keiner sagen kann, was sie mehr meint als die Negation des Privateigentums, hat Karl Korsch bereits vor mehr als hundert Jahren festgestellt.

Dies verweist uns heute auf die drängende Frage nach konkreter Utopie. Was ist sie und wie müsste sie gedacht werden, wenn sie nicht hinter berechtigter Kritik an abstraktem Utopismus zurückfallen soll? Wie kann sie vermeiden, bestehendes Elend gedanklich bloß zu verlängern? Wie kann sie konkretes Fordern ohne bloß Soziareformismus zu sein?

In unserem Vortrag wollen wir uns zunächst dem Begriff der Utopie unter Reflexion des Vorwurfs des Utopismus und des Bilderverbots annähern und ihn historisch verorten. Hier sollen auch die Debatten innerhalb der Arbeiterinnenbewegung und revolutionären Linken beleuchtet werden. Auf Basis dieser Reflexionen möchten wir moderne konkrete Utopien vorstellen, um dann mit euch ins Gespräch zu kommen.

    Download: via AArchiv (mp3; 91.3 MB; 1:06:30 h)

4.) Utopische Forderungen an Mutterschaft / Elternschaft

Auf dem Podium wurde die Frage diskutiert, inwiefern es utopische Bilder von Mutterschaft gibt und in welchem Verhältnis feministische Ansprüche an eine (emanzipierte) Mutterschaft und reale Verhältnisse von Müttern stehen. Neben persönlichen Erfahrungen werden auch psychoanalytische und historische Perspektiven diskutiert. Zentral ist die (reproduktive) Arbeitsteilung. Am Ende werden einige Forderungen im Bezug auf Mutterschaft vorgetragen. An der Diskussion waren beteiligt: Anke Stelling (Schriftstellerin, u.a. Fürsorge und Schäfchen im Trockenen), Maya Dolderer (Mitherausgebering des Sammelbandes Oh Mother, Where Art Thou?) sowie Lisa und Saša (beide vom Feministischen MÜTTER*-Stammtisch Süd, Leipzig).

In der gegenwärtigen Gesellschaft erscheinen Fürsorge, die fundamentale Bezogenheit aufeinander und Abhängigkeiten – kurz alles, was mit Mütterlichkeit assoziiert ist – systematisch abgewertet. Dies spiegelt sich nicht nur in konkreten Erfahrungen von Müttern, sondern weiterhin in den prekären Arbeitsbedingungen im Care-Sektor oder den miserablen Zuständen in Pflegeeinrichtungen wider. Auch die feministische Auseinandersetzung mit Mutterschaft verläuft notgedrungen ambivalent.

Wir möchten nach einer Kritik an gegenwärtigen Bedingungen von Mutterschaft suchen, die nicht bei der Aushandlung von Aufgaben oder beim Entwurf der „neuen Mutterideale“ endet. Wir möchten danach fragen, was mit einer Gesellschaft und ihren Beziehungen passiert, wenn eine grundlegende Abhängigkeit nicht mehr geleugnet werden muss.

In dieser Podiumsdiskussion möchten wir deshalb aus psychoanalytischer, materialistischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive nach Ansatzpunkten für ein utopisches Denken von Mutterschaft und Elternschaft suchen. Gleichzeitig soll hierbei auch immer wieder auf Grenzen verwiesen werden, die sich aus einer feministisch-materialistischen Betrachtung stellen. Auch die eigene Erfahrung der Gegenwart soll dabei in den Blick genommen und explizit verhandelt werden.

Wir stellen uns unter anderem diese Fragen: Wie kann Mutterschaft in feministischer Kritik und emanzipatorischen Entwürfen mitgedacht werden? Neben solidarischen Konzepten und neuen Familienmodellen – welche fruchtbaren Punkte bietet eine feministische Auseinandersetzung mit Mutterschaft? Wie sehen unsere utopischen Forderungen an Mutterschaft und Elternschaft aus und auf welchen Mangel verweisen sie in der Gegenwart?

Es werden sprechen: Anke Stelling, Autorin aus Berlin. Maya Dolderer, Mitherausgebering des Sammelbandes Oh Mother, Where Art Thou?. Lisa und Saša vom Feministischen MÜTTER*- Stammtisch Süd (Leipzig)

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Feministisch streiten!

Wir dokumentieren hier mehrere Beiträge, die aktuelle Diskussionen innerhalb des deutschsprachigen Feminismus abbilden. Dabei liegt ein Fokus auf einer Kritik des Queer- bzw. Popfeminismus aus materialistisch-feministischer Perspektive.

1.) Beißreflexe

Das 2017 veröffentlichte Buch Beißreflexe – Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten ist viel besprochen worden. Radio Corax hat ein Interview mit zwei Co-AutorInnen des Buches geführt – mit Caroline Sosat, die „betroffenheitsfeministische Dynamiken“ kritisiert und Jakob Hayner, der Queerfeminismus und Critical Whiteness im universitären Kontext analysiert und kritisiert.

