Tag-Archiv für 'roger-behrens'

Elemente des Poststrukturalismus und seiner Kritik

Das sicherste Erkennungsmerkmal von Poststrukturalist_innen ist ihr Insistieren darauf, dass es den Poststrukturalismus gar nicht gebe. Mit ihrer redundanten Betonung des Vielfältigen, Kontingenten, Differenten und Flüchtigen verbinden sie den Anspruch, ein vereinheitlichendes Denken zu überwinden, das im Vollzug seines Universalitäts- und Objektivitätsanspruchs dem Einzelnen Gewalt antue. Diese Stoßrichtung lässt es plausibel erscheinen, den Poststrukturalismus in die Nähe kritischer Gesellschaftstheorie zu rücken, welche ebenfalls Identitätszwang und Rationalität als Resultate wie auch als Triebfedern einer historischen Entwicklung problematisiert, die in Gestalt der Shoah die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte ermöglicht hat. Grund genug, einen weiteren1 Blick auf dieses Denken zu werfen und auf seine Eigenarten, die es trotz scheinbarer oder tatsächlicher Übereinstimmungen von kritisch-dialektischer Theorie trennen.

1. Poststrukturalismusmen: Einführung von Gesa Mayer und Christian Schütze

Die Weigerung, poststrukturalistische Theoretiker_innen als Vertreter_innen des vermeintlich homogenen Poststrukturalismus zu präsentieren, bildet auch den Ausgangspunkt von Gesa Mayer und Christian Schütze, die als Kenner_innen und Sympathisant_innen der französischen Philosophie in Hamburg eingeladen waren, die Intros-Reihe mit einer Einführung zu dieser Strömung fortzusetzen. Sie widmeten sich jeweils überblicksweise poststrukturalistischen Denkern und den jeweils möglichen politischen Anschlüsse an deren Theorien (siehe Ankündigungstext unten). Auf die stinklangweiligen Thesen zu »post-autonomen Politiken«, mit denen der Vortrag endete, folgte eine wenig zielführende Diskussion, die wie üblich ebenfalls dokumentiert ist. Wie es sich gehört, waren Adorniten anwesend, die teils lediglich identitär motiviert, teils aber auch mit durchaus treffenden Einwänden (unter ihnen Roger Behrens), Kritik am Vorgetragenen äußerten. Zu einer richtigen Auseinandersetzung z.B. über das Verhältnis von Diskursanalyse und Ideologiekritik kam es ebenso wenig wie zu einer Diskussion über die Differenz von Dialektik und Dekonstruktion. Interessant fand ich allerdings eine Wortmeldung, in der der »antideutschen« PoMo-Kritik über regelrecht peinliche Unkenntnis ihres Kritikgegenstands hinaus eine unbemerkte inhaltliche Übereinstimmung mit Habermas vorgeworfen wurde (Ausschnitt siehe unten). Was den Vortrag betrifft, ist der in ihm gegebene Überblick recht brauchbar. Zumindest bin ich mir jetzt sicher, dass eine Beschäftigung mit Deleuze/Guattari sich weit weniger lohnt als eine mit Foucault.

DEN Poststrukturalismus gibt es nicht – wohl aber diverse, z.T. sehr unterschiedliche Theorieperspektiven, die als „poststrukturalistisch“ bezeichnet werden. Bei all ihrer Heterogenität ist den meisten Poststrukturalismen gemeinsam, dass sie die wirklichkeitserschaffende Kraft der Sprache betonen und sich besonders für Brüche und Diskontinuitäten (z.B. in Geschichte, Diskursen und Subjekten) interessieren.
In unserem Vortrag möchten wir die Ansätze der einflussreichen Poststrukturalisten* Michel Foucault, Jacques Derrida und Gilles Deleuze/Félix Guattari vorstellen und aufzeigen, welche Anknüpfungspunkte und Potenziale sie für linke Politiken bieten:

