Tag-Archiv für 'shalom-libertad'

Der Kampf um Kobane

Gespräch zur Situation nicht nur in Irak und Syrien

Die Weltereignisse überschlagen sich täglich, wie derzeit etwa in der umkämpften syrisch-kurdischen Grenzstadt Kobane – demgegenüber ist das Audioarchiv, gerade in seinem Anspruch, Tondokumente über eine länger Zeit hinweg verfügbar zu machen, ein recht langsam funktionierendes Medium. Dennoch hoffen wir, dass es für möglichst viele Leute nützlich ist, wenn wir folgendes hörenswertes Radiogespräch zur Verfügung stellen:

In einer Gemeinschaftssendung von Shalom Libertad und Quergelesen am 23.09.2014 haben sich Stefan Negator und Wolfgang Seibert mit Danyal (Cosmoproletarian Solidarity) und Ramin über die derzeitige Situation im Nahen Osten unterhalten. Ausgehend von der derzeitigen Offensive des Islamischen Staats auf Kobane entwirren die vier die Kräftekonstellationen, Konfliktlinien und Machtverhältnisse dieses Schauplatzes des syrischen Bürgerkriegs. Insbesondere geht es auch um die Aufstellung und Zusammensetzung der kurdischen Gebiete, die machtpolitischen Grundlagen des IS, sowie die Interessen der Türkei, des Irans und anderer arabischer Staaten. Zuletzt haben sie darüber gesprochen, welche Bedeutung die Entwicklung des syrischen Bürgerkriegs für Israel hat und über die Interessen Deutschlands sowie die Reaktionen der deutschen Linken.

    Download: via AArchiv (mp3; MB; 1:43:26 h) | via Mediafire (zip; ~2 h)

Siehe auch: Syrien zwischen Bürgerkrieg, Glaubenskrieg des ISIS und kurdischer Autonomiebestrebung

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Dokumente gescheiterter Aufstände

1.) Der Kronstadt-Aufstand

In der Sendung Shalom Libertad auf FSK wurde kürzlich der Text Die Kronstadt Rebellion von Alexander Berkman verlesen. Berkman stellt darin ausführlich die Vorgeschichte und den Verlauf des Matrosen-Aufstandes von 1921 dar und wertet dessen Niederschlagung durch die Bolschewiki aus: „Kronstadt war der erste volksmäßige und ganz unabhängige Versuch einer Befreiung vom Joch des Staatssozialismus – ein direkt vom Volk, von den Arbeitern, Soldaten und Matrosen selbst gemachter Versuch.“ Die Kronstadt-Broschüre kann hier nachgelesen werden.

    Download:
    Mit Musik (via MF; zip; pw: Anarchul) | Ohne Musik (via AArchiv)

2.) Aus dem Leben von Jules Vallès

In seiner Broschüre hat Alexander Berkman die Niederschlagung des Kronstädter Matrosenaufstandes mit jener der Pariser Kommune verglichen. Eines der eindrucksvollsten Dokumente über die Pariser Kommune von 1871 hat der unabhängige Sozialist und Schriftsteller Jules Vallès in seiner Autobiografie Jacques Vingtras – Das Kind / Die Bildung / Die Revolte hinterlassen. Die erste Veranstaltung der Hamburger Reihe Die Untüchtigen im Golem hatte Vallès Biografie zum Thema – es wurden Auszüge daraus vorgelesen und mit musikalischen Darbietungen ergänzt. Eine Veranstaltung vom Politbüro, Thomas Ebermann & co.

Jules Valles (1832-1885) wer kennt den denn noch? Eben, da liegt das Problem. Valles ist so etwas wie der „Urvater“ der gesellschaftskritischen Boheme, also des Flügels dieser Spezies, der sich nicht bescheiden wollte mit der These, in der Jugend dürfe man sich ruhig austoben, um nach einer Zeit wilden Lebens um so gesättigter ein reifes, etabliertes Leben zu führen. Jules Valles war: Bohemien, Literat, hungernder Gelegenheitsarbeiter, Aktivist der Pariser Commune, Herausgeber diverser Zeitschriften, gestrenger Feind jeglicher Disziplin, Phantasieuniform-Träger, zum Tode verurteilter, Begnadigter.

Seine Literatur, meint unser Lexikon zutreffend, sei „ein von wildem Hass und bitterem Humor erfülltes, scharfsinniges Werk in bisweilen krass realistischem Stil.“ Was von Valles an diesem Abend gelesen wird, ist also kompatibel mit Arbeiten von Ebermann, Kamerun, Spilker, Schamoni…

Und Valles ist fast logischer Auftakt einer Reihe, die DIE UNTÜCHTIGEN und ihr leben zwar nicht romantisieren, aber doch in notwendige Erinnerung rufen möchte. Eine Lanze brechen für jene, die nicht mit beiden Beinen im Leben stehen, keine Realisten sind, die nach landläufigen Maßstäben weder gefördert noch gefordert werden wollen. Die – ob als literarische Figuren oder reale Autoren – den Anforderungen des (kulturindustriellen) Betriebes nicht gewachsen waren. Die gegenüber der Welt – „so, wie sie nun einmal ist“ – fremdeln. Die Vergrübeltheit für keine Schande halten; die umstürzlerisches denken und, sollte sich die Gelegenheit ergeben, sogar praktizieren.

„Untüchtige“ Autoren wie Erich Mühsam und Gisela Elsner, grobe Spötter das Kulturgetriebe wie Thomas Bernhard, Albert Camus und Georg Kreisler werden also in den nächsten Monaten im „Uebel & Gefährlich“ präsentiert von alteingesessenen Schnapsnörglern und jungen aufstrebenden Versagern auf dem Weg ins kulturelle Nirvana. Die Fragestellung lautet: wie kann ich mir selbst möglichst erfolgreich Steine in den Weg legen. [via]

    Hören / Download: via Soundcloud

Mit gescheiterten Aufständen beschäftigt sich derzeit gerade eine Veranstaltungsreihe in Erfurt und Weimar, auf die wir hiermit hinweisen wollen: Dissidenten der Arbeiterbewegung. Material aus der Reihe wird beizeiten an dieser Stelle auftauchen. Außerdem wollen wir auf einen thematisch passenden Redebeitrag hinweisen, der kürzlich auf der 1.Mai-Demo in Erfurt verlesen wurde – die Gruppe Club Communism hat darin den 1. Mai, entgegen seiner üblichen symbolischen Aufladung, als einen Tag der Niederlagen gedeutet – um gerade in dieser Reflexion der revolutionären ArbeiterInnenklasse die Treue zu halten: zum Redebeitrag.

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