Wir von Radio Corax versuchen immer wieder auch eine Kritik der Geschlechterverhältnisse zu thematisieren. Kritik der Geschlechterverhältnisse – das heißt zu erkennen, dass Geschlecht eine Kategorie ist, an der entlang Herrschaftsverhältnisse und Ideologie sich organisieren und ausrichten. Eine feministische Gesellschaftskritik ist notwendig – etwa wenn es darum geht, zu erkennen, dass weibliche Körper in besonderem Maß gesellschaftlichem Zugriff und Reglementierung unterliegen. Eine bestimmte Spielart des Feminismus ist heute bekannt unter der Bezeichnung „Queerfeminismus“. Queer – das meinte ursprünglich das nicht Normierte, das Abweichende, das Perverse, das sexuell Deviante. Queer ist aber Stichwort für eine bestimmte Art von Politik, die auch innerhalb feministischer Zusammenhänge kontrovers diskutiert wird. Es ließe sich etwa sagen: Queer, das ist heute eine bestimmte Art von Politik, die sich auf Identitätspolitik reduziert und dabei selbst extrem reglementierte Räume schafft. Eine solche Kritik an queer politics wird etwa formuliert in einem Buch, das kürzlich im lesbisch-schwulen Querverlag erschienen ist. „Beißreflexe“ heißt dieses Buch, das etwa 25 Beiträge versammelt und das herausgegeben wurde von Patsy l’amour lalove. Es schien uns interessant, einmal einen Blick in dieses Buch zu werfen. Deshalb sprachen wir einerseits Caroline Sosat und andererseits Jakob Hayner – welche sich jeweils mit einem Beitrag an diesem Sammelband beteiligten.

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2.) Feministisch streiten!

Ebenfalls im Querverlag ist das Buch Feministisch streiten – Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen erschienen, herausgegeben von Koschka Linkerhand. Noch vor Veröffentlichung des Buches haben Koschka Linkerhand und Co-Autorin Sabrina Zachanassian einen Vortrag in der Leipziger MonaLisa gehalten, in der sie ihre Kritik des Queerfeminismus und dabei auch ein Selbstverständnis des materialistischen Feminismus formuliert haben. Ihre Kritik am Queerfeminismus lautet, dass er durch seinen Fokus auf Identitäten gesellschaftliche Strukturen und Wirkweisen nicht richtig erfassen kann.

Feministin sein heißt heutzutage fast automatisch: Queerfeministin sein. Der Queerfeminismus, als dessen bekannteste Urheberin Judith Butler firmiert, dominiert seit etwa zwanzig Jahren die kultur- und geisteswissenschaftliche akademische Debatte weit über das Thema Geschlecht hinaus; queerfeministische Geschlechtervorstellungen reichen mittlerweile bis in die Politik der etablierten Parteien und in eine queere Pop- und Alltagskultur hinein, wie sie sich in vielen linken und LGBT-Szenen etabliert hat. Doch was genau bedeutet Queerfeminismus? Was unterscheidet ihn vom klassischen Feminismus, der von Frauen ohne Anführungszeichen und Sternchen, von biologischem versus sozialem Geschlecht und patriarchaler Gesellschaft spricht?

In unserer Veranstaltung wollen wir diskutieren, wie eine adäquate feministische Kritik der gegenwärtigen Gesellschaft aussehen könnte. Inwieweit kann Queerfeminismus über pure Identitätspolitik hinausreichen – taugt er zur Gesellschaftskritik oder ist er nicht mehr als ein Wegweiser zum neoliberalen Nischenglück? Was bedeutet es und welche politischen Konsequenzen hat es, das Geschlechterverhältnis als Ergebnis von Diskursen zu analysieren? Bereitet Dekonstruktion, das queere Wundermittel gegen Diskriminierung, tatsächlich den Weg zu einer freieren Gesellschaft, in der alle „ohne Angst verschieden sein können“ (Adorno)? In welchem Verhältnis stehen queerfeministische Kategorien zu einem Feminismus, der sich auf die Zweite Frauenbewegung, auf Materialismus, Universalismus und die Kritik der politischen Ökonomie beruft – und trotzdem das Wünschen noch nicht verlernt hat?

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Eine Aktivistin bei Radio Corax hat eine mehrteilige Interview-Reihe über das „Feministisch-Streiten“-Buch produziert, in der dieses wiederum aus queer-feministischer Perspektive kritisiert wird: Teil 1, Teil 2, Teil 3.

3.) I am a Materialist Girl – Zum materialistischen Feminismus

Am 17.09.2018 trafen sich auf Einladung der Gesellschaftskritischen Odyssee [geko] Koschka Linkerhand und Ilse Bindseil zur Diskussion über den Feminismus an der Universität in Halle (Saale). Während Koschka Linkerhand in Umrissen ihre Vorstellung eines materialistischen Feminismus referiert (der sich ihres Erachtens explizit auf das Subjekt Frau beziehen muss), bringt Ilse Bindseil eine Reflexion auf der Meta-Ebene ins Spiel. Für sie stehen Materialismus und Feminismus in einem ausschließenden Verhältnis des Widerspruchs, ebenso wie Theorie und Praxis. Diese eher philosophische Stoßrichtung bestimmt dann die Diskussion zwischen beiden, wobei es zu großen Teilen um Begriffsklärungen geht. Ein Vorabgespräch mit Radio Corax gibt es hier, die Diskussion mit dem Publikum kann hier nachgehört werden.