  • Welche Perspektiven eröffnet Foucaults kritische Analytik der Produktivität von Macht-Wissen im Vergleich zu Ideologiekritik und Repressionshypothesen? Wozu dient eine Lokalisierung von Techniken der (Selbst-)Regierung auch jenseits von staatlicher Herrschaft?
  • Wie lässt sich eine Subversion hierarchischer Gegensätze wie Männlich-Weiblich, Hetero-Homo, Gesund-Krank mit Derridas Konzept der Dekonstruktion betreiben? Welchen Beitrag leistet sein Begriff der Iterabilität zur Bestimmung der Möglichkeiten von (Un-)Doing Gender und aneignender Resignifizierung diskriminierender Sprache?
  • Wie kommt Deleuzes und Guattaris Theorie der De- und Re-Territorialisierung in post-operaistischen Konzepten wie denen der Multitude und des Empire zum Tragen? Welche Rolle spielt ihr Begriff des Begehrens für die Erfindung neuer Formen der Vernetzung und der Dissidenz?
  • Und: Was sind post-autonome Politiken?

Gesa Mayer promoviert in Soziologie an der Universität Hamburg zur Wirkungsmächtigkeit und Dekonstruktion der Monogamie-Norm.
Christian Schütze promoviert in Philosophie an der Freien Universität Berlin zur aneignenden Resignifizierung diskriminierender Sprache.

Hamburg, 7. Februar 2013.

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2. Roger Behrens mit einigen Bemerkungen zur poststrukturalistischen Theoriemode am Beispiel von Gilles Deleuze

In der Ausgabe der Freibaduniversität vom August 2007 geht Roger Behrens u.a. dem Umstand nach, dass Deleuze und andere Poststrukturalisten, bei denen der Begriff des Subjekts (und sei es als dekonstruierter) ja durchaus zentral ist, hinter die klassischen Subjekt-Philosophien von Kant, Hegel, Marx auf die rationalistisch-mechanistische Philosophie der Barockzeit (Spinoza, Leibniz) zurückgehen. Nach einigen Exkursen u.a. in die Musik diagnostiziert er Deleuze Idealismus, Geschichtslosigkeit und eine Ontologie der Differenz.

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3. La douce France? Birte Hewera über Jean Amérys zweite geistige Heimat zwischen Revolution und ewigem Stillstand

Birte Hewera geht in ihrem, der Thematik nach keineswegs neuen2, Vortrag der Strukturalismuskritik Jean Amérys nach, in ein paar Punkten aber auch über diese hinaus, indem sie Zitate anderer Kritiker des (Post-)Strukturalismus einarbeitet (z. B. François Dosse, Manfred Frank, Alfred Schmidt). Im Mittelpunkt steht, neben Lévi-Strauss, Foucault, der, Améry folgend, dem Strukturalismus zugeschlagen wird. Die von Améry geltend gemachte Gegenposition, der Sartresche Existentialsmus, mag als konterfaktische Restitution des bürgerlichen Humanismus, zumal nach der Liquidation des Individuums, fragwürdig sein. Einige seiner Aspekte, etwa der Anspruch, die – in letzter Instanz auch immer leibliche – (Leidens-)Erfahrung der Einzelnen in die Gesellschaftskritik vermittelnd aufzunehmen, erscheinen mir jedoch kompatibel mit einer kritischen Theorie im Anschluss an Adorno. Darüber hinaus formuliert Hewera eine interessante, wenn auch knappe, Kritik an Foucaults Diskursanlyse, welche zwar als Historisierung von Wissensformen auftritt, aber keinen Begriff von Geschichte mitbringt, der eine Ableitung und damit eine Erklärung der verschiedenen »Episteme« und ihres Übergangs ineinander ermöglichen würde.

