Tag-Archiv für 'wutpilger-streifzăŒge'

Talkin‘ bout a Revolution?! #2

1968 als multipolares Weltereignis

1868 war ein multipolares, mehrdimensionales Weltereignis. Nicht nur, dass die von 68 ausgehende Bewegung in ihrem SelbstverstĂ€ndnis internationalistisch war – weltweit brachen in den Fabriken und UniversitĂ€ten Ă€hnliche Konflikte auf, in der sogenannten 3. Welt formierten sich anti-koloniale Befreiungsbewegungen. Es verallgemeinerte sich die Jugend als eigenstĂ€ndiger Lebensabschnitt, der mit einem spezifischen Warenangebot versehen und mit diversen Konflikten verbunden ist. Es formieren sich ĂŒberall Gruppen, die sich dissident zum damals vorherrschenden Modell kommunistischer Parteien verhielten und eine Revision des Marxismus vornahmen (spĂ€ter bezeichnet als „Neue Linke“). All dies ist verbunden mit einer wechselseitigen Bezugnahme und gegenseitigen Beeinflussung. (Siehe auch diesen Text.) Im zweiten Teil unser 68er-Reihe (Teil 1 hier) beleuchten wir die internationale Dimension von 1968.

1.) Die Situationisten und der Pariser Mai 1968

Die Situationistische Internationale gehört zu den oben genannten dissidenten Gruppierungen, die bereits ab Mitte der 50er Jahre zu wirken begannen und spĂ€ter zu wichtigen Stichwortgebern der 68er-Revolte geworden sind – wobei es den Situationisten selbst darum ging, der radikalste und theoretisch versierteste Ausdruck der revolutionĂ€ren Bewegung zu sein. Im GesprĂ€ch rekonstruieren Kazimir und Negator (BBZN) die Rolle der Situationisten im Pariser Mai 68 und gehen dabei auf die historische Situation im Frankreich der 60er Jahre ein. (Siehe auch die Buchbesprechung zu „Paris Mai 68 – Die Phantasie an die Macht“. Siehe auch „Midnight Notes: Zwei Sendungen ĂŒber 1968“.)

In der Nachkriegszeit bildeten sich ĂŒberall neue, linksradikale Gruppen heraus, die nach Organisierungsmodellen jenseits der kommunistischen/sozialistischen Parteien und der traditionellen Gewerkschaften suchten. Zu ihnen gehörte auch die „Situationistische Internationale“ (1957 – 1972). Die Situationisten waren auch wĂ€hrend der Maitage 1968 in Frankreich aktiv. Wir sprachen mit Negator und Kazimir ĂŒber die Situationisten und den französischen Mai ’68. [via]

    Download: via FRN (mp3; 76 MB; 55:13 min)

2.) Italien: Ein Kampfzyklus 1960-1980

Eine weitere dissidente neo-marxistische Strömung ist spĂ€ter mit dem Stichwort „Operaismus“ bezeichnet worden und ist eng mit den KlassenkĂ€mpfen in Italien verbunden. Das besondere an der italienischen Situation besteht darin, dass hier radikale Studentenbewegung und militante FabrikkĂ€mpfe eine Verbindung eingegangen sind und sich die KĂ€mpfe ĂŒber beinahe zwei Jahrzehnte hinweg zogen – bis hin zu bĂŒrgerkriegsartigen Auseinandersetzungen in den 70er Jahren. Über diesen Kampfzyklus und den Operaismus war Christian Frings im GesprĂ€ch. (Über Italien siehe auch ein GesprĂ€ch mit Thomas Bremer.)

Die Ereignisse, die ĂŒblicherweise mit der Chiffre „1968″ bezeichnet werden, zogen sich in Italien ĂŒber beinahe drei Jahrzehnte hin. Die Auseinandersetzungen waren in Italien besonders intensiv. Wir sprachen mit Christian Frings ĂŒber die italienische Gesellschaft der Nachkriegszeit, die Ereignisse von 1960 und 1962, die Operaisten, den heißen Herbst 1969, die 77er-Bewegung und die Strategie der Spannung. Am Ende schlagen wir den Bogen zur Gegenwart.

ZunÀchst fragten wir nach der Nachkriegszeit in Italien. Italien hatte eine faschistische Vergangenheit, hier hatte es jedoch eine starke Resistenza-Bewegung gegeben. Inwiefern hat dies die Nachkriegszeit bestimmt? [via]

    Download: via FRN (mp3; 61 MB; 38:01 min)

3.) 1968 international – ein grenzenloser Aufbruch

Unter dem Titel „1968 international – ein grenzenloser Aufbruch“ hat die Zeitschrift iz3w im Januar/Februar 2018 eine Schwerpunktausgabe veröffentlicht. Die Ausgabe hat sich nicht nur mit 1968 im globalen SĂŒden auseinandergesetzt, sondern auch mit der Geschichte der Zeitschrift selbst – denn 50 Jahre 1968 und 50 Jahre iz3w fielen zusammen (in diesem Zusammenhang hat iz3w auch einiges Audiomarterial veröffentlicht: hier). Im GesprĂ€ch mit dem iz3w-Redakteur Christian Stock gibt es einen kusorischen Überblick ĂŒber 1968 im globalen SĂŒden.

Im Rahmen unserer Sendereihe ĂŒber 1968 wollen wir den Rahmen des nationalen Geschichtsbewusstseins verlassen und 1968 als ein globales Geschehen in den Blick nehmen. Dazu passend hat die Zeitschrift „iz3w“ im Januar/Februar ein Themenheft veröffentlicht. Wir sprachen mit dem Redakteur Christian Stock ĂŒber diese Ausgabe und 1968 im globalen SĂŒden. ZunĂ€chst baten wir ihn, das iz3w vorzustellen. [via]

    Download: via FRN (mp3; 21 MB; 13:17 min)

4.) 1968 in Afrika

In der im April/Mai 2018 folgenden Ausgabe von iz3w hat Bernhard Schmid einen Artikel mit dem Titel „1968: RĂ©volution Afrique“ geschrieben. Im GesprĂ€ch mit Radio Dreyeckland skizziert er Ereignisse um das Jahr 1968 herum in Afrika.