Wenn derzeit von „materialistischem Feminismus“ gesprochen wird, schlagen die Herzen höher, während der Kopf stehen bleibt. Kaum jemand weiß, was mit der Rede vom „Materialismus“ überhaupt gemeint ist. Weil man sich aber in der Gegnerschaft zu Patriarchat und Queerfeminismus einig ist, darf die Arbeit am Begriff ruhig liegen bleiben. So gelingt es, kaum vereinbare Positionen unter ein gemeinsames Banner zu zwingen und Streit zu vermeiden. Uns ist jedoch weniger am feministischen Frieden gelegen als daran, das Geschlechterverhältnis zu analysieren und treffend zu kritisieren.

Deshalb werden wir mit Ilse Bindseil und Koschka Linkerhand diskutieren, welche sich beide als materialistische Kritikerinnen des Geschlechterverhältnisses sehen. Gleichzeitig vertreten sie bezüglich vieler Fragen unterschiedliche Positionen. Mit ihnen wollen wir klären, was es überhaupt bedeutet das Geschlechterverhältnis materialistisch zu betrachten, wie dies mit der Kritik der Gesellschaft zusammenhängt und welche feministische Praxis sich daraus eventuell ableiten lässt.

Ilse Bindseil veröffentlichte im ca ira-Verlag unter anderem Elend der Weiblichkeit, Zukunft der Frauen und Es denkt. Sie ist Redakteurin der Zeitschrift Ästhetik und Kommunikation. Koschka Linkerhand ist Herausgeberin des Sammelbandes Feministisch Streiten. Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen und Autorin eines Beitrags in Beißreflexe.

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4.) Auf dem Fleischmarkt untenrum frei unterwegs

Auf dem Fleischmarkt untenrum frei unterwegs: Zur Kritik am Popfeminismus – unter diesem Titel hat Constanze Stutz von der Zeitschrift Outside the Box in Leipzig und Halle Vorträge gehalten. Leider liegt uns kein Vortragsmitschnitt vor – falls es eine Aufnahme gibt, kontaktiert uns gerne. Radio Corax hat mit Constanze Stutz im Vorfeld des Vortrags in Halle recht ausführlich gesprochen. Darin geht es um eine Begriffsbestimmung, die Potentiale und die Beschränkungen des Popfeminismus. Der Titel des Vortrags verweist auf Bücher von Laury Penny und Margarete Stokowsky, auf die auch im Gespräch eingegangen wird.

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Feministische Theorie im Frühling

Im Frühling dieses Jahres fand in Jena eine interessante Veranstaltungsreihe statt, die vom StuRa und dem Gleichstellungsreferat der Uni Jena (beide Gremien sind inzwischen neu besetzt) organisiert wurde. Es wurden in dieser Reihe verschiedene Ansätze feministischer Gesellschaftskritik vorgestellt, die derzeit in der radikalen Linken diskutiert werden.

Es geht um Materialismus, queer theory und Feminismus. Queer Theory ermöglicht es, Heteronormativität und gesellschaftliche Normierungsprozesse zu benennen und zu kritisieren. Aber die Produktionsverhältnisse und materiellen Lebensbedingungen lassen sich nicht dekonstruieren. Wie kann der Kampf gegen Patriarchat und Kapitalismus aussehen – und was ist untragbar für eine emanzipatorische Gesellschaftskritik?

1. Roswitha Scholz: Die Wert-Abspaltungskritik – ein neuer Versuch marxo-feministischer Theoriebildung

Roswitha Scholz hat in ihrem Vortrag einführend einige Grundgedanken der Wert-Abspaltungskritik vorgestellt, wie sie vor allem in „Der Wert ist der Mann“ und „Das Geschlecht des Kapitalismus“ ausformuliert ist, wie sie aber auch aus vielen anderen Vorträgen bekannt sind. Gegen Ende stellt sie einige Überlegungen zur Verwilderung des Patriarchats und der Herausbildung zwangs-flexibilisierter Identitäten im Neoliberalismus an. Im Zusammenhang mit Scholz‘ Vortrag sei auf die jüngeren Ausgaben der Exit! verwiesen, in denen das Geschlechterverhältnis auf verschiebenen Ebenen erneut diskutiert wurde. Ebenfalls sei auf die Rezension von Justin Monday anlässlich der Neuauflage von „Das Geschlecht des Kapitalismus“ im letzten Jahr verwiesen.

Seit geraumer Zeit lässt sich eine Marx-Renaissance beobachten. Nach dem „cultural turn“ der letzten Jahrzehnte treten nun wieder „materielle“ Aspekte in den Vordergrund. Und so fordert Nancy Fraser auch im feministischen Kontext „Frauen, denkt ökonomisch“. Ansonsten sind jedoch marxo-feministische Konzepte rar, die jenseits traditioneller Marxismen nach dem Zusammenbruch des Ostblocksozialismus und den neuerlichen Krisenentwicklungen im Kapitalismus Neuland betreten. Im Vortrag wird thesenhaft die Wert-Abspaltungstheorie als „Big Theory“ vorgestellt, die einer neuen Qualität des warenproduzierenden Patriarchats Rechnung tragen und dabei gleichzeitig auch die kulturell-symbolische Ebene berücksichtigen will.