1966 prognostiziert Michel Foucault, „daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“. Dass dieser Satz keine Empörung erregt, sondern von einer breiten Anhängerschaft geteilt wird, zeigt, dass sich die von Améry befürchtete Tendenzwende in Frankreich – und nicht nur dort – vollzogen hat: nämlich die Ablösung Sartres, der seit der Nachkriegszeit die intellektuelle Szene Frankreichs geprägt hatte, durch den Strukturalismus. Diese historische Entwicklung, sowie die inhaltliche Bestimmung des Strukturalismus gilt es nachzuvollziehen. Die Bedeutung Jean Amérys ist in diesem Kontext kaum zu überschätzen: Améry ist einer der ersten, die sich in deutscher Sprache einer Kritik am Strukturalismus widmen, lange bevor dieser in Deutschland überhaupt zu großer Bedeutung gelangt. Seine Kritik holt zurück, was der Strukturalismus verleugnet, nämlich die prekäre Leiblichkeit des Menschen. Nicht zuletzt gilt es zu fragen, warum gerade die Linke den Strukturalismus, der doch dem Individuum keinen nennenswerten Platz mehr beimisst, aufgreift und vorantreibt.

Mitschnitt vom 29. Januar 2013 in der Reihe „Philosophische Gespräche“.
Eine Veranstaltung des Helle Panke e. V. in Kooperation mit dem Institut für Sozialtheorie Bochum e. V.

Birte Hewera ist Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle Kommunikationsgeschichte/Medienkulturen an der FU Berlin und arbeitet an einem Promotionsprojekt zu Jean Améry. [via]

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  1. Siehe z. B. die Beiträge zur feministischen Kritik am Poststrukturalismus, zum The­men­kom­plex Post­mo­der­ne, Se­xua­li­tät, Kör­per sowie Roswitha Scholz‘ These vom Abstraktionstabu im poststrukturalistisch dominierten Feminismus heute. »Antideutsche« Kritiken postmodernen Denkens finden sich in Beiträgen von Manfred Dahlmann und Alex Gruber.
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  2. Vgl. ihre Vortragsmitschnitte aus Halle und Berlin. [zurück]
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Roger Behrens: Versuche einer kritischen Radiopraxis

Er hielt Rundfunkvorträge, nahm an Gesprächsrunden1 teil, diskutierte im Fernsehen über Fragen der kritischen Theorie, bediente sich des Rundfunks, um im Sinne der Erziehung zur Mündigkeit mit politisch – philosophischen Beiträgen Aufklärung zu leisten: Theodor W. Adorno. Michael Schwarz, Mitarbeiter im Adorno-Archiv, hat allein 114 Rundfunkgespräche gezählt, bei denen sich Adorno vor das Mikrophon setzte. Noch höher ist die Zahl der ausgestrahlten Vorträge im Radio. Durch die Partizipation im öffentlich-rechtlichen Rundfunk versprach er sich seinen Teil zur Entbarbarisierung beizutragen; das Radio als Kommunikationsapparat zu nutzen, statt es wie in der Kulturindustrie zum Volksempfänger zu funktionalisieren.
Das (öffentlich-rechtliche) Radio, das hilft nicht zu verkümmern, ist heute Illusion: Rundfunkanstalten sind vernarrt in die Idee, dass Hörfunk eine Art überall erreichbaren Services sei. Die Konsequenz ist das kleinste zumutbare gemeinsame Vielfache: Musik, die durch den Alltag dudelt und – quasi zusätzlich- Informationen über das Wetter, den Verkehr und das tagesaktuelle Geschehen – möglichst gut und schnell verdaulich. Nicht verwunderlich daher, dass Akteure, die sich in der Tradition der Kritischen Theorie sehen, sehr selten in solchen Formaten zu Wort kommen. Die Wenigen, die dennoch zu hören sind, sind zumeist auf die limitierten Möglichkeiten freier Radios angewiesen. Ein Beispiel liefert Roger Behrens Sendung Freibaduniversität (im Winter Hallenbaduniversität genannt), die er für das Freie Senderkombinat Hamburg und Radio Corax produziert. Einige Sendungen der letzten Monate dokumentieren wir im Folgenden.
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Ästhetik Denken

Die Mitschnitte einer Leipziger Reihe zur Ästhetischen Theorie Adornos finden sich (leider nur als Stream) hier

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ˌKɔmuˈnɪsmʊs. Reflexion über Geschichte, Kritik und Rettung eines bedeutungsschweren Begriffs