Das magische Revoltenjahr gab es nicht nur in Europa und den USA auch in Mexiko und im frankophonen Afrika war es ein Jahr der Revolte und mehr als ein AnhÀngsel von Paris oder Westberlin. Der Frankreichskorrespondent von Radio Dreyeckland, Bernard Schmid vertritt sogar die These, dass es den Mai 68 in Paris ohne den Kontakt der französischen Linken jenseits der KP so garnicht gegeben hÀtte. Das Interview könnt Ihr hier nachhören oder den Artikel im neuen Heft der iz3w nachlesen. [via]

    Download: via RDL (mp3; 8.1 MB; 8;59 min)

5.) Das Massaker von Tlatelolco

Im oben dokumentierten GesprĂ€ch mit Christian Stock (iz3w) wird die harte Repression des mexikanischen Staates gegen die Studentenbewegung von 1968 erwĂ€hnt. Zentral war dabei das Massaker von Tlaltelolco – ein Massenmord an 200 bis 300 friedlich demonstrierenden Studenten im Stadtteil Tlatelolco von Mexiko-Stadt. Über diesen Massenmord und seine (ungenĂŒgende) Aufarbeitung sprach Radio Dreyeckland mit dem Historiker JuliĂĄn. (Siehe ein weiteres GesprĂ€ch mit JuliĂĄn ĂŒber Proteste und Gewalt vor dem 02.10.1968.)

Historiker JuliĂĄn erzĂ€hlt uns von einem menschenverachtenden Kapitel der mexikanischen Geschichte, als am 2. Oktober 1968 der Staat der Studierendenbewegung gewaltsam ein Ende setzte. Das „Bataillon Olympia“, war eigentlich fĂŒr die Sicherheit der olympischen Spiele verantwortlich und verursachte heute vor 50 Jahren ein Blutbad.

WĂ€hrend des ganzen sogenannten „Schmutzigen Krieges“ in Mexiko verschwanden etwa 1.200 Personen; man spricht von Folter und politischen Gefangenen, sogar von einer Geheimpolizei. [via]

    Download: via RDL (mp3; 15 MB; 9:34 min)

6.) 1968 in der DDR, der Tschechoslowakei und Polen

Auch im Ostblock war 1968 ein Jahr der Bewegungen und Proteste – und die Entstehung der „Neuen Linken“ im Westen ist auch von zentralen Verschiebungen im Ostblock beeinflusst (die Geheimrede Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU, der Aufstand in Ungarn 1956, der Prager FrĂŒhling 1968). In der DDR lĂ€sst sich kaum von einer 68er-Bewegung sprechen – und doch war es auch hier ein Jahr der Proteste und Konflikte. Das ist die These von Bernd Gehrke (AK Geschichte Sozialer Bewegungen Ost West), der im GesprĂ€ch einen Überblick ĂŒber Bewegungen und Ereignisse um 1968 herum in der DDR, der Tschechoslowakei und Polen gibt. (Siehe auch Bernd Gehrke ĂŒber das „proletarische 1968″ hier.)

Auch wenn in der DDR 1968 keine vergleichbare Revolte stattfand wie in der BRD, war es doch auch hier ein Jahr außerordentlicher Proteste. Dabei ging es sowohl um subkulturelle Bewegungen als auch um Auseinandersetzungen um Öffentlichkeit in den Betrieben.

In der Tschechoslowakei und in Polen fanden unterdessen Ereignisse statt, die fĂŒr 1968 zentral waren: In der CSSR leuteten Gewerkschaften und kritische Intelligenz den Prager FrĂŒhling ein, der schließlich niedergeschlagen wurde. Auch in Polen gab es eine Studentenbewegung, die fĂŒr eine Demokratisierung des Sozialismus eintrat – sie wurde niedergeschlagen und die Partei leitete eine antisemitische Kampagne ein.

Hinter all dem steht ein lĂ€ngerer Entwicklungsprozess, fĂŒr den das Jahr 1956 zentral ist: Anfang dieses Jahres sprach Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU ĂŒber die Verbrechen Stalins – am Ende des Jahres wurde die RĂ€te-Bewegung in Ungarn niedergeschlagen. Die RĂ€te sind immer wieder Bezugspunkt in den nachfolgenden Ereignissen.

Über diese Ereignisse sprach Radio Corax mit Bernd Gehrke. Wir fragten ihn zunĂ€chst nach der Quellenlage und danach, woran es liegt, dass „1968 in der DDR“ in der heutigen Öffentlichkeit kaum prĂ€sent ist. [via]

    Download: via FRN (mp3; 76 MB; 55:08 MB)

7.) 1968 in Japan

Auch in Japan gab es 1968 eine starke Studentenbewegung, die dort besonders radikal und militant auftrat. Die in Japan gefĂŒhrten KĂ€mpfe, in deren Zusammenhang die Zengakuren zentral waren, wurden weltweit zu einem Vorbild und diese suchten ihrerseits Kontakte zu Gruppierungen der Neuen Linken in anderen LĂ€ndern. Die Entwicklung der Bewegung, ihre Militarisierung und Sektenbildung, hat fĂŒr die Japanische Linke bis heute traumatisierende Folgen. William Andrews hat eine Forschungsarbeit unter dem Titel „Japanese Radicalism and Counterculture, from 1945 to Fukushima“ veröffentlicht. Ein erweiterter Auszug aus diesem Buch ĂŒber die Japanische Rote Armee ist in deutscher Übersetzung bei Bahoe Books erschienen. Andrews sprach mit Corax ĂŒber 1968 in Japan. Das Interview wurde in englischer Sprache gefĂŒhrt.

Die StĂ€rke der japanischen Linken strahlte in den 1960er Jahren in die ganze Welt. Die Studierendengewerkschaft Zengakuren machte aus den japanischen UniversitĂ€ten verbarrikadierte StĂŒtzpunkte und Ausbildungszentren des Klassenkrieges. Auf riesigen Demonstrationen kĂ€mpften tausende behelmte und mit Stöcken bewaffnete Studenten gegen die Polizei. Auf internationalen Konferenzen mit Gruppen wie den Students for a Democratic Society, dem Weather Underground, den Black Panthers oder dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund, wurde versucht durch intensive Vernetzung eine weltweite simultane Revolution denkbar zu machen. Hierzulande ist ĂŒber 1968 in Japan jedoch relativ wenig bekannt.

