Tag-Archiv für 'realsozialismus'

Lost in Transformation

Konferenz zu aktuellen Analysen der ostdeutschen Gesellschaft

Anschließend an den Beitrag zur politischen Ökonomie des Ostens dokumentieren wir hier Aufnahmen von einer Tagung, die im Oktober 2019 in der Galerie KUB in Leipzig stattgefunden hat (leider liegen uns nicht die Mitschnitte von allen gehaltenen Vorträgen vor). Im Ankündigungstext zur Tagung hieß es:

Die Konferenz „Lost in Transformation“ möchte geläufige und weniger geläufige Analysen über die Eigenarten Ostdeutschlands versammeln und mit einer interessierten Öffentlichkeit debattieren. Neben aktuell diskutierten Fragen zum ostdeutschen Wohnungsmarkt, zum Rechtsruck und zur spezifischen ostdeutschen Wirtschaftsweise werden auch die ideologischen Hinterlassenschaften der DDR-Gesellschaft und die Widersprüchlichkeiten der Debatten zu Migration damals und heute beleuchtet. (via)

Wir dokumentieren zunächst ein Interview, das Radio Corax im Vorfeld der Tagung mit Dominik Intelmann geführt hat. Es geht um die Hintergründe der Tagung und die Motivation der OrganisatorInnen:

    Download: via FRN (mp3; 15 MB; 12:48 min)

0.) Wie schauen wir heute zurück?

Am Freitag Abend wurde die Konferenz mit einer Lesung und einem Podium eröffnet (die Lesung steht leider nicht zur Veröffentlichung zur Verfügung). Auf dem Podium diskutieren Caroline Krahl (Politisch Schreiben) und Anne Hoffmann (Outside the Box). Es geht um persönliche Erfahrungen in der Wendezeit, Anlässe der Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR, Zugänge zu Feminismus in der DDR und weiblicher Ost-Literatur, Position der Frauen in der DDR und in der Nachwendezeit. Diskutiert werden u.a. Christa Wolf, Brigitte Reimann, Irmgard Morgner… Leider gibt es irgendeinen Wackelkontakt, der sich negativ auf die Aufnahme ausgewirkt hat.

Hinweis: Wir warten noch auf die Freigabe zur Veröffentlichung.

    Download: via AArchiv (folgt)

1.) Einleitung zur Konferenz

Im Eröffnungsvortrag vom Samstag schildert Dominik Intelmann chronologisch die Konjunkturen der Aufmerksamkeit auf Ostdeutschland in der bundesdeutschen Öffentlichkeit seit dem ersten Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung. Es geht um eine Art Bestandsaufnahme der Diskurse über Ostdeutschland: von regierungspolitischen Erzählungen, über die Kenntnisnahme und Analyse von rassistischen Mobilisierungen, bis zu einer emanzipatorischen ostdeutschen Perspektive. Eine weitere an der Organisation der Tagung beteiligte Person schildert die Vorgeschichte zur Tagung.

    Download: via AArchiv (mp3; 74.9 MB; 32:43 MB)

2.) Kapitalismus in der Peripherie – die Politische Ökonomie Ostdeutschlands

In seinem Vortrag geht Dominik Intelmann auf den Staatsinterventionismus im Osten ein und auf den spezifischen Transferkreislauf, der Kapital und Wert im Osten Deutschlands zirkulieren lässt. Zuletzt fasst er die Charakteristik ostdeutscher Ökonomie in mehreren Thesen zusammen. Im Grunde handelt es sich um eine leicht überarbeitete Version seines Vortrags, den wir bereits hier dokumentiert haben. In der Diskussion geht Intelmann noch einmal darauf ein, was es u.a. für Lohnkämpfe bedeutet, dass sich in Ostdeutschland keine lokale Bourgeoisie herausgebildet hat.

Die Politische Ökonomie Ostdeutschlands ist geprägt durch eine strukturelle Abhängigkeit vom westdeutschen Landesteil. Dabei schlägt sich das Fehlen einer lokalen Eigentümer*innenklasse in einer dauerhaften Transferabhängigkeit nieder. Im Beitrag wird diese bis heute andauernde Konstellation anhand der politischen Richtungsentscheidungen im Wiedervereinigungsprozess rekonstruiert.

    Download: via AArchiv (mp3; 153 MB; 1:07:11 h)

3.) Die Widersprüche der SED-Ideologie und ihre Auswirkungen

Absicht des Vortrags von Jeanne Franke ist es, die Widersprüche der SED-Ideologie aus nicht-antikommunistischer Sicht darzulegen. Es geht dabei um die Frage, ob die DDR eine Diktatur des Proletariats oder eine Parteiendiktatur gewesen ist. Diese Frage diskutiert Franke anhand der Produktionsbrigaden, deren Entstehung und Entwicklung sie rekonstruiert. These des Vortrags ist, dass die Brigaden zur Integration in die Parteidiktatur dienten, von den Arbeitern jedoch im Sinne des Begriffs des Eigensinns (Hegel) angeeignet wurden. In der Diskussion dreht es sich u.a. um Klassen-, Milieu- und Generationsunterschiede innerhalb der DDR und um die Frage nach der Möglichkeit des Vergleiches zwischen DDR und Nationalsozialismus.

In den öffentlichen Auseinandersetzungen um Ostdeutschland wird die DDR häufig pauschal als eine zweite deutsche Diktatur und autoritäres Regime bestimmt. Ziel des Vortrags ist es, einen differenzierteren Blick auf die politische Herrschaft der SED zu werfen und die Idee eines sozialistischen Staates ernst zu nehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei das Verhältnis zwischen Demokratie und Diktatur sowie Internationalismus und Antiimperialismus.