Unter dem Titel kommunismus – communismus – ˌkɔmuˈnɪsmʊs. Reflexion über Geschichte, Kritik und Rettung eines bedeutungsschweren Begriffs fand im August 2012 ein Kongress in Oberhausen statt. Dabei wurde der Versuch unternommen, vergangenes kommunistisches (Auf-)Begehren zu reflektieren. Vier Referate der Veranstaltung können wir im Folgenden dokumentieren.
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Robert Kurz zum Gedächtnis

Am 18.7.2012 starb Robert Kurz im Alter von 68 Jahren. Mit ihm verliert die radikale Linke einen ihrer produktivsten wie innovativsten Theoretiker und Kritiker. Seine Analysen waren meist umstritten, aber stets von einer heute alles andere als selbstverständlichen Tiefe. War sein Tonfall zuweilen nicht frei von Polemik, so wurde sie ihm doch nie zum Selbstzweck. Schriften wie das Schwarzbuch Kapitalismus, deren Eindringlichkeit sich nicht zuletzt aus dem ungemilderten Hass aufs Bestehende und dessen Irrationalität speisten, brachten mich und sicher auch viele andere der Wert- und Abspaltungskritik näher und regten zum Weiterlesen, -fragen, -denken an. Robert Kurz und sein unbeirrbar kritischer Geist werden zweifellos fehlen in geistlosen Zuständen, die mehr denn je einer radikalen Kritik bedürfen. Ihm sind die folgenden Beiträge gewidmet.

1. Nachruf von Roger Behrens mit anschließendem Interview von 2006.

    Download via AArchiv (0:40 h, 14 MB) | via FRN (45 MB)

2. Collage von FSK Hamburg. Eine Stunde, gefüllt mit Erinnerungen, Würdigungen sowie teilweise kommentierten Zitaten des Verstorbenen. Mit Beiträgen u.a. von JustIn Monday, Günther Jacob, Daniel Späth.

    Download via AArchiv (1:02 h, 21 MB) | via FRN (57 MB)

3. »Proletarier aller Länder, macht Schluß!«

Das Manifest gegen die Arbeit der Gruppe Krisis stammt aus dem Jahre 1999 und ist im gleichen Zeitraum von der Redaktion 3 [FSK] eingelesen worden.

    Download: Teil 1 (19 MB), Teil 2 (20 MB) via AArchiv | via FRN (~2 h, 103 MB)

Zum Schluss noch der Hinweis darauf, dass das neue Buch von Robert Kurz im Erscheinen begriffen ist.

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Music was his Boyfriend

Bei Zündfunk ( Bayern2) ist ein hörenswertes Feature über das Leben von Martin Büsser erschienen. Die Produzenten haben sehr ausführlich recherchiert, neben den Eltern von Martin Büsser kommen zahlreiche Menschen zu Wort, die ihn kannten und mit ihm zusammengearbeitet haben. Es geht um das, was Martin Büsser mit »Popkritik« denken wollte, was er mit seinen zahlreichen Texten hinterlassen hat, welche Perspektive eine Auseinandersetzung mit Pop und Gesellschaft nach seinem Tod haben kann und natürlich: um Musik.

    Anhören: bei Bayern2 / Download

Auch wenn es sich um ein hörenswertes Feature handelt – ich finde man hört hier an einigen Stellen schon die beginnende Eingemeindung Büssers in die unkritische Gemeinde der Poptheorie, etwa wenn davon die Rede ist, dass er ein anderes Deutschland wollte (ich glaube er war gegen Deutschland). Daher sei an dieser Stelle noch einmal auf den Nachruf von Roger Behrens verwiesen, den er unmittelbar nach Martins Tod verfasst und eingesprochen hat und der m.E. viel gesellschaftskritischer und damit auch mehr im Sinne von Martin Büsser ist. (Nachzulesen bei Beatpunk)

    Download: via AArchiv (mp3; 6,1 MB; 10:38 min)
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Konterrevolution & Revolte