William Andrews lebt in Tokyo und forscht zur Geschichte der sozialen Bewegungen in Japan. Wir sprachen mit ihm per Skype und fragten ihn zunĂ€chst, wie sein Interesse an der japanischen Geschichte zustandekam und nach den GrĂŒnden, letztlich nach Japan zu ziehen. [via]

    Download: via FRN (mp3; 61 MB; 37:49 min)

8.) DRUM Beats Detroit – Schwarze Fabrikrevolten 1968

1968 war Detroit ein Zentrum der Fabrikrevolten, die eng mit antirassistischen KĂ€mpfen verbunden waren. Die Heftigkeit und Militanz der Bewegung in Detroit ist historisch verbunden mit der Rolle der Stadt im 2. Weltkrieg, den ökonomischen Verschiebungen nach 1945 und der rassistischen Segregation. Auch in Detroit enstanden Gruppierungen der Neuen Linken, die marxistische Analyse und eine Thematisierung der spezifischen Situation schwarzer FabrikarbeiterInnen miteinander verbanden. Christian Frings, Felix Klopotek, Malte Meyer und Peter Scheiffele haben einen Text darĂŒber geschrieben. Auf Basis dieses Textes und eines Interviews mit Felix Klopotek ist im Rahmen der Sendereihe Wutpilger-StreifzĂŒge ein einstĂŒndiges Feature entstanden. (Siehe auch ein Interview in der Jungle World.)

    Download: via archive.org (mp3; 137.3 MB; 1 h)

Im nĂ€chsten Teil der Beitragsserie widmen wir uns den Theoretikern der „Neuen Linken“.

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Aktuelles zur Theorie und Überwindung der Klassengesellschaft

Wir stellen hier drei BeitrÀge zusammen, die sich in letzter Zeit thematisch mit einer Kritik der Klassengesellschaft auseinandergesetzt haben:

1.) Abschied von der Klassenmetaphysik

In der Ausgabe 55 der Zeitschrift Phase 2 haben Charlotte Mohs, Marco Bonavena und Johannes Hauer von der Translib Leipzig einen Text ĂŒber das VerhĂ€ltnis der Linken zur Klasse veröffentlicht. Insbesondere geht es dabei um den Abschied der Linken vom Proletariat (AndrĂ© Gorz) – die AutorInnen versuchen nachzuzeichnen, inwiefern dieser Abschied objektive GrĂŒnde in VerĂ€nderungen innerhalb des Kapitalismus hat, formulieren andererseits eine Kritik dieses Abschieds. Exemplarisch an Positionen von Joachim Bruhn wird eine Kritik an der linksradikalen Verabschiedung von der Klasse formuliert. Ein auf Grundlage dieses Artikels gefĂŒhrtes Interview ist in der Sendereihe Wutpilger-StreifzĂŒge gesendet worden:

    Download: via archive.org (mp3; 137.5 MB; 1 h)

2.) Fragen neuer Klassenpolitik

Didier Eribons Buch RĂŒckkehr nach Reims (siehe Buchbesprechung hier) hat in Teilen der Linken zu einer Diskussion ĂŒber „Klassenpolitik“ gefĂŒhrt. So wird u.a. in der Monatszeitung Analyse & Kritik ĂŒber „neue Klassenpolitik“ debattiert (u.a. Sebastian Friedrich hier). Einer an der Debatte Beteiligten ist Gabriel Kuhn (mit Sebastian Friedrich hier) – im Interview mit Radio Corax hat er ĂŒber Fragen neuer Klassenpolitik gesprochen. Dabei geht es auch um Grundlagen des Klassenbegriffs, die fĂŒr Kuhn nicht ausschließlich marxistisch fundiert sind.

In der radikalen Linken wird zur Zeit vermehrt ĂŒber Klassen diskutiert – und es scheint so, als ob es im Moment gerade eine Art SelbstverstĂ€ndigung darĂŒber gibt, wie man selbst zur Klasse steht, und was das bedeuten könnte: Klassenpolitik zu machen. Der Anlass fĂŒr diese Diskussion liegt aber bezeichnender Weise nicht auf der unmittelbar sozialen, ökonomischen Ebene, sondern auf der politischen Ebene. Überall in Europa haben wir es gerade mit erstarkenden rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen zu tun – und in der Öffentlichkeit stellen sich diese Parteien und Bewegungen als Vertreter des einfachen Mannes dar – und es sieht so aus, als ob die Rechten so auf ihre Weise die soziale Frage fĂŒr sich zu beantworten versuchen. Die Linke ist gegenĂŒber diesen Bewegungen in die Defensive geraten – und aus dieser Defensive heraus scheint die Linke die Klasse wieder fĂŒr sich zu entdecken. Das schlĂ€gt sich in verschiedenen Debatten nieder – unter anderem in einer Debatte, die gerade in der Monatszeitung „Analyse und Kritik“ gefĂŒhrt wird. Eine Debatte eben ĂŒber neue Klassenpolitik. Einer der sich an dieser Debatte beteiligt heißt Gabriel Kuhn – der lebt selber in Schweden, ist aber durchaus im deutschsprachigen Raum bekannt als jemand, der u.a. zum Anarchismus und zum Poststrukturalismus publiziert hat. Zusammen mit Sebastian Friedrich hat er fĂŒr eine schwedisch-sprachige Internetplattform einen Text zur neuen Klassenpolitik veröffentlicht. Wir haben mit ihm gesprochen und ihn zunĂ€chst gefragt, worin er die vermehrte Zuwendung zu Klassenfragen begrĂŒndet sieht. (via)

    Download: via FRN (mp3; 35 MB; 25:17 min)

3.) Umrisse der Weltcommune

Innerhalb des linkskommunistischen Spektrums sind die 28 Thesen zur Klassengesellschaft von den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft viel diskutiert worden. In der Zeitschrift Kosmoprolet haben die Freundinnen kĂŒrzlich ein Text mit dem Titel Umrisse der Weltcommune veröffentlicht. In diesem Text geht es um eine Perspektive jenseits der Klassengesellschaft – diskutiert wird, welche Angaben man machen und welche Vorstellungen man von einer kommunistischen Gesellschaft haben kann. Dabei gehen sie von gegenwĂ€rtigen KĂ€mpfen und Produktivkraftentwicklungen aus, wobei der Text selbst eher ein Problemaufriss, denn ein klarer „Umriss“ ist. Ein Redakteur des Kosmprolet hat den Text in der Translib Leipzig vorgestellt. Dabei referiert er weniger die Thesen des Textes, als dass er ĂŒber Voraussetzungen des Textes, ĂŒber Diskussionen beim Schreibprozess und einige Abgrenzungen der AutorInnen spricht (etwa vom „Bilderverbot“ Frankfurter Coleur oder vom Dath’schen Kybernetik-Kommunismus):

    Download: via AArchiv (mp3; 84.3 MB; 52:35 min)

In seinem kĂŒrzlich bei ZuKlampen erschienenen Buch Verein Freier Menschen – Idee und RealitĂ€t kommunistischer Ökonomie denkt Hannes Giessler Furlan ĂŒber ganz Ă€hnliche Aspekte nach, wie die Freundinnen in ihrem jĂŒngsten Text – auch wenn Giessler Furlan zu anderen, teils entgegengesetzten SchlĂŒssen kommt. Im Interview mit Radio Corax hat Hannes Giessler Furlan einen Einblick in die Thesen seiens Buches gegeben.