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 46,2 MB; 50:25 min) | Diskussion (mp3; 48,2 MB; 52:37 min)

2. Hanna Meißner: Kritik der politischen Ökonomie queer/feministisch gelesen

Hanna Meißner (u.a. „Jenseits des autonomen Subjekts“) will in ihrem Vortrag die Grenzen der Marx’schen Analysen aufzeigen und wie an dieser Grenze poststrukturalistische bzw. queer-theoretische Analysen anknüpfen können. Dabei referiert sie einige Merkmale der Subjektivität des Warenbesitzers und weist darauf hin, dass dieser konstitutiv von Voraussetzungen abhängig ist, die nicht in seinem Wirkungsbereich liegen und die er selbst nicht einholen kann. Der Marx’schen Analyse müsse mit einer gewissen Notwendigkeit entgehen, wie genau an dieser Stelle das Geschlechterverhältnis wirkmächtig wird. Meißner verweist daher auf Subjektivitäts-Analysen von Butler, Foucault und Spivak.

Die Frage, was die Marx’’sche Kritik der politischen Ökonomie zur Analyse der Geschlechterverhältnisse beitragen kann wurde in Teilen der feministischen Debatten lange intensiv und kontrovers diskutiert. Sie ist allerdings in der jüngeren Vergangenheit etwas in den Hintergrund getreten und schien durch einen poststrukturalistisch informierten Blick auf die wirklichkeitskonstituierenden Effekte der diskursiven Ordnung überlagert. Statt allerdings von einer Unvereinbarkeit von queer/feministischen Theorien und der Marx’’schen Kapitalismusanalyse auszugehen, lohnt sich eine erneute Re-Lektüre der Marx’’schen Texte. Marx bietet für (queer/feministische) Gesellschaftskritik ein wichtiges Instrumentarium, da er mit der kapitalistischen Produktionsweise einen historischen Strukturzusammenhang erkennbar macht, der unserem In-der-Welt-Sein (auch in seiner vergeschlechtlichten Dimension) bestimmte Formen und Dynamiken vorgibt und spezifische Hierarchisierungen sowie versachlichte Herrschaftsverhältnisse hervorbringt.

Interessant ist dabei nicht so sehr das, was Marx selber zum Verhältnis von Männern und Frauen und zur geschlechtlichen Arbeitsteilung geschrieben hat. In einer Lektüre von Marx nach Judith Butler (und Michel Foucault) lässt sich argumentieren, dass auf der analytischen Abstraktionsebene, auf der Marx die Strukturen der kapitalistischen Produktionsweise rekonstruiert, gar keine Aussagen über Geschlechterverhältnisse oder Heteronormativität möglich sind. Wird dies als (notwendige) Grenze der Marx’’schen Analyse gelesen, dann lassen sich Anschlüsse zu einer queer/feministischen Perspektive eröffnen.

    Download: via AArchiv (mp3; 42,3 MB; 46:14 min)

3. Andrea Truman: Bürgerschreck: der schwule Mann

Andrea Trumann (u.a. „Feministische Theorie“, „Das bürgerliche Subjekt und sein Anderes“) hat in ihrem Vortrag zunächst an zwei Beispielen (eine Dokumentation über Homophobie im Fußball und eine Studie von Frank Lammerding) und dann mit Bezug auf Foucault und Freud einige Thesen zu den gesellschaftlichen Ursachen von Homophobie vorgestellt. Zentral ist dabei das Begriffspaar Aktivität/Passivität, wobei Aktivität männlich kodiert und mit Leistungsfähigkeit verbunden ist, während Passivität für Weiblichkeit bzw. Verweiblichung und Unfähigkeit zur Selbstbeherrschung steht.

Homosexualität scheint in der Gesellschaft angekommen zu sein. Aber unter dieser oberflächlichen Anerkennung, schwelt immer noch der Hass auf Schwule. In Kreuzberg werden Schwule nach Partys abgefangen und zusammengeschlagen; „schwul“ ist in Schulen neben „Jude“ eins der beliebtesten Schimpfwörter. Und auch die Toleranz im bürgerlichen Milieu endet in der Regel, wenn es um die eigene Kinder geht. Aber woher kommt dieser Hass auf Schwule, der sich unter der Oberfläche bürgerlicher Toleranz Bahn bricht? Dieser Hass ist nicht das Andere zur bürgerlichen Gesellschaft, sondern konstitutiv für diese. Gehasst wird an den Schwulen nicht, dass sie mit jemandem gleichgeschlechtlichen schlafen, sondern dass im schwulen Sex mindestens einer in die Rolle der Frau schlüpfen und sich „ficken“ lassen muss.

Die Angst vor dem Schwulsein ist gleichzeitig eine Angst vor der Verweiblichung. Eine Angst, die auch bei einem Großteil der schwulen Szene selbst nicht Halt macht, in der ein Männlichkeitskult gepflegt wird, der Tunten oftmals ausschließt. Der Hass auf die Schwulen wird geschürt durch die Angst vor der Passivität und dem Kontrollverlust, hinter der sich der Wunsch eben danach verbirgt. Denn dem Schwulen (gleichsam wie der Frau) wird die Macht zugesprochen, die Bürger von ihrem rechten Weg (vom Arbeitszwang und der Kleinfamilie) abzubringen, und dieser Wunsch nach Ruhe und Kontrollverlust muss bei Strafe des drohenden Untergangs, die innerhalb kapitalistischer Vergesellschaft der Preis wäre für das Auslebens dieses Bedürfnis abgewehrt werden und die vermeintlichen Verführer gehasst und im schlimmsten Fall ausgelöscht werden.