In der letzten Ausgabe der Freibaduniversität sendete Roger Behrens einen Vortrag über »Aufstände, Wutbürger und den Wunsch, dass irgendwas bleibt«, den er im April 2011 in Kiel gehalten hat. Er skizziert darin zunächst die kulturellen Umbrüche in den 60er/70er Jahren (»postindustrielle« Produktion, postmodernes Wissen, Pluralisierung von Sinn, Individualisierung der Kultur, Kulturalisierung gesellschaftlicher Phänomene), um daran anschließend dann den »Wutbürger« als autoritären/konformen Charakter zu beschreiben. Skizzenhaft referiert er über das Verhältnis des Wutbürgers zum Staat, über den Wegfall verbindlicher politischer Positionen in der Protestbewegung und die moralischen Finessen der gegenwärtigen öffentlichen Debatten.

    Download: via AArchiv (mp3; 36,2 MB; 1:03 h)
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Brimboria – Die subversive Strategie des Fake

Im April letzten Jahres organisierte das Brimboria-Institut in Leipzig einen Kongress zur subversiven Strategie des Fakes. Inzwischen stehen die Videoaufnahmen der dort gehaltenen Vorträge bei vimeo zur Verfügung. Hier sind die Vorträge als Audiodateien dokumentiert:

1. Der im letzten Jahr verstorbene Martin Büsser referiert über die Bewegungen der Kunstavantgarde und das Paradox des Versuches, die Kunst aufzuheben. Er diskutiert zahlreiche Beispiele, auch der jüngeren Kunstgeschichte. Im Grunde ist es eine kürzere Version seines bereits dokumentierten Vortrages „Von der Avantgarde zur Selbstreferenzialität“ (Mitschnitt | Text).

    Download: via AArchiv (mp3; 15,6 MB; 27:20 min)

2. Lars Quadfasel kritisiert die Vorstellung, dass es anstrebenswert wäre, eine Einheit von Theorie und Praxis herzustellen. Er kritisiert den Praktizismus als eigentliche Simulation von Praxis, die eine Reflexion des eigenen Handelns verunmöglicht und entweder auf eine Zuweisung der Schuld am eigenen Scheitern an sabotierende Bösewichte oder auf eine protestantische Selbstkasteiung hinausläuft. Begrifflich diskutiert er das Verhältnis von Theorie und Praxis mit Marx, Adorno und Wolfgang Pohrt („Vernunft und Geschichte bei Marx“). Goethes Faust kommt natürlich auch vor. Der Mitschnitt enthält leider einige störende Nebengeräusche.

    Download: Vortrag (mp3; 24,7 MB; 43:13 min) | Diskussion (mp3; 19,9 MB; 34:43 min)

3. Roger Behrens spricht über das Fake im Spannungsfeld von Ästhetik und Kulturindustrie: Er bestimmt mit Stefan Römer den Fake als mimetische Nachahmung eines Kunstwerkes, womit eine kunstimmanente Definition gegeben wäre. Darüber hinausgehend ist die zentrale These des Vortrags: »Fake ist ein der Kulturindustrie immer schon inhärentes Verfahren, gerade wo die Produkte (auch die Kunst) in die Warenform eingepasst werden.« Damit geht es aber auch um die Unterscheidung von wahr und falsch und damit um die Bedingungen von Ideologiekritik. Roger verknüpft seine Ausführungen wie gewohnt mit allerlei wissenswerten Geschichten aus der Entwicklung der modernen Welt. Sowohl Lars, als auch Roger sind dem »Fake als subversive Praxis« nicht sonderlich zugetan.

    Download: via AArchiv (mp3; )

Wer ein wenig weiterlesen will, sei auf das im Vorfeld des Kongresses geführte Interview mit dem Brimboria-Institut und auf die Nachbetrachtung von rebelart.net hingewiesen. Der Vortrag von Robert und Zwi über »Détournement und Fälschung in der situationistischen Theorie und Praxis« steht leider nicht als Videoaufnahme zur Verfügung, dafür ist das Script bei Kriegstheater dokumentiert. Zum Ankündigungstext des Kongresses: (mehr…)

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London Calling

Werner vom FSK reagiert wieder einmal ausgesprochen schnell auf aktuelle weltpolitische Ereignisse: in einer Sendung vom 13.08.2011 spricht er mit Roger Behrens, Hermann L. Gremliza, und Darcus Howe über die Auseinandersetzung auf Londons Straßen, die Anfang August für Schlagzeilen sorgten. Was versprochen wird – die sozialen Ursachen für die Straßenkämpfe und Plünderungen offenzulegen –, kann das Feature m.E. leider nicht halten; es handelt sich eher um Spekulationen, nichtsdestotrotz z.T. um interessante Hintergrundinformationen.