Siehe auch: Raus aus der Klasse, rein in die Klasse?

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Die mitteldeutschen MÀrzkÀmpfe von 1921

1.) Die mitteldeutschen MÀrzkÀmpfe von 1921

Ende MĂ€rz 1921 riefen KPD und KAPD zu einem Generalstreik im Industriezentrum Halle/Merseburg und Leuna auf. Von Mitteldeutschland aus sollte diese Streikaktion an Masse gewinnen und InitialzĂŒndung fĂŒr weitergehende revolutionĂ€re Bestrebungen sein. Doch vergeblich – die besetzten Betriebe wurden von Schutzpolizei und Reichswehr niedergeschossen und tausende radikale Arbeiter wurden zu langjĂ€hrigen Haftstrafen verurteilt. Diese Ereignisse sind nicht nur wegen ihrer Folgen interessant – um die Gefangenen der MĂ€rzaktion freizukriegen, wurde erst die Rote Hilfe gegrĂŒndet – sondern auch wegen ihres Vorlaufes: Die Neuordnung der linken Parteienlandschaft, das VerhĂ€ltnis zur KomIntern und die Debatten um einen offensiven oder einen gemĂ€ĂŸigten Kurs. Nicht zuletzt sind die mitteldeutschen MĂ€rzkĂ€mpfe interessant wegen der beteiligten Gruppierungen und Personen – etwa der rĂ€tekommunistischen KAPD und dem berĂŒhmten Max Hoelz.

Auf Radio Corax ist im MĂ€rz 2017 ein ausfĂŒhrliches Feature erschienen, das die Ereignisse der mitteldeutschen MĂ€rzkĂ€mpfe von 1921 rekonstruiert. Zu Wort kommen hier Karsten Rudolph (Historiker, Institut fĂŒr Soziale Bewegungen an der Ruhr Uni), Stefan Weber (Historiker), Norbert Marohn (Autor) und Seb Bronsky (Kommunist).

    Download: via Mediafire (mp3; 1:26:33 h; 138 MB)

2.) Zum Leben und Wirken des Max Hoelz

ErgĂ€nzend zum Feature ist in der April-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-StreifzĂŒge ein ausfĂŒhrliches Interview mit Norbert Marohn ĂŒber Max Hoelz gesendet worden. Norbert Marohn hat eine Hoelz-Biographie geschrieben: Hoelz. Biographie einer Zukunft, erschienen im Lychatz-Verlag. Das Interview behandelt die Kindheit von Max Hoelz, dessen Politisierung durch den Ersten Weltkrieg, seine revolutionĂ€ren BetĂ€tigungen und schließlich seinen Aufenthalt in der Sowjetunion, der mit dem Tod in der Oka endete. Zu hören sind außerdem O-Töne aus den Filmen Max Hölz, der RevolutionĂ€r und Wolz. Leben und VerklĂ€rung eines deutschen Anarchisten.

    Download: via Mediafire (mp3; 1:05 h; 104 MB)
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Kunst, Spektakel & Revolution N°5

BeitrÀge zur Kritik der Gewalt

Wir haben immer wieder die Vortragsmitschnitte aus der Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution dokumentiert. Seit einiger Zeit haben im Rahmen dieses Formats keine VortrĂ€ge stattgefunden – trotzdem ist im letzten Jahr eine weitere Ausgabe des gleichnamigen Magazins erschienen, die sich schwerpunktmĂ€ĂŸig um einen kritischen Begriff von Gewalt bemĂŒht hat. Um diese Ausgabe herum sind einige RadiobeitrĂ€ge entstanden, die wir im Folgenden dokumentieren.

1.) Nachrichten aus dem beschÀdigten Leben

Das Sendungsformat „Nachrichten aus dem beschĂ€digten Leben“ bei Radio Corax hat die fĂŒnfte Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution vorgestellt, wobei einer der Mitherausgeber zu Wort kommt. Es wird allgemein ĂŒber das Thema Gewalt gesprochen.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:24 min; 21,4 MB)

2.) MissverstĂ€ndnisse ĂŒber Kulturindustrie

Im Rahmen einer Gemeinschaftssendung von FSK und Radio Corax hat Jakob Hayner ein Interview ĂŒber seinen Beitrag gegeben. Er hat in der KSR N°5 ĂŒber „MissverstĂ€ndnisse ĂŒber Kulturindustrie“ geschrieben. Er kontextualisiert den Begriff der Kulturindustrie innerhalb der „Dialektik der AufklĂ€rung“ von Adorno und Horkheimer und grenzt ihn von anderen Begriffen ab, etwa von dem der Massenkultur.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:05 min; 17,9 MB)

3.) Wutpilger-StreifzĂŒge: Zur Kritik der Gewalt

In einer Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-StreifzĂŒge im Dezember 2016 wurde ein lĂ€ngeres Feature gesendet, das auf der fĂŒnften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution basiert. Es kommen darin Roger Behrens, Jakob Hayner, Susann OffenmĂŒller und Lukas Holfeld zu Wort. Unter anderem enthĂ€lt es AuszĂŒge aus einem Mitschnitt einer Heftvorstellung in Hamburg. Das zugrundeliegende Interview mit Jakob Hayner bezog sich auf eine weitere Publikation zu einem Ă€hnlichen Thema: „Grenzsteine – BeitrĂ€ge zur Kritik der Gewalt“ (Edition Text und Kritik). Es enthĂ€lt außerdem Passagen aus der Ausgabe 63/2015 der wertkritischen Zeitschrift „StreifzĂŒge“, die sich ebenfalls dem Thema Gewalt gewidmet hat.