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 52,7 MB; 57:35 min) | Diskussion (mp3; 34,4 MB; 37:31 min)

4. Lars Quadfasel: The Great Gender‘n'Trouble Swindle. Judith Butlers un_kritische Theorie

Lars Quadfasel rekonstruiert in seinem Vortrag kurz die feministischen Debatten und Widersprüche, aus denen heraus Judith Butlers Projekt entstand, will zeigen, dass Butler nicht so radikal ist, wie es von ihren Anhängern suggeriert wird und kritisiert einzelne Theoreme Butlers. Größeren Raum nimmt dabei das Verhältnis von Geist/Mensch/Kultur auf der einen und Körper/Natur auf der anderen Seite ein. Gegen Ende kritisiert er einige Aspekte von Butlers Moralphilosophie und zeigt auf, warum der Antizionismus mit einer gewissen Notwendigkeit aus deren Prämissen folgt. Die Diskussion, in der es u.a. um Butlers Begriff der Verletzbarkeit und noch einmal um das Verhältnis von erster und zweiter Natur geht, ist dann nochmal relativ interessant. Vgl. auch „Beiträge zur Adorno-Preisverleihung 2012“.

Quadfasel will zeigen, dass Butlers Ansatz im Grunde eine Neuauflage des alten bürgerlichen Idealismus ist und entsprechend der kapitalistischen Logik nicht die Emanzipation von den geschlechtlichen Zwangscharakteren, sondern lediglich deren Flexibilisierung betreibt.

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 51,9 MB; 56:39 min) | Diskussion (mp3; 37,4 MB; 40:49)

5. Korinna Linkerhand: Leben wir (noch) im Patriarchat? Ein Plädoyer für die Anliegen des klassischen Feminismus

Korinna Linkerhand (Meine Frauengruppe, u.a. Autorin in „Outside the Box“, z.B. „Der postmoderne Körper“: Vortrag, Text) nimmt in ihrem Vortrag eine grundlegende Bestimmung des Patriarchat-Begriffs vor und bestimmt Sexismus als ideologischen Niederschlag des Patriarchats. Einigen Raum nimmt in ihrem Vortrag die Bestimmung des Verhältnisses von Patriarchat und Kapitalismus ein, wobei sie den Kapitalismus in Bezug auf Roswitha Scholz als warenproduzierendes Patriarchat begreift, für das eine Abspaltung des Weiblichen konstitutiv ist. In diesem Zusammenhang entgegnet sie auch der Auffassung, im Kapitalismus seien patriarchale Verhältnisse bereits tendenziell überwunden. Zuletzt übt sie eine Kritik am „Postfeminismus“, dem sie einen materialistischen und universellen Feminismus entgegenstellt, der Gesellschaftskritik als Kritik eines historischen Vermittlungsverhältnisses von Mensch und Natur formuliert, anstatt Natur in Diskurse auflösen zu wollen.

Dass die Rede vom Patriarchat gegenstandslos geworden sei, ist eine gängige Diagnose von gesellschaftskritischer und auch genderbewegter Seite, die angesichts der mittlerweile umfassenden Gleichstellung der Frau in der westlichen Hemisphõre auf der Hand zu liegen scheint: Frauen seien berufstätig, selbstbestimmt und obendrein Kanzlerin, eine Vielfalt von Lebensentwürfen stünden ihnen zur Verfügung und vorm Kapital seien sowieso alle gleich. Doch nach wie vor ist Geschlecht ein nicht wegzudenkendes Strukturprinzip der Gesellschaft: Menschen werden wie eh und je in Männer und Frauen unterteilt und zu solchen sozialisiert. Das Patriarchat als Analysekategorie vor allem der Zweiten Frauenbewegung bezeichnet die Herrschaft von Männern bzw. – unter den Vorzeichen einer abstrakten Vergesellschaftung – eines männlichen Prinzips, wie sie innerster Bestandteil nicht nur der abendländischen Kultur ist. Sollte das Geschlechterverhõltnis nun plötzlich nicht mehr herrschaftlich verfasst sein? Fördert die Leugnung eines patriarchalen Gefälles in der Gesellschaft nicht letztlich das ungebrochene Fortwirken der sexistischen Ideologie – wirft es nicht vor allem Frauen mit ihrer Vielzahl an geschlechterspezifischen Problemen, die sie ihrer Sozialisation verdanken, in die Vereinzelung zurück, wenn wir aufhören, die Besonderheiten weiblicher Subjektbildung zu analysieren und zu kritisieren?