„Krawall und Chaoten“. Zwei der häufigsten Vokabeln der Berichterstattung der letzten Woche beim Blick auf die Ereignisse in England. Warum auch nicht? Wird doch so auf eine Analyse der sozialen Ursachen für die Riots verzichtet. Genau diese Analyse versuchen die nächsten 30 Minuten zu leisten. Wir hören: Roger Behrens, Hermann L. Gremliza, Werner Pomrehn, Darcus Howe und die Band „the clash“.[via]

Download: via FRN (mp3; 35,8 MB; 26:03 min) oder via AArchiv (14,9 MB)

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Recht auf Stadt & Recht auf Party

Auf Radio Corax werden immer wieder sehr hörenswerte Features gesendet. Zwei davon seien hier dokumentiert:

Zur Ambivalenz der heutigen und der anderen Stadt: Im Feature kommen sowohl Vertreter_innen der Anti-Gentrifizierungsbewegung zu Wort, als auch die Kritiker_innen dieser Bewegung. Zu hören sind Andrej Holm (Stadtsoziologe), Gesine Leyk (Radio Corax), Roger Behrens (Philosoph), Karsten Jost (Initiative Media Spree versenken), und Jean Baudrillard.

Seit einigen Jahren beklagen Initiativen, die Gentrifizierung bekämpfen, eine neoliberale Stadtpolitik, die sich dem Regime der Kapitalakkumulation unterwirft. Doch ist dieses Regime wirklich so neu? Und was ist eigentlich vom utopischen Moment einer Auseinandersetzung mit Städten geblieben? Ein Moment, der nicht für Mitgestaltung, sondern für das Recht auf ein ganz anderes Leben steht. Wir sprechen mit Menschen, die sich weigern die (städtische) Realität als die einzig Mögliche anzuerkennen und wir sprechen mit Menschen, die sich im Bereich des Möglichen versuchen zu behaupten. [via]

Bis zur Revolution… Gedanken zum Hedonismus: Diskutiert wird das Konzept des Hedonismus in seiner Widersprüchlichkeit innerhalb und außerhalb der linken Szene. Zu Wort kommen Torsun (Egotronic), Chris (Beatpunk), Sebastian Tränkle (Vgl. Phase 2 (Ausgabe 33) – „Alle Lust will Ewigkeit“), Johannes Ullmaier (Testcard), Jan Gerber (Vgl. Bahamas 57 – „Die Partei des Glücks“), Nina Scholz (Hate Mag), Mark Terkessidis (Mainstream der Minderheiten) und Vertreter der Hedonistischen Internationale.

Nicht selten ist das, was als links und revolutionär angepriesen wird, vom selben Arbeits- und Konkurrenzfetisch geprägt wie im Bestehenden. Für einige bleibt da nur noch der Rückzug aus den praktischen Zusammenhängen ins Reich der reinen Kritik, aus dem heraus sich ab und an in einer hedonistischen Party gegönnt wird. Nicht die schlechteste Idee, findet Sebastian Tränkle, der hier in den nächsten Minuten (auch) zu Wort kommen wird. Für Tränkle verlangt dennoch die Kritik Reflexion auch in Bezug aufs Feiern. Wird der Abschlag nämlich fürs Ganze genommen, dann ist auch die Suche nach dem guten Leben nur die Einrichtung in den jämmerlichen Gegebenheiten des Kapitalismus. Ein Collage zum Hedonismus als Ideologie der Selbstbefreiung. [via]

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Fukushima und das atomare Zeitalter