    Download: via Mediafire (mp3; 1 h; 96,1 MB)

4.) Wutpilger-StreifzĂŒge: Destruction of RSG-6

Die Novemberuar/2016-Ausgabe von Wutpilger-StreifzĂŒge hat sich ebenfalls der fĂŒnften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution gewidmet. Sie enthĂ€lt einen Vortrag von Lukas Holfeld ĂŒber die Ausstellung „Destruction of RSG-6″, die im Jahr 1963 von der Situationistischen Internationale in Odense (DK) organisiert wurde. Der Vortrag ist eine EinfĂŒhrung in die Theorie der Situationisten (mit einem Fokus auf deren VerhĂ€ltnis zur Kunst), schildert Aspekte des kalten Krieges und beschreibt die genannte Ausstellung.

Destruction of the RSG-6

Oder: Wie man die Kunst mit den Mitteln der Kunst zerstört

Im April 1963 veröffentlichte die britische Aktivisten-Gruppe „Spies for Peace“ die Existenz eines geheimen Atomschutzbunker-Systems, das ausschließlich fĂŒr Mitglieder der britischen Regierung reserviert war: Die „Regional Seats of Government“ (RSG). Mitglieder der Gruppe selbst waren in den RSG-6 in Reading eingebrochen und hatten dort die PlĂ€ne der ĂŒbrigen Bunker gefunden. Die Gruppe veröffentlichte ihre Funde in einer BroschĂŒre, die weltweit fĂŒr Aufmerksamkeit sorgte und einen enormen Mobilisierungsschub fĂŒr die außer-parlamentarische AbrĂŒstungs-Bewegung nach sich zog. Im Juni 1963 eröffnete die Situationistische Internationale eine Ausstellung, die mit dem Titel „Destruction of RSG-6″ ĂŒberschrieben war. Offensichtlich nahm die marxistische, post-surrealistische Gruppe Bezug auf die Funde in Reading. Aber nicht nur das: Die Galerie zeigte den Stand einer Kritik der Kunst, die die S.I. in den Jahren zuvor erarbeitet hatte.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die fĂŒnfte Ausgabe der Zeitschrift „Kunst, Spektakel & Revolution“ und erzĂ€hlt die Geschichte der Ausstellung „Destruction of RSG-6″. Dabei werden Fotos von der Ausstellung gezeigt. Zugleich sollen AnsĂ€tze der kritischen Theorie der Situationistischen Internationale eingefĂŒhrt werden. Die Ausgaben 3-5 von KSR können beim Vortrag erworben werden. [via]

    Download: via Mediafire (mp3; 1:30 h; 144 MB)

6.) KSR-Heftvorstellung in Berlin

Am 24.07.2016 wurde die fĂŒnfte Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution in Berlin im Laidak vorgestellt. Im Vortrag sprechen Julian Kuppe und ein Redaktionsmitglied, das den im Heft enthaltenen Beitrag von Olga Montseny vorstellt. Julian Kuppe umkreist in seinem Vortrag, wie im SpĂ€tkapitalismus bzw. in der Postmoderne IdentitĂ€t und SubjektivitĂ€t prekĂ€r werden und was dies fĂŒr Gesellschaftskritik und Psychoanalyse fĂŒr Folgen hat. Der andere Vortrag geht ausgehend von den Hamburger Gefahrengebieten darauf ein, wie der Ausnahmezustand zunehmend ein normaler Bestandteil von Ordnungspolitik wird.

Es gibt keine Herrschaft ohne Gewalt. Die Gewalt sachlich vermittelter Herrschaft ist in den Institutionen verborgen und vollzieht sich als stummer Zwang der VerhĂ€ltnisse. Offen zutage tritt sie in der Peripherie, an den Grenzen, gegenĂŒber „beschwerdearmen Bevölkerungsgruppen“ und im Ausnahmezustand. Sichtbar wird sie auch in der Deformierung der (post)modernen Subjekte. Herrschaft zwingt ihren Gegnern die Frage der Gewalt auf – ist sie einmal in der Welt, muss mit ihr umgegangen werden. Die Ă€ußeren Bedingungen und die Wahl der Mittel entscheiden darĂŒber, ob die Revolution ihr (im doppelten Sinne) erliegt. Die im Juli erscheinende fĂŒnfte Ausgabe der BroschĂŒren-Reihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ beschĂ€ftigt sich auf verschiedenen Ebenen mit der Gewalt der VerhĂ€ltnisse. Wir wollen im Laidak gemeinsam mit mehreren Autoren einen Einblick in das Heft geben. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 1:04:47 h; 88,9 MB)

Wer darĂŒber hinaus weiter hören möchte – die Homepage von Kunst, Spektakel & Revolution enthĂ€lt auch ein ausfĂŒhrliches Archiv mit Audiodateien, die im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe und dem Magazin stehen.

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Kritik der Knastgesellschaft

Die Diskussion ĂŒber Knastkritik und die gemeinsame Organisierung von Leuten drinnen und draußen ist weitestgehend aus den linksradikalen ZusammenhĂ€ngen verschwunden – sie hatte (Ă€hnlich wie die Psychiatrie-Kritik) in den 60′er und 70′er Jahren ihren letzten Höhepunkt. Wir dokumentieren hier einige aktuelle BeitrĂ€ge zum Thema und freuen uns ĂŒber ErgĂ€nzungen in der Kommentarspalte.

1.) Ein Jahr Gefangenengewerkschaft GG/BO

Am 01.10.2015 hat Oliver Rast von der Gefangenengewerkschaft GG/BO einen Vortrag im Berliner CafĂ© Kralle gehalten. Er hat im Vortrag ĂŒber die HintergrĂŒnde der GrĂŒndung der GG/BO, ĂŒber die Entwicklungen im Organisierungsprozess und ĂŒber die Organisationsbedingungen der Gewerkschaft berichtet. Das Anarchist Radio Berlin hat den Vortrag dokumentiert.

Lohnarbeit im GefÀngnis wird bewusst entrechtet und inhaftierte BeschÀftige nicht als Arbeitnehmer*innen anerkannt. Trotzdem wird hinter Gittern ein exzessives Sozial- und Lohndumping betrieben um Auftraggeber*innen den Produktionsstandort Knast als attraktive Alternative oder sogar Sonderwirtschaftszone anzubieten.