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 47,5 MB; 51:52 min) | Diskussion (mp3; 33 MB; 36:01 min)

6. Katharina Lux: Marx und der blinde Fleck des Feminismus

In ihrem Vortrag weist Katharina Lux auf einen grundlegenden Mangel in den gängigen feministischen Theoriemodellen hin — ihnen fehle ein Begriff gesellschaftlicher Totalität sowie grundlegende Bestimmungen des gesellschaftlichen Seins. So gibt sie eine allgemeine Skizze des Verhältnisses von Mensch und Natur, von Arbeit und Vergegenständlichung, sowie – für eine feministische Gesellschaftskritik entscheidend – der gesamtgesellschaftlichen Reproduktion. Hauptbezugspunkte für ihre Thesen sind dabei die Philosophisch-ökonomischen Manuskripte von Marx und „Die deutsche Ideologie“ von Marx und Engels sowie „Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins“ des späten Georg Lukács. Insgesamt ist der Vortrag ein nützlicher Crashkurs durch den historischen Materialismus, der als Anregung für eine feministische Kritik verstanden werden will. In ihrem kürzlich in der vierten Ausgabe der Zeitschrift „Outside the Box“ erschienen Text mit dem Titel „Über die Repräsentation der Differenz und die Kritik Marx’scher Begriffe“ verfolgt sie eine ähnliche Stoßrichtung.

Was Georg Lukács schon in den 60er Jahren für die kommunistische Theoriebildung allgemein feststellte, gilt heute immer noch und ebenfalls für das Bewusstsein der feministischen Linken: Der Mangel der theoretischen Entwicklung grundlegender Kategorien des gesellschaftlichen Seins. Heute drückt sich dieser Mangel sowohl darin aus, dass keine Reflektion der implizit in den vertretenen feminstischen Theorien enthaltenen Vorstellungen von Natur, Gesellschaft und Menschsein geleistet wird, oder aber – wie zur Zeit überall in Mode – die grundlegenden Kategorien des gesellschaftlichen Seins als angeblich nicht notwendige oder sogar dogmatische zum Schein verworfen werden. Das Resultat ist – so ist zu befürchten – die Wiederholung der beklagten Fehler der zweiten Frauenbewegung. Die zweite Frauenbewegung war spätestens seit den 80er Jahren größtenteils rekuperiert, ihre Forderungen beschränkten sich auf die gesellschaftliche Akzeptanz der Interessen der Frauen und ihre Teilhabe in der bestehenden Gesellschaft. Plötzlich passte sie hervorragend zu den neuen Anforderungen an die Subjekte in der kapitalistischen Gesellschaft. Nach dieser historischen Erfahrung stellt sich heute für die theoretische Arbeit des Feminismus die Aufgabe, das Verhältnis des Feminismus zur Totalität der Gesellschaft zu bestimmen, will er der Partikularisierung und Einhegung seines Begehrens auf ein für die kapitalistische Gesellschaft verträgliches Maß entgehen. Andernfalls wird der Feminismus zum zufälligen Produkt der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die er selbst nicht versteht oder verstehen will und der er so ausgeliefert bleibt.

Ein erster Schritt diesem selbstverschuldeten „Schicksal“ zu entgehen, wäre die Sichtung der grundlegenden Kategorien des gesellschaftlichen Seins wie Menschsein, Natur, Arbeit und Gesellschaft, die im Werk von Karl Marx und Friedrich Engels vorliegen, das von FeministInnen oft verworfen wurde. Was die Analyse und Kritik des Geschlechterverhältnisses angeht – so eine gängige Meinung bis heute – sei dieses Werk von „blinden Flecken“ durchzogen und ökonomistisch, weshalb dort nicht viel zu holen sei. Das ist ein unverzeihlicher Irrtum. Denn im Denken von Marx und Engels liegt der methodische Schlüssel, mit dem das Geschlechterverhältnis als gesellschaftlicher Komplex in seiner Eigendynamik und zugleich seiner Determiniertheit durch die kapitalistische Gesellschaft begriffen werden kann. Ebenso finden sich in den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten, der Deutschen Ideologie bis hin zur Kritik der Politischen Ökonomie die Grundlagen einer Subjekttheorie, die eine umfassende, nicht-partikulare Befreiung des Individuums von Herrschaft zu ihrem Ziel hat. Will die feministische Linke ihren „blinden Fleck“ überwinden, so muss sie sich dem Fundament, den grundlegenden Kategorien einer Subjekttheorie wie sie im historischen Materialismus entwickelt sind, zuwenden. Genau dieser Aufgabe ist der Vortrag gewidmet, in dem versucht werden soll, die grundlegenden Kategorien des gesellschaftlichen Seins wie sie von Marx, Engels und Lukács entwickelt wurden, darzulegen.

    Download (via AArchiv): Vortrag (mp3; 45,1 MB; 49:13 min) | Diskussion (mp3; 25,8 MB; 28:12 min)
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»[…] das wache Begehren, zu kritisieren, was uns so müde macht.« – Outside the Box #4. Arbeit

Unser Leben ist der Mord durch Arbeit, wir hängen 60 Jahre lang am Strick und zappeln, aber wir werden uns losschneiden.
(Georg Büchner, Dantons Tod, 1835)

Heute erscheint in Leipzig die vierte Ausgabe der feministisch-materialistischen Zeitschrift »Outside the Box«. Zum Thema Arbeit sind lesenswerte 160 Seiten entstanden, die in gesellschaftskritischen Artikeln, künstlerischen Auseinandersetzungen, Diskussionen und Gesprächen die (all)gegenwärtigen Widersprüche und Zwänge thematisieren und so eine theoretische und praktische Auseinandersetzung (nicht nur) mit dem Feminismus vorantreiben. Dazu ein Gespräch von Radio Corax mit zwei Redakteurinnen der Zeitschrift.