    Download: via AArchiv (mp3; 194 MB; 1:24:49 h)

4.) Migrationserfahrungen in Ostdeutschland

In der Podiumsdiskussion geht es um Die Perspektiven ehemaliger Vertragsarbeiter*innen und der Nachwendegeneration. Am Podium nahmen teil: Nhi Le, freie Journalistin und Bloggerin und Emiliano Chaimite, Vorsitzender des Dachverbands Sächsischer Migrantenorganisationen. Fragen des Podiums sind u.a.: Welche Erfahrungen haben MigrantInnen in der DDR gemacht, wie haben MigrantInnen die Wendezeit erfahren, wie hat sich der Rassismus seit der Wende verändert, welche Kontinuitäten gibt es, welche (spezifischen) Formen von Rassismuserfahrungen gibt es in Ostdeutschland heute? Die Aufnahme bricht nach etwa 1:20 h (nach der Öffnung der Diskussion zum Publikum) ab.

In einem Gespräch mit anschließender Diskussion werden die Erfahrungen unterschiedlicher Generationen von Menschen mit Migrationserfahrung in Ostdeutschland in den Blick genommen. Welche spezifischen Veränderungen brachte die Wiedervereinigung und inwiefern knüpfen aktuelle Widersprüchlichkeiten innerhalb der Debatten um Migration an diejenigen der Wendezeit an? Welche Rolle spielen die Kategorien Ost und West heute?

    Download: via AArchiv (mp3; 184 MB; 1:20:34 h)

5.) Die Wohnungsfrage(n) in Ostdeutschland

- zwischen sozialer Ungleichheit und politischem Autoritarismus. Im Doppelvortrag skizziert zunächst Elisa Gerbsch grob die Ursprünge der Wohungsfrage im 19. Jahrhundert, um dann auf die Wohnungsverhältnisse (und damit verbundene soziale Segregation) in der DDR einzugehen. Basierend auf einer kurzen (polit-ökonomischen) Rekonstruktion der Wendezeit beschreibt sie dann die Besonderheiten der Wohnungsfrage in Ostdeutschland nach 1991. Dass die Wohnungsfrage sich in Ostdeutschland besonders verschärft darstellt, ist ihres Erachtens vor allem auf politische Entscheidungen zurückzuführen. In seinem Vortragsteil geht dann Paul Zschocke auf das Fallbeispiel Leipzig-Grünau ein. Er stellt einen Zusammenhang zwischen sozialer Segregation und rassistischen Mobilisierungen in Grünau her, wobei er zunächst allgemein auf Thesen zum Zusammenhang von „Rechtsruck“ und sozialer Entwicklung eingeht. Er schildert dann die Entstehung des Stadtteils Leipzig-Grünau und dessen Veränderung in der Wendezeit. Der Vortrag bricht dann nach etwa 20 Minuten leider ab (ein Interview zum Thema von Radio Corax wird folgen).

Die Suche nach Antworten auf die Wohnungsfrage aus sozialistischer Perspektive fand mit der Wende ihr jähes Ende. In den 1990er Jahren breitete sich eine Landschaft schrumpfender Städte aus. Erst in den 2000er Jahren gelang es der politischen Ökonomie Ostdeutschlands Städten wie Dresden, Leipzig oder Jena eine neue Anziehungskraft zu verleihen. Die revitalisierten Wohnungsmärkte leben jedoch von einem dauerhaften Verdrängungsdruck. In der Folge entsteht in den ostdeutschen Städten eine Wohnungsfrage von neuem Charakter.

Die Großwohnsiedlung galt ihren Erbauern in der DDR als architektonische visionäre Umsetzung sozialistischen Wohnens und Lebens. Nach 30 Jahren Transformation erfüllt sie jedoch eine gänzlich andere Funktion im städtischen Gefüge ostdeutscher Groß- und Mittelstädte. Am Fallbeispiel Leipzig-Grünaus wird verdeutlicht, wie dieser Funktionswandel einherging mit einer Abwertung von Lebensweisen, dem Aufkommen neuer städtischer Konflikte und der Zunahme gegenwärtiger autoritär-populistischer Potentiale.

    Download: via AArchiv (mp3; 159 MB; 1:09:50 h)

6.) Ostdeutschland und kein Ende?

- Gesellschaftliche Realitäten 30 Jahre nach der Wiedervereinigung. Im Abschlusspodium ging es noch einmal darum, nach den Spezifika ostdeutscher Erfahrung zu fragen. These ist dabei, dass die Erzählungen über die Wendezeit von einer westdeutschen Perspektive dominiert werden und dadurch emanzipatorische Bestandteile der Wendebewegung verschüttet werden. Am Podium nahmen einerseits OrganisatorInnen der Tagung, andererseits Vortragende teil: Stefan Meyer (Aufbruch Ost) Carolin Krahl (Autorin, Politisch Schreiben) und Emiliano Chaimite (DaMigra, Dresden) – für die OrganisatorInnen: Elisa Gerbsch und Paul Zschocke.

    Download: via AArchiv (mp3; 223.7 MB; 1:37:44 h)

Ergänzend zum Thema: Reihe der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff.