Eine basisorganisatorische Gefangenen-Gewerkschaft macht bereits von Außen und Innen darauf aufmerksam und will mehr erkĂ€mpfen. Dabei wird der bisher sehr erfolgreiche Organisierungsprozess in den KnĂ€sten auf politischer und juristischer Ebene attackiert. Einblicke in die Arbeit der Gefangenen Gewerkschaft / Bundesweite Organisation – GG/BO sowie aktuelle Entwicklungen erfahrt ihr beim Tresen. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 63.3 MB; 1:10:15 h) | via archive.org (verschiedene Formate)

Beachtet auch, passend zum Thema, den Text „Ein Jahr Gefangenengewerkschaft – Eine Zwischenbilanz“ von Oliver Rast. Radio Corax hat mehrere Interviews mit Mitgliedern der Gefangenengewerkschaft gefĂŒhrt. So z.B ein Interview mit Oliver Rast, in dem es allgemein um die Gefangenengewerkschaft geht und ein Interview mit Gerd Rockmann ĂŒber die AktivitĂ€ten der Gefangenengewerkschaft in Sachsen-Anhalt.

2.) abrisse. Innen- und Außenansichten einsperrender Institutionen

2011 hat die Gruppe baul_ucken ein Buch unter dem Titel „abrisse. Innen- und Außenansichten einsperrender Institutionen“ bei Edition Assemblage herausgegeben. Das Buch wurde in engem Kontakt mit mehreren Gefangenen konzipiert, enthĂ€lt Umfragen ĂŒber das Thema Knast, einige theoretische Texte, sowie verschiedenen Sichtweisen von Gefangenen, Aktivist_innen aus verschiedenen LĂ€ndern und AntwĂ€lt_innen, die ĂŒber eine isolierte Betrachtung der Institution GefĂ€ngnis hinaus weisen. Am 12.10.2011 waren im Rahmen der Gegenbuchmesse zwei MitherausgeberInnen in der Klapperfeldstraße in Frankfurt zu Gast und haben das Buch dort vorgestellt. Zu Beginn werden O-Töne aus den Umfragen vorgespielt, dann geht es um die Entstehunsgeschichte des Buches und zuletzt wird ein Brief einer Gefangenen vorgelesen, der in dem Buch enthalten ist. In der Diskussion geht es eher grundlegend um Knastkritik und Alternativen zum GefĂ€ngnis.

    Download: via AArchiv (mp3; 76 MB; 1:46:49 h)

Eine Rezension des Buches gibt es hier. Im Vorfeld einer Buchlesung in Dresden hat Radio Corax ein Interview mit einem Mitherausgeber gefĂŒhrt, das hier nachgehört werden kann. Auf dem Blog der Gruppe baul_ucken findet sich auch ein Text von Albert Destinazero mit dem Titel „Warum Knastkritik? SelbstverstĂ€ndlichkeiten und EinsprĂŒche. Zur Entstehungsgeschichte und Rechtfertigung des GefĂ€ngnisses“.

3.) Anti-Knast-Tage 2014 in Wien / Anarchistische Texte zur Knastkritik

Das Anarchistische Radio Wien hat in einer Sendung die Anti-Knast-Tage dokumentiert, die 2014 im Wiener EKH stattfanden. Gesendet wurden Ausschnitte aus den VortrÀgen und Diskussionen, die auf den Anti-Knast-Tagen stattgefunden haben.

Von 7. bis 9. November 2014 fanden in Wien die Anti-Knast-Tage statt. An drei Tagen tauschten sich Interessierte zu diversen KĂ€mpfen gegen Knast und Repression aus, es gab Diskussionen, VortrĂ€ge und Workshops, die sich sehr unterschiedlichen Themen widmeten. Einige Höhepunkte waren beispielsweise die Veranstaltung zur neu gegrĂŒndeten Gefangenengewerkschaft in Deutschland oder ein Vortrag zur aktuellen Situation in den griechischen KnĂ€sten.

Diese Sendung fasst unvollstĂ€ndig und bruchstĂŒckhaft das Wochenende in Wien zusammen und gibt einen kleinen Einblick fĂŒr alle, die nicht dabei sein konnten bzw. will mit den Audiomitschnitten allen Teilnehmer_innen die spannenden VortrĂ€ge in Erinnerung rufen. (via)

    Download: via Anarchistisches Radio (mp3; 76 MB; 56:57 min)

Das Anarchistische Radio hat außerdem in einer weiteren Sendung mehrere Texte zur anarchistischen Knastkritik eingelesen: Die Einleitung des Buches „Stein fĂŒr Stein – KĂ€mpfen gegen das GefĂ€ngnis und seine Welt“ von einer belgischen Gruppe und den Text „An wen richten wir uns?“ aus der italienischen Zeitschrift „Machete“.

4.) Die Unsichtbaren

Nanni Balestrini hat die Erfahrung der KnastkĂ€mpfe in Italien wĂ€hrend und nach dem BĂŒrgerkrieg in den 70′er Jahren in seinem Roman „Die Unsichtbaren“ literarisch verarbeitet. AuszĂŒge aus diesem Roman wurden in der Juni-Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-StreifzĂŒge“ vorgelesen (nach einer Besprechung des Buches „Den Himmel stĂŒrmen“).

    Download: via Mediafire (mp3; 140.8 MB; 1:42:31 h)

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Texte zur Kritik am GefĂ€ngnis (aus einer eher liberalen Warte) finden sich auf knastkritik.org. Ein grundlegendes Buch zum Thema ist „Sozialstruktur und Strafvollzug“ von Otto Kirchheimer und Georg Rusche. Grundlegend fĂŒr die Anti-Knast-Bewegung war außerdem das Buch „Überwachen und Strafen. Die Geburt des GefĂ€ngnisses“ von Michel Foucault. Eine Tradition der Knastikritik hat sich vor allem im anarchistischen Milieu gehalten – die Download-Seite auf der Internet-PrĂ€senz des Anarchist Black Cross Berlin stellt einige Zeitschriften der anarchistischen Knastkritik zur VerfĂŒgung. Die BroschĂŒre „Die vernebelte Spur von Os Cangaceiros durch die soziale Pampa“ versammelt einige deutschsprachige Übersetzungen von Texten der „TotengrĂ€ber“, einem in den 70′er und 80′er Jahren in Frankreich umherreisenden Kollektiv, das sich auch dem Kampf gegen die KnĂ€ste widmete. Weitere Literatur-Tips und Links zu Audio-BeitrĂ€gen zum Thema (ob historisch-materialistisch oder kritisch-genealogisch) können in der Kommentarspalte hinterlassen werden.