    Download: via AArchiv (mp3; 36 min; 83 MB)

Wie Outside the Box, wo seit mittlerweile fünf Jahren auch mit neuen Formen des Zeitschriftenmachens experimentiert wird, versucht auch Roswitha Scholz an einer feministischen Kritischen Theorie zu arbeiten. Bei Rotten System/Rotten World findet sich ein Interview mit Scholz.

    Download: via AArchiv (mp3; 47 min; 65 MB)
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Der postmoderne Körper

1. Die Antiquiertheit des SexusZur Kritik der postmodernen Körpertechnologie: Im Rahmen der Reihe „Hab mich gerne, Postmoderne. Zur Kritik des Poststrukturalismus“ der Gruppe AG No Tears for Krauts referierte Magnus Klaue am 18. Mai 2011 über die Ersetzung des Leib-Begriffs durch den des Körpers in der postmodernen Körperpolitik. Er geht dabei zunächst auf das Konzept der Polyamorie ein, das er als einen rationalisierten, technisierten Umgang mit eigenen Gefühlen kritisiert. Während in der Polyamorie über Sexualität eigentlich gar nicht mehr gesprochen wird, ist die Austreibung der Sexualität auch für postmoderne Körperkonzepte kennzeichnend. Während im Begriff des Leibes auf etwas nicht Verfügbares verwiesen ist und zudem mit der Thematisierung des Alterns Geschichtlichkeit impliziert, ist hier der Körper als etwas bloß Erzeugtes nur noch ein Ensemble von Technologien, das keine Geschichte mehr hat. Die Aufnahmequalität ist leider nicht sonderlich gut.

Zur neuesten Tendenz postmoderner Genderpolitik gehört der Versuch, die geschlechtertheoretischen Prämissen der Arbeiten von Judith Butler et al. in einer Weise praktisch werden zu lassen, die die altlinke Formel vom Privaten, das politisch sei, in denkbar bedrohlichster Weise zu verwirklichen verspricht. Beatriz Preciados „Kontrasexuelles Manifest“, das den Hass auf Sexus und Trieb selbstbewusst im Titel führt, sowie die „gendertechnologischen“ Schriften Donna Haraways sind die Referenztexte einer gender- und queerlinken Bewegung, die jeden Einzelnen auffordert, die Abschaffung des Leibes zugunsten des „Körpers“ und den Rückbau des Ich zum bewusstlosen Knotenpunkt blinder „Konstitutionsprozesse“ mit Haut und Haaren an sich selbst zu exekutieren. Der anti-humanistische „neue Mensch“, der dabei entstehen soll und wahlweise als „Mensch-Maschine“ oder „Cyborg“ figuriert, hat kein Unbewusstes und kein Triebschicksal, keine Geschichte und kein Begehren mehr. Seine Symbolwelt steht Preciado gemäß nicht mehr im Banne des „Phallus“, sondern des „Dildos“, des puren Konstrukts, das die reale Erfahrung der Verschränkung von Sexualität und Herrschaft liquidiert, indem es Intersubjektivität und Herrschaft konvergieren lässt. In seiner Welt gibt es weder Intimität noch individuelle Liebe, die Impulse der kindlichen Sexualität sind ebenso getilgt wie die Erfahrung der Sterblichkeit des menschlichen Körpers. Sexualität, von jedem Einzelnen als angstbesetzt und rätselhaft empfunden, soll kommensurabel gemacht werden, indem sie zum puren Vollzug eines allgemeinen Gesetzes erniedrigt wird: lästig, aber nötig, frei von jedem Glücksversprechen und damit auch von der Angst vor Enttäuschung. In Anschluss an Günther Anders’ Theorem von der „Antiquiertheit des Menschen“ möchte der Vortrag zeigen, dass die Postmoderne damit endgültig zur praktischen Ethik individueller Selbstauslöschung wird, wie Anders sie in Heideggers Technikbegriff, den der deutsche Faschismus zu verwirklichen suchte, angelegt sah. Magnus Klaue ist freier Autor und schreibt unter anderem für „Bahamas“ und „Jungle World“. [via]

2. Der (post-)moderne KörperOrt der gelebten Möglichkeiten?: In ihrem Vortrag über den postmodernen Körper im Rahmen der Reihe „Kunst, Spektakel und Revolution“ kritisieren Katja und Korinna (siehe ihren Artikel Fat is a feminist Issue hier oder zum anhören hier) aus einer dezidiert feministischen Perspektive ebenfalls das postmoderne Verhältnis zum Körper. Grundthese ist hier mit Marx und Adorno, dass das verdinglichte Gesellschafts-Naturverhältnis in der kapitalistischen Produktionsweise neben einer Beherrschung der äußeren Natur auch die des eigenen Leibes bedeutet. Die so beherrschte und verdrängte Natur kehrt im bürgerlichen Konzept der Weiblichkeit wieder – die verdrängte menschliche Leiblichkeit wird auf die Frau projiziert. Mit der Emanzipation der Frau zum bürgerlichen Subjekt verschärft sich das weibliche Verhältnis zum eigenen Körper jedoch: sie muss Natur zugleich repräsentieren und beherrschen. Was diese Veränderung für weibliche Körperlichkeit bedeutet, hat dabei etwas mit den Veränderungen im Produktionsprozess zu tun: während im industriellen Zeitalter der Körper ein Mittel der Produktion darstellt, wird er im post-industriellen Zeitalter aus dem Produktionsprozess ausgeschlossen und selbst zu einem Gegenstand der Produktion: er wird zu einem gestaltbaren, jederzeit verfügbaren Produkt. Was dies für viele Frauen bedeutet, ist Gegenstand des Vortrags. In Weimar haben Katja und Korinna ihrem Vortrag ein Musikvideo vorangestellt, welches hier angesehen werden kann.