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Wendefokus. Gespräche zum Scheitern des real existierenden Sozialismus

Nachdem wir bereits auf die Sendungen von Radio Glasnost verwiesen haben; ein weiterer Beitrag, der die Frage aufwirft, warum und wie ein Gesellschaftsprojekt, das sich die menschliche Emanzipation von allen Verhältnissen, in denen „der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtetes Wesen ist“ (Marx), auf die Fahnen geschrieben hatte am Ende für den einzelnen Menschen selbst ein so hohes Maß an Erniedrigung, Knechtschaft, Verachtung und in einigen Fällen gar Vernichtung bedeuten konnte. Radio Corax führte in den letzten Monaten knapp 100 Gespräche, die interessante Einblicke in die Vorstellungen einer notwendigen Veränderung der Verhältnisse in der DDR geben. Dokumentiert wird dies unter dem Namen „Wendefokus“. Einige Interviews daraus sind auch für das Audioarchiv von Interesse und sollen hier dokumentiert werden.

Thomas Kupfer

…war Wegbereiter von Radio Corax, der weit vor 1989 Kritiker der DDR-Staatsdoktrin und im Herbst 1989 Mitbegründer der »Initiative für eine Vereinigte Linke« war. Vor 1989 hat er die Geschichte des Kommunismus und der linken Intellektuellen für sich aufgearbeitet und beschreibt die Zeit um das Jahr als eine „grandiose“. „Die Erfahrung eines – auch noch weitgehend gewaltfrei hervorgerufenen – Umbruchs kann ich nur jedem wünschen. Das ist ein grandioses Erlebnis und sollte viel häufiger passieren.“ Im August 2009 verstarb Kupfer vollkommen überraschend. Wenige Wochen zuvor sprach Ralf Wendt mit ihm.

    Download: via AArchiv (mp3)

Alexander Pehlemann

…war bei der Armee, auf einer Offiziersschule in der tiefsten Provinz, und erlebte als 21-jähriger „kaserniert“ die sogenannte Wende. Stark beeinflusst von (sub)kulturellen Bewegungen, erlebte Pehlemann die Ereignisse um das Jahr 1989 persönlich als „Zusammenbruch und Implosion“. Gesellschaftspolitisch nennt er es eine „demokratische Konterrevolution“ – auch weil die Idee des Kommunismus von den Machthabern der real existierenden sozialistischen Staaten de facto kaum verfolgt wurden sei.

    Download: via AArchiv (mp3)

Friedemann Rösel

…arbeitete, als studierter Ingenieur, ab 1972 in Leuna und wohnte in Halle-Neustadt. Bereits im zweiten Lehrjahr gab es erste Konfrontationen mit den Parteioberen. Rösel begreift sich selbst – auch heute – als kritischer Marxist, der bereits früh die DDR kritisierte: Rösel „war für den Marxismus“, aber gegen die SED-Bürokratie: Die DDR sei ein „vom Kapitalismus befreiter Staatsmonopolismus“ gewesen.
Rösel war philosophisch interessiert und agierte in einem Literaturzirkel, der sich – mehr oder wenig offen – kritisch mit den bestehenden Verhältnissen auseinander setzte. Zusammen mit Lothar Rochau (und drei weiteren Personen, wovon einer IM der Staatssicherheit war), stellte Rösel die DDR Realität offen in Frage und betrieb politische Studien zu alternativen Sozialismuskonzepten. Es ging der Gruppe darum „freie Kommunikationsrunden“ einzurichten. 1981 wurde Rösel, der sich an den Schriften Rudolf Bahros orientierte und abarbeitete, verhaftet und zu 2 1/2 Jahren Haft verurteilt. Rösel beschreibt seine Erfahrungen: im Widerstand, um den politischen Prozess gegen die Gruppe, das Verweigern einer offenen Auseinandersetzung in der DDR, Rösels heutiges Festhalten an der marxistischen Theorie, sowie die Aktivitäten und Deutungen der Ereignisse um das Jahr 1989.

    Download: via AArchiv (mp3)

Torsten Hahnel

… war 1989 20 Jahre alt und Punk. Über die Subkultur formierte sich bei Hahnel eine stark distanzierte Haltung zum Staat, die durch das restriktive Auftreten der Repräsentanten noch radikalisiert wurde. Hahnel, dessen Kritik an der real existierenden DDR gravierende persönliche Folgen hatte, beteiligte sich früh an den Demonstrationen in Leipzig, die er allerdings schon bald aus Gründen nicht mehr aufsuchte. Hahnel verweist darauf, dass der Begriff „Wende“ von Helmut Kohl bereits 1982 geprägt worden sei und eine Hinwendung zu konservativen Werten bezeichnete, was wiederum beim Blick auf die Ergebnisse der Ereignissen um 1989 passend sei. Heute engagiert sich Hahnel, wie bereits um das Jahr 1989, aktiv gegen nationalistisches Denken und Handeln in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus.

    Download: via AArchiv (mp3)

Lothar Rochau

…wurde als evangelischer Diakon in eine „fast atheistische Stadt“ (Halle-Neustadt) berufen. Dort sammelte sich um Rochau schnell ein junges, intellektuelles Umfeld, welches offene Diskussionen (unter anderem Bücher wurden Bücher von Erich Fromm und George Orwell gelesen) führte und so schnell ins Blickfeld der Staatsmacht kam. Auch der Kirche waren die alternativen Lebensentwürfe für einen anderen, besseren Sozialismus „mit menschlichen Antlitz“ ohne autoritäre Vorschriften zunehmend suspekt. Rochau selbst wurde kriminalisiert, vor dem obersten Gericht der DDR angeklagt, verurteilt, ins Zuchthaus verfrachtet und 1983 gegen seinen Willen aus der DDR Zwangsabgeschoben: „Mir war zum heulen, ich fühlte mich beschissen.“ Rochau musste in die BRD, wo er weiter aktiv war, um zum schnellstmöglichen Zeitpunkt wieder in die sich auflösende DDR („Eine Sternstunde der Menschheit“) zurückzukehren. Denn: „Man konnte nicht alles der CDU überlassen“.