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Die Verwirklichung der Poesie

Kunst, Spektakel & Revolution N°4

Ende 2014 ist die vierte Ausgabe der Zeitschrift Kunst, Spektakel & Revolution erschienen (herausgegeben vom Bildungskollektiv im Katzenberg Verlag). Das Heft dokumentiert und ergÀnzt den vierten Teil der gleichnamigen Veranstaltungsreihe in Weimar. Thema des Heftes ist die Poesie des 19. Jahrhunderts und ihr VerhÀltnis zu den revolutionÀren Bewegungen jener Epoche. Wir dokumentieren hier zum einen VortrÀge, die bei Heft-Vorstellungen gehalten wurden und zum anderen die der Veranstaltungsreihe zugrundeliegenden VortrÀge.

Die vierte Ausgabe dokumentiert den Veranstaltungsblock, der im Sommer 2012 unter dem Titel »Die Verwirklichung der Poesie« stattgefunden hat. Thema ist das VerhĂ€ltnis von Poesie und Revolution – revolutionĂ€re Poesie, Poetik der Revolution – im Laufe des 19. Jahrhunderts. Die beiden Wegmarken bilden dabei die Französische Revolution von 1789ff und den Aufstand der Pariser Commune von 1871. Jene Revolution und dieser Revolutionsversuch haben bestimmt, was in dieser Epoche möglich war, haben eröffnet, was kĂŒnftig möglich sein wĂŒrde und hinterlassen ein Erbe, das noch zu rĂ€chen sein wird – auch im Bereich der kĂŒnstlerischen Produktion. Besprochen werden im Heft u.a.: Friedrich Hölderlin, Heinrich Heine, Rahel Varnhagen, Comte de LautrĂ©amont, Arthur Rimbaud, Baudelaire und Blanqui, Richard Wagner, Louise Michel und die Frauen der Pariser Commune. (via)

Zur vierten Ausgabe von KSR

Interview mit Radio Dreyeckland

Einen kurzen Einblick in das Heft hat der Mitherausgeber Lukas Holfeld in einem Interview bei Radio Dreyeckland in Freiburg gegeben (via):

    Download: via AArchiv | via FRN (mp3; 21 MB; 9:03 min)

Lukas Holfeld im GesprÀch mit Marcus Quent

Einen etwas ausfĂŒhrlicheren Einblick in das Heft hat Lukas Holfeld am 11.02.2014 im Leipziger Institut fĂŒr Zukunft im GesprĂ€ch mit Marcus Quent (Engagierte Wissenschaft) gegeben. Sie sprechen ĂŒber den Hintergrund der Veranstaltungsreihe und das Thema der BroschĂŒre.

    Download: via AArchiv (mp3; 26.5 MB; 28:54 min)

Despotismus der Freiheit

Im Anschluss an das GesprĂ€ch hat Sebastian TrĂ€nkle einen Vortrag ĂŒber Georg BĂŒchner gehalten, ein Dichter, der gut in die vierte KSR-Ausgabe gepasst hĂ€tte, es aber nicht hineingeschafft hat. TrĂ€nkle arbeitet anhand Georg BĂŒchners Dantons Tod den Widerspruch zwischen revolutionĂ€rer Moral und individuellem GlĂŒcksstreben heraus – um anschließend mit Bezug auf Oscar Wilde der Moral eine materialistische Absage zu erteilen. Dem Vortrag liegt ein Beitrag zugrunde, den TrĂ€nkle fĂŒr das Buch Gewalt und Moral. Eine Diskussion ĂŒber die Dialektik der Befreiung (Hendrik Wallat, Hg.) verfasst hat.

In Georg BĂŒchners Dantons Tod (1835) wird ein zentrales Problem aller revolutionĂ€ren Politik dramatisiert: Der Konflikt zwischen der ihr zugrunde liegenden Moral und dem GlĂŒcksstreben der einzelnen Individuen. BĂŒchners Drama – in der Sprache so unerhört modern, dass man bisweilen meinen möchte, es nehme Brecht vorweg – seziert in geradezu ideologiekritischer Manier die jakobinischen Moralvorstellungen und ihren blutigen Konsequenzen. Aus der historischen RĂŒckschau lĂ€sst das zur terroristischen Endzeit der Französischen Revolution situierte StĂŒck gar Fluchtlinien hin zum Großen Terror des Stalinismus erkennen. Vor dem Hintergrund der beiden historischen Erfahrungen wird die FragwĂŒrdigkeit eines jeden Ansatzes zu einer politischen Ethik deutlich. Mit einem Seitenblick auf Oscar Wilde soll ihr schließlich eine materialistische Absage erteilt werden: Dort wo nur fĂŒr »die Sache« gekĂ€mpft wird, statt fĂŒr das eigene GlĂŒck ist die Revolution schon an den RevolutionĂ€ren gescheitert – oder zeitgemĂ€ĂŸer formuliert: fĂŒhrt sich jeder Versuch zur Befreiung selbst ad absurdum.

Von Sebastian TrĂ€nkle ist jĂŒngst ein Aufsatz zum Thema erschienen: »Polizeisoldat des Himmels. Über revolutionĂ€re Moral und die Negation des individuellen GlĂŒcksanspruchs«, in: Hendrik Wallt (Hg.), Gewalt und Moral. Eine Diskussion der Dialektik der Befreiung, MĂŒnster: Unrast 2014. Der Vortrag möchte mit dem Essay auch das Buch vorstellen. Sebastian TrĂ€nkle ist als freier Autor tĂ€tig und lebt in Berlin. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 48.9 MB; 53:26 min)

Auguste Langlois schÀumt nicht im Tuileriengarten

Bei der Release-Veranstaltung zu KSR#4 in der ACC Galerie Weimar hat Clemens Bach seinen in der BroschĂŒre enthaltenen Artikel vorgestellt: es geht um den Begriff einer negativen PĂ€dagogik in den Werken von Joris-Karl Huysmans und Comte de LautrĂ©amont. Zuvor liest Lukas Holfeld einen Auszug aus der Einleitung des Heftes vor.

Am 30.10.2014 wird das Heft in der ACC Galerie vorgestellt und wird erstmals erhĂ€ltlich sein. Außerdem stellt Clemens Bach die Thesen seines Textbeitrags ĂŒber die Romane von Joris-Karl Huysman und Comte de LautrĂ©amont vor. In Huysmans‘ Roman »Gegen den Strich« und LautrĂ©amonts »GesĂ€ngen des Maldoror« spĂŒrt er einen negativen Kern pĂ€dagogischer Prozesse auf und stĂ¶ĂŸt dabei auf die Grenzen, die der Leib dem pĂ€dagogischen Zugriff setzt und dabei ein fiebriges Erschaudern vor dem gegenwĂ€rtigen Zustand der Gesellschaft hervorruft. Passagen aus beiden Romanen werden leserisch vorgetragen. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 43.9 MB; 47:57 min)

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Bewegte Ruhe.