Die Entwicklung des bürgerlichen Subjekts war notwendig verbunden mit der Spaltung des Menschen in Geist und Körper. Die Herrschaft des sich autonom dünkenden Geistes über den Körper bedeutete seitdem, immer einen Teil der körperlichen Bedürfnisse zu verleugnen. Unterdessen zeichnet sich der gegenwärtige Trend eher durch eine tiefe Sorge um den Körper aus. Er ist zu einem Ort der unendlichen Gestaltung avanciert, in dem sich Bilder von Ästhetik, Fitness und Selbstkompetenz vereinen sollen. Dies scheint jedoch zunächst weniger ein Zeichen von Autonomie zu sein als vielmehr der Gewalt gesellschaftlicher Zwänge geschuldet, von denen vor allem Frauen betroffen sind. Diese äußern sich nicht zuletzt darin, dass der Körper zum bevorzugten Austragungsort innerer Konflikte geworden ist. Spiegelt der destruktive Umgang mit dem Körper einerseits die leidvollen Konflikte des Subjekts mit der Gesellschaft wider, so bleibt ebenso zu fragen, welches emanzipatorische Potential sich im Körperkult ausdrückt. Steckt im Bedürfnis nach der Umgestaltung des eigenen Körpers womöglich ebenso die Anklage gegen das schlechte Bestehende wie der verborgene Wunsch der individuellen Emanzipation? Eine feministische, emanzipatorische Kritik am Körper hieße eine bewusste Reflexion auf dieses Verhältnis von Wünschen und Zwängen, dem versucht wird, nachzuspüren. Katja und Korinna leben in Leipzig. In der letzten Ausgabe der „Outside the Box Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik“ schrieben sie über die feministische Kritik des postmodernen Körperverhältnisses. [via]

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Fat is a feminist issue

Quergelesen dokumentiert in der Novemberausgabe den Text »Fat is a feminist Issue« aus der zweiten Ausgabe der Outside The Box. Es geht um gestörte Körperverhältnisse und Essstörungen und deren Verdrängung aus dem feministischen Diskurs. Download via RS (1h, 56 MB)

Update: Textgrundlage bei KSR.

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Das Geschlecht des Situationismus

Transcending gender by abolishing the spectacle?

Eine Veranstaltung von Outside The Box, der Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik

Quergelesen hat Aufzeichnungen der Referate (leider ohne Diskussion) von Tagediebin, Zwi und Negator (allesamt vom AutorInnenkollektiv BBZN) gesendet. Das soll Euch natürlich nicht vorenthalten werden.

Flyer via Outside

Download der Sendung mit Musik via MF (57 MB, ~1 h)

Im Vorfeld gab es auch ein Radiointerview mit Zwi.

    Update:Jetzt liegen mir dank K auch Rohmitschnitte der Referate sowie der Diskussion vor, die ich hier direkt bearbeitet zur Verfügung stelle.

    Download via AArchiv: Vorträge (1 h, 20 MB), Diskussion (1:15 h, 26 MB)

Ankündigungstext: (mehr…)

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Hörproben aus der »Outside The Box«

Da die erste Ausgabe bereits vergriffen ist, stellt die Redaktion »Outside The Box« einige Hörproben der Artikel, auch des Editorials bereit. Download (6,6 MB, 23 Minuten)

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Kritik der bgl. Frauenbewegung

Die neue Quergelesen-Sendung beinhaltet noch einen Text aus der Outside The Box #1 – Andrea Trumann: Das Bedürfnis nach Gleichheit. Eine Kritik der bürgerlichen Frauenbewegung. Darüber hinaus gibt es einen Jungle World-Kommentar Carlos Kunzes zu Griechenland: Das Laboratorium. 1 h.

Download (62 MB), kleine Fassung (17 MB)

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Outside the Box

Es gibt eine neue Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik aus Leipzig: »Outside The Box«. Auf ihrer Webseite sind mehrere Interviews verfügbar. An dieser Stelle sei auf das etwa halbstündige Gespräch mit Radio Island hingewiesen und auf die Vertonung des der ersten Ausgabe entnommenen Textes »Emanzipation. Überlegungen zu Notwendigkeit und Wesen menschlicher Emanzipation« von Marianne Pabst und Virginia Spuhr, die die Redaktion »Quergelesen« (Querfunk Karlsruhe) erstellt hat.

Download:
Kleine (21 MB)
oder große Variante (56 MB) via MF
Die Sendung enthält Musik.

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