    Download: via AArchiv (mp3)

Jan Weien

… studierte bis 1989 wissenschaftlichen Kommunismus in Moskau, im August 89 trat er eine Stellung am Lehrstuhl für Geschichte sozialistischer Utopien an der Uni Leipzig an und verliess nach der sogenannten Wende den “Elfenbeinturm Universität”, um für unterschiedliche Firmen in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Weiterbildung tätig zu werden.

    Download: via AArchiv (mp3)

Ralf Wendt

…war 1989 – nachdem er den von oben bestimmten Ausbildungsweg verweigerte- in einem Antiquriat tätig und nutzte dies unter anderem um die verkauften Bücher in Flugblättern zu verpacken. In Oppositionskreisen war Wendt als „rot verschrien“ und erlebte immer wieder das die DDR zwar ein statisches System war, aber in diesem immer wieder Diskussionen möglich waren, die ihm Hoffnung auf eine emanzipatorische Gesellschaft machten. Wendt nennt die Ereignisse schlicht „89″: Der Zusammenbruch der sozialisitischen Idee sei tragisch. Zum hier und da bemühten Wort des Umbruchs, fügt Wendt an; das sei etwas, was immer wieder passieren müsse. Analog zur Landwirtschaft; Einmal im Jahr gelte es die bestehenden Verhältnisse umzupflügen. Wendt koordiniert heute das Programm des freien Radios Corax in Halle und führte selbst einige Interview im Wendefokus.

    Download: via AArchiv (mp3)
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Radio Glasnost. Historische Aufnahmen der (linken) DDR Opposition.

Es sind historische Dokumente, mit deren Hilfe einmal mehr der Frage nachgegangen werden kann, warum und wie ein Gesellschaftsprojekt, das sich die menschliche Emanzipation von allen Verhältnissen, in denen „der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtetes Wesen ist“ (Marx), auf die Fahnen geschrieben hatte am Ende für den einzelnen Menschen selbst ein so hohes Maß an Erniedrigung, Knechtschaft, Verachtung und in einigen Fällen gar Vernichtung bedeuten konnte. Wir dokumentieren Radiosendungen des Berliner Radios 100 – ein an internen Auseinandersetzungen zerriebenes Radioprojekt, welches zwischen 1987 und 1991 auch Plattform Autonomer Gruppen in Berlin (West) war. Radio 100 strahlte einmal im Monat Radio Glasnost aus. Für diese Sendung wurden illegal in der DDR aufgenommene Redebeiträge und Interviews nach West-Berlin gebracht. Wir dokumentieren also einen – von Ilona Marenbach moderierten – einzigartigen Versuch die Widersprüchlichkeit der damaligen (DDR) Wirklichkeit abzubilden; Beschreibungen, die von den vermeintlichen „Siegern der Geschichte“, aber auch von „DDR Nostalgikern“ heute gern verschwiegen werden.

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Die Befreiung von der Knechtschaft?

1. Es ist eine Weile her, aber ich möchte die Dokumentation der Leipziger Veranstaltungsreihe »Das Ende des Kommunismus« vervollständigen, indem ich auf den recht kurzen – und im Redestil etwas spröden – Eröffnungsvortrag von Diethard Behrens zur Geschichte der Russischen Revolution und über den Begriff des Stalinismus hinweise. (Oktober 2010)

    Download: nachbearbeitet via AArchiv (0:40 h, 14 MB)
    Vortrag ohne Diskussion, dafür mit Vorrede einer der Veranstalter_innen. Die Nachbearbeitung ist kleiner und um ein störendes Hintergrundgeräusch bereinigt, dass die Originaldatei (75 MB) enthielt [via].

Ankündigungstext und Referenteninfo:

Der revolutionäre Standpunkt des 20. Jahrhunderts war von der Einsicht in die Notwendigkeit eines grundlegenden Umsturzes geprägt, der die Menschheit dem Diktat der kapitalistischen Akkumulation entreißt, weil erst dann die Befreiung des Menschen möglich wäre. In der offiziellen Weltanschauung der Sowjetunion setzte sich die Annahme durch, dass dies wiederum nur mit Hilfe eines politisch beschlossenen und durchgesetzten Plans zu erreichen wäre. Die Folgen sind durch die vielzählig entstandenen Planungsbürokratien unter der Diktatur der kommunistischen Parteien weitestgehend bekannt: Die Teilhabe der arbeitenden Klasse an den Produktionsmitteln verkam zur propagandistischen Farce, während die Reglementierung des wirtschaftlichen und politischen Lebens immer umfassender wurde. Bereits Lenin wich von der marxschen Auffassung der kommunistischen Bewegung als »selbständiger Bewegung« ab. Stattdessen sollte die Partei als Avantgarde – als »Vorhut der Arbeiterklasse« – stellvertretend die Diktatur des Proletariats durchsetzen und die Revolution durchführen. Der Sinn der Eroberung der staatlichen Macht sei lediglich die Verwaltung der Produktionsmittel und die notwendige Unterdrückung der einst herrschenden Klasse. Schließlich sollte der in einer Übergangsphase noch existierende Staat die vollkommenste Form der Demokratie darstellen.
Neben der Niederschlagung des Kronstädter Aufstands der Matrosen gibt es unzählige Beispiele, die zeigen, dass staatliche Repressionen schon unter der Führung Lenins weit über den »Klassenfeind« hinausreichte. Die Befreiung des Menschen von der Knechtschaft war schon bei Marx mit der Abschaffung des bürgerlich-kapitalistischen Individuums verbunden. Mit dem Fortschreiten der kommunistischen Revolution wurde hieraus mehr und mehr die Abschaffung von Individualität, die Zerstörung des Individuums und schließlich die Entrechtung, Unterdrückung und Ermordung von Millionen Menschen im Stalinismus.
Sind damit diese Entwicklungen der Parteidiktatur und der Auflösung der Individuen in den marxschen Grundlagen vielleicht schon angelegt? Wurde Marx von seinen Nacheiferern vielleicht weder missverstanden, noch – wie man immer wieder hört – »missbraucht«?
Vor diesem Hintergrund ist es besonders problematisch, dass gerade in den letzen Jahren der Leninismus immer dann Auftrieb bekam, wenn es um die Frage einer übergreifenden politischen Bewegung ging. Linke Theoretiker wie Slavoj Žižek und Alain Badiuo wollen mit Bezug auf Lenin eine unzweideutig radikale Position einnehmen. Der provozierende, »gegen seine liberalen Verleumder« gerichtete Rekurs auf Lenin sei dem »unbedingten Willen« geschuldet die Situation auch wirklich grundlegend zu verändern. Nach den Erfahrungen des Verlaufs der Revolution muss sich jedoch zwingend die Frage gestellt werden, ob die – in Rückgriff auf Lenin – Eroberung der Macht zur radikalen Umwälzung der Verhältnisse nicht zwangsläufig zur Verewigung von Machtverhältnissen und Unterdrückung führt.