Evozierendes Denken in der Lyrik Bertolt Brechts

In der letzten Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-StreifzĂŒge“ wurde ein Vortrag von Jörg Zimmer (u.a. Internationale Gesellschaft Hegel Marx fĂŒr dialektisches Denken, Metapher) gesendet, in dem er (wie ich finde) auf eine sympathische Weise sechs Gedichte von Bertolt Brecht interpretiert und dabei fast unbemerkt einige Aspekte dialektischen Denkens vorstellt. In der Radioversion sind die behandelten Gedichte neu eingesprochen.

Download:

  1. unbearbeitete Originalversion des Vortrags via AArchiv: Vortrag (mp3; 18,8 MB; 32:49 min) | Diskussion (mp3; 4,2 MB; 7:22)
  2. Radio-Version mit neu eingesprochenen Gedichten: via Mediafire (mp3; 54,9 MB; 1 h)
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Material zu Paul Celan

1. Magnus Klaue – SARKASMEN. Überlegungen zum poetischen Interventionismus in Paul Celans SpĂ€twerk

Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst | Spektakel | Revolution“: Daß Paul Celans Lyrik entgegen verbreiteten Klischees ĂŒber deren vermeintliche Hermetik ihrer Formgestalt nach als ‚engagierte Dichtung‘ verstanden werden muß, ist spĂ€testens seit Ende der siebziger Jahre zunehmend ins Bewußtsein der akademischen Forschung, aber auch der feuilletonistischen Rezeption seines Werks getreten. Nolens volens haben die dezidiert politischen Interpretationen von Celans Lyrik seiner Vereinnahmung als ‚Dichter des Holocaust‘ durch diverse derridistisch-heideggerianische GedĂ€chtnisexperten womöglich sogar vorgearbeitet. Im Mittelpunkt solchen Interesses stehen indes die LyrikbĂ€nde aus Celans mittlerer Schaffensperiode, v.a. „Sprachgitter“ und „Die Niemandsrose“. Der Vortrag möchte demgegenĂŒber der Frage nachgehen, inwiefern Celans spĂ€te Gedichte, die sich sowohl in ihrer Entstehungsweise wie in ihrer immanenten Formsprache deutlich von den frĂŒheren unterscheiden, sich bereits als Reaktion auf verschiedene Weisen der politischen Vereinnahmung seines Werks deuten lassen. Die spezifische Form des Engagements, wie sie seinen frĂŒheren Dichtungen immanent ist, wird dabei zugespitzt in einem polemischen Interventionismus, der in bislang ungekannter Weise auf ‚pragmatische‘ Formen wie Sentenz und Epigramm zurĂŒckgreift, zugleich aber jede Art politischer ‚Gebrauchsdichtung‘, wie sie zur gleichen Zeit etwa von Enzensberger vertreten wurde, scharf zurĂŒckweist. FĂŒr die besondere Formsprache, die durch die VerschrĂ€nkung von Elementen ‚eingreifender‘ und ‚absoluter‘ Dichtung im SpĂ€twerk entsteht, schlĂ€gt der Vortrag den Begriff des Sarkasmus vor. Im Mittelpunkt stehen Gedichte aus den BĂ€nden „Fadensonnen“, „Lichtzwang“ und „Schneepart“.

Download: via FRN [mp3; Stereo; 128 kbps; 42,0 MB] oder nachbearbeitet via MF [mp3; Mono; 40 kbps; 13,1 MB]

2. Ich hörte sagen. Gedichte und Prosa

Die Stimme der Poesie – Paul Celan ist einer bedeutendsten deutschprachigen Lyriker des 20. Jahrhunderts. In seinen Gedichten verbindet sich bittere Kritik mit sehnsĂŒchtiger Utopie, sie sind in ihrem Wesen nach Dialoge, ZwiegesprĂ€che. Im Vortrag des Autors entfalten sie ihre Trauer und Anklage in eindringliches Tönen.

Paul Celan, 1920 – 1970, liest hier ĂŒber 80 Gedichte aus Der Sand der Urnen, Mohn und GedĂ€chtnis, Von Schwelle zu Schwelle, Die Niemandsrose, Sprachgitter, Fadensonnen, Atemwende sowie aus AusgewĂ€hlte Gedichte.

Paul Celans Vortrag offenbart, wie sehr dieser Dichter aus und in der Sprache lebt, wie er spricht, um zu leben. Sein Werk zeigt, dass auch nach Auschwitz Lyrik noch möglich ist, wenn sie die bittere RealitÀt nicht verdeckt. [Literatur-Report]


Download
: CD 1 | CD 2 [via MF]; pw:

Schnabelfeld

3. Wutpilger-StreifzĂŒge. Fragmente aus Politik und Kultur #1

Das Debut der Sendereihe „Wutpilger-StreifzĂŒge“, in dem das Sendekonzept vorgestellt und Überlegungen zur Möglichkeit einer Radiosendung angestellt werden, enthĂ€lt die Lesung und eine Interpretation des Celan-Gedichtes „Wutpilger-StreifzĂŒge“ (Fadensonnen, PCGW II, S.169). Das in der Sendung enthaltene Kurz-Essay zu Fragment und Aphorismus kann hier nachgelesen werden.

Download [via MF; mp3; Stereo; 128 kbps; 52 min 17 sec; 47,9 MB]

4. Lorettas Leselampe – Dezember 06

Lorettas Leselampe stellt in diesem Sende-Ausschnitt die 2006 aus dem Nachlass erschienenen Prosa-Fragmente Celans (Paul Celan: Mikrolithen sinds, Steinchen. Die Prosa aus dem Nachlass. Suhrkamp) vor.

Download [via MF; Stereo; 128 kbps; 18 min 57 sec; 17,4 MB]

5. Bremer Literaturpreis 1958

Celan wurde 1958 fĂŒr seine BĂ€nde „Mohn und GedĂ€chtnis“ und „Von Schwelle zu Schwelle“ der Bremer Literaturpreis verliehen. Hier ein kurzer Auszug aus seiner Rede wĂ€hrend der Preisverleihung:

hören [Radio Bremen]

6. Literaturempfehlungen zum Thema: (mehr…)

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