Die Reaktorunfälle im Kernkraftwerk Fukushima liegen knapp zwei Monate zurück. Auch wenn es nach wie vor bundesweite Demonstrationen für den sofortigen Atomausstieg gibt, scheint das Thema inzwischen aus den Tagesordnungsdebatten, auch der Linken, verschwunden zu sein – ohne dass sich etwas grundlegend an der Situation in Fukushima verändert hätte. Wir stellen im Folgenden eine Auswahl von Radiobeiträgen zur Verfügung, die deutlich machen, dass eine Kritik der militärischen und zivilen „Nutzung“ der Kernenergie Bestandteil linksradikaler Gesellschaftskritik sein muss. In den meisten Beiträge liefern die Texte von Günther Anders Stichworte zur Auseinandersetzung mit den möglichen Folgen der Kernenergie. Dabei sei angemerkt, dass Günther Anders der Verdinglichung der gesellschaftlichen Verhältnisse dahingehend Rechnung trägt, indem er darauf hinweist, dass wir von „Geräten“ beherrscht werden, uns ihre Logik aufzwingen lassen. Gleichzeitig sitzt er dieser Verdinglichung selbst auf, da er das Problem nur im Charakter der Dinge erkennen kann – welche aber demgegenüber als gesellschaftliche Objektivationen, auch in ihrer konkret-dinglichen Beschaffenheit, nur als gesellschaftlich vermittelt (konkret: durch die kapitalistischen Verhältnisse) begriffen werden können.

1. Be trusted – be sad

6 Tage nach dem Bekanntwerden der Ereignisse in Japan sendete das Freie Senderkombinat (FSK) ein ausführliches Gespräch mit Günther Jacob über Atomkraft als gesellschaftlichen Zusammenhang und über die Lehren, die aus Fukushima zu ziehen wären. Themen sind u.a. die Geschichte der Anti-Atombewegung und Muster der Rechtfertigung der Nutzung von Atomkraft.

Vor sechs Tagen sind in Japan mehr als 10.000 Menschen durch einen Tsunamie getötet worden. Eine überlebende Frau sagte, daß sie nicht wisse, ob es überhaupt o.k. sei, daß sie noch lebe. Die Sorge, die umtreibt lautet: Strahlung. Die Ereignisse und die Politik, die sich um sie herum entwickelt, sind nicht kommentierbar hinsichtlich eines Auswegs. Die Sorge aber um die Handlungsfähigkeit gewinnt die Überhand. Ein Motiv darin: Bestätigung. Ein Lehrstück über das Denken 2011 während der Reaktorkatastrophe in Fukushima.[via]

    Download: via FRN (mp3; 53,4 MB; 58:22 min)

2. Wutpilger-Streifzüge März 2011

Die Märzausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ (Radio Lotte / Radio Corax) hat ebenfalls die Ereignisse in Fukushima zum Themenschwerpunkt – verlesen wird der Text „Steinzeit? Nein Danke!“ von Roger Behrens, der anschließend in einem Interview selbst zum Thema zu Wort kommt. Das Interview ist leicht gekürzt inzwischen in schriftlicher Form im Programmheft von Radio Corax erschienen (als PDF oder als html via aergernis).

  • Sendung komplett: via MF (mp3; 55,2 MB; 1 h)
  • Roger Behrens: „Steinzeit? Nein Danke!“: via AArchiv (mp3; 6,4 MB; 11:13 min)
  • Roger Behrens im Interview: via AArchiv (mp3; 21,9 MB; 23:53 min)

3. Wutpilger-Streifzüge April 2011

Auch die April-Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ hat die Ereignisse in Japan noch einmal zum Thema – diesmal werden die „Gebote des atomaren Zeitalters“ von Günther Anders vollständig vorgelesen.

  • Sendung komplett: via MF (mp3; 54,9 MB; 1 h)
  • Günther Anders: „Gebote des Atomzeitalters“: via AArchiv (mp3; 14,2 MB; 24:52 min)

4. Das Philosophische Radio März 2011

Vielleicht eher als Hintergrundwissen denn als gesellschaftskritischer (geschweige denn kapitalismuskritischer) Beitrag: Beim Philosophischen Radio (WDR5) ging es im März um Günther Anders. Studiogast war Konrad Paul Liessmann, durch den man einige interessante Aspekte über Günther Anders erfahren kann. Natürlich wird auch über die Ereignisse in Fukushima diskutiert.