Diskussionsveranstaltung mit Diethard Behrens
Montag 11. Oktober 2010 Conne Island, Koburger Str. 3, 19:30 Uhr
Diethard Behrens ist Autor zahlreicher Publikationen zum Marxismus, Mitbegründer der Karl-Marx-Gesellschaft und Lehrbeauftragter der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/M.

2. Vollständig ist die Dokumentation natürlich nur zusammen mit der Abschlussveranstaltung vom November 2010. Diese bestand in einer Diskussionsrunde mit Alex Demirović sowie Mitgliedern der Gruppe [pæris] und der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff. Gegenstände der Diskussion waren die Möglichkeit einer Planwirtschaft, Organisationsfragen wie auch die Frage nach den grundsätzlichen Zielen einer sozialen Revolution (wenn ich mich recht erinnere).

Ankündigungstext:

Abschließende Veranstaltung der INEX-Reihe zur linken Kritik am Stalinismus

Zum Abschluss der Reihe widmet sich dieses Podium der Kritik am Stalinismus und ihrer Relevanz für radikal linke Positionen.
Bei der Analyse des Realsozialismus und des Stalinismus stößt man immer wieder auf Vergleiche mit dem Nationalsozialismus. Angesichts der Tatsache, dass beide Systeme ähnliche Elemente der Herrschaft enthalten, entwickeln sich oft totalitarismustheoretische Positionen, die eine Wesensverwandtschaft betonen. Unabhängig von der politisch antikommunistischen Instrumentalisierung, stellt sich trotzdem die Frage, ob der Vergleich nicht schon deshalb wenig aussagekräftig ist, weil bisher, in den meisten Totalitarismustheorien, ausschließlich staatliche Herrschaftsstrukturen unter die Lupe genommen wurden? Somit wurden wesentliche Merkmale, wie die ideologische Durchdringung, als Fundament der Herrschaft, oder der Grad der Identifikation der Einzelnen mit dem jeweiligen System außen vor gelassen? Dagegen interpretieren viele radikale Linke den Stalinismus zum Lektürefehler, zum gescheiterten Experiment und lehnen nahezu jede Relevanz für ihr eigenes Streben nach der freien Assoziation freier Individuen ab. Andere unterscheiden einfach zwischen Sozialismus und Kommunismus, oder gar zwischen zwei Typen derselben Idee, einzig unterschieden durch ihre Schreibweisen – mit »K« oder mit »C«. Dabei wird oftmals die Frage vernachlässigt, ob es überhaupt möglich ist, frei vom realen Sozialismus, an die Idee des Kommunismus anzuknüpfen. So oder so steht die radikale Linke von heute viele stärker im Schatten des Realsozialismus, als sie sich bewusst ist. So zeugt z.B. die positive Bezugnahme auf Symbole des Sowjetkommunismus, die bei antifaschistischen Aktionen immer wieder zu beobachten ist, von einer fehlenden Auseinandersetzung mit den konkreten historischen Verhältnissen.

Podiumsdiskussion mit Alex Demirovic, der Gruppe [pæris] und der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff (INEX)
am Dienstag, 23.11.2010 im Conne Island, Koburger Str. 3. 19:30 Uhr

Die Veranstaltungsreihe wird durch den Stura der Uni Leipzig und die Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert und vom Conne Island unterstützt.

Ankündigungstext der VA-Reihe: (mehr…)

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Die Tragödie des Sowjetstaates

Anknüpfend an die letzte Ausgabe und passend zu den aktuellen »Kommunismus«-/Stalinismus-Debatten befasst sich Sachzwang FM in der aktuellen Ausgabe mit der nachholenden ursprünglichen Akkumulation und Industrialisierung des (nach-)revolutionären Russlands. Dr. Indoktrinator verliest folgende, teilweise gekürzte, Texte:

Download via Audioarchiv | via MF (2 h, 41 MB)

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Wie kapitalistisch war der Sozialismus?