    Download: via WDR oder via MF (mp3; 23,6 MB; 51:28 min)
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Von Leistungsträgern, Glücksforschern und Wirtschaftsweisen

Seit Dezember jeden Monat eine neue Folge – Dr. Indoktrinator und die Redaktion Sachzwang FM sind momentan erfreulich aktiv. Im März nun ist eine etwas ungewöhnliche Episode produziert worden: Anstelle langer theoretischer Traktate oder Referate gibt es kurze ideologiekritische Glossen und satirische Kommentare zu unterschiedlichen Themen zu hören.

Download: via AArchiv | via MF (2 h, 41 MB)

Die verlesenen Texte stammen allesamt aus der Jungle World: (mehr…)

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Die neue deutsche Mentalität

Roger Behrens berichtet in einem kürzeren Beitrag über neue Studien des IKG über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Via FRN. Download (9 MB)

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Deutschlandwahn in der Popkultur. Zur Nationalisierung des Pop

Roger Behrens über Nationalismus im Pop. Dokumentiert sind Vortrag und Diskussion, die im Juli 2009 von Ums Ganze-Gruppen veranstaltet wurden. Interessant ist, wie Roger es schafft, dass einer der Ums-Ganze-Leute am Ende der Diskussion an seinem funktionalistischen Ideologieverständnis zweifelt.

Download: via Audioarchiv, via MF (2:45 h, 57 MB)

Ankündigungstext: (mehr…)

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In Erinnerung an Martin Büsser

Im September 2010 ist, völlig überraschend, der Poptheoretiker, Musikkritiker und Herausgeber der Zeitschrift Testcard, Martin Büsser, an Krebs gestorben (Nachruf des Ventilverlags, Nachruf von Roger Behrens). Er schrieb unrastsam zahlreiche Bücher und Artikel zur Geschichte der Popmusik, zu Popnationalismus, Geschlechterverhältnissen und vielen anderen Themen. Mit seinem Tod ist eine wertvolle und herausragende Stimme in der linken Presse, sowie ein sympathischer Mensch verlorengegangen. Ihm sei hier in Form einer unvollständigen Zusammenstellung von Vortragsmitschnitten und Radiobeiträgen von Martin Büsser gedacht. Einige weitere unveröffentlichte Audio-Beiträge von Martin Büsser werden in Kürze nachgereicht.

1. Wie klingt die neue Mitte – Vortrag über rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik

2. Emo – Portrait einer neuen Jugendszene

3. Das Verschwinden linearer Musikgeschichte

4. Über den Regress in der deutschen Kultur (Gespräch mit Lorettas Leselampe)

5. I can‘t relax in Deutschland – Diskussion mit Marvin Alster (Conne Island), Martin Büsser, Elena Lange (Stella), Markus Moll (ISF) und Marvin (I can‘t relax in Deutschland) – mit einem Beitrag von Martin Büsser über die Geschichte der nationalen Radioquote

6. Jenseits der Rezession – Musik, Subkultur und Politik heute

7. Martin Büsser über Tine Plesch, Kultur und Feminismus im Rahmen einer Reihe zur Erinnerung an Tine Plesch – die Einleitung und die weiteren Audio-Beiträge im Rahmen der Tine-Plesch-Lesung (mit Beiträgen von Jörg Sundermeier, Dagmar Brunow, Wally Geyermann und Conny Lösch) gibt es hier

Martin Büsser im Audioarchiv:
Von der Avantgarde zur Selbstreferenzialität (Vortrag KSR) | Über das Geschlechterverhältnis in der Punk- und Hardcoreszene

Kleinere Beiträge und Interviews
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Indizierung von Musik | Testcard: blühende Nieschen | Über Indie, Popkultur und Jugendbewegungen | Interview Testcard 17: Sex | Interview über Emo | Über die Dokumenta

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