Am 10.11.2010 hielt Rüdiger Mats im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Das Ende des Kommunismus« (Mitschnitte siehe hier) der Gruppe Inex einen Vortrag über die Ökonomie des Realsozialismus. Er gibt einen Überblick über die Phasen der ökonomischen Entwicklung in der Sowjetunion, geht vor Allem auf die Neue Ökonomische Politik (NEP) ein und skizziert die Probleme der Produktion in der DDR. Ein zentrales Motiv des Referenten ist, aufzuzeigen, dass die Ökonomie des Realsozialismus, nach den Maßstäben der Produktivität und Effektivität bemessen, irrational gewesen ist.

Download: via FRN (61,6 MB), via Audioarchiv (20,5 MB)

  • Rüdiger Mats: Bloß eine neue Maschine aufstellen – Was man aus dem Scheitern des Realsozialismus für die linksradikale Praxis schließen kann – und was nicht (Phase 2 #34/2009)

    Ankündigungstext: (mehr…)

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  • Zur Aktualität des Kommunismus

    In Anlehnung an den Themenschwerpunkt der vorletzten Ausgabe der Phase 2 hat sich Inkasso Hasso mit mehreren mehr oder weniger bekannten TextproduzentInnen über Möglichkeit und Schwierigkeit des Kommunismus unterhalten. In dem 38-minütigen Feature kommen zu Wort: Joachim Bruhn, Lars Quadfasel, Roger Behrens, Bini Adamczak, Hannes Gießler, Renate Hürtgen und ein Mitglied der Gruppe TOP Berlin. Ein Schwerpunkt des Features liegt auf der Auseinandersetzung mit demjenigen Teil der kommunistischen Geschichte, der in einer Brutalisierung der Herrschaft des Menschen über den Menschen endete.

    Download (via frn) [52,4 MB; 38 min 8 sec; mp3; 192 kbps; stereo]

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    Perversion einer Utopie

    Deutschlandfunk Essay und Diskurs hat mal wieder eine interessante Reihe gesendet.

    1. Der sowjetische „Neue Mensch“

      Das Heilsziel eines „Neuen Menschen“ ist den Diktaturen des 20. Jahrhunderts gemein. Es hat religiöse Wurzeln und zeitigt totalitäre Konsequenzen. Im ersten Teil der Reihe befasst sich Albrecht Betz mit der stalinistischen Sowjetunion und ihrer Utopie, deren wichtigster geistiger Wegbereiter Karl Marx war.

      Download

    2. Der „Neue Mensch“ im Italo-Faschismus

      Der zweite Teil der Reihe hat den Italo-Faschismus zum Thema. Es geht um die inhumane Obsession eines elitären Übermenschen unter der Herrschaft Mussolinis. Das Ziel war eine Regeneration Italiens.

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    3. Der „Neue Mensch“ im Nationalsozialismus

      „Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ wollte Hitler seine Jugend haben. In Leni Riefenstahls Filmen wurden das hellenistische Körperideal und jenes des martialisch nordischen Helden propagiert. Die Juden wurden zum Feind der „Herrenrasse“ erklärt.

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    Je ca. 13 MB, 29 Minuten.

    Backup via MF.

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    China – ein Lehrstück

    Man könnte fast glauben, Doktor Indoktrinator sei zum »GegenStandpunkt« übergelaufen. Denn abermals kommt in Sachzwang FM eine GSP-Autorin zu Wort. Es ist wie in der letzten Sendung über China Renate Dillmann mit einem Vortrag zur Kritik des chinesischen »Kommunismus«: »Ein Lehrstück über alten und neuen Imperialismus, einen sozialistischen Gegenentwurf und seine Fehler, die Geburt einer kapitalistischen Gesellschaft und den Aufstieg einer neuen Großmacht« (2009).

    Die Tonqualität ist mäßig. Der Vortrag ist nicht ganz frei von der nervigen GSP-Rhetorik und -Methode, aber in seiner Kritik durchaus treffend.

    Download via Mediafire, via AArchiv (2 h, 41 MB)

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    Marx-Woche beim Hörsaal

    Der Hörsaal hat im Mai ausgerechnet den Bundesparteitag von Die Linke zum Anlass genommen, alte Vorträge über Karl Marx zu senden.

    1. In der ersten Sendung kamen Hannah Arendt und Franz Borkenau zu Wort. Erstere mit dem Vortrag »Von Hegel zu Marx« (1953), letztgenannter mit einem Beitrag zum Weg »Von Marx zu Lenin« (1956).
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    2. In der zweiten Sendung ist zunächst ebenfalls Franz Borkenau zu hören mit dem Referat »Mensch und Gesellschaft bei Karl Marx« (1950), anschließend der erste Teil der Rede »Karl Marx und die Gegenwart« (1968) von Siegfried Landshut.
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    3. Die dritte Sendung beinhaltet die Fortsetzung von Landshuts Beitrag sowie den aktuellen Vortrag »Scheidewege der deutschen Geschichte: Die doppelte Staatsgründung 1949«
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    4. Die letzte Sendung des Zyklus behandelt die DDR: »Wiederaufbau und Industrialisierung in beiden deutschen Staaten« von Franz-Josef Brüggemeier und »Die Wende: Fakten, Probleme und Perspektiven« von Jürgen Kocka.
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    Die Sendungen sind je etwa 40 bis 50 Minuten lang und 18 bis 23 MB groß.

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    »Wolf Biermann – Der ›Troubadour der deutschen Zerrissenheit‹«

    Einstündiges Feature des Bayrischen Rundfunks. 52 MB

    13. November 1976 – Wolf Biermann singt in der ausverkauften Kölner Sporthalle vor über 7.000 Menschen das Konzert seines Lebens. Streitet und diskutiert für einen Kommunismus mit „menschlichem Antlitz“. Verteidigt und kritisiert eine DDR, die er für eine große, kostbare Errungenschaft hält.

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    Antisemitismus & Krise

    *Update*: Der Beitrag wurde überarbeitet, die Links stimmen wieder.

    *Update*: Leider sind die EAG-Links schon wieder tot; die MF-Links ebenso. Die Referate sind aber via AArchiv weiter verfügbar.

    Die Emanzipative Antifaschistische Gruppe aus Berlin stellt die Audioaufzeichnungen der von ihr und der Gruppe Disparat organisierten Veranstaltungsreihe »Antisemitismus und Krise« zum Download bereit.

    Die verlinkten nachbearbeiteten Dateien sind etwas lauter, z.T. von Störgeräuschen bereinigt und von derselben Größe wie die Originale.

    1. Martin Dornis: Möglichkeit, Wirklichkeit und Permanenz der Krise – von der gewaltförmigen Vergleichung zum Massenwahn
    Dornis‘ Vortrag ähnelt stark seinen übrigen Referaten aus der letzten Zeit. Ankündigungstext:

    Der Kapitalismus trägt sowohl das Moment der Krise, als auch das der Ideologie, die sich in der Krise bis zum Massenmord zuspitzen kann, von Anbeginn in sich. Warum nicht der Kommunismus, sondern die nationalsozialistische mörderische Krisenlösung in der Logik der Warengesellschaft angelegt ist, soll begründet werden. Vor diesem Hintergrund soll im Vortrag über grundlegende Zusammenhänge von kapitalistischer Gesellschaft, politisch-ökonomischer Krisen, Staat und ideologischer Verarbeitung diskutiert werden.

    Download: Referat (1:20 h, 18 MB, mp3) – Diskussion via EAG, via AArchiv (0:44 h, 10 MB, mp3)
    Nachbearbeitet: Referat via AArchiv, via MF

    2. Gerhard Stapelfeldt: Neoliberalismus und Antisemitismus  - Hörenswert
    Sehr empfehlenswert!
    Ankündigungstext:

    Der Neoliberalismus tritt nicht antisemitisch auf; offen antisemitische Äußerungen wird man im Werk des Hauptes der neoliberalen Theorie, Friedrich August von Hayek (1899-1992), nicht finden. Aber der Antisemitismus ist kein Bewußtes, sondern ein Gesellschaftlich-Unbewußtes. Darum ist der Antisemitismus allererst nicht in Rücksicht auf das Judentum zu erklären, sondern als unbewußte gesellschaftliche Projektion. Diese freilich benötigt eine Projektionsfläche, die der unbewußten Übertragung Plausibilität verleiht: nicht jeder Mensch, nicht jede soziale Gruppe ist als eine solche Fläche geeignet. So ist der Antisemitismus gesellschaftlich unbewußt, zugleich keine pure Willkür: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ (Adorno) Der Antisemitismus bedurfte der Juden, aber er vermag sich auch zu erhalten, ohne daß empirisch auf Juden verwiesen werden könnte. Umgekehrt ist der Antisemitismus auch ohne of-fen antisemitische Charaktere möglich. Der Neoliberalismus nun ist die Apologie des unbewußten Allgemeinen. Daraus folgt sein kategorischer Imperativ: Anpassung an die undurchschauten Mächte der Tradition; daraus folgt seine Negation und Diffamierung aller Gestalten gesellschaftlicher Utopien; daraus folgt seine Individualisierung gesellschaftlicher Verhältnisse. In dieser Konstellation von neoliberalen Basisdogmen besteht eine Wahlverwandtschaft zwischen dem neuen Liberalismus und dem Antisemitismus. Vor allem in Zeiten der Krise droht diese Nähe in einer manifesten Praxis zu erscheinen. Die Aufklärung dieses Zusammenhangs hat sich vor einem allzu umstandslosen Vergleich des Neoliberalismus mit dem Nationalsozialismus, vor einer Verhöhnung der Opfer des nationalsozialistischen Staatsterrors zu hüten. Sie hat aber ebenso die neoliberale Verdrängung des Terrors zurückzuweisen, die schon kurz nach 1945 im Dogma von der ‚Stunde Null’ einsetzte. Seit Freud ist bewußt, daß jede Verdrängung die „Wiederkehr des Verdrängten“ impliziert; die „Wiederkehr“ ist jedoch keine Wiederholung, sondern die Erscheinung des Verdrängten unter veränderten Verhältnissen.

    Download: via AArchiv, via EAG, via MF (1:31 h, 21 MB, mp3)

    3. Ljiljana Radonic: Finanzkapital, USrael und Antisemitismuskeule – Eine Einführung in die Antisemitismustheorie
    Ankündigungstext:

    Pflegt man in der Wirtschaftskrise dem Finanzkapital die Schuld an der Misere zu geben, so ist die Trennung von „raffendem“ und „schaffenden“ Kapital nicht weit. Warum schon dieser Verfolgungswahn eine für den Antisemitismus charakteristische pathische Projektion ist, soll hier ebenso aufgezeigt werden, wie danach gefragt werden soll, warum verkürzte Kapitalismuskritik, Antizionismus und Antiamerikanismus zu einem „neuen Antisemitismus“ geführt haben, bei dem sich rechtsextreme, linke und islamistische Parolen plötzlich aufs Haar gleichen.

    Download: Referat (0:55 h, 13 MB, mp3) – Diskussion (0:39 h, 9 MB, mp3)
    Nachbearbeitet: Referat via AArchiv, via MF

    4. Stephan Grigat: Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer Bedrohung für Israel
    Ankündigungstext:

    Der Vortrag analysiert Geschichte und Gegenwart der iranischen Diktatur und setzt sich mit dem Verhältnis Europas, insbesondere Deutschlands und Österreichs, zum Iran auseinander. Betrachtet wird die innenpolitische Lage im Iran, der Terror der Teheraner Mullahs gegen die iranische Bevölkerung sowie das geheime Atomprogramm des Iran und die Vernichtungsdrohungen gegen Israel.

    Download: Referat (0:58 h, 13 MB, mp3) – Diskussion (1:14 h, 17 MB, mp3)
    Nachbearbeitet: Referat

    5. Luise Schirmer: »Stalin hat uns das Herz gebrochen« – Antisemitismus in der DDR
    Ankündigungstext:

    Einem von rechter Seite stark besetzten Thema soll eine linke Perspektive entgegengesetzt werden, die einen differenzierten Blick auf die diversen Erscheinungsformen des Antisemitismus in der Politik der SED, aber auch in der DDR-Bevölkerung ermöglicht.

    Download: Referat (0:38 h, 9 MB, mp3) – Diskussion (0:46 h, 11 MB, mp3)
    Nachbearbeitet: Referat via AArchiv, via MF

    6. Tanja Kinzel: Sexismus und Antisemitismus  - Hörenswert
    Guter, historisch fundierter Überblick über die Entwicklung juden- und frauenfeindlicher Ideologeme in der bürgerlichen Gesellschaft. Ankündigungstext:

    Sexismus, Rassismus und Antisemitismus sind konstitutiv mit der Durchsetzung der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft verbunden. Grundlagen dieser Einstellungen lassen sich historisch an der Entwicklung und Beantwortung der “Frauenfrage” und der “Judenfrage” nachvollziehen: In antisemitischen Stereotypen verschmelzen frauenfeindliche Sexualfantasien mit rassistischen Bildern. Im Vortrag geht es um die historischen Entwicklungen und Verschränkungen von Geschlechtsbildern und antisemitischen Vorstellungen – und die Frage, inwiefern diese Bilder heute noch aktuell sind.

    Download: Referat (1:00 h, 14 MB, mp3), Diskussion (0:17 h, 4 MB, mp3)
    Nachbearbeitet: Referat via AArchiv, via MF
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    Die Menschen und der Terror

    Alex wies mich, dafür sei ihm an dieser Stelle ausdrücklich gedankt, auf eine neue Sendung vom Deutschlandradio hin, die alte Vorträge bspw. von Bloch und Marcuse sendet: Dradio Wissen – Hörsaal. Als erstes möchte ich aber die Sendung »Die Menschen und der Terror« empfehlen. Darin sind zwei Aufzeichnungen von 1953 zu hören. Zum einen ein Radiogespräch zwischen Eugen Kogon, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Die drei Professoren gehen von den Begriffen der Angst, der Neurose und der Verdrängung aus und kommen dann u.a. auf Phänomene totalitärer Herrschaft, Anpassung, Nationalismus und Verdinglichung zu sprechen.
    Zum anderen wird ein Vortrag Hannah Arendts verlesen, in dem es um den Terror totalitärer Herrschaft (insbesondere des Stalinsmus) geht.

    Download (mp3, mono, 64 kBit/s, 25 MB)

    Als Beigabe sei auf das Radiogespräch zur »Krise des Individuums« hingewiesen, das in gleicher, o.g. Besetzung (Adorno, Horkheimer, Kogon) geführt wurde. (mp3, 18 MB)

    (Weitere Sendungen folgen)

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    Öffentlich-Rechtliches (8)

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    Robert Kurz vs. Harry Nick: Zur (Un-)Möglichkeit einer sozialistischen Warenproduktion

    Der Wert-Abspaltungskritische Lese- & Diskussionskreis Berlin dokumentiert eine Veranstaltung, die kürzlich das Verhältnis von Warenproduktion bzw. Marktwirtschaft und Sozialismus thematisierte. Dabei trafen, vorgetragen von »EXIT!«-Redakteur Robert Kurz auf der einen und dem ehemaligen DDR-Ökonomen Prof. Dr. Harry Nick auf der anderen Seite, zwei konträre Ansichten auf einander: Während Kurz in zahlreichen Schriften das Projekt des sog. real existierenden Sozialismus als eines der nachholenden (staats)kapitalistischen Modernisierung gekennzeichnet und auf die Unmöglichkeit einer dauerhaft erfolgreichen (wie auch immer verstanden) „sozialistischen“ Moderation kapitalistischer Kategorien verwiesen hat, plädierte Nick schon „zu Ostzeiten“ (wie es im Osten heißt) für eine stärkere Öffnung der DRR-Wirtschaftspolitik für marktwirtschaftliche Regulationsmechanismen, beispielsweise durch die Nutzung von Geld ohne dessen Kapitalfunktion.
    Moderiert wurde die vom »Helle Panke« e.V. veranstaltete Diskussion von Prof. Dr. Klaus Steinitz. Sie wurde als Video aufgezeichnet; dieses kann via Megaupload in Gänze heruntergeladen werden. Anzuhören und als mp3-Download verfügbar ist die Aufzeichnung beim o.g. Lesekreis.

    Die Audiodateien sind auch hier verfügbar (in einem oder in drei Stücken) und die beiden Referate von Kurz und Nick als Video bei vimeo anzuschauen.

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